Saudi-Arabien, 10.11. – 29.11.2022
Da wir in Aqaba sind, wählen wir für unsere Einreise nach Saudi-Arabien den Grenzübergang «Ad Durrah». Das ganze Einreise-Prozedere gestaltet sich recht angenehm. Bei der Ausreise aus Jordanien wie auch bei der Einreise nach Saudi-Arabien treffen wir durchwegs auf freundliche und hilfsbereite Beamte und nach gut drei Stunden überqueren wir die saudische Grenze. Ausserhalb der Grenzstadt «Haql» finden wir einen Schlafplatz an einem kleinen Hafen. Im angrenzenden Restaurant erhalten wir einen feinen «Flat White» mit köstlichen Waffeln und morgens werden wir von zwei jungen Saudis auf prächtigen Araberpferden begrüsst und willkommen geheissen. Einer von vielen noch zu kommenden Willkommensgrüssen …


Weiter geht’s dann dem Golf von Aqaba entlang Richtung Süden. Unterwegs besuchen wir die «Catalina» das Wrack eines amerikanischen Wasserflugzeugs, das an der Küste von Saudi-Arabien notlanden musste. Etwas weiter südlich übernachten wir am Strand von «Qiyal». Die Gegend scheint eine einzige Baustelle des ambitiösen «Neom-Projektes» zu sein. Offensichtlich wird ein ganzer Landstrich umgebaut. Überall wuselt und «steibt’s».


Der Jabal Al Lawz (Mandelberg) 2580 m winkt als nächstes Ziel. Die Fahrt ins Gebirge beginnt auf einer nagelneuen sechsspurigen Autobahn. Bald treffen wir auf eine Baukolonne, welche die Strasse weiter ins Tal hineintreibt. Nach weiteren ca. 20 km auf einer bescheidenen zweispurigen Strasse ist bei einer riesigen Baustelle auf ca. 2000 m leider Schluss für uns. Wir erfahren, dass auch diese Bauprojekte zum «Neom-Projekt» gehören. Zudem führt Saudi-Arabien im Jahr 2029 in diesem Gebirge die Asiatischen Winterspiele durch, was bedingt, dass spätestens dann die erforderliche Infrastruktur inklusive riesigem Stausee bereitsteht.


Nach einer eher kühlen Nacht am Berg machen wir in der Bezirkshauptstadt «Tabuk» Halt. Wir besuchen die mittelalterliche Burg (nicht wirklich ein Highlight…), kaufen eine Simkarte (… vierstündiges Highlight!) und versuchen etwas vom Leben dieser typisch arabischen Stadt zu erspüren. Mitten in Tabuk auf dem riesigen Parkplatz einer Moschee erwachen wir am kommenden Morgen mit dem Ruf des Muezzin.

10.11. – 13.11.2022
Die Fahrt zum «Wadi Disah» führt wieder durch imposante und ungewohnte Gebirgslandschaften. Die letzten Kilometer sind dann ziemlich ruppig und 4×4 ist angsagt. Bei der Einfahrt in die Engen des Wadi betont ein Ranger, dass unser Auto für eine Durchquerung des Tals vermutlich zu schwer ist. So schnüren wir unsere Joggingschuhe und machen uns am späteren Nachmittag zu Fuss auf den noch ca. 12 km langen Weg ans westliche Ende des Wadi. Um ein aussergewöhnlich schönes Erlebnis reicher, sind wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit zurück bei unserem Schlafplatz.






Tourismus ist in Saudia-Arabien ein neues Phänomen. Die in Al Ulã und dessen näherer Umgebung gelegenen Sehenswürdigkeiten aus frühen Zivilisationen können zusammen mit der «Old Town Al Ulã » als touristische Vorzeigeobjekte Saudi-Arabiens bezeichnet werden. Hier ist fast alles neu und vom Feinsten und eher auf ein finanzstarkes Publikum ausgerichtet… Touristische Anlässe sind durchorganisiert. Das Personal ist zuvorkommend und die Tourguides sind kompetent, sprachlich versiert, aufgeschlossen und meist weiblich. Letzteres ist für die saudische Gesellschaft ebenfalls neu.






Das heutige Al Ulã ist eine riesige Oase in wunderschöner Umgebung. Auf zahlreichen Arealen, die archäologisch erst teilweise erforscht sind, befinden sich unzählige Monumente wie Felsengräber, Überreste von Siedlungen, Felszeichnungen und andere Hinweise auf frühere Zivilisationen. Als bedeutendstes Kulturgut dieser Gegend gilt die Stadt «Hegra» eine ehemalige Handelsmetropole der Nabatäer, die sich unweit des heutigen Al Ulã befand. Ausserhalb Al Ulãs finden sich Grabstätten und Hinweise auf noch frühere Kulturen wie die der «Dadan» und der «Lihyan». Schon die historische Stadt Dadan war eine der bedeutendsten Handelsstädte an der alten Weihrauchstrasse.





Nach mehreren Touren durch historische Stätten wollen wir ausserhalb Al Ulãs beim «Elefant Rock» etwas «chillen». Dieser ist allerdings gerade Austragungsort eines Konzerts. So machen wir uns auf zum «Rainbow Arch», eine riesige Felsbrücke inmitten einer großartigen, fast menschenleeren Landschaft. Wir beschliessen hier etwas zu bleiben und besuchen auf dem Rückweg den Elefant Rock dann doch noch.




14.11. – 19.11.2022
Mit Zwischenziel «Khaybar» bzw. «Chaibar» machen wir uns anderntags auf den Weg zu den weissen und schwarzen Vulkanen von Chaibar. In der Stadt Chaibar angekommen suchen wir abseits der Autobahn einen Platz zum Übernachten. Bald werden wir von einem lokalen Autofahrer an die Strassenseite gewunken. Unerwarteterweise lädt uns dieser auf seine Farm ein, wo wir mit Tee, Kaffee und Datteln bewirtet werden und ja, natürlich können wir die Nacht auf seinem Gelände verbringen. Auf der Farm werden Pferde und ein Schlag voller Tauben gehalten. Nach kurzer Zeit trifft der Besitzer der Pferde ein und Tee und Kaffee werden nachgefüllt. Wir steuern unsere letzte Schokolade aus der Schweiz bei, was besonders die anwesenden Kinder freut. Während sich der Kreis der Anwesenden laufend erweitert, stellen der Besitzer der Pferde und der Farmer ihre reiterlichen Fähigkeiten unter Beweis. Bei Sonnenuntergang verabschieden wir uns und nochmals wird uns Unterstützung für die Nacht angeboten.



Erholt fahren wir am kommenden Morgen weiter Richtung Vulkane. Unterwegs verlassen wir die nagelneue vierspurige Strasse und suchen den Off-road-Track zu den «Umm Jersan» Höhlen. Diese entpuppen sich als ein von einem Vulkan geschaffenes unterirdisches Höhlensystem (ca. 50 auf 100 m beim Eingang mit einer Länge von ca. 1,5 km). Vor Ort treffen wir Mahmoud A. Al Shanti, Saudi-Arabiens Top-Höhlenspezialist. Er informiert, dass die Höhlen über die Jahrtausende von verschiedenen Kulturen genutzt worden seien. Die meisten archäologisch wertvollen Gegenstände seien im Laufe der Zeit jedoch entwendet worden. Trotzdem hätten noch bis zu 7000 Jahre alte menschliche bzw. tierische Überreste analysiert und zugeordnet werden können.

Nach dem Erkunden der Höhlen (knöcheltiefer Matsch aufgrund von Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und olfaktorische Grenzerfahrung) fahren wir weiter Richtung Vulkanfeld von Khaybar (Harrat Al Khaybar Volcano Field). Schon von Weitem sind die Vulkane in ihren unterschiedlichen Farben sichtbar. Kurz nach Verlassen der geteerten Strasse ist der Boden mit einer Schicht «Lavakies» (Lecca ähnlich) bedeckt. Die Natur präsentiert sich weitgehend in Beige- und Schwarztönen. Nach kürzlich gefallenem Regen zeigt sich dazwischen zögerlich frisches Grün. Wir übernachten am Rand eines erstarrten Lavastroms und kraxeln bei Sonnenaufgang auf den schwarzen Vulkan, den «Jabal Al-Qadr». Nächstes Ziel ist der weisse Vulkan «Jabal Al-Abyad» (2100 m) und zum Sonnenuntergang schaffen wir es auf den ebenfalls weissen «Jabal Al-Bayda». Unsere Umgebung ist spektakulär und faszinierend unwirtlich.




Nach einer weiteren angenehm kühlen Nacht im Vulkanfeld fahren wir weiter zum Al Wa’bah Krater, wo wir am frühen Nachmittag eintreffen. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang geniessen wir im Gespräch mit einem jungen Paar aus der Schweiz, das mit ihrem «Frosch» zurzeit ebenfalls in Saudi-Arabien unterwegs ist. Wir können direkt am Kraterrand übernachten und machen uns noch vor Sonnenaufgang auf eine Tour rund um den Vulkan.

Entgegen früheren Plänen fahren wir anschliessend nach Osten. Dort wollen wir die am Roten Meer gelegene KAEC (King Abdullah Economic City) besuchen. Im Vorfeld erfahren wir, dass es schwierig ist, mit grösseren Autos eine Besuchererlaubnis zu erhalten. Den kreativen Verhandlungsmethoden von Markus hat die Sicherheitskontrolle dann jedoch wenig entgegenzusetzen und so schaffen wir es trotz der Grösse unseres WoMos die Stadt zu besuchen.






Die KAEC ist ein im Jahr 2005 lanciertes Projekt einer zukunftsorientierten, familienfreundlichen und von fossilen Brennstoffen unabhängigen zwei Millionen Stadt. Sie wurde als Wohnort für mehrheitlich junge, gut ausgebildete Saudis konzipiert, die der heimische Arbeitsmarkt bisher nicht aufnehmen konnte. Die jungen BürgerInnen sollen hauptsächlich in der Wirtschaft tätig sein, wobei Männer und Frauen die Möglichkeit haben sollen, Seite an Seite zu arbeiten. Die Stadt wird nebst den Schnellstrassen mit Flughafen, Eisenbahn und einem Seehafen erschlossen. Da sie auch touristisch attraktiv sein soll, verfügt sie über entsprechende Attribute, wie Hotels, Golfplatz, Strandpromenade, kulturelle Einrichtungen, etc. Für uns präsentiert sich die Stadt zurzeit allerdings als imposantes, durchgestyltes, strategisch clever positioniertes Wunschbild menschlichen Zusammenlebens. Sie scheint jedoch noch auf das wirkliche Leben zu warten …
Nach einem Kurzbesuch am Strand von «Thuwal» fahren wir weiter nach «Jeddah», die zweitgrösste Stadt Saudi-Arabiens mit ca. fünf Millionen Einwohnenden.


Der Besuch von «Al-Balad» der historischen Altstadt von Jeddah ist ein besonderes Erlebnis. Die noch vorhandenen alten Häuser dieses Stadtteils sind UNESCO Welterbe. Leider befindet sich ein Grossteil der Gebäude aufgrund von Vernachlässigung in einem desolaten Zustand. Die Saudis scheinen den Wert dieses einmaligen Kulturgutes jedoch erkannt zu haben und geben sich im Rahmen der touristischen Grossoffensive alle erdenkliche Mühe, zu retten, was noch zu retten ist. Wir freuen uns, ein paar Stunden an diesem spannenden Ort zu verbringen. Überraschenderweise erhalten wir am späten Nachmittag eine Einladung zum Fussballspiel Schweiz-Brasilien. So können wir die Niederlage des Schweizer Teams vor einer Grossleinwand in der Old Town Jeddah «miterleiden».





20.11. – 29.11.2022