Oman – der Süden

09.01. – 24.01.2023

Von Samhuram nach Muscat

Beim Schreiben unseres letzten Beitrages befanden wir uns am Sandstrand von Salalah der südlichsten Stadt von Oman. In der Zwischenzeit sind wir ca. 1800 Kilometer Richtung Norden gefahren und befinden uns nun mitten in «Muscat» der quirligen Hauptstadt dieses äusserst abwechslungsreichen Landes. Hier verbringen wir zwei Nächte im Hotel, um wieder einmal etwas offenere Wohndimensionen zu erleben. Ausserdem erhält Churi einen Service, der nach den rund 12’200 gefahrenen Kilometern und den zum Teil recht anspruchsvollen Fahrten definitiv erforderlich ist.

Auf dem Weg von Salalah nach Muscat übernachten wir insgesamt vierzehn Mal. Wir machen mehrere Abstecher in Fischerdörfer und Wadis, besuchen die Städte «Duqm» und «Sur» sowie an der Route liegende Sehenswürdigkeiten. Je nach Gegebenheit stellen wir unser Auto am Strand, in einem Wadi, in der Wüste oder auch mitten in einer Stadt.

Die Küstenstrasse von Salalah nach Muscat führt uns vorbei an strahlend weissen Sand- oder bunten Kiesel- und Muschelstränden, an verblüffenden Felsformationen und entlang direkt ins Meer abfallender Steilküsten. Wir überqueren Hochebenen und kommen an tiefen vom Wasser erodierten Schluchten vorbei, die weit in der Ferne ins Meer auslaufen. Mehrmals queren wir das Küstengebirge, das durch Täler mit fruchtbaren Oasen und versteckten kleinen Gebirgsdörfern, weiten Salzebenen und kleineren und grösseren Wüsten wie der «Sugar Dunes» oder der «Ramlat al Wahiba», die bis ans Meer reichen, unterbrochen wird. Das Gestein des Küstengebirges überrascht mit Farbtönen von weiss über gelb, leuchtend orange und rot bis hin zu violett. Dazu gibts immer wieder unerwartete Aus- und Tiefblicke und die auf der arabischen Halbinsel üblichen extremen Steigungen mit den entsprechenden Talfahrten.

Nach ca. 700 Kilometern machen wir Halt in der ehemaligen Seehandelsstadt Duqm. Hier verlängern wir auf dem lokalen Polizeiposten unser Visum, besuchen den Fischereihafen und den «Rockgarden», bei dem es sich tatsächlich um einen Stein-Garten handelt. Dieser befindet sich auf einem 3 km2 grossen geschützten Gelände, auf dem auf engstem Raum eine verblüffend hohe Anzahl geologisch bedeutender Felsformationen entdeckt wurden. Hier verbringen wir ein paar entspannte Stunden und treffen laufend neue verblüffende Formen an, die bei Änderung der Perspektive eine komplett neue Gestalt annehmen..

Die Sugar Dunes (Zuckersand-Dünen) südlich von «Khaluf» sind unser nächstes Ziel. Diese sind ein kleines Wüstensystem von dessen äusserst feinem und reinweissem Sand die Dünen ihren Namen erhalten haben. Der Sand ist so fein, dass er in jede noch so kleine Ritze gelangt. Das Aufstellen oder verschieben von Gegenständen im Wohnmobil ist immer mit einem leichten Knirschen verbunden und egal, was man isst, alles fühlt sich leicht knusprig an.

«Khaluf» ist eines von vielen Fischerdörfern entlang der omanischen Küste, an der ein Grossteil der Bevölkerung vom Fischfang lebt. In diesem und anderen Dörfern treffen wir auf Unmengen von herumliegendem Plastik und anderem Müll, der zu einem grossen Teil aus liegen gelassenem Fischereibedarf, aus alten Booten, Netzten oder aus Baumüll und achtlos weggeworfenem Alltagsabfall besteht. Auch die Strände, die wir unterwegs aufsuchen, sind teils stark «vermüllt». So wird es zu einem eigentlichen Ritual den Platz, den wir uns zum Übernachten ausgewählt haben, zuerst vom Müll zu befreien und diesen anderntags in einem Abfallcontainer zu entsorgen.

Allerdings lässt sich feststellen, dass sich das Land bemüht, sein Abfallproblem in den Griff zu bekommen. So sehen wir wiederholt grün uniformierte Arbeiterkolonnen, die Abfall einsammeln und die Kehrrichtabfur ist regelmässig unterwegs. Manchmal ist auch eine diesbezügliche Sensibilität in der Bevölkerung erkennbar. Je weiter wir nach Norden kommen, desto sauberer werden die Strände. Auch sonst liegt weniger Müll herum und die Hauptstadt Muscat präsentiert sich als ausgesprochen saubere Stadt. Auch in den Bergen und auf dem Land, vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten, scheint das Problem kleiner.

Oman ist eines der wenigen Länder weltweit, an dessen Küsten Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Wir besuchen das «Turtle Reserve» (Meeres-Schildkröten Naturschutzgebiet) «Ras Al Jinz» und decken uns im dazugehörigen Museum mit Informationen über diese beeindruckenden Tiere ein. Von den sieben bekannten Arten, sind fünf an Omans Stränden anzutreffen. Sie legen ihre Eier verteilt über das Jahr ab. Dabei teilen sie die geeigneten Monate und Strände instinktiv unter sich auf, damit nicht alle Arten gleichzeitig am gleichen Ort ihre Eier ablegen. Sobald die jungen Schildkröten geschlüpft sind, machen sie sich auf den Weg ins Meer. Ein Grossteil der Jungtiere schafft es allerdings nicht ins Wasser, da verschiedene Raubvögel schon auf sie warten. Auch im Meer sind sie nicht sicher, da sie eine willkommene Abwechslung auf der Speisekarte von Krabben und Raubfischen darstellen. Daher erreicht nur ca. eine von 1000 geschlüpften Meeresschildkröten mit ca. 20 bis 30 Jahren die Geschlechtsreife. Die weiblichen Tiere kehren dann an den Strand zurück, an dem sie geboren wurden, um dort nachts ihre Eier abzulegen. Die männlichen Tiere kehren nie an ihren Geburtsort zurück.

Der grösste Feind der Meeresschildkröten ist allerdings der Mensch. Mit seinen Fischfangmethoden und der «Vermüllung» der Meere gefährdet er das Überleben dieser faszinierenden Tierart. So gehört die Meeresschildkröte heute zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Da uns bekannt ist, dass Meeresschildkröten bei der Eiablage äusserst empfindlich auf Störungen reagieren, verzichten wir auf eine geführte Tour in der kommenden Nacht. Als Kompensation buchen wir am Strand eine Bootstour zur Beobachtung von Delfinen. Am kommenden Morgen stellt sich heraus, dass allein schon die Fahrt im kleinen Fischerboot über das recht ruppige Meer ein bleibendes Erlebnis ist. Als Zugabe können wir dann auch noch eine ganze Schule von Delfinen bei der Jagd und beim Spiel beobachten.

Am späteren Nachmittag des gleichen Tages starten wir bei der Ortschaft «Mintirib» auf einen weiteren Ausflug in die Wüste. Zwei Mal übernachten wir in der Wahiba Sands und können nochmals die Schönheit der Dünen und die Stille und Weite der Wüste erleben.

Nach den Tagen in der Wüste fahren wir ins Wadi «Bani Khalid». Dieses Tal führt das ganze Jahr über Wasser und ist ein beliebtes Auflugsziel für die lokale Bevölkerung wie auch für ausländische Touristen. So ist es nicht verwunderlich, dass wir auf dem Parkplatz, an dem die Strasse endet, diverse andere «Overlander» antreffen. Eine kurze Wanderung führt uns tiefer ins Wadi hinein. Der Weg führt durch weisses Gestein in dessen vom Wasser ausgewaschenen Pools gebadet werden kann. Allerdings sind auch hier die omanischen Kleidervorschriften einzuhalten.

Anderntags machen wir uns zeitig auf den Weg, denn bevor wir weiter Richtung Muscat fahren, wollen wir in «Jalaan Bani Bu Ali» die «Hamouda Al-Masjid» Moschee besichtigen. Der Weg dorthin nimmt einiges an navigatorischem Können in Anspruch und dauert daher etwas länger als erwartet. Das alte Fort und die ca. 500 Jahre alte Moschee mit ihren 52 Kuppeln und der einzigartigen geometrischen Architektur sind die Mühen der Anfahrt durchaus wert, obwohl die Moschee ausschliesslich für Muslime zugänglich ist.

Auf der Weiterfahrt in die Hauptstadt entscheiden wir uns spontan ins Wadi «Al Arabiyin» zu fahren und dort zu übernachten. In bekannter Manier steigt die asphaltierte Strasse an, um nach ein paar Kilometern in eine Piste überzugehen. Auf dieser geht’s dann rauf und runter, durch enge Täler mit Oasendörfern, entlang von Berghängen und über kleine Pässe bis sie schliesslich auf einem Parkplatz vor einer Bachdurchquerung endet. Überrascht stellen wir fest, dass der Parkplatz mit unzähligen Autos vollgestellt ist. Wir stellen unseren Churi hinten an, da wenden nicht mehr möglich ist. Auf einem Platz auf der anderen Seite des Baches sehen wir eine Schar teils bewaffneter Männer, die zum Rhythmus von Trommeln tanzen und singen. Dieses Geschehen wird von Zeit zu Zeit von Schüssen begleitet. Fasziniert beobachten wir das Ganze für ein paar Minuten und schon werden wir von einem Omani eingeladen näher zu kommen. Er erklärt uns, dass sich die Leute hier zu einer Feier zusammengefunden hätten. Solche Treffen, die auf Einladung stattfinden, hätten in Oman eine lange Tradition. Es stellt sich heraus, dass wir vom Gastgeber angesprochen wurden, der uns dann auch zum Nachtessen und zum Übernachten einlädt. Wir erleben einen eindrucksvollen und authenischen Abend, den wir inmitten von ca. drei hundert Männern verschiedensten Alters und einigen Kindern verbringen. Das von einem Caterer angelieferte Nachtessen wird gemäss omanischem Brauch auf einer Bastmatte sitzend und ohne Besteck eingenommen. Wir erhalten eine kurze Einführung und geniessen dann das feine omanische Essen. Danach verabschieden wir uns von unserem Gastgeber und gehen zu unserem Auto, das inzwischen etwas mehr Platz erhalten hat, da einige Fahrzeuge umgestellt wurden. Während der Nacht wird in einer kleinen Gruppe in unterschiedlicher Zusammensetzung weiter musiziert. So können wir einem qualitativen hochstehenden Konzert mit traditionellem arabischem Gesang und entsprechender Begeleitmusik beiwohnen, das bis in die frühen Morgenstunden andauert.

Bei Sonnenaufgang sind wir die einzigen auf dem Parkplatz. Wir laufen und kraxeln noch ein paar Kilometer weiter ins Wadi hinein und gegen Mittag verlassen wir den wunderschönen Ort mit ebensolchen Erinnerungen an die herzliche Gastfreundschaft und die Offenheit der omanischen Bevölkerung.

In der Hauptstadt Muscat mit ca. 1,5 Millionen EinwohnerInnen angekommen, fahren wir umgehend zur Mercedes-Vertretung, um unser Auto an die Werkstatt zu übergeben. Vom zuständigen Manager werden wir anschliessend in die benachbarte Stadt «Mutrah» gefahren, wo wir den Souk besuchen wollen. Da es noch recht früh am Morgen ist, zeigt uns Michael den Einstieg in eine kurze Wanderung ins Gebirge, das direkt hinter Mutrah beginnt. Kurzerhand packen wir diese Gelegenheit für etwas Bewegung. Es wird eine unerwartet eindrückliche Wanderung, auf der wir uns nach wenigen Minuten mitten in den Bergen und kilometerweit von der nächsten Siedlung entfernt wähnen. Nach etwa einer Stunde und einem kurzen Aufstieg aus dem Wadi «Khalfan» sind wir zurück in Mutrah, wo die letzten Meter der Wanderung uns quasi direkt in den Souk führen.

Während der nächsten paar Stunden schlendern wir durch den Souk, wo wir die bunten Farben der Stoffe, die Gerüche der Gewürze, den Duft verschiedenster Parfums und Räucher-Zutaten («Bochur») und vor allem des Weihrauchs («Luban»), sowie das angeregte Stimmengewirr von eifrigen Verkäufern und deren Kundschaft geniessen. Nach einem omanischen Mittagessen in einem lokalen Restaurant fahren wir per Taxi in unser Hotel. Wir freuen uns auf zwei Nächte in einem Hotelzimmer mit Bad und Dusche und kommen uns nach den sonst üblichen 8 m2 Wohnraum prompt etwas verloren vor …

Die Tage in Muscat vergehen wie im Flug. Sie sind ausgefüllt mit gemütlichem Frühstücken auf dem schattigen Gartensitzplatz des Hotels, mit dem Besuch von Sehenswürdigkeiten und Spaziergängen an der Strandpromenade von Muscat und der angrenzenden Stadt Mutrah und mit Waschen unserer Kleider in der hoteleigenen Gäste-Waschküche.

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes in Muscat können wir unseren fahrbaren Untersatz abholen und umgehend starten wir auf unsere achttägige Reise in und durch die Berge des «Al Hajar»-Gebirges. Diese Fahrt beschert uns äusserst spannende und erlebnisreiche Tage mit Off-Road-Fahrten, die für uns und unser Auto neue Herausforderungen bereithalten wird.

Einschub Weihrauch
Das seltene Harz hat den Ländern bzw. deren Herrschern im südlichen Arabien in vergangenen Zeiten Macht und unermesslichen Reichtum eingebracht. Aus diesem Grund erhielt die Gegend auch den Beinamen «Arabia Felix», was übersetzt «glückliches Arabien» bedeutet. Mittels Kamelkarawanen wurde das kostbare Gut auf der legendären Weihrauchstrasse, die von Oman über den Jemen, parallel zur Küste des Roten Meeres durch Saudi-Arabien vorbei an den heiligen Städten Mekka und Medina ins jordanische Petra und dann weiter ins Heilige Land (Gaza) und nach Alexandria in Ägypten führte. Eine weitere Route führte auf die andere Seite der Arabischen Halbinsel nach Osten bis nach Mesopotamien (heutiger Irak). In etwas späteren Zeiten wurde das kostbare Gut auch auf dem Seeweg nach Ägypten, Europa und in den fernen Osten transportiert.

In Oman gedeiht der Weihrauchbaum (Boswellia sacra) ausschliesslich im Dhofar, dem südlichsten Teil des Landes. Ausserhalb von Oman wächst er in Jemen, in Teilen von Ostafrika (Boswellia carterii bzw. Boswellia papyrifera) sowie in Teilen von Indien und Pakistan (Boswellia serrata). Er benötigt kalkhaltige Böden und die trockenen und heissen Verhältnisse von höher gelegenen Steinwüsten ähnlichen Gegenden.

Der in Oman gewonnene Weihrauch wird in verschiedenen Qualitäten angeboten. Die beste Qualität kommt aus dem Wadi «Hojar», das im östlichen Dhofar liegt. Andererseits ist der Weihrauch, der direkt um Salalah herum gewonnen wird, von schlechterer Qualität, da die Luftfeuchtigkeit dort relativ hoch ist.

In Oman wird Weihrauch im Frühjahr bis zu Beginn des Sommers geerntet, wenn im Dhofar der Monsunregen beginnt. Zur Gewinnung von Weihrauch, wird die Rinde des Stammes und dickerer Äste mit einem speziellen Messer waagrecht eingeritzt. Das erste austretende Harz wird weggeworfen. Die zweite und dritte Ernte ergibt dann das zum Verkauf bestimmte Produkt. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Bäume wird vom gleichen Baum maximal drei Jahre hintereinander Harz gewonnen. Danach erhält der Baum eine dreijährige Pause, damit er sich erholen kann.

Die besten Qualitäten des Weihrauchs werden auch als Heilmittel verwendet. Die Heilkraft von Weihrauch wird als vielfältig beschrieben. Die minderen Qualitäten werden zum Räuchern gebraucht. Dabei vertreibt er unbeliebte Gerüche und hält Wäsche und Kleider frisch. Ein nicht wegzudenkender Bestandteil ist Weihrauch nach wie vor in Ritualen der katholischen Kirche.

Obwohl Weihrauch nicht mehr die Bedeutung hat wie vor Jahrhunderten, stellen Weihrauchbäume in Oman auch heutzutage noch einen wertvollen Besitz dar. Allerdings beschränkt sich die Produktion von Weihrauch hauptsächlich auf jene Menge, die im eigenen Land benötigt wird.