25.01. – 06.02.2023
Oman ist überraschend gebirgig. Von der Grenze zu Jemen bis nach «Musandam», wo er den östlichen Abschluss der arabischen Halbinsel bildet, zieht sich ein Gebirgszug der Küste entlang durch das ganze Land. Die höchsten Gipfel Omans sind knapp 3000 Meter hoch und das Wasser hat über Jahrtausende eine Vielzahl an spektakulären Schluchten geschaffen. Ein Teil der Täler verfügt das ganze Jahr über Wasser, das sich in Pools und kleinen Seen sammelt und zum Baden einlädt. Bei starkem Regen können sich diese beschaulich friedlichen Wasserlandschaften jedoch innert kürzester Zeit in reissende Flüsse verwandeln. Aufgrund des ganzjährig ausreichend vorhandenen Wassers sind diese Täler sehr fruchtbar. Entsprechend werden sie landwirtschaftlich genutzt und Palmenhaine sind allgegenwärtig. Diese Wadis sind meist mit dem Auto erreichbar. Vielfach sind die Strassen jedoch nicht asphaltiert und Fahrzeuge mit Allradantrieb sind unumgänglich. Allerdings ist «Mann» hier statt mit dem Subaru mit dem Toyota oder Nissan unterwegs. Es lohnt sich, die landschaftlich meist wunderschönen Täler wandernd zu erkunden. Dabei lässt sich erleben, was die landwirtschaftliche Nutzung der oft steilen und steinigen Hänge für die hiesigen Bauern bedeutet.

Die Verbindungsstrassen zwischen den Tälern und deren Oasen-Dörfern führen über Pässe und entlang von Bergflanken wieder zurück ins Tal, um sich auf der gegenüberliegenden Seite wieder hochzuwinden. Die Strassenverhältnisse sind anspruchsvoll, da kreuzen unterwegs oft nicht möglich ist und die engen Pisten Steigungen und Talfahrten aufweisen, die uns immer wieder staunen und ab und an auch zögern lassen.


Unsere Fahrt ins Gebirge beginnt mit dem Aufstocken unserer Vorräte, damit wir uns abseits von Dörfern selber versorgen können. Dann machen wir uns auf zur Hochebene bei «Yenkut» um zur «Butterfly View» zu wandern. Den Weg zu diesem besonderen Aussichtspunkt finden wir allerdings nicht auf Anhieb. Die Aussicht auf die Weite des Meeres und dessen Seitenarme, die wie kleine Fjorde in die Hochebene hineinreichen und dann die eindrückliche Sicht auf den «Schmetterling», wiegen die zusätzlichen Kilometer für die Wegsuche, mehr als auf. Als zusätzliches Plus brilliert auch unser Übernachtungsplatz mit einer grossartigen Aussicht und mit absoluter Ruhe, was wir nach dem lebhaften Muscat sehr schätzen.

Als nächstes Ziel streben wir den Besuch des Forts in der Oasenstadt «Nakhal» an. Allerdings müssen wir feststellen, dass das imposante, ursprünglich aus dem 7. Jahrhundert stammende, von verschiedenen Herrschern erweiterte und in den 1990er Jahren restaurierte Bollwerk, zurzeit wegen Renovationsarbeiten geschlossen ist.

Dadurch bleibt uns mehr Zeit für den Besuch des auf ca. 1600 m gelegenen Dorfes «Wakan». Wakan ist eines jener alten, gut erhaltenen Dörfer Omans, die mit Unterstützung des Staates renoviert wurden und als nationales Kulturerbe (Heritage Villages) erhalten werden. Der Ort wird nach wie vor landwirtschaftlich genutzt und stellt die Lebensgrundlage mehrerer Familien dar. Das benötigte Wasser wird aus den Bergen über Bewässerungskanäle (Aflaj) in die Häuser und auf die terrassierten Felder geleitet. Angebaut werden Früchte (Aprikosen, Granatäpfel, Trauben, Datteln etc.) und diverse Gemüse, Getreide, Mais, Kräuter. Auf den neu angelegten Wegen, die durch die Terrassen hoch über das Dorf führen, lassen sich Wakan und seine nähere Umgebung bequem erkunden.





Eine enge Fahrt durch die verwinkelten Oasengärten der Stadt «Ar Rustaq» führt uns zum dortigen Fort. Leider ist auch dieses wegen Unterhaltsarbeiten geschlossen. Also fahren wir direkt weiter ins Wadi «Sahtan». In diesem weitläufigen Tal finden wir einen einsamen Platz für eine unerwartet regnerische und kühle Nacht. Morgens machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg durch einen Teil des «Hadjar» Gebirges. Erstes Tagesziel ist das Heritage Village «Balad Sayt». Von da wollen wir weiter auf den Pass beim «Jabal Hat», um dort den Sonnenuntergang zu geniessen und zu übernachten. Die Route erweist sich als anspruchsvolle Off-Road-Piste, die unsere volle Konzentration verlangt. Ab und zu sind die Ausblicke auf Bergketten und vor allem die Tiefblicke in Schluchten und Täler im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. So ist der Spaziergang durch die Palmengärten und den Dorfkern von Balad Sayt mit etwas Kraxeln im Ausläufer des «Little Snake Canyons» eine willkommene Abwechslung. Allerdings überzieht sich der Himmel unterdessen mit Regenwolken und nachdem wir ein paar Kilometer weitergefahren sind, beginnt es auf ca. 1600 m leicht zu regnen. Innert Kürze verwandelt sich die Piste in eine schmierig schlammige Rutschbahn. Nach einer Rückwärts-Rutschpartie und der Annahme, dass der Sonnenuntergang auf dem Pass (auch) dem Regen zum Opfer fällt, beschliessen wir, auf dieser Seite des Passes zu übernachten. Nach kurzer Suche entdecken wir in der Nähe der Strasse einen geeigneten Platz. Am nächsten Morgen schlafen wir aus und lassen der Sonne während eines ausgedehenten Frühstücks genügend Zeit, die Restwolken zu vertreiben und die Piste zu trocknen. Gespannt starten wir dann in die letzten Steigungen auf den Pass. Diese schaffen wir nun ohne Schwierigkeiten und nach zwanzig Minuten bewundern wir auf 2000 Metern Höhe bei einem Kaffee und den mittlerweile üblichen Datteln ein fantastisches Panorama. Entspannt fahren wir danach ins Tal und durch die Oasenstadt «Al Hamra» weiter Richtung «Jabal Shams», dem mit 2970 m höchsten Berg Omans.






Im Vorfeld dieses Unterfangens hören wir, dass am Jabal Shams vor zwei Tagen Schnee gefallen ist. Dies habe Unzählige veranlasst auf den Berg zu fahren, um das Naturwunder mitzuerleben. In der Folge habe es ein Verkehrschaos mit vielen Unfällen gegeben und die Strasse sei gesperrt worden. Tatsächlich werden wir am Anfang der Bergstrecke von der Polizei aufgehalten. Diese erkundigt sich nach unserer Hotelbuchung. Da wir keine vorweisen können, werden wir aufgefordert umzukehren. Nachdem wir erläutern, dass wir unser Hotel dabeihaben und deutlich machen können, dass unser Auto gebirgstauglich ist, dürfen wir passieren. Wie gewohnt führt die Strasse ohne überflüssige Kurven den Berg hoch, wo sie auf ca. 1600 Metern in eine Piste übergeht. Vom Schnee ist nichts mehr zu sehen und ohne Herausforderungen erreichen wir unser Ziel am Rand des «Grand Canyon of Oman» auf 2000 m. Das Klima ist super und die nächtlichen Temperaturen von etwa 10 Grad lassen heimatliche Gefühle aufkommen.

Am kommenden Morgen wandern wir auf dem «Balcony Walk» entlang von Felsbändern des Canyons zur Quelle des Wassers, das durch das «Wadi Guhl» und weiter in die Oasengärten von Al Hamra fliesst. Wir bewundern die imposante Landschaft und den spektakulären Blick auf das rund 1200 Meter tiefer liegende Dorf «Guhl» mit dem Wasser, das diese grossartige Gegend geschaffen hat.


Nach rund fünf Stunden sind wir zurück am Ausgangspunkt. Am Rand des Canyons machen wir nochmals Pause, um die einmalige Aussicht zu verinnerlichen. Unterwegs nach «Nizwa» stellen wir unser Auto knapp vor Sonnenuntergang ein paar hundert Meter neben der Strasse auf einen zum Übernachten geeigneten Platz. Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir vom Farmer, der in der Nähe seinen Hof bewirtschaftet, zum Kaffee eingeladen. Nach etwa fünf Wiederholungen nehmen wir die Einladung schliesslich an. Neben Kaffee, Tee und Datteln erhalten wir eine Führung durch die Felder (Getreide, Dattelpalmen, Mais, Kräuter, Gras etc.) und zu den Tierherden (Schafe, Ziegen, Kamele). Die Farm wird von unserem Gastgeber und seinem Bruder bewirtschaftet, die mit ihren Familien auf dem gemeinsamen Grundstück wohnen. Bei Dunkelheit suchen wir später wohlversorgt mit Datteln unseren Weg zurück zum Auto. Als wir am Morgen aussteigen, um unser Auto zur Weiterfahrt bereit zu machen, werden wir vom Bruder des gestrigen Gastgebers und seinen Kindern erwartet und zum Frühstück eingeladen. Auch diesmal wäre ablehnen unhöflich, ja sogar eine Beleidigung. So finden wir uns kurze Zeit später im Garten von Abdulla und seiner Familie wieder und werden mit einem fürstlichen Frühstück verwöhnt. Gute zwei Stunden später brechen wir auf, gestärkt und versorgt mit Proviant und kleinen Geschenken von den Kindern in den Taschen. Wieder sind wir tief beeindruckt von der Freundlichkeit und grosszügigen Gastfreundschaft der omanischen Bevölkerung.



Weitere Zwischenhalte auf unserer Tour durch den Nordosten Omans sind das Fort von «Bahla» (UNESCO Weltkulturerbe seit 1987), das Schloss von «Jabreen» sowie das Oasendorf «Misfat Abriyeen». Verbunden mit einer Übernachtung im «Wadi Damm» besuchen wir ausserdem die «Bienenkorb-Gräber» bzw. «Navami» von «Al Ain». Dabei handelt es sich um ein aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. stammendes Gräberfeld mit 21 Einzelgräbern. Zusammen mit den Bienenkorb-Gräbern von «Bat» wurden sie 1988 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt.








Zum Abschluss unserer Tage im Osten Omans, zieht es uns nochmals in die Höhe. Diesmal fahren wir nordöstlich von Nizwa in die «Hadjar Mountains», wo wir am Rand einer imposanten Schlucht die Ruhe, die Abgeschiedenheit und den Sonnenuntergang auf uns wirken lassen. Am andern Morgen sind wir beizeiten unterwegs, da wir vor unserer Fahrt zurück nach Muscat den Souk in Nizwa besuchen wollen. Um viele bleibende Erinnerungen reicher, verabschieden wir uns nach einem gemütlichen Rundgang durch die Läden mit allerlei Souveniers, lokalem Handwerk und Räucherzubeör von diesem Teil Omans. Zurück in Muscat übernachten wir am Strand, wo die Vorbereitungen für den «Ironman Oman» auf Hochtouren laufen und holen am nächsten Morgen auf der iranischen Botschaft die Visa für unsere Rückreise durch den Iran ab.

Zunehmend macht sich die Rückreise in die Schweiz in unserem Alltag bemerkbar. Ein Zeichen dafür ist, dass die Richtung unserer Reise nun unverkennbar nordwärts führt. So auch die Strecke von Muscat entlang der Küste an die Grenze der «United Arab Emirates». Für diese Fahrt und auch für unsere letzten Tage und Übernachtungen in Oman, lassen wir uns etwas Zeit.

Ein von uns ausgewählter Übernachtungsplatz auf dieser Fahrt ist aufgrund eines Festes gesperrt. Neugierig geworden, stellen wir unser Auto auf den Parkplatz des Anlasses. Bald erfahren wir, dass hier für vier Wochen die Kultur und die traditionellen Berufe des Fischfangs und des Fischhandels gefeiert werden. Immer wieder werden wir willkommen geheissen und können traditionelle musikalische Darbietungen und Bootswettbewerbe miterleben. Nochmals lassen wir uns von der Offenheit, Lebensfreude und Spontaneität dieses Volkes gefangen nehmen.



