An der Ostküste der arabischen Halbinsel findet ein veritabler Wettbewerb der Skylines statt. Hoch ist gut, am höchsten am besten. Eleganz wetteifert mit Originalität und Glasfassaden flimmern in verschiedensten Formen und zahllosen Blautönen um die Wette. Das Ringen um Beachtung ist offensichtlich und ein Platz in der vordersten Reihe der Skyline scheint von höchster Bedeutung. Historische Bauten sind vergleichsweise rar, da die meisten dem stetig drängenden Fortschritt weichen mussten. Statt derer können wahre Wunderwerke zeitgenössischer Architektur und Tempel des Konsums bewundert werden.

Qatar
14.-16.02.2023
Nach einer überraschend angenehmen Einreise nach «Qatar» fahren wir ohne Umwege an den Strand von «Wakrah», wo wir unerwartet viele Menschen beim Feiern antreffen. Aus der stetig zahlreicher werdenden multikulturellen Menge erfahren wir, dass der heutige Valentinstag der Grund für die ausgelassene Stimmung ist. Mit einem Bummel durch den alten Souk von Wakra weichen wir dem Rummel für einige Zeit aus und ziehen uns dann in unsere vier Wände zurück. In den frühen Morgenstunden verstummt eine Lautsprecheranlage nach der anderen und nach und nach kehrt die ersehnte Ruhe ein.


Am späten Morgen des nächsten Tages verschieben wir uns in die Hauptstadt «Doha». Dort erhalten wir die Erlaubnis, auf einem Parkplatz in der Nähe der Corniche zu parkieren. Doha ist eine moderne, offene, auf Hochglanz polierte Grossstadt, in der die Spuren der Fussballweltmeisterschaft 2022 noch allgegenwärtig sind. Wir besuchen das Nationalmuseum, das von Jean Nouvel nach den Strukturen einer Sandrose konzipiert wurde. Begeistert von der perfekt in die Gegend passenden Architektur wie auch von den visuell, akustisch und didaktisch nach neusten Erkenntnissen und technisch perfekt präsentierten Inhalten verbringen wir in diesem faszinierenden Gebäude mehrere Stunden mit Staunen, Lernen, Diskutieren und Verarbeiten von Informationen zu Qatars Geschichte, Gegenwart und Zielsetzungen für die Zukunft.




Anderntags besuchen wir das imposante, in kubischem Stil gehaltene Museum für Islamische Kunst, das seine Werke aus Kultur, Kunst und Handwerk sowie wertvollste Schriften und Kalligraphien in edelster Umgebung jedoch in eher traditioneller Art ausstellt.


Mit einem Spaziergang durch den Souk «Al Waqif» und über die Corniche beschliessen wir unseren dreitägigen Aufenthalt im Emirat Qatar.




Während unserer Fahrt zur Grenze entwickelt sich die bisher leicht mit Staub angereicherte Brise zu einem kräftigen Wind, woraus sich auf unserer Weiterfahrt nach «Hofuf» in Saudi-Arabien ein mittlerer Sandsturm entwickelt.

Bahrain
20.-23.02.2023
Die Grenzformalitäten zur Einreise nach «Bahrain» werden auf einer Insel in der Mitte der 25 Kilometer langen Brückenkonstruktion, dem «King Fahd Causeway», der Bahrain mit Saudi-Arabien verbindet, abgewickelt. Bei den Grenzübertritten gibt es keinerlei Probleme, obwohl Saudi-Arabien seinen Nationalfeiertag mit einem verlängerten Wochenende feiert und sich die Autos an den Grenzen zu Bahrain in langen Schlangen stauen. Dadurch sind die Grenzbeamten ziemlich gefordert. Trotzdem werden wir äusserst freundlich willkommen geheissen und aufgefordert für die Dauer unseres Aufenthaltes eine Krankenversicherung abzuschliessen. Danach erfolgt eine kurze Inspektion unseres Autos und schon sind wir bereit für die Weiterfahrt über den Causeway und durch den abendlichen Stossverkehr von «Manama», der Hauptstadt von Bahrain.

Unser Stellplatz befindet sich in der Bay von Bahrain quasi im Vorgarten eines imposanten Doppelturms. Wir richten uns ein und geniessen bei einem feinen Nachtessen die tolle Aussicht auf das nächtliche Manama. Abends ist die Bay ein beliebter Treffpunkt für die Einheimischen, die hierher kommen, um zu Picknicken und für einige Stunden herrscht fröhliche von Musik untermalte Betriebsamkeit.

In den folgenden zwei Tagen durchstreifen wir den Souk von Manama, besuchen das Nationalmuseum und erfahren auf dem «Perling Path», einem ausgeschilderten historischen Spaziergang durch die Altstadt von «Muharraq», viel Wissenswertes über Bahrains ehemalige Perlenindustrie. Der Handel mit Perlen hat Bahrain zu viel Reichtum und Macht verholfen. Mit der Erfindung der Zuchtperle verschwand dieser Industriezweig jedoch innert Kürze. Der 3,5 Kilometer lange Weg mit seinen restaurierten historischen Gebäuden, zwei Küstenabschnitten mit Austernkolonien und weiteren dazugehörenden Kulturgütern ist seit 2012 UNESCO Weltkulturerbe.




Obwohl Bahrain noch einiges mehr zu bieten hätte, verlassen wir die Insel nach drei Tagen wieder, um über einen letzten Aufenthalt in Saudi-Arabien weiter nach Kuwait zu reisen.

Kuwait
26.02.-05.03.2023
Der Kleinstaat «Kuwait» empfängt uns mit einem Gewitter, lauter Musik und bemerkenswert freundlichen Grenzbeamten. Bald erfahren wir, dass Kuwaits Nationalfeiertag der Grund für die fast schon ausgelassene Stimmung an der Grenze ist und umgehend werden auch wir mit Kuwait-Fähnchen versorgt. Nach knapp einer halben Stunde sind die Einreiseformalitäten erledigt.

Auf unserer Fahrt nach «Ahmadi», der ersten Stadt in Kuwait, begleitet uns ein prächtiges Farbenschauspiel. Das blaudunkel bedrohlich wirkende Gewitter auf der einen, die rotgolden untergehende Sonne auf der anderen Seite der Strasse. Dieses eindrucksvolle Szenario beschert uns unseren ersten und vermutlich letzten Regenbogen in einer Wüste. Das Verkehrschaos in Ahmadi ist dann ebenfalls beeindruckend. Die Autos stehen kilometerlang Stossstange an Stossstange und feiernde Leute befinden sich überall, wo noch etwas Platz bleibt. Die Suche nach einem freien Parkplatz kostet viel Geduld und Nerven. Nachdem wir etwas ausserhalb des Trubels einen geeigneten Platz gefunden haben, mischen wir uns zur Entspannung unter die fröhliche Menge.

Anderntags fahren wir weiter nach Kuwait City. Nach 32 Jahren und sechs Monaten ist dies ein Wiedersehen mit der Stadt, in der wir von Anfang 1986 bis August 1990 mit unseren beiden Töchtern im Alter von null bis knapp vier Jahren gelebt haben. Seit damals hat Kuwait die im August 1990 erfolgte Invasion des Irak, die weitgehende Zerstörung der Stadt und die damit verbundene Traumatisierung der Bevölkerung sowie die beispiellosen Naturkatastrophen, ausgelöst durch die 613 von Irak in Flammen gesetzten Ölquellen, zu überwinden. Soweit ersichtlich hat Kuwait diese Herausforderungen gemeistert und heute fügt sich Kuwait City ebenbürtig ein in die mondänen Grossstädte entlang der Ostküste der Arabischen Halbinsel. Trotz der enormen Veränderungen entdecken wir neben dem Wahrzeichen von Kuwait einige weitere Gebäude und Orte, welche die vielen Jahre mehr oder weniger unverändert überdauert haben.



In Kuwait City übernachten wir an schönster Lage am Strand von «Salmiya». Wir nehmen uns eine Woche Zeit und unternehmen mehrere Ausflüge in die Stadt und deren Umgebung. Wir besuchen (unseren) ehemaligen SAS Club im heutigen «Radisson Blue», den Stadtteil «Jabriya», in dem wir wohnten, fahren über den neuen Causeway nach «Bubian Island», besuchen das Öl- und Gasmuseum in Ahmadi, das Kuwait Opera House bzw. das «Sheikh Jaber Al-Ahmad Cultural Centre», die «Shuwaikh» Industrial Area, usw. Ein Schwerpunkt unseres Aufenthaltes in Kuwait ist der Besuch auf der Schweizer Botschaft, in der Markus anlässlich der Invasion der irakischen Armee einige Wochen verbracht hat. Freundlich werden wir in der Botschaft empfangen und anhand eines interessanten Austausches mit dem Stellvertreter des Botschafters wird ein stimmiger Schlusspunkt hinter dieses Stück Vergangenheit gesetzt.




Einen beeindruckenden Abschluss unserer Zeit in Kuwait bildet ein grandioses, 60-minütiges Feuerwerk mit paralleler Laser-Lichtschau zur Feier des «National Liberation-Day».

Die Rückreise in die Schweiz hat uns während unserer Reise wiederholt beschäftigt. Da die politische Lage in einigen Ländern unterwegs schwierig ist, bietet sich keine optimale Reiseroute an. Zur Verfügung stehende Informationen von anderen Reisenden sind oft widersprüchlich und von individuellen Erfahrungen geprägt. So stehen uns zum Zeitpunkt der Entscheidung in Kuwait drei Möglichkeiten zur Auswahl:
Kuwait – Saudi-Arabien – Jordanien – Israel – Fähre in die Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz
Kuwait – Irak (Basra – Bagdad – Mosul – Zakho) – Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz
Kuwait – Irak (Basra) – Iran – Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz
Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns für die Variante durch den Iran. Das entsprechende Visum haben wir sicherheitshalber schon vor der Festlegung der Rückreiseroute organisiert und konnten dieses in Muscat abholen. Allerdings haben wir das Visum nur unter der Bedingung erhalten, dass wir für die Reise eine Route festlegen und einen Reiseführer bzw. eine Reiseführerin engagieren. Nach der Überprüfung der Angaben durch das iranische Konsulat wurden die Visa ausgestellt.
Damit wir von Kuwait in den Irak einreisen können, müssen wir in Kuwait eine Bewilligung einholen, um von der kuwaitischen Grenze an die Grenze zum Irak vorgelassen zu werden. Das Visum für den Irak ist gemäss Informationen der irakischen Botschaft an der Grenze erhältlich.
Mit dieser Information und den eingeholten Papieren machen wir uns am frühen Morgen des fünften März auf den Weg an die Grenze zum Irak und sind gespannt, was uns dort erwartet.
