Iran – mit Basra (Irak)

05. – 11.03.2023

An der kuwaitischen Grenze zum Irak benötigten wir nach der Passkontrolle eine gute Stunde, bis die Angaben zum Auto den Weg ins entsprechende Computerprogramm gefunden haben und das Carnet de Passage gestempelt werden kann. Weitere drei Stunden dauert es, bis wir das Visum und alle erforderlichen Stempel und Papiere für die Einreise in den Irak zusammengesucht und die geforderten Gebühren bezahlt haben. Ob es sich bei diesen Gebühren um offizielle staatliche Abgaben oder um abgesprochene Nebeneinnahmen handelt, können wir nicht beurteilen. So oder so kostet uns die Einreise in den Irak bis dahin USD 250. Bei der Ausreise aus dem Irak sind dann nochmals USD 50 fällig.

Die Fahrt durch den Irak über «Basra» nach «Al Shalamcha» an der iranischen Grenze unterbrechen wir nur für eine kurze Pause. Die 80 Kilometer geben uns einen Einblick in dieses geschundene Land, über das so viele gegensätzliche Einschätzungen kursieren. Wir haben uns gegen eine Reise durch den Irak zur türkischen Grenze entschieden, weil wir uns dafür einerseits zu wenig sicher fühlen und wir andererseits eine Durchreise durch den Norden der Türkei aufgrund des kürzlichen Erdbebens als nicht sinnvoll erachten. Zudem haben wir uns bei der Vorbereitung unserer Reise im letzten Herbst sehr auf den Iran gefreut und sehen nun eine Gelegenheit, während der nächsten zwei Wochen wenigsten einen kleinen Teil dieses Landes kennenzulernen.

Die Ausreise aus dem Irak und die anschliessende Einreise in den Iran erweisen sich als Odyssee von Schalter zu Schalter, von einem Gebäude zum anderen und dazwischen zurück zum Anfang. Geregelte Abläufe scheint es nicht zu geben und wer wofür zuständig ist, bleibt für nicht Eingeweihte ein Rätsel. Mit der Unterstützung von mehreren hilfreichen Beamten erhalten wir um 16.30 Uhr die letzten erforderlichen Papiere und schaffen damit die Einreise in den Iran. Als wir unser Auto auslösen wollen, stellt sich heraus, dass die dafür zuständigen Beamten schon Feierabend gemacht haben. Wir werden informiert, dass unser Auto erst ausgeführt werden kann, wenn dies von der Behörde am nächsten Morgen abschliessend bewilligt worden ist. Ab acht Uhr würden die Zollbeamten wieder arbeiten. Wir könnten das Gelände gerne verlassen und zum Übernachten im WoMo wieder zurückkommen.

Ein freundlicher Sicherheitsbeamter an der Kontrolle zum Grenzgelände hilft uns, unsere Reiseleiterin Nadja, die wir für die Reise durch den Iran engagiert haben, zu kontaktieren. Kurze Zeit später holt sie uns ab und wir fahren in die nahegelegene Stadt «Khorramshahr». Khorramshahr liegt direkt an der Grenze zum Irak, die hier durch den «Shatt Al Arab» gebildet wird. Ausserdem mündet hier der Fluss «Karun», der die Stadt aus nordöstlicher Richtung durchfliesst, in den Shatt Al Arab. Khorramshahr wurde im Iran-Irak-Krieg (1980 bis 1988) grösstenteils zerstört und die Spuren des Kriegs sind noch immer gut sichtbar. Bei einem Spaziergang durch diese Stadt erhalten wir einen ersten Eindruck vom Iran und beim Nachtessen besprechen wir mit Nadja die ersten Etappen unserer gemeinsamen Reise.

Aktuell verfügen wir für unsere Reise durch den Iran über ein 14-Tage-Visum. Wir haben die Reise so geplant, dass wir den grössten Teil des Westens nicht bereisen, da die politische Lage in diesem Teil des Landes heikler ist. Die Agentur, über die wir die Reise gebucht haben, hat uns eine Verlängerung des Visums in Aussicht gestellt. Sollte dies gelingen, würden wir die Reise um vier Tage erweitern und die Stadt «Yazd» und zwei zusätzliche Ausflüge in der Gegend von «Täbriz» in unser Programm aufnehmen.

Nach dem abendlichen Ausflug nach Khorramshahr verbringen wir eine ungestörte Nacht auf dem Grenzgelände und morgens um acht Uhr sind wir pünktlich vor dem Zollgebäude. Es dauert dann allerdings nochmals drei Stunden, bis unser Auto definitiv in den Iran eingeführt ist und wir losfahren können. Umgehend machen wir uns auf die rund 250 Kilometer lange Fahrt durch die fruchtbaren mit Weizen, Raps und Zuckerrohr bepflanzten Ebenen des westlichen Iran. Wir durchqueren die Städte «Abadan» und «Ahwaz» und erreichen um den Mittag die am Fluss «Karun» liegende Stadt «Shushtar», wo wir das dortige Bewässerungssystem mit seinen Wassermühlen besichtigen. Der Ursprung dieses Systems liegt im 5. Jh. v. Chr. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Anlage laufend ausgebaut. Sie diente einerseits der Bewässerung der Zuckerrohrfelder und zum Antrieb der Mühlen und anderseits als Wasserversorgung für die BewohnerInnen der Stadt und zur Kühlung von Gebäuden. Über eine Fläche von rund fünf Hektaren greift ein hochkomplexes Netzwerk von unter- und oberirdischen Kanälen, Tunneln, Reservoirs und Staudämmen wie ein Uhrwerk ineinander und leitet die Wassermengen in die Kanäle und zu den Wassermühlen. In seiner Hochblüte wurden in Shushtar über 40 Wassermühlen zum Mahlen von Getreide und Zuckerrohr betrieben. Mehrere Städte haben ihr Korn zum Mahlen nach Shushtar gebracht. Die heute noch sichtbaren und teils immer noch funktionsfähigen Mühlen stammen aus dem 8. bis 10. Jh. n. Chr. Seit 2009 ist das Bewässerungssystem mit seinen Wassermühlen, Qanaten und dem Damm UNESCO Weltkulturerbe.

Von Shushtar geht unsere Reise Richtung Westen, zur ehemaligen Stadt «Chogha Zanbil» bzw. «Dur Untash». Die Überreste dieser vom mittelelamischen Herrscher Untash-Napirisha (1275 bis 1240 v. Chr.) erbauten Stadt wurden ab 1950 von einem französischen Archäologenteam unter der Leitung von Roman Girshman erforscht. Das bedeutendste Bauwerk dieser Stadt ist ein ursprünglich aus fünf Ebenen bestehender Stufentempel (Zikkurat) mit einer Höhe von ca. 52 Metern. Der Tempel wurde aus luftgetrockneten Lehmziegeln erstellt, die mit einer zwei Meter dicken Schicht aus gebrannten Ziegeln umgeben und so vor Wind und Regen geschützt wurden. Die heute noch bestehenden drei Ebenen erreichen noch eine Höhe von knapp 25 Metern. Trotzdem gehört dieser Stufentempel weltweit zu den besterhaltenen Bauten dieser Art. Chogha Zanbil wurde 1979 als erstes Weltkulturerbe des Iran von der UNESCO anerkannt.

Anschliessend an den Besuch von Chogha Zanbil übernachten wir im nahe gelegenen Dorf «Khamat» im Garten einer privaten Unterkunft (Homestay), in der Nadja ein Zimmer gebucht hat. In Gesellschaft des Gastgebers geniessen wir ein leckeres von der Gastgeberin zubereitetes Nachtessen und werden anschliessend mit reichlich Tee und Süssigkeiten verwöhnt.

Am nächsten Tag wechseln wir die Richtung und mit Ziel «Shiraz», das noch 650 Kilometer und zwei Übernachtungen weit entfernt ist, fahren wir nach Süden. Im Naherholungsgebiet der Stadt «Behbahan» suchen wir am späten Nachmittag einen Platz zum Campieren. Da Nadja die für unser Auto geeignete Route nicht kennt, erkundigt sie sich nach dem Weg. Ein hilfsbereiter Herr fährt uns dann voran auf einen Platz inmitten einer blühenden, sattgrünen Hügellandschaft. Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir von zwei Paaren, die dort picknicken, eingeladen, mit ihnen zu essen. Wir lehnen dankend ab, was erst bei der fünften Wiederholung akzeptiert wird. Zu einem gemeinsamen Dessert können wir jedoch nicht nein sagen. Mit Nadjas Unterstützung ergibt sich ein gutes Gespräch und nachdem einige Fotos gemacht sind, fahren die vier zurück in die nahe gelegene Stadt. Wir kochen Pasta mit Salat und freuen uns über die wunderschöne Umgebung und das milde Wetter. Nur schwer können wir uns vorstellen, dass sich diese grüne, blühende Landschaft in einigen Wochen wieder in kahle, gelbbraune Sandhügel zurückverwandelt.

Kaum öffnen wir am Morgen die Tür, werden wir von einer Familie, die in der Nähe frühstückt mit frisch gekochtem iranischen Essen versorgt. Aufgrund der guten Englischkenntnisse einiger Familienmitglieder kommt eine angeregte Unterhaltung zustande. Nach einer guten Stunde und einer Serie Fotos verabschiedet sich die Familie. Überraschenderweise übergibt uns Nadja kurz darauf sechs frische Eier, ein Stück Butter, 500 Gramm Kaffee und einen ganzen Packen Brot. Diese Sachen habe ihr der freundliche Herr von gestern spät abends noch vorbeigebracht, da er habe sichergehen wollen, dass wir genügend Nahrungsmittel dabei hätten. Dies sind drei Beispiele der unbeschreiblich grosszügigen Gastfreundschaft, die wir im Iran erleben. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von jemandem beschenkt oder eingeladen werden.

Ein weiteres Beispiel dafür sind die Lastwagenfahrer. Diesel ist im Iran sehr günstig, da dieser vom Staat stark subventioniert wird. Allerdings ist er nur mit einer vom Staat abgegebenen Spezialkarte erhältlich. Eine solche Karte erhält nur, wer beruflich mit einem Lastwagen unterwegs ist. So sind wir darauf angewiesen, dass uns an der Tankstelle jeweils ein Lastwagenchauffeur gegen Barbezahlung einen Teil seines Dieselkontingents überlässt, damit wir unser Auto auftanken können. Meistens klappt dies auf Anhieb und fast immer wird uns der Diesel geschenkt. Auch nach der obligaten drei- bis fünfmaligen Zurückweisung des Geschenks, lassen sich die Chauffeure jeweils nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Im Dorf «Tang-e Chogan-e Bala» legen wir den nächsten Halt ein. Nach unserer Ankunft bleibt noch genügend Zeit, um zur Höhle «Ghar-e Shapur» hochzusteigen. In der Höhle befindet sich eine acht Meter hohe Statue des Sassaniden-Königs Shapur I. Nach der langen Fahrt durch einen Teil des südlichen Ausläufers des Zagros-Gebirges geniessen wir die Bewegung und die Aussicht über die Talebene und in die gegenüberliegenden Berge.

Im Restaurant der Bishapur-Eco Lodge, in der Nadja übernachtet, wird uns ein paar Stunden später ein traditionelles iranisches Gericht serviert. Dieses besteht aus mit verschiedenen exotischen Gewürzen zubereitetem Lammfleisch, frischen Kräutern, hausgemachtem Joghurt und iranischem Brot. Das Essen schmeckt so gut, dass es für uns die beste Mahlzeit der ganzen Reise durch Iran bleiben wird. Mit unserer Gastgeberin, die an einer Mädchenschule Englisch unterrichtet, ergibt sich eine engagierte Unterhaltung. Nadja und sie sind in etwa gleich alt. Offen tauschen die beiden Erfahrungen und Ereignisse aus ihrem Leben aus. Dabei erfahren wir etliches, über alltägliche Schwierigkeiten und wie mit sich laufend verändernden Widrigkeiten im gesellschaftlichen wie auch im wirtschaftlichen Umfeld umgegangen werden kann. Nachdenklich verlassen wir nach ein paar anregenden und bewegenden Stunden diese offene und trotz der schwierigen Inhalte humorvolle Gesprächsrunde, um wie gewohnt im Churi zu übernachten.

Anderntags besichtigen wir die Ruinen der antiken Residenzstadt «Bishapur», die der Sassanidenkönig Shapur I. zwischen 260 und 266 n. Chr. bauen liess. Die Stadt wurde zum grössten Teil von römischen Soldaten errichtet, die in Schlachten von Shapur I. gegen die Römer gefangen genommen wurden. Daraus lässt sich erklären, dass in der Architektur und der Bauweise der Stadt römische und persische Einflüsse festgestellt wurden. In der ehemals von hohen Mauern umgebenen Stadt dürften einst bis zu 80’000 Menschen gewohnt haben.

Ganz in der Nähe von Bishapur befinden sich an den Felswänden der Schlucht von «Tang-e Chowgan» sechs Felsreliefs, welche die sassanidischen Könige Shapur I. und II. sowie Bahram I. und II. anbringen liessen. Die Reliefs stellen Szenen von königlichen Heldentaten und die Verleihung der Königswürde durch die zoroastrische Gottheit Ahura Mazda dar. Ähnliche Reliefs sind an mehreren Orten im Iran anzutreffen. Die äusserst detailgetreuen Reliefs wirken wie eine Art historischer Bilderbücher.

Anschliessend an die Besichtigung dieser neben «Persepolis» zentralen Schauplätze früher iranischer Geschichte fahren wir weiter nach Shiraz, der Hauptstadt der Provinz «Fars». Shiraz ist mit ca. zwei Millionen EinwohnerInnen die fünftgrösste Stadt Irans. Sie liegt auf 1600 MüM und wird als Stadt der Liebe, der Rosen, der Poesie und Literatur und der Gärten bezeichnet. Eine Besonderheit von Shiraz sind die knospenförmigen Kuppeln der Moscheen und die besonders vielfarbigen Fliesen. Diese Eigenheiten unterscheiden die historischen Bauten in Shiraz deutlich von Gebäuden gleicher Art in anderen Gegenden des Landes.

In Shiraz planen wir drei Tage zu verbringen und haben für diese Zeit ein Hotelzimmer gebucht. Unser Auto lassen wir auf dem Parkplatz des Hotels stehen und besichtigen mit Nadja einige der vielen Sehenswürdigkeiten in- und ausserhalb der Stadt.

Als ersten Ort in Shiraz besuchen wir das Mausoleum von «Hafez» (1315-1390), einem der bedeutendsten Dichter Irans, das sich in einem eigenen Garten befindet. Wir sind überrascht über die vielen hauptsächlich jüngeren Menschen, die wir an diesem Ort antreffen. Nadja erklärt, dass Literatur und Poesie im Iran einen hohen Stellenwert haben. Die Poesie des Hafez sei vor allem Poesie der Liebe. Sein Mausoleum sei daher ein beliebter Treffpunkt von Verliebten und junge Paare aus dem ganzen Land würden diesen Ort als Zeichen ihrer Liebe besuchen. Das literarische Vermächtnis des Hafez sei iranisches Allgemeingut und gehöre zu den wichtigsten Kulturgütern Irans. Entsprechend sei das Mausoleum auch ein wichtiger Ort für Literaturinteressierte, die hierher kommen, um Gleichgesinnte zu treffen. Am Sarkophag von Hafez zitiert Nadja eines seiner Gedichte für uns. Während der Darbietung in Farsi werden wir umringt von Menschen, die wie wir gebannt den Worten des Hafez lauschen.

Im Anschluss führt uns Nadja zum Schrein von «Ali Ibn Hamzeh». Der Gebetsraum dieser aktiven Moschee mit ihrer für Shiraz typischen knospenförmigen Kuppel ist mit abertausenden von Spiegelmosaikstücken ausgekleidet. Dieser glitzernde in sieben Farben gehaltenene Glasschmuck verleiht dem Raum eine zwar faszinierende, aber eher kühle Atmosphäre.

Am Tag darauf fahren wir mit Nadja nach «Persepolis» und zum «Naqsh-e-Rostam», beides bedeutende und berühmte Höhepunkte einer jeden Iranreise.

Der Bau von «Persepolis», genannt «Parsa», wurde während der Regentschaft von König Dareios I. (520 bis 486 v. Chr.) veranlasst. Allerdings erlebte er die Fertigstellung der Stadt nicht. Xerxes I. (486 bis 465 v. Chr.) und Antraxerxes I. (465 bis 424 v. Chr.), die Nachfolger von Dareios I. vollendeten die Anlage. Die Herrscher bzw. deren Delegierte aus den vom König besiegten Ländern wurden nach Parsa eingeladen, um ihrem König Ehre zu erweisen und zu feiern. Die auch heute noch imposant wirkende Anlage, diente zu ihrer Zeit ausschliesslich Repräsentationszwecken. Das Verwaltungszentrum des Reiches verblieb weiterhin in «Susa».

Im Jahre 330 v. Chr. liess Alexander der Grosse Persepolis von seinen Truppen grösstenteils zerstören. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Überreste der Stadt meterhoch mit Sand und Staub zugedeckt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass diese Meisterwerke historischer Architektur in teils perfektem Zustand erhalten blieben. Im Rahmen einer archäologischen Expedition wurden sie in den 1930 Jahren wieder entdeckt. Erste systematische Ausgrabungen wurden von 1931 bis 1939 von deutschen Archäologen durchgeführt. 

In «Naqsh-e-Rostam», das nur wenige Kilometer von Persepolis entfernt liegt, befinden sich in den steilen Felswänden fünf kreuzförmige Felsgräber. Diese sind mit 23 Metern Höhe von beeindruckender Grösse. Es wird davon ausgegangen, dass in diesen Gräbern mehrere Könige des ersten Perserreiches (550 bis 330 v. Chr.) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Eines dieser Gräber kann dem König Dareios I. zugeordnet werden. Welche Könige in den anderen Gräbern zur Ruhe gelegt wurden, kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Unterhalb der Gräber sind auch hier Felsenreliefs angebracht. Diese stammen aus der Zeit des zweiten Perserreiches (224 bis 651 n. Chr.).

Nach einem mit Geschichte und historischer Architektur ausgefüllten Tag machen wir abends einen Spaziergang auf den «Chehel Maqam» einen der Hügelzüge, von denen Shiraz umgeben ist. Die Aussicht über die Stadt kurz vor Sonnenuntergang ist beeindruckend. Der starke und recht kalte Wind aus den Bergen lässt uns jedoch spüren, dass sich der Winter noch nicht wirklich verabschiedet hat.

Am nächsten Tag führt uns Nadja zu einigen der bedeutendsten Sehenswürigkeiten ihrer Heimatstadt Shiraz. Die Rosarote Moschee bzw. die «Masjed-e Nasir-ol-Molk», wurde von 1876 bis 1888 während der Regierungszeit der Qadjaren (1779–1925) erbaut. Mit ihren berühmten Glasfenstern, den im ganzen Iran einmaligen rosabunten Fliesen, die unter anderem europäische Gärten und Gebäude und tausende von rosaroten Rosen abbilden, stellt die Moschee einen ersten Höhepunkt unseres Rundgangs dar. Für die meisten Touristen sind allerdings die bunten Glasfenster, die sich auf dem Boden des Gebetsraums spiegeln, das Wichtigste des Moscheebesuches und es wird viel Zeit investiert, um sich im farbigen Licht für das perfekte Selfie in Szene zu setzen.

Auch im Garten «Bagh-e Naranjestan» mit dem Privathaus «Zinat-ol Molk», deren Bau von der einflussreichen Familie Qavam Ende des 19. Jhs. in Auftrag gegeben wurde, lohnt es sich, etwas länger zu verweilen. Während uns Nadja herumführt, zaubert sie immer wieder zusätzliche Informationen und aufschlussreiche Details zu Geschichte und Architektur und Anekdoten zu gesellschaftlichen Begebenheiten aus dem Sack.

Nach einem Bummel durch den geschäftigen «Bazaar-e Vakil» setzen wir uns im Garten eines der Restaurants auf dem an den Bazaar angrenzenden Platz in die Frühlingssonne, bestellen etwas zu Essen und geniessen die entspannte Atmosphäre des grossen Platzes.

Nach der Mittagspause statten wir der Residenz des Karim Khan, der «Arg-e Karim Khan», einen Besuch ab. Das imposante Bauwerk, mit vier runden 14 Metern hohen Türmen, die mit einer 12 Meter hohen Mauer verbunden sind und ein 4000 m2 grosses Areal umfassen, wurde in den Jahren 1766 und 1767 von Karim Khan, dem Gründer der Zand Dynastie, erbaut. Obwohl der Bau wie eine Zitadelle wirkt, beinhaltet er ausschliesslich Empfangs- und Wohnräume. Das Gebäude wurde während der Herrschaft der Zand (1750 bis 1794) als Wohnquartier und von den Qadjaren (1779 bis 1925) als Gouverneurssitz benutzt. Von ca. 1950 bis 1967 wurde die Anlage dann als Gefängnis gebraucht.

Mit der Besichtigung der «Arg-e Karim Khan» schliessen wir unseren Rundgang durch Shiraz ab und sofern alles nach Plan läuft, werden wir morgen mit einem verlängerten Visum nach «Yazd» aufbrechen. Wir sind gespannt, was diese als eine der schönsten Städte Irans berühmte Wüstenstadt für uns bereithält.

Einschub Fahrzeuge
Importierte Autos werden vom Staat Iran mit einer Steuer von 300 Prozent belegt. Entsprechend ist ein solches Fahrzeug für die meisten Iranerinnen und Iraner unerschwinglich. Im Iran selbst wird seit 1992 der 1987 in Frankreich lancierte «Peugeot 405» hergestellt. Erhältlich ist dieses Auto ausschliesslich in Weiss. Der Peugeot kostet zurzeit ca. USD 10’000. Damit ist er für viele bezahlbar. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Farbe weiss und die auffällige Häufung von Peugeots erklären, die allen, die auf Irans Strassen unterwegs sind, sofort auffällt. Der technische Ausbau dieser Autos blieb allerdings seit seiner Inverkehrssetzung unverändert. Folglich verfügen diese Fahrzeuge weder über Airbags noch über sonstige der heute üblichen Sicherheitseinrichtungen. Der Vorteil ist, dass Ersatzteile überall im Land einfach und günstig zu beschaffen sind und allfällige Reparaturen in jeder noch so kleinen Garage erledigt werden können.

Eine weitere Auffälligkeit auf den Strassen Irans sind die vielen Daimler Benz Lastwagen, die alle längst den Oldtimer-Status erreicht haben. Sie begegnen uns in fast allen Farben des Regenbogens und zusammen mit einem in etwa gleich alten Lastwagenmodell von Volvo sind sie fester Bestandteil des Schwerverkehrs und in scheinbar unbegrenzter Anzahl und in unterschiedlichstem Zustand fast überall im Einsatz.