Iran – Mitte und Norden

12.-18.03.2023

Nachdem wir unter der kompetenten Führung von Nadja Persepolis, die ehmemalige Residenzstadt des ersten Perserreiches und die Königsgräber von Naqsh-e Rostam erkundet haben, steht nun die Verlängerung unseres Visums an. Der Inhaber unserer Reiseagentur im Iran hat wiederholt versichert, dass dies eine Routineangelegenheit sein werde und die Verlängerung zu 99.9 % sichergestellt sei.

So betreten wir am folgenden Tag um neun Uhr morgens die Hauptpolizeistation von Shiraz, die für Visumsverlängerungen zuständig ist. Wir treffen einen geschäftigen Ort an, in dem wir von Schalter zu Schreibtisch und wieder zurück geschickt werden. Mehrfach werden wir auf später vertröstet; dann weggewiesen und aufgefordert in zwei Tagen wieder zu kommen; wir müssen Kopien von so und so Papieren einholen; dann wieder wird uns mitgeteilt, dass das Computersystem nicht mehr funktioniere; kurz darauf wird ein professionelles Passfoto aus einem Geschäft in der Stadt von uns verlangt; etc., etc. Das Ganze gleicht einem Hindernislauf ohne jegliche Logik. Nadja gelingt es in ihrer umsichtigen, geduldig insistierenden Art, uns trotz allem jedes Mal einen Schritt weiterzubringen. So erhalten wir nach mehreren Stunden die Auskunft, dass alle Daten und Papiere nun vorliegen. Die letzte jetzt noch fehlende Unterschrift würden wir nach einem Interview erhalten. Die Person, die berechtigt sei, dieses Interview mit uns zu führen, sei aber erst morgen verfügbar. Dies sei allerdings kein Problem, da wir die Verlängerung morgen mit Sicherheit erhalten würden. Nach all dem Hin und Her wollen und können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir die Verlängerung nach dem Interview wirklich erhalten. So lehnen wir dieses Vorgehen ab und ziemlich frustriert verlassen wir nachmittags um drei Uhr den Polizeiposten ohne die angestrebte Verlängerung unserer Visa.
Diese Erfahrung verdeutlicht uns, wie schwierig die Bewältigung des Alltags für die Bevölkerung Irans oft sein muss.

Nadja ist konsterniert und entschuldigt sich mehrfach für das Verhalten der Behörde und die Unzulänglichkeiten ihres Landes. Wir ziehen uns in eines der vielen charmanten Restaurants von Shiraz zurück, trinken einen Kaffee und ärgern uns noch für eine Weile weiter. Dann stellen wir mit Nadja das Programm für die weitere Reise zusammen, für die wir nun noch sechs Tage Zeit haben. Dieser Zeitrahmen bedeutet, dass wir den Besuch der Stadt «Yazd» auf eine nächste Iranreise verschieben und unsere Zeit in «Isfahan» auf einen Tag und eine Übernachtung beschränken. Ein Besuch der Hauptstadt «Teheran» und die zusätzlichen Ausflüge im Norden müssen ebenfalls auf das nächste Mal warten. Anhand dieser Anpassungen lässt sich die lange Fahrt an die Grenze, in der uns zur Verfügung stehenden Zeit optimal gestalten.

Während wir uns noch mit möglichen Varianten auseinandersetzen, wird Nadja über eine unterdrückte Nummer angerufen. Sie bittet uns, ruhig zu sein. Obwohl wir nichts verstehen, ist uns klar, dass etwas Ungewöhnliches geschieht. Nach einem langen Telefonat informiert uns Najda, dass ein hoher Beamter sich erkundigt habe, wieso wir die angebotene Visa-Verlängerung nicht akzeptiert hätten. Sie habe dem Beamten unsere Gründe dargelegt und ihm mitgeteilt, dass wir unsere Meinung nicht anpassen werden.

Nach einer kleinen Mahlzeit fahren wir umgehend Richtung Isfahan. Bei Dunkelheit und ziemlich müde, erreichen wir die Koroshk Eco-Lodge bei «Izad Khast», in der Nadja die Nacht verbringt und wir im Hof in unserem Auto übernachten können. Die Lodge befindet sich in einer alten Lehmstadt. Der Eigentümer hat das Wohnhaus und die Nebengebäude laufend unterhalten. Entsprechend präsentieren sich diese in perfektem Zustand.

Nach dem Frühstück begleitet uns unser Gastgeber zum nahegelegenen Schloss und der dazugehörenden Stadt. Das Schloss und die Stadt, die sich innerhalb der Mauern befand, wurden während der Regentschaft der Sassaniden (224 bis 651 n. Chr.) gebaut. Die aus Adobe erstellte Anlage befindet sich an der ehemaligen Seidenstrasse und ist neben jener in «Bam» die weltweit zweitgrösste dieser Art. Unser Gastgeber informiert, dass der Fluss, der das Tal durchzieht, ausgetrocknet sei, weil das Wasser weiter oben gestaut und abgeleitet werde. Die ganze Stadt wie auch das Schloss seien dem Verfall preisgegeben. Für die notwendige Restaurierung stelle die Regierung kein Geld zur Verfügung. Die noch in der Stadt verbliebenen Leute würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Zerfall der vielen Gebäude aufzuhalten. Ohne Unterstützung durch die Regierung sei es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis nichts mehr zu retten sei.

Mittlerweile hat sich der Himmel mit dunklen Wolken überzogen und es ist empfindlich kühl geworden. Wir befinden uns knapp 200 Kilometer vor «Isfahan», der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Mit ca. zweieinhalb Millionen Einwohnenden ist Isfahan die zweitgrösste Stadt Irans. Das Hotel, in dem wir für eine Nacht ein Zimmer gebucht haben, liegt im Stadtzentrum und entpuppt sich als wunderschönes Herrenhaus aus dem 18. Jh.

Nach dem Einchecken bringt uns ein kurzer Spaziergang durch den Bazaar an den berühmten, von Arkaden eingerahmten, neun Hektaren grossen Platz, den «Meydan-e Naqsh-e Jahan». Von da sind es wenige Minuten zur angrenzenden Königsmoschee, der «Masjed-e Shah», zum «Kakh-e Ali Qapu», dem von 1611 bis 1629 erbauten Palast von Shah Abbas I. oder zur «Masjed-e Lotfollah». Diese wunderschöne Moschee wurde zwischen 1602 und 1619 vom Architekten Ali Reza Abbasi im Auftrag des Königs erbaut und gilt aufgrund ihrer Auskleidung mit ausserordentlich farbenprächtigen und intrikaten Fayencekacheln als eine der schönsten Moscheen des Landes. Sie liegt dem Königspalast direkt gegenüber und ist über einen unterirdischen Gang mit diesem verbunden. Dieser Durchgang ermöglichte es den Frauen und Kindern des Königs mit ihrem Gefolge die Moschee geschützt vor den Blicken der Öffentlichkeit zu besuchen. Alle um den «Meydan-e Naqsh-e Jahan» angeordneten Gebäude sind durch die zweistöckigen Arkaden miteinander verbunden. Die ganze Anlage mit all ihren Prachtbauten wurde im Auftrag von Shah Abbas I. als neues städtisches Zentrum und als Zeichen und Mittel der Zentralisierung seines Reiches zwischen 1598 und 1629 errichtet und ausgebaut. Sie ist ein eindrucksvolles Zeugnis für das soziale und kulturelle Leben im Persien zur Zeit der Safawiden. Der «Meydan-e Naqsh-e Jahan» mit seinen angrenzenden Monumentalbauten wurde 1979 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Während ca. acht Stunden führt uns Nadja zu einigen der prominentesten Sehenswürdigkeiten Isfahans. Routiniert wählt sie die kürzesten Verbindungswege und findet unterwegs stimmungsvolle Kaffees und Restaurants, damit wir die vielen Eindrücke kurz verarbeiten und uns stilvoll verpflegen können. Im Lauf des Nachmittags hat intensiver Regen eingesetzt. Diesem weichen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den «Bazaar-e Bozorg» aus. Dabei braucht es einiges an Willenskraft, um der Versuchung zu widerstehen, sich allzu grosszügig mit wunderschön gearbeiteten Handwerksarbeiten einzudecken. Mit Einbruch der Dämmerung besuchen wir zum Abschluss des Tages die Brücke «Si-o-se Pol». Trotz des Regens lassen wir das beleuchtete, in der Dunkelheit orange strahlende Bauwerk mit seinen 33 Bögen, die sich im dunklen Wasser des «Zayandeh Rud» spiegeln, für einige Zeit auf uns wirken. Ein Taxi bringt uns dann zurück in unser Hotel, wo wir beim auf den Abend verschobenen Willkommensdrink die Erlebnisse des Tages rekapitulieren.

Unser Programm in Isfahan ist intensiv und angesichts der vielen faszinierenden Sehenswürdigkeiten und der lebhaften Atmosphäre ist uns klar, dass wir in dieser spannenden Stadt mindestens noch eine Woche verbringen könnten, ohne uns auch nur eine Minute zu langweilen. Da uns diese Woche nicht zur Verfügung steht, verlassen wir Isfahan schon am kommenden Morgen. Dies allerdings erst nach einem ausgedehnten Frühstück, das aus einer ganzen Reihe exzellent zubereiteter iranischer Speisen besteht.

Unser nächstes Ziel ist die Stadt «Kashan», die wir um die Mittagszeit erreichen. Kashan ist eine eher konservative Stadt. Ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass sich die meisten Frauen in den Tschador hüllen. Ausserdem sind alle Läden und Sehenswürdigkeiten zwischen 12.00 und 16.00 Uhr geschlossen. So beziehen wir in Ruhe unser Hotelzimmer, das sich in einem prächtigen, perfekt unterhaltenen ehemaligen Kaufmannshaus befindet. Wie das Hotel in Isfahan ist auch dieses in privatem Besitz. Die Qualität der Küche erweist sich zu unserem Leidwesen allerdings als nicht vergleichbar, mit jener des Hotels in Isfahan.

Nach einer Siesta im Garten des Hotels beginnen wir unseren Rundgang durch Kashan mit dem Besuch des Kaufmannshauses «Khaneh-ye Borujerdi». Dieses prächtige Haus wurde vom gleichnamigen Kaufmann in Auftrag gegeben, um die Familie einer jungen Frau, in die er sich verliebt hatte, gebührend zu beeindrucken. Da es sich bei dieser Familie um eine mächtige und einflussreiche Kaufmannsfamilie handelte, beauftragte er die besten Architekten und Handwerksleute. Dadurch entstand ein veritables Gesamtkunstwerk, dessen Bau dann allerdings 18 Jahre in Anspruch nahm. Was aus der Liebe wurde, ist uns nicht bekannt. Stimmigerweise nimmt Nadja diesen Ort zum Anlass, uns die iranische Version von Romeo und Julia zu erzählen. Wir lassen uns fesseln von der Geschichte, die zusammen mit der perfekt passenden Umgebung und der Erzählkunst von Nadja einen besonderen Zauber ausstrahlt.

Nach diesem kurzen Ausflug in die Literatur besichtigen wir den «Hamam-e Soltan Mir Ahmad», ein Badehaus, das wie auch der Bazaar im 18. Jh. durch ein verheerendes Erdbeben zerstört und im 19. Jh. wieder aufgebaut wurde. Dieses Badehaus mit seinen in türkis und gold gehaltenen Kacheln, Mosaiken, Wandmalereien und den zahlreichen verzierten Kuppeln, zwischen denen wir auch auf dem Dach herumspazieren können, gilt als einer der schönsten Hamams, die in Iran besichtigt werden können.

Unter der Kuppel des reich verzierten «Timcheh Amin al-Dowleh», der sich mitten im wiederaufgebauten Bazaar von Kashan befindet, trinken wir wenig später einen wohlverdienten Tee und geniessen die friedliche, luftige Atmosphäre. Mit seinen drei Stockwerken wirkt dieser prachtvolle und elegante Kuppelbau besonders imposant.

Auf dem Weg zurück ins Hotel zweigen wir von unserem Weg ab, um zum Abschluss unseres Rundgangs durch Kashan, die aus dem 19. Jahrhundert stammende «Masjed-e Agha Bozorg» zu besichtigen. Im Licht der blauen Stunde geniessen wir die Harmonie, die diese Moschee durch ihre klare und schlichte Architektur und die dezente Farbgebung ausstrahlt.

Nach einer erholsamen Nacht und einem eher enttäuschenden Frühstück verlassen wir Kashan und fahren weiter Richtung Norden. Die ca. 570 Kilometer lange Fahrt bringt uns an den Städten «Qom» und «Teheran» vorbei nach «Soltaniyeh», wo wir am späteren Nachmittag eintreffen.

Die in verschiedenen Blautönen leuchtende Kuppel des Doms von Soltaniyeh bzw. des «Gonbad-e Soltaniyeh» ist schon von weitem zu sehen. Um das Tageslicht noch auszunutzen machen wir uns umgehend auf, diesen mächtigen Bau zu besichtigen, der das Bild der kleinen, von den Mongolen gegründeten Stadt Soltaniyeh dominiert.

Das Mausoleum wurde von 1302 bis 1312 auf Anordnung des zum Islam konvertierten mongolischen Herrschers Oldschaitu in Soltaniyeh, der damaligen Hauptstadt der Ilkhanid Dynastie erstellt. Der Dom wird als eine der bedeutendsten Errungenschaften und als Meilenstein in der Entwicklung islamischer Architektur bezeichnet. Der riesige achteckige Kuppelbau ist 52 Meter hoch und besteht ausschliesslich aus gebrannten Lehmziegeln. Die Kuppel ist in leuchtend türkisblauer Fayence gehalten und von acht schlanken Minaretten umgeben. Der Innenraum des riesigen Bauwerks besteht zur Hauptsache aus einem Saal mit einem Durchmesser von 25 Metern. Allerdings ist dieser aufgrund schon Jahre andauernder Renovationsarbeiten ausgefüllt mit einem Wirrwarr aus Gerüststangen und Blachen, wodurch jegliche Sicht in die Kuppel verunmöglicht wird. Die Arkadengänge, die mit kunstvollen mosaikartigen in Rottönen gehaltenen Verzierungen aus Ziegelsteinen geschmückten sind, sind über zwei enge Treppen zugänglich. Von der dritten Etage bietet sich zudem eine eindrückliche Sicht über Soltaniyeh und in die nahen Berge. 2005 wurde das Mausoleum des Oldschaitu von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

In Soltaniyeh übernachten wir im Innenhof des Homestay, in dem Nadja für sich ein Zimmer gebucht hat. Das Nachtessen besteht aus lokalen Spezialitäten und schmeckt hervorragend. Die Nacht bringt starken Regen und es wird richtig kalt. Am Morgen sind die Berge frisch verschneit, was klar darauf hinweist, dass wir schon weit im Norden Irans angelangt sind.

Auf dem nächsten Abschnitt unserer Reise werden wir mit der bisher eindrucksvollsten Landschaft des Iran und gleichzeitig einer der schönsten Gegenden unserer ganzen bisherigen Reise überrascht. Entlang unserer Route präsentieren sich die Bergketten und Hügelzüge des «Zagrosgebirges», in einer verblüffenden Abfolge von Farbvariationen und Strukturen: Vom Regen nasses Weinrot verblasst zu Altrosa, das sich klar abgrenzt vom Mintgrün des sandfarbenen Talbodens. Kurze Zeit später leuchten die Berge unter einem strahlend blauen Himmel in orange, gelb und hellgrün. Einmal scheinen sie sandig sanft und hügelig, dann eher felsig und schroff. Dann wieder liegen sie schneebedeckt strahlend weit entfernt am Horizont. Aufgrund mehrerer Zwischenhalte, die der wunderschönen Szenerie definitiv zustehen, erreichen wir «Täbriz» etwas später als geplant.

Nach unserer Ankunft ist noch am Nachmittag der Besuch, des vor allem für die in Täbriz hergestellten Wollteppiche bekannten und im Jahr 2010 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Bazaars und der Blauen Moschee, der «Masjed-e Kabud», angesagt.

In Teilbereichen des Bazaars, der immer noch hauptsächlich von der lokalen Bevölkerung genutzt wird, herrscht dichtes Gedränge. Gemäss Nadja sind die kurz bevorstehenden Neujahrsferien der Grund für die ausserordentliche Geschäftigkeit. Viele IranerInnen hätten Verwandte in der Türkei, die sie während den langen Ferien besuchen würden. Die Feierlichkeiten zum voraussichtlich am 23. März beginnenden diesjährigen Ramadan würden die vor den grossen Ferien normale Betriebsamkeit zusätzlich verstärken.

Kurzerhand kehren wir den engen Gassen und den Menschenmengen den Rücken und geniessen bald darauf die Ruhe der Blauen Moschee. Der Bau dieser Moschee wurde von Shah Jahan (1438 bis 1467), dem Herrscher der Kara Koyunlu in Auftrag gegeben. Im Jahr 1514 wurde Täbriz von den Ottomanen besetzt und geplündert. Auch die Moschee wurde von den Plünderern nicht verschont. Zwischen dem 16. und 18. Jh. wurde sie durch mehrere Erdbeben zerstört. Erst im 20. Jh. während der Ära der Pahlavi wurde die Moschee nach Plänen und unter Aufsicht von Mohammad Reza Memaran Benam, einem traditionellen Architekten aus Täbriz, rekonstruiert und wieder aufgebaut.

Am nächsten Tag, unserem letzten vor der Fahrt zur Grenze, besuchen wir das Bergdorf «Kandovan». Das Dorf liegt am Fuss des «Kuh-e Sahand» auf 2200 Metern. In den dortigen zipfelmützenförmigen Tuffsteinfelsen, die durch Erosion von vulkanischen Ablagerungen entstanden sind, haben frühere BewohnerInnen des Hochtals Wohnräume geschaffen. Viele dieser Felsenhäuser sind heute noch bewohnt. Ein Teil der Räume wurde zu Läden umfunktioniert, in denen lokale Produkte, wie Honig, Nüsse, Kräuter, Gewürze, vor Ort eingesottene Butter, Hausschuhe und Mützen aus Schafwolle, etc. angeboten werden. Wir besuchen das Dorf bei Schneeregen und können uns gut vorstellen, wie sich solch missliches Wetter auf die Wohnqualität in den Felsenhäusern auswirken muss. Nach einem ausgiebigen teils ziemlich rutschigen Rundgang durch das Dorf wärmen wir uns vor unserer Rückfahrt nach Täbriz in einem der gut geheizten Teehäuser auf und prompt werden wir von einer iranischen Familie zum Nachtessen eingeladen. Diese Einladung lehnen wir dankend ab, da wir in Täbriz schon eine ähnliche Einladung angenommen haben.

Die Stadt Täbriz macht einen eher tristen Eindruck auf uns. Dies mag einerseits durch das kühle und regnerische Wetter bedingt sein. Andererseits ist die Anzahl der Frauen, die den Tschador tragen, unterwegs in den Norden stetig gestiegen. Auch die Kleidung der männlichen Bevölkerung ist fast ausnahmslos dunkel. Dazu sehen wir nur selten ein fröhliches Gesicht, sei es jung oder alt, männlich oder weiblich. All das verleiht der Stadt eine gewisse Schwere und Düsterheit. Dieser Eindruck begleitet uns während unseres ganzen Aufenthaltes in Täbriz und weiter bis in die Türkei.

Am Morgen des 18. Mai, am Tag, an dem unser Visum für den Iran ausläuft, brechen wir zeitig auf in Richtung Grenze. Der Verkehr ist aufgrund der langen Ferien zum Jahreswechsel streckenweise recht dicht. Trotzdem kommen wir gut voran und erreichen gegen Mittag die Grenzstadt «Bazargan».

Hier am Ende unserer Iranreise stellen wir erfreut fest, dass wir während unserer ganzen Zeit im Iran nie von der Polizei aufgehalten und kontrolliert wurden. Dies erstaunt umso mehr, als mehrere Iranreisede erst vor kurzem über vielfache, an Schikane grenzende Kontrollen innerhalb kürzester Reisezeiten berichtet haben.

Nadja hätte uns gerne weiter bis zur Grenze begleitet. Das wird ihr allerdings nicht erlaubt. So verabschieden wir uns vor der Einfahrt zum Grenzgelände von ihr und sie begibt sich umgehend auf die weite Fahrt zurück nach Shiraz.

Bei der Ausreise erhebt der Staat Iran eine Ausfuhrsteuer von einem USD pro Liter Diesel entsprechend dem Fassungsvermögen des Kraftstofftanks. Ohne die Bestätigung, dass diese Steuer bezahlt wurde, kann das Auto nicht ausgeführt werden. Nachdem wir die Bestätigung für die Bezahlung der Steuer erhalten haben, können wir die weiteren Schritte der Ausreise in Angriff nehmen.

So reihe ich mich mit dem Churi in die lange Warteschlage Richtung Türkei ein und Markus macht sich als eingetragener Inhaber des Autos wie gewohnt auf den Weg, die erforderlichen Papiere, Stempel und Unterschriften einzusammeln. Nach drei Stunden ist dies geschafft und drei Kontrollen später dürfen wir den Iran verlassen. Für die Passkontrolle und die Registrierung des Autos durch die türkische Zollbehörde benötigen wir nochmals zwei Stunden und nach insgesamt fünf Stunden überqueren wir die Grenze in die Türkei.

Wir fahren direkt weiter und spüren, wie sich nach und nach ein Gefühl der Erleichterung in uns ausbreitet. Erst dadurch bemerken wir, dass sich während unseres Aufenthalts im Iran eine unterschwellige Anspannung in unseren Alltag eingeschlichen hat.

Unsere Reiseleiterin im Iran
Umsichtig und vorausschauend begleitet uns Nadja auf unserer Reise durch den Iran. Sie ist flexibel und anpassungsfähig, was insbesondere in Bezug auf die speziellen Bedürfnisse von «Overlandern» entscheidend ist. So ermöglicht sie uns trotz der gegenwärtig schwierigen politischen Lage eine unbelastete und äusserst abwechslungsreiche Reise durch den Iran.
Während unserem zweiwöchigen Aufenthalt im Iran lernen wir sie als offene, aufgestellte und initiative junge Frau kennen. Seit knapp 15 Jahren ist sie als staatlich anerkannte Reiseleiterin mit unterschiedlichsten Gruppen unterwegs. Täglich können wir von ihrem breiten und fundierten Wissen über kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten, gesellschaftliche und religiöse Besonderheiten und Zusammenhänge profitieren. Ihr Wissen gibt sie kreativ und geschickt weiter und nimmt auch mal Papier und Schreibzeug zur Hand um komplexe Sachverhalte zu verdeutlichen.
Nadja arbeitet als Freelancer für mehrere iranische Reiseagenturen. Sie kann über ihre eigenen Kontaktdaten erreicht werden, die wir auf Anfrage gerne weiterleiten.

Mit unserer Familie haben wir abgemacht, dass wir an Ostern zuhause sein werden. Folglich haben wir für die Reise in die Schweiz nun drei Wochen Zeit. Wir beschliessen die Fahrt entspannt anzugehen und buchen einen Platz auf der Fähre von Igoumenitsa nach Venedig. Wir hoffen, dass wir die Türkei und Griechenland in künftigen Reisen eingehend kennenlernen können und beschränken uns auf einige wenige Zwischenhalte in diesen beiden Ländern.

Unsere Reise durch einen Teil der Arabischen Halbinsel und den Iran war für uns schon lange ein Traum. Diesen konnten wir in den vergangenen sechs Monaten verwirklichen. Die Menschen und Landschaften haben unseren Reisealltag mit unerwarteten Begegnungen, neuen Eindrücken und überraschenden Erlebnissen ausgefüllt. Wir haben unzählige äusserst wertvolle Erfahrungen gemacht und unendlich viel dazugelernt.

Mit den Beiträgen zum Iran schliessen wir den Blog zu dieser Reise ab. Dieser ist als Beschreibung unserer Reise verfasst und möglichts sachlich gehalten. Gerne haben wir eure Rückmeldungen gelesen und sind offen für weitere Kommentare. Wir danken allen, die uns mit ihren Gedanken auf unserer Reise begleitet haben.