Südafrika 2

Drakensberge nach Musina / 12. September – 1. Oktober 2024

Wir verabschieden uns von Ma Hai, dem äusserst angenehmen, idyllisch am Fuss des Mont-aux-Sources gelegenen Campingplatz und von den imposanten Drakensbergen, in denen noch zahlreiche spannende Wanderungen locken würden. Zugunsten eines etwas weniger dichten Reisekalenders, entscheiden wir uns, den Abstecher an die Ostküste Südafrikas von unserer Wunschliste zu streichen. Daher steht als nächster Fixpunkt ein Kurzbesuch in Swasiland auf unserem Programm. Der erste Teil der Fahrt an die Grenze von Swasiland führt uns via Bergville, Ladysmith und Dundee nach Vryheid.

Die Fahrt nach Vryheid verläuft bis auf den letzten Abschnitt von ca. 60 Kilometern entspannt und problemlos. Dann ist die Strasse zuhauf mit Schlaglöchern verziert und auf der Strecke sind unzählige Trucks mit zwei Anhängern unterwegs, die Kohle transportieren. Ein Umstand, der das Fahren auf der linken Seite mit einem linksgesteuerten Auto nicht unbedingt einfacher macht.

Ausserhalb von Dundee besuchen wir das Talana Museum. Dieses beherbergt unter anderem ein geschichtliches Archiv, eine Ausstellung über Mahatma Gandhi, eine breit gefächerte Glassammlung, verschiedenste Transportmittel und Baumaschinen etc., etc. Einer der Schwerpunkte des Museums thematisiert die Kriege zwischen den europäischen Einwanderern und den Zulu sowie Kriege zwischen den europäischen Kolonialmächten. Hier begegnet uns ein Teil der Geschichte Südafrikas wieder, der unser Guide in Johannesburg ebenfalls erwähnt hat.

In Anbetracht dessen, dass wir am Morgen in den Drakensbergen bei knapp 10° C gefrühstückt haben, sind die hier herrschenden 40° C eher gewöhnungsbedürftig. Trotzdem beschliessen wir, dem etwa 20 Kilometer entfernten Blood River Monument einen Besuch abzustatten.

Das Monument steht am Schauplatz der sogenannten Entscheidungsschlacht vom 16. Dezember 1838 zwischen den Boeren (Voortrekker) und den Zulu. Das Blood River Monument besteht einerseits aus einem Museum, dessen Eingangsbereich von einem aus Granit gehauenen Planwagen beherrscht wird. Andererseits befinden sich 64 in Bronze gegossene Planwagen, einige offene Wagen und mehrere Kanonen als Wagenburg angeordnet am Originalschauplatz der Schlacht. Hier stand Andries Pretorius mit 472 Männern, ihren Familien und einigen hundert Helfern etwa 10’000 bis 20’000 Zulu gegenüber. Aufgrund meteorologischer Umstände und ihrer überlegenen Bewaffnung besiegten die Boeren die Zulu. Mehr als 3’000 Zulu verloren ihr Leben, während auf der Seite der Boeren vier Männer zu beklagen waren. Der Fluss, der während der verheerenden Schlacht mit dem Blut der Zulu rot gefärbt wurde, heisst bis heute Blood River. Im Museum schauen wir uns einen kurzen Film über die Schlacht am Blood River an. Mit der jungen weissen Frau, die das Museum betreut, kommt im Anschluss an den Film ein interessanter Austausch zustande. Dabei kommt klar zum Ausdruck, dass sie die damaligen Geschehnisse mehrheitlich positiv beurteilt. Der Ausgang der Schlacht sei nur damit erklärbar, dass Gott dies so entschieden habe. Ziemlich nachdenklich verlassen wir den Ort und haben einmal mehr Stoff für eine spannende Diskussion bei einem abendlichen Drink.

Unterwegs zur Grenze von Swasiland besuchen wir mit dem Ithala Game Reserve unseren ersten Wildpark in Südafrika. Bei diesem Park handelt es sich um ein 300 km2 grosses hügeliges bis gebirgiges Reservat, das abseits der grossen Touristenströme liegt und sich dadurch viel Ursprünglichkeit bewahrt hat. Wir melden uns bei der Reception des Ntshondwe Resorts, das auch das Buschcamp verwaltet. Die Zufahrt zum Camp ist gemäss Auskunft der Rezeptionistin gut unterhalten und sollte auch ohne 4×4 Antrieb gut machbar sein. Wir machen uns also auf den Weg und sind nach einigen hundert Metern mit Sandhaufen konfrontiert, die auf der Strasse auf die Verarbeitung warten. Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir dann unser Camp. Wir sind die einzigen hier und geniessen den Abend in freier Natur in vollen Zügen.

Mit seinen durchwegs bewaldeten Tälern und Hügelzügen ist Ithala ein abwechslungsreicher und sympathischer Park, der seinen Tieren viel Rückzugsmöglichkeiten bietet. Für die Rückfahrt zur Lodge wählen wir am Morgen eine andere Route. Unterwegs begegnen wir Zebras, mehreren Antilopenarten, Giraffen, Warzenschweinen und verschiedensten Vögeln. Nashorn, Leopard, Elefant und Co. zeigen sich allerdings nicht, obwohl eindeutige Spuren auf und neben der Piste deutlich auf die Anwesenheit dieser Tiere hindeuten.

Nach etwa einer Stunde fahren wir an eine Verzweigung. Genau in der Mitte steht ein Strassenschild, das besagt, dass die Strasse gesperrt ist. Wohl oder übel entscheiden wir uns für eine der Pisten und stellen nach wenigen Kilometern fest, dass wir vermutlich die falsche erwischt haben, da sich der Zustand unserer Piste kontinuierlich verschlechtert, bis ein Weiterkommen ohne 4×4 Antrieb unmöglich wird.

Als wir kurz vor der Lodge wieder die Zufahrtsstrasse erreichen, sehen wir ein Schild, das die Piste in der Gegenrichtung deutlich als geschlossen ausweist. Na also!?

In Swasiland, der zweiten Enklave innerhalb des Staatsgebietes von Südafrika, planen wir ein paar Tage zu verbringen. Im Jahr 2018, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit von Swasiland von Grossbritannien, gab König Mswati III die Namensänderung von Swasiland in Eswatini bekannt. Eswatini hat eine Fläche von 17.363 km2. Das Land ist eine absolute Monarchie, in der etwa 1.23 Millionen Menschen leben. Von diesen gehören ca. 90% dem Bantuvolk der Swasi an. Der grösste Teil der Bevölkerung ist arm. Viele Swasi verlassen daher ihr Land, um in Südafrika zu arbeiten und mit dem verdienten Geld ihre Familien zuhause zu unterstützen.

Für die Einreise nach Eswatini benutzen wir den Grenzübergang Golela und Lavumisa. Der Landeswechsel verläuft problemlos und schon bald sind wir unterwegs entlang den Lubombo Mountains, in denen die Ostgrenze Eswatinis zu Mozambique verläuft. Wir passieren kilometerlange Zuckerrohrfelder und entsprechende Verarbeitungsfabriken. Neben Zuckerrohr werden hier auch Bananen angebaut. Aus Zuckerrohr wird einerseits Zucker und Melasse hergestellt. Andererseits wird daraus neben Alkohol als Genussmittel auch medizinischer Alkohol und Ethanol produziert. Die breite Bevölkerung lebt jedoch hauptsächlich von der Landwirtschaft und produziert für den eigenen Gebrauch.

Eswatini ist ein hügeliges und verhältismässig grünes Land mit schönen Landschaften. Für einen ersten Halt zweigen wir ausserhalb der kleinen Stadt Siteki zur MABUDA Guest Farm ab. Auf der Farm werden neben Rindern auch Pferde gezüchtet. Ausserdem werden hier Macadamia Nüsse und Kaffee angebaut. Der Kaffee wird im eigenen Betrieb geröstet und für den Verkauf vorbereitet. Im an die Rösterei angrenzenden Gebäude befindet sich ein gut ausgestatteter Hofladen. Zur Abrundung eines ausgiebigen Spaziergangs auf dem riesigen Gelände der Farm gönnen wir uns einen fachkundig zubereiteten Kaffee, der im angenehm authentischen Ambiente des betriebseigenen Restaurants ein ganz besonderer Genuss ist.

Unsere Reise führt uns auch durch Manzini, das Wirtschaftszentrum des Landes und dessen Hauptstadt Mbabane. Mbabane erstreckt sich über mehrere Hügel und da die Bewohner und Bewohnerinnen wenn immer möglich einen eigenen kleinen Garten bewirtschaften, präsentiert sich die Hauptstadt aussergewöhnlich grün.

Unterwegs werden wir dann und wann von der Polizei angehalten. Bei einer solchen Begebenheit erkundigt sich eine Polizistin nach unserem Woher und Wohin, dem Warum und Wieso und was wir ausser Reisen sonst noch so bewerkstelligen. Nachdem wir alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet haben, ergibt sich ein kurzer spassiger Dialog, während dem sie sich erkundigt, ob wir sie nicht bitte adoptieren würden? Sie hätte sicher noch Platz bei uns im Auto…

Kurze Zeit später parkieren wir – weiterhin zu zweit – bei den attraktiven Gebäuden der Ngwenya Glass Factory. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um eine erstmals in den 1970er Jahren mit schwedischer Unterstützung aufgebaute Glasbläserei. Das Projekt sollte helfen, den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Schliessung einer Mine zu kompensieren. Die Arbeitskräfte wurden vor Ort rekrutiert und einige der talentiertesten wurden in Schweden zu professionellen Glasbläsern ausgebildet. Technisches und unternehmerisches Know How wurde von der schwedischen Glasfabrik BERGDALA GLASBRUK AB zur Verfügung gestellt. Nach einer Laufzeit von nur vier Jahren wurde die Glasbläserei 1985 von der Regierung Eswatinis geschlossen. Eine Unternehmerfamilie kaufte den stillgelegten Betrieb, investierte in die Wiederherstellung der Produktionsanlagen, machte die Glasbläser ausfindig und stellte die entlassenen Fachleute wieder an. 1987 wurde die Fabrik wieder eröffnet. Unter neuem Management hat sich der Betrieb seither zu einem florierenden, mehrfach international ausgezeichneten Unternehmen entwickelt. Verarbeitet wird hier fast ausschliesslich Altglas, aus dem in ausschliesslicher Handarbeit Tierfiguren in verschiedensten Grössen und Formen, Gläser in aussergewöhnlichen Designs und hochwertige Dekorationsgegenstände erfolgreich hergestellt und in verschiedenste Länder exportiert werden.

Der direkteste Weg von Ngwenya nach Mbombela (Nelsbruit), unserem nächsten Ziel zurück in Südafrika, führt über den Grenzübergang Bulembu. Dieser Grenzübergang liegt in den westlichen Hügeln Eswatinis. Die Fahrt durch das hügelige Gelände beeindruckt immer wieder mit fantastischen Ausblicken. Je höher wir kommen, desto dichter sind die Hügelzüge mit Kiefern und Eukalyptus bewachsen.

In Teilen des Landes wird auf riesigen wieder aufgeforsteten Flächen Waldwirschaft betrieben. Angebaut werden hauptsächlich Kiefern und Eukalyptus. Beides sind schnellwachsende nicht einheimische Bäume. In riesigen Monokulturen stehen Millionen von Bäumen in Reih und Glied. Waldwirtschaft nimmt hier eine neue Dimension an.

In Pigg’s Peak, das aufgrund von teils sehr ergiebigen Goldfunden ab 1881 entstanden ist, verlassen wir die asphaltierte Strasse. Von hier führt die Route zur Grenze auf einer auf beiden Seiten von Bäumen gesäumten leuchtend orangefarbenen Lehmpiste weiter.

Kurz vor Bulembu werden wir wieder von der Polizei aufgehalten. Nach dem üblichen freundlichen Austausch wünscht uns der Chef des Trupps eine gute Weiterreise und empfiehlt uns den Kaffee in der Bulembu Country Lodge. Da wir für gute Empfehlungen der Polizei empfänglich sind, fahren wir also zur Lodge, die sich als sympathisches Hotel mit einem wunderschönen Garten präsentiert. Der Cappuccino ist tatsächlich sehr gut und im Garten genossen ist er ein erfreulicher Abschluss unserer Kurztour durch Eswatini.

In Bulembu, das früher Havelock hiess, befindet sich die Havelock Mine. Hier wurden bis 2001 Asbest und Gold abgebaut. Der abgebaute Asbest wurde mit 200 Gondeln einer Lastenseilban zur Bahnstation im mehr als 60 Kilometer entfernten Barberton gebracht. Auf dem Rückweg transportierten die Gondeln Kohle für die in der Mine gebrauchten Maschinen. Aufgrund der schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden, welche die Förderung und Verarbeitung von Asbest bei den Mitarbeitenden verursachten und den entsprechenden finanziellen Folgen für die Betreiber der Mine, wurde diese geschlossen. Die Seilbahn wurde stillgelegt. Die meisten Einwohnerinnen von Bulembu verliessen die Stadt, die sich als Folge in eine Geisterstadt mit gerade noch etwa 50 Einwohnenden verwandelte. Seither ist hier auf private Initiative ein Heim für Waisenkinder entstanden. Heute leben in Bulembu wieder etwa 2000 Menschen.

Die Masten der Seilbahn stehen noch und begleiten uns auf der Fahrt von Bulembu nach Barberton. Über Barberton, einer ehemals bedeutenden Goldgräberstadt mit bis zu 8’000 Einwohnenden zu Zeiten des Goldrausches Mitte der 1880er Jahre, erreichen wir Mbombela, die Hauptstadt der Provinz Mpumalanga.

In dieser Provinz liegt das Blyde River Canyon Nature Reserve, das über 290 km2 umfasst. Zur Erkundung dieser einmaligen Landschaft nehmen wir uns ausführlich Zeit. Das freundliche, kleine Städtchen Graskop nördlich von Mbombela ist ganz auf den Tourismus ausgerichtet und stellt mit dem hiesigen Beginn der Panoramaroute sozusagen das Tor ins Blyde River Canyon Gebiet dar. Unterwegs zum eigentlichen Canyon besuchen wir einige der Attraktionen entlang dieser touristischen Route.

Unter den Attraktionen der Panoramaroute erweist sich für uns der Besuch der Echo Caves als besonders lohnend. Aufgrund ihrer tönenden Stalaktiten, die während der Zeit als die Höhlen bewohnt waren, als Warninstrumente benutzt wurden, erhielten diese ihre Bezeichnung als Echo Höhlen. Die Höhlen erstrecken sich über viele Kilometer und überraschen mit ihrer Grösse und Vielseitigkeit. Sie gelten als weltweit älteste Höhlen dieser Art und beherbergen zahllose Stalakmiten und Stalaktiten. Die Durchgänge sind zum Teil sehr eng und weiten sich unerwartet zu riesigen Hallen mit eindrücklichen Tropfsteinformationen. Ein äusserst kompetenter und vielseitig belesener Guide führt uns während gut zwei Stunden mit viel Einsatz und Humor durch eine beeindruckende unterirdische Wunderwelt.

Als Höhepunkt der Panoramaroute wartet dann die imposante Szenerie des berühmten Canyons selbst. Der Blyde River Canyon gilt nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fishriver Canyon in Namibia als drittgrösster Canyon der Welt. Die Sicht in die imposante Schlucht ist einzigartig.

Der Wettergott hat uns allerdings einen von starken Winden begleiteten Temperatursturz von 30° innerhalb von 24 Stunden (39°C auf 9°C) beschert. So wird der Besuch des Aussichtspunktes bei den Three Rondavels zu einem unerwartet erfrischenden Erlebnis. Das für dieses Wetter verantwortliche, vom Kap in den Norden ziehende Tief, führt im Grossraum Johannesburg zur selben Zeit zu seit Menschengedenken noch nie dagewesenen Schneefällen.

Die Tage um den Blyde River Canyon runden wir mit einer Bootsfahrt auf dem Blyde Dam ab. Der Fahrt auf dem Wasser gibt uns die Gelegenheit den Canyon aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die Temperatur ist mit knapp 10°C auch hier herbstlich und ein kalter Wind bläst uns die Gischt ins Gesicht. Trotzdem ist die Fahrt ein besonderes Erlebnis. Nicht zuletzt wegen der fröhlichen Stimmung an Board, die hauptsächlich dem Guide zuzuschreiben ist, der sein Publikum mit seiner gewinnenden, humorvollen Art und mit seinem breitgefächerten Wissen zu Fauna, Flora und Geologie des Canyons und zu begeistern vermag.

Über Hoedspruit, einer sympathischen kleinen Stadt am Rand des Krüger National Parks, fahren wir anschliessend an die Tage in den nördlichen Drakensbergen weiter zum Phalaborwa Gate, einem der Haupteingänge in den grössten Nationalpark Südafrikas.

In diesem fast 20’000 km2 umfassenden Schutzgebiet verbringen wir sechs Tage. Die Infrastruktur im Park ist gut ausgebaut und den Bedürfnissen der Reisenden angepasst. Die Hauptverbindungsstrassen sind asphaltiert und durchwegs in einem sehr guten Zustand. Auch die Pisten, werden gut unterhalten und sind problemlos zu befahren. Alle Übernachtungsplätze im Park müssen zwingend im Voraus gebucht werden – ohne Buchung wird eine Einfahrt in den Park nicht erlaubt.

Die Tiere im Park sind sich Autos gewohnt und lassen sich von diesen nicht stören. So ist es möglich Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Auf der Suche nach Wasser, das in dieser Jahreszeit knapp ist, ziehen Elefantenfamilien, Gnus und riesige Büffelherden durch den Park. Zebras und grössere und kleinere Herden von Impala Antilopen sind fast überall und während des ganzen Tages anzutreffen. Die Regeln im Park sind strikt. So darf nach Sonnenuntergang nicht mehr gefahren werden und alle Fahrzeuge müssen bei Sonnenuntergang in einem der Camps sein oder den Park verlassen haben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h, Strassen und Pisten dürfen nicht verlassen werden und es ist verboten, auszusteigen.

Wir sehen schon am ersten Tag viele Tiere. Dabei treffen wir auf ein Rudel Löwen, das im Schutz eines Gebüschs quasi am Strassenrand die heisseste Zeit des Tages verschläft.

Der Park ist riesig, landschaftlich sehr abwechslungsreich und viele Gebiete sind nicht durch Strassen erschlossen. Allerdings wirkt sich die hohe Dichte an Tieren zum Teil negativ auf die Umwelt aus und eine Erweiterung auf das Staatsgebiet von Mozambique im Sinne eines grenzübergreifenden Parks wird angestrebt. Als wir im Letaba Camp eine Pause einlegen, entdecke ich einen Aushang, der informiert, dass im etwas weiter im Norden liegenden Shingwedzi Camp aufgrund des Anlasses «Baroque in the Bush» keine Übernachtungen gebucht werden können. Neugierig geworden erkundigen wir uns an der Rezeption, ob für diesen Anlass noch Billette erhältlich seien. «Leider nein» lautet die Antwort, da schon alle Konzerte ausverkauft seien.

Auf unserem weiteren Weg in den Norden des Parks beschliessen wir, Shingwedzi so oder so für eine Kaffeepause aufzusuchen. Am Gate erhalten wir von den Sicherheitsleuten die Erlaubnis, im Restaurant essen zu gehen, wir müssten das Camp danach jedoch umgehend wieder verlassen. Auf der Terrasse bei der Rezeption erkundigen wir uns dann bei einer Dame, die Namensschilder verteilt, ob allenfalls noch Eintrittskarten für den Anlass zu haben wären. Wir erfahren, dass es sich um fünf Konzerte verteilt über drei Tage, mehrere Begleitanlässe und jeweils ein Dinner handelt. Nach einer Rückfrage bei der Managerin der Veranstaltung teilt uns die nette Dame zu unserer freudigen Überraschung mit, dass noch zwei Plätze erhältlich seien. Die Konzerte von «Baroque in the Bush 2024», die vom Johannesburg Festival Orchestra unter der Leitung von Richard Cock umgeben von der Wildnis des Krüger National Parks aufgeführt werden, erweisen sich als puren Genuss. Die musikalischen Veranstaltungen ergänzen wir mit morgendlichen Pirschfahrten. Die auserlesene Musik, die faszinierende Stimmung, die Gastfreundschaft und die natürliche Offenheit der Menschen werden uns noch lange begleiten.

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Krüger National Park übernachten wir im Punda Maria Rest Camp, ganz im Norden des Parks. Direkt vor dem Zaun des Camps befindet sich ein Wasserloch, das während unserer Anwesenheit von mehreren Elefantenfamilien besucht wird. Andere Tiere wagen sich in der Trockenzeit oft nicht an ein Wasserloch, wenn Elefanten dort sind. Ein etwa 15 Meter vom Wasserloch entfernter Hochsitz erlaubt es, die Tiere stundenlang zu beobachten. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, das Verhalten und die Facetten der Kommunikation dieser imposanten Tiere aus nächster Nähe miterleben zu können. Das Trompeten, Schnauben und das grollende Rumpeln dauert bis spät in die Nacht und hört sich an, wie ein nächtliches Palaver unter den Angehörigen der anwesenden Elefantenfamilie.

Während unseres ganzen Aufenthaltes im Krüger Nationalpark begleitet uns schönes und heisses Wetter. Am Morgen unseres letzten Tages im Park ist der Himmel bedeckt und ein starker Wind bringt erste Regentropfen. Etwas später begegnen wir im äussersten Norden des Parks am Fluss Luwuvhu wie zum Abschied noch einmal einer Reihe von Tieren.

Unsere Route nach Thohoyandou, wo wir eine Teeplantage besuchen wollen, führt durch hügeliges, zunehmend tiefgrünes Gebiet das aufgrund seiner Lage an den Südhängen des Soutpansberges von regelmässigen Niederschlägen profitiert.

Entlang einer langen Reihe von sorgfältig gepflanzten Palmen erreichen wir bei leichtem Nebel die in den Hügeln angelegten Teeplantagen des «Tshivhase Tea Estate». Dieser ähnelt allerdings nur sehr entfernt dem in unserem Reiseführer beschriebenen Unternehmen. Wir können einen Termin mit der Managerin vor Ort vereinbaren und werden informiert, dass die hiesige Produktionsanlage vor einiger Zeit stillgelegt worden sei. Im Schwesterbetrieb werde noch Tee produziert. Allerdings habe die Pflücksaison noch nicht begonnen. Daher werde dort zurzeit ebenfalls nicht gearbeitet. Im hiesigen Betrieb befinde sich das administrative Zentrum der beiden Betriebe. Die Managerin führt aus, dass mit der Herstellung von Schwarztee kein Gewinn mehr erziehlt werden könne, da die Produktionskosten zu hoch und der für lokal produzierten Tee auf dem Markt erhältliche Preis viel zu tief sei. Ausserdem sei die Konkurrenz aus Übersee übermächtig und das Unternehmen müsse allen Angestellten einen Mindestlohn von ca. 5’200 Rand (ca. 260 CHF) pro Monat bezahlen, ob der Betrieb profitabl sei oder nicht. Eine Angestellte erklärt uns im Anschluss, wie der Tee fachgerecht gepflückt wird und welche Ansprüche Camelia sinensis, die Teepflanze, an Pflege und Umwelt stellt.

Durch das quirlig lebhafte Thohoyandou geht unsere Reise weiter nach Louis Trichardt bzw. Makhado, das am Fuss des Soutpansgebirges liegt. Hier kaufen wir Vorräte für den Beginn unserer Reise durch Zimbabwe ein und füllen Diesel und Trinkwasser auf. Über die Soutpansberge geht es anschliessend zur Grenzstadt Musina und von dort zum Rainmaker’s Rock Camp, das etwa dreissig Kilometer westlich der Stadt liegt.

Die Strasse nach Musina ist in einem ausgezeichneten Zustand und wir kommen sehr gut voran. Trotzdem geht während der letzten halben Stunde der Fahrt die Sonne unter und als wir das Camp erreichen, ist es dunkel. Hier verbringen wir unsere vorerst letzte Nacht in Südafrika, bevor wir am Morgen über den Grenzübergang Beitbridge nach Zimbabwe einreisen werden.

Die kommenden Wochen planen wir durch Zimbabwe zu reisen. Wir sind gespannt, wie wir dieses Land, von dem wir so viel Unterschiedliches gehört haben, erleben werden. Entgegen einigen Empfehlungen, den Grenzübergang Beitbrige zu meiden, entscheiden wir uns den kürzesten Weg über die Grenze auszuprobieren. Dies hauptsächlich, weil wir für unseren ersten Aufenthalt in Zimbabwe den Gonarezhou National Park ausgesucht haben. Als Fixpunkt wartet dann in drei Wochen in Kariba ein Platz auf der Fähre über den Karibasee nach Mlibizi auf uns.