Beitbridge bis Mlibizi am Lake Kariba / 2. – 17. Oktober 2024
Nach einer kurzen Nacht im Rainmakers Camp machen wir uns früh auf den Weg zum Grenzübergang nach Zimbabwe. Wir sind gespannt, was uns erwartet, da wir unterschiedlichste, hauptsächlich negative Informationen, über die am Grenzposten Beitbridge herrschenden Zustände und das Prozedere des Grenzübertritts erhalten haben. Trotzdem wollen wir diesen Grenzübergang nutzen. Dies hauptsächlich, weil wir unsere ersten Tage in Zimbabwe im Gonarezhou National Park verbringen wollen. Dieser Park liegt ganz im Süden des Landes und grenzt dort an Mozambique. Die Benutzung des nächstnäheren Grenzübergangs nach Zimbabwe hätte einen Umweg über Botswana zur Folge.
Etwa um 6.30 Uhr treffen wir an der Grenze von Südafrika ein. Zu unserer Überraschung sind fast keine Lastwagen unterwegs und wir können ohne Halt bis zum Grenzschlagbaum fahren. Die Ausreise aus Südafrika gestaltet sich dann eher chaotisch. Die Gebäude sind alt und vernachlässigt und einige Beamte machen einen nicht sehr motivierten Eindruck. Nach der Kontrolle der Pässe beim Ausreiseschalter geht es für die Formalitäten zur Ausführung unseres Autos zurück zum Zoll. Auf der Gegenseite warten schon unzählige Menschen darauf, von Zimbabwe nach Südafrika einreisen zu können. Nach einer guten dreiviertel Stunde sind wir im Besitz aller Bewilligungen, um Südafrika zu verlassen und nach der Fahrt über die Brücke, die den Grenzfluss Limpopo überspannt, befinden wir uns auf dem Grenzgelände von Zimbabwe.
Hier ist die Infrastruktur fast neu und in einem hervorragenden Zustand. Auf der Suche nach den verschiedenen Schaltern, an denen wir uns für die Einreise melden müssen, werden wir von einem Angestellten des Grenzpostens unterstützt. In der grossen Halle befinden sich gerade mal drei Personen, die nach Zimbabwe einreisen wollen. Die Grenzbeamten sind durchwegs freundlich und arbeiten sehr gründlich. Inklusive eines etwas fragwürdigen Intermezzos auf dem Parkplatz dauert es etwa zwei Stunden, bis wir die Grenze nach Zimbabwe überquert haben. Der Kauf einer Simkarte nimmt anschliessend etwa gleich viel Zeit in Anspruch.
Dann können wir die erste Etappe der knapp 370 Kilometer langen Strecke zum Gonarezhou National Park in Angriff nehmen. Unterwegs werden wir fünf Mal von der Polizei angehalten und mit guten Wünschen für eine sichere Weiterreise umgehend wieder entlassen. Die Strasse ist zu Beginn in hervorragendem Zustand. Unvermittelt wird sie jedoch zu einer kilometerlangen Ansammlung zahlloser riesiger Schlaglöcher. Die Hauptgeschwindigkeit beträgt nun max. 15 Km/h. Die Fahrt ist gefährlich und nervenaufreibend. Dies vor allem, weil sich die grossen Laster ihren Platz ohne Rücksicht auf Verluste nehmen. Zudem könnte jederzeit eine bislang unsichtbare Ziege aus einem der Schlaglöcher hopsen, um ihren Weg über die Strasse fortzusetzen…
Nach einer guten Stunde schwieriger Fahrt zweigen wir nach Süden ab, Richtung Chiredzi, dem Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Die jetztige Strasse ist in einem sehr gutem Zustand und es ist ein Genuss durch die eindrücklich hügelige Landschaft mit riesigen von der Witterung glattpolierten Felsformationen weiter nach Süden zu fahren. Das Gebiet ist relativ dicht besiedelt und wir staunen, wie viele Kinder unterschiedlichen Alters sich nach Schulschluss auf dem Heimweg befinden.


Langsam ändert sich die Landschaft. Die bewaldeten Hügel mit roten sandigen Böden gehen über in tiefgrüne endlos scheinende Zuckerrohrpantagen.
Da wir mit dem Eiertanz um die Schlaglöcher viel Zeit verloren haben, geht auf dem letzten Abschnitt unserer Fahrt die Sonne unter und prompt verfahren wir uns in den riesigen Zuckerrohrfeldern. Ein junger Mann erkundigt sich nach unserem Ziel und fordert uns auf, ihm bzw. seinem Auto zu folgen und innert weniger Minuten führt er uns zu unserem Übernachtungsplatz. Dieser befindet sich unter hohen Bäumen auf der weitläufigen Anlage des Hippo Valley Country Clubs, einem Golf- und Sportresort, das sich im Besitz von Tongaat Hulett, dem Betreiber der riesigen Zuckerrohrplantagen befindet.

Der Country Club präsentiert sich als weiträumige Anlage, mit einem hübsch angelegten Golfplatz, einem Klubhaus mit Hotelzimmern, einem Restaurant und einem Swimmingpool. In früheren Zeiten wurde hier auf den je entsprechenden Plätzen Tennis, Rugby und Cricket gespielt, sogar ein Squashcourt stand zur Verfügung. Der Golfklub ist aktuell noch in Betrieb und auch das Haupthaus mit Schwimmbad scheint noch relativ gut besucht. Diese beiden Betriebe werden entsprechend den heutigen Standards in Zimbabwe unterhalten. Sämtliche anderen Anlagen sind in einem desolaten Zustand und erinnern nur entfernt an das Freizeitparadies, das hier vor Jahren existiert haben muss.
Die Menschen, denen wir während unserer ersten Tage in Zimbabwe begegnen, sind samt und sonders freundlich und korrekt. Mehrfach ergeben sich interessante Unterhaltungen. Offen wird über die schwierigen Verhältnisse im Land gesprochen und wir sind beeindruckt vom Durchhaltewillen, der Zuversicht, dem Humor und der ausserordentlichen Hilfsbereitschaft der Personen, mit denen wir sprechen. Am Ende eines Gesprächs, gibt uns eine Managerin des Country Clubs, die hauptberuflich als «Snake Remover» (Schlangen-Entfernerin) tätig ist, ihr Alltagsmotto mit auf den Weg. «Good things will come to those, who wait.» begleitet uns seither auf unserer Reise.
Am Maingate zum Gonarezhou National Park buchen wir ein paar Tage später bei strömendem Regen zwei Übernachtungen im Chiguli Camp. Der Ranger vor Ort informiert uns über die Gepflogenheiten im Park, das Wetter für die nächsten Tage und den Zustand der Piste zum Camp. Die Camps im Gonarezhou National Park sind nicht eingezäunt. Entsprechend können sich die Tiere überall frei bewegen.


Der Gonarezhou National Park ist mit 5053 Km2 nach dem Hwange National Park der zweitgrösste Nationalpark Zimbabwes. Der Park liegt weitab im Süden des Landes an der Grenze zu Mozabique. Er gehört zu den wildesten Regionen des Landes und wird verglichen mit anderen Parks noch relativ selten besucht. Der Park wird von einem sehr motivierten und gut ausgebildeten Team von Rangern betreut. Die Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) sind alle im Park vertreten. Um die Nashörner besser vor Wilderern schützen zu können, sind sie in einem Hochsicherheitsreservat untergebracht, das mit einem speziellen Zaun zusätzlich gesichert ist.
Unser Auto meistert die gut 40 Kilometer lange Strecke inklusive Flussdurchquerung ohne Probleme. Kurz nach der Flussdurchfahrt erreichen wir unser Camp, das nur wenige Meter vom Ufer des Flusses Runde entfernt liegt. Die Lage ist traumhaft und die Szenerie spektakulär.




Die nächtlichen Geräusche der Wildnis sind ein beeindruckendes Erlebnis. Nach einer erholsamen Nacht gehen wir noch vor Sonnenaufgang auf eine Pirschfahrt, auf der wir viele Tiere beobachten können. Als wir später im Camp einen Kaffee trinken, hören wir ganz in der Nähe das Gebrüll einer Raubkatze und bald entdecken wir auf der anderen Seite des Flusses einen Leoparden, der sich lautstark über Paviane ärgert, die ihn bei seiner Siesta stören.






Aufgrund eines mutmasslichen, nun entzündeten Insektenbisses, den sich Markus im Krüger National Park eingefangen hat, sehen wir uns gezwungen, den Park nach der zweiten Übernachtung schon am frühen Morgen zu verlassen und uns auf die Suche nach medizinischer Beratung zu machen. Das Wetter ist prächtig und trotz des Problems, das uns begleitet, ist die Fahrt zurück zum Haupteingang des Parks ein grossartiges Erlebnis.
Unvergesslich ist eine Verfolgungsjagd zwischen zwei Flusspferden, die wir bei einem Zwischenhalt am Fluss Runde beobachten können. Ein Flusspferdbulle jagt einen Rivalen vor sich her über eine Insel in den Fluss, von dort zurück auf die Insel und wieder ins Wasser. Am Ende flieht der Unterlegene ans Flussufer und macht sich etwa fünf Meter an unserem Auto vorbei in die Gegenrichtung aus dem Staub.





Kurz nach diesem tierischen Spektakel erkundigen wir uns beim Haupteingang des Parks nach ärztlicher Beratung in der Nähe. Wir erhalten die Kontaktdaten eines Arztes, der im Valley Estate Medical Center in Chiredzi arbeitet und heute Dienst hat. Etwas traurig verlassen wir den in seiner Ursprünglichkeit, seiner nach wie vor intakten Wildheit, den einzigartigen Landschaften mit den Chilojo Cliffs und seinem Tierreichtum einmalig schönen Gohnarezhou National Park früher als geplant.

Ohne Schwierigkeiten finden wir das Medical Center in Chiredzi, bei dem es sich um eine Einrichtung handelt, über die der heutige Betreiber der Zuckerrohrfelder die medizinische Grundversorgung seiner Angestellten sicherstellen will. Obwohl es Sonntag ist, werden wir umgehend empfangen. Nach einigen Eintrittstests, die alle unauffällig sind, erhalten wir die Information, dass der diensthabende Arzt nach der Mittagspause wieder verfügbar sein werde. Entsprechend bleibt ausreichend Zeit für eine Unterhaltung mit dem Assistenzarzt sowie für eine eingehendere Begutachtung der medizinischen Geräte, der Einrichtung und der hygienischen Verhältnisse.
Bei mir als nicht direkt Betroffene stellt sich dabei ein eindeutiges Gefühl in der Magengegend ein. Bei einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft unterhalte ich mich mit einem Ambulanzfahrer. Dieser erkundigt sich nach unserer Herkunft. Als er realisiert, woher wir kommen, sagt er (übersetzt): «Ah ja, Sie kommen aus der ersten Welt. Willkommen in der dritten Welt…» und drückt damit in wenigen Worten aus, was in meinem Kopf vor sich geht.
Als der diensthabende Arzt eintrifft, erkundigt er sich mit gezielten Fragen nach dem Zeitpunkt, dem Ort und der Art des Ereignisses sowie nach bisher verwendeten Medikamenten und Salben. Routiniert und kompetent kümmert er sich um die Veränderungen am betroffenen Bein. Nach kurzer Zeit stellt er ein Rezept für ein Schmerzmittel, eine Salbe und ein Antibiotikum aus. Er erkundigt sich nach unseren Reiseplänen und fordert uns auf, ihm alle paar Tage per WhatsApp ein Foto der Wunde zu schicken. So könne er den Heilungsprozess mitverfolgen und uns allenfalls einen Arzt auf unserer Reiseroute vermitteln oder neue Medikamente verschreiben. Beeindruckt von der Sorgfalt, Umsichtigkeit und ausserordentlichen Hilfsbereitschaft des jungen Arztes bedanken wir uns und versprechen am folgenden Tag wieder zu kommen, um die Behandlung zu bezahlen, da dies sonntags nicht möglich ist.
Erleichtert gehen wir auf die Suche nach den Medikamenten. Das Antibiotikum ist allerdings bei allen fünf Apotheken, die wir ausfindig machen können, ausverkauft. Angesichts der Situation richten wir uns wieder auf dem Campingplatz des Hippo Valley Country Clubs ein. Von hier kontaktieren wir die Rega, bei der wir innert kurzer Zeit fundierte Auskunft und eine Diagnose erhalten. Gemäss Auskunft des Arztes des Tropeninstituts, den die Beratungsärztin der Rega kontaktiert hat, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um African-Tic-Fever, das von einer Antilopenzecke verursacht worden ist. Unter den Notfallmedikamenten, die wir mitführen, befindet sich ein Antibiotikum, das sich gemäss Einschätzung des Spezialisten als geeignet erweist. So ist es möglich, umgehend mit der Behandlung zu beginnen.

Als wir am nächsten Morgen beim Medical Center eintreffen, um die Behandlungskosten zu begleichen, warten dort schon unzählige Menschen auf medizinische Hilfe. Unser Vorhaben ist schnell erledigt und bald sind wir auf dem Weg durch die Zuckerrohrplantagen zurück auf unserer Reiseroute.
Die Plantagen sind mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem ausgestattet und verfügen über ein eigenes kleines Eisenbahnnetz. Von Zeit zu Zeit begegnen wir hohen Feuerwänden, die plötzlich wieder in sich zusammenfallen. Wir erfahren, dass die Zuckerrohrfelder kurz vor der Ernte gezielt angezündet werden, um das Ernten des Zuckerrohrs zu vereinfachen. Dies erklärt die schwarzbraunbeige Farbe des Zuckerrohrs, das auf Bahnwagen oder auf riesigen Lastern in die Mühlen gefahren wird, in denen Zucker, Melasse und Ethanol produziert werden.





Mit dem Anlegen der riesigen Zuckerrohrplantagen auf seiner Farm Triangel hat der Schotte Murray MacDougall während der Kolonialzeit seine Vision, im trockenen und äusserst regenarmen Lowveld im Süden des damaligen Rhodesien Zuckerrohr anzubauen, verwirklicht. Nachdem ihm jegliche finanzielle Unterstützung durch Finanzinstitute verweigert wurde, erstellte er zusammen mit seinen Angestellten in jahrelanger mühsamster Handarbeit eine Stauwehr am Mutirikwi River, einen 500 Meter langen Tunnel und einen 13 Kilometer langen Bewässerungskanal. 1931 konnte er seine Bauwerke in Betrieb nehmen und seine Felder zum ersten Mal künstlich bewässern. Sein Unterfangen war erfolgreich und nachdem er die erforderliche staatliche Genehmigung erhalten hatte, konnte er 1934 mit dem Pflanzen von Zuckerrohr beginnen. Schon 1939 wies Murray MacDougall eine Ernte von 100 Tonnen Rohzucker aus. Triangel Ltd. entwickelte sich in der Folge zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsunternehmen der Kolonie.

Wir verlassen den Süden von Zimbabwe und fahren über Triangel nordwärts nach Masvingo und von dort weiter zu den Ruinen von Great Zimbabwe. Für die knapp 230 Kilometer wählen wir eine sekundäre Teerstrasse (secondary Tarroad) und vermeiden so die Schnellstrasse mit den vielen Lastwagen. Die abwechslungsreiche Strecke führt vorbei an kleinen traditionellen Dörfern und vermittelt einen Einblick in den harschen Alltag der Landbevölkerung.


Es ist Frühling und viele Felder sind schon für die kommende Regenzeit vorbereitet. Zwischendurch überqueren wir bewaldete Pässe. Mit ihren neuen farbigen Austrieben lassen die Bäume die Wälder in bunten Farben leuchten. Für unsere Kaffepausen suchen wir jeweils einen Schattenplatz, der nicht immer einfach zu finden ist, da das Thermometer schon vor dem Mittag gegen 35° C anzeigt.

Von der Provinzhauptstadt Masvingo mit aktuell etwa 90’000 Einwohnenden führt eine Teerstrasse direkt zu den Ruinen von Great Zimbabwe. Die Ruinen sind das bedeutendste Kulturgut des Landes und seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe.

Zur Erkundung der Ruinen haben wir eine Führung gebucht und sind gespannt, was uns erwartet. Helen, unser Tourguide, führt uns versiert durch die Bauwerke und erläutert geschichtliche Zusammenhänge, archäologische Details und gestalterische Besonderheiten.
Die Ruinen von Great Zimbabwe sind die grösste afrikanische Ruinenstätte südlich der Sahara. Die ältesten Bauten in der Ruinenstadt lassen sich auf das 6. Jh. n. Chr. datieren, wobei angenommen wird, dass die ältesten Wohnsiedlungen mit der Bezeichnung «Dzimba Dza Mabwe» (Häuser aus Stein) nicht vor dem 11. Jh errichtet worden sind.



Zuerst wurde der Hügelkomplex erstellt, der ab 1150 n. Chr. dauerhaft bewohnt wurde. Unterhalb dieses Komplexes starteten die Menschen im 14. Jh. mit dem Bau einer riesigen ringförmigen Anlage. Die Herrscher von Zimbabwe befanden sich in dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Ihr Reich umfasste ein Gebiet, das sich im Westen bis ins gegenwärtige Botswana und im Osten bis nach Mozambique ausdehnte. Sie beherrschten den Handel mit Gold und Elfenbein, wobei sie sich mit hohen Zöllen und Abgaben ihrer Untertanen Wohlstand und Reichtum sicherten. Es ist nach wie vor unklar, wie viele Leute in Great Zimbabwe gelebt haben. Die Schätzungen reichen von 2’000 bis 18’000 Personen. Die EinwohnerInnen von Great Zimbabwe ernährten sich hauptsächlich von Landwirtschaft und Rinderzucht. Sie waren geschickte Handelsleute und wussten Metall zu verarbeiten. Im 15. Jh. wurde Great Zimbabwe verlassen. Es wird angenommen, dass die zur Ernährung der Bevölkerung benötigten Ressourcen erschöpft waren. Great Zimbabwe geriet in Vergessenheit.
In Anlehnung an den Namen der Ruinenstadt wurde Rhodesien anlässlich seiner Unabhängigkeit im Jahr 1980 in Zimbabwe umbenannt.

Nach dieser geschichtlichen und kulturellen Erweiterung unseres Horizontes verschieben wir uns auf vorwiegend guten Strassen weiter nordwärts. Nagelneue Strassen machen uns mittlerweile etwas misstrauisch, da diese dazu neigen, plötzlich in behelfsmässigen Umfahrungspisten zu enden, weil die alte Strasse umgegraben wurde, um einen neuen Belag einzubauen. Solche Provisorien bestehen meist mehrere Jahre, während derer sich die entsprechenden Pisten laufend verschlechtern. So ist auch auf längeren Fahrten für ausreichend Unterhaltung gesorgt…


Ausserhalb von Kwekwe, dem Stahl- und Eisenzentrum Zimbabwes und dem muslimischen Mittelpunkt des Landes machen wir Pause und bleiben für zwei Nächte auf dem Campingplatz, der auf dem Gelände des Wildlife Sanctuary «An Eye for The Wild» liegt. Dieses wird von einer Familie geführt, die verletzte Tiere aufnimmt, diese auf ihrer Farm pflegt, bis sie in die freie Wildbahn entlassen werden können. Sollte dies nicht möglich sein, können die Tiere für den Rest ihres Lebens auf der Farm bleiben.

Auf einer Tour durch die Auffangstation erfahren wir viele Details über die Tiere, die hier gepflegt werden. In den nächsten Tagen werden vier überzählige Zebras aus einem anderen Reservat eintreffen und hier wieder in die Freiheit entlassen. Ausserdem würden vier Giraffen, die seit einiger Zeit in einem Gehege an die neue Umgebung gewöhnt würden, ebenfalls frei gelassen.
Die Leiterin informiert uns über die Entstehung der Einrichtung und zeigt einige der Schwierigkeiten auf, mit denen Bewohnerinnen und Bewohner des heutigen Zimbabwes im Alltag konfrontiert sind. Sie betont, dass Zimbabwe glücklicherweise ein friedliches Land sei. Die Familie lebe nun in der fünften Generation auf dieser Farm, die heutzutage ein Wildreservat ist. Vor der Landreform sei die Farm bedeutend grösser gewesen. Das Leben in Zimbabwe erfordere viel Geduld und Durchhaltewillen. Sie gehe allerdings davon aus, dass der wirtschaftliche Tiefpunkt überschritten sei und hoffe, dass es wirklich langsam aufwärts gehe….
Wir geniessen unsere Zeit auf dem wunderschönen Campingplatz der offen an der Grenze zum Wildreservat liegt. Die unbegrenzte Sicht in die freie Natur und auf die typischen Wildtiere Afrikas übertrifft in Kombination mit den Abenden am Feuer die Werbespots eines jeglichen Reiseanbieters.


Nach zwei erholsamen Nächten geht die Fahrt nach Norden für uns weiter. Zuerst ist Diesel tanken und Trinkwasser kaufen angesagt. Der Kauf von Nahrungsmitteln in Zimbabwe ist eine teure Angelegenheit. Vieles, das wir zum Kochen einkaufen, ist teurer als in der Schweiz und die Auswahl ist beschränkt. Am Strassenrand gibt es leider nicht viel zu kaufen. So ist eben der Speisezettel anzupassen…

Die Weiterreise führt über Chegutu, Kadoma, Chinhoyi, Karoi und Makuti weiter nordwärts. In Makuti zweigen wir nach Kariba ab und während der letzten 80 Kilometer führt unsere Route durch eine wunderschöne hügelige Waldlandschaft nach Kariba.




In Kariba richten wir uns auf dem Campingplatz der Logubandi Hotel Association unter hohen schattenspendenden Bäumen ein und erholen uns in der Bar bei einem Drink von der langen Fahrt. Wie so manches in Zimbabwe hat auch diese Anlage ihre besten Zeiten schon länger hinter sich. Ausgeprägtester Shabby Chic ist hier nicht Dekoration, sondern wirtschaftlich bedingter Standard.

Das Hotel liegt an einer kleinen Lagune, die direkt zum Karibasee führt. Allerdings ist der Wasserstand des Sees zurzeit so tief, dass in der Lagune nur ein kleiner Rest Wasser liegt und die Uferzone des Sees sich über eine weit grössere Fläche erstreckt als normal.

Der Karibastausee ist gemäss der Liste der grössten Stauseen der Erde der volumenmässig zweit- und flächenmässig siebtgrösste Stausee der Erde. Die Staumauer wurde 1959 nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. Der See ist 290 Kilometer lang und bis zu 42 Kilometer breit. Damit ist er etwa zehn Mal so gross wie der Bodensee. Seine Tiefe beträgt maximal 97 Meter. Die Grenze zwischen Zimbabwe und Sambia verläuft durch den See und beide Länder nutzen das Wasser des Sees in je eigenen Anlagen zur Erzeugung von Elektrizität.
In einem Gespräch mit dem Betreiber der Hotelanlage erfahren wir, dass es seit 2019 nicht mehr genügend Regen gegeben hat. Die Situation sei prekär und sollte es nicht bald ausgiebig regnen, werde die Stromproduktion eingestellt werden müssen, da der See nicht mehr genügend pumpbares Wasser liefern könne. Harare, die Hauptstadt Zimbabwes, die zu einem grossen Teil auf den hier produzierten Strom angewiesen sei, werde sich in einem solchen Fall mit einem massiven Problem konfrontiert sehen.


Aufgrund des entzündeten Insektenbisses sind wir auf der Fahrt in den Norden Zimbabwes schneller unterwegs als beabsichtigt, da wir auf einige Aktivitäten vorsichtshalber verzichtet haben. So erreichen wir Kariba gut eine Woche früher als geplant. Unser Arzt in Chiredzi, dem wir in der Zwischenzeit ein Foto zugestellt haben, hat für den Moment keine weiteren Massnahmen empfohlen.
Da wir in der Umgebung von Kariba nicht eine ganze Woche verbringen wollen, erkundigen wir uns beim Betreiber der Karibasee-Fähre, ob es möglich wäre, unsere Fahrt über den See um eine Woche zu verschieben. Zu unserer Überraschung ist dies möglich und so sind wir schon am nächsten Morgen unterwegs zum Anlegeplatz der Fähre, der aufgrund des tiefen Wasserstandes allerdings verlegt werden musste. Auf der Fahrt dorthin ergeben sich unerwartete Schwierigkeiten, da der Weg durch ein Dorf führt und unser Auto nicht unter dem wunderschönen Mangobaum in der Mitte des Dorfes hindurch passt. Zur Lösung des Problems wird der störende Ast spontan entfernt. Wir bedanken uns mit einigen der Fussbälle, die wir für solche Situationen aus der Schweiz mitgebracht haben. Umgehend werden diese von Gross und Klein mit strahlenden Augen in Beschlag genommen.
Die Verladung der insgesamt fünf Autos, von denen unser Churi mit Abstand das grösste ist, verläuft zügig und routiniert. Entsprechend legt die Fähre pünktlich nach Fahrplan in Kariba ab. Die Fahrt über die 220 Kilometer bis nach Mlibizi wird ca. 22 Stunden dauern. Insgesamt befinden sich 17 Passagiere, der Kapitän, vier Küchenangestellte und vier technische Crew sowie der operative Manager der Kariba Ferries an Bord.



Über dem See weht eine angenehme Brise, womit die Temperaturen bedeutend angenehmer sind als an Land. Es stehen Kaffee, Tee und kalte erfrischende Getränke zur Verfügung. Die Stimmung ist friedlich und entspannt und angeregt werden Erlebnisse und weitere Reisepläne ausgetauscht. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt und das Essen, das an Land zubereitet wurde, ist überraschend vielfältig und sehr schmackhaft.


Der Luxus auf der 51-jährigen Fähre hält sich in Grenzen. Die sanitären Anlagen sind zweckmässig, genügen – je nach Ansprüchen – jedoch vollständig. Shabby Chic lässt auch hier grüssen… Geschlafen wird entweder auf Matratzen auf dem Boden innerhalb der Fähre oder draussen auf Deck. Alternativ stehen Sessel zur Verfügung, die auf kreative Art und Weise zu Schlafmöglichkeiten umgebaut werden können. Wir verbringen die Nacht drinnen, da draussen schon alle Schlafplätze belegt sind.

Die Überfahrt ist durchgehend ruhig, obwohl der Wind auffrischt und Regenwolken aufziehen, wodurch der erhoffte Sonnenuntergang leider zum grössten Teil den Wolken zum Opfer fällt.

Morgens um 10.00 Uhr legen wir planmässig in Mlibizi an. Aufgrund des tiefen Wasserstandes wird das Abfahren von der Fähre etwas knifflig. Nachdem alle Autos sicher an Land sind, verabschieden wir uns von unseren Mitreisenden aus Dänemark, Estland, Südafrika und Malta bzw. England, die sich alle mit unterschiedlichen Zielen auf die Weiterreise begeben.



Wir bleiben für zwei Nächte im Mlibizi Resort, um anschliessend Richtung Viktoriafälle weiter zu reisen. Für den restlichen Aufenthalt in Zimbabwe stehen uns noch gut zwei Wochen zur Verfügung, bis unser Visum abläuft. In dieser Zeit wollen wir als Schwerpunkte die Viktoriafälle und den Hwange National Park besuchen. Nach ein paar Tagen in Bulawayo, der zweitgrössten Stadt Zimbabwes, werden wir voraussichtlich Ende Monat nach Botswana weiterreisen.