Francistown bis Shakawe / 31. Oktober – 27. November und 2. – 5. Dezember 2024
Als Ziele in Botswana haben wir einerseits den Makgadikgadi National Park und/oder den Nxai Pan Nationalpark sowie das Nata Bird Sanctuary ausgesucht. Zudem steht die Fahrt von Maun nach Kasane oder umgekehrt auf unserer Prioritätenliste recht weit oben und auch den Besuch der Tsodilo Hills im Nordwesten von Botswana haben wir ins Auge gefasst. Wir werden ad hoc entscheiden, was wir zu welchem Zeitpunkt unternehmen wollen. Unsere Route hängt in hohem Masse vom Wetter ab, da die Strassen bzw. Pisten zu einem anvisierten Ziel aufgrund starken Regens unbefahrbar werden können. Andererseits lohnt sich ein Besuch im Nata Bird Sanctuary nur, wenn ergiebige Niederschläge für ausreichend Wasser in den dortigen Pfannen gesorgt haben und die Vögel genügend Nahrung finden, um dort ihre Jungen aufzuziehen. Schon während unserer Reise durch Zimbabwe und der Einreise über den Grenzübergang Plumtree/Ramokgwebana haben wir uns entschieden, auf eine Reise durch den südlichen Teil von Botswana zu verzichten. Auch werden wir die Wahl unserer Vorhaben in diesem Land den Limiten unseres Fahrzeugs anpassen müssen. Diese kommen vor allem bei Fahrten auf schmalen, mit niedrigen und engstehenden Sträuchern gesäumten Fahrspuren oder bei tiefsandigen Pisten zum Tragen.

Mit einer Fläche von 581’730 km2 ist der Binnenstaat Botswana rund 14-mal grösser als die Schweiz. Per 2022 leben in Botswana gemäss einer Schätzung ca. 2,6 Millionen Menschen. Damit ist Botswana eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde. Von 1885 bis zu seiner Unabhängigkeit am 30. September 1966 war Botswana unter dem Namen Betschuanaland eine Kolonie Grossbritanniens.

Die Grenzübertritte von Zimbabwe nach Botswana verlaufen effizient und unkompliziert und das Personal an den Schaltern ist durchwegs freundlich und hilfsbereit. Das Carnet de Passage (CdP) ist bei beiden Grenzposten bekannt und auch diese Formalität ist innert Kürze erledigt. Binnen einer Stunde sind wir auf dem Weg nach Francistown, der ersten Stadt nach der Grenze. Mit ungefähr 105’000 Einwohnenden ist Francistown die zweitgrößte Stadt Botswanas. Sie liegt innerhalb des Nordost Distrikts am Fluss Tati und etwa 450 Kilometer nordnordöstlich von Gaborone, der Hauptstadt von Botswana.

Beim ersten Shoppingcenter in Francistown machen wir uns auf die Suche nach einer Simkarte und auf eine Möglichkeit, uns mit der lokalen Währung einzudecken. Je nach Situation vor Ort können diese Aktionen zwischen einer Stunde und einem ganzen Tag in Anspruch nehmen. Hier warten vor dem Geschäft, in dem wir eine Simkarte erwerben können, wie auch vor dem Bancomaten zahlreiche Menschen, die geduldig Schlange stehen. Eine umsichtige junge Frau macht uns auf einen zweiten Bankomaten aufmerksam, der von der lokalen Bevölkerung nicht so häufig benutzt werde. Dieser Hinweis erspart uns mindestens eine Stunde Wartezeit. Leider gibt es für den Kauf der Simkarte keine solche Abkürzung. So schlendern wir durch die verschiedenen Geschäfte des Einkaufszentrums in der Hoffnung, dass die Warteschlange in der Zwischenzeit kürzer wird. Nach vier Wochen Reisen in Zimbabwe erleben wir hier auf eindrückliche Art, wie gross die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beiden Ländern effektiv sind. Für den Kauf einer Simkarte haben wir dort allerdings knapp eine Stunde benötigt… Am späteren Nachmittag haben wir es auch hier geschafft und sind nun wieder mit der Aussenwelt verbunden.
Den Einkauf von Vorräten verschieben wir auf den kommenden Tag, da unser Auto vor dem Einkaufscenter in der prallen Sonne stehen muss und wir die Zeit bis zum Sonnenuntergang für die Suche nach einem Übernachtungsplatz nutzen wollen. Leider stellt sich heraus, dass in den letzten Monaten alle Campingplätze in Francistown geschlossen wurden. Gute 40 Kilometer ausserhalb der Stadt finden wir dann einen geeigneten Platz, auf dem wir uns noch vor Sonnenuntergang einrichten und in der Folge eine angenehme erste Nacht in Botswana verbringen können.

Anderntags fahren wir zurück nach Francistown, um unsere aufgeschobenen Einkäufe zu erledigen. Da wir einiges an Pendenzen haben und ein paar Tage Pause einlegen wollen, machen wir uns vor dem Einkaufen auf die Suche nach einer auf i-Overlander erwähnten Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt. Das entsprechende Haus ist nach kurzer Suche gefunden und wir werden von einem Auslandschweizer begrüsst, der seit 34 Jahren in Botswana lebt. Nach einer Vorstellungsrunde bei einem Glas Wasser, nehmen wir dessen Angebot an, unsere Pause in seinem Gästehaus zu verbringen. Die folgenden Tage sind wir beschäftigt mit Waschen, Putzen, notwendigen kleinen Reparaturen am Churi, dem Montieren der Sandbretter und, und, und… Zwischendurch lernen wir auf ein paar Einkaufsfahrten mit unserem Gastgeber Francistown etwas näher kennen. Abends werden wir von ihm und seiner Partnerin zu schmackhaften Mahlzeiten eingeladen, die jeweils in anregende Gesprächsrunden übergehen.

Nach ein paar erholsamen Tagen ist es Zeit, Botswana weiter zu entdecken. Unsere nächste Etappe führt über die Kleinstadt Nata Richtung Osten. Kurz vor Gweta biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren zum Camp Planet Baobab zum übernachten. Der Empfang im Camp ist herzlich und das sympathische und äusserst liebevoll gestaltete, gänzlich in afrikanisch buntem Design gehaltene Camp nimmt uns mit seinem fröhlichen Charme sofort gefangen. Alle Gebäude sind rund oder oval und mit traditionellen Strohdächern gedeckt. Ausserdem stehen auf dem Camp und in dessen Umgebung zahlreiche Baobabs, von denen jeder einzelne mehrere hundert Jahre alt ist. Auf der Campsite finden wir einen geeigneten freien Platz, wo wir uns für die Nacht einrichten können.
Nachdem wir unseren Platz auf dem Camp bezogen haben, holen wir uns an der luftigen, originell gestalteten Bar einen kalten Drink. Der riesige Pool gleich nebenan verspricht bei aktuell 40° C eine herrliche Abkühlung. Für uns ist jedoch erst einmal kochen angesagt. Daher verschieben wir das erfrischende Bad, die Fotorunde durchs Camp und den Spaziergang durch die Baobabs auf den nächsten Morgen. Nach Sonnenuntergang gönnen wir uns am Feuer, das an der grossen Feuerstelle im Zentrum von Planet Baobab zu gemütlichem Verweilen einlädt, einen Gin & Tonic. Dann gehen wir zeitig schlafen, da wir am nächsten Tag bei den Baines Baobabs im Nxai Pan National Park übernachten wollen.

Mitten in der Nacht werden wir von lautem Klopfen und Rufen geweckt. Schlaftrunken öffnen wir die Tür. Draussen steht eine junge Frau, die aufgeregt informiert, dass das Camp brenne und wir uns umgehend für die Wegfahrt bereit machen müssten, da sich das Feuer rasch auch auf die Campingplätze ausdehnen könne. Schlagartig wach geworden, sehen wir uns kurz draussen um. Lautes Knistern und Knacken macht klar, dass die Flammen schon ziemlich nahe sind. So schnell wie möglich machen wir unseren Churi startklar und gehen nach draussen. Die Szenerie ist unheimlich gespenstisch und dabei faszinierend unwirklich.

Wir sehen uns etwas näher um und bemerken, dass das Einfahrtstor zum Campingplatz geschlossen und mit einer starken Kette gesichert ist. Markus macht sich auf den Weg zum Haupteingang, um den Schlüssel zu beschaffen. Kurz darauf wird das Tor von einem Sicherheitsbeamten geöffnet. Alle Gäste des Camps werden aufgefordert, sich auf der etwa zweihundert Meter entfernten Zufahrtsstrasse zu sammeln und auf weitere Anweisungen zu warten. Für eine Weile schauen wir noch zu, wie ein Gebäude nach dem anderen innert kürzester Zeit von den lodernden, hoch in den Himmel steigenden Flammen verschlungen wird. Dann fahren wir zur Zufahrtsstrasse und reihen uns in die dort wartenden Fahrzeuge ein. Unter den Wartenden herrscht allgemeine Fassungslosigkeit.

Als alle Gäste mit den entsprechenden Fahrzeugen am Treffpunkt eingetroffen sind, fahren wir in einem Konvoi, der von einem Angestellten von Planet Baobab geleitet wird, in das ein paar Kilometer weiter östlich gelegene Städtchen Gweta. Gegen vier Uhr morgens sind alle obdachlos Gewordenen in der dortigen Lodge in Zimmern und jene mit Campern auf Parkplätzen untergebracht. Die Evakuierung der Gäste aus dem brennenden Camp verläuft ruhig und geordnet. Es gibt weder Panik noch Verletzte, was dem umsichtigen und professionellen Handeln der Mitarbeitenden des Camps zu verdanken ist.
Etwas zerknittert machen wir uns wenige Stunden später auf den Weg zum Haupteingang (Main Gate) des Nxai National Park. Auf unserer Fahrt treffen wir auf mehrere hundert Zebras, die in langen Kolonnen die Strasse überqueren.

Die Tiere haben ihr Weidegebiet in der Okavangoregion verlassen, um vom frischen nährstoffreichen Grün im Makgadikgadi Gebiet zu profitieren, das dort aufgrund der im November und Dezember einsetzenden Regenfälle zu spriessen beginnt. Für ca. drei Monate werden sich die Zebras in den Makgadikgadi Salzpfannen aufhalten, bevor sie sich im westlichen Teil des National Parks für den langen Rückweg sammeln. Dieser wird sie ab April auf einer wochenlangen Wanderung wieder zurück führen in die dann wieder wasserreichen südöstlichen Gebiete des Okavangodeltas inklusive des Moremi Wildreservates.
Wir beobachten die endlos scheinende Reihe von Zebras für einige Zeit, bevor wir eine Lücke nutzen, um unsere Reise fortzusetzen. Während der Fahrt kehren unsere Gedanken mehrere Male zum Ereignis der vergangenen Nacht zurück und dabei auch zu den Angestellten von Planet Baobab, die heute möglicherweise keine Arbeitsstelle mehr haben.

Beim Haupteingang zum Nxai National Park bezahlen wir die vor ein paar Tagen gebuchten Übernachtungsplätze innerhalb des Parks. Anschliessend wechseln wir das Gebäude, um am dortigen Schalter die Eintrittsgebühr für den Nationalpark zu begleichen. Als es um die Gebühr für unser Autos geht, werden wir aufgefordert, den für einen Lastwagen aufgeführten Betrag zu bezahlen. Wir wehren uns und verweisen auf den Fahrzeugausweis, der belegt, dass unser Auto in die tiefere Kategorie gehört. Das Papier wird von den beiden Beamten allerdings nicht anerkannt. Wir weigern uns, den 10-mal höheren Betrag zu bezahlen und erkundigen uns nach dem Manager. Dieser sei nicht vor Ort, wird uns mitgeteilt. Zudem habe der für die Einstufung der Autos zuständige Mechaniker telefonisch mitgeteilt, dass alle Mercedes Sprinter in die höhere Kategorie gehören würden. Wir machen unsere Buchung rückgängig und verlangen die Adresse des Managers, dem wir kurze Zeit später gegenüberstehen. Dieser lässt sich mit Fahrzeugausweis und Erläuterungen zu unserem Auto überzeugen und verspricht sein Team am Eingang zum Nxai National Park umgehend zu informieren. Er wünscht uns viel Freude während unseres Aufenthaltes im Park und eine sichere Reise durch sein Heimatland Botswana.
Obwohl es mittlerweile schon Nachmittag ist, beschliessen wir zurückzufahren und unseren geplanten Aufenthalt im Nxai National Park wieder zu buchen. Unsere Übernachtungen im Park sind zum Glück noch nicht weiterverkauft worden und bei der Gebühr für das Auto gibt es nun keine Diskussionen mehr…

Da unterwegs zu den Baines Baobabs und auch zum Southcamp streckenweise tiefer Sand zu durchfahren sein wird, müssen wir den Luftdruck in den Reifen reduzieren. Danach kann die Fahrt in den Park endlich losgehen. Bis zur Abzweigung zu den Baobabs wechselt sich tiefer Sand mit Wellblechpisten ab. Dann wartet die teils sehr schmale Piste mit langen Schaukelpassagen und Strecken mit eng stehenden und harten, blattlosen Büschen auf, die unser Auto grosszügig mit Kratzern verzieren.
Die Gegend hingegen ist spektakulär. Die ausgetrockneten Salzpfannen des Nxai Gebietes schimmern blausilbern durch das dürre, gelborange leuchtende Gras, in dem wir Oryx Antilopen, Zebras, Springböcke und uns unbekannte Vögel entdecken. Nach gut 50 Kilometern anstrengender Fahrt erreichen wir über eine riesige topfebene Salzpfanne unseren Übernachtungsplatz.




Dieser liegt am Rand der Pfanne direkt unter einem Baobab. Die Anstrengungen der Fahrt sind augenblicklich vergessen und sonderbarerweise ist auch unsere Müdigkeit verschwunden. Ich bin überzeugt, dass wir uns an einem Kraftort befinden. Der Blick über die ausgetrocknete, golden in der Abendsonne leuchtende Pfanne mit den Baines Baobabs ist einzigartig. In der Ferne türmen sich Gewitterwolken auf, während über uns ein wolkenloser Himmel einen strahlenden Sonnenuntergang verspricht. Wir machen ein Feuer und lassen die mystische Umgebung auf uns wirken.

Unter «unserem» Baobab verbringen wir eine erholsame Nacht und holpern um die Mittagszeit gemächlich zurück zur Hauptpiste, die zum Southcamp weiterführt. Kurz nachdem wir auf diese Piste eingebogen sind, bleiben wir im tiefen Sand stecken. Schaufeln ist angesagt. Bald sind die Räder freigelegt und nachdem wir den Reifendruck nochmals reduziert haben, erreichen wir unser Ziel ohne weitere Zwischenfälle.
Kurz nach unserer Ankunft im Southcamp ziehen Wolken auf und schon bald entlädt sich ein Gewitter, das den ersten lang ersehnten Regen bringt.

Auf einer abendlichen Entdeckungsfahrt besuchen wir später ein Wasserloch, an dem die Reste eines Elefanten liegen, der vor einigen Tagen vom hiesigen Löwenrudel gerissen wurde. Die Löwen haben allerdings kein Interesse mehr an dem Kadaver und sind weitergezogen. Geier, Marabus und Schakale finden hier jedoch noch einen reich gedeckten Tisch.

Generell ist es nun, da es geregnet hat, nicht mehr so einfach, Wildtiere zu beobachten. Da der Regen überall Pfützen hinterlassen hat, finden die Tiere im Busch genügend Wasser. Somit sind sie nicht mehr auf einzelne Wasserlöcher angewiesen.


Die Fahrt zurück zum Haupteingang des Parks verläuft dann auch dank des Regens ohne unfreiwillige Pausen.

Mit vielen guten Erinnerungen an die Tage im Nxai National Park fahren wir Richtung Maun. Nur wenige Meter von der Fahrbahn entfernt stehen Elefanten regungslos im Schatten eines Baumes, um sich vor der aggressiven Sonne zu schützen. Auch auf einem Pfad, der der Frischwasserleitung nach Maun entlang verläuft, sind Elefanten unterwegs. Um an das frische Wasser zu gelangen, haben die grauen Riesen die schweren Betonabdeckungen der Schächte kurzum weggeschoben.


Maun ist die fünftgrösste Stadt Botswanas. Sie liegt am Thamalakane River im nördlichen Teil des Landes. Maun gilt als Tourismushauptstadt Botswanas und ist sozusagen das Tor zum Okavangodelta. Der Ort präsentiert sich als quirlige Kleinstadt, die vom boomenden Tourismus lebt. In kleinen, bescheidenen Geschäften und an zahlreichen Ständen entlang der Strasse kann man sich mit Essbarem und Souvenirs eindecken, die Haare schneiden lassen und sich passend zum neuen Haarschnitt frisch einkleiden. Ausserdem gibt es Filialen der grossen im südlichen Afrika gängigen Grossverteiler, in denen man alles auf einer längeren Fahrt ohne Versorgungsmöglichkeiten Erforderliche erhält.

Zudem kann man in einem nagelneuen und supermodernen Einkaufszentrum mit einer gut funktionierenden Klimaanlage durch die Läden schlendern. Die Gegensätze und Widersprüche sind wie so oft im südlichen Afrika auch hier allgegenwärtig. Auf der einen Seite gibt es ein breites Angebot an Luxusgütern, die sich aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung und die TouristIinnen leisten können. Daneben lebt ein grosser Teil der Bevölkerung von der Hand in den Mund und um zu überleben sind Unzählige auf jeden noch so schlecht bezahlten Arbeitsplatz angewiesen. Auch Kinder und Jugendliche müssen sich nach Kräften am Unterhalt der Familie beteiligen.

Während unseres Aufenthaltes in Maun regnet es einige Male kurz und die bei unserer Ankunft kahlen Baumkronen auf der Audi Campsite verwandeln sich innert kürzester Zeit in einen frischgrünen Baldachin. Es überrascht uns immer wieder, wie schnell sich die Pflanzenwelt verändert, sobald das benötigte Wasser eintrifft.

Die Fahrt von Maun nach Kasane führt durch zwei der wichtigsten Nationalparks Botswanas und verspricht Naturerlebnisse erster Güte. Unterwegs ermöglicht sie eindrückliche Tierbeobachtungen und mit ihren teils unbefestigten Pisten durch einmalige Landschaften weckt sie den Abenteuergeist vieler SelbstfahrerInnen. Aufgrund der grossen Beliebtheit der Strecke müssen die unterwegs erforderlichen Übernachtungsplätze auch ausserhalb der Hochsaison im Voraus gebucht werden.

Wir haben für diesen Teil unserer Botswanareise zehn bis zwölf Tage eingesetzt. Vorgängige Reservierungen sind angesichts unserer rollenden Reiseplanung nicht sinnvoll. So werden wir unsere Fahrt durch das Moremi Game Reserve und den Chobe National Park nach Kasane hier in Maun organisieren. Da dies einiges an Kenntnissen der lokalen Verhältnisse erfordert, holen wir uns der Einfachheit halber die Unterstützung einer jungen Frau, die solche Dienstleistungen anbietet. Anlässlich eines Treffens definieren wir unser Anliegen, worauf sie uns einen Vorschlag ausarbeitet. Diesen passen wir unseren Wünschen und den Möglichkeiten unseres Autos an und schon am nächsten Tag stehen unsere Übernachtungsplätze fest.
Wir kaufen Vorräte und tanken Diesel auf. Da es bis kurz vor Kasane keine Tankstellen mehr geben wird und der Treibstoffverbrauch aufgrund der zum Teil sandigen Pisten bedeutend höher sein wird als normal, füllen wir auch unsere Reservekanister. Dann kann unsere Fahrt nach Kasane beginnen und wir sind gespannt, was uns erwartet.
Die erste Etappe führt durch die Dörfer Shorobe, Sankuyo und Mababe Village an den Khwai River. Die Pisten unterwegs sind von unterschiedlichster Beschaffenheit. Von gut fahrbarem festem Untergrund, über Wellblech und mit Wasser gefüllten, matschigen Senken bis zu sandigen Passagen ist auf der breiten übersichtlichen Piste alles anzutreffen. Wir kommen gut voran und schaffen die Strecke bis zur Abzweigung zu unserem ersten Camp ohne Schwierigkeiten.


Da sich auf unserem reservierten Platz schon jemand eingerichtet hat, können wir auf Nachfrage beim Manager auf dem weiten Gebiet, das als Campsite ausgewiesen ist, einen anderen Stellplatz suchen. Bald finden wir einen perfekten Platz, der nur wenige Meter vom Ufer des Khwai Rivers entfernt liegt. Wir verzichten auf Pirschfahrten und bei perfektem Wetter freuen wir uns über die tierischen Besuche an unserer «Haustür».



Wir beobachten die Flusspferde, die den Fluss rauf und wieder runter wandern und sich prustend, knurrend und mit ihrem typischen weit herum hörbaren Ruf bemerkbar machen. Büffel und Antilopen, die unerwartet hinter uns aus dem Gebüsch auftauchen, bedienen sich kurze Zeit später am saftigen Grün entlang des Flusses.


Nachts macht sich das in der Umgebung ansässige Löwenrudel lautstark brüllend bemerkbar und wir realisieren, wie nahe wir diesen mächtigen Tieren sind…

Das Wetter ist prächtig und die Äste eines allerdings noch laublosen Baumes spende ein wenig Schatten. So erleben wir hier am Wasser herrlich erholsame Tage bis uns die Buchungen in den anderen Camps veranlassen, das Gebiet des Moremi Game Reserves zu verlassen.

Mit dem Mababe Gate erreichen wir als nächstes den Eingang zum südlichen Teil des Chobe National Parks. Der Chobe National Park erstreckt sich über eine Fläche von ca. 11’700 km2, womit er ca. einen Drittel der Fläche der Schweiz einnehmen würde.

Beim Mababe Gate erkundigen wir uns nach dem Zustand der anschliessenden Pisten. Dabei erfahren wir, dass die Strecke durch den Savuti Marsh (Savuti Sumpf) aufgrund des kürzlichen Regens unpassierbar ist. Somit bleibt die 115 Kilometer lange Fahrt über die Sand Ridge Road, auf der tiefer Sand einen Teil der Strecke ausmacht. Die Piste schlängelt sich ohne merklichen Höhenunterschied durch den schneeweissen Sand beeindruckender, fast unberührter Savannenlandschaften.

Streckenweise führt die Piste durch frischgrüne Büsche. Das neue Laub macht deutlich dass es in der Gegend strichweise geregnet hat. In den Büschen sind die hier lebenden Tiere gut getarnt und finden nun wieder genügend Nahrung. Für uns sind sie leider meist nicht sichtbar.
Einige Kilometer vor dem Savuti Camp bringen die sandige Silhouette der etwa 20 Meter hohen und 100 langen Magwikhwe Sandridge (Sandrücken) und die Gubatsa Hills etwas Abwechslung in die weiten Ebenen.

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir die Savuti Campsite, die sich am Savuti River befindet, der allerdings seit dreizehn Jahren trocken liegt. Im Schatten eines grossen Baumes richten wir uns auf einem äusserst grosszügig bemessenen Stellplatz ein und erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang.


Während der Nacht und am frühen Morgen hören wir Löwen, die brüllend erst den Vollmond und am frühen Morgen die aufgehende Sonne begrüssen. Trotzdem treffen wir sie auf unserer Sonnenaufgangsfahrt nicht an. Generell halten sich hier zurzeit eher wenig Tiere auf, da aufgrund der anhaltenden Trockenheit fast keine Nahrung zur Verfügung steht.



Als wir auf unserer Weiterfahrt an einem einige Kilometer entfernten Wasserloch vorbeikommen, entdecken wir einen alten Löwen, der dort seinen morgendlichen Durst stillt. Sein Schwanz ist nur noch etwa halb so lang, wie er sein sollte. Vermutlich ist ihm die andere Hälfte bei einem Kampf mit einem Rivalen abhandengekommen. Der Löwe macht einen einsamen und irgendwie erschöpften Eindruck. Nach ein paar Minuten wünschen wir dem alten Knaben gedanklich alles Gute und fahren weiter Richtung Norden.

Beim Ghoha Gate, dem Eingang in den nördlichen Teil des Chobe National Parks, unterhalten wir uns mit dem dortigen Ranger. Dabei erfahren wir, dass der alte Löwe auch hier bekannt ist. Der kurze Schwanz erweist sich als eindeutiges Erkennungszeichen. Der Ranger informiert, dass sich dieser Löwe schon länger allein durchschlagen müsse. Er sei nicht mehr in der Lage, sich gegen einen Rivalen durchzusetzen oder Beute zu schlagen. Daher werde er wohl nie mehr Anschluss an ein Rudel finden. Wohl oder übel müsse er sich von Kadavern ernähren, die ihm erst noch von Hyänen und Geiern streitig gemacht würden. Sein Leben werde vermutlich bald zu Ende sein.


Gemäss Auskunft des Rangers werden die Pisten auf der folgenden Etappe ebenfalls sandig sein. Wir machen uns auf den Weg und nach ein paar Kilometern bemerken wir auf unserer Fahrspur eine Straussenfamilie mit elf Jungen. In aller Ruhe spaziert die lebhafte Gesellschaft vor uns her, wobei sich die Eltern nicht ganz einig zu sein scheinen, ob und auf welche Seite sie die Fahrbahn verlassen sollen. Etwa nach einer Viertelstunde entscheiden sie sich doch für die Sicherheit der Büsche und die ganze Schar verschwindet kurz darauf im Dickicht.

Wie vom Ranger angekündigt, wartet die Route im weiteren Verlauf mit viel tiefem, dieses Mal allerdings mehrheitlich rotem statt weissem Sand auf und führt in einem stetigen Auf und Ab durch die nun hügelige Landschaft. Die Fahrt ist anstrengend und fühlt sich teilweise eher wie Schwimmen an. Daher schätzen wir es, als wir nach gut 500 Kilometern Fahrt auf unbefestigten Pisten in Kachikau wieder auf eine asphaltierte Strasse treffen.

In Kachikau erhöhen wir den Druck in den Reifen wieder und kaufen zwei kalte Getränke im lokalen Souvenirladen (Curio Shop). Wir unterhalten uns mit der freundlichen Eigentümerin, die uns auf Nachfrage erzählt, dass sie hier aufgewachsen ist. Sie fühle sich sehr wohl in Kachikau. Hier habe sie zwei Söhne und zwei Töchter grossgezogen. Alle seien gut geraten, aber leider seien alle vier weggezogen. Eine der Töchter sei Managerin einer Lodge in Kasane, während die jüngere zurzeit noch an der Universität in Maun studiere. Ihr zweiter Sohn arbeite in der Hauptstadt Gaborone im IT-Bereich einer Telefongesellschaft. Der Älteste sei Major in der Armee. Er lebe aktuell in China, wo er zwei Jahre lang weiter ausgebildet werde. Leider sehe sie ihre Kinder nur selten. Trotzdem werde sie hierbleiben. Sie habe hier alles, was sie brauche. Nach einer ganzen Weile verabschieden wir uns von der aktiven und aufgeschlossenen Frau und beeindruckt von ihrer Akzeptanz und Genügsamkeit setzen wir unsere Reise fort.
Ritualgetreu weisen wir beim Ngoma Gate unseren Beleg vor, der bestätigt, dass wir die Eintrittsgebühr in den Chobe Nationalpark bezahlt haben. Auch hier erhalten wir wertvolle Tipps betreffend die Befahrbarkeit der Pisten auf unserem weiteren Weg.


Nach ein paar Kilometern auf der asphaltierten Transitstrasse nach Kasane zweigen wir wieder auf eine Piste ab. Diese führt uns durch ein kurzes, teils felsiges von blattlosen Wäldern gesäumtes Tal, das sich nach einigen Kilometern abwechslungsreicher Fahrt öffnet und einen grandiosen Blick auf die Weiten der Schwemmebenen des Chobe Rivers freigibt. Während wir zu unserem Übernachtungsplatz auf der Ihaha Campsite fahren, verändert sich die Szenerie durch ein aufziehendes Gewitter innert kürzester Zeit dramatisch. Starker Wind wirbelt den roten Sand auf und vor einem in der Weite noch strahlend blauen Himmel ballen sich schwarzgraue Wolken zusammen. Das Farbenspiel ist grandios. Der dringend benötigte Regen bleibt dann allerdings aus.


Der Chobe River entspringt in Angola und ist einer der Flüsse im Norden Botswanas und Namibias, die das ganze Jahr über Wasser führen. Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen Botswana und Namibia. Auf der namibischen Seite werden die Schwemmebenen des Chobe Rivers als Weidegebiet für das Vieh der dort lebenden Bauern genutzt. Die botswanische Seite ist hingegen als Nationalpark geschützt und dadurch den wilden Tieren vorbehalten. Entsprechend ist die Schwemmebene auf dieser Seite des Chobe ein Paradies für Wildtiere, die hier fast immer in hoher Zahl anzutreffen sind.
Wie schon im Savuti Gebiet ist das Nahrungsangebot zurzeit auch hier aufgrund der anhaltenden Trockenheit stark eingeschränkt. So haben sich viele Tiere in die Wälder der weiteren Umgebung des riesigen Parks zurückgezogen und kommen meist nur kurz zum Trinken und Baden an den Fluss.

Beeindruckt sind wir von der Grösse der Viehherden auf der anderen Seite des Flusses. Zwischen den Rinderherden können wir einige Gruppen Zebras entdecken, während andere grosse Wildtiere gänzlich fehlen. Der Manager des Campinglatzes erläutert, dass wilde Tiere wie Elefanten, Büffel und Antilopen auf der anderen Seite des Flusses umgehend geschossen und zu Trockenfleisch (Biltong) verarbeitet würden. Da die Zebras eng mit den Eseln verwandt seien, die von der lokalen namibischen Bevölkerung nicht verzehrt würden, seien diese dort sicher. Zudem würden sich aufgrund der unzähligen Krokodile, die im Fluss leben, die meisten Tiere scheuen, den Fluss zu durchqueren.


Von unserem Stellplatz aus begeben wir uns während der nächsten Tage mehrere Male auf Entdeckungsreisen durch die verschiedenen Gebiete des Parks. Die Landschaft ist abwechslungsreich und je nach Lust und Laune können wir auf unseren Pirschfahrten die bewaldeten Gebiete südlich des Chobe Rivers oder die eher sandige Gegend direkt dem Fluss entlang erkunden.



Mit Ziel Kasane verabschieden wir uns vom Chobe National Park mit einer letzten Fahrt dem Fluss entlang. Kurz nachdem wir losgefahren sind, bemerken wir ganz in der Nähe der Piste zwei Löwinnen mit ihren Jungtieren. Den auffallend runden Bäuchen der Tiere nach zu urteilen, ruhen sie sich nach einem üppigen Frühstück im Schatten eines Baumes aus. Eine ganze Weile können wir die Tiere beobachten, die sich von uns in keiner Art und Weise stören lassen.

Kasane ist eines der wichtigsten touristischen Zentren Botswanas. Der Ort ist für viele Reisende der Ausgangspunkt für Safaris in den Chobe National Park und/oder für die Fahrt nach Maun. Die Kleinstadt ist mit ihren Supermärkten und Restaurants ein wichtiges Versorgungszentrum im Norden Botswanas und bietet alles Notwendige für den täglichen Bedarf wie auch für weiterführende Reisen. Ausserdem besuchen viele Reisende von Kasane aus die Viktoria Fälle als Tagesauflug. Die touristische Infrastruktur Kasanes ist äusserst gut ausgebaut und angesichts der vielen luxuriösen Unterkünfte in der Umgebung muss hier kein noch so ausgefallener Wunsch unerfüllt bleiben.
Um Kasane etwas kennen zu lernen, übernachten wir hier zweimal. Wir buchen eine jener berühmten Sonnenuntergangs-Fahrten auf dem Chobe River. Da die Hochsaison vorbei ist, können wir die Fahrt kurzfristig buchen und mit vier Personen ist das Flachboot bei weitem nicht voll besetzt. Unser Guide erweist sich als sehr versiert und vermittelt viel Wissen über den Fluss sowie die Verhaltensweisen der Tiere im und am Wasser. In einer humorvollen Art bezieht er seine Gäste mit ins Geschehen ein, wodurch er die Stunden auf dem Fluss zu einem sehr lohnenden Erlebnis macht. Besonders interessant ist es für uns, die Flusspferde und die nicht ganz so sympathischen Krokodile aus nächster Nähe beobachten zu können.

Auf der Fahrt treffen auf eine Gruppe Krokodile, die einen alten Büffel getötet hat. Gemäss den Ausführungen unseres Guides hat das tote Tier schon einige Tage im Wasser gelegen. Nun habe der Kadaver jenen Verwesungsstand erreicht, der es den Krokodilen ermögliche, diesen nun mit spezifischen Techniken aufzureissen. Eine unangenehme Angelegenheit, die bald ziemlich streng zu riechen beginnt, worauf der schaurige Schauplatz auf allgemeinen Wunsch zügig verlassen wird. Nach drei spannenden Stunden endet die Fahrt mit einem besonders eindrücklichen Sonnenuntergang über dem Chobe River.



In Kasane entdecken wir einige hübsche Lokale mit gutem Kaffee. Im Weiteren ist der Ort schnell erkundet. Wie in Maun und in Victoria Falls werden auch hier viele Souvenirs angeboten und wie schon dort ist es heiss, was die Lust auf Spaziergänge auf ein Minimum reduziert.

Angesichts der vielen Stunden, die wir in den zwei Wochen gefahren sind, beschliessen wir, auf dem Stellplatz einer kleinen Lodge etwas weiter südlich ein paar ruhige Tage und Nächte zu verbringen und die Seele baumeln zu lassen. Während dieser Zeit erhalten wir einen Einblick in das Leben und die Herausforderungen eines Paares, das seit langen Jahren eine Unterkunft/Guesthouse (Pension) betreibt und Reisenden einen angenehmen und sicheren Ort für eine Pause bietet.



Ein Gebiet, das wir in Botswana noch besuchen wollen, sind die Tsodilo Hills. Diese befinden sich im äussersten Nordwesten des Landes. Da wir uns nun in Kasane befinden, das im Nordosten Botswanas liegt, haben wir uns entschieden, die Tsodilo Hills vom Caprivistreifen aus anzufahren. Das bedeutet, dass wir für ein paar Tage nach Namibia einreisen werden. Der Grenzübertritt sollte keine Hürde sein und wir haben so die Möglichkeit die ganze Länge des Caprivistreifens zu sehen, ohne grössere Umwege zu fahren.
Ausgeruht machen wir uns auf den Weg zum Ngoma Bridge Grenzposten. Auf Höhe des Old House Hotels entscheiden wir uns dann spontan in dessen Restaurant noch einen Cappuccino zu trinken. Wir lassen uns Zeit und geniessen den schattigen, liebevoll gestalteten Garten und die wohltuende Atmosphäre dieses kleinen Paradieses mitten im geschäftigen Kasane. Als wir Kasane dann verlassen, ziehen dunkle Wolken auf und während wir über die Transitstrasse durch den Chobe National Park fahren, beginnt es kräftig zu regnen. Beim Grenzposten, den wir nach etwa zwei Stunden erreichen, scheint wieder die Sonne.



Auf den beiden Grenzposten füllen wir die erforderlichen Formulare aus, bezahlen die Strassengebühr und nach einer Stunde sind wir auf Namibias Strassen unterwegs. Das Thermometer zeigt schon um die Mittagszeit 35° C an. Entsprechend wird es wieder einen heissen Tag geben.

Die nächsten vier Tage verbringen wir in Namibia bevor wir nochmals nach Botswana einreisen, um den Tsodilo Hills den geplanten Besuch abzustatten.
Bevor wir zum Mohembo Grenzposten fahren, kaufen wir im Supermarkt von Divundu frisches Gemüse für die nächsten Tage ein. Wie erwartet ist die Ausreise aus Namibia eine Sache von einigen Minuten. Bei der Einreise nach Botswana erhalten wir umgehend wieder eine Aufenthaltsbewilligung für 30 Tage. Die Strassengebühr können wir allerdings nicht bezahlen, da das Internet nicht funktioniert und die benötigten Formulare nur elektronisch ausgefüllt werden können. Mit einem unterdrückten Zähneknirschen und ohne die üblichen guten Wünsche für die Weiterreise werden wir aufgefordert zu gehen. Gut für uns!
Beim letzten Kontrollposten vor der Einreise nach Botswana, erkundigt sich eine nette Frau, ob wir frisches Gemüse, Fleisch, Milch, Käse oder Eier mitführen. Ich überreiche ihr die Tasche mit den Sachen, die wir vor zwei Stunden gekauft haben. Sie nimmt die Tomaten, die Bohnen, die Peperoni und den Kürbis an sich. Die Orangen und Mandarinen überlässt sie uns, da diese dem Einfuhrverbot nicht unterliegen würden. Mit den noch ausstehenden guten Wünschen für einen angenehmen Aufenthalt in Botswana werden wir entlassen. Wir sind leicht verwirrt über die Kontrolle, da bei unserer ersten Einreise nach Botswana nichts Derartiges stattgefunden hat. So oder so fahren wir weiter nach Shakawe und ersetzen das abgelieferte Gemüse im dortigen Supermarkt.


Auf der Campsite der für den Besuch der Tsodilo Hills optimal gelegenen Shakawe River Lodge finden wir einen perfekten Übernachtungsplatz. Die Lodge befindet sich direkt am Okavango River und bietet auch Mokorofahrten an, die ebenfalls noch auf unserer Wunschliste für Botswana stehen.
Die Route zu den Tsodilo Hills führt erst über die asphaltierte Strasse Richtung Maun. Bei Nxamasere zweigt dann eine Piste zu den Tsodilo Hills ab. Diese weist viele harte Wellblech-Strecken auf. Entsprechend gründlich durchgerüttelt kommen wir nach einer guten Stunde bei den Tsodilo Hills an. Die dortigen Felszeichnungen sind seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe und können nur mit einem Guide besucht werden. Demzufolge buchen wir eine Führung zu den Felszeichnungen, die wir mit einer ebenfalls geführten Tour auf den «Male Mountain» den mit 420 Metern höchsten der Hügel der Tsodilo Hills und einer Übernachtung auf dem hiesigen Campingplatz ergänzen.

Als wir beim Museum den für die geführten Touren zuständigen Ranger treffen, betont dieser, dass die Wanderung auf den Male Mountain bei den aktuellen Temperaturen zu lang und zu steil und somit zu gefährlich sei. Wir würden die Strecke mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht schaffen. Er empfehle uns, am späteren Nachmittag zwei «normale» Touren zu kombinieren. Die für dieses Vorgehen vorgebrachten Argumente überzeugen uns nicht wirklich. Da die Temperatur mittlerweile jedoch knapp 42° C beträgt und wir die Gegend nicht kennen, lassen wir uns auf den Vorschlag ein.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit erwartet uns unser Guide Benji beim Treffpunkt. Benji ist einer der Guides, die den BesucherInnen der Tsodilo Hills die Felszeichnungen erläutern. Allerdings können nicht alle der etwa 4’500 in den Hügeln entdeckten Felsmalereien besichtigt werden. Benji erklärt uns einige der bedeutendsten und wir erfahren dabei viel über das Volk der San, das schon vor mehr als 100’000 Jahren in und um die Tsodilo Hills lebte. Gegenwärtig werden die Tsodilo Hills von Angehörigen der HaMbukushu und der !Kung bewohnt.
Die Felsmalereien sind mehrere tausend Jahre alt und befinden sich an etwa 400 Stellen verteilt über die Tsodilo Hills. Manchmal sind sie unauffällig und an einigen sind wir vermutlich vorübergegangen, ohne sie wahrzunehmen…



Die frischgrüne Vegetation bildet einen herrlichen Kontrast zum wolkenlos blauen Himmel und den in der Sonne leuchtenden goldgelben Felsen, die mancherorts mit bunten Farben ausgewaschener Mineralien aufwarten. Auf den Ebenen innerhalb der vier Hügel wachsen zahlreiche Baumarten, Büsche und verschiedenste Gräser und Zwiebelpflanzen. Die Vegetation innerhalb der Tsodilo Hills bildet ein lokalspezifisches Biotop, in dem viele Tiere wie Elefanten, Kudus, Hyänen, Leoparden, Stachelschweine, Ameisenbären, Gürteltiere, etc. leben. Die Tiere sind in der üppigen Vegetation sehr gut getarnt und für uns ausschliesslich über ihre frischen Spuren im Sand wahrnehmbar, die uns unser Guide ausnahmslos erklären kann.
Ausserdem erkennt Benji die unterirdischen Kleinstbewohner des Ortes an ihren Kratern und sonstigen Höhleneingängen. Auf eine entsprechende Frage hin hebt er neben einem kleinen perfekt geformten Sandkrater eine Handvoll Sand hoch, in der sich der dort lebende nur etwa fünf Millimeter grosse Ameisenlöwe befindet. Dann wiederum gräbt er eine etwa erbsengrosse Zwiebel aus, schält diese, isst sie und erklärt, dass diese kleinen Zwiebeln für die San in früheren Zeiten ein wichtiges Nahrungsmittel darstellten. Die Führung durch die Rock Paintings der Tsodilo Hills erhält mit diesen und vielen weiteren Details zum Alltag der San, die uns Benji weitergibt, eine zusätzliche äusserst interessante Dimension.


Wir geniessen die Tour von Anfang bis zum Schluss. Als wir zurück zum Ausgangspunkt kommen, ist der Park schon geschlossen. Nachdem das Eingangtor für uns nochmals geöffnet wird, bringen wir unseren Guide nach Hause, da er den sieben Kilometer langen Arbeitsweg sonst bei einbrechender Dunkelheit hätte zu Fuss zurücklegen müssen. Anschliessend machen wir uns auf dem riesigen als Campingplatz ausgeschilderten Areal auf die Suche nach einem passenden Stellplatz und finden diesen genau zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Die Einsamkeit und Ruhe unseres Bushcamps in unmittelbarer Nähe der Tsodilo Hills ist ein stimmiger Abschluss für diesen erlebnisreichen Tag.

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht fahren wir zurück zur Shakawe River Lodge und buchen für den nächsten Tag eine Mokoro Fahrt.

Ein Mokoro ist ein ungefähr vier Meter langes Boot, das aus dem Stamm eines geeigneten Baumes (z. B. des Lebewurstbaumes) wird. Daher der Name «Einbaum». Heutzutage bestehen die meisten in der Tourismusindustrie verwendeten Mokoros allerdings aus mit Glasfasern verstärktem Kunststoff oder aus Leichtmetall. Mokoros werden hauptsächlich für den Fischfang in der Kavango Region und auf dem Okavango River und seinem Delta im Norden von Namibia und Botswana gebraucht.


Früh am nächsten Morgen geht es los. Unseren Churi lassen wir auf Anraten der jungen Frau am Empfang auf dem Campingplatz stehen und lassen uns von einem Fahrer der Lodge mit einem der überall im südlichen Afrika «herumhüpfenden» Toyota Hilux fahren. Die ca. zehn Kilometer lange Strecke zum Liegeplatz der Mokoro Boote sei sehr tiefsandig und teilweise so eng, dass unser Auto nicht durchkommen würde. Im nächsten Dorf holen wir Christoph, unseren Polar (Pontonier) ab. Dann beginnt die Fahrt über die unbefestigte Piste und schon sehr bald bewahrheiten sich die Angaben der Rezeptionistin. Mit unserem Auto hätten wir keine Chance gehabt, durchzukommen.

Die Mokoros liegen an einem Seitenarm des Okavango. Die Stille des frühen Morgens ist vollkommen. Ausser zeitweiligem Gesang und den Warnrufen der Vögel ist kein Laut zu hören. Geräuschlos lässt Christoph das Boot über das Wasser gleiten und das Gefühl, auf dem Wasser zu schweben, ist ein bezauberndes Erlebnis. Ab und zu macht Christoph eine Pause und erklärt die Natur um uns herum. Er weist uns auf Vögel hin und erläutert deren Wesen und Verhaltensweisen. Er kennt die Pflanzen, die im Okavangodelta wachsen und erwähnt auch die Schwierigkeiten, die sich aufgrund des sich verändernden Klimas schon jetzt im Delta bemerkbar machen.

Auf unsere Fragen hin erzählt er von sich und seiner Familie. Er sei ein ausgebildeter und vom Staat Botswana zertifiziert Ranger. Dieses Zertifikat sei erforderlich, damit er Mokorofahrten anbieten könne. Sein ältester Sohn habe diese Ausbildung vor Kurzem ebenfalls absolviert. Nun würden sie beide hier als Polars arbeiten und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Allerdings müssten sie die Fahrten einstellen, wenn es nicht bald ergiebig regne. In Maun würden schon seit Wochen keine Mokorofahrten mehr angeboten. Der tiefe Wasserstand sei auch der Grund, dass er mit uns leider nicht die übliche Strecke fahren könne.

Nach gut zwei Stunden bringt uns Christoph sicher zurück zur Anlegestelle. Für uns war die Fahrt ein pures Vergnügen und tiefenentspannt lassen wir uns zurück zur Lodge chauffieren.

Nach den Tagen im Nordosten von Botswana verlassen wir dieses für uns exotische und mit seiner reichen und vielfältigen Tierwelt hoch interessante Land. Botswana ist zu einem grossen Teil auf den Tourismus ausgerichtet. Die Bevölkerung ist Reisenden gegenüber aufgeschlossen, und sehr hilfsbereit. Der Lebensstandard ist verglichen mit Zimbabwe bedeutend höher. Wir haben Botswana als sicheres und unkompliziertes Reiseland erlebt, in dem wir uns frei und unbeschwert bewegen konnten. Die Weite des Landes mit seiner freundlichen Bevölkerung, der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt und den zum Teil weltweit einmaligen Landschaften haben die Wochen, die wir hier verbringen konnten, zu einem für uns sehr wertvollen Erlebnis gemacht.
