Ngoma Bridge bis Windhoek / 27. November 2024 – 01. Januar 2025
Für unsere Reise durch Namibia haben wir sechs bis acht Wochen vorgesehen. Wir freuen uns auf dieses riesige Land, das neben seiner Vielfalt an Tieren vor allem für seine grossartigen Landschaften bekannt ist. Namibia grenzt im Norden in der Chobe Region, deren Schwemmebenen im äussersten Nordosten des Landes liegen, und entlang des Caprivi-Streifens an Botswana.
Nach der Einreise planen wir den Caprivi-Streifen von Osten nach Westen zu durchqueren. Bei Divundu werden wir nach Süden fahren, um noch einmal nach Botswana einzureisen, da dort in der Nähe von Shakawe die Tsodilo Hills noch auf unseren Besuch warten. Nach diesem Abstecher nach Botswana führt unsere Reise über Rundu nach Grootfontein und von dort weiter in den Etosha Nationalpark. Mit einigen Zwischenhalten werden wir anschliessend an die Westküste reisen und die Städte Swakopmund und Walvis Bay am Atlantik besuchen. Bis Ende Jahr planen wir das nördliche Namibia bereist zu haben und diesen Teil der Reise in der Hauptstadt Windhoek zu beenden.

Von Kasane, der nördlichsten Stadt Botswanas, sind es knapp 70 Kilometer bis zum Ngoma Bridge Grenzposten, der sich fast am Ende des Caprivi-Streifens im Nordosten von Namibia befindet. Da wir unsere Botswanareise in Kasane (vorläufig) abschliessen, reisen wir über diesen Grenzposten nach Namibia ein.
Für die Transitstrecke durch den Chobe National Park lassen wir uns ausgiebig Zeit, um allenfalls noch ein paar Tiere beobachten zu können. Allerdings beginnt es schon kurz nach Kasane kräftig zu regnen, was die Tiere veranlasst, im Schutz der Wälder zu bleiben. Der lang ersehnte Regen bringt sofortige Abkühlung und fast können wir hören, wie die Natur erleichtert aufatmet. Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir den Grenzposten, der in strahlendem Sonnenschein liegt.

Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt und nach einer guten Stunde fahren wir gemütlich Richtung Katima Mulilo, der ersten Stadt in Namibia.

Der Caprivi-Streifen ist eine fruchtbare Gegend, da die ganzjährig Wasser führenden Flüsse Kwando und Okavango den Streifen durchqueren oder diesem als Grenzfluss entlang fliessen. So bildet der Okavango River auf seinem Weg ins berühmte Okavangodelta über eine Länge von 400 Kilometern die Grenze zwischen Angola und Namibia.

Gemäss unseren Informationen gibt es auf dem Weg nach Katima Mulilo ganz in der Nähe des Zambezi Rivers eine Karminspint-Kolonie, in der die Vögel brüten und ihre Jungen aufziehen würden. Diese attraktiven Vögel würden wir gerne aus der Nähe beobachten. Daher erkundigen wir uns beim Besitzer einer Lodge nach der genauen Lage der Kolonie. Detailliert erklärt er uns den Weg, betont allerdings, dass die Vögel schon weitergezogen seien, da die Jungen die Nester schon verlassen hätten. Zudem habe es einige Male geregnet, was die Vögel veranlasst habe, in trockenere Gegenden zu ziehen. Es werde sich kaum lohnen, zur Kolonie zu fahren, dies auch, weil die Piste dorthin aufgrund des kürzlichen Regens aufgeweicht und möglicherweise nicht durchgehend passierbar sei.


Während der angeregten Unterhaltung erfahren wir, dass in Namibia heute nationaler Wahltag ist. Alle Wahlberechtigten hätten arbeitsfrei, damit sie wählen gehen könnten. Dies erklärt einerseits die auffallend vielen Leute, die heute entlang unserer Wegstrecke zu Fuss unterwegs waren und andererseits die vielen in Gruppen zusammensitzenden Menschen, die uns in den Orten aufgefallen sind. Vermutlich werde die regierende Partei weiter an der Macht bleiben. Allenfalls werde ein neuer Regierungschef gewählt, vielleicht sogar eine Frau… Wir bedanken uns bei dem freundlichen Herrn für seine Zeit und die Informationen und fahren weiter nach Katima Mulilo.

Eingangs der Stadt finden wir einen direkt am Zambezi River gelegenen Stellplatz und werden informiert, dass in Katima Mulilo aufgrund des nationalen Wahltages alle Geschäfte geschlossen sind. Für uns heisst das, dass wir uns erst am nächsten Tag auf die Suche nach einer Simkarte und Bargeld machen können. So verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag am Ufer des Zambezi Rivers, der hier die Grenze zu Zambia bildet.

Am Morgen fahren wir zeitig in die Stadt und treffen vor dem MTC Geschäft, das Daten und Simkarten verkauft, wie auch vor den Bankomaten lange Menschenschlangen an. Die meisten Bankomaten sind jedoch schon leer. Und vor jenen, die noch Geld ausgeben, warten so viele Leute, dass wir vorläufig auf Bargeld verzichten. Da in den grossen Lebensmittelläden mit der Kreditkarte bezahlt werden kann, können wir unseren Vorrat trotzdem auffüllen. Dann trinken wir im sympathischen «Green Basket Cafe» einen Cappuccino und üben uns in Geduld. Am späten Nachmittag sind wir dann endlich im Besitz der ersehnten Simkarte.
Unsere zweite Etappe durch den Caprivi-Streifen führt über die C 49 nach Kongola. Die Flüsse Linyanti und Kwando bilden die hiesige Grenze zwischen Namibia und Botswana. Fast das Gebiet gehört zur Kawango Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA).

Die Landschaft ist beeindruckend grün und fruchtbar mit gepflegten Gemüsegärten, Feldern und vielen wunderschönen Bäumen. Nach einiger Zeit winkt uns ein älterer Mann an den Strassenrand, wo ein Pickup steht, der offensichtlich eine Reifenpanne hat. Neben dem Auto warten zehn Personen geduldig auf Unterstützung. Mit dem Pickup scheint eine drei Generationen umfassende Sippe unterwegs nach Katima Mulilo zu sein. Es stellt sich heraus, dass das mitgeführte Reserverad keine Luft hat. Mit unserem Kompressor ist dieses Problem schnell behoben und zwei der wartenden jungen Männer übernehmen den Radwechsel. Nachdem sich alle herzlich bedankt haben und den jeweils richtigen Platz auf und im Auto gefunden haben, macht sich die Gruppe wieder auf den Weg.



Die meisten Dörfer entlang unserer Route bestehen aus mehreren Gebäuden und offenen Plätzen, die für soziale Treffen genutzt werden. Meist sind die Dörfer von einem mehrere Meter hohen Zaun aus Schilf umgeben. Die Gehege für das Vieh sind robust und auch die oft üppig grünen Gärten sind mit stabilen Zäunen eingefasst. Es ist offensichtlich, dass hier Raubkatzen und andere Wildtiere ferngehalten werden sollen.


Unsere Fahrt führt am Nkasa Rupara National Park vorbei und wir durchqueren den unteren Teil des Mudumu National Parks. Bis auf einige Zebras und Gnus lassen sich allerdings keine Wildtiere blicken.

Mit bis zu 41°C ist es heiss. So entscheiden wir uns am Kwando River einen Stellplatz zu suchen und eine Pause einzulegen. Auf der «Marrow» Campsite, die an einem Seitenarm des Kwando liegt, finden wir einen schönen Platz mit genügend Schatten. Der Campingplatz ist kürzlich neu eröffnet worden und noch im Aufbau. Kennedy, der Betreiber, ist Mitglied einer lokalen Gemeinde, von der er das Land, auf dem der Platz liegt, kaufen konnte. Allerdings ist er verpflichtet, einen Teil seiner Einnahmen an die Gemeinschaft weiterzugeben. Alle Gebäude wurden von Kennedy mit Unterstützung von Männern aus der Gemeinde im Stil der lokalen Dörfer erstellt.


Kennedy ist ein vom namibischen Staat lizenzierter Guide, der die Bewilligung hat Touren auf den Flüssen der Nationalparks durchzuführen. Wir buchen eine Tour auf dem Kwando River und lassen uns die Vogel- und Pflanzenwelt erklären. Dies macht Kennedy mit viel fundiertem Wissen und Engagement und einem guten Gespür für seine Kundschaft. Uns beeindruckt vor allem seine umfassende Kenntnis der traditionellen Pflanzenheilkunde.




In Divundu besuchen wir die Popa Falls, eine wenige Meter hohe Geländestufe, über die der Okavango River je nach Wasserstand als gestufter Wasserfall hinunterfällt oder sie bei Hochwasser als riesige Welle einfach schluckt.


Nach unserem Abstecher zu den Tsodilo Hills im Nachbarland Botswana setzen wir unsere Fahrt durch den Caprivi-Streifen fort. Der Rest der Route durch dieses ca. 470 Kilometer lange Gebiet führt meist durch eher monotone Savannen und halbwüstenähnliche Landschaften.

Von Rundu, der zweitgrössten Stadt Namibias mit ca. 118’000 Einwohnenden, fahren wir nach Süden bis Grootfontein. Dort übernachten wir auf einer Guestfarm, auf der biologisches Gemüse, Kräuter, Früchte, Mais und vieles mehr angebaut wird. Daneben werden verschiedenes Geflügel und Schweine gehalten. Auf dem Teil der Farm, der nicht der Produktion dient, leben Kudus, Elen-Antilopen und diverse kleinere Wildtiere. Für Gäste, die auf der Farm übernachten wollen, werden Zimmer vermietet. Zudem stehen einige Campingplätze zur Verfügung. Das Angebot wird mit einem persönlich geführten Restaurant und einem Farmshop abgerundet.
Wir fühlen uns auf dem «The Farm Shop» sehr willkommen und geniessen die ausserordentliche Gastfreundschaft des Paares. Abends lassen wir uns mit köstlichen Gerichten verwöhnen, die wenn immer möglich aus selbst produzierten Nahrungsmitteln zubereitet werden.

In der Nähe von Grootfontein wurde in den 1920er-Jahren auf einer Farm der vermutlich zweitgrösste Eisenmeteorit der Erde gefunden. Der Hoba Meteorit ist zwischen 50 und 60 Tonnen schwer, misst ungefähr 7m2 und ist ca. einen Meter hoch. Gemäss Wikipedia besteht er aus ca. 82% Eisen, ca. 16% Nickel, ca. 1% Cobalt und diversen Spurenelementen. Der Meteorit schlug vor ca. 80’000 Jahren auf der Erde ein und liegt immer noch an der gleichen Stelle. Im Jahr 1987 vermachte der Besitzer der Farm das Gebiet mit dem Meteoriten dem Staat.

Der Meteorit kann nur in Begleitung eines Guides besucht werden. Dieser weiss gut über den kostbaren Fund Bescheid und ermuntert Interessierte, auf den Meteoriten zu steigen und genau im Zentrum des Meteoriten laut zu sprechen, oder noch besser laut zu singen. Das Resultat ist erstaunlich. Denn genau im Zentrum erlebt man seine Gesänge oder Reden, als ob man sich in einem geschlossenen Raum befinden würde. Wird das Zentrum auch nur um einige Centimeter verlassen, löst sich das Phänomen auf.
Über Tsumeb, eine der wichtigsten Minenstädte Namibias, fahren wir nordwärts zum Etosha Nationalpark. Dort bestaunen wir die vielfältige Tierwelt und freuen uns über die grosse Anzahl verschiedener Tiere, die wir in den Tagen, die wie hier verbringen, beobachten können.
Der Etosha Nationalpark bedeckt eine Fläche von 22’270 Km2. Damit ist er etwas grösser als die halbe Schweiz. Der Park ist von einem 1’640 Kilometer langen und 2.6 Meter hohen Zaun eingefasst, der bis zu 70 cm tief in den Boden eingegraben ist. Mit dem Zaun soll verhindert werden, dass die Tiere abwandern. Zudem sollen die im Park lebenden Wildtiere mit dem Zaun vor Wilderern und die Nutztiere der an den Park angrenzenden Farmen vor den Raubkatzen des Parks geschützt werden. Der Zaun hindert die Wildtiere allerdings an ihrer angestammten Migration. Das bedeutet, dass die Aufenthaltsmöglichkeiten des Wildes auf den an sich künstlich geschaffenen Lebensraum innerhalb des Parks begrenzt sind.




Das Strassennetz im Park ist gut ausgebaut und die Hauptpiste ist in gutem Zustand, obwohl das fast überall vorherrschende «Wellblech» mit der Zeit etwas anstrengend wird. Die Hauptpiste führt der grossen Etosha Pfanne entlang von West nach Ost. Von der Hauptpiste zweigen die ausgeschilderten Nebenpisten zu den jeweiligen Wasserlöchern ab.

Die grosse im Zentrum des Parks liegende Salzpfanne war in geologischer Vergangenheit der Boden eines riesigen Sees. Die Pfanne bedeckt eine Fläche von ca. 5’000 Km2 und ist 129 Kilometer lang. An der breitesten Stelle misst sie etwa 70 Kilometer. Während der Regenzeit füllt sich ein Teil der Pfanne jeweils mit Wasser. Nur sehr selten sind die Niederschläge so ergiebig, dass der See ganz gefüllt wird.

Neben natürlichen Wasserlöchern, die während der Trockenzeit oft austrocknen, gibt es im Park auch solche, die laufend mit Grundwasser gefüllt werden, damit den Wildtieren immer genügend Wasser zur Verfügung steht. Wie in Botswana sind die Tiere auch hier während der Trockenzeit besonders gut beobachtbar, da sie die Wasserlöcher regelmässig aufsuchen.


Wir besuchen den Etosha Nationalpark im namibischen Sommer und mit bis zu 42°C ist es sehr heiss. Dies hat den Vorteil, dass sich der touristische Ansturm in Grenzen hält und es problemlos möglich ist, die Stellplätze bei den Restcamps erst vor Ort zu buchen. Wir verbringen eine intensive und äusserst interessante Zeit im Park. Mit den Entdeckungsfahrten zu den Wasserlöchern rechts und links der Hauptstrecke, auf denen wir immer wieder andere Tiere beobachten können, verfliegen die Tage im Nu.

Outjo ist ein geeigneter Ort, um auf der Fahrt von und zum Etosha Nationalpark eine Pause einzulegen. Die geschäftige kleine Stadt ist ein wichtiges Versorgungszentrum für Farmen, Hotels und Gästehäuser in der Umgebung. Für uns ist Outjo der Ausgangspunkt für unsere Reise über Kamanjab in den Osten. Als nächstes werden wir im 270 Kilometer entfernten Palmwag Rast machen.

Ab Kamanjab verändert sich die Landschaft fortlaufend. Die weiten eher eintönigen Buschlandebenen machen einer hügelig gebirgigen Gegend mit lichtem Wald Platz. Die Fahrt ist abwechslungsreich und die anfangs schneeweisse Piste ist in einem ausserordentlich guten Zustand. In einigen Senken steht noch Wasser von kürzlichen Regenfällen. Dies zeigt, wie schnell sich solche Senken bei Regen mit Wasser füllen und die Strecke innert kürzester Zeit unpassierbar machen können.

Bald werden die felsigen Hügel, die uns bis anhin begleitet haben, weniger und vom Grootberg Pass sind durch den blauen Dunst erste Tafelberge erkennbar.




Am späten Nachmittag erreichen wir unseren Übernachtungsort in der Nähe von Palmwag. Wir richten uns auf unserem Platz ein und stellen fest, dass wir die Türe in den Wohnaufbau nicht mehr öffnen können. Vermutlich hat sich das durch den Einbruch beschädigte Schloss auf den Rüttelpisten blockiert. Da wir durch die Fahrerkabine in den Aufbau gelangen können, ist das Ein- und Aussteigen zwar etwas mühsam, aber ganz gut machbar.
Auf dem morgendlichen Gang ums Auto entdecken wir dann, dass einem unserer Hinterräder während der Nacht buchstäblich die Luft ausgegangen ist. Wir schauen uns überrascht an und sind uns einig, dass es bedeutend weniger angenehme Orte gäbe, einen Plattfuss zu haben. Das Rad ist kurz darauf gewechselt und auf Nachfrage in der bestens ausgerüsteten Werkstatt der Lodge sind die Angestellten gerne bereit den Pneu zu flicken. Kurz darauf wird das reparierte Rad zurückgebracht und das etwa fünf Centimeter lange Metallteil, das die Panne verursacht hat, wird als Andenken mitgeliefert. Was für ein toller Service!
Die Tür zum Aufbau lässt sich leider immer noch nicht öffnen.

Als nordwestlichsten Punkt unserer Reise haben wir Sesfontein festgelegt. Von Palmwag fahren wir Richtung Norden und bei perfektem Wetter durchqueren wir eindrückliche Gegenden. Rauf und runter geht die Fahrt fast wie auf einer Achterbahn. Wir durchqueren mehrere Täler, die von rostroten Tafelbergen begrenzt werden.

Hänge und Ebenen sind mit roten Steinen bedeckt, zwischen denen mintgrüne Büsche farbige Akzente setzen. Nach einem passartigen Übergang lassen wir die roten Berge hinter uns und fahren wenig später durch ein weites Tal, das von pastellfarbenen Bergketten gesäumt wird. Die Ebenen sind oft trennscharf mit Kies und Sand bedeckt, das farblich den Berghängen entspricht. Entlang der zurzeit allerdings trockenen Flüsse wachsen Bäume und Sträucher, die den hiesigen Wildtieren Nahrung bieten.



In Sesfontein besuchen wir das alte deutsche Fort, das restauriert und in eine Lodge umgebaut wurde. Nach einer erfrischenden Pause im Garten des Forts fahren wir zurück nach Palmwag und von dort weiter Richtung Khorixas. Auch diese Strecke ist landschaftlich wunderschön. Rote Tafelberge vor einem strahlend blauen Himmel begleiten uns, bis sie langsam der Wüste weichen. In der Ferne taucht ein grauschwarzer Gebirgszug auf und plötzlich befinden wir uns mitten in einem Sandsturm. Etwa eine Stunde lang fahren wir durch stürmische Winde, die den weissen Sand vor sich hertreiben und uns wie in dichtem Nebel im Schritttempo fahrend die Piste erahnen lassen.


In der Nähe von Khorixas befinden sich einige touristische Attraktionen. Wir entscheiden uns vorerst für eine Fahrt zu den hiesigen Wüstenelefanten und den Besuch der Felsenbilder bei Twyfelfontein. Den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten in der Gegend legen wir im Verlauf der nächsten Tage ad hoc fest. Da sich die Eingangstüre zu unserer Wohnung immer noch nicht öffnen lässt, wird der Reisealltag langsam etwas mühsam…
Die Felszeichnungen wie auch die Felsgravuren bei Twyfelfontein sind seit 2007 UNESCO Weltkulturerbe. Über 2’500 Bilder auf mehr als 200 Felsplatten sind hier insgesamt beschrieben worden. Es ist nicht klar, wie alt die mit unterschiedlichen Techniken erstellten Felsenbilder sind. Es wird angenommen, dass die Gravuren in verschiedenen Perioden geschaffen wurden. Die ältesten Felsbilder werden auf bis zu 24’000 Jahre v. Chr. geschätzt. Wohingegen die jüngsten Bilder eher aus unserer Zeit stammen.

Die Felsenbilder sind nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Matthew, unser Guide, beherrscht sein Fachgebiet und eloquent erläutert er die Entstehungsgeschichte der Bilder, die angewandten Techniken, die verwendeten Materialien sowie die Lebensumstände der verschiedenen Völker, die hier gelebt und gewirkt haben. Auch Fragen zur aktuellen Situation der unterschiedlichen Völker beantwortet er offen und erläutert heutige länderübergreifende Zusammenhänge. Matthew, der von seiner Arbeit spürbar begeistert ist, macht die Besichtigung der Felsenbilder zu einem besonders interessanten Erlebnis.

Ein Besuch bei den seltenen Wüstenelefanten steht als nächstes auf unserer Wunschliste. Einige kleine Herden sind hier im Nordwesten Namibias heimisch. Da die Tiere jetzt auf dem Höhepunkt der Trockenzeit hauptsächlich im trockenen Flussbett unterwegs sind, haben wir uns entschlossen, eine Tour zu buchen und uns durch den tiefen Sand des Flussbetts fahren zu lassen. Die Tour ist eine eindrückliche, wenn auch äusserst holprige und windige Erfahrung. Unser Fahrer und Guide kennt alle «seine» Elefanten beim Namen und auch deren Charaktereigenheiten sind ihm bekannt. So können wir uns den Tieren bis auf Armeslänge nähern, ohne diese in irgendeiner Art und Weise zu beunruhigen.


Mittlerweile ist Mitte Dezember schon vorüber und wir haben uns entschieden, das blockierte Türschloss zur Wohnkabine nun doch noch dieses Jahr reparieren zu lassen. Der nächste Ort, der für so eine Reparatur am ehesten in Frage kommt, ist Swakopmund.
Swakopmund, die drittgrösste Stadt Namibias, liegt am Atlantik und ist rund 350 Kilometer von unserem gegenwärtigen Standort entfernt. Da davon auszugehen ist, dass die Geschäfte über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage ihre Tore auch in Namibia schliessen, ist es höchste Zeit, dass wir uns auf den Weg machen.

Auf unserer Route an die Küste statten wir Uis einer Minenstadt mitten in der Wüste einen Kurzbesuch ab und fahren kurz darauf am kreisrunden Brandberggebirge vorbei. In diesem Gebirge liegt der «Königsstein», der mit 2’573 Metern höchste Berg Namibias, den wir gern erwandert hätten. Die Wanderung auf den Gipfel ist mit einem Aufstieg von gut 1’800 Höhenmetern verbunden und eigentlich machbar. Die Tagestemperaturen von zurzeit um die 40°C und das Fehlen jeglicher Infrastruktur veranlassen uns jedoch, auf diese Unternehmung zu verzichten.

Etwa 40 Kilometer vor der Atlantikküste überqueren wir die Grenze zum Dorob National Park. Dieser ist Teil der Namib Wüste, die im Norden Südafrikas beginnt und sich über 2’000 Kilometer der Westküste Namibias entlang bis in den Süden Angolas erstreckt.

Langsam aber sicher wird es kühler und als wir bei Henties Bay ankommen, beträgt die Temperatur gerade noch 18°C., die sich angesichts einer steifen Brise noch um ein paar Grad frischer anfühlen. Wir entscheiden uns, nach Swakopmund weiterzufahren und dort einen Übernachtungsplatz zu suchen.
In Swakopmund ist schon einiges los und die beiden grossen Campingplätze sind bis auf einzelne Plätze ausgebucht. Für eine Nacht findet sich jedoch noch ein Platz. Wir richten uns ein und nehmen mit einem Fachgeschäft für Schliesssysteme Kontakt auf und erhalten schon für den kommenden Morgen einen Termin.

Nachdem wir am nächsten Morgen mit unserem Problem zwei Mal freundlich weitergereicht werden, stehen wir in einer Werkstatt, die sich mit unserem Türschloss auskennt. Nach etwas Wartezeit schenkt uns der Werkstattchef seine Aufmerksamkeit und kümmert sich in der Folge, fachmännisch um unser Türschloss. Die Reparatur bzw. Modifikation des Schlosses dauert dann gute drei Stunden. Dann endlich können wir wieder direkt in den Wohnaufbau ein- und aussteigen. Was für ein Gefühl! Wir bedanken uns für die spontane und kompetente Unterstützung – notabene am letzten Tag vor den zwei Wochen dauernden Weihnachtsferien – bezahlen die bescheidene Rechnung und machen uns wieder auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Diesen finden wir dann überraschenderweise in Gehdistanz zur Altstadt Swakopmunds.

Gemäss Auskunft unserer Gastgeberin, bewegen sich die Temperaturen in Swakopmund tagsüber ganzjährig zwischen ca. 18°C und 25°C. Meist liege die Stadt unter einer Hochnebeldecke. Diese löse sich an manchen Tagen auf. Zuverlässige Voraussagen gebe es dazu nicht. Es regne eigentlich nie und wenn, dann meist in Form eines Nieselregens aus der Hochnebeldecke.


Im vorweihnachtlichen Swakopmund verbringen wir ein paar erfrischend kühle Tage. Die Stadt fühlt sich sehr deutsch an und überall ertönen aus dem deutschsprachigen Europa bekannte Weihnachtslieder. Ein eigenartiges Gefühl. Auch die Trennung zwischen Auftraggebenden, die meist weiss sind und Ausführenden, die meist schwarz sind, erscheint hier als sei es normal. Es scheint fast, als ob hier unbewusst ein Rest Apartheit erhalten geblieben ist.
Die Stimmung in der zurzeit sehr geschäftigen Stadt empfinden wir als offen und entspannt. Am Strand findet ein Beach-Volleyball Turnier und eine Party nach der anderen statt. Im Stadtzentrum wurde ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, der mit Livemusik berieselt wird. Last but not least entsteht an der Strandpromenade eine Aktivitätsmeile für Kinder mit Hüpfburgen, Miniaturseilpark, Rollschuhfeld, etc. Es scheint, als ob sich ein ansehnlicher Teil von Namibias Bevölkerung über die Weihnachtstage an die kühle Atlantikküste verschoben hat.


Wir gehen einige Male in der Stadt spazieren und nehmen an einer Wüstensafari teil, auf der der Fokus in Anlehnung an die «The Big Five» von normalen Safaris auf die «The Little Five» der Wüste gerichtet ist. Die Fahrt führt in den nahen Dorob National Park. Unser Guide kennt sein Spezialgebiet, das die Entstehung der Wüste und die perfekt an die harschen Bedingungen dieses unwirtlichen Lebensraumes angepassten Tiere beinhaltet, aus dem ff. Er ist in Namibia geboren, spricht fliessend Deutsch, Englisch und Afrikaans und hat viel Humor.

Während der nächsten fünf Stunden weiht er uns in einige der vielen Geheimnisse der Wüste ein. Er ist ein grandioser Spurenleser. Als erstes spürt er einen Namibgecko für uns auf. Dieser lebt in Sandhöhlen und Gängen und ist in unserem Fall in der Nähe eines Busches zu Hause. Der zwischen 10 und 14 Zentimeter lange Gecko ist nachtaktiv und da er kein Licht zum Leben braucht, hat er zwar riesige Augen aber keine Augenlider. Ein faszinierendes kleines Tier das mit einem unschlagbaren Jöh-Effekt aufwarten kann. Damit das kleine Wesen im Tageslicht nicht leidet, wird es nach ein paar Minuten wieder auf den Sand gesetzt und von unserem Guide beim Graben einer neuen Höhle unterstützt.

Wenig später bewundern wir eine Schaufelnaseneidechse, die mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit über die Dünen huscht und sich beim kleinsten Anzeichen von Gefahr in Sekundenbruchteilen in den Sand eingräbt. Die blau schimmernde Wüstenblindschleiche hingegen lebt dann wieder fast ausschliesslich im Sand und zeigt sich nur selten an der Oberfläche. Auch sie verschwindet blitzschnell wieder in ihrem Element, nachdem wir sie wieder auf den Sand zurückgelegt haben.
Als nächste Überraschung wartet eine Sandviper auf uns. Unser Guide zeigt mit einem Stab auf eine Stelle im feinen Kies eines flachen Platzes und erkundigt sich bei seinen Gästen, wer dort etwas entdecken kann. Da sich niemand meldet, senkt er seinen Stab weiter und augenblicklich sucht die Sandviper, die dort bis auf die Augen in den Sand eingegraben auf Beute gelauert hat, das Weite.

Leider lässt sich trotz intensiver Bemühungen unseres Guides kein Wüstenchamäleon finden. Diese leben in den wenigen Büschen, die in der Wüste gedeihen. Sie sind sehr selten geworden, da sie von Wilderern gefangen werden und zu horrend hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft werden können.

Mittlerweile befinden wir uns in den Dünen des Dorob National Parks. Einige der goldgelben Dünen sind mit einer feinen violett schwarzen Schicht bedeckt. Unser Guide hält an einer flachen Düne, nimmt einen in ein Tuch eingewickelten Magneten aus seiner Tasche und bewegt diesen durch die Oberfläche der Düne. Dabei entstehen unzählige kleine, schwarze, haarartige Gebilde, die am Magneten hängen bleiben. Gemäss unserem Guide handelt es sich um Eisensand. Die Demonstration ist eindrücklich und die Erklärungen erfolgen in gut verständlicher Sprache. Die Formeln zu den verschiedenen chemischen Verbindungen schreibt er kurzerhand in den Sand.

Nach dieser Kurzlektion in Chemie werden wir durch die Dünen zurück nach Swakopmund gefahren. Unser Guide hat uns während der fünf Stunden dauernden Tour immer wieder mit Detailinformationen und spannenden Fakten zur Wüste und ihren Phänomenen verblüfft. Die sorgfältige Suche nach den kleinen Fünf der Wüste und die umsichtige Fahrt durch die Dünen sind ein rundum gelungenes und hochinteressantes Erlebnis.

Ein weiterer Ausflug führt uns etwa 40 Kilometer ausserhalb von Swakopmund noch einmal in die Wüste. Dort bestaunen wir die namibische Mondlandschaft und machen uns dann auf die Suche nach Welwitschias. Diese aussergewöhnliche Pflanze war schon vor 112 Millionen Jahren auf der Erde heimisch und ist heutzutage ausserhalb von botanischen Gärten und Pflanzensammlungen ausschliesslich in Namibia und im Süden Angolas zu finden.


Da wir Weihnachten, trotz der angenehmen Temperaturen nicht im überfüllten Swakopmund verbringen wollen, beschliessen wir Richtung Osten zur Spitzkoppe zu fahren. Dieser 1’728 Meter hohe Inselberg (der allerdings nur 700 Meter höher ist als seine Umgebung) wird aufgrund seiner Form auch als Matterhorn von Namibia bezeichnet. Die Spitzkoppe und die angrenzenden Pontok Mountains sind von der Wüste umgeben, weshalb sie als Inselberge bezeichnet werden.

Am Fuss der Spitzkoppe wurden einfache, weit auseinander liegende Stellplätze eingerichtet. Zurzeit sind die meisten Plätze frei. Wir finden einen, auf dem ein Baum etwas Schatten spendet und trotzdem freie Sicht auf den Sonnenuntergang garantiert. Für uns ist diese Umgebung der perfekte Ort, um die Weihnachtstage zu verbringen.



Nach ruhigen und erholsamen Weihnachtstagen fahren wir weiter Richtung Osten ins Erongo Mountain Sanctuary. Dabei handelt es sich um ein Schutzgebiet, das aus dem Zusammenschluss mehrerer Farmbesitzer entstanden ist, die sich gemeinsam für den Erhalt und den Schutz des noch bestehenden Wildtierbestandes und für die Wiederansiedlung von aus dem Gebirge verdrängten Wildtieren einsetzen. Die jahrelangen Anstrengungen der Involvierten wurden mit einigen namhaften Erfolgen belohnt. Zum Beispiel konnte das ehemals hier heimische Spitzmaulnashorn wieder angesiedelt werden und auch eine kleine Elefantenherde halte sich auf ihren Wanderungen wieder in den Erongo Bergen auf. Das ganze Gebiet der Erongo Mountains befindet sich in Privatbesitz und ist heute eine Stiftung.

Am Fuss der südlichen Berge des Erongo Mountain Sanctuary liegt das Ameib Guesthouse, das auch Campingplätze anbietet. Vom Guesthouse aus können die Phillips Höhle und die Bull’s Party zu Fuss besucht werden.
Wir nehmen die Gelegenheit für eine Wanderung wahr und geniessen es auf Schusters Rappen unterwegs zu sein. In der Phillips Höhle, die nach dem ehemaligen Besitzer der Ameib-Farm benannt wurde, können gut erhaltene Höhlenmalereien bestaunt werden, deren Entstehung auf 3’400 Jahre v. Chr. datiert wurde.



Einige Kilometer von der Phillips Höhle entfernt befindet sich die Bull’s Party. Diese besteht aus grossen Granitbrocken, von denen ein Teil durch Erosion zu gewaltigen Kugeln geformt wurden. Die Gegend macht den Eindruck, als ob Riesen beim Murmelspiel gestört wurden und dann vergessen haben, ihre Kugeln wieder einzusammeln.


Unser nächstes Ziel ist der Waterberg Plateau Park. Diesen erreichen wir über die Orte Usakos, Karibib, Omaruru und Otjiwarongo.



Mittlerweile ist es nicht mehr erlaubt, ohne Begleitung durch einen Ranger im Park zu wandern. Daher verzichten wir auf eine Übernachtung im Waterberg Plateau Park und wählen stattdessen den komfortablen Campingplatz einer an den Park angrenzenden Guestfarm.

Entsprechend zweigen wir in der Nähe von Otjiwarongo Richtung Waterberg ab und erreichen am späten Nachmittag unseren Übernachtungsplatz. Die Route zur Farm führt zwischen dem Waterberg und den kleinen Waterberg hindurch. Die Sicht auf die beiden Tafelberge im späten Nachmittagslicht ist ein besonderer Anblick und die grüne Gegend, die blühenden Blumen und das frische Gras am Strassenrand sind eine Wohltat für die Augen und für die Seele.

Auf dem Campingplatz sind wir allein. Unser Stellplatz liegt direkt an einem natürlichen Wasserlauf, der in den nahen Teich mündet. Da es kürzlich geregnet hat, ist es feucht und das Wasser im Teich steht relativ hoch. Von unserem Platz aus haben wir freie Sicht ins offene Gelände, in dem wir bis in die Dämmerung Antilopen beobachten können.

Wir machen ein Feuer und freuen uns über die angenehme Temperatur und die frische Luft. Kurz nach Sonnenuntergang beginnt ein vielstimmiges Frosch-, Kröten-, und Vogelkonzert. Mindestens fünf unterschiedliche Rufe von Fröschen oder Kröten können wir ausmachen. Dazwischen machen Perlhühner und Frankoline ebenfalls lautstark auf sich aufmerksam, als ob sie Angst hätten, nicht gehört zu werden. Die Lautstärke des tierischen Konzertes ist gelinde gesagt bemerkenswert. Ganz in der Nähe unseres Feuers hören wir einen besonders durchdringenden Ruf. Wir machen uns auf die Suche nach dem stimmgewaltigen Tier und entdecken ziemlich verblüfft einen ca. fünf Zentimeter kleinen, niedlichen Frosch.


Als unser Feuer ausgeht und wir notgedrungen eine Stirnlampe hervorholen, sind wir augenblicklich von fliegenden Termiten und unterschiedlichsten Nachtfaltern umringt. Dies ist für unseren Geschmack etwas zu viel Biodiversität und wir ziehen uns schleunigst ins Auto zurück. Kurze Zeit später setzt kräftiger Regen ein, der die ganze Nacht über anhält. Am Morgen steht unser Churi im Wasser, womit klar ist, dass es heute nasse Füsse geben wird. Wir schaffen es dann doch wegzufahren, ohne einen Traktor von der nahen Farm in Anspruch nehmen zu müssen.

Da wir zwischen Weihnachten und Neujahr etwas zu feiern haben, machen wir bei der Otjiwa Safari Lodge eine gebührende Pause und lassen uns von der guten Küche und der wunderschönen Umgebung verwöhnen. Zusätzlich buchen wir einen Sundowner Game Drive, auf dem wir unter anderem mehrere Nashörner beobachten können. Wir geniessen entspannende Stunden, die uns Gelegenheit geben, in der Vergangenheit zu schwelgen und Pläne für die Zukunft zu schmieden.






Die Tage über den Jahreswechsel verbringen wir dann in Windhoek. Die Stadt macht einen etwas verlassenen Eindruck und viele Geschäfte, Restaurants, Cafés und auch touristische Einrichtungen sind geschlossen. Der grosse Vorteil ist, dass die Strassen fast leer sind und wir ungeniert von einem Ende der Stadt ins andere fahren können, ohne in einen Stau zu geraten.







Wir übernachten im Urban Camp, das aktuell bei weitem nicht ausgebucht ist. Auch hier machen sich die Feiertage bemerkbar. Am Sylvester geniessen wir ein feines Nachtessen unter den Bäumen im Garten des Restaurants Stellenbosch und heissen das neue Jahr angemessen willkommen.
Nun am Ende des Jahres sind schon vier unserer sieben Monate, die wir durch das südliche Afrika reisen dürfen, vorbei. Wir sind gespannt, was uns die restlichen drei Monate noch bringen werden. Von diesen drei Monaten werden wir noch einen in Namibia verbringen und den südlichen Teil dieses abwechslungsreichen, äusserst sympathischen und friedlichen Landes erfahren.
