Kgalagadi via Cape Town bis Kimberley / 29. Januar – 27. Februar 2025
Während knapp zwei Monaten durften wir die grandiosen Landschaften, die vielfältige Tierwelt sowie interessante Städte und Ortschaften in Namibia entdecken und erleben. Nach vier Monaten, die wir in drei der angrenzenden Länder verbracht haben, ist es nun Zeit wieder nach Südafrika einzureisen.
Für den dritten Teil Südafrikas steht uns gut ein Monat zur Verfügung. Nach der Einreise planen wir dem Oranje River, der über lange Strecken die Nordgrenze zwischen Namibia und Südafrika bildet, entlang zur Westküste Südafrikas zu fahren und dann der Küste folgend nach Kapstadt zu reisen. Dort werden wir die Stadt und anschliessend die Kap-Halbinsel erkunden.
Nach unseren herrlichen Tagen im Kgalagadi National Park gehen wir am Abend unseres letzten Tages im Park zum Grenzposten bei Twee Rivieren, um uns nach den Formalitäten für unsere morgige Einreise zu erkundigen.

Die nette Dame am entsprechenden Schalter inspiziert unsere Pässe und runzelt langsam die Stirn. Das Runzeln verstärkt sich zusehends, was bei uns schlagartig Verunsicherung auslöst, die sich nochmals steigert, als die Beamtin mit unseren Pässen für einige Zeit in ihr Büro verschwindet. Als sie zurückkommt, teilt sie uns mit, dass unser Visum abgelaufen sei und wir fünf Tage Zeit hätten, Südafrika zu verlassen. Überrascht schauen wir uns an und umgehend wird uns die Tragweite der Situation klar. Wir fragen nach dem Grund, da wir unserer Ansicht nach bei weitem nicht 90 Tage in Südafrika verbracht hätten. Die nette jedoch zunehmend bestimmte Dame am Schalter erklärt uns, dass nicht die Anzahl Tage ausschlaggebend sei, die wir in Südafrika verbracht hätten, sondern einzig und allein das Datum des Einreisestempels. Wir müssten in unser Herkunftsland zurückreisen, um bei der nächsten Einreise nach Südafrika (und zwar ausschliesslich aus unserem Herkunftsland) ein neues Visum zu erhalten.
Etwas betreten erkundigen wir uns bei der Beamtin, was sie uns empfehlen würde, da fünf Tage kaum reichen würden, um uns entsprechend zu organisieren. Sie informiert uns, dass es die Möglichkeit gebe, einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Die Verlängerung könne bei dafür vorgesehenen Organisationen in den Hauptorten der verschiedenen Provinzen des Landes beantragt werden. Sie würde uns empfehlen, einen allfälligen Antrag in Kimberley einzureichen, da dies der nächstgelegene Ort sei, an dem sich ein solches Büro befinde. Wir bedanken uns für die Information und verlassen noch immer ziemlich fassungslos den Grenzposten. Bei einem kräftigen Drink spielen wir wenig später die möglichen Varianten durch. Dabei kommen wir zum Schluss, dass ein Antrag auf Verlängerung unserer Visa im Moment die beste Lösung ist und beschliessen, diesen Antrag in Kimberley einzureichen.

Glücklicherweise ist die gleiche Beamtin am kommenden Morgen wieder am Schalter. Wir informieren sie, dass wir entschieden haben, in Kimberley einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Wieder verschwindet sie mit unseren Pässen in ihrem Büro. Nach ein paar Minuten ist sie zurück und überreicht uns die gestempelten Pässe. Sie erklärt, dass sie eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung für insgesamt sieben Tage ausstellen konnte. Damit sollten wir genügend Zeit haben, um die Verlängerung in Kimberley zu beantragen. Wir bedanken uns für ihre Unterstützung und machen uns, statt wie geplant nach Westen zum Augrabies National Park, umgehend auf den Weg nach Kimberley, das gut 650 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung liegt.
Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnisse. Dies trifft umso mehr auf unsere bedingt freiwillige Fahrt nach Kimberley zu, als wir nun die Möglichkeit haben, unterwegs einige Reiseziele zu berücksichtigen, die auf unserem Reiseplan bisher nicht vorgesehen waren.

Zu Beginn führt unsere Route durch die letzten leuchtend orangeroten Dünen und die riesigen Gebiete der nach Süden hin auslaufenden Kalahari, die sich über den Horizont hinaus ins Unendliche zu erstrecken scheint.

In Upington, der ersten grösseren Stadt im nordwestlichen Südafrika legen wir einen ersten Halt ein. Die Stadt liegt am Orange River, dessen Wasser hier den weitflächigen Anbau von Getreide, Gemüse, Trauben und Zitrusfrüchten ermöglicht. In Upington befindet sich die grösste Wein-Kooperative Südafrikas. Ein grosser Teil der in der Weinregion, die sich entlang dem Orange River weiter nach Westen ausdehnt, angebauten Trauben ist allerdings nicht zur Produktion von Wein, sondern für den Export als Tafeltrauben oder zur Trocknung bestimmt.





Von Upington fahren wir über Grootdrink, Groblershoop, Griekwastaad und Campbell nach Douglas. Die kleine Ortschaft liegt am Ufer des Vaal River, der zehn Kilometer südwestlich in den Orange River mündet. Die Gegend um die beiden Flüsse ist äusserst fruchtbar und die weiten Ebenen eignen sich hervorragend zum Anbau von Getreide, Mais und Gemüse. In Douglas befindet sich direkt am Vaal River ein sympathischer kleiner Stellplatz, der von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Nach einer freundlichen und informativen Unterhaltung mit der Besitzerin verbringen wir hier eine ruhige und erholsame Nacht und fahren am nächsten Morgen zeitig weiter.

In Kimberley benötigen wir anderthalb Tage, bis wir alle für den Antrag erforderlichen Dokumente zusammengetragen und ausgefüllt haben. Dann müssen diese offiziell beglaubigt und von den hilfsbereiten und dabei hochkorrekten Angestellten des VFC (Visa Facilitation Center) als vollständig akzeptiert werden. Als dies geschafft ist, erhalten eine Bestätigung, dass wir den Antrag eingereicht haben und die Auskunft, dass es zwischen zwei Wochen und zwei Monaten dauern könne, bis die neuen Visa abholbereit seien. Über den zeitlichen Verlauf des Verfahrens und den Abholtermin würden wir per SMS und per E-Mail informiert. Während der Dauer des Verfahrens könnten wir uns frei im Land bewegen. Mit der Bestätigung, dass wir einen Verlängerungsantrag eingereicht hätten, könnten wir das Land allenfalls auch verlassen. Die Visa müssten zu gegebenem Zeitpunkt wieder in Kimberley abgeholt werden. Und nein, es gebe leider keine andere Möglichkeit.
Da wir nun schon mal in Kimberley sind, besuchen wir The Big Hole (Das Grosse Loch), eine ehemalige Diamantenmine, die sich im Laufe der Zeit mit Wasser gefüllt hat. In unmittelbarer Nähe befinden sich die noch erhaltenen Gebäude der Stadt, die während des Diamantenbooms am Rand der Mine entstanden ist.

In der Nähe des Orange Rivers wurden im Jahr 1866 auf freiem Feld die ersten Diamanten entdeckt. Im Juli 1871 wurden auch auf der Colesberg Kopje, die sich auf dem Gebiet der Farm der Brüder Johannes Nicolaas und Diederik Arnoldus de Beer befand, eine Handvoll Diamanten gefunden. Im folgenden Diamantenrausch und unter dem steigenden Druck der sich rasant entwickelnden Diamantenindustrie mussten die Brüder ihr Land dann jedoch verkaufen.
Während des Diamantenrauschs entstand auf dem Gelände der Colesberg Kopje ein riesiges Loch, das von tausenden von Diamantenschürfern von Hand ausgehoben wurde. Gegraben wurde hauptsächlich mit Pickel und Schaufel und die Suche nach den begehrten Steinen wurde schon bald zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit. Viele Menschen kamen durch Unfälle in der immer tiefer werdenden Mine ums Leben.
Schon 1872, ein Jahr nachdem das Schürfen nach Diamanten bei der Colesberg Kopje startete, lebten im dortigen Camp bis zu 50’000 Menschen. Die Lebensbedingungen im Camp waren aufgrund dauernden Wassermangels, katastrophalen hygienischen Verhältnissen, fehlenden gesunden Nahrungsmitteln und der unerträglichen Sommerhitze äusserst prekär. Krankheiten verbreiteten sich in Windeseile und endeten oft tödlich.
Als die Diamantenmine weniger Ertrag generierte, kaufte Cecil Rhodes die Schürfrechte der Diamantensucher auf. Im Jahr 1888 wurde dann die Organisation «De Beers Consolidated Diamond Mines» von Cecil John Rhodes und Charles Rudd ins Leben gerufen. Der Abbau der Diamanten wurde im Untertagebau bis auf eine Tiefe von 1’097 Metern erfolgreich fortgesetzt. Im Jahr 1914 wurde die Mine geschlossen, weil sie die erforderliche Rendite nicht mehr erzielte.
Vom Start der Förderung von Diamanten im Jahr 1871 bis zur Einstellung des Abbaus wurden 22,5 Millionen Tonnen Gestein an die Oberfläche befördert und bis zu 2’722 Kilogramm Diamanten von insgesamt 14’504’566 Millionen Karat gefunden. Als der Abbau eingestellt wurde, war das im Tagebau entstandene Loch 240 Meter tief. Das Grosse Loch hat heute eine Grösse von 17 Hektaren und einen Durchmesser von 463 Metern.



Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich ein modernes, höchsten Standards entsprechendes Bergbaumuseum. In anschaulicher Art vermittelt dieses Zahlen und Fakten von der Entstehung der Diamanten bis zu deren Verarbeitung zu wertvollem Schmuck oder deren Verwendung in Hochpräzisionsinstrumenten. Wir erfahren, wie die Grösse Karat berechnet wird, wieviel Karat die grössten Diamanten wiegen, die in Kimberley gefunden wurden und wo diese sich heute befinden. In hoch gesicherten Schaukästen können echte Diamanten unterschiedlichster Farbe und Grösse betrachtet werden.
Die kleine, gut erhaltene Stadt aus der Hochblüte des Diamantenrauschs ist heute ein Freilichtmuseum, das einen lebensnahen Eindruck der damaligen Zeit vermittelt. Zusammen mit dem modernen Bergbaumuseum ergeben die beiden Freilichtmuseen einen spannenden und umfassenden Einblick in die faszinierende Welt der Diamanten.


Alles in Allem ist der Besuch der alten Mine und der angrenzenden Anlagen, die sich nota bene mitten in Kimberley befinden, ein lohnendes Erlebnis.


Nach den kurzweiligen Tagen in und um Kimberley zieht es uns wieder nach Westen. Unsere Route führt zurück nach Upington und von dort weiter in den Augrabies Falls National Park, in dem sich mit dem 56 Meter hohen Wasserfall des Orange Rivers der mächtigste Wasserfall Südafrikas befindet.




Dank dem Wasser des Orange Rivers können wir auf der Weiterfahrt riesige Anbauflächen bestaunen, auf denen hauptsächlich Trauben und Zitrusfrüchte angebaut werden. Die Ernte der zur Produktion von Weinbeeren bestimmten kernlosen Trauben ist in vollem Gang. Auf riesigen mit Vlies belegten Flächen werden die Trauben an der Sonne zum Trocknen ausgelegt und je nach Sorte während 7 bis 10 Tagen regelmässig von Hand gewendet. Bei Temperaturen um 40°C reicht dieser Zeitraum, damit sich die Trauben in trockene Weinbeeren verwandeln. Erst jetzt realisieren wir, wieviel Handarbeit bei der Produktion von Weinbeeren involviert ist.

Über Pofadder fahren wir weiter bis nach Springbock, der grössten Stadt und Versorgungszentrum der Region Namaqualand. Sobald kein Wasser zur Bewässerung von Anbauflächen mehr zur Verfügung steht, präsentiert sich die Landschaft vor allem während des Sommers heiss, trocken und lebensfeindlich.

Die Stadt Springbock verdankt ihre Gründung im Jahr 1862 den reichen Kupfervorkommen in ihrer Umgebung. Sie ist das Versorgungszentrum der Region und nach wie vor ein wichtiger Knotenpunkt für die Kupferförderung. Ihren Namen erhielt die Stadt von den riesigen Springbockherden, die bis im 19. Jahrhundert in dieser Gegend lebten. Leider wurden die Tiere von den Siedlern dann fast vollständig ausgerottet.

Nur wenige Kilometer südlich von Springbock liegt das Goegap Naturreservat. Ein charmanter kleiner Park, dessen Schwerpunkt auf dem Erhalt der vielfältigen Pflanzenwelt der umliegenden Gebiete liegt. Hier gedeiht eine Vielzahl unterschiedlichster Sukkulenten, von denen ein Teil in einer Sammlung besichtigt werden kann. Darunter ist auch ein eindrücklicher Bestand von Köcherbäumen.

Die Hauptattraktion des Parks präsentiert sich allerdings während der Monate August und September. Sofern es genügend Regen gegeben hat, verwandelt sich die Halbwüste während des hiesigen Frühlings sozusagen über Nacht in ein riesiges Blütenmeer, das Besuchende aus aller Welt anlockt. Auch ohne dieses spektakuläre Ereignis ist der Park ein zauberhafter Ort. Das Wetter ist prächtig und die Sicht in die den Park umgebenden Berge ist strahlend klar. Zudem sind wir die einzigen Gäste und das ganze Gebiet steht uns quasi zur freien Verfügung.

Das Reservat und Springbock verlassen wir in nördliche Richtung. Über die Ortschaft Steinbock und einen Richtungswechsel nach Westen erreichen wir den Atlantik und damit die angenehm kühle Westküste.

Dort treffen wir auf Port Nolloth, eine kleine Hafenstadt, die noch bis vor einigen Jahrzehnten vom Bergbau oder dem Abbau von im Meeresboden lagernden Diamanten leben konnte. Nachdem der Kupferabbau in der Gegend um Springbock nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher und die Förderung von Diamanten unrentabel wurde, lebt der Ort heute hauptsächlich von der Langustenfischerei und vom Tourismus. Einige Diamantensuchboote besitzen allerdings noch eine Lizenz, um im Meeresgrund nach Diamanten zu suchen.




Von Port Nolloth aus fahren wir der Westküste entlang Richtung Süden. In Kleinzee, einer ehemaligen Minenstadt, die sich bis vor kurzem im Besitz eines Minenbetreibers befand, treffen wir in der Touristeninformation einen sehr motivierten jungen Mann, der auch das angegliederte Museum im Schuss hält. Wir erfahren, dass die Förderung von Diamanten vor einigen Jahren eingestellt worden ist. Daraufhin sei die Stadt vom Minenbesitzer aufgegeben worden. Die bisherigen Arbeitsplätze seien verlorengegangen und die Zahl der Einwohnenden habe sich von ca. 2’000 auf einen kleinen Bruchteil dessen reduziert. Viele Liegenschaften seien verkauft worden, was auch zu Neuzuzügen geführt habe. In den letzten Jahren habe sich die Kleinstadt neu ausgerichtet und vermehrt in touristische Infrastruktur investiert. Mittlerweile sei die Bevölkerung wieder auf knapp 800 Personen angewachsen.

Auf die Empfehlung des jungen Mannes beschliessen wir, in der kleinen Ortschaft eine Kaffeepause einzulegen. Dabei lernen wir eine junge Frau kennen, die ein kleines charmantes Kaffee betreibt und ein paar Zimmer an Reisende vermietet. Aus der geplanten Kaffeepause wird ein sehr angenehmer und informativer Nachmittag. Im Kaffee findet gerade ein Meeting von drei jungen Frauen statt, die sich intensiv mit Zukunftsplänen auseinandersetzen. Wir sind tief beeindruckt von den jungen Leuten, die mit viel Einsatz und Energie versuchen, den Ort als funktionierende Gemeinschaft aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Nach diesem erfrischenden Nachmittag fahren wir zurück nach Springbock. Die Strasse, die Kleinzee mit Springbock verbindet, führt zu Beginn durch halbwüstenähnliche Landstriche, in denen sich das hässliche Gesicht des Diamantenabbaus offen manifestiert. Wiederholt fahren wir durch Gebiete, die bei der Suche nach den wertvollen Edelsteinen mit riesigen Maschinen regelrecht umgegraben und verwüstet wurden. Eine Pflicht für einen die Natur schonenden Abbau oder zur Wiederherstellung der zerstörten Gebiete durch die Verursacher scheint nicht zu bestehen.

Nach vielen deprimierenden Kilometern erreichen wir hügeliges, teilweise grünes Gelände, in dem in bescheidenem Mass Viehhaltung möglich ist. Dann führt die Strecke über den Spektakel Pass, der uns getreu seinem Namen eindrucksvolle Szenerien beschert. Zudem hat sich die Fahrbahn von einer streckenweise ziemlich ruppigen Piste in eine tadellos asphaltierte Strasse verwandelt.

Das prächtige Wetter der nächsten Tage nutzen wir, um weiter Richtung Süden zu fahren. Aufgrund des Abstechers nach Kimberley geben wir uns mit der effizienteren Variante über die Schnellstrasse zufrieden, statt auf den sandigen und entsprechend zeitintensiven Pisten der Küste entlang die prächtigen Strände zu entdecken. Nach der langen Fahrt durch die hügelige, meist trockene Landschaft von Springbock nach Vanrhynsdorp geniessen wir in Vredendal die grüne und fruchtbare Gegend um den Olifants River.
Wie im Norden Südafrikas der Orange River ermöglicht der Olifants River hier den Anbau von Trauben, Zitrusfrüchten, Gemüse und Getreide. Das Wasser des Olifants Rivers und seiner Zuflüsse, die in den weiter im Hinterland liegenden Gebirgen entspringen, wird in ausgeklügelten Bewässerungssystemen zu den Feldern und Plantagen der Anbaugebiete geleitet. Bei Papendorp mündet der Olifants River dann in den Atlantik.

Der Stellplatz, auf dem wir eine Reisepause einlegen, liegt auf dem Gelände einer Farm, auf der hauptsächlich Saatgut für den europäischen Markt, Weintrauben, Korinthen und Süsskartoffeln produziert werden. Auf einer Fahrt durch seine Kulturen erläutert uns der weltoffene Besitzer der Farm die heutigen Herausforderungen im Alltag eines Farmers. Diese drehen sich hauptsächlich um die Wasserrechte und zunehmend um die von europäischen Abnehmern verlangte nachhaltige Produktion.

Die Westküste erweist sich als ursprüngliches und vom allgemeinen Tourismus noch wenig berücksichtigtes Reisegebiet. Zauberhafte kleine Küstenorte mit herrlichen, schneeweissen Stränden, angenehmen Temperaturen und überraschenden Entdeckungen, verführen uns, hier mehr Zeit zu verbringen als ursprünglich eingeplant.


Der oft bis in den späten Abend sehr starke Wind am Meer unterstützt uns dann und wann dabei, die Weiterreise in Angriff zu nehmen und zwischendurch etwas windgeschütztere Orte anzusteuern.


Auf unserer weiteren Reise in den Süden stellt sich die Cape Gannet– bzw. Kaptölpelkolonie im Bird Island Nature Reserve in Lambert’s Bay als wahres Juwel heraus. Dabei handelt es sich um einen von weltweit nur sechs Orten, an dem Kaptölpel brüten und es ist der einzige Ort, an dem diese eleganten Tiere mit ihren blauen Augen und auffällig hellgrün gezeichneten Füssen aus der Nähe zu beobachten sind. Nur etwa 100 Meter von der Hafenmauer entfernt, beginnt das knapp drei Hektar grosse Gelände, auf dem tausende Brutpaare auf engstem Raum ihre Jungen grossziehen.


Paternoster, das seinen Namen von Schiffbrüchigen eines vor der Küste in Seenot geratenen portugiesischen Schiffes erhalten haben soll, ist eine der ältesten Siedlungen Südafrikas. Neben dem Tourismus ist die Hummerfischerei bis heute eine wichtige Einkommensquelle der hiesigen Bevölkerung. Trotz regem Tourismus konnte sich das Fischerstädtchen seinen ursprünglichen Charme erhalten. So ist es in Paternoster immer noch möglich, den frischen Fang morgens vor Ort am Strand direkt von den Fischern zu kaufen.


Wir nehmen uns Zeit für einen ausführlichen Bummel durch den malerischen Ort mit seinen farbigen Booten, weissen Häusern und einer ansehnlichen Zahl sehr guter Restaurants. Leider muss man im Restaurant Wolfgat drei Monate im Voraus reservieren und im Voraus bezahlen, um einen der zwanzig Plätze zu erhalten. Da uns so viel Zeit leider nicht zur Verfügung steht, geben wir uns mit einer etwas weniger prominenten Adresse zufrieden, wo wir bestens verköstigt werden.

Nur ungern lösen wir uns von der offenen und freundlichen Atmosphäre Paternosters, was dazu führt, dass wir den Ort erst am späteren Nachmittag verlassen. Als wir dann kurz vor Sonnenuntergang bei der Campsite in Yzerfontein eintreffen, stehen wir vor verschlossenen Toren. Leider können wir die angegebene Kontaktnummer nicht anrufen, da unser lokales Gesprächsguthaben wieder einmal ungenutzt abgelaufen ist. Für einen Moment überlegen wir uns eine Alternative und schon fährt ein Jeep vor und ein netter älterer Herr erkundigt sich nach allfälligen Problemen. Spontan bietet er uns an, in der Einfahrt seines Hauses zu übernachten. Da es in Kürze dunkel sein wird, nehmen wir das Angebot gerne an. Kurze Zeit später sitzen wir mit unserem Gastgeber und seiner Frau in deren Wohnzimmer und verbringen mit dem aufgeschlossenen Ehepaar einen sehr persönlichen und anregenden Abend voll mit spannenden Tipps für unsere nächste Reise ins südliche Afrika…

Bevor wir nach Kapstadt aufbrechen, geniessen wir im West Coast National Park die wunderschöne Landschaft und die intensiven Farben der Lagune von Langebaan. Es scheint, als ob die ganze Palette an möglichen Blautönen mit dem strahlend weissen Strand und dem Blau des Himmels um die Wette leuchten will.


Auf der Weiterfahrt nach Kapstadt begleitet uns dann ab Melkbosstrand und Bloubergstrand eine spektakuläre Sicht auf den Tafelberg nach der anderen.


Im Schutz des Tafelberges geniesst die mondäne Touristendestination Kapstadt ein ganzjährig angenehm mildes, windgeschütztes Klima und mit einer hochentwickelten und höchsten Standards gerecht werdenden Infrastruktur ist die Hafenstadt ein allseits beliebtes Reiseziel.
Hauptsächlich während den Monaten Dezember bis März wird der über das warme Wasser der False Bay kommende südöstliche «South Easter» genannte Wind, an den Hängen des Tafelberges zum Aufstieg gezwungen. Dabei kühlt er sich ab und auf einer Höhe von ca. 800 Metern kondensiert die mitgeführte Feuchtigkeit zu Nebel. Die entstehende Wolkendecke erzeugt auf der dem Atlantik hingwandten Seite einen Fallwind. Dieser auch als «Cape Doctor» (Kapdoktor) bezeichnete Wind zieht den Nebel über das Plateau des Tafelberges und den Hang hinunter Richtung Kapstadt. Auf seiner Reise in die Tiefe löst sich der Nebel auf und der Talwind befreit die Stadt von Smog und sorgt so für klare, frische Luft und je nach Windstärke sogar für saubere Strassen.

Mit seiner Decke aus fliessendem Nebel ist der Tafelberg ein beliebtes Fotosujet. Für Reisende, die sich in diesen Monaten in Kapstadt aufhalten und sich auf einen Besuch des Tafelberges freuen, ist die Tischdecke, wie der Nebel hier genannt wird, allerdings nur bedingt attraktiv, da dieser auf starke Winde auf dem Tafelberg hinweist und einen Besuch oft verunmöglicht.

Noch bevor wir in Kapstadt eintreffen, buchen wir Plätze für das aktuelle «Summer Sunset Concert» im Kirstenbosch National Botanical Garden, der im Stadtteil Newlands am Fuss des Osthangs des Tafelberges liegt. Das Konzert ist auf den späten Nachmittag angesagt. Nach einem Rundgang durch einen Teil des Gartens stellen wir uns in eine der Wartschlangen, die hauptsächlich aus mit Picknickkörben, niedrigen Lehnstühlen und Decken ausgerüsteten Einheimischen bestehen. Die Atmosphäre auf der Wiese am Hang des Tafelberges ist fröhlich, offen und erfrischend persönlich.


Nach dem Konzert fahren wir zurück zu unserem Hotel am Stadtrand. Auf dem hoteleigenen Parkplatz ist unser Auto für die Dauer unserer Aufenthaltes in Cape Town bestens aufgehoben und uns steht während dieser Zeit die ungewohnte Weite einer geräumigen Hotelunterkunft zur Verfügung.

Am nächsten Tag treffen wir uns mit einem in Kapstadt wohnhaften Paar, das wir am Anfang unserer Reise kennen gelernt haben. Wir plaudern über Reiseerfahrungen und künftige Pläne und erfahren viel Interessantes über ihren Alltag in Kapstadt. Darüber hinaus erhalten wir nützliche Informationen für unseren Aufenthalt in Kapstadt und auf der Kap-Halbinsel sowie eine Führung durch die Attraktionen des Hafenquartiers.






Die folgenden Tage nutzen wir zur Erkundung der Stadt und für eine Wanderung auf den Tafelberg. Statt auf der längeren Route von Kirstenbosch her auf den Berg zu steigen, entscheiden wir uns für den direkten, etwas steileren Weg von Norden. Bei guten Verhältnissen beginnen wir den Aufstieg. Leider beisst uns schon bald der Rauch eines unsichtbaren Feuers in der Nase. Trotzdem erreichen wir bei prächtigstem Wetter das Plateau des Tafelberges und freuen uns an der uneingeschränkten Sicht auf Kapstadt und dessen Umgebung. Am frühen Nachmittag schweben wir mit der Luftseilbahn bequem zurück an den Stadtrand.



Abends erfahren wir, dass während des Tages der Wald auf der Ostseite des Tafelberges in Flammen stand. Eine Nacht später brannte die Westseite des Berges.

Besonders beeindruckt uns der Sonnenuntergang vom Signal Hill. Zusammen mit vielen anderen – TouristInnen und Einheimischen – sitzen wir am Hang über der Stadt, bis die Sonne im Meer verschwunden ist. Wir sind überrascht, wie viele Menschen sich einige Stunden Zeit nehmen, um auf dem Boden sitzend und mit einem Sundowner in der Hand gemeinsam den Sonnenuntergang und die Aussicht auf das Lichtermeer von Kapstadt zu bewundern. Die empfindliche Kälte, die sofort nach Sonnenuntergang einsetzt und der Stau, der sich bei der Rückfahrt bildet, scheinen niemanden zu stören und tun der guten Stimmung keinen Abbruch.



Wir geniessen unsere Tage in Cape Town in vollen Zügen und statt selber zu kochen, haben wir die Qual der Wahl und lassen uns zwischen unseren Entdeckungstouren in einigen der vielen guten Restaurants mit köstlichen Mahlzeiten verwöhnen.

Weite Strecken der Küsten der Kap-Halbinsel werden von hübschen Stränden mit schneeweissem Sand gebildet. An der teils stark zerklüfteten Westküste sind die Strände oft wilden Wellen und dem kalten Wasser des Benguela Stroms ausgesetzt. Wassersport, geschweige denn gemütlich baden, macht hier nur Wenigen Spass und auch kilometerlange Strände werden hauptsächlich für Spaziergänge oder dann zum Kitesurfen genutzt. Auf der Ostseite hingegen lockt die False Bay, die vom bedeutend wärmeren Wasser des indischen Ozeans profitiert, Gross und Klein ins angenehm warme Wasser.

Die Kap-Halbinsel ist ein Paradies für Pflanzenfans und BotanikerInnen. Dies insbesondere, weil Südafrika die Heimat des Fynbos ist. Mit diesem Begriff wird die feinstrauchartige auf der Welt einzigartige Flora bezeichnet, die einen grossen Teil der Kap-Halbinsel und weitere Gebiete Südafrikas bedeckt. Zusätzlich zu den geschützten Landstrichen auf der Kap-Halbinsel gibt es sieben weitere ebenfalls geschützte Gebiete, die zusammen Cape Floral bilden. Seit 2004 ist Cape Floral UNESCO-Weltnaturerbe.
Ein Grossteil der Pflanzen, die unter Fynbos subsumiert werden, sind endemisch, das heisst sie kommen ausschliesslich in diesen Gebieten vor. In Fynbosgebieten finden sich mehrere hundert Arten von Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Besonders häufig kommen auch Silberbaumgewächse (Proteaceae) vor, die das Landschaftsbild prägen. Allerdings sind viele Fynbos Pflanzenarten aktuell vom Aussterben bedroht.

Leider blüht der Fynbos nicht, während wir auf der Kap-Halbisel sind. Nur vereinzelt lassen sich blühende Proteen entdecken. Wie herrlich es sein muss, wenn diese exotische Pflanzenwelt in voller Blüte steht, können wir nur erahnen.

Obwohl die gesamte Fläche der Kap-Halbinsel nur gerade 470 Km2 beträgt, ist die Landschaft sehr vielfältig. Aufgrund des wärmeren Wassers des indischen Oceans und des damit einhergehenden milderen Klimas ist die Ostküste bedeutend stärker auf den Tourismus ausgerichtet als die kühle, teils spröde anmutende Westküste.
Unsere vorrangigen Ziele auf der Kap-Halbinsel sind die touristischen Hauptattraktionen Cape Point, das Kap der Guten Hoffnung sowie die Brillenpinguine bei Simon’s Town. Daneben finden wir einige von den breiten Touristenströmen nicht beachtete landschaftliche Perlen wie Witsands Bay bei Misty Cliff oder Smitswinkel Bay an der Ostküste.



An der West- wie an der Ostküste gibt es attraktive Ortschaften zu entdecken. Die Westküste schmückt sich mit Hout Bay, Noordhoek, Kommetjie, Misty Cliffs und dem bedeutend grösseren Scarborough…




…während die wärmere und stärker bewohnte Ostküste mit Simon’s Town, Fish Hoek, Kalk Bay und Muizenberg aufwartet. Von allen ist der kleine Ort Misty Cliff wegen seiner wunderschönen Lage am steilen Hang einer einsamen Bucht klar unser Favorit geblieben.






Nach einer guten Woche verlassen wir die Kap-Halbinsel. Hauptgrund dafür ist die Ungewissheit in Bezug auf den Zeitraum, der uns aufgrund der abgelaufenen Visa in Südafrika noch verbleibt. Sollte der Bescheid, dass die in Kimberley zur Verlängerung beantragten Visa zum Abholen bereit sind, in den nächsten Tagen eintreffen, befinden wir uns hier im Süden der Kap-Halbinsel an dem Ort, der in Südafrika am weitesten von Kimberley entfernt ist. So beschliessen wir, in die Kap Weinregion zu fahren und von dort entlang der Südküste Richtung Osten zu reisen. Als erstes planen wir einen Halt in Stellenbosch.
Stellenbosch wurde 1679 gegründet und ist somit die zweitälteste Stadt Südafrikas. Aufgrund seiner hochstehenden Gastronomie, zahlreichen Galerien und einer guten Auswahl an gemütlichen Kaffees und auch dank seiner vielen prächtigen historischen Bauten ist Stellenbosch ein vielseitiger Zwischenstopp für Reisende. Ausserdem ist Stellenbosch Universitätsstadt und viele bedeutende Weingüter in der malerischen Umgebung der Stadt bieten alles, was Weinbegeisterte suchen.



Etwas ausserhalb der Stadt finden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz und besuchen von hier den quirlig lebendigen Ort, der auch bei jungen Leuten populär zu sein scheint. Abends ist viel Betrieb und Strassenmusik und künstlerische Darbietungen tragen das ihrige zu der sommerlich fröhlichen Stimmung bei. Spontan einen Tisch in einem guten Restaurant zu finden, ist daher mit einem gewissen Mass an Durchhaltewillen verbunden.
Am nächsten Morgen (Wie könnte es anders sein?) werden wir per E-Mail informiert, dass unsere neuen Visa in Kimberley abgeholt werden können. Da die Möglichkeit besteht, dass uns nur gerade ausreichend Zeit zugestanden wird, um das Land zu verlassen, beissen wir in den sauren Apfel und machen uns umgehend auf den Weg. Trotz der Ungewissheit in Bezug auf die Aufenthaltsdauer sind wir entspannt unterwegs und halten uns an die Maximalgeschwindigkeit von ca. 80 Kmh, die wir uns für die gesamte Reise vorgenommen haben. Das bedeutet, dass wir sicher einmal übernachten werden.
Mit einer Fläche von 500’000 Km2 nimmt die Karoo etwa einen Drittel der Fläche Südafrikas ein und ist damit das grösste zusammenhängende Ökosystem des Landes. Die Karoo setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Sukkulentenkaroo, Nama-Karoo, Grosse und Kleine Karoo. In diesen einmaligen Halbwüsten existieren zahlreiche endemische Pflanzen und Tiere, die sich an die harten Bedingungen anpassen mussten, um zu überleben. Auf unserem Weg von Stellenbosch nach Kimberley durchqueren wir einen Teil der Karoo von Südwesten bis in den Nordosten fast in ihrer ganzen entsprechenden Ausdehnung.



Kurz nach dem Mittag erreichen wir am nächsten Tag das VFC (Visa Facilitation Center) in Kimberley. Wie alte Bekannte werden wir begrüsst und eine gute Viertelstunde später sind wir im Besitz unserer neuen Visa. Erleichtert stellen wir fest, dass diese uns erlauben, bis Ende Mai 2025 in Südafrika zu bleiben und wir unsere Afrikareise (fast) wie gewünscht bis zum Schluss geniessen können. Der Planung unserer Rückfahrt in die Weinregion steht somit nichts im Weg.