Iran – Mitte und Norden

12.-18.03.2023

Nachdem wir unter der kompetenten Führung von Nadja Persepolis, die ehmemalige Residenzstadt des ersten Perserreiches und die Königsgräber von Naqsh-e Rostam erkundet haben, steht nun die Verlängerung unseres Visums an. Der Inhaber unserer Reiseagentur im Iran hat wiederholt versichert, dass dies eine Routineangelegenheit sein werde und die Verlängerung zu 99.9 % sichergestellt sei.

So betreten wir am folgenden Tag um neun Uhr morgens die Hauptpolizeistation von Shiraz, die für Visumsverlängerungen zuständig ist. Wir treffen einen geschäftigen Ort an, in dem wir von Schalter zu Schreibtisch und wieder zurück geschickt werden. Mehrfach werden wir auf später vertröstet; dann weggewiesen und aufgefordert in zwei Tagen wieder zu kommen; wir müssen Kopien von so und so Papieren einholen; dann wieder wird uns mitgeteilt, dass das Computersystem nicht mehr funktioniere; kurz darauf wird ein professionelles Passfoto aus einem Geschäft in der Stadt von uns verlangt; etc., etc. Das Ganze gleicht einem Hindernislauf ohne jegliche Logik. Nadja gelingt es in ihrer umsichtigen, geduldig insistierenden Art, uns trotz allem jedes Mal einen Schritt weiterzubringen. So erhalten wir nach mehreren Stunden die Auskunft, dass alle Daten und Papiere nun vorliegen. Die letzte jetzt noch fehlende Unterschrift würden wir nach einem Interview erhalten. Die Person, die berechtigt sei, dieses Interview mit uns zu führen, sei aber erst morgen verfügbar. Dies sei allerdings kein Problem, da wir die Verlängerung morgen mit Sicherheit erhalten würden. Nach all dem Hin und Her wollen und können wir uns nicht darauf verlassen, dass wir die Verlängerung nach dem Interview wirklich erhalten. So lehnen wir dieses Vorgehen ab und ziemlich frustriert verlassen wir nachmittags um drei Uhr den Polizeiposten ohne die angestrebte Verlängerung unserer Visa.
Diese Erfahrung verdeutlicht uns, wie schwierig die Bewältigung des Alltags für die Bevölkerung Irans oft sein muss.

Nadja ist konsterniert und entschuldigt sich mehrfach für das Verhalten der Behörde und die Unzulänglichkeiten ihres Landes. Wir ziehen uns in eines der vielen charmanten Restaurants von Shiraz zurück, trinken einen Kaffee und ärgern uns noch für eine Weile weiter. Dann stellen wir mit Nadja das Programm für die weitere Reise zusammen, für die wir nun noch sechs Tage Zeit haben. Dieser Zeitrahmen bedeutet, dass wir den Besuch der Stadt «Yazd» auf eine nächste Iranreise verschieben und unsere Zeit in «Isfahan» auf einen Tag und eine Übernachtung beschränken. Ein Besuch der Hauptstadt «Teheran» und die zusätzlichen Ausflüge im Norden müssen ebenfalls auf das nächste Mal warten. Anhand dieser Anpassungen lässt sich die lange Fahrt an die Grenze, in der uns zur Verfügung stehenden Zeit optimal gestalten.

Während wir uns noch mit möglichen Varianten auseinandersetzen, wird Nadja über eine unterdrückte Nummer angerufen. Sie bittet uns, ruhig zu sein. Obwohl wir nichts verstehen, ist uns klar, dass etwas Ungewöhnliches geschieht. Nach einem langen Telefonat informiert uns Najda, dass ein hoher Beamter sich erkundigt habe, wieso wir die angebotene Visa-Verlängerung nicht akzeptiert hätten. Sie habe dem Beamten unsere Gründe dargelegt und ihm mitgeteilt, dass wir unsere Meinung nicht anpassen werden.

Nach einer kleinen Mahlzeit fahren wir umgehend Richtung Isfahan. Bei Dunkelheit und ziemlich müde, erreichen wir die Koroshk Eco-Lodge bei «Izad Khast», in der Nadja die Nacht verbringt und wir im Hof in unserem Auto übernachten können. Die Lodge befindet sich in einer alten Lehmstadt. Der Eigentümer hat das Wohnhaus und die Nebengebäude laufend unterhalten. Entsprechend präsentieren sich diese in perfektem Zustand.

Nach dem Frühstück begleitet uns unser Gastgeber zum nahegelegenen Schloss und der dazugehörenden Stadt. Das Schloss und die Stadt, die sich innerhalb der Mauern befand, wurden während der Regentschaft der Sassaniden (224 bis 651 n. Chr.) gebaut. Die aus Adobe erstellte Anlage befindet sich an der ehemaligen Seidenstrasse und ist neben jener in «Bam» die weltweit zweitgrösste dieser Art. Unser Gastgeber informiert, dass der Fluss, der das Tal durchzieht, ausgetrocknet sei, weil das Wasser weiter oben gestaut und abgeleitet werde. Die ganze Stadt wie auch das Schloss seien dem Verfall preisgegeben. Für die notwendige Restaurierung stelle die Regierung kein Geld zur Verfügung. Die noch in der Stadt verbliebenen Leute würden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Zerfall der vielen Gebäude aufzuhalten. Ohne Unterstützung durch die Regierung sei es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis nichts mehr zu retten sei.

Mittlerweile hat sich der Himmel mit dunklen Wolken überzogen und es ist empfindlich kühl geworden. Wir befinden uns knapp 200 Kilometer vor «Isfahan», der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Mit ca. zweieinhalb Millionen Einwohnenden ist Isfahan die zweitgrösste Stadt Irans. Das Hotel, in dem wir für eine Nacht ein Zimmer gebucht haben, liegt im Stadtzentrum und entpuppt sich als wunderschönes Herrenhaus aus dem 18. Jh.

Nach dem Einchecken bringt uns ein kurzer Spaziergang durch den Bazaar an den berühmten, von Arkaden eingerahmten, neun Hektaren grossen Platz, den «Meydan-e Naqsh-e Jahan». Von da sind es wenige Minuten zur angrenzenden Königsmoschee, der «Masjed-e Shah», zum «Kakh-e Ali Qapu», dem von 1611 bis 1629 erbauten Palast von Shah Abbas I. oder zur «Masjed-e Lotfollah». Diese wunderschöne Moschee wurde zwischen 1602 und 1619 vom Architekten Ali Reza Abbasi im Auftrag des Königs erbaut und gilt aufgrund ihrer Auskleidung mit ausserordentlich farbenprächtigen und intrikaten Fayencekacheln als eine der schönsten Moscheen des Landes. Sie liegt dem Königspalast direkt gegenüber und ist über einen unterirdischen Gang mit diesem verbunden. Dieser Durchgang ermöglichte es den Frauen und Kindern des Königs mit ihrem Gefolge die Moschee geschützt vor den Blicken der Öffentlichkeit zu besuchen. Alle um den «Meydan-e Naqsh-e Jahan» angeordneten Gebäude sind durch die zweistöckigen Arkaden miteinander verbunden. Die ganze Anlage mit all ihren Prachtbauten wurde im Auftrag von Shah Abbas I. als neues städtisches Zentrum und als Zeichen und Mittel der Zentralisierung seines Reiches zwischen 1598 und 1629 errichtet und ausgebaut. Sie ist ein eindrucksvolles Zeugnis für das soziale und kulturelle Leben im Persien zur Zeit der Safawiden. Der «Meydan-e Naqsh-e Jahan» mit seinen angrenzenden Monumentalbauten wurde 1979 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Während ca. acht Stunden führt uns Nadja zu einigen der prominentesten Sehenswürdigkeiten Isfahans. Routiniert wählt sie die kürzesten Verbindungswege und findet unterwegs stimmungsvolle Kaffees und Restaurants, damit wir die vielen Eindrücke kurz verarbeiten und uns stilvoll verpflegen können. Im Lauf des Nachmittags hat intensiver Regen eingesetzt. Diesem weichen wir mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den «Bazaar-e Bozorg» aus. Dabei braucht es einiges an Willenskraft, um der Versuchung zu widerstehen, sich allzu grosszügig mit wunderschön gearbeiteten Handwerksarbeiten einzudecken. Mit Einbruch der Dämmerung besuchen wir zum Abschluss des Tages die Brücke «Si-o-se Pol». Trotz des Regens lassen wir das beleuchtete, in der Dunkelheit orange strahlende Bauwerk mit seinen 33 Bögen, die sich im dunklen Wasser des «Zayandeh Rud» spiegeln, für einige Zeit auf uns wirken. Ein Taxi bringt uns dann zurück in unser Hotel, wo wir beim auf den Abend verschobenen Willkommensdrink die Erlebnisse des Tages rekapitulieren.

Unser Programm in Isfahan ist intensiv und angesichts der vielen faszinierenden Sehenswürdigkeiten und der lebhaften Atmosphäre ist uns klar, dass wir in dieser spannenden Stadt mindestens noch eine Woche verbringen könnten, ohne uns auch nur eine Minute zu langweilen. Da uns diese Woche nicht zur Verfügung steht, verlassen wir Isfahan schon am kommenden Morgen. Dies allerdings erst nach einem ausgedehnten Frühstück, das aus einer ganzen Reihe exzellent zubereiteter iranischer Speisen besteht.

Unser nächstes Ziel ist die Stadt «Kashan», die wir um die Mittagszeit erreichen. Kashan ist eine eher konservative Stadt. Ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass sich die meisten Frauen in den Tschador hüllen. Ausserdem sind alle Läden und Sehenswürdigkeiten zwischen 12.00 und 16.00 Uhr geschlossen. So beziehen wir in Ruhe unser Hotelzimmer, das sich in einem prächtigen, perfekt unterhaltenen ehemaligen Kaufmannshaus befindet. Wie das Hotel in Isfahan ist auch dieses in privatem Besitz. Die Qualität der Küche erweist sich zu unserem Leidwesen allerdings als nicht vergleichbar, mit jener des Hotels in Isfahan.

Nach einer Siesta im Garten des Hotels beginnen wir unseren Rundgang durch Kashan mit dem Besuch des Kaufmannshauses «Khaneh-ye Borujerdi». Dieses prächtige Haus wurde vom gleichnamigen Kaufmann in Auftrag gegeben, um die Familie einer jungen Frau, in die er sich verliebt hatte, gebührend zu beeindrucken. Da es sich bei dieser Familie um eine mächtige und einflussreiche Kaufmannsfamilie handelte, beauftragte er die besten Architekten und Handwerksleute. Dadurch entstand ein veritables Gesamtkunstwerk, dessen Bau dann allerdings 18 Jahre in Anspruch nahm. Was aus der Liebe wurde, ist uns nicht bekannt. Stimmigerweise nimmt Nadja diesen Ort zum Anlass, uns die iranische Version von Romeo und Julia zu erzählen. Wir lassen uns fesseln von der Geschichte, die zusammen mit der perfekt passenden Umgebung und der Erzählkunst von Nadja einen besonderen Zauber ausstrahlt.

Nach diesem kurzen Ausflug in die Literatur besichtigen wir den «Hamam-e Soltan Mir Ahmad», ein Badehaus, das wie auch der Bazaar im 18. Jh. durch ein verheerendes Erdbeben zerstört und im 19. Jh. wieder aufgebaut wurde. Dieses Badehaus mit seinen in türkis und gold gehaltenen Kacheln, Mosaiken, Wandmalereien und den zahlreichen verzierten Kuppeln, zwischen denen wir auch auf dem Dach herumspazieren können, gilt als einer der schönsten Hamams, die in Iran besichtigt werden können.

Unter der Kuppel des reich verzierten «Timcheh Amin al-Dowleh», der sich mitten im wiederaufgebauten Bazaar von Kashan befindet, trinken wir wenig später einen wohlverdienten Tee und geniessen die friedliche, luftige Atmosphäre. Mit seinen drei Stockwerken wirkt dieser prachtvolle und elegante Kuppelbau besonders imposant.

Auf dem Weg zurück ins Hotel zweigen wir von unserem Weg ab, um zum Abschluss unseres Rundgangs durch Kashan, die aus dem 19. Jahrhundert stammende «Masjed-e Agha Bozorg» zu besichtigen. Im Licht der blauen Stunde geniessen wir die Harmonie, die diese Moschee durch ihre klare und schlichte Architektur und die dezente Farbgebung ausstrahlt.

Nach einer erholsamen Nacht und einem eher enttäuschenden Frühstück verlassen wir Kashan und fahren weiter Richtung Norden. Die ca. 570 Kilometer lange Fahrt bringt uns an den Städten «Qom» und «Teheran» vorbei nach «Soltaniyeh», wo wir am späteren Nachmittag eintreffen.

Die in verschiedenen Blautönen leuchtende Kuppel des Doms von Soltaniyeh bzw. des «Gonbad-e Soltaniyeh» ist schon von weitem zu sehen. Um das Tageslicht noch auszunutzen machen wir uns umgehend auf, diesen mächtigen Bau zu besichtigen, der das Bild der kleinen, von den Mongolen gegründeten Stadt Soltaniyeh dominiert.

Das Mausoleum wurde von 1302 bis 1312 auf Anordnung des zum Islam konvertierten mongolischen Herrschers Oldschaitu in Soltaniyeh, der damaligen Hauptstadt der Ilkhanid Dynastie erstellt. Der Dom wird als eine der bedeutendsten Errungenschaften und als Meilenstein in der Entwicklung islamischer Architektur bezeichnet. Der riesige achteckige Kuppelbau ist 52 Meter hoch und besteht ausschliesslich aus gebrannten Lehmziegeln. Die Kuppel ist in leuchtend türkisblauer Fayence gehalten und von acht schlanken Minaretten umgeben. Der Innenraum des riesigen Bauwerks besteht zur Hauptsache aus einem Saal mit einem Durchmesser von 25 Metern. Allerdings ist dieser aufgrund schon Jahre andauernder Renovationsarbeiten ausgefüllt mit einem Wirrwarr aus Gerüststangen und Blachen, wodurch jegliche Sicht in die Kuppel verunmöglicht wird. Die Arkadengänge, die mit kunstvollen mosaikartigen in Rottönen gehaltenen Verzierungen aus Ziegelsteinen geschmückten sind, sind über zwei enge Treppen zugänglich. Von der dritten Etage bietet sich zudem eine eindrückliche Sicht über Soltaniyeh und in die nahen Berge. 2005 wurde das Mausoleum des Oldschaitu von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

In Soltaniyeh übernachten wir im Innenhof des Homestay, in dem Nadja für sich ein Zimmer gebucht hat. Das Nachtessen besteht aus lokalen Spezialitäten und schmeckt hervorragend. Die Nacht bringt starken Regen und es wird richtig kalt. Am Morgen sind die Berge frisch verschneit, was klar darauf hinweist, dass wir schon weit im Norden Irans angelangt sind.

Auf dem nächsten Abschnitt unserer Reise werden wir mit der bisher eindrucksvollsten Landschaft des Iran und gleichzeitig einer der schönsten Gegenden unserer ganzen bisherigen Reise überrascht. Entlang unserer Route präsentieren sich die Bergketten und Hügelzüge des «Zagrosgebirges», in einer verblüffenden Abfolge von Farbvariationen und Strukturen: Vom Regen nasses Weinrot verblasst zu Altrosa, das sich klar abgrenzt vom Mintgrün des sandfarbenen Talbodens. Kurze Zeit später leuchten die Berge unter einem strahlend blauen Himmel in orange, gelb und hellgrün. Einmal scheinen sie sandig sanft und hügelig, dann eher felsig und schroff. Dann wieder liegen sie schneebedeckt strahlend weit entfernt am Horizont. Aufgrund mehrerer Zwischenhalte, die der wunderschönen Szenerie definitiv zustehen, erreichen wir «Täbriz» etwas später als geplant.

Nach unserer Ankunft ist noch am Nachmittag der Besuch, des vor allem für die in Täbriz hergestellten Wollteppiche bekannten und im Jahr 2010 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannten Bazaars und der Blauen Moschee, der «Masjed-e Kabud», angesagt.

In Teilbereichen des Bazaars, der immer noch hauptsächlich von der lokalen Bevölkerung genutzt wird, herrscht dichtes Gedränge. Gemäss Nadja sind die kurz bevorstehenden Neujahrsferien der Grund für die ausserordentliche Geschäftigkeit. Viele IranerInnen hätten Verwandte in der Türkei, die sie während den langen Ferien besuchen würden. Die Feierlichkeiten zum voraussichtlich am 23. März beginnenden diesjährigen Ramadan würden die vor den grossen Ferien normale Betriebsamkeit zusätzlich verstärken.

Kurzerhand kehren wir den engen Gassen und den Menschenmengen den Rücken und geniessen bald darauf die Ruhe der Blauen Moschee. Der Bau dieser Moschee wurde von Shah Jahan (1438 bis 1467), dem Herrscher der Kara Koyunlu in Auftrag gegeben. Im Jahr 1514 wurde Täbriz von den Ottomanen besetzt und geplündert. Auch die Moschee wurde von den Plünderern nicht verschont. Zwischen dem 16. und 18. Jh. wurde sie durch mehrere Erdbeben zerstört. Erst im 20. Jh. während der Ära der Pahlavi wurde die Moschee nach Plänen und unter Aufsicht von Mohammad Reza Memaran Benam, einem traditionellen Architekten aus Täbriz, rekonstruiert und wieder aufgebaut.

Am nächsten Tag, unserem letzten vor der Fahrt zur Grenze, besuchen wir das Bergdorf «Kandovan». Das Dorf liegt am Fuss des «Kuh-e Sahand» auf 2200 Metern. In den dortigen zipfelmützenförmigen Tuffsteinfelsen, die durch Erosion von vulkanischen Ablagerungen entstanden sind, haben frühere BewohnerInnen des Hochtals Wohnräume geschaffen. Viele dieser Felsenhäuser sind heute noch bewohnt. Ein Teil der Räume wurde zu Läden umfunktioniert, in denen lokale Produkte, wie Honig, Nüsse, Kräuter, Gewürze, vor Ort eingesottene Butter, Hausschuhe und Mützen aus Schafwolle, etc. angeboten werden. Wir besuchen das Dorf bei Schneeregen und können uns gut vorstellen, wie sich solch missliches Wetter auf die Wohnqualität in den Felsenhäusern auswirken muss. Nach einem ausgiebigen teils ziemlich rutschigen Rundgang durch das Dorf wärmen wir uns vor unserer Rückfahrt nach Täbriz in einem der gut geheizten Teehäuser auf und prompt werden wir von einer iranischen Familie zum Nachtessen eingeladen. Diese Einladung lehnen wir dankend ab, da wir in Täbriz schon eine ähnliche Einladung angenommen haben.

Die Stadt Täbriz macht einen eher tristen Eindruck auf uns. Dies mag einerseits durch das kühle und regnerische Wetter bedingt sein. Andererseits ist die Anzahl der Frauen, die den Tschador tragen, unterwegs in den Norden stetig gestiegen. Auch die Kleidung der männlichen Bevölkerung ist fast ausnahmslos dunkel. Dazu sehen wir nur selten ein fröhliches Gesicht, sei es jung oder alt, männlich oder weiblich. All das verleiht der Stadt eine gewisse Schwere und Düsterheit. Dieser Eindruck begleitet uns während unseres ganzen Aufenthaltes in Täbriz und weiter bis in die Türkei.

Am Morgen des 18. Mai, am Tag, an dem unser Visum für den Iran ausläuft, brechen wir zeitig auf in Richtung Grenze. Der Verkehr ist aufgrund der langen Ferien zum Jahreswechsel streckenweise recht dicht. Trotzdem kommen wir gut voran und erreichen gegen Mittag die Grenzstadt «Bazargan».

Hier am Ende unserer Iranreise stellen wir erfreut fest, dass wir während unserer ganzen Zeit im Iran nie von der Polizei aufgehalten und kontrolliert wurden. Dies erstaunt umso mehr, als mehrere Iranreisede erst vor kurzem über vielfache, an Schikane grenzende Kontrollen innerhalb kürzester Reisezeiten berichtet haben.

Nadja hätte uns gerne weiter bis zur Grenze begleitet. Das wird ihr allerdings nicht erlaubt. So verabschieden wir uns vor der Einfahrt zum Grenzgelände von ihr und sie begibt sich umgehend auf die weite Fahrt zurück nach Shiraz.

Bei der Ausreise erhebt der Staat Iran eine Ausfuhrsteuer von einem USD pro Liter Diesel entsprechend dem Fassungsvermögen des Kraftstofftanks. Ohne die Bestätigung, dass diese Steuer bezahlt wurde, kann das Auto nicht ausgeführt werden. Nachdem wir die Bestätigung für die Bezahlung der Steuer erhalten haben, können wir die weiteren Schritte der Ausreise in Angriff nehmen.

So reihe ich mich mit dem Churi in die lange Warteschlage Richtung Türkei ein und Markus macht sich als eingetragener Inhaber des Autos wie gewohnt auf den Weg, die erforderlichen Papiere, Stempel und Unterschriften einzusammeln. Nach drei Stunden ist dies geschafft und drei Kontrollen später dürfen wir den Iran verlassen. Für die Passkontrolle und die Registrierung des Autos durch die türkische Zollbehörde benötigen wir nochmals zwei Stunden und nach insgesamt fünf Stunden überqueren wir die Grenze in die Türkei.

Wir fahren direkt weiter und spüren, wie sich nach und nach ein Gefühl der Erleichterung in uns ausbreitet. Erst dadurch bemerken wir, dass sich während unseres Aufenthalts im Iran eine unterschwellige Anspannung in unseren Alltag eingeschlichen hat.

Unsere Reiseleiterin im Iran
Umsichtig und vorausschauend begleitet uns Nadja auf unserer Reise durch den Iran. Sie ist flexibel und anpassungsfähig, was insbesondere in Bezug auf die speziellen Bedürfnisse von «Overlandern» entscheidend ist. So ermöglicht sie uns trotz der gegenwärtig schwierigen politischen Lage eine unbelastete und äusserst abwechslungsreiche Reise durch den Iran.
Während unserem zweiwöchigen Aufenthalt im Iran lernen wir sie als offene, aufgestellte und initiative junge Frau kennen. Seit knapp 15 Jahren ist sie als staatlich anerkannte Reiseleiterin mit unterschiedlichsten Gruppen unterwegs. Täglich können wir von ihrem breiten und fundierten Wissen über kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten, gesellschaftliche und religiöse Besonderheiten und Zusammenhänge profitieren. Ihr Wissen gibt sie kreativ und geschickt weiter und nimmt auch mal Papier und Schreibzeug zur Hand um komplexe Sachverhalte zu verdeutlichen.
Nadja arbeitet als Freelancer für mehrere iranische Reiseagenturen. Sie kann über ihre eigenen Kontaktdaten erreicht werden, die wir auf Anfrage gerne weiterleiten.

Mit unserer Familie haben wir abgemacht, dass wir an Ostern zuhause sein werden. Folglich haben wir für die Reise in die Schweiz nun drei Wochen Zeit. Wir beschliessen die Fahrt entspannt anzugehen und buchen einen Platz auf der Fähre von Igoumenitsa nach Venedig. Wir hoffen, dass wir die Türkei und Griechenland in künftigen Reisen eingehend kennenlernen können und beschränken uns auf einige wenige Zwischenhalte in diesen beiden Ländern.

Unsere Reise durch einen Teil der Arabischen Halbinsel und den Iran war für uns schon lange ein Traum. Diesen konnten wir in den vergangenen sechs Monaten verwirklichen. Die Menschen und Landschaften haben unseren Reisealltag mit unerwarteten Begegnungen, neuen Eindrücken und überraschenden Erlebnissen ausgefüllt. Wir haben unzählige äusserst wertvolle Erfahrungen gemacht und unendlich viel dazugelernt.

Mit den Beiträgen zum Iran schliessen wir den Blog zu dieser Reise ab. Dieser ist als Beschreibung unserer Reise verfasst und möglichts sachlich gehalten. Gerne haben wir eure Rückmeldungen gelesen und sind offen für weitere Kommentare. Wir danken allen, die uns mit ihren Gedanken auf unserer Reise begleitet haben.

Iran – mit Basra (Irak)

05. – 11.03.2023

An der kuwaitischen Grenze zum Irak benötigten wir nach der Passkontrolle eine gute Stunde, bis die Angaben zum Auto den Weg ins entsprechende Computerprogramm gefunden haben und das Carnet de Passage gestempelt werden kann. Weitere drei Stunden dauert es, bis wir das Visum und alle erforderlichen Stempel und Papiere für die Einreise in den Irak zusammengesucht und die geforderten Gebühren bezahlt haben. Ob es sich bei diesen Gebühren um offizielle staatliche Abgaben oder um abgesprochene Nebeneinnahmen handelt, können wir nicht beurteilen. So oder so kostet uns die Einreise in den Irak bis dahin USD 250. Bei der Ausreise aus dem Irak sind dann nochmals USD 50 fällig.

Die Fahrt durch den Irak über «Basra» nach «Al Shalamcha» an der iranischen Grenze unterbrechen wir nur für eine kurze Pause. Die 80 Kilometer geben uns einen Einblick in dieses geschundene Land, über das so viele gegensätzliche Einschätzungen kursieren. Wir haben uns gegen eine Reise durch den Irak zur türkischen Grenze entschieden, weil wir uns dafür einerseits zu wenig sicher fühlen und wir andererseits eine Durchreise durch den Norden der Türkei aufgrund des kürzlichen Erdbebens als nicht sinnvoll erachten. Zudem haben wir uns bei der Vorbereitung unserer Reise im letzten Herbst sehr auf den Iran gefreut und sehen nun eine Gelegenheit, während der nächsten zwei Wochen wenigsten einen kleinen Teil dieses Landes kennenzulernen.

Die Ausreise aus dem Irak und die anschliessende Einreise in den Iran erweisen sich als Odyssee von Schalter zu Schalter, von einem Gebäude zum anderen und dazwischen zurück zum Anfang. Geregelte Abläufe scheint es nicht zu geben und wer wofür zuständig ist, bleibt für nicht Eingeweihte ein Rätsel. Mit der Unterstützung von mehreren hilfreichen Beamten erhalten wir um 16.30 Uhr die letzten erforderlichen Papiere und schaffen damit die Einreise in den Iran. Als wir unser Auto auslösen wollen, stellt sich heraus, dass die dafür zuständigen Beamten schon Feierabend gemacht haben. Wir werden informiert, dass unser Auto erst ausgeführt werden kann, wenn dies von der Behörde am nächsten Morgen abschliessend bewilligt worden ist. Ab acht Uhr würden die Zollbeamten wieder arbeiten. Wir könnten das Gelände gerne verlassen und zum Übernachten im WoMo wieder zurückkommen.

Ein freundlicher Sicherheitsbeamter an der Kontrolle zum Grenzgelände hilft uns, unsere Reiseleiterin Nadja, die wir für die Reise durch den Iran engagiert haben, zu kontaktieren. Kurze Zeit später holt sie uns ab und wir fahren in die nahegelegene Stadt «Khorramshahr». Khorramshahr liegt direkt an der Grenze zum Irak, die hier durch den «Shatt Al Arab» gebildet wird. Ausserdem mündet hier der Fluss «Karun», der die Stadt aus nordöstlicher Richtung durchfliesst, in den Shatt Al Arab. Khorramshahr wurde im Iran-Irak-Krieg (1980 bis 1988) grösstenteils zerstört und die Spuren des Kriegs sind noch immer gut sichtbar. Bei einem Spaziergang durch diese Stadt erhalten wir einen ersten Eindruck vom Iran und beim Nachtessen besprechen wir mit Nadja die ersten Etappen unserer gemeinsamen Reise.

Aktuell verfügen wir für unsere Reise durch den Iran über ein 14-Tage-Visum. Wir haben die Reise so geplant, dass wir den grössten Teil des Westens nicht bereisen, da die politische Lage in diesem Teil des Landes heikler ist. Die Agentur, über die wir die Reise gebucht haben, hat uns eine Verlängerung des Visums in Aussicht gestellt. Sollte dies gelingen, würden wir die Reise um vier Tage erweitern und die Stadt «Yazd» und zwei zusätzliche Ausflüge in der Gegend von «Täbriz» in unser Programm aufnehmen.

Nach dem abendlichen Ausflug nach Khorramshahr verbringen wir eine ungestörte Nacht auf dem Grenzgelände und morgens um acht Uhr sind wir pünktlich vor dem Zollgebäude. Es dauert dann allerdings nochmals drei Stunden, bis unser Auto definitiv in den Iran eingeführt ist und wir losfahren können. Umgehend machen wir uns auf die rund 250 Kilometer lange Fahrt durch die fruchtbaren mit Weizen, Raps und Zuckerrohr bepflanzten Ebenen des westlichen Iran. Wir durchqueren die Städte «Abadan» und «Ahwaz» und erreichen um den Mittag die am Fluss «Karun» liegende Stadt «Shushtar», wo wir das dortige Bewässerungssystem mit seinen Wassermühlen besichtigen. Der Ursprung dieses Systems liegt im 5. Jh. v. Chr. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Anlage laufend ausgebaut. Sie diente einerseits der Bewässerung der Zuckerrohrfelder und zum Antrieb der Mühlen und anderseits als Wasserversorgung für die BewohnerInnen der Stadt und zur Kühlung von Gebäuden. Über eine Fläche von rund fünf Hektaren greift ein hochkomplexes Netzwerk von unter- und oberirdischen Kanälen, Tunneln, Reservoirs und Staudämmen wie ein Uhrwerk ineinander und leitet die Wassermengen in die Kanäle und zu den Wassermühlen. In seiner Hochblüte wurden in Shushtar über 40 Wassermühlen zum Mahlen von Getreide und Zuckerrohr betrieben. Mehrere Städte haben ihr Korn zum Mahlen nach Shushtar gebracht. Die heute noch sichtbaren und teils immer noch funktionsfähigen Mühlen stammen aus dem 8. bis 10. Jh. n. Chr. Seit 2009 ist das Bewässerungssystem mit seinen Wassermühlen, Qanaten und dem Damm UNESCO Weltkulturerbe.

Von Shushtar geht unsere Reise Richtung Westen, zur ehemaligen Stadt «Chogha Zanbil» bzw. «Dur Untash». Die Überreste dieser vom mittelelamischen Herrscher Untash-Napirisha (1275 bis 1240 v. Chr.) erbauten Stadt wurden ab 1950 von einem französischen Archäologenteam unter der Leitung von Roman Girshman erforscht. Das bedeutendste Bauwerk dieser Stadt ist ein ursprünglich aus fünf Ebenen bestehender Stufentempel (Zikkurat) mit einer Höhe von ca. 52 Metern. Der Tempel wurde aus luftgetrockneten Lehmziegeln erstellt, die mit einer zwei Meter dicken Schicht aus gebrannten Ziegeln umgeben und so vor Wind und Regen geschützt wurden. Die heute noch bestehenden drei Ebenen erreichen noch eine Höhe von knapp 25 Metern. Trotzdem gehört dieser Stufentempel weltweit zu den besterhaltenen Bauten dieser Art. Chogha Zanbil wurde 1979 als erstes Weltkulturerbe des Iran von der UNESCO anerkannt.

Anschliessend an den Besuch von Chogha Zanbil übernachten wir im nahe gelegenen Dorf «Khamat» im Garten einer privaten Unterkunft (Homestay), in der Nadja ein Zimmer gebucht hat. In Gesellschaft des Gastgebers geniessen wir ein leckeres von der Gastgeberin zubereitetes Nachtessen und werden anschliessend mit reichlich Tee und Süssigkeiten verwöhnt.

Am nächsten Tag wechseln wir die Richtung und mit Ziel «Shiraz», das noch 650 Kilometer und zwei Übernachtungen weit entfernt ist, fahren wir nach Süden. Im Naherholungsgebiet der Stadt «Behbahan» suchen wir am späten Nachmittag einen Platz zum Campieren. Da Nadja die für unser Auto geeignete Route nicht kennt, erkundigt sie sich nach dem Weg. Ein hilfsbereiter Herr fährt uns dann voran auf einen Platz inmitten einer blühenden, sattgrünen Hügellandschaft. Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir von zwei Paaren, die dort picknicken, eingeladen, mit ihnen zu essen. Wir lehnen dankend ab, was erst bei der fünften Wiederholung akzeptiert wird. Zu einem gemeinsamen Dessert können wir jedoch nicht nein sagen. Mit Nadjas Unterstützung ergibt sich ein gutes Gespräch und nachdem einige Fotos gemacht sind, fahren die vier zurück in die nahe gelegene Stadt. Wir kochen Pasta mit Salat und freuen uns über die wunderschöne Umgebung und das milde Wetter. Nur schwer können wir uns vorstellen, dass sich diese grüne, blühende Landschaft in einigen Wochen wieder in kahle, gelbbraune Sandhügel zurückverwandelt.

Kaum öffnen wir am Morgen die Tür, werden wir von einer Familie, die in der Nähe frühstückt mit frisch gekochtem iranischen Essen versorgt. Aufgrund der guten Englischkenntnisse einiger Familienmitglieder kommt eine angeregte Unterhaltung zustande. Nach einer guten Stunde und einer Serie Fotos verabschiedet sich die Familie. Überraschenderweise übergibt uns Nadja kurz darauf sechs frische Eier, ein Stück Butter, 500 Gramm Kaffee und einen ganzen Packen Brot. Diese Sachen habe ihr der freundliche Herr von gestern spät abends noch vorbeigebracht, da er habe sichergehen wollen, dass wir genügend Nahrungsmittel dabei hätten. Dies sind drei Beispiele der unbeschreiblich grosszügigen Gastfreundschaft, die wir im Iran erleben. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht von jemandem beschenkt oder eingeladen werden.

Ein weiteres Beispiel dafür sind die Lastwagenfahrer. Diesel ist im Iran sehr günstig, da dieser vom Staat stark subventioniert wird. Allerdings ist er nur mit einer vom Staat abgegebenen Spezialkarte erhältlich. Eine solche Karte erhält nur, wer beruflich mit einem Lastwagen unterwegs ist. So sind wir darauf angewiesen, dass uns an der Tankstelle jeweils ein Lastwagenchauffeur gegen Barbezahlung einen Teil seines Dieselkontingents überlässt, damit wir unser Auto auftanken können. Meistens klappt dies auf Anhieb und fast immer wird uns der Diesel geschenkt. Auch nach der obligaten drei- bis fünfmaligen Zurückweisung des Geschenks, lassen sich die Chauffeure jeweils nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Im Dorf «Tang-e Chogan-e Bala» legen wir den nächsten Halt ein. Nach unserer Ankunft bleibt noch genügend Zeit, um zur Höhle «Ghar-e Shapur» hochzusteigen. In der Höhle befindet sich eine acht Meter hohe Statue des Sassaniden-Königs Shapur I. Nach der langen Fahrt durch einen Teil des südlichen Ausläufers des Zagros-Gebirges geniessen wir die Bewegung und die Aussicht über die Talebene und in die gegenüberliegenden Berge.

Im Restaurant der Bishapur-Eco Lodge, in der Nadja übernachtet, wird uns ein paar Stunden später ein traditionelles iranisches Gericht serviert. Dieses besteht aus mit verschiedenen exotischen Gewürzen zubereitetem Lammfleisch, frischen Kräutern, hausgemachtem Joghurt und iranischem Brot. Das Essen schmeckt so gut, dass es für uns die beste Mahlzeit der ganzen Reise durch Iran bleiben wird. Mit unserer Gastgeberin, die an einer Mädchenschule Englisch unterrichtet, ergibt sich eine engagierte Unterhaltung. Nadja und sie sind in etwa gleich alt. Offen tauschen die beiden Erfahrungen und Ereignisse aus ihrem Leben aus. Dabei erfahren wir etliches, über alltägliche Schwierigkeiten und wie mit sich laufend verändernden Widrigkeiten im gesellschaftlichen wie auch im wirtschaftlichen Umfeld umgegangen werden kann. Nachdenklich verlassen wir nach ein paar anregenden und bewegenden Stunden diese offene und trotz der schwierigen Inhalte humorvolle Gesprächsrunde, um wie gewohnt im Churi zu übernachten.

Anderntags besichtigen wir die Ruinen der antiken Residenzstadt «Bishapur», die der Sassanidenkönig Shapur I. zwischen 260 und 266 n. Chr. bauen liess. Die Stadt wurde zum grössten Teil von römischen Soldaten errichtet, die in Schlachten von Shapur I. gegen die Römer gefangen genommen wurden. Daraus lässt sich erklären, dass in der Architektur und der Bauweise der Stadt römische und persische Einflüsse festgestellt wurden. In der ehemals von hohen Mauern umgebenen Stadt dürften einst bis zu 80’000 Menschen gewohnt haben.

Ganz in der Nähe von Bishapur befinden sich an den Felswänden der Schlucht von «Tang-e Chowgan» sechs Felsreliefs, welche die sassanidischen Könige Shapur I. und II. sowie Bahram I. und II. anbringen liessen. Die Reliefs stellen Szenen von königlichen Heldentaten und die Verleihung der Königswürde durch die zoroastrische Gottheit Ahura Mazda dar. Ähnliche Reliefs sind an mehreren Orten im Iran anzutreffen. Die äusserst detailgetreuen Reliefs wirken wie eine Art historischer Bilderbücher.

Anschliessend an die Besichtigung dieser neben «Persepolis» zentralen Schauplätze früher iranischer Geschichte fahren wir weiter nach Shiraz, der Hauptstadt der Provinz «Fars». Shiraz ist mit ca. zwei Millionen EinwohnerInnen die fünftgrösste Stadt Irans. Sie liegt auf 1600 MüM und wird als Stadt der Liebe, der Rosen, der Poesie und Literatur und der Gärten bezeichnet. Eine Besonderheit von Shiraz sind die knospenförmigen Kuppeln der Moscheen und die besonders vielfarbigen Fliesen. Diese Eigenheiten unterscheiden die historischen Bauten in Shiraz deutlich von Gebäuden gleicher Art in anderen Gegenden des Landes.

In Shiraz planen wir drei Tage zu verbringen und haben für diese Zeit ein Hotelzimmer gebucht. Unser Auto lassen wir auf dem Parkplatz des Hotels stehen und besichtigen mit Nadja einige der vielen Sehenswürdigkeiten in- und ausserhalb der Stadt.

Als ersten Ort in Shiraz besuchen wir das Mausoleum von «Hafez» (1315-1390), einem der bedeutendsten Dichter Irans, das sich in einem eigenen Garten befindet. Wir sind überrascht über die vielen hauptsächlich jüngeren Menschen, die wir an diesem Ort antreffen. Nadja erklärt, dass Literatur und Poesie im Iran einen hohen Stellenwert haben. Die Poesie des Hafez sei vor allem Poesie der Liebe. Sein Mausoleum sei daher ein beliebter Treffpunkt von Verliebten und junge Paare aus dem ganzen Land würden diesen Ort als Zeichen ihrer Liebe besuchen. Das literarische Vermächtnis des Hafez sei iranisches Allgemeingut und gehöre zu den wichtigsten Kulturgütern Irans. Entsprechend sei das Mausoleum auch ein wichtiger Ort für Literaturinteressierte, die hierher kommen, um Gleichgesinnte zu treffen. Am Sarkophag von Hafez zitiert Nadja eines seiner Gedichte für uns. Während der Darbietung in Farsi werden wir umringt von Menschen, die wie wir gebannt den Worten des Hafez lauschen.

Im Anschluss führt uns Nadja zum Schrein von «Ali Ibn Hamzeh». Der Gebetsraum dieser aktiven Moschee mit ihrer für Shiraz typischen knospenförmigen Kuppel ist mit abertausenden von Spiegelmosaikstücken ausgekleidet. Dieser glitzernde in sieben Farben gehaltenene Glasschmuck verleiht dem Raum eine zwar faszinierende, aber eher kühle Atmosphäre.

Am Tag darauf fahren wir mit Nadja nach «Persepolis» und zum «Naqsh-e-Rostam», beides bedeutende und berühmte Höhepunkte einer jeden Iranreise.

Der Bau von «Persepolis», genannt «Parsa», wurde während der Regentschaft von König Dareios I. (520 bis 486 v. Chr.) veranlasst. Allerdings erlebte er die Fertigstellung der Stadt nicht. Xerxes I. (486 bis 465 v. Chr.) und Antraxerxes I. (465 bis 424 v. Chr.), die Nachfolger von Dareios I. vollendeten die Anlage. Die Herrscher bzw. deren Delegierte aus den vom König besiegten Ländern wurden nach Parsa eingeladen, um ihrem König Ehre zu erweisen und zu feiern. Die auch heute noch imposant wirkende Anlage, diente zu ihrer Zeit ausschliesslich Repräsentationszwecken. Das Verwaltungszentrum des Reiches verblieb weiterhin in «Susa».

Im Jahre 330 v. Chr. liess Alexander der Grosse Persepolis von seinen Truppen grösstenteils zerstören. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Überreste der Stadt meterhoch mit Sand und Staub zugedeckt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass diese Meisterwerke historischer Architektur in teils perfektem Zustand erhalten blieben. Im Rahmen einer archäologischen Expedition wurden sie in den 1930 Jahren wieder entdeckt. Erste systematische Ausgrabungen wurden von 1931 bis 1939 von deutschen Archäologen durchgeführt. 

In «Naqsh-e-Rostam», das nur wenige Kilometer von Persepolis entfernt liegt, befinden sich in den steilen Felswänden fünf kreuzförmige Felsgräber. Diese sind mit 23 Metern Höhe von beeindruckender Grösse. Es wird davon ausgegangen, dass in diesen Gräbern mehrere Könige des ersten Perserreiches (550 bis 330 v. Chr.) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Eines dieser Gräber kann dem König Dareios I. zugeordnet werden. Welche Könige in den anderen Gräbern zur Ruhe gelegt wurden, kann nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Unterhalb der Gräber sind auch hier Felsenreliefs angebracht. Diese stammen aus der Zeit des zweiten Perserreiches (224 bis 651 n. Chr.).

Nach einem mit Geschichte und historischer Architektur ausgefüllten Tag machen wir abends einen Spaziergang auf den «Chehel Maqam» einen der Hügelzüge, von denen Shiraz umgeben ist. Die Aussicht über die Stadt kurz vor Sonnenuntergang ist beeindruckend. Der starke und recht kalte Wind aus den Bergen lässt uns jedoch spüren, dass sich der Winter noch nicht wirklich verabschiedet hat.

Am nächsten Tag führt uns Nadja zu einigen der bedeutendsten Sehenswürigkeiten ihrer Heimatstadt Shiraz. Die Rosarote Moschee bzw. die «Masjed-e Nasir-ol-Molk», wurde von 1876 bis 1888 während der Regierungszeit der Qadjaren (1779–1925) erbaut. Mit ihren berühmten Glasfenstern, den im ganzen Iran einmaligen rosabunten Fliesen, die unter anderem europäische Gärten und Gebäude und tausende von rosaroten Rosen abbilden, stellt die Moschee einen ersten Höhepunkt unseres Rundgangs dar. Für die meisten Touristen sind allerdings die bunten Glasfenster, die sich auf dem Boden des Gebetsraums spiegeln, das Wichtigste des Moscheebesuches und es wird viel Zeit investiert, um sich im farbigen Licht für das perfekte Selfie in Szene zu setzen.

Auch im Garten «Bagh-e Naranjestan» mit dem Privathaus «Zinat-ol Molk», deren Bau von der einflussreichen Familie Qavam Ende des 19. Jhs. in Auftrag gegeben wurde, lohnt es sich, etwas länger zu verweilen. Während uns Nadja herumführt, zaubert sie immer wieder zusätzliche Informationen und aufschlussreiche Details zu Geschichte und Architektur und Anekdoten zu gesellschaftlichen Begebenheiten aus dem Sack.

Nach einem Bummel durch den geschäftigen «Bazaar-e Vakil» setzen wir uns im Garten eines der Restaurants auf dem an den Bazaar angrenzenden Platz in die Frühlingssonne, bestellen etwas zu Essen und geniessen die entspannte Atmosphäre des grossen Platzes.

Nach der Mittagspause statten wir der Residenz des Karim Khan, der «Arg-e Karim Khan», einen Besuch ab. Das imposante Bauwerk, mit vier runden 14 Metern hohen Türmen, die mit einer 12 Meter hohen Mauer verbunden sind und ein 4000 m2 grosses Areal umfassen, wurde in den Jahren 1766 und 1767 von Karim Khan, dem Gründer der Zand Dynastie, erbaut. Obwohl der Bau wie eine Zitadelle wirkt, beinhaltet er ausschliesslich Empfangs- und Wohnräume. Das Gebäude wurde während der Herrschaft der Zand (1750 bis 1794) als Wohnquartier und von den Qadjaren (1779 bis 1925) als Gouverneurssitz benutzt. Von ca. 1950 bis 1967 wurde die Anlage dann als Gefängnis gebraucht.

Mit der Besichtigung der «Arg-e Karim Khan» schliessen wir unseren Rundgang durch Shiraz ab und sofern alles nach Plan läuft, werden wir morgen mit einem verlängerten Visum nach «Yazd» aufbrechen. Wir sind gespannt, was diese als eine der schönsten Städte Irans berühmte Wüstenstadt für uns bereithält.

Einschub Fahrzeuge
Importierte Autos werden vom Staat Iran mit einer Steuer von 300 Prozent belegt. Entsprechend ist ein solches Fahrzeug für die meisten Iranerinnen und Iraner unerschwinglich. Im Iran selbst wird seit 1992 der 1987 in Frankreich lancierte «Peugeot 405» hergestellt. Erhältlich ist dieses Auto ausschliesslich in Weiss. Der Peugeot kostet zurzeit ca. USD 10’000. Damit ist er für viele bezahlbar. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Farbe weiss und die auffällige Häufung von Peugeots erklären, die allen, die auf Irans Strassen unterwegs sind, sofort auffällt. Der technische Ausbau dieser Autos blieb allerdings seit seiner Inverkehrssetzung unverändert. Folglich verfügen diese Fahrzeuge weder über Airbags noch über sonstige der heute üblichen Sicherheitseinrichtungen. Der Vorteil ist, dass Ersatzteile überall im Land einfach und günstig zu beschaffen sind und allfällige Reparaturen in jeder noch so kleinen Garage erledigt werden können.

Eine weitere Auffälligkeit auf den Strassen Irans sind die vielen Daimler Benz Lastwagen, die alle längst den Oldtimer-Status erreicht haben. Sie begegnen uns in fast allen Farben des Regenbogens und zusammen mit einem in etwa gleich alten Lastwagenmodell von Volvo sind sie fester Bestandteil des Schwerverkehrs und in scheinbar unbegrenzter Anzahl und in unterschiedlichstem Zustand fast überall im Einsatz.

Saudi-Arabien – der Osten

….. zwischen UAE und Qatar

13.-14.02.2023

Am 22. Dezember 2022 verlassen wir Saudi-Arabien, um die kommenden Wochen in Oman zu verbringen. Während sechseinhalb Wochen dürfen wir ein wunderschönes Land mit aussergewöhnlich gastfreundlichen Menschen kennen lernen. Vom omanischen Grenzposten «Khatmat Milaha» reisen wir anschliessend in die «United Arab Emirates» (UAE) ein. Für die Erkundung der sieben Emirate nehmen wir uns acht Tage Zeit und mit der Wieder-Einreise nach Saudi-Arabien schliessen wir unseren Aufenthalt in den UAE ab.

Die Einreise anch Saudi-Arabien verläuft ohne Schwierigkeiten und innert Kürze befinden wir uns auf dem Gebiet der Stadt «Al Batha», die wir vor knapp acht Wochen anlässlich unserer Fahrt durch die Rub’ al Khali nach Ibri in Oman kurz besucht haben.

Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir einen für Saudi-Arabien typischen Picknick-Park an der Küste. Der Park ist wunderschön gelegen und riesengross. Er ist ausgestattet mit Sportanlagen, Spielplätzen, Schatten spendenden Palmen, Rasenflächen und sanitären Anlagen und alles befindet sich in fast perfektem Zustand. Allerdings sind wir neben den heimischen Vögeln die einzigen Lebewesen, die die riesige Anlage nutzen. Auch die nagelneue ca. zwei Kilometer entfernte Stadt ist menschenleer, was der Gegend etwas Gespenstisches verleiht. Dieser Eindruck wird durch aufziehenden Nebel wirkungsvoll verstärkt. Wir lassen uns mit einem ausführlichen Spaziergang auf die ungewöhnliche Stimmung ein und nach einer äusserst ruhigen und wahrscheinlich geisterfreien Nacht verlassen wir diesen ungewöhnlichen Ort in Richtung «Qatar».

….. zwischen Qatar und Bahrain

16.-20.02.2023

Aufgrund des Sandsturms auf der Fahrt von Qatar über die Grenze bei «Salva» und weiter nach «Al Hofuf» verlangen die Strassenverhältnisse volle Konzentration, da der starke, böige Wind Sand aus der Wüste auf die Fahrbahn verfrachtet, wo sich umgehend kleine Dünen bilden. Bedingungen, die dem Fahren durch Schneegestöber und Schneeverwehungen nicht unähnlich sind.

Nach drei Tagen lässt der Wind nach. In der Zwischenzeit haben wir Al Hofuf, auch «Al-Ahsa» genannt, erreicht. Die Stadt Al Hofuf wurde in der grössten Oase der Welt gegründet und hat heute zusammen mit ihren Vororten und einigen kleineren Siedlungen insgesamt ca. 850’000 Einwohnende. Wir übernachten im «Al-Ahsa National Park», der 1962 angelegt wurde, um zu verhindern, dass sich die Wüste weiter in die Oase hinein ausbreitet.

In Al Hofuf schlendern wir durch den Souk «Al Qaisariah», der zusammen mit Teilen der Altstadt viel von seiner Authentizität behalten konnte. Der Souk gilt als einer der ältesten Märkte Arabiens. Im Jahr 2018 wurde er von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Am Rand der Oase liegt der «Jabal Al-Qarah». Dabei handelt es sich um Felsformationen, die von Wasser und Wind teilweise ausgehöhlt wurden, wodurch sich Höhlensysteme gebildet haben. Das wohl berühmteste dieser Systeme ist am längsten Ort ca. 1,5 Kilometer lang mit mehreren Verzweigungen. Ein Spaziergang durch die Gänge dieses Höhlensystems ist dank den konstanten Temperaturen um ca. 20 Grad vor allem im Sommer ein erfrischendes Erlebnis.

Beim Besuch des «King Abdullah Environmental Parks», an dessen Rand wir übernachten, unterhalten wir uns anderntags mit der Inhaberin eines Verpflegungsstandes. Innert Kürze sind wir umringt von Frauen, alle eingehüllt in einen «Tschador» und mit verschleiertem Gesicht. Wir werden über unsere Reise und unsere Eindrücke von Saudi-Arabien befragt und weit über unsere Bestellung hinaus mit allerlei saudischen Spezialitäten verwöhnt. Es ergibt sich eine angeregte und lustige Gesprächsrunde, die uns in Gedanken noch einige Zeit begleitet.

Nach unserem Aufenthalt in Al Hofuf fahren wir nochmals ins Landesinnere um beim «Judas Thumb» ein letztes Mal in einer Wüste Saudi-Arabiens zu übernachten. Am Ziel angekommen, können wir die prächtige Wüstenlandschaft und das tadellose Wetter unerwarteterweise ganz für uns allein geniessen. Erholt und beeindruckt von der Ruhe und Leichtigkeit dieses Ortes, fahren wir am kommenden Morgen an die Grenze, um nach Bahrain einzureisen.

….. zwischen Bahrain und Kuwait

23.-26.02.2023

Für die Grenzübertritte von Bahrain zurück nach Saudi-Arabien benötigen wir insgesamt eine Stunde, was ein bisheriger Rekord ist. Während der Fahrt zurück über den «King Fahd Causeway» geht die Sonne unter und auf dem Meer entsteht eine dünne Nebelschicht. Die blaugoldene Stimmung begleitet uns bis ans andere Ende des Causeways und zu unserem Übernachtungsplatz am Strand von «Al Khobar».

Am nächsten Tag steht das «King Abdulaziz Center for World Culture» oder «Ithra» (arabisch für Bereicherung) auf unserem Programm. Das futuristische Gebäude, in saudi-arabisch gigantischen Dimensionen, ist ein architektonisches Meisterwerk, das aussen wie innen aus besten, perfekt verarbeiteten Materialien besteht. Das in seiner Art und Grösse in Saudi-Arabien einmalige Gebäude beinhaltet mehrere Restaurants, ein Museum, mehrere Galerien für wechselnde Ausstellungen, ein Theater, ein Kino und eine riesige Bibliothek, die vier Stockwerke einnimmt und Besuchenden täglich zur Verfügung steht. Da Saudi-Arabien an diesem Wochenende seinen «Founding Day» (Gründungstag) feiert, finden auch in der Gartenanlage allerlei Aktivitäten statt. Das zahlreich angereiste Publikum besteht mehrheitlich aus Familien und es herrscht eine heitere, aufgestellte Stimmung.

Am späten Nachmittag verlassen wir Ithra in Richtung «Al-Jubail», der nächsten Station auf unserem Weg nach «Kuwait». Die Gegend um Al-Jubail wurde 1975 von der Regierung Saudi-Arabiens als Standort für «The New Industrial City» ausgewählt. Die neue Stadt wurde auf dem Reissbrett geplant und entsprechend erstellt. Sie besteht einerseits aus 19 verschiedenen Industrieanlagen und andererseits aus Wohngebieten, die auf einer mit dem Festland verbundenen Insel errichtet wurden. Al-Jubail erweist sich heute als moderne, grosszügig angelegte Stadt mit guter Infrastruktur und einer gepflegten Corniche. Die Strassen sind gesäumt von Bäumen, Blumen und Gräsern. Der Park und der öffentliche Strand sind gut unterhalten, sehr sauber und mit mehreren öffentlich zugänglichen Trinkwassersäulen versehen. Aufgrund von kürzlichen Regenfällen ist es während unseres Aufenthaltes weit herum grün und der Boden ist bedeckt von einem Teppich aus gelben Wildblumen.

Wir freuen uns über die schöne Umgebung, das gute Wetter und die kühlen Temperaturen und bleiben noch einen Tag. Die Suche nach den normalerweise in der Nähe überwinternden Kolonien von Flamingos und Kormoranen bleibt dann jedoch leider erfolglos.

Während der noch gut 150 Kilometer langen Fahrt an die Grenze von Kuwait begleitet uns dann ein bedeckter Himmel, aus dem in der Ferne Blitze zucken und genau an der Grenze beginnt es zu regnen. Die (hoffentlich) letzte Ausreise aus Saudi-Arabien verläuft schon fast gewohnt problemlos und die Beamten an der saudischen Grenze sind wie üblich freundlich und hilfsbereit. 

Qatar, Bahrain und Kuwait

An der Ostküste der arabischen Halbinsel findet ein veritabler Wettbewerb der Skylines statt. Hoch ist gut, am höchsten am besten. Eleganz wetteifert mit Originalität und Glasfassaden flimmern in verschiedensten Formen und zahllosen Blautönen um die Wette. Das Ringen um Beachtung ist offensichtlich und ein Platz in der vordersten Reihe der Skyline scheint von höchster Bedeutung. Historische Bauten sind vergleichsweise rar, da die meisten dem stetig drängenden Fortschritt weichen mussten. Statt derer können wahre Wunderwerke zeitgenössischer Architektur und Tempel des Konsums bewundert werden.

Qatar

14.-16.02.2023

Nach einer überraschend angenehmen Einreise nach «Qatar» fahren wir ohne Umwege an den Strand von «Wakrah», wo wir unerwartet viele Menschen beim Feiern antreffen. Aus der stetig zahlreicher werdenden multikulturellen Menge erfahren wir, dass der heutige Valentinstag der Grund für die ausgelassene Stimmung ist. Mit einem Bummel durch den alten Souk von Wakra weichen wir dem Rummel für einige Zeit aus und ziehen uns dann in unsere vier Wände zurück. In den frühen Morgenstunden verstummt eine Lautsprecheranlage nach der anderen und nach und nach kehrt die ersehnte Ruhe ein.

Am späten Morgen des nächsten Tages verschieben wir uns in die Hauptstadt «Doha». Dort erhalten wir die Erlaubnis, auf einem Parkplatz in der Nähe der Corniche zu parkieren. Doha ist eine moderne, offene, auf Hochglanz polierte Grossstadt, in der die Spuren der Fussballweltmeisterschaft 2022 noch allgegenwärtig sind. Wir besuchen das Nationalmuseum, das von Jean Nouvel nach den Strukturen einer Sandrose konzipiert wurde. Begeistert von der perfekt in die Gegend passenden Architektur wie auch von den visuell, akustisch und didaktisch nach neusten Erkenntnissen und technisch perfekt präsentierten Inhalten verbringen wir in diesem faszinierenden Gebäude mehrere Stunden mit Staunen, Lernen, Diskutieren und Verarbeiten von Informationen zu Qatars Geschichte, Gegenwart und Zielsetzungen für die Zukunft.

Anderntags besuchen wir das imposante, in kubischem Stil gehaltene Museum für Islamische Kunst, das seine Werke aus Kultur, Kunst und Handwerk sowie wertvollste Schriften und Kalligraphien in edelster Umgebung jedoch in eher traditioneller Art ausstellt.

Mit einem Spaziergang durch den Souk «Al Waqif» und über die Corniche beschliessen wir unseren dreitägigen Aufenthalt im Emirat Qatar.

Während unserer Fahrt zur Grenze entwickelt sich die bisher leicht mit Staub angereicherte Brise zu einem kräftigen Wind, woraus sich auf unserer Weiterfahrt nach «Hofuf» in Saudi-Arabien ein mittlerer Sandsturm entwickelt.

Bahrain

20.-23.02.2023

Die Grenzformalitäten zur Einreise nach «Bahrain» werden auf einer Insel in der Mitte der 25 Kilometer langen Brückenkonstruktion, dem «King Fahd Causeway», der Bahrain mit Saudi-Arabien verbindet, abgewickelt. Bei den Grenzübertritten gibt es keinerlei Probleme, obwohl Saudi-Arabien seinen Nationalfeiertag mit einem verlängerten Wochenende feiert und sich die Autos an den Grenzen zu Bahrain in langen Schlangen stauen. Dadurch sind die Grenzbeamten ziemlich gefordert. Trotzdem werden wir äusserst freundlich willkommen geheissen und aufgefordert für die Dauer unseres Aufenthaltes eine Krankenversicherung abzuschliessen. Danach erfolgt eine kurze Inspektion unseres Autos und schon sind wir bereit für die Weiterfahrt über den Causeway und durch den abendlichen Stossverkehr von «Manama», der Hauptstadt von Bahrain.

Unser Stellplatz befindet sich in der Bay von Bahrain quasi im Vorgarten eines imposanten Doppelturms. Wir richten uns ein und geniessen bei einem feinen Nachtessen die tolle Aussicht auf das nächtliche Manama. Abends ist die Bay ein beliebter Treffpunkt für die Einheimischen, die hierher kommen, um zu Picknicken und für einige Stunden herrscht fröhliche von Musik untermalte Betriebsamkeit.

In den folgenden zwei Tagen durchstreifen wir den Souk von Manama, besuchen das Nationalmuseum und erfahren auf dem «Perling Path», einem ausgeschilderten historischen Spaziergang durch die Altstadt von «Muharraq», viel Wissenswertes über Bahrains ehemalige Perlenindustrie. Der Handel mit Perlen hat Bahrain zu viel Reichtum und Macht verholfen. Mit der Erfindung der Zuchtperle verschwand dieser Industriezweig jedoch innert Kürze. Der 3,5 Kilometer lange Weg mit seinen restaurierten historischen Gebäuden, zwei Küstenabschnitten mit Austernkolonien und weiteren dazugehörenden Kulturgütern ist seit 2012 UNESCO Weltkulturerbe.

Obwohl Bahrain noch einiges mehr zu bieten hätte, verlassen wir die Insel nach drei Tagen wieder, um über einen letzten Aufenthalt in Saudi-Arabien weiter nach Kuwait zu reisen.

Kuwait

26.02.-05.03.2023

Der Kleinstaat «Kuwait» empfängt uns mit einem Gewitter, lauter Musik und bemerkenswert freundlichen Grenzbeamten. Bald erfahren wir, dass Kuwaits Nationalfeiertag der Grund für die fast schon ausgelassene Stimmung an der Grenze ist und umgehend werden auch wir mit Kuwait-Fähnchen versorgt. Nach knapp einer halben Stunde sind die Einreiseformalitäten erledigt.

Auf unserer Fahrt nach «Ahmadi», der ersten Stadt in Kuwait, begleitet uns ein prächtiges Farbenschauspiel. Das blaudunkel bedrohlich wirkende Gewitter auf der einen, die rotgolden untergehende Sonne auf der anderen Seite der Strasse. Dieses eindrucksvolle Szenario beschert uns unseren ersten und vermutlich letzten Regenbogen in einer Wüste. Das Verkehrschaos in Ahmadi ist dann ebenfalls beeindruckend. Die Autos stehen kilometerlang Stossstange an Stossstange und feiernde Leute befinden sich überall, wo noch etwas Platz bleibt. Die Suche nach einem freien Parkplatz kostet viel Geduld und Nerven. Nachdem wir etwas ausserhalb des Trubels einen geeigneten Platz gefunden haben, mischen wir uns zur Entspannung unter die fröhliche Menge.

Anderntags fahren wir weiter nach Kuwait City. Nach 32 Jahren und sechs Monaten ist dies ein Wiedersehen mit der Stadt, in der wir von Anfang 1986 bis August 1990 mit unseren beiden Töchtern im Alter von null bis knapp vier Jahren gelebt haben. Seit damals hat Kuwait die im August 1990 erfolgte Invasion des Irak, die weitgehende Zerstörung der Stadt und die damit verbundene Traumatisierung der Bevölkerung sowie die beispiellosen Naturkatastrophen, ausgelöst durch die 613 von Irak in Flammen gesetzten Ölquellen, zu überwinden. Soweit ersichtlich hat Kuwait diese Herausforderungen gemeistert und heute fügt sich Kuwait City ebenbürtig ein in die mondänen Grossstädte entlang der Ostküste der Arabischen Halbinsel. Trotz der enormen Veränderungen entdecken wir neben dem Wahrzeichen von Kuwait einige weitere Gebäude und Orte, welche die vielen Jahre mehr oder weniger unverändert überdauert haben.

In Kuwait City übernachten wir an schönster Lage am Strand von «Salmiya». Wir nehmen uns eine Woche Zeit und unternehmen mehrere Ausflüge in die Stadt und deren Umgebung. Wir besuchen (unseren) ehemaligen SAS Club im heutigen «Radisson Blue», den Stadtteil «Jabriya», in dem wir wohnten, fahren über den neuen Causeway nach «Bubian Island», besuchen das Öl- und Gasmuseum in Ahmadi, das Kuwait Opera House bzw. das «Sheikh Jaber Al-Ahmad Cultural Centre», die «Shuwaikh» Industrial Area, usw. Ein Schwerpunkt unseres Aufenthaltes in Kuwait ist der Besuch auf der Schweizer Botschaft, in der Markus anlässlich der Invasion der irakischen Armee einige Wochen verbracht hat. Freundlich werden wir in der Botschaft empfangen und anhand eines interessanten Austausches mit dem Stellvertreter des Botschafters wird ein stimmiger Schlusspunkt hinter dieses Stück Vergangenheit gesetzt.

Einen beeindruckenden Abschluss unserer Zeit in Kuwait bildet ein grandioses, 60-minütiges Feuerwerk mit paralleler Laser-Lichtschau zur Feier des «National Liberation-Day».

Die Rückreise in die Schweiz hat uns während unserer Reise wiederholt beschäftigt. Da die politische Lage in einigen Ländern unterwegs schwierig ist, bietet sich keine optimale Reiseroute an. Zur Verfügung stehende Informationen von anderen Reisenden sind oft widersprüchlich und von individuellen Erfahrungen geprägt. So stehen uns zum Zeitpunkt der Entscheidung in Kuwait drei Möglichkeiten zur Auswahl:

Kuwait – Saudi-Arabien – Jordanien – Israel – Fähre in die Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz
Kuwait – Irak (Basra – Bagdad – Mosul – Zakho) – Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz
Kuwait – Irak (Basra) – Iran – Türkei – Griechenland – Fähre nach Italien – Schweiz

Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns für die Variante durch den Iran. Das entsprechende Visum haben wir sicherheitshalber schon vor der Festlegung der Rückreiseroute organisiert und konnten dieses in Muscat abholen. Allerdings haben wir das Visum nur unter der Bedingung erhalten, dass wir für die Reise eine Route festlegen und einen Reiseführer bzw. eine Reiseführerin engagieren. Nach der Überprüfung der Angaben durch das iranische Konsulat wurden die Visa ausgestellt.  

Damit wir von Kuwait in den Irak einreisen können, müssen wir in Kuwait eine Bewilligung einholen, um von der kuwaitischen Grenze an die Grenze zum Irak vorgelassen zu werden. Das Visum für den Irak ist gemäss Informationen der irakischen Botschaft an der Grenze erhältlich.

Mit dieser Information und den eingeholten Papieren machen wir uns am frühen Morgen des fünften März auf den Weg an die Grenze zum Irak und sind gespannt, was uns dort erwartet.

Vereinigte Arabische Emirate

07. – 13.02.2023

An der Grenze von Oman zu den «United Arab Emirates» (UAE) läuft abgesehen von den üblichen Mühen, die erforderlichen Unterschriften für das «Carnet de Passage» zu erhalten, alles rund und nach ca. zwei Stunden haben wir die beiden Grenzübertritte hinter uns. In «Kalba», der ersten Stadt im Emirat «Fujairah», beschaffen wir eine Simkarte und Bargeld. Die Währung heisst nun nicht mehr Omani Rial (RO) sondern Arab Emirates Dirham (AED).

Wie «Musandam», der äusserste Zipfel von Oman, liegen die Emirate Fujairah und «Ras al-Khaimah» am östlichen Ende der arabischen Halbinsel. Entsprechend zieht sich der uns von Oman her bekannte Gebirgszug auch durch diese beiden Emirate. Im Gebirge von Ras al-Khaimah liegt der «Jabal Jais», der höchste Berg der UAE. Die Anstrengungen diesen Gipfel zu erklimmen, halten sich in Grenzen, da eine nagelneue Schnellstrasse durch das 40 Kilometer lange Wadi bis zuoberst auf den 1820 m hohen Berg führt. Die Fahrt hinauf und wieder zurück auf Meereshöhe nimmt mehr Zeit in Anspruch als angenommen. So ist die Sonne bereits untergegangen, als wir unseren Übernachtungsplatz am Strand von «Hamriyah», das schon im Emirat «Sharjah» liegt, erreichen.

Nach einer kurzen, ruhigen Nacht durchqueren wir auf einer 12-spurigen Autobahn das mondän in der Vormittagssonne glänzende «Dubai». Wir verzichten auf einen Halt in der Stadt und beschliessen, an der Küste bei «Jebel Ali» Pause zu machen. Nach einem feinen Mittagessen zieht es uns noch am gleichen Nachmittag weiter ins Emirat «Abu Dhabi», wo wir ein paar Tage bleiben werden.

Abu Dhabi ist mit Abstand das grösste der sieben Arabischen Emirate. Die Hauptstadt Abu Dhabi City ist eine moderne, blitzsaubere Grossstadt mit den obligaten Hochhäusern. Die wunderschöne Corniche (Strandpromenade) mit Restaurants, Spielplätzen, Spazierwegen und öffentlichen Stränden führt über zig Kilometer der Küste entlang. Daneben bietet die Stadt bedeutende Sehenswürdigkeiten, zu denen die weisse Moschee bzw. die «Sheikh Zayed Grand Mosque» und der «Louvre» von Abu Dhabi gehören. Zudem trifft Markus hier einige ehemalige BerufskollegInnen. Abu Dhabi zeigt sich von seiner besten Seite und wir erleben spannende Tage und anregende Stunden in angenehmer Gesellschaft.

In Abu Dhabi bleiben wir fünf Tage und vier Nächte. Eine dieser Nächte verbringen wir im Garten eines ehemaligen Kollegen von Markus. Begeistert und fast etwas neidisch bewundern wir Mangobäume, Dattelpalmen, Granatapfel-, Orangen- und Zitronenbäume und Passionsfrüchte, die unter vielem anderen in diesem privaten kleinen Paradies gedeihen.

Die folgende Nacht schlafen wir an der Corniche mitten in Abu Dhabi City und geniessen den freien Blick auf die Skyline. Fast einen ganzen Tag verbringen wir im «Louvre» von Abu Dhabi. Dieses vom Stararchitekten Jean Nouvel entworfene Museum überrascht mit einem aussergewöhnlichen Konzept. In themenbezogenen Galerien werden Exponate verschiedener Kulturen parallel auf einer Zeitachse angeordnet ausgestellt. So können kulturelle Errungenschaften, gesellschaftliche Entwicklungsschritte, Besonderheiten, Merkmale und Ergebnisse künstlerischen Schaffens in unterschiedlichen Kulturen unmittelbar miteinander verglichen und in der Geschichte verortet werden.

Ein Höhepunkt einer jeden Reise nach Abu Dhabi ist sicher der Besuch der «Sheikh Zayed Grand Mosque». Diese schneeweisse und über die Dauer von elf Jahre erbaute Moschee gilt als schönste weltweit. Auf jeden Fall wird sie mehreren Superlativen gerecht. Pracht und Prunk, Eleganz und gewählte Materialien, Grösse und Ausbau sowie Erstellungs- und Unterhaltskosten gehören sicherlich in diese Kategorie. Die Moschee ist mittlerweile zu einem touristischen Hotspot avanciert, der täglich von einer Vielzahl von Gläubigen und TouristInnen aus aller Welt besucht wird.

Mit einem Besuch von «Masdar City», dem ersten Teil einer auf dem Reissbrett geplanten Stadt, die autark und unabhängig von fossilen Brennstoffen funktionieren soll, beschliessen wir unseren Aufenthalt in Abu Dhabi City. Ein paar Autostunden später erreichen wir «Al Mirfa», wo wir ein letztes Mal in den UAE übernachten. Am nächsten Tag stehen die Grenzübertritte von UAE nach Saudi-Arabien an.

Oman – der Osten

25.01. – 06.02.2023

Oman ist überraschend gebirgig. Von der Grenze zu Jemen bis nach «Musandam», wo er den östlichen Abschluss der arabischen Halbinsel bildet, zieht sich ein Gebirgszug der Küste entlang durch das ganze Land. Die höchsten Gipfel Omans sind knapp 3000 Meter hoch und das Wasser hat über Jahrtausende eine Vielzahl an spektakulären Schluchten geschaffen. Ein Teil der Täler verfügt das ganze Jahr über Wasser, das sich in Pools und kleinen Seen sammelt und zum Baden einlädt. Bei starkem Regen können sich diese beschaulich friedlichen Wasserlandschaften jedoch innert kürzester Zeit in reissende Flüsse verwandeln. Aufgrund des ganzjährig ausreichend vorhandenen Wassers sind diese Täler sehr fruchtbar. Entsprechend werden sie landwirtschaftlich genutzt und Palmenhaine sind allgegenwärtig. Diese Wadis sind meist mit dem Auto erreichbar. Vielfach sind die Strassen jedoch nicht asphaltiert und Fahrzeuge mit Allradantrieb sind unumgänglich. Allerdings ist «Mann» hier statt mit dem Subaru mit dem Toyota oder Nissan unterwegs. Es lohnt sich, die landschaftlich meist wunderschönen Täler wandernd zu erkunden. Dabei lässt sich erleben, was die landwirtschaftliche Nutzung der oft steilen und steinigen Hänge für die hiesigen Bauern bedeutet.

Die Verbindungsstrassen zwischen den Tälern und deren Oasen-Dörfern führen über Pässe und entlang von Bergflanken wieder zurück ins Tal, um sich auf der gegenüberliegenden Seite wieder hochzuwinden. Die Strassenverhältnisse sind anspruchsvoll, da kreuzen unterwegs oft nicht möglich ist und die engen Pisten Steigungen und Talfahrten aufweisen, die uns immer wieder staunen und ab und an auch zögern lassen.

Unsere Fahrt ins Gebirge beginnt mit dem Aufstocken unserer Vorräte, damit wir uns abseits von Dörfern selber versorgen können. Dann machen wir uns auf zur Hochebene bei «Yenkut» um zur «Butterfly View» zu wandern. Den Weg zu diesem besonderen Aussichtspunkt finden wir allerdings nicht auf Anhieb. Die Aussicht auf die Weite des Meeres und dessen Seitenarme, die wie kleine Fjorde in die Hochebene hineinreichen und dann die eindrückliche Sicht auf den «Schmetterling», wiegen die zusätzlichen Kilometer für die Wegsuche, mehr als auf. Als zusätzliches Plus brilliert auch unser Übernachtungsplatz mit einer grossartigen Aussicht und mit absoluter Ruhe, was wir nach dem lebhaften Muscat sehr schätzen.

Als nächstes Ziel streben wir den Besuch des Forts in der Oasenstadt «Nakhal» an. Allerdings müssen wir feststellen, dass das imposante, ursprünglich aus dem 7. Jahrhundert stammende, von verschiedenen Herrschern erweiterte und in den 1990er Jahren restaurierte Bollwerk, zurzeit wegen Renovationsarbeiten geschlossen ist.

Dadurch bleibt uns mehr Zeit für den Besuch des auf ca. 1600 m gelegenen Dorfes «Wakan». Wakan ist eines jener alten, gut erhaltenen Dörfer Omans, die mit Unterstützung des Staates renoviert wurden und als nationales Kulturerbe (Heritage Villages) erhalten werden. Der Ort wird nach wie vor landwirtschaftlich genutzt und stellt die Lebensgrundlage mehrerer Familien dar. Das benötigte Wasser wird aus den Bergen über Bewässerungskanäle (Aflaj) in die Häuser und auf die terrassierten Felder geleitet. Angebaut werden Früchte (Aprikosen, Granatäpfel, Trauben, Datteln etc.) und diverse Gemüse, Getreide, Mais, Kräuter. Auf den neu angelegten Wegen, die durch die Terrassen hoch über das Dorf führen, lassen sich Wakan und seine nähere Umgebung bequem erkunden.

Eine enge Fahrt durch die verwinkelten Oasengärten der Stadt «Ar Rustaq» führt uns zum dortigen Fort. Leider ist auch dieses wegen Unterhaltsarbeiten geschlossen. Also fahren wir direkt weiter ins Wadi «Sahtan». In diesem weitläufigen Tal finden wir einen einsamen Platz für eine unerwartet regnerische und kühle Nacht. Morgens machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg durch einen Teil des «Hadjar» Gebirges. Erstes Tagesziel ist das Heritage Village «Balad Sayt». Von da wollen wir weiter auf den Pass beim «Jabal Hat», um dort den Sonnenuntergang zu geniessen und zu übernachten. Die Route erweist sich als anspruchsvolle Off-Road-Piste, die unsere volle Konzentration verlangt. Ab und zu sind die Ausblicke auf Bergketten und vor allem die Tiefblicke in Schluchten und Täler im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend. So ist der Spaziergang durch die Palmengärten und den Dorfkern von Balad Sayt mit etwas Kraxeln im Ausläufer des «Little Snake Canyons» eine willkommene Abwechslung. Allerdings überzieht sich der Himmel unterdessen mit Regenwolken und nachdem wir ein paar Kilometer weitergefahren sind, beginnt es auf ca. 1600 m leicht zu regnen. Innert Kürze verwandelt sich die Piste in eine schmierig schlammige Rutschbahn. Nach einer Rückwärts-Rutschpartie und der Annahme, dass der Sonnenuntergang auf dem Pass (auch) dem Regen zum Opfer fällt, beschliessen wir, auf dieser Seite des Passes zu übernachten. Nach kurzer Suche entdecken wir in der Nähe der Strasse einen geeigneten Platz. Am nächsten Morgen schlafen wir aus und lassen der Sonne während eines ausgedehenten Frühstücks genügend Zeit, die Restwolken zu vertreiben und die Piste zu trocknen. Gespannt starten wir dann in die letzten Steigungen auf den Pass. Diese schaffen wir nun ohne Schwierigkeiten und nach zwanzig Minuten bewundern wir auf 2000 Metern Höhe bei einem Kaffee und den mittlerweile üblichen Datteln ein fantastisches Panorama. Entspannt fahren wir danach ins Tal und durch die Oasenstadt «Al Hamra» weiter Richtung «Jabal Shams», dem mit 2970 m höchsten Berg Omans.

Im Vorfeld dieses Unterfangens hören wir, dass am Jabal Shams vor zwei Tagen Schnee gefallen ist. Dies habe Unzählige veranlasst auf den Berg zu fahren, um das Naturwunder mitzuerleben. In der Folge habe es ein Verkehrschaos mit vielen Unfällen gegeben und die Strasse sei gesperrt worden. Tatsächlich werden wir am Anfang der Bergstrecke von der Polizei aufgehalten. Diese erkundigt sich nach unserer Hotelbuchung. Da wir keine vorweisen können, werden wir aufgefordert umzukehren. Nachdem wir erläutern, dass wir unser Hotel dabeihaben und deutlich machen können, dass unser Auto gebirgstauglich ist, dürfen wir passieren. Wie gewohnt führt die Strasse ohne überflüssige Kurven den Berg hoch, wo sie auf ca. 1600 Metern in eine Piste übergeht. Vom Schnee ist nichts mehr zu sehen und ohne Herausforderungen erreichen wir unser Ziel am Rand des «Grand Canyon of Oman» auf 2000 m. Das Klima ist super und die nächtlichen Temperaturen von etwa 10 Grad lassen heimatliche Gefühle aufkommen.

Am kommenden Morgen wandern wir auf dem «Balcony Walk» entlang von Felsbändern des Canyons zur Quelle des Wassers, das durch das «Wadi Guhl» und weiter in die Oasengärten von Al Hamra fliesst. Wir bewundern die imposante Landschaft und den spektakulären Blick auf das rund 1200 Meter tiefer liegende Dorf «Guhl» mit dem Wasser, das diese grossartige Gegend geschaffen hat.

Nach rund fünf Stunden sind wir zurück am Ausgangspunkt. Am Rand des Canyons machen wir nochmals Pause, um die einmalige Aussicht zu verinnerlichen. Unterwegs nach «Nizwa» stellen wir unser Auto knapp vor Sonnenuntergang ein paar hundert Meter neben der Strasse auf einen zum Übernachten geeigneten Platz. Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir vom Farmer, der in der Nähe seinen Hof bewirtschaftet, zum Kaffee eingeladen. Nach etwa fünf Wiederholungen nehmen wir die Einladung schliesslich an. Neben Kaffee, Tee und Datteln erhalten wir eine Führung durch die Felder (Getreide, Dattelpalmen, Mais, Kräuter, Gras etc.) und zu den Tierherden (Schafe, Ziegen, Kamele). Die Farm wird von unserem Gastgeber und seinem Bruder bewirtschaftet, die mit ihren Familien auf dem gemeinsamen Grundstück wohnen. Bei Dunkelheit suchen wir später wohlversorgt mit Datteln unseren Weg zurück zum Auto. Als wir am Morgen aussteigen, um unser Auto zur Weiterfahrt bereit zu machen, werden wir vom Bruder des gestrigen Gastgebers und seinen Kindern erwartet und zum Frühstück eingeladen. Auch diesmal wäre ablehnen unhöflich, ja sogar eine Beleidigung. So finden wir uns kurze Zeit später im Garten von Abdulla und seiner Familie wieder und werden mit einem fürstlichen Frühstück verwöhnt. Gute zwei Stunden später brechen wir auf, gestärkt und versorgt mit Proviant und kleinen Geschenken von den Kindern in den Taschen. Wieder sind wir tief beeindruckt von der Freundlichkeit und grosszügigen Gastfreundschaft der omanischen Bevölkerung.

Weitere Zwischenhalte auf unserer Tour durch den Nordosten Omans sind das Fort von «Bahla» (UNESCO Weltkulturerbe seit 1987), das Schloss von «Jabreen» sowie das Oasendorf «Misfat Abriyeen». Verbunden mit einer Übernachtung im «Wadi Damm» besuchen wir ausserdem die «Bienenkorb-Gräber» bzw. «Navami» von «Al Ain». Dabei handelt es sich um ein aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. stammendes Gräberfeld mit 21 Einzelgräbern. Zusammen mit den Bienenkorb-Gräbern von «Bat» wurden sie 1988 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt.

Zum Abschluss unserer Tage im Osten Omans, zieht es uns nochmals in die Höhe. Diesmal fahren wir nordöstlich von Nizwa in die «Hadjar Mountains», wo wir am Rand einer imposanten Schlucht die Ruhe, die Abgeschiedenheit und den Sonnenuntergang auf uns wirken lassen. Am andern Morgen sind wir beizeiten unterwegs, da wir vor unserer Fahrt zurück nach Muscat den Souk in Nizwa besuchen wollen. Um viele bleibende Erinnerungen reicher, verabschieden wir uns nach einem gemütlichen Rundgang durch die Läden mit allerlei Souveniers, lokalem Handwerk und Räucherzubeör von diesem Teil Omans. Zurück in Muscat übernachten wir am Strand, wo die Vorbereitungen für den «Ironman Oman» auf Hochtouren laufen und holen am nächsten Morgen auf der iranischen Botschaft die Visa für unsere Rückreise durch den Iran ab.

Zunehmend macht sich die Rückreise in die Schweiz in unserem Alltag bemerkbar. Ein Zeichen dafür ist, dass die Richtung unserer Reise nun unverkennbar nordwärts führt. So auch die Strecke von Muscat entlang der Küste an die Grenze der «United Arab Emirates». Für diese Fahrt und auch für unsere letzten Tage und Übernachtungen in Oman, lassen wir uns etwas Zeit.

Ein von uns ausgewählter Übernachtungsplatz auf dieser Fahrt ist aufgrund eines Festes gesperrt. Neugierig geworden, stellen wir unser Auto auf den Parkplatz des Anlasses. Bald erfahren wir, dass hier für vier Wochen die Kultur und die traditionellen Berufe des Fischfangs und des Fischhandels gefeiert werden. Immer wieder werden wir willkommen geheissen und können traditionelle musikalische Darbietungen und Bootswettbewerbe miterleben. Nochmals lassen wir uns von der Offenheit, Lebensfreude und Spontaneität dieses Volkes gefangen nehmen.

Oman – der Süden

09.01. – 24.01.2023

Von Samhuram nach Muscat

Beim Schreiben unseres letzten Beitrages befanden wir uns am Sandstrand von Salalah der südlichsten Stadt von Oman. In der Zwischenzeit sind wir ca. 1800 Kilometer Richtung Norden gefahren und befinden uns nun mitten in «Muscat» der quirligen Hauptstadt dieses äusserst abwechslungsreichen Landes. Hier verbringen wir zwei Nächte im Hotel, um wieder einmal etwas offenere Wohndimensionen zu erleben. Ausserdem erhält Churi einen Service, der nach den rund 12’200 gefahrenen Kilometern und den zum Teil recht anspruchsvollen Fahrten definitiv erforderlich ist.

Auf dem Weg von Salalah nach Muscat übernachten wir insgesamt vierzehn Mal. Wir machen mehrere Abstecher in Fischerdörfer und Wadis, besuchen die Städte «Duqm» und «Sur» sowie an der Route liegende Sehenswürdigkeiten. Je nach Gegebenheit stellen wir unser Auto am Strand, in einem Wadi, in der Wüste oder auch mitten in einer Stadt.

Die Küstenstrasse von Salalah nach Muscat führt uns vorbei an strahlend weissen Sand- oder bunten Kiesel- und Muschelstränden, an verblüffenden Felsformationen und entlang direkt ins Meer abfallender Steilküsten. Wir überqueren Hochebenen und kommen an tiefen vom Wasser erodierten Schluchten vorbei, die weit in der Ferne ins Meer auslaufen. Mehrmals queren wir das Küstengebirge, das durch Täler mit fruchtbaren Oasen und versteckten kleinen Gebirgsdörfern, weiten Salzebenen und kleineren und grösseren Wüsten wie der «Sugar Dunes» oder der «Ramlat al Wahiba», die bis ans Meer reichen, unterbrochen wird. Das Gestein des Küstengebirges überrascht mit Farbtönen von weiss über gelb, leuchtend orange und rot bis hin zu violett. Dazu gibts immer wieder unerwartete Aus- und Tiefblicke und die auf der arabischen Halbinsel üblichen extremen Steigungen mit den entsprechenden Talfahrten.

Nach ca. 700 Kilometern machen wir Halt in der ehemaligen Seehandelsstadt Duqm. Hier verlängern wir auf dem lokalen Polizeiposten unser Visum, besuchen den Fischereihafen und den «Rockgarden», bei dem es sich tatsächlich um einen Stein-Garten handelt. Dieser befindet sich auf einem 3 km2 grossen geschützten Gelände, auf dem auf engstem Raum eine verblüffend hohe Anzahl geologisch bedeutender Felsformationen entdeckt wurden. Hier verbringen wir ein paar entspannte Stunden und treffen laufend neue verblüffende Formen an, die bei Änderung der Perspektive eine komplett neue Gestalt annehmen..

Die Sugar Dunes (Zuckersand-Dünen) südlich von «Khaluf» sind unser nächstes Ziel. Diese sind ein kleines Wüstensystem von dessen äusserst feinem und reinweissem Sand die Dünen ihren Namen erhalten haben. Der Sand ist so fein, dass er in jede noch so kleine Ritze gelangt. Das Aufstellen oder verschieben von Gegenständen im Wohnmobil ist immer mit einem leichten Knirschen verbunden und egal, was man isst, alles fühlt sich leicht knusprig an.

«Khaluf» ist eines von vielen Fischerdörfern entlang der omanischen Küste, an der ein Grossteil der Bevölkerung vom Fischfang lebt. In diesem und anderen Dörfern treffen wir auf Unmengen von herumliegendem Plastik und anderem Müll, der zu einem grossen Teil aus liegen gelassenem Fischereibedarf, aus alten Booten, Netzten oder aus Baumüll und achtlos weggeworfenem Alltagsabfall besteht. Auch die Strände, die wir unterwegs aufsuchen, sind teils stark «vermüllt». So wird es zu einem eigentlichen Ritual den Platz, den wir uns zum Übernachten ausgewählt haben, zuerst vom Müll zu befreien und diesen anderntags in einem Abfallcontainer zu entsorgen.

Allerdings lässt sich feststellen, dass sich das Land bemüht, sein Abfallproblem in den Griff zu bekommen. So sehen wir wiederholt grün uniformierte Arbeiterkolonnen, die Abfall einsammeln und die Kehrrichtabfur ist regelmässig unterwegs. Manchmal ist auch eine diesbezügliche Sensibilität in der Bevölkerung erkennbar. Je weiter wir nach Norden kommen, desto sauberer werden die Strände. Auch sonst liegt weniger Müll herum und die Hauptstadt Muscat präsentiert sich als ausgesprochen saubere Stadt. Auch in den Bergen und auf dem Land, vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten, scheint das Problem kleiner.

Oman ist eines der wenigen Länder weltweit, an dessen Küsten Meeresschildkröten ihre Eier ablegen. Wir besuchen das «Turtle Reserve» (Meeres-Schildkröten Naturschutzgebiet) «Ras Al Jinz» und decken uns im dazugehörigen Museum mit Informationen über diese beeindruckenden Tiere ein. Von den sieben bekannten Arten, sind fünf an Omans Stränden anzutreffen. Sie legen ihre Eier verteilt über das Jahr ab. Dabei teilen sie die geeigneten Monate und Strände instinktiv unter sich auf, damit nicht alle Arten gleichzeitig am gleichen Ort ihre Eier ablegen. Sobald die jungen Schildkröten geschlüpft sind, machen sie sich auf den Weg ins Meer. Ein Grossteil der Jungtiere schafft es allerdings nicht ins Wasser, da verschiedene Raubvögel schon auf sie warten. Auch im Meer sind sie nicht sicher, da sie eine willkommene Abwechslung auf der Speisekarte von Krabben und Raubfischen darstellen. Daher erreicht nur ca. eine von 1000 geschlüpften Meeresschildkröten mit ca. 20 bis 30 Jahren die Geschlechtsreife. Die weiblichen Tiere kehren dann an den Strand zurück, an dem sie geboren wurden, um dort nachts ihre Eier abzulegen. Die männlichen Tiere kehren nie an ihren Geburtsort zurück.

Der grösste Feind der Meeresschildkröten ist allerdings der Mensch. Mit seinen Fischfangmethoden und der «Vermüllung» der Meere gefährdet er das Überleben dieser faszinierenden Tierart. So gehört die Meeresschildkröte heute zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Da uns bekannt ist, dass Meeresschildkröten bei der Eiablage äusserst empfindlich auf Störungen reagieren, verzichten wir auf eine geführte Tour in der kommenden Nacht. Als Kompensation buchen wir am Strand eine Bootstour zur Beobachtung von Delfinen. Am kommenden Morgen stellt sich heraus, dass allein schon die Fahrt im kleinen Fischerboot über das recht ruppige Meer ein bleibendes Erlebnis ist. Als Zugabe können wir dann auch noch eine ganze Schule von Delfinen bei der Jagd und beim Spiel beobachten.

Am späteren Nachmittag des gleichen Tages starten wir bei der Ortschaft «Mintirib» auf einen weiteren Ausflug in die Wüste. Zwei Mal übernachten wir in der Wahiba Sands und können nochmals die Schönheit der Dünen und die Stille und Weite der Wüste erleben.

Nach den Tagen in der Wüste fahren wir ins Wadi «Bani Khalid». Dieses Tal führt das ganze Jahr über Wasser und ist ein beliebtes Auflugsziel für die lokale Bevölkerung wie auch für ausländische Touristen. So ist es nicht verwunderlich, dass wir auf dem Parkplatz, an dem die Strasse endet, diverse andere «Overlander» antreffen. Eine kurze Wanderung führt uns tiefer ins Wadi hinein. Der Weg führt durch weisses Gestein in dessen vom Wasser ausgewaschenen Pools gebadet werden kann. Allerdings sind auch hier die omanischen Kleidervorschriften einzuhalten.

Anderntags machen wir uns zeitig auf den Weg, denn bevor wir weiter Richtung Muscat fahren, wollen wir in «Jalaan Bani Bu Ali» die «Hamouda Al-Masjid» Moschee besichtigen. Der Weg dorthin nimmt einiges an navigatorischem Können in Anspruch und dauert daher etwas länger als erwartet. Das alte Fort und die ca. 500 Jahre alte Moschee mit ihren 52 Kuppeln und der einzigartigen geometrischen Architektur sind die Mühen der Anfahrt durchaus wert, obwohl die Moschee ausschliesslich für Muslime zugänglich ist.

Auf der Weiterfahrt in die Hauptstadt entscheiden wir uns spontan ins Wadi «Al Arabiyin» zu fahren und dort zu übernachten. In bekannter Manier steigt die asphaltierte Strasse an, um nach ein paar Kilometern in eine Piste überzugehen. Auf dieser geht’s dann rauf und runter, durch enge Täler mit Oasendörfern, entlang von Berghängen und über kleine Pässe bis sie schliesslich auf einem Parkplatz vor einer Bachdurchquerung endet. Überrascht stellen wir fest, dass der Parkplatz mit unzähligen Autos vollgestellt ist. Wir stellen unseren Churi hinten an, da wenden nicht mehr möglich ist. Auf einem Platz auf der anderen Seite des Baches sehen wir eine Schar teils bewaffneter Männer, die zum Rhythmus von Trommeln tanzen und singen. Dieses Geschehen wird von Zeit zu Zeit von Schüssen begleitet. Fasziniert beobachten wir das Ganze für ein paar Minuten und schon werden wir von einem Omani eingeladen näher zu kommen. Er erklärt uns, dass sich die Leute hier zu einer Feier zusammengefunden hätten. Solche Treffen, die auf Einladung stattfinden, hätten in Oman eine lange Tradition. Es stellt sich heraus, dass wir vom Gastgeber angesprochen wurden, der uns dann auch zum Nachtessen und zum Übernachten einlädt. Wir erleben einen eindrucksvollen und authenischen Abend, den wir inmitten von ca. drei hundert Männern verschiedensten Alters und einigen Kindern verbringen. Das von einem Caterer angelieferte Nachtessen wird gemäss omanischem Brauch auf einer Bastmatte sitzend und ohne Besteck eingenommen. Wir erhalten eine kurze Einführung und geniessen dann das feine omanische Essen. Danach verabschieden wir uns von unserem Gastgeber und gehen zu unserem Auto, das inzwischen etwas mehr Platz erhalten hat, da einige Fahrzeuge umgestellt wurden. Während der Nacht wird in einer kleinen Gruppe in unterschiedlicher Zusammensetzung weiter musiziert. So können wir einem qualitativen hochstehenden Konzert mit traditionellem arabischem Gesang und entsprechender Begeleitmusik beiwohnen, das bis in die frühen Morgenstunden andauert.

Bei Sonnenaufgang sind wir die einzigen auf dem Parkplatz. Wir laufen und kraxeln noch ein paar Kilometer weiter ins Wadi hinein und gegen Mittag verlassen wir den wunderschönen Ort mit ebensolchen Erinnerungen an die herzliche Gastfreundschaft und die Offenheit der omanischen Bevölkerung.

In der Hauptstadt Muscat mit ca. 1,5 Millionen EinwohnerInnen angekommen, fahren wir umgehend zur Mercedes-Vertretung, um unser Auto an die Werkstatt zu übergeben. Vom zuständigen Manager werden wir anschliessend in die benachbarte Stadt «Mutrah» gefahren, wo wir den Souk besuchen wollen. Da es noch recht früh am Morgen ist, zeigt uns Michael den Einstieg in eine kurze Wanderung ins Gebirge, das direkt hinter Mutrah beginnt. Kurzerhand packen wir diese Gelegenheit für etwas Bewegung. Es wird eine unerwartet eindrückliche Wanderung, auf der wir uns nach wenigen Minuten mitten in den Bergen und kilometerweit von der nächsten Siedlung entfernt wähnen. Nach etwa einer Stunde und einem kurzen Aufstieg aus dem Wadi «Khalfan» sind wir zurück in Mutrah, wo die letzten Meter der Wanderung uns quasi direkt in den Souk führen.

Während der nächsten paar Stunden schlendern wir durch den Souk, wo wir die bunten Farben der Stoffe, die Gerüche der Gewürze, den Duft verschiedenster Parfums und Räucher-Zutaten («Bochur») und vor allem des Weihrauchs («Luban»), sowie das angeregte Stimmengewirr von eifrigen Verkäufern und deren Kundschaft geniessen. Nach einem omanischen Mittagessen in einem lokalen Restaurant fahren wir per Taxi in unser Hotel. Wir freuen uns auf zwei Nächte in einem Hotelzimmer mit Bad und Dusche und kommen uns nach den sonst üblichen 8 m2 Wohnraum prompt etwas verloren vor …

Die Tage in Muscat vergehen wie im Flug. Sie sind ausgefüllt mit gemütlichem Frühstücken auf dem schattigen Gartensitzplatz des Hotels, mit dem Besuch von Sehenswürdigkeiten und Spaziergängen an der Strandpromenade von Muscat und der angrenzenden Stadt Mutrah und mit Waschen unserer Kleider in der hoteleigenen Gäste-Waschküche.

Am dritten Tag unseres Aufenthaltes in Muscat können wir unseren fahrbaren Untersatz abholen und umgehend starten wir auf unsere achttägige Reise in und durch die Berge des «Al Hajar»-Gebirges. Diese Fahrt beschert uns äusserst spannende und erlebnisreiche Tage mit Off-Road-Fahrten, die für uns und unser Auto neue Herausforderungen bereithalten wird.

Einschub Weihrauch
Das seltene Harz hat den Ländern bzw. deren Herrschern im südlichen Arabien in vergangenen Zeiten Macht und unermesslichen Reichtum eingebracht. Aus diesem Grund erhielt die Gegend auch den Beinamen «Arabia Felix», was übersetzt «glückliches Arabien» bedeutet. Mittels Kamelkarawanen wurde das kostbare Gut auf der legendären Weihrauchstrasse, die von Oman über den Jemen, parallel zur Küste des Roten Meeres durch Saudi-Arabien vorbei an den heiligen Städten Mekka und Medina ins jordanische Petra und dann weiter ins Heilige Land (Gaza) und nach Alexandria in Ägypten führte. Eine weitere Route führte auf die andere Seite der Arabischen Halbinsel nach Osten bis nach Mesopotamien (heutiger Irak). In etwas späteren Zeiten wurde das kostbare Gut auch auf dem Seeweg nach Ägypten, Europa und in den fernen Osten transportiert.

In Oman gedeiht der Weihrauchbaum (Boswellia sacra) ausschliesslich im Dhofar, dem südlichsten Teil des Landes. Ausserhalb von Oman wächst er in Jemen, in Teilen von Ostafrika (Boswellia carterii bzw. Boswellia papyrifera) sowie in Teilen von Indien und Pakistan (Boswellia serrata). Er benötigt kalkhaltige Böden und die trockenen und heissen Verhältnisse von höher gelegenen Steinwüsten ähnlichen Gegenden.

Der in Oman gewonnene Weihrauch wird in verschiedenen Qualitäten angeboten. Die beste Qualität kommt aus dem Wadi «Hojar», das im östlichen Dhofar liegt. Andererseits ist der Weihrauch, der direkt um Salalah herum gewonnen wird, von schlechterer Qualität, da die Luftfeuchtigkeit dort relativ hoch ist.

In Oman wird Weihrauch im Frühjahr bis zu Beginn des Sommers geerntet, wenn im Dhofar der Monsunregen beginnt. Zur Gewinnung von Weihrauch, wird die Rinde des Stammes und dickerer Äste mit einem speziellen Messer waagrecht eingeritzt. Das erste austretende Harz wird weggeworfen. Die zweite und dritte Ernte ergibt dann das zum Verkauf bestimmte Produkt. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Bäume wird vom gleichen Baum maximal drei Jahre hintereinander Harz gewonnen. Danach erhält der Baum eine dreijährige Pause, damit er sich erholen kann.

Die besten Qualitäten des Weihrauchs werden auch als Heilmittel verwendet. Die Heilkraft von Weihrauch wird als vielfältig beschrieben. Die minderen Qualitäten werden zum Räuchern gebraucht. Dabei vertreibt er unbeliebte Gerüche und hält Wäsche und Kleider frisch. Ein nicht wegzudenkender Bestandteil ist Weihrauch nach wie vor in Ritualen der katholischen Kirche.

Obwohl Weihrauch nicht mehr die Bedeutung hat wie vor Jahrhunderten, stellen Weihrauchbäume in Oman auch heutzutage noch einen wertvollen Besitz dar. Allerdings beschränkt sich die Produktion von Weihrauch hauptsächlich auf jene Menge, die im eigenen Land benötigt wird.

Oman – der Westen

Oman – der Westen

22.12.2022. – 08.01.2023

Kurze Rückblende: Bei unserer letzten Übernachtung in Saudi-Arabien treffen wir eine Reisegruppe, die plant ein paar Tage durch den omanischen Teil der «Rub al-Khali» zu fahren. Wir sind begeistert von einem solchen Vorhaben. Da für ein derartiges Unterfangen aus Sicherheitsgründen mindestens zwei 4 x 4 Fahrzeuge zusammen unterwegs sein sollten, nimmt Markus mit René Schmid Kontakt auf. René ist ein Schweizer, der seit Jahren mit seinem Heim auf Rädern und seinen zwei vierbeinigen Begleiterinnen die Welt bereist. Getroffen haben wir ihn und Sandra, sowie ein weiteres Paar aus der Schweiz auf dem Stellplatz in Riyadh und dann wieder am Camel Festival. Zurzeit sind sie etwa zwei Tage hinter uns auf der gleichen Strecke unterwegs wie wir. Bald meldet René zurück, dass er und Sandra und auch das andere Paar gerne bei einer Rub Al-Khali-Fahrt mitmachen.

Mittlerweile haben wir die Grenze überquert und befinden uns auf der Fahrt nach «Ibri», der ersten grösseren Stadt in Oman. Wir besorgen uns eine Sim-Karte und Bargeld. Danach suchen wir unseren ersten Übernachtungsplatz in diesem Land. Diesen finden wir auf dem Parkplatz beim «Ibri Castle». In dessen unmittelbarer Nähe jeweils am Freitagmorgen (Sonntagmorgen in Oman) ein Kleinviehmarkt stattfindet, den wir anderntags besuchen wollen.

Wir verbringen eine ruhige Nacht und stellen um 06.30 Uhr fest, dass sich der grosse Parkplatz bis auf den letzten Platz gefüllt hat, während wir noch friedlich schliefen. Wir beeilen uns mit dem Frühstück und gehen zur überdachten Markhalle. Dort herrscht schon emsiges Treiben und die meisten der zum Verkauf bestimmten Schafe und Ziegen scheinen schon vor Ort zu sein. Die Halle füllt sich mit Männern und einigen wenigen Frauen, die sich in einer Ecke der Halle eingefunden haben. Die Stimmung ist angeregt und offensichtlich kennt man sich. Wir sind die einzigen Fremdlinge und werden als solche respektiert. Wie auf Kommando beginnen die Verkäufer mit erhobener Stimme ihre Tiere anzupreisen. Dabei werden diese im Kreis durch die Menschenmenge geführt, in der sich wie von selbst eine ovale Gasse gebildet hat. Die Lautstärke steigert sich kontinuierlich, bis es unmöglich ist, sich mit Worten zu verständigen. Daher werden Geschäfte häufig mittels Zeichensprache abgeschlossen. Die Frauen sitzen in der ersten Reihe am Boden und beteiligen sich aktiv am Geschehen. Hautnah können wir eine lebendige omanische Tradition miterleben, die in unserer hochtechnisierten Welt etwas unwirklich anmutet. Wir lassen uns gefangen nehmen von der Natürlichkeit des Geschehens. Nach ungefähr einer Stunde reduziert sich der Lärmpegel so spontan, wie er sich gesteigert hat. Nach einer weiteren Stunde ist das Ganze vorbei und der Parkplatz wieder so leer wie am Abend zuvor.

Inzwischen ist es der 23. Dezember. Von Weihnachten spüren wir ausserhalb unseres WoMos nichts. Wir kaufen Vorräte und füllen an der nahen Moschee Wasser auf. Etwas später fahren wir auf den «Hausberg» von Ibri, wo wir eine uneingeschränkte Sicht über die Stadt geniessen können. Auf dem Hügel befindet sich in drei riesigen Reservoirs der Trinkwasservorrat von Ibri. Von hier aus wird das Quellwasser, das aus den nahen Bergen hergeleitet wird, in die ganze Stadt verteilt. Bei unserer Ankunft werden wir von der Wache begrüsst und erhalten die Erlaubnis die Nacht auf dem weiten Platz vor dem Eingangstor zu verbringen. Der diensthabende Manager führt uns wenig später sichtlich stolz durch die fast nagelneue Anlage. Dann werden wir noch mit Wasser versorgt und zum Tee eingeladen. Diese Einladung lehnen wir allerdings dankend ab, da es mittlerweile Zeit ist, das Nachtessen zu kochen.

Anderntags verschieben wir uns in die Halbwüste ausserhalb von Ibri, wo waschen und haushalten angesagt ist. Nach einem einfachen Nachtessen verbringen wir einen ruhigen und besinnlichen Heiligabend an einem kleinen Feuer – wie die Hirten auf dem Felde. Engel hingegen besuchen uns leider keine …

Am nächsten Tag füllen wir Wasser nach, tanken bis oben voll und laden zusätzliche 60 Liter Diesel in Kanistern ein. Dann machen wir uns auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Alles klappt und am gleichen Nachmittag starten wir zu sechst mit drei Fahrzeugen auf unsere Fahrt in die Rub Al-Khali. Es werden faszinierende, lehrreiche, aber auch herausfordernde Tage, die uns ganz sicher in Erinnerung bleiben werden.

Zum Auftakt holt sich der MAN einen Plattfuss. Nach ca. anderthalb Stunden und hochmotiviertem männlichen Einsatz geht es weiter. Das Wetter ist perfekt. Nie kommt starker Wind auf und während der Nacht wird es angenehm kühl. Die von uns gewählten Übernachtungsplätze liegen jeweils am Fuss von Dünen und sind einer wie der andere einmalig schön.

Die Pisten sind mal tief mit Sand zugeweht. Dann gibt’s waschbrettartige Rüttelpassagen, die das ganze Auto und fast auch unsere Knochen und Zähne klappern lassen. Es folgen Strecken durch Sandkrusten ehemaliger Salzseen, die beim Drüberfahren knistern wie Wunderkerzen und ist der Sandboden neben der Piste mal nicht zu tief, gibt’s wunderschön weiche Schwebefahrten. Wir kommen gut voran. Die Szenerie ist ungeahnt schön und wir können eine faszinierende, uns bisher vollkommen unbekannte Welt erleben.

Am vierten Tag treffen wir mitten in der Wüste auf eine Imkerei. Der Eigentümer erklärt uns, dass während der kurzen Zeit, in der die Wüste blüht, an geeigneten Orten Bienenvölker aufgestellt werden. Die Produktion von Bienenhonig sei im Oman gut etabliert und der Honig werde als Spezialität auf den Souks verkauft. Als Geschenk erhalten wir zwei Gläser Wüstenhonig mit auf den Weg.

Ein paar Stunden später passieren wir eine Gasförderstelle (Kohlenwasserstoff). Da gerade Mittag ist, werden wir vom zuständigen Manager mit einem feinen Essen aus der Kantine überrascht. Wir erhalten noch die Telefonnummer, für den Fall, dass wir Hilfe brauchen (… und Internetempfang haben) sollten.

Am frühen Nachmittag des fünften Tages geht’s dann leider nicht mehr weiter. Nach der Überwindung mehrerer Seitenarme einer Düne verschwindet die Piste, der wir bis dahin gefolgt sind im Sand und soweit das Auge reicht ist kein Anhaltspunkt für ein Weiterkommen auszumachen. Nach einer Erkundungstour zu Fuss und kurzer Beratung im Team geben wir uns geschlagen und kehren um –  und das nur etwa drei Kilometer (… und eine ca. 150 Meter hohe Düne) von unserem Zwischenziel entfernt. Die 80 km lange Fahrt zurück zur letzten Abzweigung nehmen wir zügig unter die Räder, da wir am Silvester in «Salalah» sein wollen. Nach einem weiteren etwas weniger enthusiastischen Radwechsel beim MAN und einer letzten Übernachtung in der Wüste erreichen wir am nächsten Mittag wieder befestigte Strassen.

Wie beabsichtigt treffen wir am frühen Nachmittag des 31. Dezember 2022 in der Küstenstadt Salalah ein. Was für ein Kontrast! Erst noch haben wir in der Wüste inmitten von Dünen übernachtet und nun fahren wir durch eine tropisch anmutende Stadt, deren Strassen gesäumt sind von Kokospalmen, sattgrünen Rasenflächen und blühenden Sträuchern. Wir stellen unsere Fahrzeuge an den Strand und geniessen das erfrischend kühle Wasser und die feuchte Luft.

Als Dank für die Unterstützung bei den Radwechseln werden wir von Martin, dem Besitzer des MAN, zum Nachtessen eingeladen. Mit einem «Frozen Yoghurt» statt einem Glas Champagner heissen wir dann gemeinsam das neue Jahr willkommen.

Salalah ist die zweitgrösste Stadt des Oman. Sie liegt einerseits am Meer und andererseits am Fuss des «Jabal Qara» (1200 m). Salalah profitiert vom «Khareef», einem Monsunregen, der das Gebiet jeweils ab dem Frühsommer mit reichlich Niederschlägen versorgt. Mit Einsetzen des Regens wird das Gebiet für die Sommer- und Herbstmonate zu einem grünen Paradies, das viele Besucher aus der restlichen arabischen Halbinsel anzieht. Die Gebirgshänge und die Hochebenen sind teilweise bewaldet und während den Monaten des Monsuns wächst überall üppiges Gras, das von Rindern, Kamelen, Ziegen und Schafen eifrig verspeist wird. In den Ebenen gedeihen tropische Früchte und im Schatten von Kokospalmen, Bananen- und Papayabäumen werden Gemüse und Kräuter angebaut. Die durchschnittliche Tagestemperatur beträgt rund 29 Grad, während es nachts um 23 Grad warm bleibt.

Am Strand von Salalah lassen wir, wie viele Einheimische auch, die Seele baumeln, beobachten die Vögel in der nahen Lagune und geniessen ab und an einen feinen Kaffee an der nahen Strandpromenade. Nach drei Tagen fahren wir etwa 80 Kilometer Richtung Jemen an den dortigen Strand, der bedeutend ruhiger ist. Die einzigen regelmässigen Besucher sind Kamele, die morgens und abends vorbeikommen. Wir brauchen wieder einmal etwas Bewegung und entscheiden wir uns für den ca. 13 Kilometer langen «Camelhead Trail» entlang des Gebirges Richtung Osten. René und Sandra und ihre beiden Hunde begleiten uns. Es geht rauf und runter und wo die Wadis ins Meer münden, liegen versteckt wunderschöne Buchten. Wir geniessen die Sicht über die Weiten des Meeres und freuen uns an der uns zum grössten Teil unbekannten Flora, in der ab und zu ein Weihrauchbaum («Boswellia sacra») zu entdecken ist.

Da unser 30-Tage-Visum für unseren Aufenthalt in Oman nicht ausreicht, wollen wir dieses gleichentags noch verlängern. Leider ist die dazu erforderliche Polizeistation in Salalah schon geschlossen, weshalb wir uns entschliessen, ins «Wadi Darbat» zu fahren. Die Niederschläge des Monsuns und die Quellen im hinteren Teil dieses Tals speisen einen Wasserlauf, Wasserfälle und kleine Seen. Das frische frei fliessende Wasser ist für die Bevölkerung des Wüstenstaates ein unwiderstehlicher Anziehungspunkt. Leider ist das Tal Opfer touristischer und dank seiner Fruchtbarkeit auch landwirtschaftlicher Übernutzung geworden und hat entsprechend viel seiner Ursprünglichkeit und Attraktivität verloren.

Nach einer Übernachtung am Strand von «Taqah», besuchen wir am nächsten Morgen zeitig die Ruinen der historischen Stadt «Samhuram». Vom 4. Jahrhundert vor bis ins 5. Jahrhundert nach Chr. war Samhuram ein Zentrum des Weihrauchhandels. Allerdings wurde diese Stadt vom König der Hadramauten (heutiger Jemen) gegründet, um deren Einfluss auf den «Dhofahr» zu festigen und den Weihrauchhandel zu kontrollieren. Neben Samhuram existierten gleichzeitig mehrere jedoch von Einheimischen kontrollierte Häfen (z. B. Taqah, Mirbat, Al Baleed). Allesamt verdankten sie Reichtum und Macht dem Handel mit Weihrauch.

Nach diesem Besuch in der Geschichte des Weihrauchhandels fahren wir los Richtung «Muscat» und sind gespannt auf die gut 1100 km lange Fahrt entlang der Küste und durch das entsprechende Küstengebirge.

Saudi-Arabien – Riyadh und Umgebung

11.12.2022 –22.12.2022

Schon auf unserer letzten Etappe nach Riyadh zeigt sich, dass die Niederschläge unterschiedliche Reaktionen auslösen und Spuren hinterlassen. So können wir viele Einheimische beobachten, die erfreut über den Regen mit ihren Autos in die «Wadis»* fahren, um das nasse und kühle Ereignis in freier Natur zu geniessen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass beim Fahren nochmals mehr Vorsicht geboten ist, da sich die staubigen Strassen bei Einsetzen des Regens in Rutschbahnen verwandeln.
*Wadis sind mehr oder weniger weite und/oder tiefe Täler, die bei Regen innert kürzester Zeit viel Wasser führen können, das sich zu reissenden Bächen entwickeln und sich in Senken stauen und Seen bilden kann.

Unsere Fahrt quer durch Riyadh wird in der Agglomeration jäh durch eine wegen Hochwassers gesperrte Autobahnbrücke unterbrochen. Was folgt ist ein autofahrerischer Albtraum, durch Schlamm, Löcher und Pfützen, die sich entlang überfluteter Strassen zu undefinierbar tiefen Teichen entwickelt haben. Wir passieren mehrere Unfälle, finden dann – dem Navigator sei Dank – einen Weg zurück auf die Hauptstrasse. Mit einigen Stunden Verspätung erreichen wir fix und fertig und mit viel Glück unbeschadet unser Tagesziel am anderen Ende der Stadt. Bei Einbruch der Dunkelheit finden wir in der Nähe eines meistens leeren Stausees einen geeigneten Platz für die Nacht. Wir lehnen uns zurück, geniessen das leise Rauschen des nahen Baches und studieren nochmals die für morgen geplante Route zum «Edge of the World».

Am Morgen stellen wir dann allerdings fest, dass der Bach ein Resultat der Niederschläge ist und hier eigentlich nur eine leichte Senke (siehe*) ist. Da wir auf unserem Weg zum «Edge of the World» mit grösster Wahrscheinlichkeit noch mehr Hochwasser bedingte Überraschungen erleben würden, ersparen wir uns und Churi eine Versuchsfahrt und verschieben das Vorhaben auf später. Umplanen ist angesagt und schon bald sind wir auf dem Weg nach «Buraydah» zum grössten Kamelmarkt Saudi-Arabiens. Dieser startet früh morgens. Die (fast) ausnahmslos männlichen Anwesenden sind Kamelbesitzer und -händler, die sich eifrig an den Auktionen beteiligen, an denen Kamele unterschiedlichsten Alters und in Farbschattierungen von weiss bis schwarz in lautstarken Händeln den Eigentümer wechseln. Umgehend werden die Tiere von Gastarbeitern routiniert auf Pickups oder Lastwagen verladen. Fasziniert beobachten wir den Trubel, in dem ausser mir keine einzige Frau zu entdecken ist.

Bedeutend weniger Freude bereitet mir der Umstand, dass sich während meines offenbar etwas zu knusprigen Frühstücks eine meiner Zahnfüllungen verabschiedet hat. So nimmt Markus auf der Fahrt zurück nach Riyadh Kontakt zum «Frosch» auf, dessen Crew ihre Beziehungen spielen lässt und uns innert Kürze die Adresse eines Zahnarztes übermittelt. Zurück in Riyadh stellen wir unser Auto am frühen Nachmittag auf dem vorgesehenen Standplatz neben den «Frosch», rufen ein Uber-Taxi und zwei Stunden später bin ich stolze Besitzerin einer perfekten, nach neuesten Standards und äusserst professionell eingesetzten neuen Füllung. Zur Abrundung des Tages fahren wir per Taxi zum 302 Meter hohen «Kingdom-Centre» (auch Flaschenöffner genannt). Von dessen «Sky-Bridge» können wir einen fantastischen Rundblick auf die Grossstadt Riyadh geniessen.

Anderntags besuchen wir den am nordwestlichen Stadtrand von Riyadh gelegenen Stadtbezirk «Diriyah» der heute gegen 34’000 Tausend Einwohnende hat. Das ursprüngliche Diriyah liegt wie das heutige Riyadh direkt am «Wadi Hanifa» und besteht aus niedrigen Lehmbauten. Die Oasenstadt Diriyah wurde 1446 gegründet und gilt als historische Gründungsstätte von Riyadh. Im Jahr 1818 wurde Diriyah im Laufe kriegerischer Auseinandersetzungen angegrieffen und ein Jahr später zerstört. Der Ortsteil «At-Turaif» war das letzte Zentrum dieser Stadt. Die Ruinen von At-Turaif wurden mit riesigem Aufwand und nach neusten Erkenntnissen restauriert und sind seit 2010 UNESCO-Welterbe. Die Restaurierungsarbeiten wurden erst vor Kurzem abgeschlossen und Anfang Dezember 2022 wurde der Ort für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. At-Turaif scheint zurzeit das historisch, kulturell und touristisch bedeutendste Vorzeigeobjekt des Königreiches zu sein. Wir werden von einer jungen aufgeschlossenen Saudi durch die Anlage geführt. Sympathisch und professionell vermittelt sie die geschichtlichen Begebenheiten und den Prozess der Restaurierung der Bauten. Ein Teil der alten Stadt ist als lebendes Museum gestaltet. Einheimische füllen Gebäude und Gassen mit fröhlichem, teils ziemlich lautstarkem Leben und anschaulich werden diverse Sitten und Gebräuche vergangener Zeiten erklärt. Nach Sonnenuntergang sind wir zu einer Lichtschau eingeladen. Mit vielen Superlativen und noch mehr nationalistischem Pathos untermalt, werden die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse rund um Diriyah auf die Ruinen projiziert, wodurch diese für kurze Zeit zum Leben erweckt werden. Der Abend ist ein äusserst informativer und stimmiger Ausflug in die Geschichte Saudi-Arabiens. Angrenzend an die historische Stadt wird zurzeit eine riesige Hotelanlage gebaut, die künftigen zahlungskräftigen Touristen direkt vor Ort alle denkbaren Annehmlichkeiten ermöglichen soll.

Ein weiteres historisches Wahrzeichen Saudi-Arabiens ist das 1865 auf einem Steinfundament aus Lehmziegeln erbaute «Masmak Fort». Im Jahr 1902 wurde das Fort vom jungen Emir Abd al-Aziz ibn Saud von den Al Raschid aus Ha’il zurückerobert und diente bis 1938 als Regierungssitz des Königreiches.

Mit dieser zusätzlichen Portion Geschichte und einem Spaziergang durch den alten Souk von Riyadh schliessen wir unsere Tage in der Hauptstadt Saudi-Arabiens ab. Früh am nächsten Morgen starten wir einen neuen Versuch das «Edge of the World» zu erkunden. Nach einer Pause am mittlerweile zu einem Rinnsal gewordenen Bach stehen wir nach ca. zweieinhalbstündiger Fahrt über eine recht anspruchsvolle Off-Road-Strecke vor der ersten von mehreren Sandbarrieren. Diese wurden von den Saudis aus Sicherheitsgründen errichtet, da es am «Edge» mehrere tödliche Unfälle gegeben habe. Aus Rücksicht auf Churi versuchen wir erst gar nicht, die Wälle fahrend zu überwinden und machen uns zu Fuss auf die restlichen ca. vier Kilometer bis zum «Edge». Dort fällt das Gelände senkrecht in die Tiefe. Unten erstreckt sich die Ebene (ehemaliger Meeresboden) in weitem Bogen um die Felsformationen in unendliche Weiten. Wir lassen uns Zeit und geniessen die Wirkung und Ausstrahlung dieses aussergewöhnlichen Ortes in vollen Zügen. Zurück beim Bächlein beschliessen wir, nochmals hier zu übernachten und uns erst am nächsten Morgen auf den Weg zum «King Abdulaziz Camel Festival 2022» zu machen.

Dort angekommen entdecken wir auf einer Erkundungsfahrt durch das Festival-Gelände den «Frosch» und bald schon stossen wir auch auf das dazugehörige junge Paar. Dieses wurde in der Zwischenzeit eingeladen, die Zeit am Festival in Begleitung eines kundigen Saudis zu verbringen. Wir werden mit eingeladen und sind gespannt auf den nächsten Tag. Dieser bringt überraschende Perspektiven und bleibende Eindrücke rund um die saudische Tradition der Kamelrennen und der damit verbundenen Festivitäten. Der Abschluss des Tages bildet dann der Final der Fussballweltmeisterschaft, den wir inmitten von saudi-arabischen Männern vor der Grossleinwand auf dem Festgelände mitverfolgen können.

Tags darauf ist es für uns an der Zeit, Saudi-Arabien vorübergehend zu verlassen und so fahren wir zügig Richtung omanische Grenze. Nach drei Übernachtungen und einer Strecke von gut 1’300 Kilometern erreichen wir die Grenze. Ca. 650 Kilometer der Fahrt führen durch einen Teil der «Rub al-Khali», was soviel wie «leeres Viertel» bedeutet. Bei der Rub al-Khali handelt es sich um die grösste zusammenhängende Sandwüste der Welt mit ca. 650’000 km2. Sie liegt im Grenzgebiet von Saudi-Arabien, Oman, Jemen und der United Arab Emirates. Ihrer schieren Grösse und Unzugänglichkeit wegen ist sie noch immer nicht erforscht. Allerdings liegt unter ihr eines der weltweit grössten Ölfelder, womit es vermutlich nur eine Frage der Zeit ist, bis auch diese Wüste erschlossen wird. Unsere Route führt durch saudisches Gebiet auf einer erst Ende 2021 eröffneten Strasse, die uns eine atemberaubend schöne, wenn auch unwirtliche und lebensfeindliche Gegend eröffnet. Die sich zu veritablen Gebirgen auftürmenden Dünen wechseln sich farblich von strahlend weiss über orange bis rot ab und reichen oftmals bis an die Strasse. Dank des kürzlichen Regens schmückt sich die Wüste streckenweise mit leuchtendem Grün, gelben Blüten und frischen kleinen Wasserflächen.

Die Ausreise aus Saudi-Arabien wie auch die Einreise in den Oman gehen ohne Probleme über die Bühne und nach zwei Stunden starten wir am 22. Dezember 2022 voller Erwartungen unsere Reise durch den Oman.

Saudi-Arabien – der Südwesten

30.11. – 09.12.2022

Nach der geschäftigen und feucht heissen Grossstadt Jeddah suchen wir etwas Ruhe und ziehen uns in der Gesellschaft des jungen Paares vom «Frosch» für eine Nacht ins ausserhalb von Jeddah gelegene «Moon Valley» zurück. Hier in der Halbwüste geniessen wir einen geselligen und unterhaltsamen Abend.

Mit Ziel «At Ta’if», das südlich von Mekka liegt, fahren wir am folgenden Morgen mit frischem Elan los. Wir steuern den Berg «Jabal Dakka» (2500 m) und den Höhenort «Ash Shafa» (2250 m) im Hinterland von At Ta’if an. In Ash Shafa können wir verschiedenste touristische Attraktionen und Aktivitäten miterleben, wie sie von der Bevölkerung Saudi-Arabiens offensichtich geliebt und entsprechend intensiv genutzt werden.

Die Stadt At Ta’if auf 1880 m, der Ort «Al Hada» und die umliegenden Täler liegen in einem relativ regensicheren Gebiet und sind das saudische Zentrum der Rosenwasser- und Rosenölproduktion. Ganze Täler sind mit Rosen bepflanzt, die hier optimale Wachstumsbedingungen vorfinden und im Frühling alle gleichzeitig ihre intensiv duftenden Blüten öffnen. Da wir im Winter hier sind, bleibt uns dieses Spektakel leider verwehrt. So besuchen wir eine Rosen- und Kräutergärtnerei, durch die wir eine spontane Führung erhalten. Wir verabschieden uns mit einem duftenden Strauss aus Rosenblüten und Kräutern, der uns für ein paar Tage den Duft des Frühlings in unsere vier Wände bringt.

Der «Shubra Palace» ein Wahrzeichen von At Ta’if ist leider geschlossen und so bummeln wir etwas länger durch den Souk, auf dem es neben verschiedensten lokalen Produkten auch Honig in einer Vielzahl von Varianten und Farben zu kaufen gibt.

Unser nächstes Ziel ist die Stadt «Al Baha». Für die Fahrt dorthin wählen wir die Touristenroute. Auf dieser sind wir zwar etwas länger unterwegs, dafür sind wir häufig fast allein auf dieser Strasse, die durch spektakuläre meist unbewohnte Gegenden führt. Bei Ankunft in Al Baha auf 2260 m fahren wir in ein Gewitter und bei Einbruch der Dunkelheit reduziert dicker Nebel unsere Fahrtgeschwindigkeit auf maximal 15 Kilometer pro Stunde. Al Baha hat ca. 500’000 Einwohnende und liegt auf einer Hochebene im gebirgigen Hochland entlang der saudi-arabischen Westküste. Die Stadt ist von mehreren Wäldern umgeben und zählt zu den grünsten Gegenden des Landes. Wir übernachten beim «Rhagadan Park» einem Naherholungsgebiet von Al Baha, das die bewohnte Gegend nach Westen begrenzt. Bei einem Kurzbesuch im Park stellen wir am nächsten Morgen überrascht fest, dass das Gelände unmittelbar beim Park ca. 700 Meter fast senkrecht in ein weites Tal abfällt.

Nach einer eindrucksvollen Fahrt ins Tal mit spektakulärer Sicht auf die «Sarawat» Bergkette, erreichen wir am nächsten Mittag das historische Dorf «Thee Ain». Dieses wurde im 14. Jahrhundert AD in der hiesigen Oase gegründet. Aufgrund seiner gesicherten Versorgung mit Wasser und seiner strategisch geschickt gewählten Lage an einer wichtigen Handelsroute war der Ort in seiner Geschichte wiederholt hart umkämpft.

Im Rahmen der Al Baha & Saudi Vision 2030 wurde Thee Ain mit staatlicher Unterstützung restauriert und instand gestellt. Ziel sei es, den Ort wieder zu beleben, besser zu erschliessen und so touristisch attraktiver zu machen. Beim Schlendern durch die Gassen beschleicht uns der Verdacht, dass europäische ArchitektInnen hier ihre Inspiration für den gegenwärtig so aktuellen kubischen Baustil geholt haben …

Unsere Reise führt zurück auf die Hochebene und via den Ort «Al Bashayer» weiter Richtung «Abha», der Hauptstadt der Provinz «Azir». Unterwegs zweigen wir von der Hauptstrasse ab und erreichen nach einer weiteren recht abenteuerlichen Fahrt ins Tal das «Rijal Almaa Heritage Village». Kaum unten angekommen, befinden wir uns mitten in einem Platzregen und entscheiden uns für einen frühen Feierabend.

Rijal Almaa wurde vor ca. 900 Jahren gegründet und liegt wie Thee Ain in einem fruchtbaren Tal an einer ehemaligen Handelsroute. Zu seiner Zeit war dieser Ort ein ideal gelegenes Handelszentrum und ein bedeutender Durchgangsort für Reisende von Yemen nach Mekka und Medina und weiter in den Levant und umgekehrt.

1985 wurde von der lokalen Bevölkerung in Rijal Almaa ein Museum eingerichtet und ab 2015 begannen vom Staat finanzierte Restaurierungsarbeiten. Heute befindet sich der Ort, in dem einige Häuser noch bewohnt sind, zum Teil wieder in seinem «Originalzustand». Vor Ort sind leider keine weiteren Informationen erhältlich. So spazieren wir unbelastet von Fakten und Zahlen durch den restaurierten vorderen Teil des alten Städtchens. Dieser vermag allerdings nur bedingt von den vielen dem Zerfall preisgegebenen, etwas weiter hinten gelegenen Häusern, abzulenken. Bei einem arabischen Kaffee und Datteln im wunderschönen Restaurant des Ortes sinnieren wir anschliessend über die Vernachlässigung bzw. willentliche Zerstörung von Kulturgütern in Saudi-Arabien und über erklärte Ziele, Ausmasse, Auswirkungen und Sinn saudischer Tourismusprojekte.

Rijal Almaa Heritage Village

Am späteren Nachmittag treffen wir dann in Abha auf 2230 m ein. Wie Al Baha gehört Abha zu den bedeutendsten auf den äusserst fruchtbaren westlichen Hochebenen Saudi-Arabiens gelegenen Städten. Diese profitieren von einem ganzjährig milden, ausgeglichenen Klima mit ausreichend Niederschlag. Sie sind auf einheimische Touristen ausgerichtet, die während der heissen saudischen Sommermonate in der Kühle der Berge Erholung suchen.

Abha entpuppt sich als attraktive Stadt mit Temperaturen von gegenwärtig bis zu 25°. Wir machen uns auf die Suche nach dem «Shada Palace» einem bekannten Monument der saudi-arabischen Geschichte. Nach langer Suche entdecken wir diesen hinter einer mehreren Meter hohen Mauer. Es zeigt sich, dass er für BesucherInnen unzugänglich ist. Weitere Besuche historischer Stätten erweisen sich auf Grund von Vernachlässigung ebenfalls als Enttäuschung. Nach einigen Versuchen geben wir die Suche nach gut erhaltenen Zeugen vegangener Zeiten auf, gehen an der als Park gestalteten «Art Street» spazieren und freuen uns auf das «Al Muftaha Art Village», das als Zentrum künstlerischen Gestaltens angekündigt wird. Leider ist dieses wegen Umbaus geschlossen. Abends trifft als Aufsteller der «Frosch» in Abha ein und gemeinsam mit dem jungen Paar aus der Schweiz verfolgen wir das Fussballspiel der Schweiz gegen Portugal. Ich denke, dass sich ein Kommentar dazu erübrigt …

In der Hoffnung in der Gegend doch noch intakte Kulturgüter zu finden, fahren wir am kommenden Tag noch etwas weiter in den Süden zum «Al Yanfa Historical Village». Dort treffen wir ein Dorf an mit einer ganzen Reihe von gut erhaltenen historischen Gebäuden. Einige weitere wie auch Wege, Wasserkanäle und unterirdische Gänge werden restauriert. Die Gebäude sind gemäss lokaler Auskunft ca. 500 Jahre alt und durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Viele Häuser sind noch bewohnt und wurden teilweise den heutigen Bedürfnissen angepasst. Der Besitzer eines in ursprünglichem Zustand erhaltenen Hauses lädt uns zu Kaffee, Datteln und Tee ein und führt uns anschliessend durch sein Haus. Zusätzlich erklärt er uns die ehemalige und gegenwärtige Verteilung des Quellwassers innerhalb des Dorfes und in der äusserst fruchtbaren Umgebung, in der Früchte, Gemüse und Getreide angebaut werden.

Mit dieser Erfahrung schliessen wir unseren Besuch des saudi-arabischen Südwestens ab und in der Stadt «Khamis-Mushait» starten wir unsere gut 1000 km lange Fahrt nach «Riyadh», der Hauptstadt Saudi-Arabiens.

Unterwegs übernachten wir zwei Mal in der Wüste und ganz zufällig auf einem 12 km2 grossen landwirtschaftlichen Betrieb. Dort werden wir mit der in Saudi-Arabien üblichen Gastfreundschaft herzlich willkommen geheissen und bewirtet. Nach Kaffee, Datteln, Tee und Kamelmilch zeigt uns der Besitzer seine Farm und erklärt uns die Besonderheiten und Herausforderungen eines solchen Betriebes unter saudi-arabischen Voraussetzungen. Reich mit Datteln, Tomaten und Zitronen beschenkt, fahren wir am kommenden Morgen bei einsetzendem Regen los. Bei strahlendem Sonnenschein ereichen dann wir gegen Mittag die 10-Millionen-Stadt Riyadh.