Kimberley via Stellenbosch bis Port Elisabeth / 27. Februar – 5. April 2025
Der letzte Teil unserer Reise wird uns während knapp sechs Wochen von Kimberley zurück in die Weinregion Südafrikas und von dort mittels Südküste und Garden Route sowie zwei weiteren National Parks nach Port Elisabeth führen. Dort werden wir unser Auto zur Verschiffung auf Vordermann bringen und im Hafen abliefern. Sofern unsere Planung aufgeht, bleiben uns bis zu unserem Rückflug in die Schweiz noch ein paar Tage, um uns von Afrika zu verabschieden.

Als ersten Stopp auf unserem letzten Reiseabschnitt wählen wir die kleine Stadt Orania, die ca. 160 Kilometer südlich von Kimberley am Orange River liegt. Zufällig haben wir von diesem Ort erfahren, als wir auf unserer ersten Fahrt nach Kimberley am Vaal River übernachteten. Die Besitzerin des Stellplatzes erzählte uns von einer eigenartigen kleinen Stadt, in der ausschliesslich Weisse nach eigenen sehr strikten Normen und Regeln leben würden. Im Ort werde ausschliesslich Afrikaans gesprochen und die Stadt habe eine eigene Währung. Menschen anderer Hautfarbe seien nicht erwünscht.

Begleitet von einem Gewitter mit starkem Regen fahren wir also nach Orania. Als wir den Ort erreichen, hat der Regen aufgehört und ein Regenbogen heisst uns in einer auffallend ordentlichen Ortschaft mit gut unterhaltener Infrastruktur und gepflegten privaten Liegenschaften willkommen. Die Campsite des Ortes liegt am Ufer des Orange Rivers am Rand einer Hotel- und Chaletanlage.

Die Informationen, die wir vor ein paar Wochen in Douglas erhalten haben, erweisen sich, bis auf den Umstand, dass mit Besuchenden auch Englisch gesprochen wird, als korrekt.
Der stark vernachlässigte Ort Orania wurde 1990 knapp vor Ende der Apartheid von 40 weissen Familien vom Staat gekauft. Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 500 schwarze und farbige Personen in Orania. Damit der Ort und dessen Umgebung von den Käufern übernommen werden konnte, wurden 64 Familien umgesiedelt. Bei dieser Aktion handelte es sich um die letzte grosse Zwangsumsiedlung der Apartheid. Den Familien wurden im mehr als 100 Kilometer entfernten Warrenton neu erstellte Häuser zugewiesen. Im April 1991 zogen die ersten weissen Personen nach Orania. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Orania)
Orania umfasst heute ein Gebiet von ca. 8,95 Km2 und zählt an die 3’000 BewohnerInnen. Die Stadt und ihre Umgebung präsentieren sich dank modernen und gut ausgebauten Bewässerungsanlagen als fruchtbarer, grüner Landstrich mit Feldern, auf denen Getreide, Früchte, Pecannüsse etc. angebaut werden. Von den BewohnerInnen Oranias wird eine umfassende Selbstversorgung angestrebt inklusive der Unabhängigkeit vom staatlichen Stromkonzern. Alle anfallenden Arbeiten werden von den Gemeindemitgliedern selbst erledigt. Dies gilt auch für jene alltäglichen Arbeiten, die in Südafrika meist von Schwarzen oder Farbigen für Weisse ausgeführt werden. Aufgrund der Tatsache, dass in Orania keine unterbezahlten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sind die Lebenshaltungskosten bedeutend höher als in Südafrika generell.


Wer sich in Orania niederlassen will, muss NachfahrIn von Buren (Niederländer, Deutsche, Franzosen) sein, Afrikaans sprechen, traditionelle Ansichten vertreten und christlichen Glaubens sein. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, wird nicht in die Gemeinschaft aufgenommen bzw. erhält keine Niederlassungserlaubnis. Gemäss Auskunft der Angestellten der Touristeninformation hat der Ort regen Zulauf, vor allem auch von jungen Leuten. In den letzten fünf Jahren habe sich die Bevölkerung von Orania verdoppelt.
Wir erleben die Stimmung im Städtchen als offen und hilfsbereit. Es ist jedoch klar spürbar, dass die Bevölkerung unter sich bleiben will. Gesprochen wird Afrikaans und alles ist auf Afrikaans angeschrieben. Reisenden wird auf Englisch Auskunft gegeben, das als eine von den elf Amtssprachen Südafrikas in den Schulen unterrichtet wird.
Auf einer abendlichen vom Besitzer des Hotels durchgeführten Fahrt auf dem Orange River stossen wir auf unsere neuen Visa an. Dabei können wir uns mit Leuten unterhalten, die sich von dieser eigenwilligen Stadt ebenfalls ein eigenes Bild machen wollen.

Nach zum Teil etwas befremdlich anmutenden Begegnungen mit der Bevölkerung von Orania und einigem an neuem Diskussionsstoff fahren wir abseits jeglicher Touristenrouten über die Ortschaften Petrusville, Philipstown, Hanover und Richmond Richtung Süden. Die kleinen Städte scheinen teilweise in desolatem Zustand und laden nicht dazu ein, länger zu verweilen. So fahren wir zügig weiter zu den Three Sisters und von dort nach Beaufort West.

Beaufort West ist mit ca. 35’000 Einwohnenden die grösste Stadt der Region Central Karoo. Der berühmteste Bürger der Stadt ist Christian Barnard (1922 bis 2001), der im Jahr 1967 in Cape Town die erste erfolgreiche Mensch-zu-Mensch Herztransplantation durchführte. Im lokalen Museum werden sein Leben und seine Erfolge als Chirurg dargestellt.
Kurz nach Beaufort West zweigen wir von der Hauptstrasse ab und befinden uns unmittelbar am Haupteingang des Karoo National Parks. Erst im Jahr 1979 wurde dieser 831 Km2 grosse Park gegründet, um einen Teil der Karoo im ursprünglichen Zustand zu erhalten. Diverse Tierarten, unter anderen das Spitzmaulnashorn und der vom Aussterben bedrohte Buschmannhase, wurden im Park erfolgreich wieder angesiedelt. Im Park leben viele Springböcke, die an die Zeiten erinnern, als in der Karoo abertausende dieser Antilopen in riesigen Herden umherzogen. Leider wurden diese Tiere auch hier zu Tausenden niedergeschossen, da sie von den weissen Farmern als Nahrungskonkurrenz für ihre Rinder angesehen wurden oder sie fielen exzessiver Jägerei zum Opfer.

In der Zwischenzeit haben wir realisiert, dass uns noch gut vier Wochen bleiben, bis unser Auto in Port Elisabeth zur Verschiffung erwartet wird. Unsere Erkundungswunschliste ist allerdings noch ziemlich umfangreich. Entsprechend heisst es Prioritäten setzen. Daher reduzieren wir unseren Besuch im Karoo National Park auf einen Kurzbesuch, obwohl die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, wie auch die Landschaft mit ihren Tafelbergen und den zurzeit mit zartem Grün überzogenen Halbwüsten, es lohnen würden, eine Woche zu investieren.




Vom Karoo National Park ist es eine kurze abwechslungsreiche Fahrt nach Prince Albert. In dieser beschaulichen Kleinstadt am Fuss der Swartberg Gebirgskette beginnt der Swartberg Pass, der die Grosse mit der Kleinen Karoo verbindet. Die Passstrasse wurde in den 1880 Jahren erbaut und ist bis dato nicht asphaltiert. Die Stützmauern wurden als Trockenmauern erstellt und erfüllen ihren Zweck bis heute in ihrer ursprünglichen Form und Bauweise. Die Strasse führt in vielen Kehren durch die eindrücklichen Landschaften des Gebirges und weiter in die Straussenmetropole Oudtshoorn.







Die Landschaft der Kleinen Karoo ist geprägt von Hügelzügen und dem bis zu 2’325 Meter hohen Swartberggebirge. Im Süden wird sie begrenzt vom Gebirgszug Langeberg, dessen höchster Gipfel 2’072 Meter erreicht. Im Winter sind die höheren Gipfel dieser Gebirgsketten oft mit Schnee bedeckt.

In der Kleinen Karoo dominieren halbwüstenartige Landstriche mit spärlicher Vegetation, in denen das ganze Jahr über nur sehr wenig Regen fällt und kein Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zur Verfügung steht. Diese trockenen Gegenden wechseln sich ab mit äusserst fruchtbaren Gebieten entlang von Flussläufen, in denen riesige Trauben- und Olivenplantagen sowie Obst- und Gemüsekulturen das Landschaftsbild prägen.


Ab Oudtshoorn, der Hauptstadt der Strausse, folgen wir der Route 62, die von Osten kommend durch die malerischen Ortschaften der Kleinen Karoo nach Westen führt. Einen besonderen Charme hat für uns das kleine, unauffällige Städtchen Calitzdorp. Das Gebiet ist dank dem Wasser des Gamka Rivers und seinen Zuflüssen sehr fruchtbar und eignet sich für den Anbau von Weinreben. Neben den in der Gegend üblichen Rot- und Weissweinen wird hier auch ein qualitativ hochstehender Süsswein (Portwein) produziert.
Bei unserer Ankunft herrscht im Städtchen lebhafter Betrieb. Am Strassenrand und auf Plätzen sitzen und stehen Einwohnende lachend und plaudernd in Gruppen zusammen und scheinen den warmen Sommerabend zu feiern. Bei den hübschen und gut erhaltenen Gebäuden des Bahnhofs wurde am Fuss von imposanten goldgelben Felsen ein kleiner Stellplatz mit liebevoll gestalteten sanitären Anlagen eingerichtet. Einige Kilometer vom Bahnhof entfernt wurden die Geleise vor einiger Zeit vom Starkregen eines Gewitters weggespült. Seither ist der Bahnhof stillgelegt. So verbringen wir direkt am Bahnhof von Calditzdorp eine ausgesprochen ruhige Zeit.



Da auf den verschiedenen Weingütern die Traubenlese in vollem Gang ist, ergreifen wir die Gelegenheit, in einer für die Bevölkerung geöffneten Traubenplantage ein paar Kilo der köstlich süssen Trauben für uns zu schneiden.



Im weiteren Verlauf unserer Reise auf der Route 62 durchqueren wir altehrwürdige Orte wie Ladysmith, Barrydale, Montague, Ashton und Robertson, die touristisch gut erschlossen sind und entsprechend oft und mehrheitlich von südafrikanischen TouristInnen besucht werden.


Mit Ziel Tulbagh zweigen wir in Worcester nach Norden ab. Tulbagh liegt etwas abseits der gängigen Routen in einer landschaftlich reizvollen Gegend und allein in der Church Street reihen sich 32 im kapholländischen Stil erbaute Häuser aneinander. Als wir den Ort besuchen, beginnt zudem das Wochenende, was in einer fühlbar aufgeräumten Stimmung und lebhafter Betriebsamkeit im Städtchen zum Ausdruck kommt.
Die kleine historische Stadt Tulbagh wurde 1743 als eine der ersten europäischen Siedlungen Südafrikas gegründet. Der Ort liegt im Einzugsgebiet des Klein Berg Rivers und seiner Zuflüsse und ist auf drei Seiten von Bergen umgeben. Aufgrund seines mediterranen Klimas mit Niederschlagsmengen von bis zu 1’000 Milimetern und einem im Sommer kühlenden Wind aus Süden eignet sich das Gebiet ideal für den Weinbau. Entsprechend haben sich in der Gegend eine Reihe von Weingütern etabliert, die heute eine breite Palette verschiedener qualitativ hochstehender Weine produzieren.


Von Tulbagh fahren wir nach Süden und bald schon befinden wir uns wieder in Stellenbosch und damit im Zentrum des Kap-Weinlandes, das wir vor etwa zwei Wochen in Richtung Kimberley verlassen haben. Allerdings hat uns der nicht ganz freiwillige Ausflug in die Mitte des Landes unser Reiseprogramm ordentlich durcheinandergeschüttelt.

Unsere Erkundung der Weinregion starten wir mit einem spontanen Besuch der Stellenbosch Vineyards. Der am Empfang anwesende Herr überrascht uns mit hohem Engagement und ausgeprägter Motivation. Er erklärt uns, wie die Firma Stellenbosch einerseits als Genossenschaft und andererseits als Eigenmarke funktioniert. Wie die verschiedenen Weine zustande kommen, für wen sie bestimmt sind und anhand welcher Überlegungen neue Produkte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Auf jede Frage gibt er ausführliche und nachvollziehbare Auskunft. Gute zwei Stunden lang folgen wir den Ausführungen des offensichtlich weitgereisten Fachmannes. Versehen mit viel neuem Wissen, guten Tipps für den Besuch weiterer Weingüter und im Besitz von einigen Flaschen Wein, der mit Trauben von alten Reben aus Stellenbosch eigenen Weinbergen gekeltert wurde. Diese erlesenen Weine sind in Europa nicht erhältlich, was sich als bedeutender Nachteil herausstellen sollte…


Auch den berühmten und entsprechend touristischen Städten Stellenbosch und Franschhoek statten wir einen Besuch ab. Genüsslich schlendern wir durch die Strassen der eleganten Orte mit prächtigen Häusern und viel Flair für touristische Bedürfnisse, was sich in vielen Restaurants und in Geschäften niederschlägt, in denen Reiseandenken jeder Preisklasse auf kaufkräftige Kundschaft warten.




Einen anregenden Tag verbringen wir auf dem Weingut «Babylon Storen». Umgeben vom Simonsberg und den Franschhoek Mountains liegt Babylon Storen im Drakenstein Valley im Zentrum des Kap-Weinlandes. Das Gut wurde bereits im Jahre 1690 gegründet und zählt zu den ältesten Weingütern Südafrikas. Auf dem Gelände befinden sich ein Hotel, drei Restaurants mit ausgezeichneter Küche, ein Museum sowie mehrere äusserst attraktive Verkaufslokale. Neben Gemüse, Kräutern und Früchten werden auf der Farm verschiedene Weine und erstklassiges Olivenöl produziert.


Besonders angesprochen haben uns die aufwändig angelegten Gärten, welche die Pflanzenwelt der unterschiedlichen Klimazonen Südafrikas mit ihren spezifischen klimatischen Bedingungen repräsentieren.
Nach der touristisch hochentwickelten Umgebung des Kap-Weinlandes zieht es uns wieder in diesbezüglich weniger aktive Gegenden. Wir entscheiden uns, die Weinregion über den Franschhoek Pass zu verlassen. Auf der anderen Seite der Franschhoek Berge überqueren wir den Theewaterskloof Stausee bei Villiersdorp und fahren auf direktem Weg an die Südküste.
Auf der Fahrt dorthin durchqueren wir von rollenden Hügeln geprägte fruchtbare Landschaften mit weitläufigen Feldern auf denen grossmehrheitlich Getreide angebaut wird. Zurzeit präsentiert sich die Gegend in den sommerlichen Farben abgeernteter Äcker. Die sich weit über den Horizont erstreckenden strohtrockenen Gebiete machen deutlich, dass seit Langem kein Regen mehr gefallen ist.

Unser Ziel ist der Agulhas National Park, in dem sich mit Cape Agulhas der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents befindet. Dementsprechend wechseln wir in Hawston die Richtung und fahren der Küste entlang Richtung Osten. Bald schon erreichen wir Hermanus, das von Juni bis November fantastische Walbeobachtungen verspricht. Seine weitläufigen Sandstrände sind hauptsächlich bei Touristen aus dem nahen Cape Town beliebt. Die Hauptattraktion des gut 50 Kilometer weiter östlich liegenden Gans Bay ist indessen das «Haikäfigtauchen». Da für Walbeobachtungen aktuell der falsche Zeitpunkt ist und wir dem Tauchen in Käfigen keine Sympathien abgewinnen können, fahren wir weiter zum weithin unbekannten Quoin Point Nature Reserve, wo wir die Ruhe und Abgeschiedenheit der weitläufigen Campsite einzig mit zwei südafrikanischen Fischern teilen.

Die Weiterfahrt zum Kap Agulhas führt dann durch weite Ebenen von Agrarland. Auch hier ist das eine oder andere Weingut zu finden.

Kap Agulhas ist geografisch der südlichste Punkt Afrikas und offiziell der Ort, an dem der Atlantische und der Indische Ozean aufeinandertreffen. Kap Agulhas wird auch als Kap der Stürme bezeichnet. Hier sind über die Jahre mehr als 100 Schiffe gesunken, ein Umstand, der auch durch den im Jahr 1848 erstellten Leuchtturm nicht verhindert werden konnte.





Vom südlichsten Punkt unserer Reise wenden wir uns wieder nach Norden und machen im Bontebok National Park Halt. Der Park vor den Toren Swellendams, der im Jahr 1960 zum Schutz der letzten freilebenden Buntböcke gegründet wurde, ist ein Kleinod am Ufer des Breede River.

Mit einer Fläche von knapp 28 Km2 ist er der kleinste der südafrikanischen Nationalparks. Die Zahl der Buntböcke wird auf 200 beschränkt, da eine höhere Anzahl Tiere auf dieser Fläche ökologisch nicht vertretbar wäre. Im Park leben mittlerweile auch andere Arten meist kleiner Antilopen und vor ein paar Jahren wurde das Kap-Bergzebra hier wieder angesiedelt.


Da sich unsere Reise in Afrika nun zügig ihrem Ende nähert, nutzen wir die gute Infrastruktur des Parks, um unseren Mini-Haushalt für die letzten Wochen etwas aufzufrischen und die Seele baumeln zu lassen.
Swellendam wurde 1747 zur gleichen Zeit wie Tulbagh gegründet. Die kleine äusserst sympathische Stadt liegt am Fuss des Langeberg Gebirgszugs und weist trotz eines Grossbrandes im Jahr 1865 eine erstaunlich hohe Zahl gut erhaltener historischer Gebäude auf. Mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den Ort und dem Besuch des in der Gründerzeit Swellendams erbauten Drostdy Hauses, das heute den Kern eines aus verschiedenen Gebäuden bestehenden Museums bildet, starten wir unsere Tour über die Garden Route.

Auf unserem Weg von Swellendam nach Mossel Bay und weiter nach George durchqueren wir fruchtbare sattgrüne Gegenden. Die hügeligen, oft wasserreichen Gebiete am Fuss der weit im Hintergrund liegenden Langeberg- und Swartbergebirge sowie den Outeniqua Bergen präsentieren sich neben dem üblichen landwirtschaftlichen Kulturen mit weitflächigem Weideland und riesigen Vieherden sowie ausgedehnten Wäldern. Eine Landschaft, die uns immer wieder an die Schweiz erinnert, obwohl ein direkter Vergleich angesichts der hiesigen Dimensionen nicht wirklich sinnvoll ist.


Die Küstenstadt Mossel Bay mit etwas mehr als 40’000 Einwohnenden (2022) lebt heute hauptsächlich von den im Jahr 1969 vor der Küste entdeckten Gasvorkommen und vom Tourismus. Fischerei und Landwirtschaft, die bis in die frühen 1990er Jahre wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt, sind für Mossel Bay heute kaum noch von Bedeutung.

Mossel Bay ist eine hochentwickelte Tourismusdestination, die abenteuerlustigen Feriengästen unzählige Attraktionen bietet. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12°C – 26°C im Sommer und ca. 8°C bis 19°C im Winter sowie einer jährlichen Niederschlagsmenge von ca. 500 mm sind die klimatischen Bedingungen ideal. Und da der Regen meistens nachts fällt, kann Mossel Bay seinen Gästen für die Dauer ihres Aufenthaltes eine fast 100-prozentige Sonnenschein-Garantie geben.
Nachdem er, ohne es wahrzunehmen, das Kap der guten Hoffnung umschifft hatte, ankerten Bartolomeu Dias und seine Männer am 3. Februar 1488 in der Bucht des heutigen Mossel Bay. In der Nähe des Ufers entdeckten sie eine Quelle, die es ihnen ermöglichte, die Wasservorräte ihrer Schiffe zu erneuern. Bartolomeu Dias hatte von seinem König, den Auftrag erhalten, eine Handelsroute nach Indien auszukundschaften. Seine Exkursionen an Land brach er allerdings unverzüglich ab, nachdem er von der lokalen Bevölkerung mit einem Steinhagel empfangen wurde. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay)

Ganz in der Nähe, der von Dias entdeckten Quelle steht heute das Bartolomeu Dias Museum. Das Museum ist den frühen Seefahrer-Nationen gewidmet und vermittelt einen eindrücklichen Überblick über die Unternehmungen der grossen europäischen Seefahrer der Entdeckungszeit und veranschaulicht die oft tödlichen Herausforderungen, mit denen Schiffsmannschaften und Passagiere auf ihren Fahrten konfrontiert wurden.

Von Mossel Bay geht unsere Reise weiter ins Herzstück der Garten Route. Mit Zwischenhalten in Wilderness, der geschäftigen Stadt Knysna und an der Küste bei Storms River Mouth am Fuss der Tsitsikamma Berge erleben wir die faszinierend abwechslungsreiche Gegend mit quirlig lebendigen Ortschaften, wunderschönen Sandstränden und zerklüfteten Küsten mit gebirgigen Schluchten, die vom Meer tief ins Landesinnere reichen.





Storms River Mouth im Tsitsikamma National Park erweist sich dabei klar als der Ort, den wir auf einer zweiten Afrikareise auf jeden Fall wieder besuchen würden.


Zu Beginn unserer Reise haben wir auf dem Weg nach Norden einen Aufenthalt im Mountain Zebra National Park auf später vertagt. Nun fast am Ende unserer Reise ist es höchste Zeit diese Pendenz entweder zu erledigen oder dann von unserer To-do-Liste zu streichen.
Da es uns noch einmal in die Nähe der Tiere Afrikas zieht und uns Gregory, der Parkranger, der uns durch den Karoo National Park geführt hat, diesen Park besonders ans Herz gelegt hat, entscheiden wir uns für einen Besuch.

Für die Fahrt in den Norden wählen wir die landschaftlich attraktive Strecke, welche die Überquerung der Outeniquaberge mittels Outeniqua- und Potjesbergpass nach Uniondale beinhaltet. Dann führt uns die Route zwischen den Ausläufern des Swartberggebirges zur Linken und dem Antoniesberg zur Rechten nach Willowmore, Aberdeen und über Graaff Reinet. So erreichen wir den Haupteingang des Mountain Zebra National Parks von Norden.

Auf der Fahrt durchqueren wir mehrere Klimazonen, mit ihren je spezifischen Anbaugebieten. Zum Beispiel wird in den Outeniquabergen nördlich von George in der Gegend um Herold Hopfen angepflanzt. Die milden Temperaturen des hier mehrheitlich mediterranen Klimas mit genügend Niederschlägen und wenig Frost bietet ideale Bedingungen für einen erfolgreichen Anbau dieser bis zu acht Meter hoch- und schnellwachsenden Kletterpflanze.
In flacheren Gegenden treffen wir riesige Straussenherden an, während wir in weiter nördlich und höher gelegenen, deutlich kühleren Gebieten Apfel- und Birnenplantagen durchqueren, da hier die für den Anbau dieser Früchte erforderlichen klimatischen Voraussetzungen mit ausreichend Frost gegeben sind.
Etwa 30 Kilometer nach Willowmore passieren wir den Beervlei Staudamm. Der 31 Meter hohe und 348 Meter lange Damm wurde 1957 gebaut, um Überflutungen durch den Groot River und dessen Zuflüsse zu verhindern. Bei starken Regenfällen füllt sich die 23’145 Km2 grosse Stauebene mit Wasser, das in der Folge durch gezieltes Öffnen der Schleusen zur Bewässerung der Felder zur Verfügung gestellt wird.


Je weiter wir uns unserem Ziel nähern, umso halbwüstenartiger wird die Landschaft, bis wir nördlich von Willowmore wieder in der Grossen Karoo unterwegs sind.

Der Mountain Zebra National Park wurde im Jahr 1937 zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Cape Mountain Zebras (Kap-Bergzebras) gegründet. Zur Gründungszeit stand dem Park eine Fläche von nur gerade 17.12 Km2 zur Verfügung. Bis heute konnte er auf 284 Km2 erweitert werden und es wird aktiv versucht, den Park durch Zukäufe von angrenzendem Land weiter zu vergrössern. Die Zahl der im Park lebenden Kap-Bergzebras ist dank unermüdlicher Anstrengungen von Fachleuten und eines hochmotivierten Teams von Wildhütern und Helfenden von anfänglich etwa 25 Tieren auf aktuell über tausend angestiegen. Aus dem hiesigen Bestand werden von Zeit zu Zeit Gruppen in andere für das Kap-Bergzebra geeignete Parks umgesiedelt.


Der Mountain Zebra National Park ist ein zauberhafter, relativ kleiner, landschaftlich ausserordentlich attraktiver und abwechslungsreicher Park. Da es geregnet hat, präsentiert sich der Park in frischem Grün, mit viel saftigem Gras und blühenden Blumen. Bei prächtigem Wetter beschert uns der Park zahlreiche und unerwartete Tierbeobachtungen. Mit tiefliegenden Nebelfeldern und frühmorgendlichen Temperature um 12°C macht sich zwischendurch zudem der nahende Herbst bemerkbar.

Neben dem Kap-Bergzebra beherbergt der Park eine Vielzahl anderer Wildtiere. Darunter befinden sich der Caracal, das Weissschwanzgnu, das ausschliesslich in Südafrika vorkommt, Oryx Antilopen, Geparden, und Spitzmaulnashörner, um nur einige zu nennen. Die vielen Jungtiere, die aufgrund des reichlichen Nahrungsangebotes um diese Zeit geboren werden sind ein zusätzlicher Bonus.


Unter all den Parks, die wir auf unserer Reise besucht haben, gehört der Mountain Zebra National Park definitiv mit zu unseren Favoriten.


Zum Abschluss buchen wir eine geführte Tour zu den Geparden, von denen mehrere Familien im Park leben. Ein junger Wildhüter führt uns zielsicher zu einer Mutter mit ihren drei Jungtieren. Mit der erforderlichen Behutsamkeit und Vorsicht können wir uns den Tieren zu Fuss bis auf wenige Meter nähern. Die Tour ist ein eindrückliches Erlebnis, das uns wieder einmal bewusst macht, wie fragil und heikel das Zusammentreffen von Mensch und Tier sein kann und wir hier ausschliesslich geduldete Eindringlinge sind.

Mit Ziel Port Elisabeth fahren wir vom Mountain Zebra National Park nach Süden. Dabei besuchen wir das malerische Städtchen Graaff Reinet, das wir zu Beginn unserer Reise schon besichtigt haben, noch einmal. Im Gegensatz zu unserem Besuch im Frühling präsentiert sich die damals strohtrockene Gegend um Graaff Reinett nach ausgiebigem Regen in sattem Grün.


Quasi an unserer Route liegt einige Zeit später der Addo Elephant National Park. Natürlich schaffen wir es nicht, am Park vorbeizufahren und damit die Gelegenheit zu verpassen, noch einmal Elefanten aus nächster Nähe beobachten zu können.

am Wasserloch nicht dulden.
Gegründet wurde der Addo Elephant National Park im Jahr 1931 zum Schutz der letzten in dieser Gegend lebenden Elefanten. Bis zur Gründung des Parks wurden die hier ehemals zahlreiche Tiere umfassenden Herden von eigennützigen Elfenbeinjägern und Farmern bis auf einen kümmerlichen Restbestand von elf Tieren getötet. In der Zwischenzeit hat sich die Elefantenpopulation wieder auf über 600 Tiere (2022) erholt.


Die nun faktisch zu hohe Zahl im Park lebender Dickhäuter wird für die Natur des 1’790 Km2 grossen Parks zunehmend zur Belastung. Anhand diverser Massnahmen wird versucht, die Elefanten in von ihnen weniger bevorzugte Gebiete zu lenken. Zudem wird auch hier aktiv an der Erweiterung des Parkgebietes gearbeitet. Angestrebt wird eine Grösse von rund 3’600 Km2.


Etwas wehmütig verabschieden wir uns von unserem letzten Wildpark im südlichen Afrika und nehmen die letzte Etappe unserer Reise in Angriff.

In Gqeberha, wie Port Elisabeth seit dem 23. Februar 2021 offizell heisst, gönnen wir unserem Auto eine gründliche Wäsche und einen Service. Danach ist Packen und Putzen angesagt, da unser Auto nächstens im Hafen erwartet wird.


Um sicher zu gehen, dass unser Auto auf dem Hafengelände von Port Elisabeth keine unterwünschten Besuche mehr erhält, engagieren wir über unsere für die Verschiffung zuständige Agentur einen Sicherheitsbeamten, der unser Auto bis zur Verladung auf das Schiff im Auge behält.


Unseren Rückflug in die Schweiz haben wir vor Reisebeginn so geplant, dass wir zuhause noch Gelegenheit haben, den Osterhasen anzutreffen. Unsere Planung geht recht gut auf und nachdem wir unser Auto am Hafen übergeben haben, bleiben uns noch drei Tage in Port Elisabeth, bevor auch wir die Rückreise in die Heimat antreten.






Diese Zeit verbringen wir mit Spaziergängen durch Port Elisabeth und entlang der mehreren Kilometer langen, gut unterhaltenen Strandpromenade und versuchen uns, allerdings mit mässigem Erfolg, auf die Rückkehr in die Schweiz einzustimmen.

Kurz nachdem wir am Tag unserer Abreise das Flugzeug in Port Elisabeth bestiegen haben, beginnt es zu regnen.


Erfreulicherweise empfängt uns in Zürich ein strahlend schöner Frühlingstag mit herrlich warmen Temperaturen. Bedeutend mehr als das freundliche Wetter freut uns allerdings der herzliche Empfang unserer Familie, die uns vollzählig am Flughafen erwartet.
Mittlerweile haben wir unser Auto in Bremerhaven abgeholt. Die präventive Bewachung im Hafen von Port Elisabeth scheint ihr Ziel erreicht zu haben. Entsprechend konnten wir unser Auto in Bremerhaven so in Empfang nehmen, wie wir es im Hafen von Gqeberha vor vier Wochen abgeliefert haben.
Gedanken zum Schluss
Mit einiger Wehmut verlassen wir Afrika und hoffen, dass es ein Abschied auf Zeit sein wird. Die sechs Staaten im südlichen Afrika, die wir in den gut sieben Monaten bereisen durften, haben uns in ihrer Unterschiedlichkeit, sei dies bezogen auf die Landschaften oder die Tier- und Pflanzenwelt immer wieder von neuem fasziniert. Vor allem anderen hat uns jedoch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, beeindruckt.
Bis auf den Einbruch in unser Auto zu Beginn der Reise, haben wir keine negativen Erlebnisse mehr verbuchen müssen. Die Sicherheitslage in den von uns bereisten Staaten ist sehr unterschiedlich. Wir haben uns an den meisten Orten sicher gefühlt und sind der Meinung, dass ein dem Aufenthaltsort angepasstes Mass an gesundem Menschenverstand sehr viel zu einer sicheren Reise beiträgt. Während der Reise haben wir mehrheitlich die bestehenden Campsites genutzt. Dies weil die lokalen Gemeinden dadurch ihre Aufwendungen mindestens teilweise decken können und ein paar Arbeitsplätze erhalten bleiben. Selbstredend bedingt wildes Campen erhöhte Kenntnisse der lokalen Voraussetzungen und Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung.
Wir sind uns bewusst, dass die politische, wie auch die wirtschaftliche Situation in den von uns besuchten Ländern sehr unterschiedlich ist und massive soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten bestehen. Das Erbe der Kolonialzeit ist in den davon betroffenen Ländern noch deutlich sicht- und spürbar und die Folgen der Apartheid sind allgegenwärtig und noch lange nicht überwunden. Simbabwe leidet zusätzlich noch immer massiv unter der misslungenen Landesreform.
Alles in allem können wir individuelles Reisen durch die südlichen Länder Afrikas nur empfehlen. Mit etwas zusätzlichem Aufwand an weiterreichenden Überlegungen ist dieser Teil Afrikas unserer Meinung nach ein sicheres Reisegebiet. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei die Bereitschaft, eigene Denkmuster zu hinterfragen, allenfalls zu verändern und den eigenen Horizont entsprechend zu erweitern.
Vermissen werden wir die Begegnungen, bei denen uns so oft das fröhliche, herzliche Lachen und die Fähigkeit der Menschen, den Augenblick zu feiern, begegnet sind und uns immer wieder aufrichtige Bewunderung abgerungen hat.

























































































































































































































































































































































































































































































































































































































