Südafrika 4 (der Süden)

Kimberley via Stellenbosch bis Port Elisabeth / 27. Februar – 5. April 2025

Der letzte Teil unserer Reise wird uns während knapp sechs Wochen von Kimberley zurück in die Weinregion Südafrikas und von dort mittels Südküste und Garden Route sowie zwei weiteren National Parks nach Port Elisabeth führen. Dort werden wir unser Auto zur Verschiffung auf Vordermann bringen und im Hafen abliefern. Sofern unsere Planung aufgeht, bleiben uns bis zu unserem Rückflug in die Schweiz noch ein paar Tage, um uns von Afrika zu verabschieden.

Als ersten Stopp auf unserem letzten Reiseabschnitt wählen wir die kleine Stadt Orania, die ca. 160 Kilometer südlich von Kimberley am Orange River liegt. Zufällig haben wir von diesem Ort erfahren, als wir auf unserer ersten Fahrt nach Kimberley am Vaal River übernachteten. Die Besitzerin des Stellplatzes erzählte uns von einer eigenartigen kleinen Stadt, in der ausschliesslich Weisse nach eigenen sehr strikten Normen und Regeln leben würden. Im Ort werde ausschliesslich Afrikaans gesprochen und die Stadt habe eine eigene Währung. Menschen anderer Hautfarbe seien nicht erwünscht.  

Begleitet von einem Gewitter mit starkem Regen fahren wir also nach Orania. Als wir den Ort erreichen, hat der Regen aufgehört und ein Regenbogen heisst uns in einer auffallend ordentlichen Ortschaft mit gut unterhaltener Infrastruktur und gepflegten privaten Liegenschaften willkommen. Die Campsite des Ortes liegt am Ufer des Orange Rivers am Rand einer Hotel- und Chaletanlage.

Die Informationen, die wir vor ein paar Wochen in Douglas erhalten haben, erweisen sich, bis auf den Umstand, dass mit Besuchenden auch Englisch gesprochen wird, als korrekt.

Der stark vernachlässigte Ort Orania wurde 1990 knapp vor Ende der Apartheid von 40 weissen Familien vom Staat gekauft. Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 500 schwarze und farbige Personen in Orania. Damit der Ort und dessen Umgebung von den Käufern übernommen werden konnte, wurden 64 Familien umgesiedelt. Bei dieser Aktion handelte es sich um die letzte grosse Zwangsumsiedlung der Apartheid. Den Familien wurden im mehr als 100 Kilometer entfernten Warrenton neu erstellte Häuser zugewiesen. Im April 1991 zogen die ersten weissen Personen nach Orania. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Orania)

Orania umfasst heute ein Gebiet von ca. 8,95 Km2 und zählt an die 3’000 BewohnerInnen. Die Stadt und ihre Umgebung präsentieren sich dank modernen und gut ausgebauten Bewässerungsanlagen als fruchtbarer, grüner Landstrich mit Feldern, auf denen Getreide, Früchte, Pecannüsse etc. angebaut werden. Von den BewohnerInnen Oranias wird eine umfassende Selbstversorgung angestrebt inklusive der Unabhängigkeit vom staatlichen Stromkonzern. Alle anfallenden Arbeiten werden von den Gemeindemitgliedern selbst erledigt. Dies gilt auch für jene alltäglichen Arbeiten, die in Südafrika meist von Schwarzen oder Farbigen für Weisse ausgeführt werden. Aufgrund der Tatsache, dass in Orania keine unterbezahlten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sind die Lebenshaltungskosten bedeutend höher als in Südafrika generell.

Wer sich in Orania niederlassen will, muss NachfahrIn von Buren (Niederländer, Deutsche, Franzosen) sein, Afrikaans sprechen, traditionelle Ansichten vertreten und christlichen Glaubens sein. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, wird nicht in die Gemeinschaft aufgenommen bzw. erhält keine Niederlassungserlaubnis. Gemäss Auskunft der Angestellten der Touristeninformation hat der Ort regen Zulauf, vor allem auch von jungen Leuten. In den letzten fünf Jahren habe sich die Bevölkerung von Orania verdoppelt.

Wir erleben die Stimmung im Städtchen als offen und hilfsbereit. Es ist jedoch klar spürbar, dass die Bevölkerung unter sich bleiben will. Gesprochen wird Afrikaans und alles ist auf Afrikaans angeschrieben. Reisenden wird auf Englisch Auskunft gegeben, das als eine von den elf Amtssprachen Südafrikas in den Schulen unterrichtet wird.

Auf einer abendlichen vom Besitzer des Hotels durchgeführten Fahrt auf dem Orange River stossen wir auf unsere neuen Visa an. Dabei können wir uns mit Leuten unterhalten, die sich von dieser eigenwilligen Stadt ebenfalls ein eigenes Bild machen wollen.

Nach zum Teil etwas befremdlich anmutenden Begegnungen mit der Bevölkerung von Orania und einigem an neuem Diskussionsstoff fahren wir abseits jeglicher Touristenrouten über die Ortschaften Petrusville, Philipstown, Hanover und Richmond Richtung Süden. Die kleinen Städte scheinen teilweise in desolatem Zustand und laden nicht dazu ein, länger zu verweilen. So fahren wir zügig weiter zu den Three Sisters und von dort nach Beaufort West.

Beaufort West ist mit ca. 35’000 Einwohnenden die grösste Stadt der Region Central Karoo. Der berühmteste Bürger der Stadt ist Christian Barnard (1922 bis 2001), der im Jahr 1967 in Cape Town die erste erfolgreiche Mensch-zu-Mensch Herztransplantation durchführte. Im lokalen Museum werden sein Leben und seine Erfolge als Chirurg dargestellt.

Kurz nach Beaufort West zweigen wir von der Hauptstrasse ab und befinden uns unmittelbar am Haupteingang des Karoo National Parks. Erst im Jahr 1979 wurde dieser 831 Km2 grosse Park gegründet, um einen Teil der Karoo im ursprünglichen Zustand zu erhalten. Diverse Tierarten, unter anderen das Spitzmaulnashorn und der vom Aussterben bedrohte Buschmannhase, wurden im Park erfolgreich wieder angesiedelt. Im Park leben viele Springböcke, die an die Zeiten erinnern, als in der Karoo abertausende dieser Antilopen in riesigen Herden umherzogen. Leider wurden diese Tiere auch hier zu Tausenden niedergeschossen, da sie von den weissen Farmern als Nahrungskonkurrenz für ihre Rinder angesehen wurden oder sie fielen exzessiver Jägerei zum Opfer.

In der Zwischenzeit haben wir realisiert, dass uns noch gut vier Wochen bleiben, bis unser Auto in Port Elisabeth zur Verschiffung erwartet wird. Unsere Erkundungswunschliste ist allerdings noch ziemlich umfangreich. Entsprechend heisst es Prioritäten setzen. Daher reduzieren wir unseren Besuch im Karoo National Park auf einen Kurzbesuch, obwohl die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, wie auch die Landschaft mit ihren Tafelbergen und den zurzeit mit zartem Grün überzogenen Halbwüsten, es lohnen würden, eine Woche zu investieren.

Vom Karoo National Park ist es eine kurze abwechslungsreiche Fahrt nach Prince Albert. In dieser beschaulichen Kleinstadt am Fuss der Swartberg Gebirgskette beginnt der Swartberg Pass, der die Grosse mit der Kleinen Karoo verbindet. Die Passstrasse wurde in den 1880 Jahren erbaut und ist bis dato nicht asphaltiert. Die Stützmauern wurden als Trockenmauern erstellt und erfüllen ihren Zweck bis heute in ihrer ursprünglichen Form und Bauweise. Die Strasse führt in vielen Kehren durch die eindrücklichen Landschaften des Gebirges und weiter in die Straussenmetropole Oudtshoorn.

Die Landschaft der Kleinen Karoo ist geprägt von Hügelzügen und dem bis zu 2’325 Meter hohen Swartberggebirge. Im Süden wird sie begrenzt vom Gebirgszug Langeberg, dessen höchster Gipfel 2’072 Meter erreicht. Im Winter sind die höheren Gipfel dieser Gebirgsketten oft mit Schnee bedeckt.

In der Kleinen Karoo dominieren halbwüstenartige Landstriche mit spärlicher Vegetation, in denen das ganze Jahr über nur sehr wenig Regen fällt und kein Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zur Verfügung steht. Diese trockenen Gegenden wechseln sich ab mit äusserst fruchtbaren Gebieten entlang von Flussläufen, in denen riesige Trauben- und Olivenplantagen sowie Obst- und Gemüsekulturen das Landschaftsbild prägen.

Ab Oudtshoorn, der Hauptstadt der Strausse, folgen wir der Route 62, die von Osten kommend durch die malerischen Ortschaften der Kleinen Karoo nach Westen führt. Einen besonderen Charme hat für uns das kleine, unauffällige Städtchen Calitzdorp. Das Gebiet ist dank dem Wasser des Gamka Rivers und seinen Zuflüssen sehr fruchtbar und eignet sich für den Anbau von Weinreben. Neben den in der Gegend üblichen Rot- und Weissweinen wird hier auch ein qualitativ hochstehender Süsswein (Portwein) produziert.

Bei unserer Ankunft herrscht im Städtchen lebhafter Betrieb. Am Strassenrand und auf Plätzen sitzen und stehen Einwohnende lachend und plaudernd in Gruppen zusammen und scheinen den warmen Sommerabend zu feiern. Bei den hübschen und gut erhaltenen Gebäuden des Bahnhofs wurde am Fuss von imposanten goldgelben Felsen ein kleiner Stellplatz mit liebevoll gestalteten sanitären Anlagen eingerichtet. Einige Kilometer vom Bahnhof entfernt wurden die Geleise vor einiger Zeit vom Starkregen eines Gewitters weggespült. Seither ist der Bahnhof stillgelegt. So verbringen wir direkt am Bahnhof von Calditzdorp eine ausgesprochen ruhige Zeit.

Da auf den verschiedenen Weingütern die Traubenlese in vollem Gang ist, ergreifen wir die Gelegenheit, in einer für die Bevölkerung geöffneten Traubenplantage ein paar Kilo der köstlich süssen Trauben für uns zu schneiden.

Im weiteren Verlauf unserer Reise auf der Route 62 durchqueren wir altehrwürdige Orte wie Ladysmith, Barrydale, Montague, Ashton und Robertson, die touristisch gut erschlossen sind und entsprechend oft und mehrheitlich von südafrikanischen TouristInnen besucht werden.

Mit Ziel Tulbagh zweigen wir in Worcester nach Norden ab. Tulbagh liegt etwas abseits der gängigen Routen in einer landschaftlich reizvollen Gegend und allein in der Church Street reihen sich 32 im kapholländischen Stil erbaute Häuser aneinander. Als wir den Ort besuchen, beginnt zudem das Wochenende, was in einer fühlbar aufgeräumten Stimmung und lebhafter Betriebsamkeit im Städtchen zum Ausdruck kommt.

Die kleine historische Stadt Tulbagh wurde 1743 als eine der ersten europäischen Siedlungen Südafrikas gegründet. Der Ort liegt im Einzugsgebiet des Klein Berg Rivers und seiner Zuflüsse und ist auf drei Seiten von Bergen umgeben. Aufgrund seines mediterranen Klimas mit Niederschlagsmengen von bis zu 1’000 Milimetern und einem im Sommer kühlenden Wind aus Süden eignet sich das Gebiet ideal für den Weinbau. Entsprechend haben sich in der Gegend eine Reihe von Weingütern etabliert, die heute eine breite Palette verschiedener qualitativ hochstehender Weine produzieren.

Von Tulbagh fahren wir nach Süden und bald schon befinden wir uns wieder in Stellenbosch und damit im Zentrum des Kap-Weinlandes, das wir vor etwa zwei Wochen in Richtung Kimberley verlassen haben. Allerdings hat uns der nicht ganz freiwillige Ausflug in die Mitte des Landes unser Reiseprogramm ordentlich durcheinandergeschüttelt.

Unsere Erkundung der Weinregion starten wir mit einem spontanen Besuch der Stellenbosch Vineyards. Der am Empfang anwesende Herr überrascht uns mit hohem Engagement und ausgeprägter Motivation. Er erklärt uns, wie die Firma Stellenbosch einerseits als Genossenschaft und andererseits als Eigenmarke funktioniert. Wie die verschiedenen Weine zustande kommen, für wen sie bestimmt sind und anhand welcher Überlegungen neue Produkte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Auf jede Frage gibt er ausführliche und nachvollziehbare Auskunft. Gute zwei Stunden lang folgen wir den Ausführungen des offensichtlich weitgereisten Fachmannes. Versehen mit viel neuem Wissen, guten Tipps für den Besuch weiterer Weingüter und im Besitz von einigen Flaschen Wein, der mit Trauben von alten Reben aus Stellenbosch eigenen Weinbergen gekeltert wurde. Diese erlesenen Weine sind in Europa nicht erhältlich, was sich als bedeutender Nachteil herausstellen sollte…

Auch den berühmten und entsprechend touristischen Städten Stellenbosch und Franschhoek statten wir einen Besuch ab. Genüsslich schlendern wir durch die Strassen der eleganten Orte mit prächtigen Häusern und viel Flair für touristische Bedürfnisse, was sich in vielen Restaurants und in Geschäften niederschlägt, in denen Reiseandenken jeder Preisklasse auf kaufkräftige Kundschaft warten. 

Einen anregenden Tag verbringen wir auf dem Weingut «Babylon Storen». Umgeben vom Simonsberg und den Franschhoek Mountains liegt Babylon Storen im Drakenstein Valley im Zentrum des Kap-Weinlandes. Das Gut wurde bereits im Jahre 1690 gegründet und zählt zu den ältesten Weingütern Südafrikas. Auf dem Gelände befinden sich ein Hotel, drei Restaurants mit ausgezeichneter Küche, ein Museum sowie mehrere äusserst attraktive Verkaufslokale. Neben Gemüse, Kräutern und Früchten werden auf der Farm verschiedene Weine und erstklassiges Olivenöl produziert.

Besonders angesprochen haben uns die aufwändig angelegten Gärten, welche die Pflanzenwelt der unterschiedlichen Klimazonen Südafrikas mit ihren spezifischen klimatischen Bedingungen repräsentieren.

Nach der touristisch hochentwickelten Umgebung des Kap-Weinlandes zieht es uns wieder in diesbezüglich weniger aktive Gegenden. Wir entscheiden uns, die Weinregion über den Franschhoek Pass zu verlassen. Auf der anderen Seite der Franschhoek Berge überqueren wir den Theewaterskloof Stausee bei Villiersdorp und fahren auf direktem Weg an die Südküste.

Auf der Fahrt dorthin durchqueren wir von rollenden Hügeln geprägte fruchtbare Landschaften mit weitläufigen Feldern auf denen grossmehrheitlich Getreide angebaut wird. Zurzeit präsentiert sich die Gegend in den sommerlichen Farben abgeernteter Äcker. Die sich weit über den Horizont erstreckenden strohtrockenen Gebiete machen deutlich, dass seit Langem kein Regen mehr gefallen ist.

Unser Ziel ist der Agulhas National Park, in dem sich mit Cape Agulhas der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents befindet. Dementsprechend wechseln wir in Hawston die Richtung und fahren der Küste entlang Richtung Osten. Bald schon erreichen wir Hermanus, das von Juni bis November fantastische Walbeobachtungen verspricht. Seine weitläufigen Sandstrände sind hauptsächlich bei Touristen aus dem nahen Cape Town beliebt. Die Hauptattraktion des gut 50 Kilometer weiter östlich liegenden Gans Bay ist indessen das «Haikäfigtauchen». Da für Walbeobachtungen aktuell der falsche Zeitpunkt ist und wir dem Tauchen in Käfigen keine Sympathien abgewinnen können, fahren wir weiter zum weithin unbekannten Quoin Point Nature Reserve, wo wir die Ruhe und Abgeschiedenheit der weitläufigen Campsite einzig mit zwei südafrikanischen Fischern teilen.

Die Weiterfahrt zum Kap Agulhas führt dann durch weite Ebenen von Agrarland. Auch hier ist das eine oder andere Weingut zu finden.

Kap Agulhas ist geografisch der südlichste Punkt Afrikas und offiziell der Ort, an dem der Atlantische und der Indische Ozean aufeinandertreffen. Kap Agulhas wird auch als Kap der Stürme bezeichnet. Hier sind über die Jahre mehr als 100 Schiffe gesunken, ein Umstand, der auch durch den im Jahr 1848 erstellten Leuchtturm nicht verhindert werden konnte.

Vom südlichsten Punkt unserer Reise wenden wir uns wieder nach Norden und machen im Bontebok National Park Halt. Der Park vor den Toren Swellendams, der im Jahr 1960 zum Schutz der letzten freilebenden Buntböcke gegründet wurde, ist ein Kleinod am Ufer des Breede River.

Mit einer Fläche von knapp 28 Km2 ist er der kleinste der südafrikanischen Nationalparks. Die Zahl der Buntböcke wird auf 200 beschränkt, da eine höhere Anzahl Tiere auf dieser Fläche ökologisch nicht vertretbar wäre. Im Park leben mittlerweile auch andere Arten meist kleiner Antilopen und vor ein paar Jahren wurde das Kap-Bergzebra hier wieder angesiedelt.

Da sich unsere Reise in Afrika nun zügig ihrem Ende nähert, nutzen wir die gute Infrastruktur des Parks, um unseren Mini-Haushalt für die letzten Wochen etwas aufzufrischen und die Seele baumeln zu lassen.

Swellendam wurde 1747 zur gleichen Zeit wie Tulbagh gegründet. Die kleine äusserst sympathische Stadt liegt am Fuss des Langeberg Gebirgszugs und weist trotz eines Grossbrandes im Jahr 1865 eine erstaunlich hohe Zahl gut erhaltener historischer Gebäude auf. Mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den Ort und dem Besuch des in der Gründerzeit Swellendams erbauten Drostdy Hauses, das heute den Kern eines aus verschiedenen Gebäuden bestehenden Museums bildet, starten wir unsere Tour über die Garden Route.

Auf unserem Weg von Swellendam nach Mossel Bay und weiter nach George durchqueren wir fruchtbare sattgrüne Gegenden. Die hügeligen, oft wasserreichen Gebiete am Fuss der weit im Hintergrund liegenden Langeberg- und Swartbergebirge sowie den Outeniqua Bergen präsentieren sich neben dem üblichen landwirtschaftlichen Kulturen mit weitflächigem Weideland und riesigen Vieherden sowie ausgedehnten Wäldern. Eine Landschaft, die uns immer wieder an die Schweiz erinnert, obwohl ein direkter Vergleich angesichts der hiesigen Dimensionen nicht wirklich sinnvoll ist.

Die Küstenstadt Mossel Bay mit etwas mehr als 40’000 Einwohnenden (2022) lebt heute hauptsächlich von den im Jahr 1969 vor der Küste entdeckten Gasvorkommen und vom Tourismus. Fischerei und Landwirtschaft, die bis in die frühen 1990er Jahre wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt, sind für Mossel Bay heute kaum noch von Bedeutung.

Mossel Bay ist eine hochentwickelte Tourismusdestination, die abenteuerlustigen Feriengästen unzählige Attraktionen bietet. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12°C – 26°C im Sommer und ca. 8°C bis 19°C im Winter sowie einer jährlichen Niederschlagsmenge von ca. 500 mm sind die klimatischen Bedingungen ideal. Und da der Regen meistens nachts fällt, kann Mossel Bay seinen Gästen für die Dauer ihres Aufenthaltes eine fast 100-prozentige Sonnenschein-Garantie geben.

Nachdem er, ohne es wahrzunehmen, das Kap der guten Hoffnung umschifft hatte, ankerten Bartolomeu Dias und seine Männer am 3. Februar 1488 in der Bucht des heutigen Mossel Bay. In der Nähe des Ufers entdeckten sie eine Quelle, die es ihnen ermöglichte, die Wasservorräte ihrer Schiffe zu erneuern. Bartolomeu Dias hatte von seinem König, den Auftrag erhalten, eine Handelsroute nach Indien auszukundschaften. Seine Exkursionen an Land brach er allerdings unverzüglich ab, nachdem er von der lokalen Bevölkerung mit einem Steinhagel empfangen wurde. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay)

Ganz in der Nähe, der von Dias entdeckten Quelle steht heute das Bartolomeu Dias Museum. Das Museum ist den frühen Seefahrer-Nationen gewidmet und vermittelt einen eindrücklichen Überblick über die Unternehmungen der grossen europäischen Seefahrer der Entdeckungszeit und veranschaulicht die oft tödlichen Herausforderungen, mit denen Schiffsmannschaften und Passagiere auf ihren Fahrten konfrontiert wurden.

Von Mossel Bay geht unsere Reise weiter ins Herzstück der Garten Route. Mit Zwischenhalten in Wilderness, der geschäftigen Stadt Knysna und an der Küste bei Storms River Mouth am Fuss der Tsitsikamma Berge erleben wir die faszinierend abwechslungsreiche Gegend mit quirlig lebendigen Ortschaften, wunderschönen Sandstränden und zerklüfteten Küsten mit gebirgigen Schluchten, die vom Meer tief ins Landesinnere reichen.

Storms River Mouth im Tsitsikamma National Park erweist sich dabei klar als der Ort, den wir auf einer zweiten Afrikareise auf jeden Fall wieder besuchen würden.

Zu Beginn unserer Reise haben wir auf dem Weg nach Norden einen Aufenthalt im Mountain Zebra National Park auf später vertagt. Nun fast am Ende unserer Reise ist es höchste Zeit diese Pendenz entweder zu erledigen oder dann von unserer To-do-Liste zu streichen.

Da es uns noch einmal in die Nähe der Tiere Afrikas zieht und uns Gregory, der Parkranger, der uns durch den Karoo National Park geführt hat, diesen Park besonders ans Herz gelegt hat, entscheiden wir uns für einen Besuch.

Für die Fahrt in den Norden wählen wir die landschaftlich attraktive Strecke, welche die Überquerung der Outeniquaberge mittels Outeniqua- und Potjesbergpass nach Uniondale beinhaltet. Dann führt uns die Route zwischen den Ausläufern des Swartberggebirges zur Linken und dem Antoniesberg zur Rechten nach Willowmore, Aberdeen und über Graaff Reinet. So erreichen wir den Haupteingang des Mountain Zebra National Parks von Norden.

Auf der Fahrt durchqueren wir mehrere Klimazonen, mit ihren je spezifischen Anbaugebieten. Zum Beispiel wird in den Outeniquabergen nördlich von George in der Gegend um Herold Hopfen angepflanzt. Die milden Temperaturen des hier mehrheitlich mediterranen Klimas mit genügend Niederschlägen und wenig Frost bietet ideale Bedingungen für einen erfolgreichen Anbau dieser bis zu acht Meter hoch- und  schnellwachsenden Kletterpflanze. 

In flacheren Gegenden treffen wir riesige Straussenherden an, während wir in weiter nördlich und höher gelegenen, deutlich kühleren Gebieten Apfel- und Birnenplantagen durchqueren, da hier die für den Anbau dieser Früchte erforderlichen klimatischen Voraussetzungen mit ausreichend Frost gegeben sind.

Etwa 30 Kilometer nach Willowmore passieren wir den Beervlei Staudamm. Der 31 Meter hohe und 348 Meter lange Damm wurde 1957 gebaut, um Überflutungen durch den Groot River und dessen Zuflüsse zu verhindern. Bei starken Regenfällen füllt sich die 23’145 Km2 grosse Stauebene mit Wasser, das in der Folge durch gezieltes Öffnen der Schleusen zur Bewässerung der Felder zur Verfügung gestellt wird.

Je weiter wir uns unserem Ziel nähern, umso halbwüstenartiger wird die Landschaft, bis wir nördlich von Willowmore wieder in der Grossen Karoo unterwegs sind.

Der Mountain Zebra National Park wurde im Jahr 1937 zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Cape Mountain Zebras (Kap-Bergzebras) gegründet. Zur Gründungszeit stand dem Park eine Fläche von nur gerade 17.12 Km2 zur Verfügung. Bis heute konnte er auf 284 Km2 erweitert werden und es wird aktiv versucht, den Park durch Zukäufe von angrenzendem Land weiter zu vergrössern. Die Zahl der im Park lebenden Kap-Bergzebras ist dank unermüdlicher Anstrengungen von Fachleuten und eines hochmotivierten Teams von Wildhütern und Helfenden von anfänglich etwa 25 Tieren auf aktuell über tausend angestiegen. Aus dem hiesigen Bestand werden von Zeit zu Zeit Gruppen in andere für das Kap-Bergzebra geeignete Parks umgesiedelt.

Der Mountain Zebra National Park ist ein zauberhafter, relativ kleiner, landschaftlich ausserordentlich attraktiver und abwechslungsreicher Park. Da es geregnet hat, präsentiert sich der Park in frischem Grün, mit viel saftigem Gras und blühenden Blumen. Bei prächtigem Wetter beschert uns der Park zahlreiche und unerwartete Tierbeobachtungen. Mit tiefliegenden Nebelfeldern und frühmorgendlichen Temperature um 12°C macht sich zwischendurch zudem der nahende Herbst bemerkbar.

Neben dem Kap-Bergzebra beherbergt der Park eine Vielzahl anderer Wildtiere. Darunter befinden sich der Caracal, das Weissschwanzgnu, das ausschliesslich in Südafrika vorkommt, Oryx Antilopen, Geparden, und Spitzmaulnashörner, um nur einige zu nennen. Die vielen Jungtiere, die aufgrund des reichlichen Nahrungsangebotes um diese Zeit geboren werden sind ein zusätzlicher Bonus.

Unter all den Parks, die wir auf unserer Reise besucht haben, gehört der Mountain Zebra National Park definitiv mit zu unseren Favoriten.

Zum Abschluss buchen wir eine geführte Tour zu den Geparden, von denen mehrere Familien im Park leben. Ein junger Wildhüter führt uns zielsicher zu einer Mutter mit ihren drei Jungtieren. Mit der erforderlichen Behutsamkeit und Vorsicht können wir uns den Tieren zu Fuss bis auf wenige Meter nähern. Die Tour ist ein eindrückliches Erlebnis, das uns wieder einmal bewusst macht, wie fragil und heikel das Zusammentreffen von Mensch und Tier sein kann und wir hier ausschliesslich geduldete Eindringlinge sind.

Mit Ziel Port Elisabeth fahren wir vom Mountain Zebra National Park nach Süden. Dabei besuchen wir das malerische Städtchen Graaff Reinet, das wir zu Beginn unserer Reise schon besichtigt haben, noch einmal. Im Gegensatz zu unserem Besuch im Frühling präsentiert sich die damals strohtrockene Gegend um Graaff Reinett nach ausgiebigem Regen in sattem Grün.

Quasi an unserer Route liegt einige Zeit später der Addo Elephant National Park. Natürlich schaffen wir es nicht, am Park vorbeizufahren und damit die Gelegenheit zu verpassen, noch einmal Elefanten aus nächster Nähe beobachten zu können.

Gegründet wurde der Addo Elephant National Park im Jahr 1931 zum Schutz der letzten in dieser Gegend lebenden Elefanten. Bis zur Gründung des Parks wurden die hier ehemals zahlreiche Tiere umfassenden Herden von eigennützigen Elfenbeinjägern und Farmern bis auf einen kümmerlichen Restbestand von elf Tieren getötet. In der Zwischenzeit hat sich die Elefantenpopulation wieder auf über 600 Tiere (2022) erholt.

Die nun faktisch zu hohe Zahl im Park lebender Dickhäuter wird für die Natur des 1’790 Km2 grossen Parks zunehmend zur Belastung. Anhand diverser Massnahmen wird versucht, die Elefanten in von ihnen weniger bevorzugte Gebiete zu lenken. Zudem wird auch hier aktiv an der Erweiterung des Parkgebietes gearbeitet. Angestrebt wird eine Grösse von rund 3’600 Km2.

Etwas wehmütig verabschieden wir uns von unserem letzten Wildpark im südlichen Afrika und nehmen die letzte Etappe unserer Reise in Angriff.

In Gqeberha, wie Port Elisabeth seit dem 23. Februar 2021 offizell heisst, gönnen wir unserem Auto eine gründliche Wäsche und einen Service. Danach ist Packen und Putzen angesagt, da unser Auto nächstens im Hafen erwartet wird.

Um sicher zu gehen, dass unser Auto auf dem Hafengelände von Port Elisabeth keine unterwünschten Besuche mehr erhält, engagieren wir über unsere für die Verschiffung zuständige Agentur einen Sicherheitsbeamten, der unser Auto bis zur Verladung auf das Schiff im Auge behält.

Unseren Rückflug in die Schweiz haben wir vor Reisebeginn so geplant, dass wir zuhause noch Gelegenheit haben, den Osterhasen anzutreffen. Unsere Planung geht recht gut auf und nachdem wir unser Auto am Hafen übergeben haben, bleiben uns noch drei Tage in Port Elisabeth, bevor auch wir die Rückreise in die Heimat antreten.

Diese Zeit verbringen wir mit Spaziergängen durch Port Elisabeth und entlang der mehreren Kilometer langen, gut unterhaltenen Strandpromenade und versuchen uns, allerdings mit mässigem Erfolg, auf die Rückkehr in die Schweiz einzustimmen.

Kurz nachdem wir am Tag unserer Abreise das Flugzeug in Port Elisabeth bestiegen haben, beginnt es zu regnen.

Erfreulicherweise empfängt uns in Zürich ein strahlend schöner Frühlingstag mit herrlich warmen Temperaturen. Bedeutend mehr als das freundliche Wetter freut uns allerdings der herzliche Empfang unserer Familie, die uns vollzählig am Flughafen erwartet.

Mittlerweile haben wir unser Auto in Bremerhaven abgeholt. Die präventive Bewachung im Hafen von Port Elisabeth scheint ihr Ziel erreicht zu haben. Entsprechend konnten wir unser Auto in Bremerhaven so in Empfang nehmen, wie wir es im Hafen von Gqeberha vor vier Wochen abgeliefert haben.

Gedanken zum Schluss

Mit einiger Wehmut verlassen wir Afrika und hoffen, dass es ein Abschied auf Zeit sein wird. Die sechs Staaten im südlichen Afrika, die wir in den gut sieben Monaten bereisen durften, haben uns in ihrer Unterschiedlichkeit, sei dies bezogen auf die Landschaften oder die Tier- und Pflanzenwelt immer wieder von neuem fasziniert. Vor allem anderen hat uns jedoch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, beeindruckt.

Bis auf den Einbruch in unser Auto zu Beginn der Reise, haben wir keine negativen Erlebnisse mehr verbuchen müssen. Die Sicherheitslage in den von uns bereisten Staaten ist sehr unterschiedlich. Wir haben uns an den meisten Orten sicher gefühlt und sind der Meinung, dass ein dem Aufenthaltsort angepasstes Mass an gesundem Menschenverstand sehr viel zu einer sicheren Reise beiträgt. Während der Reise haben wir mehrheitlich die bestehenden Campsites genutzt. Dies weil die lokalen Gemeinden dadurch ihre Aufwendungen mindestens teilweise decken können und ein paar Arbeitsplätze erhalten bleiben. Selbstredend bedingt wildes Campen erhöhte Kenntnisse der lokalen Voraussetzungen und Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung.

Wir sind uns bewusst, dass die politische, wie auch die wirtschaftliche Situation in den von uns besuchten Ländern sehr unterschiedlich ist und massive soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten bestehen. Das Erbe der Kolonialzeit ist in den davon betroffenen Ländern noch deutlich sicht- und spürbar und die Folgen der Apartheid sind allgegenwärtig und noch lange nicht überwunden. Simbabwe leidet zusätzlich noch immer massiv unter der misslungenen Landesreform.

Alles in allem können wir individuelles Reisen durch die südlichen Länder Afrikas nur empfehlen. Mit etwas zusätzlichem Aufwand an weiterreichenden Überlegungen ist dieser Teil Afrikas unserer Meinung nach ein sicheres Reisegebiet. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei die Bereitschaft, eigene Denkmuster zu hinterfragen, allenfalls zu verändern und den eigenen Horizont entsprechend zu erweitern.

Vermissen werden wir die Begegnungen, bei denen uns so oft das fröhliche, herzliche Lachen und die Fähigkeit der Menschen, den Augenblick zu feiern, begegnet sind und uns immer wieder aufrichtige Bewunderung abgerungen hat.

Südafrika 3 (der Westen)

Kgalagadi via Cape Town bis Kimberley / 29. Januar – 27. Februar 2025

Während knapp zwei Monaten durften wir die grandiosen Landschaften, die vielfältige Tierwelt sowie interessante Städte und Ortschaften in Namibia entdecken und erleben. Nach vier Monaten, die wir in drei der angrenzenden Länder verbracht haben, ist es nun Zeit wieder nach Südafrika einzureisen.

Für den dritten Teil Südafrikas steht uns gut ein Monat zur Verfügung. Nach der Einreise planen wir dem Oranje River, der über lange Strecken die Nordgrenze zwischen Namibia und Südafrika bildet, entlang zur Westküste Südafrikas zu fahren und dann der Küste folgend nach Kapstadt zu reisen. Dort werden wir die Stadt und anschliessend die Kap-Halbinsel erkunden.

Nach unseren herrlichen Tagen im Kgalagadi National Park gehen wir am Abend unseres letzten Tages im Park zum Grenzposten bei Twee Rivieren, um uns nach den Formalitäten für unsere morgige Einreise zu erkundigen.

Die nette Dame am entsprechenden Schalter inspiziert unsere Pässe und runzelt langsam die Stirn. Das Runzeln verstärkt sich zusehends, was bei uns schlagartig Verunsicherung auslöst, die sich nochmals steigert, als die Beamtin mit unseren Pässen für einige Zeit in ihr Büro verschwindet. Als sie zurückkommt, teilt sie uns mit, dass unser Visum abgelaufen sei und wir fünf Tage Zeit hätten, Südafrika zu verlassen. Überrascht schauen wir uns an und umgehend wird uns die Tragweite der Situation klar. Wir fragen nach dem Grund, da wir unserer Ansicht nach bei weitem nicht 90 Tage in Südafrika verbracht hätten. Die nette jedoch zunehmend bestimmte Dame am Schalter erklärt uns, dass nicht die Anzahl Tage ausschlaggebend sei, die wir in Südafrika verbracht hätten, sondern einzig und allein das Datum des Einreisestempels. Wir müssten in unser Herkunftsland zurückreisen, um bei der nächsten Einreise nach Südafrika (und zwar ausschliesslich aus unserem Herkunftsland) ein neues Visum zu erhalten.

Etwas betreten erkundigen wir uns bei der Beamtin, was sie uns empfehlen würde, da fünf Tage kaum reichen würden, um uns entsprechend zu organisieren. Sie informiert uns, dass es die Möglichkeit gebe, einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Die Verlängerung könne bei dafür vorgesehenen Organisationen in den Hauptorten der verschiedenen Provinzen des Landes beantragt werden. Sie würde uns empfehlen, einen allfälligen Antrag in Kimberley einzureichen, da dies der nächstgelegene Ort sei, an dem sich ein solches Büro befinde. Wir bedanken uns für die Information und verlassen noch immer ziemlich fassungslos den Grenzposten. Bei einem kräftigen Drink spielen wir wenig später die möglichen Varianten durch. Dabei kommen wir zum Schluss, dass ein Antrag auf Verlängerung unserer Visa im Moment die beste Lösung ist und beschliessen, diesen Antrag in Kimberley einzureichen.

Glücklicherweise ist die gleiche Beamtin am kommenden Morgen wieder am Schalter. Wir informieren sie, dass wir entschieden haben, in Kimberley einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Wieder verschwindet sie mit unseren Pässen in ihrem Büro. Nach ein paar Minuten ist sie zurück und überreicht uns die gestempelten Pässe. Sie erklärt, dass sie eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung für insgesamt sieben Tage ausstellen konnte. Damit sollten wir genügend Zeit haben, um die Verlängerung in Kimberley zu beantragen. Wir bedanken uns für ihre Unterstützung und machen uns, statt wie geplant nach Westen zum Augrabies National Park, umgehend auf den Weg nach Kimberley, das gut 650 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung liegt.

Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnisse. Dies trifft umso mehr auf unsere bedingt freiwillige Fahrt nach Kimberley zu, als wir nun die Möglichkeit haben, unterwegs einige Reiseziele zu berücksichtigen, die auf unserem Reiseplan bisher nicht vorgesehen waren.

Zu Beginn führt unsere Route durch die letzten leuchtend orangeroten Dünen und die riesigen Gebiete der nach Süden hin auslaufenden Kalahari, die sich über den Horizont hinaus ins Unendliche zu erstrecken scheint.

In Upington, der ersten grösseren Stadt im nordwestlichen Südafrika legen wir einen ersten Halt ein. Die Stadt liegt am Orange River, dessen Wasser hier den weitflächigen Anbau von Getreide, Gemüse, Trauben und Zitrusfrüchten ermöglicht. In Upington befindet sich die grösste Wein-Kooperative Südafrikas. Ein grosser Teil der in der Weinregion, die sich entlang dem Orange River weiter nach Westen ausdehnt, angebauten Trauben ist allerdings nicht zur Produktion von Wein, sondern für den Export als Tafeltrauben oder zur Trocknung bestimmt.

Von Upington fahren wir über Grootdrink, Groblershoop, Griekwastaad und Campbell nach Douglas. Die kleine Ortschaft liegt am Ufer des Vaal River, der zehn Kilometer südwestlich in den Orange River mündet. Die Gegend um die beiden Flüsse ist äusserst fruchtbar und die weiten Ebenen eignen sich hervorragend zum Anbau von Getreide, Mais und Gemüse. In Douglas befindet sich direkt am Vaal River ein sympathischer kleiner Stellplatz, der von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Nach einer freundlichen und informativen Unterhaltung mit der Besitzerin verbringen wir hier eine ruhige und erholsame Nacht und fahren am nächsten Morgen zeitig weiter.

In Kimberley benötigen wir anderthalb Tage, bis wir alle für den Antrag erforderlichen Dokumente zusammengetragen und ausgefüllt haben. Dann müssen diese offiziell beglaubigt und von den hilfsbereiten und dabei hochkorrekten Angestellten des VFC (Visa Facilitation Center) als vollständig akzeptiert werden. Als dies geschafft ist, erhalten eine Bestätigung, dass wir den Antrag eingereicht haben und die Auskunft, dass es zwischen zwei Wochen und zwei Monaten dauern könne, bis die neuen Visa abholbereit seien. Über den zeitlichen Verlauf des Verfahrens und den Abholtermin würden wir per SMS und per E-Mail informiert. Während der Dauer des Verfahrens könnten wir uns frei im Land bewegen. Mit der Bestätigung, dass wir einen Verlängerungsantrag eingereicht hätten, könnten wir das Land allenfalls auch verlassen. Die Visa müssten zu gegebenem Zeitpunkt wieder in Kimberley abgeholt werden. Und nein, es gebe leider keine andere Möglichkeit.

Da wir nun schon mal in Kimberley sind, besuchen wir The Big Hole (Das Grosse Loch), eine ehemalige Diamantenmine, die sich im Laufe der Zeit mit Wasser gefüllt hat. In unmittelbarer Nähe befinden sich die noch erhaltenen Gebäude der Stadt, die während des Diamantenbooms am Rand der Mine entstanden ist.

In der Nähe des Orange Rivers wurden im Jahr 1866 auf freiem Feld die ersten Diamanten entdeckt. Im Juli 1871 wurden auch auf der Colesberg Kopje, die sich auf dem Gebiet der Farm der Brüder Johannes Nicolaas und Diederik Arnoldus de Beer befand, eine Handvoll Diamanten gefunden. Im folgenden Diamantenrausch und unter dem steigenden Druck der sich rasant entwickelnden Diamantenindustrie mussten die Brüder ihr Land dann jedoch verkaufen.

Während des Diamantenrauschs entstand auf dem Gelände der Colesberg Kopje ein riesiges Loch, das von tausenden von Diamantenschürfern von Hand ausgehoben wurde. Gegraben wurde hauptsächlich mit Pickel und Schaufel und die Suche nach den begehrten Steinen wurde schon bald zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit. Viele Menschen kamen durch Unfälle in der immer tiefer werdenden Mine ums Leben.

Schon 1872, ein Jahr nachdem das Schürfen nach Diamanten bei der Colesberg Kopje startete, lebten im dortigen Camp bis zu 50’000 Menschen. Die Lebensbedingungen im Camp waren aufgrund dauernden Wassermangels, katastrophalen hygienischen Verhältnissen, fehlenden gesunden Nahrungsmitteln und der unerträglichen Sommerhitze äusserst prekär. Krankheiten verbreiteten sich in Windeseile und endeten oft tödlich.

Als die Diamantenmine weniger Ertrag generierte, kaufte Cecil Rhodes die Schürfrechte der Diamantensucher auf. Im Jahr 1888 wurde dann die Organisation «De Beers Consolidated Diamond Mines» von Cecil John Rhodes und Charles Rudd ins Leben gerufen. Der Abbau der Diamanten wurde im Untertagebau bis auf eine Tiefe von 1’097 Metern erfolgreich fortgesetzt. Im Jahr 1914 wurde die Mine geschlossen, weil sie die erforderliche Rendite nicht mehr erzielte.

Vom Start der Förderung von Diamanten im Jahr 1871 bis zur Einstellung des Abbaus wurden 22,5 Millionen Tonnen Gestein an die Oberfläche befördert und bis zu 2’722 Kilogramm Diamanten von insgesamt 14’504’566 Millionen Karat gefunden. Als der Abbau eingestellt wurde, war das im Tagebau entstandene Loch 240 Meter tief. Das Grosse Loch hat heute eine Grösse von 17 Hektaren und einen Durchmesser von 463 Metern.

Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich ein modernes, höchsten Standards entsprechendes Bergbaumuseum. In anschaulicher Art vermittelt dieses Zahlen und Fakten von der Entstehung der Diamanten bis zu deren Verarbeitung zu wertvollem Schmuck oder deren Verwendung in Hochpräzisionsinstrumenten. Wir erfahren, wie die Grösse Karat berechnet wird, wieviel Karat die grössten Diamanten wiegen, die in Kimberley gefunden wurden und wo diese sich heute befinden. In hoch gesicherten Schaukästen können echte Diamanten unterschiedlichster Farbe und Grösse betrachtet werden.

Die kleine, gut erhaltene Stadt aus der Hochblüte des Diamantenrauschs ist heute ein Freilichtmuseum, das einen lebensnahen Eindruck der damaligen Zeit vermittelt. Zusammen mit dem modernen Bergbaumuseum ergeben die beiden Freilichtmuseen einen spannenden und umfassenden Einblick in die faszinierende Welt der Diamanten.

Alles in Allem ist der Besuch der alten Mine und der angrenzenden Anlagen, die sich nota bene mitten in Kimberley befinden, ein lohnendes Erlebnis.

Nach den kurzweiligen Tagen in und um Kimberley zieht es uns wieder nach Westen. Unsere Route führt zurück nach Upington und von dort weiter in den Augrabies Falls National Park, in dem sich mit dem 56 Meter hohen Wasserfall des Orange Rivers der mächtigste Wasserfall Südafrikas befindet.

Dank dem Wasser des Orange Rivers können wir auf der Weiterfahrt riesige Anbauflächen bestaunen, auf denen hauptsächlich Trauben und Zitrusfrüchte angebaut werden. Die Ernte der zur Produktion von Weinbeeren bestimmten kernlosen Trauben ist in vollem Gang. Auf riesigen mit Vlies belegten Flächen werden die Trauben an der Sonne zum Trocknen ausgelegt und je nach Sorte während 7 bis 10 Tagen regelmässig von Hand gewendet. Bei Temperaturen um 40°C reicht dieser Zeitraum, damit sich die Trauben in trockene Weinbeeren verwandeln. Erst jetzt realisieren wir, wieviel Handarbeit bei der Produktion von Weinbeeren involviert ist.

Über Pofadder fahren wir weiter bis nach Springbock, der grössten Stadt und Versorgungszentrum der Region Namaqualand. Sobald kein Wasser zur Bewässerung von Anbauflächen mehr zur Verfügung steht, präsentiert sich die Landschaft vor allem während des Sommers heiss, trocken und lebensfeindlich.

Die Stadt Springbock verdankt ihre Gründung im Jahr 1862 den reichen Kupfervorkommen in ihrer Umgebung. Sie ist das Versorgungszentrum der Region und nach wie vor ein wichtiger Knotenpunkt für die Kupferförderung. Ihren Namen erhielt die Stadt von den riesigen Springbockherden, die bis im 19. Jahrhundert in dieser Gegend lebten. Leider wurden die Tiere von den Siedlern dann fast vollständig ausgerottet.

Nur wenige Kilometer südlich von Springbock liegt das Goegap Naturreservat. Ein charmanter kleiner Park, dessen Schwerpunkt auf dem Erhalt der vielfältigen Pflanzenwelt der umliegenden Gebiete liegt. Hier gedeiht eine Vielzahl unterschiedlichster Sukkulenten, von denen ein Teil in einer Sammlung besichtigt werden kann. Darunter ist auch ein eindrücklicher Bestand von Köcherbäumen.

Die Hauptattraktion des Parks präsentiert sich allerdings während der Monate August und September. Sofern es genügend Regen gegeben hat, verwandelt sich die Halbwüste während des hiesigen Frühlings sozusagen über Nacht in ein riesiges Blütenmeer, das Besuchende aus aller Welt anlockt. Auch ohne dieses spektakuläre Ereignis ist der Park ein zauberhafter Ort. Das Wetter ist prächtig und die Sicht in die den Park umgebenden Berge ist strahlend klar. Zudem sind wir die einzigen Gäste und das ganze Gebiet steht uns quasi zur freien Verfügung.

Das Reservat und Springbock verlassen wir in nördliche Richtung. Über die Ortschaft Steinbock und einen Richtungswechsel nach Westen erreichen wir den Atlantik und damit die angenehm kühle Westküste.

Dort treffen wir auf Port Nolloth, eine kleine Hafenstadt, die noch bis vor einigen Jahrzehnten vom Bergbau oder dem Abbau von im Meeresboden lagernden Diamanten leben konnte. Nachdem der Kupferabbau in der Gegend um Springbock nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher und die Förderung von Diamanten unrentabel wurde, lebt der Ort heute hauptsächlich von der Langustenfischerei und vom Tourismus. Einige Diamantensuchboote besitzen allerdings noch eine Lizenz, um im Meeresgrund nach Diamanten zu suchen.

Von Port Nolloth aus fahren wir der Westküste entlang Richtung Süden. In Kleinzee, einer ehemaligen Minenstadt, die sich bis vor kurzem im Besitz eines Minenbetreibers befand, treffen wir in der Touristeninformation einen sehr motivierten jungen Mann, der auch das angegliederte Museum im Schuss hält. Wir erfahren, dass die Förderung von Diamanten vor einigen Jahren eingestellt worden ist. Daraufhin sei die Stadt vom Minenbesitzer aufgegeben worden. Die bisherigen Arbeitsplätze seien verlorengegangen und die Zahl der Einwohnenden habe sich von ca. 2’000 auf einen kleinen Bruchteil dessen reduziert. Viele Liegenschaften seien verkauft worden, was auch zu Neuzuzügen geführt habe. In den letzten Jahren habe sich die Kleinstadt neu ausgerichtet und vermehrt in touristische Infrastruktur investiert. Mittlerweile sei die Bevölkerung wieder auf knapp 800 Personen angewachsen.

Auf die Empfehlung des jungen Mannes beschliessen wir, in der kleinen Ortschaft eine Kaffeepause einzulegen. Dabei lernen wir eine junge Frau kennen, die ein kleines charmantes Kaffee betreibt und ein paar Zimmer an Reisende vermietet. Aus der geplanten Kaffeepause wird ein sehr angenehmer und informativer Nachmittag. Im Kaffee findet gerade ein Meeting von drei jungen Frauen statt, die sich intensiv mit Zukunftsplänen auseinandersetzen. Wir sind tief beeindruckt von den jungen Leuten, die mit viel Einsatz und Energie versuchen, den Ort als funktionierende Gemeinschaft aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Nach diesem erfrischenden Nachmittag fahren wir zurück nach Springbock. Die Strasse, die Kleinzee mit Springbock verbindet, führt zu Beginn durch halbwüstenähnliche Landstriche, in denen sich das hässliche Gesicht des Diamantenabbaus offen manifestiert. Wiederholt fahren wir durch Gebiete, die bei der Suche nach den wertvollen Edelsteinen mit riesigen Maschinen regelrecht umgegraben und verwüstet wurden. Eine Pflicht für einen die Natur schonenden Abbau oder zur Wiederherstellung der zerstörten Gebiete durch die Verursacher scheint nicht zu bestehen.

Nach vielen deprimierenden Kilometern erreichen wir hügeliges, teilweise grünes Gelände, in dem in bescheidenem Mass Viehhaltung möglich ist. Dann führt die Strecke über den Spektakel Pass, der uns getreu seinem Namen eindrucksvolle Szenerien beschert. Zudem hat sich die Fahrbahn von einer streckenweise ziemlich ruppigen Piste in eine tadellos asphaltierte Strasse verwandelt.

Das prächtige Wetter der nächsten Tage nutzen wir, um weiter Richtung Süden zu fahren. Aufgrund des Abstechers nach Kimberley geben wir uns mit der effizienteren Variante über die Schnellstrasse zufrieden, statt auf den sandigen und entsprechend zeitintensiven Pisten der Küste entlang die prächtigen Strände zu entdecken. Nach der langen Fahrt durch die hügelige, meist trockene Landschaft von Springbock nach Vanrhynsdorp geniessen wir in Vredendal die grüne und fruchtbare Gegend um den Olifants River.

Wie im Norden Südafrikas der Orange River ermöglicht der Olifants River hier den Anbau von Trauben, Zitrusfrüchten, Gemüse und Getreide. Das Wasser des Olifants Rivers und seiner Zuflüsse, die in den weiter im Hinterland liegenden Gebirgen entspringen, wird in ausgeklügelten Bewässerungssystemen zu den Feldern und Plantagen der Anbaugebiete geleitet. Bei Papendorp mündet der Olifants River dann in den Atlantik.

Der Stellplatz, auf dem wir eine Reisepause einlegen, liegt auf dem Gelände einer Farm, auf der hauptsächlich Saatgut für den europäischen Markt, Weintrauben, Korinthen und Süsskartoffeln produziert werden. Auf einer Fahrt durch seine Kulturen erläutert uns der weltoffene Besitzer der Farm die heutigen Herausforderungen im Alltag eines Farmers. Diese drehen sich hauptsächlich um die Wasserrechte und zunehmend um die von europäischen Abnehmern verlangte nachhaltige Produktion.

Die Westküste erweist sich als ursprüngliches und vom allgemeinen Tourismus noch wenig berücksichtigtes Reisegebiet. Zauberhafte kleine Küstenorte mit herrlichen, schneeweissen Stränden, angenehmen Temperaturen und überraschenden Entdeckungen, verführen uns, hier mehr Zeit zu verbringen als ursprünglich eingeplant.

Der oft bis in den späten Abend sehr starke Wind am Meer unterstützt uns dann und wann dabei, die Weiterreise in Angriff zu nehmen und zwischendurch etwas windgeschütztere Orte anzusteuern.

Auf unserer weiteren Reise in den Süden stellt sich die Cape Gannet– bzw. Kaptölpelkolonie im Bird Island Nature Reserve in Lambert’s Bay als wahres Juwel heraus. Dabei handelt es sich um einen von weltweit nur sechs Orten, an dem Kaptölpel brüten und es ist der einzige Ort, an dem diese eleganten Tiere mit ihren blauen Augen und auffällig hellgrün gezeichneten Füssen aus der Nähe zu beobachten sind. Nur etwa 100 Meter von der Hafenmauer entfernt, beginnt das knapp drei Hektar grosse Gelände, auf dem tausende Brutpaare auf engstem Raum ihre Jungen grossziehen.

Paternoster, das seinen Namen von Schiffbrüchigen eines vor der Küste in Seenot geratenen portugiesischen Schiffes erhalten haben soll, ist eine der ältesten Siedlungen Südafrikas. Neben dem Tourismus ist die Hummerfischerei bis heute eine wichtige Einkommensquelle der hiesigen Bevölkerung. Trotz regem Tourismus konnte sich das Fischerstädtchen seinen ursprünglichen Charme erhalten. So ist es in Paternoster immer noch möglich, den frischen Fang morgens vor Ort am Strand direkt von den Fischern zu kaufen.

Wir nehmen uns Zeit für einen ausführlichen Bummel durch den malerischen Ort mit seinen farbigen Booten, weissen Häusern und einer ansehnlichen Zahl sehr guter Restaurants. Leider muss man im Restaurant Wolfgat drei Monate im Voraus reservieren und im Voraus bezahlen, um einen der zwanzig Plätze zu erhalten. Da uns so viel Zeit leider nicht zur Verfügung steht, geben wir uns mit einer etwas weniger prominenten Adresse zufrieden, wo wir bestens verköstigt werden.

Nur ungern lösen wir uns von der offenen und freundlichen Atmosphäre Paternosters, was dazu führt, dass wir den Ort erst am späteren Nachmittag verlassen. Als wir dann kurz vor Sonnenuntergang bei der Campsite in Yzerfontein eintreffen, stehen wir vor verschlossenen Toren. Leider können wir die angegebene Kontaktnummer nicht anrufen, da unser lokales Gesprächsguthaben wieder einmal ungenutzt abgelaufen ist. Für einen Moment überlegen wir uns eine Alternative und schon fährt ein Jeep vor und ein netter älterer Herr erkundigt sich nach allfälligen Problemen. Spontan bietet er uns an, in der Einfahrt seines Hauses zu übernachten. Da es in Kürze dunkel sein wird, nehmen wir das Angebot gerne an. Kurze Zeit später sitzen wir mit unserem Gastgeber und seiner Frau in deren Wohnzimmer und verbringen mit dem aufgeschlossenen Ehepaar einen sehr persönlichen und anregenden Abend voll mit spannenden Tipps für unsere nächste Reise ins südliche Afrika…

Bevor wir nach Kapstadt aufbrechen, geniessen wir im West Coast National Park die wunderschöne Landschaft und die intensiven Farben der Lagune von Langebaan. Es scheint, als ob die ganze Palette an möglichen Blautönen mit dem strahlend weissen Strand und dem Blau des Himmels um die Wette leuchten will.

Auf der Weiterfahrt nach Kapstadt begleitet uns dann ab Melkbosstrand und Bloubergstrand eine spektakuläre Sicht auf den Tafelberg nach der anderen.

Im Schutz des Tafelberges geniesst die mondäne Touristendestination Kapstadt ein ganzjährig angenehm mildes, windgeschütztes Klima und mit einer hochentwickelten und höchsten Standards gerecht werdenden Infrastruktur ist die Hafenstadt ein allseits beliebtes Reiseziel.

Hauptsächlich während den Monaten Dezember bis März wird der über das warme Wasser der False Bay kommende südöstliche «South Easter» genannte Wind, an den Hängen des Tafelberges zum Aufstieg gezwungen. Dabei kühlt er sich ab und auf einer Höhe von ca. 800 Metern kondensiert die mitgeführte Feuchtigkeit zu Nebel. Die entstehende Wolkendecke erzeugt auf der dem Atlantik hingwandten Seite einen Fallwind. Dieser auch als «Cape Doctor» (Kapdoktor) bezeichnete Wind zieht den Nebel über das Plateau des Tafelberges und den Hang hinunter Richtung Kapstadt. Auf seiner Reise in die Tiefe löst sich der Nebel auf und der Talwind befreit die Stadt von Smog und sorgt so für klare, frische Luft und je nach Windstärke sogar für saubere Strassen.

Mit seiner Decke aus fliessendem Nebel ist der Tafelberg ein beliebtes Fotosujet. Für Reisende, die sich in diesen Monaten in Kapstadt aufhalten und sich auf einen Besuch des Tafelberges freuen, ist die Tischdecke, wie der Nebel hier genannt wird, allerdings nur bedingt attraktiv, da dieser auf starke Winde auf dem Tafelberg hinweist und einen Besuch oft verunmöglicht.

Noch bevor wir in Kapstadt eintreffen, buchen wir Plätze für das aktuelle «Summer Sunset Concert» im Kirstenbosch National Botanical Garden, der im Stadtteil Newlands am Fuss des Osthangs des Tafelberges liegt. Das Konzert ist auf den späten Nachmittag angesagt. Nach einem Rundgang durch einen Teil des Gartens stellen wir uns in eine der Wartschlangen, die hauptsächlich aus mit Picknickkörben, niedrigen Lehnstühlen und Decken ausgerüsteten Einheimischen bestehen. Die Atmosphäre auf der Wiese am Hang des Tafelberges ist fröhlich, offen und erfrischend persönlich.

Nach dem Konzert fahren wir zurück zu unserem Hotel am Stadtrand. Auf dem hoteleigenen Parkplatz ist unser Auto für die Dauer unserer Aufenthaltes in Cape Town bestens aufgehoben und uns steht während dieser Zeit die ungewohnte Weite einer geräumigen Hotelunterkunft zur Verfügung.

Am nächsten Tag treffen wir uns mit einem in Kapstadt wohnhaften Paar, das wir am Anfang unserer Reise kennen gelernt haben. Wir plaudern über Reiseerfahrungen und künftige Pläne und erfahren viel Interessantes über ihren Alltag in Kapstadt. Darüber hinaus erhalten wir nützliche Informationen für unseren Aufenthalt in Kapstadt und auf der Kap-Halbinsel sowie eine Führung durch die Attraktionen des Hafenquartiers.

Die folgenden Tage nutzen wir zur Erkundung der Stadt und für eine Wanderung auf den Tafelberg. Statt auf der längeren Route von Kirstenbosch her auf den Berg zu steigen, entscheiden wir uns für den direkten, etwas steileren Weg von Norden. Bei guten Verhältnissen beginnen wir den Aufstieg. Leider beisst uns schon bald der Rauch eines unsichtbaren Feuers in der Nase. Trotzdem erreichen wir bei prächtigstem Wetter das Plateau des Tafelberges und freuen uns an der uneingeschränkten Sicht auf Kapstadt und dessen Umgebung. Am frühen Nachmittag schweben wir mit der Luftseilbahn bequem zurück an den Stadtrand.

Abends erfahren wir, dass während des Tages der Wald auf der Ostseite des Tafelberges in Flammen stand. Eine Nacht später brannte die Westseite des Berges.

Besonders beeindruckt uns der Sonnenuntergang vom Signal Hill. Zusammen mit vielen anderen – TouristInnen und Einheimischen – sitzen wir am Hang über der Stadt, bis die Sonne im Meer verschwunden ist. Wir sind überrascht, wie viele Menschen sich einige Stunden Zeit nehmen, um auf dem Boden sitzend und mit einem Sundowner in der Hand gemeinsam den Sonnenuntergang und die Aussicht auf das Lichtermeer von Kapstadt zu bewundern. Die empfindliche Kälte, die sofort nach Sonnenuntergang einsetzt und der Stau, der sich bei der Rückfahrt bildet, scheinen niemanden zu stören und tun der guten Stimmung keinen Abbruch.

Wir geniessen unsere Tage in Cape Town in vollen Zügen und statt selber zu kochen, haben wir die Qual der Wahl und lassen uns zwischen unseren Entdeckungstouren in einigen der vielen guten Restaurants mit köstlichen Mahlzeiten verwöhnen.

Weite Strecken der Küsten der Kap-Halbinsel werden von hübschen Stränden mit schneeweissem Sand gebildet. An der teils stark zerklüfteten Westküste sind die Strände oft wilden Wellen und dem kalten Wasser des Benguela Stroms ausgesetzt. Wassersport, geschweige denn gemütlich baden, macht hier nur Wenigen Spass und auch kilometerlange Strände werden hauptsächlich für Spaziergänge oder dann zum Kitesurfen genutzt. Auf der Ostseite hingegen lockt die False Bay, die vom bedeutend wärmeren Wasser des indischen Ozeans profitiert, Gross und Klein ins angenehm warme Wasser.

Die Kap-Halbinsel ist ein Paradies für Pflanzenfans und BotanikerInnen. Dies insbesondere, weil Südafrika die Heimat des Fynbos ist. Mit diesem Begriff wird die feinstrauchartige auf der Welt einzigartige Flora bezeichnet, die einen grossen Teil der Kap-Halbinsel und weitere Gebiete Südafrikas bedeckt. Zusätzlich zu den geschützten Landstrichen auf der Kap-Halbinsel gibt es sieben weitere ebenfalls geschützte Gebiete, die zusammen Cape Floral bilden. Seit 2004 ist Cape Floral UNESCO-Weltnaturerbe.

Ein Grossteil der Pflanzen, die unter Fynbos subsumiert werden, sind endemisch, das heisst sie kommen ausschliesslich in diesen Gebieten vor. In Fynbosgebieten finden sich mehrere hundert Arten von Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Besonders häufig kommen auch Silberbaumgewächse (Proteaceae) vor, die das Landschaftsbild prägen. Allerdings sind viele Fynbos Pflanzenarten aktuell vom Aussterben bedroht.

Leider blüht der Fynbos nicht, während wir auf der Kap-Halbisel sind. Nur vereinzelt lassen sich blühende Proteen entdecken. Wie herrlich es sein muss, wenn diese exotische Pflanzenwelt in voller Blüte steht, können wir nur erahnen.

Obwohl die gesamte Fläche der Kap-Halbinsel nur gerade 470 Km2 beträgt, ist die Landschaft sehr vielfältig. Aufgrund des wärmeren Wassers des indischen Oceans und des damit einhergehenden milderen Klimas ist die Ostküste bedeutend stärker auf den Tourismus ausgerichtet als die kühle, teils spröde anmutende Westküste.

Unsere vorrangigen Ziele auf der Kap-Halbinsel sind die touristischen Hauptattraktionen Cape Point, das Kap der Guten Hoffnung sowie die Brillenpinguine bei Simon’s Town. Daneben finden wir einige von den breiten Touristenströmen nicht beachtete landschaftliche Perlen wie Witsands Bay bei Misty Cliff oder Smitswinkel Bay an der Ostküste.

An der West- wie an der Ostküste gibt es attraktive Ortschaften zu entdecken. Die Westküste schmückt sich mit Hout Bay, Noordhoek, Kommetjie, Misty Cliffs und dem bedeutend grösseren Scarborough…

…während die wärmere und stärker bewohnte Ostküste mit Simon’s Town, Fish Hoek, Kalk Bay und Muizenberg aufwartet. Von allen ist der kleine Ort Misty Cliff wegen seiner wunderschönen Lage am steilen Hang einer einsamen Bucht klar unser Favorit geblieben.

Nach einer guten Woche verlassen wir die Kap-Halbinsel. Hauptgrund dafür ist die Ungewissheit in Bezug auf den Zeitraum, der uns aufgrund der abgelaufenen Visa in Südafrika noch verbleibt. Sollte der Bescheid, dass die in Kimberley zur Verlängerung beantragten Visa zum Abholen bereit sind, in den nächsten Tagen eintreffen, befinden wir uns hier im Süden der Kap-Halbinsel an dem Ort, der in Südafrika am weitesten von Kimberley entfernt ist. So beschliessen wir, in die Kap Weinregion zu fahren und von dort entlang der Südküste Richtung Osten zu reisen. Als erstes planen wir einen Halt in Stellenbosch.

Stellenbosch wurde 1679 gegründet und ist somit die zweitälteste Stadt Südafrikas. Aufgrund seiner hochstehenden Gastronomie, zahlreichen Galerien und einer guten Auswahl an gemütlichen Kaffees und auch dank seiner vielen prächtigen historischen Bauten ist Stellenbosch ein vielseitiger Zwischenstopp für Reisende. Ausserdem ist Stellenbosch Universitätsstadt und viele bedeutende Weingüter in der malerischen Umgebung der Stadt bieten alles, was Weinbegeisterte suchen.

Etwas ausserhalb der Stadt finden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz und besuchen von hier den quirlig lebendigen Ort, der auch bei jungen Leuten populär zu sein scheint. Abends ist viel Betrieb und Strassenmusik und künstlerische Darbietungen tragen das ihrige zu der sommerlich fröhlichen Stimmung bei. Spontan einen Tisch in einem guten Restaurant zu finden, ist daher mit einem gewissen Mass an Durchhaltewillen verbunden.  

Am nächsten Morgen (Wie könnte es anders sein?) werden wir per E-Mail informiert, dass unsere neuen Visa in Kimberley abgeholt werden können. Da die Möglichkeit besteht, dass uns nur gerade ausreichend Zeit zugestanden wird, um das Land zu verlassen, beissen wir in den sauren Apfel und machen uns umgehend auf den Weg. Trotz der Ungewissheit in Bezug auf die Aufenthaltsdauer sind wir entspannt unterwegs und halten uns an die Maximalgeschwindigkeit von ca. 80 Kmh, die wir uns für die gesamte Reise vorgenommen haben. Das bedeutet, dass wir sicher einmal übernachten werden.

Mit einer Fläche von 500’000 Km2 nimmt die Karoo etwa einen Drittel der Fläche Südafrikas ein und ist damit das grösste zusammenhängende Ökosystem des Landes. Die Karoo setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Sukkulentenkaroo, Nama-Karoo, Grosse und Kleine Karoo. In diesen einmaligen Halbwüsten existieren zahlreiche endemische Pflanzen und Tiere, die sich an die harten Bedingungen anpassen mussten, um zu überleben. Auf unserem Weg von Stellenbosch nach Kimberley durchqueren wir einen Teil der Karoo von Südwesten bis in den Nordosten fast in ihrer ganzen entsprechenden Ausdehnung.

Kurz nach dem Mittag erreichen wir am nächsten Tag das VFC (Visa Facilitation Center) in Kimberley. Wie alte Bekannte werden wir begrüsst und eine gute Viertelstunde später sind wir im Besitz unserer neuen Visa. Erleichtert stellen wir fest, dass diese uns erlauben, bis Ende Mai 2025 in Südafrika zu bleiben und wir unsere Afrikareise (fast) wie gewünscht bis zum Schluss geniessen können. Der Planung unserer Rückfahrt in die Weinregion steht somit nichts im Weg.

Namibia 2

Windhoek bis Kgalagadi Twee Rivieren / 2. – 29. Januar 2025


Der erste Teil unserer Reise durch Namibia vergeht wie im Flug. Wir durften vier spannende und erlebnisreiche Wochen erleben mit aussergewöhnlichen Weihnachtstagen in imposanter Umgebung und einem entspannten Jahreswechsel.

… und schon zu Beginn des zweiten Teils unserer Namibiareise erwarten uns die nächsten Höhepunkte. Dazu gehören einige touristische Hauptattraktionen wie Walvis Bay, Sesriem und Sossusvlei. Auch freuen wir uns auf die Fahrten durch die Wüstengebiete des Namib Naukluft National Parks und die Gebirge um Ai-Ais und den Fish River Canyon.

Sofern alles plangemäss verläuft, werden wir Namibia gegen Ende Januar über den Mata Mata Grenzposten verlassen und anschliessend ein paar Tage im Kgalagadi Transfrontier National Park verbringen. Dieser liegt im Grenzgebiet der drei Länder Namibia, Südafrika und Botswana und lockt mit einzigartigen Gegenden und einer vielfältigen Tierwelt.

Nach den erholsamen Tagen in Windhoek fahren wir wieder Richtung Westen, um die Flamingo Kolonien von Walvis Bay zu bewundern. Da es während unserer Zeit in Windhoek einige Male geregnet hat, konsultieren wir vor unserem Start den Wetterbericht. Dieser sagt für das Gebirge zwischen Windhoek und der Atlantikküste starken Regen voraus. Daher entscheiden wir uns gegen die Route über die Pässe und für die eher eintönige Hauptstrasse. Auch auf dieser Route regnet es streckenweise heftig. Der Verkehr ist zudem ungewohnt lebhaft und irgendwann wird uns klar, dass der Rückreiseverkehr von Swakopmund nach Windhoek der Grund dafür sein muss.

Im wie meistens unter bedecktem Himmel liegenden Swakopmund trinken wir einen Kaffee und erleben eine merklich gelöstere Stadt als während unseres Aufenthaltes vor Weihnachten. Entsprechend verlängern wir unsere Pause und geniessen die entspannte Atmosphäre. Bis Walvis Bay sind es dann noch 30 Kilometer. Dort scheint die Sonne und die Temperatur ist mit etwas über 20°C herrlich und auch der Wind ist für einmal ganz angenehm.

In Walvis Bay, der drittgrössten Stadt des Landes, befindet sich der einzige Tiefseehafen Namibias. Zurzeit leben in Walvis Bay knapp 103’000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte beträgt damit 92 Personen auf einen Quadratkilometer. In Zürich lebten 2023 vergleichsweise 4’936 Personen pro Quadratkilometer.

Der Hafen wird von einer Landzunge geschützt, die am Pelican Point endet. Am Übergang der Landzunge zum Festland und in den Lagunen um Walvis Bay, die das grösste geschützte Flachwassergebiet an der Westküste des südlichen Afrikas darstellen, existiert nach wie vor eine vielfältige und artenreiche Vogelwelt.

Die berühmten Flamingos treffen wir schon im seichten Wasser entlang der Strandpromenade von Walvis Bay an. Sie lassen sich von den sie beobachtenden Menschen nicht stören und kümmern sich, gelassen im seichten Wasser am Ufer auf und ablaufend, ausschliesslich um ihre Ernährung. Sobald wir uns auf unserem Übernachtungsplatz eingerichtet haben, tun wir es ihnen gleich und nach einem schmackhaften Nachtessen gehen wir noch einmal zu den Flamingos am Strand spazieren.

In der Umgebung von Walvis Bay gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die Wüste zu erleben. Von Fahrten nach Sandwich Harbour mit dem eigenen Fahrzeug wird jedoch eindringlich abgeraten, da die Verhältnisse in den bis ins Meer reichenden Dünen unberechenbar und für Geländeunkundige sehr schwierig einzuschätzen seien. Auf eine geführte Tour haben wir keine grosse Lust, da unter anderem die in Aussicht gestellten Austern zum Lunch nicht unser Ding sind… Wir entscheiden uns daher für die einfachere Fahrt zum Pelican Point und einen Besuch der dortigen Seelöwenkolonien.

Als wir losfahren, liegt Walvis Bay und das ganze Umland unter einer dicken Hochnebeldecke. Nachdem wir am Ende der befestigten Strasse den Luftdruck in den Rädern reduziert haben, kann die Fahrt in die Wüste beginnen. Dank des Hochnebels ist der Sand zurzeit noch feucht, was das Fahren im über weite Strecken sehr tiefen Sand erleichtert. Entlang einzelner Fahrspuren finden wir den Weg zum Leuchtturm, der unterwegs als Wegweiser dient, ohne Schwierigkeiten.

Hier befinden sich auch die ersten Seelöwenkolonien. Etwas abseits der Seelöwen stellen wir unser Auto auf festen Grund und versuchen uns den Seelöwen zu nähern, um sie besser beobachten zu können. Dies erweist sich als eher schwierig, da sich die Tiere in Richtung Meer zurückziehen, sobald sie sich gestört fühlen. Langsam und in kleinen Schritten gelingt unser Vorhaben dann doch.

Genüsslich widmen sich die einen ihrer Körperpflege während andere gruppenweise im Wasser verschwinden. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, währenddessen viele der tiefschwarzen Jungtiere verloren nach ihren Müttern rufen, die sich im Meer auf der Jagd befinden. Von Zeit zu Zeit nähert sich in weitem Bogen der eine oder andere hungrige Schakal, um allenfalls etwas Essbares aufzustöbern.

Als wir nach ein paar Stunden auf dem Rückweg sind, beginnt sich die Nebeldecke zu lichten. Auf der einen Seite der weissgelben Wüste der Halbinsel präsentiert sich der Atlantik mit rauschenden Wellen, während auf der anderen Seite das ruhige Wasser der Lagune in unterschiedlichsten Blautönen im Sonnenschein zu funkeln beginnt. Dazwischen setzen Gebiete mit niedrigen den Boden bedeckenden Pflanzen, die im salzigen Sumpf zwischen Meer und Wüste existieren können, rotgrüne Farbakzente. Ein grandioses Farbenspiel.

Wieder zurück auf der befestigten Strasse bestaunen wir auf dem Weg nach Walvis Bay die von Salzmauern eingerahmten Salzwasserseen, in denen das Wasser in Rot-, Pink- und Blautönen leuchtet und dann und wann funkeln und glitzern weisse Salzbänke in der späten Nachmittagssonne.

Verursacht wird die Färbung des Wassers durch die Alge Dunaliella salina. Diese Alge produziert hohe Mengen an Betacarotin, wenn starke Sonneneinstrahlung und eine hohe Salzkonzentration aufeinandertreffen. Durch das im Wasser vorhandene Betacarotin verfärbt sich das Wasser rötlich bis bläulichpink.

In den frühen Abendstunden sind wir zurück in Walvis Bay und einer unserer bisher eindrücklichsten Tage dieser Reise geht langsam zu Ende.

Nach den faszinierenden Tagen in Walvis Bay starten wir unsere Reise in den südlichen Teil des Landes. Zu Beginn durchqueren wir den Namib Naukluft National Park. Nach einiger Zeit verändert sich die bis anhin gut fahrbare Kiesstrasse in eine der anspruchsvollsten Wellblechpisten, die wir bis anhin angetroffen haben.

Nach etwa zwei Stunden ist der holprige Spuk vorbei und wir können unsere Route, die uns durch die Gebirge des Kuiseb und des Gaub Canyons durch die an die Namib grenzenden halbwüstenähnlichen Landschaften führt, wieder unter komfortableren Bedingungen fortsetzen.

In Ababis ganz in der Nähe von Solitaire übernachten wir auf der Campsite eines ausnehmend gastfreundlichen Besitzers einer Guestfarm. Trotz sehr kurzfristiger Anmeldung werden wir an den Familientisch eingeladen, an dem sich im Laufe eines köstlichen Nachtessens interessante und aufschlussreiche Gespräche ergeben. Wir erfahren, wie sich die Farm, die der Besitzer vor knapp 25 Jahren mit seiner Partnerin übernommen hat, zum heutigen Betrieb entwickelt hat und wie mit den täglichen Herausforderungen umgegangen wird, die der Alltag als Farmer, Arbeitgeber und Gastgeber in diesem Teil Namibias mit sich bringt. Auch über zukünftige Klimaszenarien und deren Auswirkungen auf die Natur und die Bevölkerung wird eingehend diskutiert.

Nach einem rundum erfreulichen Abend verbringen wir auf unserem Stellplatz eine erholsame Nacht, bevor wir am kommenden Morgen nach Sesriem weiterfahren.

Sesriem ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zu den berühmten roten Dünen von Sossusvlei und dem nicht weniger bekannten Deadvlei. Obwohl in Sesriem fast immer Hochsaison ist, finden wir auf dem Campingplatz des NWR (Namibia Wildlife Resorts) einen Platz mit ausreichend Schatten. Da die Campsite innerhalb des Nationalparks liegt, können wir von verlängerten Aufenthaltszeiten im Park profitieren. Wir richten uns ein und erkunden die Gegend entlang der 60 Kilometer langen Strecke zum Parkplatz, wo die kurze 4 x 4-Strecke zu den grossen Dünen und zum Deadvlei beginnt.

Auf dem Rückweg zum Camp halten wir bei der «Düne 45» an, deren Name einzig bedeutet, dass sie 45 Kilometer von Sesriem entfernt liegt. Wir erklimmen die Düne und erleben einen strahlenden, allerdings sehr windigen Sonnenuntergang in einer grandiosen Umgebung.

Um von den angenehmen Temperaturen profitieren zu können, starten wir am nächsten Morgen noch bei Dunkelheit in Richtung Sossusvlei. Auf dem grossen Parkplatz stellen wir unser Auto in den Schatten eines Baumes und lassen uns vom ersten Shuttle über die letzten Kilometer nach Sossusvlei chauffieren.

Dort machen wir uns umgehend auf den Weg auf «Big Daddy», die mit 325 Metern über Meer höchste der hiesigen Dünen. Das Wetter ist perfekt und ohne Wind und bei angenehmen Temperaturen ist die Tour auf den höchsten Punkt der Düne ein anregendes und mehrfach bewegendes Erlebnis. Belohnt werden wir mit einem 360° Panorama auf die zahllosen leuchtend orangeroten Dünen der Namib und ins direkt unterhalb von Big Daddy liegende Deadvlei mit seinen weltweit berühmten mehrere hundert Jahre alten (toten) Bäumen .

Nach eindrücklichen Tagen in Sesriem setzen wir unsere Reise in den Süden Namibias fort. Dabei durchqueren wir einen Teil des Namib Rand Nature Reserves und fahren dann längs der Namib Wüste nach Betta. Dort wechseln wir von der C 27 auf die D 707.

Diese Strasse führt über knapp 200 Kilometer der Grenze des Namib Naukluft National Parks entlang. Die Landschaften, die wir nun durchfahren, gehören mit zu den schönsten, die wir bis anhin auf unserer Reise erleben durften. Wir können uns kaum sattsehen an den unterschiedlichen Farben der Wüste, die von weiss über gelb bis leuchtend orange und rosa variieren und von dunklen Gebirgszügen durchsetzt über passähnliche Übergänge in weite wieder von Bergketten begrenzte Ebenen übergehen. Der Verkehr stellt keine grösseren Anforderungen, da wir meist allein unterwegs und vereinzelt entgegenkommende Autos von weitem sichtbar sind.

Als Übernachtungsort haben wir die Campsite einer Ranch bestimmt, die gut 20 Kilometer von der Hauptpiste entfernt am Fuss der Tirasberge liegt. Einsamkeit und Ruhe sind das Rahmenprogramm, obwohl in der Nähe eine kleine Lodge liegt. Diese und die Campsite fügen sich optimal in die sich hier überraschend grün präsentierende Gegend ein, in der viele weit ausladende Bäumen gedeihen. Die Vegetation profitiert hier vom Regenwasser, das in den Bergen versickert und nach langen Jahren am Fuss der Abhänge verfügbar ist.

Nach einer angenehmen Auszeit mit Wandern, Planen und Diskutieren setzen wir unsere Fahrt fort durch sich immer wieder anders präsentierende Wüstenlandschaften entlang des Namib Naukluft National Parks. Unendliche Weiten, faszinierende Szenerien und wunderschöne Farbenspiele begleiten uns über viele Stunden und fügen sich zu einem unvergesslichen Erlebnis zusammen.

Einige Kilometer vor dem Städtchen Aus mündet die R 707 in die asphaltierte Strasse nach Lüderitz. Damit hat das leicht schwebende Gefühl, das uns das Fahren über die perfekt unterhaltene und meist mit ein paar Zentimetern Sand bedeckte Piste beschert hat, leider ein Ende.

Über Aus geht’s zügig weiter nach Lüderitz, das weiter östlich am Atlantik liegt. Die Strasse dorthin führt durch weisse Wüstenlandschaften in denen vereinzelt niedrige Büsche und etwas Gras wachsen. Von dieser spärlichen Vegetation ernähren sich hier lebende Wildpferde, Oryx Antilopen und diverse kleinere Wildtiere, die mit den extremen Bedingungen zurechtkommen. Durchzogen wird die Wüste neben dunkelgrauen Hügeln auch vom Gleis einer Schmalspurbahn, auf der ab und zu ein Güterzug unterwegs ist.

Etwa auf halber Strecke kommt böiger Wind auf, der schnell an Stärke zulegt und bald befinden wir uns in einem ausgewachsenen Sandsturm, der den Sand vor sich her auch auf die Strasse treibt. In unermüdlicher Sisyphusarbeit versuchen schwere Maschinen die Strasse für den Verkehr freizuhalten. Kurz vor Lüderitz fahren wir unerwartet in strahlenden Sonnenschein, der uns überrascht zur Sonnenbrille greifen lässt. Der Wind hat nach wie vor Sturmstärke, der Sand scheint sich allerdings nicht in die Stadt zu wagen…

Lüderitz wurde im Jahr von 1883 gegründet, als Heinrich Vogelsang im Auftrag von Adolf Lüderitz dem Nama Chief Josef Frederiks II in Bethanie Land abkaufte, mit dem Ziel die in dieser Gegend vermuteten Bodenschätze zu fördern. Der Kauf erfolgte allerdings mit betrügerischen Methoden und obwohl sich die Nama nach dem arglistigen Handel beschwerten und ihr Recht einforderten, wurde ihnen dieses verweigert und die deutschen Eroberer setzten sich mit Gewalt gegen die Einheimischen durch.

Am 10. April 1908, also etwa 25 Jahre später, fand Zacharias Lewala, ein dem deutschen Bahnangestellten August Stauch als Hilfe zur Seite gestellter Einheimischer, der früher in Kimberley in der Diamantenmine gearbeitet hatte, einen Diamanten, den er pflichtbewusst seinem Vorgesetzten überreichte. August Stauch liess sich von seinem Freund Sönke Nissen seines Zeichens Bergwerksingenieur und Geologe bestätigen, dass es sich bei dem Stein wirklich um einen Diamanten handelte. Daraufhin sicherten sich Stauch und Nissen bei der Kolmannskuppe ausserhalb von Lüderitz ein 75 km² grosses Grundstück, um heimlich weiter nach Diamanten suchen zu können. Die beiden hatten schon bald Erfolg und wurden zu vermögenden Männern. Kolmannskuppe entwickelte sich vorübergehend zur reichsten Stadt Afrikas. Nachdem die Diamantenvorkommen in der Gegend der Kohlmannskuppe erschöpft waren, verlor die Stadt ihre Bedeutung und wurde langsam, aber sicher zur Geisterstadt.

Auch die Stadt Lüderitz profitierte vom Diamantenboom und entwickelte sich zu einer äusserst wohlhabenden Hafen- und Handelsstadt. Die Rolle als wichtigster Hafen der Kolonie musste Lüderitz aber bald ans günstiger gelegene Swakopmund abtreten, wo ein künstlicher Hafen gebaut wurde. Da die Diamantenförderung ab 1920 laufend weiter nach Süden verschoben wurde, verlor die Stadt zunehmend an Bedeutung. Heute lebt die Stadt vorwiegend von Fischfang und dem Tourismus.

Von Lüderitz führt unsere Reise zurück durch die eindrücklichen Landschaften des Namib Naukluft National Park nach Aus und dem Tsau Khaeb (Sperrgebiet) National Park entlang weiter nach Süden.

Bevor wir uns auf den Weg machen, statten wir der Geisterstadt Kolmannskuppe einen Besuch ab. Die zum Teil noch sehr gut erhaltenen Wohnhäuser aus der Zeit des Diamantenbooms wurden in ein Museum umfunktioniert und sind öffentlich zugänglich. Die Führungen sind sehr informativ und anschaulich gestaltet und vermitteln einen wirklichkeitsnahen Einblick in die nur schwer fassbaren Verhältnisse, in denen die ausgebeuteten Diamantenschürfer als Angestellte einerseits und die schwerreiche Herrschaft andererseits lebten.

Das kleine freundliche (private) Städtchen Rosh Pinah überrascht uns mit vielen Grünanlagen und gepflegten Gärten mit einer Vielzahl bunt blühender Blumen, Sträucher und hohen Bäumen. Das Wasser, das diese Anlagen gedeihen lässt, stammt aus dem Orange River (Oranje), der etwa 20 Kilometer weiter südlich Richtung Osten fliesst, um bei Oranjemund in den Atlantik zu münden.

Bald erreichen wir den Orange River, der als breites blaugrünes Band durch das Gebirge mäandert, durch das er sich über Jahrtausende ein Bett gegraben hat.

Nach vielen Kilometern Fahrt durch in strahlenden Sonnenschein getauchte Wüsten, trockene und fast vegetationslose und lebensfeindliche Gegenden ist die lebendig grüne Landschaft entlang des Orange Rivers ein veritables Wellnessprogramm für Augen und Gemüt.

Nach einer gebirgigen Verengung öffnet sich das Tal fast unerwartet und die das Flusstal flankierenden Berge machen riesigen Ebenen mit sattgrünen Feldern Platz. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass hier hauptsächlich Trauben wachsen. Wir erfahren, dass es sich dabei nicht um Wein- sondern um Tafeltrauben handelt, die fast zu hundert Prozent für den Export nach Übersee bestimmt sind. Beim Anbau wird darauf geachtet, dass die Trauben rechtzeitig zur europäischen Weihnachtszeit erntereif sind, damit sie die festlichen Tafeln Europas bereichern können.

Der Anbau von Trauben ist hier ausschliesslich dem Orange River zu verdanken, ohne dessen Wasser jegliche Produktion von Früchten und/oder Getreide in dieser Gegend unmöglich wäre.

Der Orange River bildet hier die knapp 600 Kilometer lange Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Statt schon bei Sendelingsdrif oder weiter östlich bei Vioolsdrif nach Südafrika einzureisen, wenden wir uns noch einmal nach Norden, um Ai-Ais und den Fish River Canyon zu besuchen.

Ai-Ais mit seinen heissen Quellen wie auch der imposante Fish River Canyon befinden sind auf dem Programm vieler Anbietenden von Namibia-Reisen. Entsprechend häufig werden die beiden Orte besucht. Im jetzigen Hochsommer sind allerdings nur wenig Reisende unterwegs und wir sind überall sehr willkommen.

Der Fish River Canyon, unser nächstes Ziel, ist insgesamt 161 Kilometer lang, bis zu 27 Kilometer breit und 549 Meter tief. Er gilt nach dem Grand Canyon in Arizona als zweitgrösster Canyon der Welt. Farblich wie auch grössenmässig steht er allerdings etwas im Schatten seines grossen Bruders in den USA. Das Wasser des 650 Kilometer langen Fish Rivers mündet weiter südlich in den Orange River. Allerdings führt der Fish River heutzutage nur noch selten Wasser, da er oberhalb des Canyons zwei Mal in einem Stausee (Dam) gefasst wird und nur überschüssiges Wasser seinen Weg durch den Canyon und weiter in den Orange River findet. Der Canyon des Fish Rivers endet bei Ai-Ais. Dort befindet sich auch das Ziel der vier bis fünf Tage dauernden Wanderung durch den Canyon.

Die Temperaturen befinden sich nun täglich im Bereich von 40°C und mehr. Daher sind jegliche Wanderungen im Fish River Canyon von Oktober bis März verboten. Also nutzen wir die frühen Stunden des strahlend schönen Morgens für ein gemütliches Frühstück am Rand des Canyons. Nach einem Spaziergang zum Start des 86 Kilometer langen Trails durch den Fish River Canyon, verlassen wir die grandiose Szenerie und setzen unseren Weg gegen Norden fort.

Für unseren nächsten Zwischenhalt haben wir die Campsite bei der Lodge «Alte Kalköfen» vorgesehen. Der Name der Lodge stammt aus der Zeit, als auf dem Gelände Kalk gebrannt wurde. Heutzutage befindet sich auf dem Gelände eine umfassende Lithops-Sammlung, die Fans von Sukkulenten aus aller Welt anzieht. Die Campsite präsentiert sich dann jedoch ohne jeglichen Schatten. Statt umgehend nach einem anderen Platz zu suchen, lassen wir uns eines der Chalets zeigen und können dann der Verlockung nicht widerstehen, wieder einmal in räumlich etwas grosszügigeren Verhältnissen zu nächtigen. So parkieren wir unseren Churi vor unserem Chalet im Schatten eines grossen Baumes. Die ausgezeichnete Küche, die Freundlichkeit, Offenheit und professionelle Aufmerksamkeit des Personals, die einamlige Umgebung und die Originalität der Anlage bescheren uns ein paar ungeplante Tage mit Verwöhnservice.

Ausgeschlafen und gut verpflegt machen wir uns auf den Weg zu unserem vorletzten Ziel in Namibia. In der Nähe von Keetmanshoop, der viertgrössten Stadt Namibias, besuchen wir eine Ansammlung von Köcherbäumen.

Diese faszinierenden, bestens an die hiesigen klimatischen Gegebenheiten angepassten Bäume sind charakteristisch für die heissen, trockenen Halbwüsten im südwestlichen Namibia und im nordwestlichen Südafrika. Die Bäume werden bis zu sieben Meter hoch und gedeihen im steinigen Untergrund in höheren oftmals auch gebirgigen Lagen. In den flachen und sandigen Küstengebieten ist der Köcherbaum jedoch nur selten zu finden.

Nach gut 260 Kilometern abwechslungsreicher Fahrt auf der wir mehrere Dutzend leuchtend orangerote Dünen überqueren, erreichen wir einige Tage später den Grenzposten Mata Mata, der zugleich der Eingang zum Kgalagadi Transfrontier National Park ist.

Damit haben wir die letzte Station unserer Reise durch Namibia erreicht. Die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt und etwas wehmütig schauen wir zurück, um uns gedanklich von diesem beeindruckend freundlichen Reiseland mit seinen zauberhaften Landschaften und schier unendlichen Weiten (vorläufig) zu verabschieden.

Der Kgalagadi National Park ist ein grenzübergreifender Nationalpark, der sich einerseits auf dem Staatsgebiet von Südafrika und andererseits auf dem Gebiet von Botswana befindet. Im ganzen Park wurden die Zäune entfernt, damit sich die Wildtiere auf ihren angestammten Migrationsrouten zwischen den beiden Ländern wieder frei bewegen können.

Der äusserst tierreiche Park ist Teil der riesigen Kalahari. Er ist geprägt von Landschaften, die aus roten oder weissen Dünen gebildet werden, die oft mit grünen Büschen durchsetzt sind. Auf unseren Entdeckungsfahrten bewegen wir uns entlang der beiden Trockenflüsse Auob und Nossob, die von Namibia aus in den Park fliessen. Der Nossob River bildet im Kgalagadi National Park die natürliche Grenze zwischen Botswana und Südafrika.

Die Trockenflüsse werden durch felsige Erhebungen in der Wüste voneinander getrennt. Wasser fliesst in den beiden Flüssen nur nach sehr ergiebigen Niederschlägen, was selten der Fall ist. Aufgrund kürzlich gefallenen Regens wächst in den Flussebenen zurzeit saftiges, leuchtend frischgrünes Gras, das viele Tiere anlockt. Jetzt ist auch die Zeit, während der hier heimische Tierarten ihre Jungen zur Welt bringen, da der Regen um diese Jahreszeit normalerweise für ausreichend Nahrung sorgt.

Um viele eindrückliche Erlebnisse reicher verlassen wir den Kgalagadi Nationalpark nach einer intensiven und faszinierend schönen Woche.

Mit unserem Aufenthalt im Kgalagadi Nationalpark geht unsere Reise durch Namibia zu Ende. Entsprechend steht nun unsere Einreise nach Südafrika an, womit dann schon der letzte Abschnitt unserer Afrikareise beginnt.

Wir sind gespannt, welche Überraschungen das riesige Südafrika dieses Mal für uns bereithält.

Namibia 1

Ngoma Bridge bis Windhoek / 27. November 2024 – 01. Januar 2025

Für unsere Reise durch Namibia haben wir sechs bis acht Wochen vorgesehen. Wir freuen uns auf dieses riesige Land, das neben seiner Vielfalt an Tieren vor allem für seine grossartigen Landschaften bekannt ist. Namibia grenzt im Norden in der Chobe Region, deren Schwemmebenen im äussersten Nordosten des Landes liegen, und entlang des Caprivi-Streifens an Botswana.

Nach der Einreise planen wir den Caprivi-Streifen von Osten nach Westen zu durchqueren. Bei Divundu werden wir nach Süden fahren, um noch einmal nach Botswana einzureisen, da dort in der Nähe von Shakawe die Tsodilo Hills noch auf unseren Besuch warten. Nach diesem Abstecher nach Botswana führt unsere Reise über Rundu nach Grootfontein und von dort weiter in den Etosha Nationalpark. Mit einigen Zwischenhalten werden wir anschliessend an die Westküste reisen und die Städte Swakopmund und Walvis Bay am Atlantik besuchen. Bis Ende Jahr planen wir das nördliche Namibia bereist zu haben und diesen Teil der Reise in der Hauptstadt Windhoek zu beenden.

Von Kasane, der nördlichsten Stadt Botswanas, sind es knapp 70 Kilometer bis zum Ngoma Bridge Grenzposten, der sich fast am Ende des Caprivi-Streifens im Nordosten von Namibia befindet. Da wir unsere Botswanareise in Kasane (vorläufig) abschliessen, reisen wir über diesen Grenzposten nach Namibia ein.

Für die Transitstrecke durch den Chobe National Park lassen wir uns ausgiebig Zeit, um allenfalls noch ein paar Tiere beobachten zu können. Allerdings beginnt es schon kurz nach Kasane kräftig zu regnen, was die Tiere veranlasst, im Schutz der Wälder zu bleiben. Der lang ersehnte Regen bringt sofortige Abkühlung und fast können wir hören, wie die Natur erleichtert aufatmet. Nach etwa anderthalb Stunden erreichen wir den Grenzposten, der in strahlendem Sonnenschein liegt.

Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt und nach einer guten Stunde fahren wir gemütlich Richtung Katima Mulilo, der ersten Stadt in Namibia.

Der Caprivi-Streifen ist eine fruchtbare Gegend, da die ganzjährig Wasser führenden Flüsse Kwando und Okavango den Streifen durchqueren oder diesem als Grenzfluss entlang fliessen. So bildet der Okavango River auf seinem Weg ins berühmte Okavangodelta über eine Länge von 400 Kilometern die Grenze zwischen Angola und Namibia.

Gemäss unseren Informationen gibt es auf dem Weg nach Katima Mulilo ganz in der Nähe des Zambezi Rivers eine Karminspint-Kolonie, in der die Vögel brüten und ihre Jungen aufziehen würden. Diese attraktiven Vögel würden wir gerne aus der Nähe beobachten. Daher erkundigen wir uns beim Besitzer einer Lodge nach der genauen Lage der Kolonie. Detailliert erklärt er uns den Weg, betont allerdings, dass die Vögel schon weitergezogen seien, da die Jungen die Nester schon verlassen hätten. Zudem habe es einige Male geregnet, was die Vögel veranlasst habe, in trockenere Gegenden zu ziehen. Es werde sich kaum lohnen, zur Kolonie zu fahren, dies auch, weil die Piste dorthin aufgrund des kürzlichen Regens aufgeweicht und möglicherweise nicht durchgehend passierbar sei.

Während der angeregten Unterhaltung erfahren wir, dass in Namibia heute nationaler Wahltag ist. Alle Wahlberechtigten hätten arbeitsfrei, damit sie wählen gehen könnten. Dies erklärt einerseits die auffallend vielen Leute, die heute entlang unserer Wegstrecke zu Fuss unterwegs waren und andererseits die vielen in Gruppen zusammensitzenden Menschen, die uns in den Orten aufgefallen sind. Vermutlich werde die regierende Partei weiter an der Macht bleiben. Allenfalls werde ein neuer Regierungschef gewählt, vielleicht sogar eine Frau… Wir bedanken uns bei dem freundlichen Herrn für seine Zeit und die Informationen und fahren weiter nach Katima Mulilo.

Eingangs der Stadt finden wir einen direkt am Zambezi River gelegenen Stellplatz und werden informiert, dass in Katima Mulilo aufgrund des nationalen Wahltages alle Geschäfte geschlossen sind. Für uns heisst das, dass wir uns erst am nächsten Tag auf die Suche nach einer Simkarte und Bargeld machen können. So verbringen wir einen gemütlichen Nachmittag am Ufer des Zambezi Rivers, der hier die Grenze zu Zambia bildet.

Am Morgen fahren wir zeitig in die Stadt und treffen vor dem MTC Geschäft, das Daten und Simkarten verkauft, wie auch vor den Bankomaten lange Menschenschlangen an. Die meisten Bankomaten sind jedoch schon leer. Und vor jenen, die noch Geld ausgeben, warten so viele Leute, dass wir vorläufig auf Bargeld verzichten. Da in den grossen Lebensmittelläden mit der Kreditkarte bezahlt werden kann, können wir unseren Vorrat trotzdem auffüllen. Dann trinken wir im sympathischen «Green Basket Cafe» einen Cappuccino und üben uns in Geduld. Am späten Nachmittag sind wir dann endlich im Besitz der ersehnten Simkarte.

Unsere zweite Etappe durch den Caprivi-Streifen führt über die C 49 nach Kongola. Die Flüsse Linyanti und Kwando bilden die hiesige Grenze zwischen Namibia und Botswana. Fast das Gebiet gehört zur Kawango Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA).

Die Landschaft ist beeindruckend grün und fruchtbar mit gepflegten Gemüsegärten, Feldern und vielen wunderschönen Bäumen. Nach einiger Zeit winkt uns ein älterer Mann an den Strassenrand, wo ein Pickup steht, der offensichtlich eine Reifenpanne hat. Neben dem Auto warten zehn Personen geduldig auf Unterstützung. Mit dem Pickup scheint eine drei Generationen umfassende Sippe unterwegs nach Katima Mulilo zu sein. Es stellt sich heraus, dass das mitgeführte Reserverad keine Luft hat. Mit unserem Kompressor ist dieses Problem schnell behoben und zwei der wartenden jungen Männer übernehmen den Radwechsel. Nachdem sich alle herzlich bedankt haben und den jeweils richtigen Platz auf und im Auto gefunden haben, macht sich die Gruppe wieder auf den Weg.

Die meisten Dörfer entlang unserer Route bestehen aus mehreren Gebäuden und offenen Plätzen, die für soziale Treffen genutzt werden. Meist sind die Dörfer von einem mehrere Meter hohen Zaun aus Schilf umgeben. Die Gehege für das Vieh sind robust und auch die oft üppig grünen Gärten sind mit stabilen Zäunen eingefasst. Es ist offensichtlich, dass hier Raubkatzen und andere Wildtiere ferngehalten werden sollen.

Unsere Fahrt führt am Nkasa Rupara National Park vorbei und wir durchqueren den unteren Teil des Mudumu National Parks. Bis auf einige Zebras und Gnus lassen sich allerdings keine Wildtiere blicken.

Mit bis zu 41°C ist es heiss. So entscheiden wir uns am Kwando River einen Stellplatz zu suchen und eine Pause einzulegen. Auf der «Marrow» Campsite, die an einem Seitenarm des Kwando liegt, finden wir einen schönen Platz mit genügend Schatten. Der Campingplatz ist kürzlich neu eröffnet worden und noch im Aufbau. Kennedy, der Betreiber, ist Mitglied einer lokalen Gemeinde, von der er das Land, auf dem der Platz liegt, kaufen konnte. Allerdings ist er verpflichtet, einen Teil seiner Einnahmen an die Gemeinschaft weiterzugeben. Alle Gebäude wurden von Kennedy mit Unterstützung von Männern aus der Gemeinde im Stil der lokalen Dörfer erstellt.

Kennedy ist ein vom namibischen Staat lizenzierter Guide, der die Bewilligung hat Touren auf den Flüssen der Nationalparks durchzuführen. Wir buchen eine Tour auf dem Kwando River und lassen uns die Vogel- und Pflanzenwelt erklären. Dies macht Kennedy mit viel fundiertem Wissen und Engagement und einem guten Gespür für seine Kundschaft. Uns beeindruckt vor allem seine umfassende Kenntnis der traditionellen Pflanzenheilkunde.

In Divundu besuchen wir die Popa Falls, eine wenige Meter hohe Geländestufe, über die der Okavango River je nach Wasserstand als gestufter Wasserfall hinunterfällt oder sie bei Hochwasser als riesige Welle einfach schluckt.

Nach unserem Abstecher zu den Tsodilo Hills im Nachbarland Botswana setzen wir unsere Fahrt durch den Caprivi-Streifen fort. Der Rest der Route durch dieses ca. 470 Kilometer lange Gebiet führt meist durch eher monotone Savannen und halbwüstenähnliche Landschaften.

Von Rundu, der zweitgrössten Stadt Namibias mit ca. 118’000 Einwohnenden, fahren wir nach Süden bis Grootfontein. Dort übernachten wir auf einer Guestfarm, auf der biologisches Gemüse, Kräuter, Früchte, Mais und vieles mehr angebaut wird. Daneben werden verschiedenes Geflügel und Schweine gehalten. Auf dem Teil der Farm, der nicht der Produktion dient, leben Kudus, Elen-Antilopen und diverse kleinere Wildtiere. Für Gäste, die auf der Farm übernachten wollen, werden Zimmer vermietet. Zudem stehen einige Campingplätze zur Verfügung. Das Angebot wird mit einem persönlich geführten Restaurant und einem Farmshop abgerundet.

Wir fühlen uns auf dem «The Farm Shop» sehr willkommen und geniessen die ausserordentliche Gastfreundschaft des Paares. Abends lassen wir uns mit köstlichen Gerichten verwöhnen, die wenn immer möglich aus selbst produzierten Nahrungsmitteln zubereitet werden.

In der Nähe von Grootfontein wurde in den 1920er-Jahren auf einer Farm der vermutlich zweitgrösste Eisenmeteorit der Erde gefunden. Der Hoba Meteorit ist zwischen 50 und 60 Tonnen schwer, misst ungefähr 7m2 und ist ca. einen Meter hoch. Gemäss Wikipedia besteht er aus ca. 82% Eisen, ca. 16% Nickel, ca. 1% Cobalt und diversen Spurenelementen. Der Meteorit schlug vor ca. 80’000 Jahren auf der Erde ein und liegt immer noch an der gleichen Stelle. Im Jahr 1987 vermachte der Besitzer der Farm das Gebiet mit dem Meteoriten dem Staat.

Der Meteorit kann nur in Begleitung eines Guides besucht werden. Dieser weiss gut über den kostbaren Fund Bescheid und ermuntert Interessierte, auf den Meteoriten zu steigen und genau im Zentrum des Meteoriten laut zu sprechen, oder noch besser laut zu singen. Das Resultat ist erstaunlich. Denn genau im Zentrum erlebt man seine Gesänge oder Reden, als ob man sich in einem geschlossenen Raum befinden würde. Wird das Zentrum auch nur um einige Centimeter verlassen, löst sich das Phänomen auf.

Über Tsumeb, eine der wichtigsten Minenstädte Namibias, fahren wir nordwärts zum Etosha Nationalpark. Dort bestaunen wir die vielfältige Tierwelt und freuen uns über die grosse Anzahl verschiedener Tiere, die wir in den Tagen, die wie hier verbringen, beobachten können.

Der Etosha Nationalpark bedeckt eine Fläche von 22’270 Km2. Damit ist er etwas grösser als die halbe Schweiz. Der Park ist von einem 1’640 Kilometer langen und 2.6 Meter hohen Zaun eingefasst, der bis zu 70 cm tief in den Boden eingegraben ist. Mit dem Zaun soll verhindert werden, dass die Tiere abwandern. Zudem sollen die im Park lebenden Wildtiere mit dem Zaun vor Wilderern und die Nutztiere der an den Park angrenzenden Farmen vor den Raubkatzen des Parks geschützt werden. Der Zaun hindert die Wildtiere allerdings an ihrer angestammten Migration. Das bedeutet, dass die Aufenthaltsmöglichkeiten des Wildes auf den an sich künstlich geschaffenen Lebensraum innerhalb des Parks begrenzt sind.

Das Strassennetz im Park ist gut ausgebaut und die Hauptpiste ist in gutem Zustand, obwohl das fast überall vorherrschende «Wellblech» mit der Zeit etwas anstrengend wird. Die Hauptpiste führt der grossen Etosha Pfanne entlang von West nach Ost. Von der Hauptpiste zweigen die ausgeschilderten Nebenpisten zu den jeweiligen Wasserlöchern ab.

Die grosse im Zentrum des Parks liegende Salzpfanne war in geologischer Vergangenheit der Boden eines riesigen Sees. Die Pfanne bedeckt eine Fläche von ca. 5’000 Km2 und ist 129 Kilometer lang. An der breitesten Stelle misst sie etwa 70 Kilometer. Während der Regenzeit füllt sich ein Teil der Pfanne jeweils mit Wasser. Nur sehr selten sind die Niederschläge so ergiebig, dass der See ganz gefüllt wird.

Neben natürlichen Wasserlöchern, die während der Trockenzeit oft austrocknen, gibt es im Park auch solche, die laufend mit Grundwasser gefüllt werden, damit den Wildtieren immer genügend Wasser zur Verfügung steht. Wie in Botswana sind die Tiere auch hier während der Trockenzeit besonders gut beobachtbar, da sie die Wasserlöcher regelmässig aufsuchen.

Wir besuchen den Etosha Nationalpark im namibischen Sommer und mit bis zu 42°C ist es sehr heiss. Dies hat den Vorteil, dass sich der touristische Ansturm in Grenzen hält und es problemlos möglich ist, die Stellplätze bei den Restcamps erst vor Ort zu buchen. Wir verbringen eine intensive und äusserst interessante Zeit im Park. Mit den Entdeckungsfahrten zu den Wasserlöchern rechts und links der Hauptstrecke, auf denen wir immer wieder andere Tiere beobachten können, verfliegen die Tage im Nu.

Outjo ist ein geeigneter Ort, um auf der Fahrt von und zum Etosha Nationalpark eine Pause einzulegen. Die geschäftige kleine Stadt ist ein wichtiges Versorgungszentrum für Farmen, Hotels und Gästehäuser in der Umgebung. Für uns ist Outjo der Ausgangspunkt für unsere Reise über Kamanjab in den Osten. Als nächstes werden wir im 270 Kilometer entfernten Palmwag Rast machen.

Ab Kamanjab verändert sich die Landschaft fortlaufend. Die weiten eher eintönigen Buschlandebenen machen einer hügelig gebirgigen Gegend mit lichtem Wald Platz. Die Fahrt ist abwechslungsreich und die anfangs schneeweisse Piste ist in einem ausserordentlich guten Zustand. In einigen Senken steht noch Wasser von kürzlichen Regenfällen. Dies zeigt, wie schnell sich solche Senken bei Regen mit Wasser füllen und die Strecke innert kürzester Zeit unpassierbar machen können.

Bald werden die felsigen Hügel, die uns bis anhin begleitet haben, weniger und vom Grootberg Pass sind durch den blauen Dunst erste Tafelberge erkennbar.

Am späten Nachmittag erreichen wir unseren Übernachtungsort in der Nähe von Palmwag. Wir richten uns auf unserem Platz ein und stellen fest, dass wir die Türe in den Wohnaufbau nicht mehr öffnen können. Vermutlich hat sich das durch den Einbruch beschädigte Schloss auf den Rüttelpisten blockiert. Da wir durch die Fahrerkabine in den Aufbau gelangen können, ist das Ein- und Aussteigen zwar etwas mühsam, aber ganz gut machbar.

Auf dem morgendlichen Gang ums Auto entdecken wir dann, dass einem unserer Hinterräder während der Nacht buchstäblich die Luft ausgegangen ist. Wir schauen uns überrascht an und sind uns einig, dass es bedeutend weniger angenehme Orte gäbe, einen Plattfuss zu haben. Das Rad ist kurz darauf gewechselt und auf Nachfrage in der bestens ausgerüsteten Werkstatt der Lodge sind die Angestellten gerne bereit den Pneu zu flicken. Kurz darauf wird das reparierte Rad zurückgebracht und das etwa fünf Centimeter lange Metallteil, das die Panne verursacht hat, wird als Andenken mitgeliefert. Was für ein toller Service!
Die Tür zum Aufbau lässt sich leider immer noch nicht öffnen.

Als nordwestlichsten Punkt unserer Reise haben wir Sesfontein festgelegt. Von Palmwag fahren wir Richtung Norden und bei perfektem Wetter durchqueren wir eindrückliche Gegenden. Rauf und runter geht die Fahrt fast wie auf einer Achterbahn. Wir durchqueren mehrere Täler, die von rostroten Tafelbergen begrenzt werden.

Hänge und Ebenen sind mit roten Steinen bedeckt, zwischen denen mintgrüne Büsche farbige Akzente setzen. Nach einem passartigen Übergang lassen wir die roten Berge hinter uns und fahren wenig später durch ein weites Tal, das von pastellfarbenen Bergketten gesäumt wird. Die Ebenen sind oft trennscharf mit Kies und Sand bedeckt, das farblich den Berghängen entspricht. Entlang der zurzeit allerdings trockenen Flüsse wachsen Bäume und Sträucher, die den hiesigen Wildtieren Nahrung bieten.

In Sesfontein besuchen wir das alte deutsche Fort, das restauriert und in eine Lodge umgebaut wurde. Nach einer erfrischenden Pause im Garten des Forts fahren wir zurück nach Palmwag und von dort weiter Richtung Khorixas. Auch diese Strecke ist landschaftlich wunderschön. Rote Tafelberge vor einem strahlend blauen Himmel begleiten uns, bis sie langsam der Wüste weichen. In der Ferne taucht ein grauschwarzer Gebirgszug auf und plötzlich befinden wir uns mitten in einem Sandsturm. Etwa eine Stunde lang fahren wir durch stürmische Winde, die den weissen Sand vor sich hertreiben und uns wie in dichtem Nebel im Schritttempo fahrend die Piste erahnen lassen.

In der Nähe von Khorixas befinden sich einige touristische Attraktionen. Wir entscheiden uns vorerst für eine Fahrt zu den hiesigen Wüstenelefanten und den Besuch der Felsenbilder bei Twyfelfontein. Den Besuch weiterer Sehenswürdigkeiten in der Gegend legen wir im Verlauf der nächsten Tage ad hoc fest. Da sich die Eingangstüre zu unserer Wohnung immer noch nicht öffnen lässt, wird der Reisealltag langsam etwas mühsam…

Die Felszeichnungen wie auch die Felsgravuren bei Twyfelfontein sind seit 2007 UNESCO Weltkulturerbe. Über 2’500 Bilder auf mehr als 200 Felsplatten sind hier insgesamt beschrieben worden. Es ist nicht klar, wie alt die mit unterschiedlichen Techniken erstellten Felsenbilder sind. Es wird angenommen, dass die Gravuren in verschiedenen Perioden geschaffen wurden. Die ältesten Felsbilder werden auf bis zu 24’000 Jahre v. Chr. geschätzt. Wohingegen die jüngsten Bilder eher aus unserer Zeit stammen.

Die Felsenbilder sind nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Matthew, unser Guide, beherrscht sein Fachgebiet und eloquent erläutert er die Entstehungsgeschichte der Bilder, die angewandten Techniken, die verwendeten Materialien sowie die Lebensumstände der verschiedenen Völker, die hier gelebt und gewirkt haben. Auch Fragen zur aktuellen Situation der unterschiedlichen Völker beantwortet er offen und erläutert heutige länderübergreifende Zusammenhänge. Matthew, der von seiner Arbeit spürbar begeistert ist, macht die Besichtigung der Felsenbilder zu einem besonders interessanten Erlebnis.

Ein Besuch bei den seltenen Wüstenelefanten steht als nächstes auf unserer Wunschliste. Einige kleine Herden sind hier im Nordwesten Namibias heimisch. Da die Tiere jetzt auf dem Höhepunkt der Trockenzeit hauptsächlich im trockenen Flussbett unterwegs sind, haben wir uns entschlossen, eine Tour zu buchen und uns durch den tiefen Sand des Flussbetts fahren zu lassen. Die Tour ist eine eindrückliche, wenn auch äusserst holprige und windige Erfahrung. Unser Fahrer und Guide kennt alle «seine» Elefanten beim Namen und auch deren Charaktereigenheiten sind ihm bekannt. So können wir uns den Tieren bis auf Armeslänge nähern, ohne diese in irgendeiner Art und Weise zu beunruhigen.

Mittlerweile ist Mitte Dezember schon vorüber und wir haben uns entschieden, das blockierte Türschloss zur Wohnkabine nun doch noch dieses Jahr reparieren zu lassen. Der nächste Ort, der für so eine Reparatur am ehesten in Frage kommt, ist Swakopmund.

Swakopmund, die drittgrösste Stadt Namibias, liegt am Atlantik und ist rund 350 Kilometer von unserem gegenwärtigen Standort entfernt. Da davon auszugehen ist, dass die Geschäfte über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage ihre Tore auch in Namibia schliessen, ist es höchste Zeit, dass wir uns auf den Weg machen.

Auf unserer Route an die Küste statten wir Uis einer Minenstadt mitten in der Wüste einen Kurzbesuch ab und fahren kurz darauf am kreisrunden Brandberggebirge vorbei. In diesem Gebirge liegt der «Königsstein», der mit 2’573 Metern höchste Berg Namibias, den wir gern erwandert hätten. Die Wanderung auf den Gipfel ist mit einem Aufstieg von gut 1’800 Höhenmetern verbunden und eigentlich machbar. Die Tagestemperaturen von zurzeit um die 40°C und das Fehlen jeglicher Infrastruktur veranlassen uns jedoch, auf diese Unternehmung zu verzichten.

Etwa 40 Kilometer vor der Atlantikküste überqueren wir die Grenze zum Dorob National Park. Dieser ist Teil der Namib Wüste, die im Norden Südafrikas beginnt und sich über 2’000 Kilometer der Westküste Namibias entlang bis in den Süden Angolas erstreckt.

Langsam aber sicher wird es kühler und als wir bei Henties Bay ankommen, beträgt die Temperatur gerade noch 18°C., die sich angesichts einer steifen Brise noch um ein paar Grad frischer anfühlen. Wir entscheiden uns, nach Swakopmund weiterzufahren und dort einen Übernachtungsplatz zu suchen.

In Swakopmund ist schon einiges los und die beiden grossen Campingplätze sind bis auf einzelne Plätze ausgebucht. Für eine Nacht findet sich jedoch noch ein Platz. Wir richten uns ein und nehmen mit einem Fachgeschäft für Schliesssysteme Kontakt auf und erhalten schon für den kommenden Morgen einen Termin.

Nachdem wir am nächsten Morgen mit unserem Problem zwei Mal freundlich weitergereicht werden, stehen wir in einer Werkstatt, die sich mit unserem Türschloss auskennt. Nach etwas Wartezeit schenkt uns der Werkstattchef seine Aufmerksamkeit und kümmert sich in der Folge, fachmännisch um unser Türschloss. Die Reparatur bzw. Modifikation des Schlosses dauert dann gute drei Stunden. Dann endlich können wir wieder direkt in den Wohnaufbau ein- und aussteigen. Was für ein Gefühl! Wir bedanken uns für die spontane und kompetente Unterstützung – notabene am letzten Tag vor den zwei Wochen dauernden Weihnachtsferien – bezahlen die bescheidene Rechnung und machen uns wieder auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Diesen finden wir dann überraschenderweise in Gehdistanz zur Altstadt Swakopmunds.

Gemäss Auskunft unserer Gastgeberin, bewegen sich die Temperaturen in Swakopmund tagsüber ganzjährig zwischen ca. 18°C und 25°C. Meist liege die Stadt unter einer Hochnebeldecke. Diese löse sich an manchen Tagen auf. Zuverlässige Voraussagen gebe es dazu nicht. Es regne eigentlich nie und wenn, dann meist in Form eines Nieselregens aus der Hochnebeldecke.

Im vorweihnachtlichen Swakopmund verbringen wir ein paar erfrischend kühle Tage. Die Stadt fühlt sich sehr deutsch an und überall ertönen aus dem deutschsprachigen Europa bekannte Weihnachtslieder. Ein eigenartiges Gefühl. Auch die Trennung zwischen Auftraggebenden, die meist weiss sind und Ausführenden, die meist schwarz sind, erscheint hier als sei es normal. Es scheint fast, als ob hier unbewusst ein Rest Apartheit erhalten geblieben ist.

Die Stimmung in der zurzeit sehr geschäftigen Stadt empfinden wir als offen und entspannt. Am Strand findet ein Beach-Volleyball Turnier und eine Party nach der anderen statt. Im Stadtzentrum wurde ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, der mit Livemusik berieselt wird. Last but not least entsteht an der Strandpromenade eine Aktivitätsmeile für Kinder mit Hüpfburgen, Miniaturseilpark, Rollschuhfeld, etc. Es scheint, als ob sich ein ansehnlicher Teil von Namibias Bevölkerung über die Weihnachtstage an die kühle Atlantikküste verschoben hat.

Wir gehen einige Male in der Stadt spazieren und nehmen an einer Wüstensafari teil, auf der der Fokus in Anlehnung an die «The Big Five» von normalen Safaris auf die «The Little Five» der Wüste gerichtet ist. Die Fahrt führt in den nahen Dorob National Park. Unser Guide kennt sein Spezialgebiet, das die Entstehung der Wüste und die perfekt an die harschen Bedingungen dieses unwirtlichen Lebensraumes angepassten Tiere beinhaltet, aus dem ff. Er ist in Namibia geboren, spricht fliessend Deutsch, Englisch und Afrikaans und hat viel Humor.

Während der nächsten fünf Stunden weiht er uns in einige der vielen Geheimnisse der Wüste ein. Er ist ein grandioser Spurenleser. Als erstes spürt er einen Namibgecko für uns auf. Dieser lebt in Sandhöhlen und Gängen und ist in unserem Fall in der Nähe eines Busches zu Hause. Der zwischen 10 und 14 Zentimeter lange Gecko ist nachtaktiv und da er kein Licht zum Leben braucht, hat er zwar riesige Augen aber keine Augenlider. Ein faszinierendes kleines Tier das mit einem unschlagbaren Jöh-Effekt aufwarten kann. Damit das kleine Wesen im Tageslicht nicht leidet, wird es nach ein paar Minuten wieder auf den Sand gesetzt und von unserem Guide beim Graben einer neuen Höhle unterstützt.

Wenig später bewundern wir eine Schaufelnaseneidechse, die mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit über die Dünen huscht und sich beim kleinsten Anzeichen von Gefahr in Sekundenbruchteilen in den Sand eingräbt. Die blau schimmernde Wüstenblindschleiche hingegen lebt dann wieder fast ausschliesslich im Sand und zeigt sich nur selten an der Oberfläche. Auch sie verschwindet blitzschnell wieder in ihrem Element, nachdem wir sie wieder auf den Sand zurückgelegt haben.

Als nächste Überraschung wartet eine Sandviper auf uns. Unser Guide zeigt mit einem Stab auf eine Stelle im feinen Kies eines flachen Platzes und erkundigt sich bei seinen Gästen, wer dort etwas entdecken kann. Da sich niemand meldet, senkt er seinen Stab weiter und augenblicklich sucht die Sandviper, die dort bis auf die Augen in den Sand eingegraben auf Beute gelauert hat, das Weite.

Leider lässt sich trotz intensiver Bemühungen unseres Guides kein Wüstenchamäleon finden. Diese leben in den wenigen Büschen, die in der Wüste gedeihen. Sie sind sehr selten geworden, da sie von Wilderern gefangen werden und zu horrend hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt verkauft werden können.

Mittlerweile befinden wir uns in den Dünen des Dorob National Parks. Einige der goldgelben Dünen sind mit einer feinen violett schwarzen Schicht bedeckt. Unser Guide hält an einer flachen Düne, nimmt einen in ein Tuch eingewickelten Magneten aus seiner Tasche und bewegt diesen durch die Oberfläche der Düne. Dabei entstehen unzählige kleine, schwarze, haarartige Gebilde, die am Magneten hängen bleiben. Gemäss unserem Guide handelt es sich um Eisensand. Die Demonstration ist eindrücklich und die Erklärungen erfolgen in gut verständlicher Sprache. Die Formeln zu den verschiedenen chemischen Verbindungen schreibt er kurzerhand in den Sand.

Nach dieser Kurzlektion in Chemie werden wir durch die Dünen zurück nach Swakopmund gefahren. Unser Guide hat uns während der fünf Stunden dauernden Tour immer wieder mit Detailinformationen und spannenden Fakten zur Wüste und ihren Phänomenen verblüfft. Die sorgfältige Suche nach den kleinen Fünf der Wüste und die umsichtige Fahrt durch die Dünen sind ein rundum gelungenes und hochinteressantes Erlebnis.

Ein weiterer Ausflug führt uns etwa 40 Kilometer ausserhalb von Swakopmund noch einmal in die Wüste. Dort bestaunen wir die namibische Mondlandschaft und machen uns dann auf die Suche nach Welwitschias. Diese aussergewöhnliche Pflanze war schon vor 112 Millionen Jahren auf der Erde heimisch und ist heutzutage ausserhalb von botanischen Gärten und Pflanzensammlungen ausschliesslich in Namibia und im Süden Angolas zu finden.

Da wir Weihnachten, trotz der angenehmen Temperaturen nicht im überfüllten Swakopmund verbringen wollen, beschliessen wir Richtung Osten zur Spitzkoppe zu fahren. Dieser 1’728 Meter hohe Inselberg (der allerdings nur 700 Meter höher ist als seine Umgebung) wird aufgrund seiner Form auch als Matterhorn von Namibia bezeichnet. Die Spitzkoppe und die angrenzenden Pontok Mountains sind von der Wüste umgeben, weshalb sie als Inselberge bezeichnet werden.

Am Fuss der Spitzkoppe wurden einfache, weit auseinander liegende Stellplätze eingerichtet. Zurzeit sind die meisten Plätze frei. Wir finden einen, auf dem ein Baum etwas Schatten spendet und trotzdem freie Sicht auf den Sonnenuntergang garantiert. Für uns ist diese Umgebung der perfekte Ort, um die Weihnachtstage zu verbringen.

Nach ruhigen und erholsamen Weihnachtstagen fahren wir weiter Richtung Osten ins Erongo Mountain Sanctuary. Dabei handelt es sich um ein Schutzgebiet, das aus dem Zusammenschluss mehrerer Farmbesitzer entstanden ist, die sich gemeinsam für den Erhalt und den Schutz des noch bestehenden Wildtierbestandes und für die Wiederansiedlung von aus dem Gebirge verdrängten Wildtieren einsetzen. Die jahrelangen Anstrengungen der Involvierten wurden mit einigen namhaften Erfolgen belohnt. Zum Beispiel konnte das ehemals hier heimische Spitzmaulnashorn wieder angesiedelt werden und auch eine kleine Elefantenherde halte sich auf ihren Wanderungen wieder in den Erongo Bergen auf. Das ganze Gebiet der Erongo Mountains befindet sich in Privatbesitz und ist heute eine Stiftung.

Am Fuss der südlichen Berge des Erongo Mountain Sanctuary liegt das Ameib Guesthouse, das auch Campingplätze anbietet. Vom Guesthouse aus können die Phillips Höhle und die Bull’s Party zu Fuss besucht werden.

Wir nehmen die Gelegenheit für eine Wanderung wahr und geniessen es auf Schusters Rappen unterwegs zu sein. In der Phillips Höhle, die nach dem ehemaligen Besitzer der Ameib-Farm benannt wurde, können gut erhaltene Höhlenmalereien bestaunt werden, deren Entstehung auf 3’400 Jahre v. Chr. datiert wurde.

Einige Kilometer von der Phillips Höhle entfernt befindet sich die Bull’s Party. Diese besteht aus grossen Granitbrocken, von denen ein Teil durch Erosion zu gewaltigen Kugeln geformt wurden. Die Gegend macht den Eindruck, als ob Riesen beim Murmelspiel gestört wurden und dann vergessen haben, ihre Kugeln wieder einzusammeln.

Unser nächstes Ziel ist der Waterberg Plateau Park. Diesen erreichen wir über die Orte Usakos, Karibib, Omaruru und Otjiwarongo.

Mittlerweile ist es nicht mehr erlaubt, ohne Begleitung durch einen Ranger im Park zu wandern. Daher verzichten wir auf eine Übernachtung im Waterberg Plateau Park und wählen stattdessen den komfortablen Campingplatz einer an den Park angrenzenden Guestfarm.

Entsprechend zweigen wir in der Nähe von Otjiwarongo Richtung Waterberg ab und erreichen am späten Nachmittag unseren Übernachtungsplatz. Die Route zur Farm führt zwischen dem Waterberg und den kleinen Waterberg hindurch. Die Sicht auf die beiden Tafelberge im späten Nachmittagslicht ist ein besonderer Anblick und die grüne Gegend, die blühenden Blumen und das frische Gras am Strassenrand sind eine Wohltat für die Augen und für die Seele.

Auf dem Campingplatz sind wir allein. Unser Stellplatz liegt direkt an einem natürlichen Wasserlauf, der in den nahen Teich mündet. Da es kürzlich geregnet hat, ist es feucht und das Wasser im Teich steht relativ hoch. Von unserem Platz aus haben wir freie Sicht ins offene Gelände, in dem wir bis in die Dämmerung Antilopen beobachten können.

Wir machen ein Feuer und freuen uns über die angenehme Temperatur und die frische Luft. Kurz nach Sonnenuntergang beginnt ein vielstimmiges Frosch-, Kröten-, und Vogelkonzert. Mindestens fünf unterschiedliche Rufe von Fröschen oder Kröten können wir ausmachen. Dazwischen machen Perlhühner und Frankoline ebenfalls lautstark auf sich aufmerksam, als ob sie Angst hätten, nicht gehört zu werden. Die Lautstärke des tierischen Konzertes ist gelinde gesagt bemerkenswert. Ganz in der Nähe unseres Feuers hören wir einen besonders durchdringenden Ruf. Wir machen uns auf die Suche nach dem stimmgewaltigen Tier und entdecken ziemlich verblüfft einen ca. fünf Zentimeter kleinen, niedlichen Frosch.

Als unser Feuer ausgeht und wir notgedrungen eine Stirnlampe hervorholen, sind wir augenblicklich von fliegenden Termiten und unterschiedlichsten Nachtfaltern umringt. Dies ist für unseren Geschmack etwas zu viel Biodiversität und wir ziehen uns schleunigst ins Auto zurück. Kurze Zeit später setzt kräftiger Regen ein, der die ganze Nacht über anhält. Am Morgen steht unser Churi im Wasser, womit klar ist, dass es heute nasse Füsse geben wird. Wir schaffen es dann doch wegzufahren, ohne einen Traktor von der nahen Farm in Anspruch nehmen zu müssen.

Da wir zwischen Weihnachten und Neujahr etwas zu feiern haben, machen wir bei der Otjiwa Safari Lodge eine gebührende Pause und lassen uns von der guten Küche und der wunderschönen Umgebung verwöhnen. Zusätzlich buchen wir einen Sundowner Game Drive, auf dem wir unter anderem mehrere Nashörner beobachten können. Wir geniessen entspannende Stunden, die uns Gelegenheit geben, in der Vergangenheit zu schwelgen und Pläne für die Zukunft zu schmieden.

Die Tage über den Jahreswechsel verbringen wir dann in Windhoek. Die Stadt macht einen etwas verlassenen Eindruck und viele Geschäfte, Restaurants, Cafés und auch touristische Einrichtungen sind geschlossen. Der grosse Vorteil ist, dass die Strassen fast leer sind und wir ungeniert von einem Ende der Stadt ins andere fahren können, ohne in einen Stau zu geraten.

Wir übernachten im Urban Camp, das aktuell bei weitem nicht ausgebucht ist. Auch hier machen sich die Feiertage bemerkbar. Am Sylvester geniessen wir ein feines Nachtessen unter den Bäumen im Garten des Restaurants Stellenbosch und heissen das neue Jahr angemessen willkommen.

Nun am Ende des Jahres sind schon vier unserer sieben Monate, die wir durch das südliche Afrika reisen dürfen, vorbei. Wir sind gespannt, was uns die restlichen drei Monate noch bringen werden. Von diesen drei Monaten werden wir noch einen in Namibia verbringen und den südlichen Teil dieses abwechslungsreichen, äusserst sympathischen und friedlichen Landes erfahren.

Botswana

Francistown bis Shakawe / 31. Oktober – 27. November und 2. – 5. Dezember 2024

Als Ziele in Botswana haben wir einerseits den Makgadikgadi National Park und/oder den Nxai Pan Nationalpark sowie das Nata Bird Sanctuary ausgesucht. Zudem steht die Fahrt von Maun nach Kasane oder umgekehrt auf unserer Prioritätenliste recht weit oben und auch den Besuch der Tsodilo Hills im Nordwesten von Botswana haben wir ins Auge gefasst. Wir werden ad hoc entscheiden, was wir zu welchem Zeitpunkt unternehmen wollen. Unsere Route hängt in hohem Masse vom Wetter ab, da die Strassen bzw. Pisten zu einem anvisierten Ziel aufgrund starken Regens unbefahrbar werden können. Andererseits lohnt sich ein Besuch im Nata Bird Sanctuary nur, wenn ergiebige Niederschläge für ausreichend Wasser in den dortigen Pfannen gesorgt haben und die Vögel genügend Nahrung finden, um dort ihre Jungen aufzuziehen. Schon während unserer Reise durch Zimbabwe und der Einreise über den Grenzübergang Plumtree/Ramokgwebana haben wir uns entschieden, auf eine Reise durch den südlichen Teil von Botswana zu verzichten. Auch werden wir die Wahl unserer Vorhaben in diesem Land den Limiten unseres Fahrzeugs anpassen müssen. Diese kommen vor allem bei Fahrten auf schmalen, mit niedrigen und engstehenden Sträuchern gesäumten Fahrspuren oder bei tiefsandigen Pisten zum Tragen.

Mit einer Fläche von 581’730 km2 ist der Binnenstaat Botswana rund 14-mal grösser als die Schweiz. Per 2022 leben in Botswana gemäss einer Schätzung ca. 2,6 Millionen Menschen. Damit ist Botswana eines der am dünnsten besiedelten Länder der Erde. Von 1885 bis zu seiner Unabhängigkeit am 30. September 1966 war Botswana unter dem Namen Betschuanaland eine Kolonie Grossbritanniens.

Die Grenzübertritte von Zimbabwe nach Botswana verlaufen effizient und unkompliziert und das Personal an den Schaltern ist durchwegs freundlich und hilfsbereit. Das Carnet de Passage (CdP) ist bei beiden Grenzposten bekannt und auch diese Formalität ist innert Kürze erledigt. Binnen einer Stunde sind wir auf dem Weg nach Francistown, der ersten Stadt nach der Grenze. Mit ungefähr 105’000 Einwohnenden ist Francistown die zweitgrößte Stadt Botswanas. Sie liegt innerhalb des Nordost Distrikts am Fluss Tati und etwa 450 Kilometer nordnordöstlich von Gaborone, der Hauptstadt von Botswana.

Beim ersten Shoppingcenter in Francistown machen wir uns auf die Suche nach einer Simkarte und auf eine Möglichkeit, uns mit der lokalen Währung einzudecken. Je nach Situation vor Ort können diese Aktionen zwischen einer Stunde und einem ganzen Tag in Anspruch nehmen. Hier warten vor dem Geschäft, in dem wir eine Simkarte erwerben können, wie auch vor dem Bancomaten zahlreiche Menschen, die geduldig Schlange stehen. Eine umsichtige junge Frau macht uns auf einen zweiten Bankomaten aufmerksam, der von der lokalen Bevölkerung nicht so häufig benutzt werde. Dieser Hinweis erspart uns mindestens eine Stunde Wartezeit. Leider gibt es für den Kauf der Simkarte keine solche Abkürzung. So schlendern wir durch die verschiedenen Geschäfte des Einkaufszentrums in der Hoffnung, dass die Warteschlange in der Zwischenzeit kürzer wird. Nach vier Wochen Reisen in Zimbabwe erleben wir hier auf eindrückliche Art, wie gross die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beiden Ländern effektiv sind. Für den Kauf einer Simkarte haben wir dort allerdings knapp eine Stunde benötigt… Am späteren Nachmittag haben wir es auch hier geschafft und sind nun wieder mit der Aussenwelt verbunden.

Den Einkauf von Vorräten verschieben wir auf den kommenden Tag, da unser Auto vor dem Einkaufscenter in der prallen Sonne stehen muss und wir die Zeit bis zum Sonnenuntergang für die Suche nach einem Übernachtungsplatz nutzen wollen. Leider stellt sich heraus, dass in den letzten Monaten alle Campingplätze in Francistown geschlossen wurden. Gute 40 Kilometer ausserhalb der Stadt finden wir dann einen geeigneten Platz, auf dem wir uns noch vor Sonnenuntergang einrichten und in der Folge eine angenehme erste Nacht in Botswana verbringen können.

Anderntags fahren wir zurück nach Francistown, um unsere aufgeschobenen Einkäufe zu erledigen. Da wir einiges an Pendenzen haben und ein paar Tage Pause einlegen wollen, machen wir uns vor dem Einkaufen auf die Suche nach einer auf i-Overlander erwähnten Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt. Das entsprechende Haus ist nach kurzer Suche gefunden und wir werden von einem Auslandschweizer begrüsst, der seit 34 Jahren in Botswana lebt. Nach einer Vorstellungsrunde bei einem Glas Wasser, nehmen wir dessen Angebot an, unsere Pause in seinem Gästehaus zu verbringen. Die folgenden Tage sind wir beschäftigt mit Waschen, Putzen, notwendigen kleinen Reparaturen am Churi, dem Montieren der Sandbretter und, und, und… Zwischendurch lernen wir auf ein paar Einkaufsfahrten mit unserem Gastgeber Francistown etwas näher kennen. Abends werden wir von ihm und seiner Partnerin zu schmackhaften Mahlzeiten eingeladen, die jeweils in anregende Gesprächsrunden übergehen.

Nach ein paar erholsamen Tagen ist es Zeit, Botswana weiter zu entdecken. Unsere nächste Etappe führt über die Kleinstadt Nata Richtung Osten. Kurz vor Gweta biegen wir von der Hauptstrasse ab und fahren zum Camp Planet Baobab zum übernachten. Der Empfang im Camp ist herzlich und das sympathische und äusserst liebevoll gestaltete, gänzlich in afrikanisch buntem Design gehaltene Camp nimmt uns mit seinem fröhlichen Charme sofort gefangen. Alle Gebäude sind rund oder oval und mit traditionellen Strohdächern gedeckt. Ausserdem stehen auf dem Camp und in dessen Umgebung zahlreiche Baobabs, von denen jeder einzelne mehrere hundert Jahre alt ist. Auf der Campsite finden wir einen geeigneten freien Platz, wo wir uns für die Nacht einrichten können.

Nachdem wir unseren Platz auf dem Camp bezogen haben, holen wir uns an der luftigen, originell gestalteten Bar einen kalten Drink. Der riesige Pool gleich nebenan verspricht bei aktuell 40° C eine herrliche Abkühlung. Für uns ist jedoch erst einmal kochen angesagt. Daher verschieben wir das erfrischende Bad, die Fotorunde durchs Camp und den Spaziergang durch die Baobabs auf den nächsten Morgen. Nach Sonnenuntergang gönnen wir uns am Feuer, das an der grossen Feuerstelle im Zentrum von Planet Baobab zu gemütlichem Verweilen einlädt, einen Gin & Tonic. Dann gehen wir zeitig schlafen, da wir am nächsten Tag bei den Baines Baobabs im Nxai Pan National Park übernachten wollen.

Mitten in der Nacht werden wir von lautem Klopfen und Rufen geweckt. Schlaftrunken öffnen wir die Tür. Draussen steht eine junge Frau, die aufgeregt informiert, dass das Camp brenne und wir uns umgehend für die Wegfahrt bereit machen müssten, da sich das Feuer rasch auch auf die Campingplätze ausdehnen könne. Schlagartig wach geworden, sehen wir uns kurz draussen um. Lautes Knistern und Knacken macht klar, dass die Flammen schon ziemlich nahe sind. So schnell wie möglich machen wir unseren Churi startklar und gehen nach draussen. Die Szenerie ist unheimlich gespenstisch und dabei faszinierend unwirklich.

Wir sehen uns etwas näher um und bemerken, dass das Einfahrtstor zum Campingplatz geschlossen und mit einer starken Kette gesichert ist. Markus macht sich auf den Weg zum Haupteingang, um den Schlüssel zu beschaffen. Kurz darauf wird das Tor von einem Sicherheitsbeamten geöffnet. Alle Gäste des Camps werden aufgefordert, sich auf der etwa zweihundert Meter entfernten Zufahrtsstrasse zu sammeln und auf weitere Anweisungen zu warten. Für eine Weile schauen wir noch zu, wie ein Gebäude nach dem anderen innert kürzester Zeit von den lodernden, hoch in den Himmel steigenden Flammen verschlungen wird. Dann fahren wir zur Zufahrtsstrasse und reihen uns in die dort wartenden Fahrzeuge ein. Unter den Wartenden herrscht allgemeine Fassungslosigkeit.

Als alle Gäste mit den entsprechenden Fahrzeugen am Treffpunkt eingetroffen sind, fahren wir in einem Konvoi, der von einem Angestellten von Planet Baobab geleitet wird, in das ein paar Kilometer weiter östlich gelegene Städtchen Gweta. Gegen vier Uhr morgens sind alle obdachlos Gewordenen in der dortigen Lodge in Zimmern und jene mit Campern auf Parkplätzen untergebracht. Die Evakuierung der Gäste aus dem brennenden Camp verläuft ruhig und geordnet. Es gibt weder Panik noch Verletzte, was dem umsichtigen und professionellen Handeln der Mitarbeitenden des Camps zu verdanken ist.

Etwas zerknittert machen wir uns wenige Stunden später auf den Weg zum Haupteingang (Main Gate) des Nxai National Park. Auf unserer Fahrt treffen wir auf mehrere hundert Zebras, die in langen Kolonnen die Strasse überqueren.

Die Tiere haben ihr Weidegebiet in der Okavangoregion verlassen, um vom frischen nährstoffreichen Grün im Makgadikgadi Gebiet zu profitieren, das dort aufgrund der im November und Dezember einsetzenden Regenfälle zu spriessen beginnt. Für ca. drei Monate werden sich die Zebras in den Makgadikgadi Salzpfannen aufhalten, bevor sie sich im westlichen Teil des National Parks für den langen Rückweg sammeln. Dieser wird sie ab April auf einer wochenlangen Wanderung wieder zurück führen in die dann wieder wasserreichen südöstlichen Gebiete des Okavangodeltas inklusive des Moremi Wildreservates.

Wir beobachten die endlos scheinende Reihe von Zebras für einige Zeit, bevor wir eine Lücke nutzen, um unsere Reise fortzusetzen. Während der Fahrt kehren unsere Gedanken mehrere Male zum Ereignis der vergangenen Nacht zurück und dabei auch zu den Angestellten von Planet Baobab, die heute möglicherweise keine Arbeitsstelle mehr haben.

Beim Haupteingang zum Nxai National Park bezahlen wir die vor ein paar Tagen gebuchten Übernachtungsplätze innerhalb des Parks. Anschliessend wechseln wir das Gebäude, um am dortigen Schalter die Eintrittsgebühr für den Nationalpark zu begleichen. Als es um die Gebühr für unser Autos geht, werden wir aufgefordert, den für einen Lastwagen aufgeführten Betrag zu bezahlen. Wir wehren uns und verweisen auf den Fahrzeugausweis, der belegt, dass unser Auto in die tiefere Kategorie gehört. Das Papier wird von den beiden Beamten allerdings nicht anerkannt. Wir weigern uns, den 10-mal höheren Betrag zu bezahlen und erkundigen uns nach dem Manager. Dieser sei nicht vor Ort, wird uns mitgeteilt. Zudem habe der für die Einstufung der Autos zuständige Mechaniker telefonisch mitgeteilt, dass alle Mercedes Sprinter in die höhere Kategorie gehören würden. Wir machen unsere Buchung rückgängig und verlangen die Adresse des Managers, dem wir kurze Zeit später gegenüberstehen. Dieser lässt sich mit Fahrzeugausweis und Erläuterungen zu unserem Auto überzeugen und verspricht sein Team am Eingang zum Nxai National Park umgehend zu informieren. Er wünscht uns viel Freude während unseres Aufenthaltes im Park und eine sichere Reise durch sein Heimatland Botswana.

Obwohl es mittlerweile schon Nachmittag ist, beschliessen wir zurückzufahren und unseren geplanten Aufenthalt im Nxai National Park wieder zu buchen. Unsere Übernachtungen im Park sind zum Glück noch nicht weiterverkauft worden und bei der Gebühr für das Auto gibt es nun keine Diskussionen mehr…

Da unterwegs zu den Baines Baobabs und auch zum Southcamp streckenweise tiefer Sand zu durchfahren sein wird, müssen wir den Luftdruck in den Reifen reduzieren. Danach kann die Fahrt in den Park endlich losgehen. Bis zur Abzweigung zu den Baobabs wechselt sich tiefer Sand mit Wellblechpisten ab. Dann wartet die teils sehr schmale Piste mit langen Schaukelpassagen und Strecken mit eng stehenden und harten, blattlosen Büschen auf, die unser Auto grosszügig mit Kratzern verzieren.

Die Gegend hingegen ist spektakulär. Die ausgetrockneten Salzpfannen des Nxai Gebietes schimmern blausilbern durch das dürre, gelborange leuchtende Gras, in dem wir Oryx Antilopen, Zebras, Springböcke und uns unbekannte Vögel entdecken. Nach gut 50 Kilometern anstrengender Fahrt erreichen wir über eine riesige topfebene Salzpfanne unseren Übernachtungsplatz.

Dieser liegt am Rand der Pfanne direkt unter einem Baobab. Die Anstrengungen der Fahrt sind augenblicklich vergessen und sonderbarerweise ist auch unsere Müdigkeit verschwunden. Ich bin überzeugt, dass wir uns an einem Kraftort befinden. Der Blick über die ausgetrocknete, golden in der Abendsonne leuchtende Pfanne mit den Baines Baobabs ist einzigartig. In der Ferne türmen sich Gewitterwolken auf, während über uns ein wolkenloser Himmel einen strahlenden Sonnenuntergang verspricht. Wir machen ein Feuer und lassen die mystische Umgebung auf uns wirken.

Unter «unserem» Baobab verbringen wir eine erholsame Nacht und holpern um die Mittagszeit gemächlich zurück zur Hauptpiste, die zum Southcamp weiterführt. Kurz nachdem wir auf diese Piste eingebogen sind, bleiben wir im tiefen Sand stecken. Schaufeln ist angesagt. Bald sind die Räder freigelegt und nachdem wir den Reifendruck nochmals reduziert haben, erreichen wir unser Ziel ohne weitere Zwischenfälle.

Kurz nach unserer Ankunft im Southcamp ziehen Wolken auf und schon bald entlädt sich ein Gewitter, das den ersten lang ersehnten Regen bringt.

Auf einer abendlichen Entdeckungsfahrt besuchen wir später ein Wasserloch, an dem die Reste eines Elefanten liegen, der vor einigen Tagen vom hiesigen Löwenrudel gerissen wurde. Die Löwen haben allerdings kein Interesse mehr an dem Kadaver und sind weitergezogen. Geier, Marabus und Schakale finden hier jedoch noch einen reich gedeckten Tisch.

Generell ist es nun, da es geregnet hat, nicht mehr so einfach, Wildtiere zu beobachten. Da der Regen überall Pfützen hinterlassen hat, finden die Tiere im Busch genügend Wasser. Somit sind sie nicht mehr auf einzelne Wasserlöcher angewiesen.

Die Fahrt zurück zum Haupteingang des Parks verläuft dann auch dank des Regens ohne unfreiwillige Pausen.

Mit vielen guten Erinnerungen an die Tage im Nxai National Park fahren wir Richtung Maun. Nur wenige Meter von der Fahrbahn entfernt stehen Elefanten regungslos im Schatten eines Baumes, um sich vor der aggressiven Sonne zu schützen. Auch auf einem Pfad, der der Frischwasserleitung nach Maun entlang verläuft, sind Elefanten unterwegs. Um an das frische Wasser zu gelangen, haben die grauen Riesen die schweren Betonabdeckungen der Schächte kurzum weggeschoben.

Maun ist die fünftgrösste Stadt Botswanas. Sie liegt am Thamalakane River im nördlichen Teil des Landes. Maun gilt als Tourismushauptstadt Botswanas und ist sozusagen das Tor zum Okavangodelta. Der Ort präsentiert sich als quirlige Kleinstadt, die vom boomenden Tourismus lebt. In kleinen, bescheidenen Geschäften und an zahlreichen Ständen entlang der Strasse kann man sich mit Essbarem und Souvenirs eindecken, die Haare schneiden lassen und sich passend zum neuen Haarschnitt frisch einkleiden. Ausserdem gibt es Filialen der grossen im südlichen Afrika gängigen Grossverteiler, in denen man alles auf einer längeren Fahrt ohne Versorgungsmöglichkeiten Erforderliche erhält.

Zudem kann man in einem nagelneuen und supermodernen Einkaufszentrum mit einer gut funktionierenden Klimaanlage durch die Läden schlendern. Die Gegensätze und Widersprüche sind wie so oft im südlichen Afrika auch hier allgegenwärtig. Auf der einen Seite gibt es ein breites Angebot an Luxusgütern, die sich aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung und die TouristIinnen leisten können. Daneben lebt ein grosser Teil der Bevölkerung von der Hand in den Mund und um zu überleben sind Unzählige auf jeden noch so schlecht bezahlten Arbeitsplatz angewiesen. Auch Kinder und Jugendliche müssen sich nach Kräften am Unterhalt der Familie beteiligen.

Während unseres Aufenthaltes in Maun regnet es einige Male kurz und die bei unserer Ankunft kahlen Baumkronen auf der Audi Campsite verwandeln sich innert kürzester Zeit in einen frischgrünen Baldachin. Es überrascht uns immer wieder, wie schnell sich die Pflanzenwelt verändert, sobald das benötigte Wasser eintrifft.

Die Fahrt von Maun nach Kasane führt durch zwei der wichtigsten Nationalparks Botswanas und verspricht Naturerlebnisse erster Güte. Unterwegs ermöglicht sie eindrückliche Tierbeobachtungen und mit ihren teils unbefestigten Pisten durch einmalige Landschaften weckt sie den Abenteuergeist vieler SelbstfahrerInnen. Aufgrund der grossen Beliebtheit der Strecke müssen die unterwegs erforderlichen Übernachtungsplätze auch ausserhalb der Hochsaison im Voraus gebucht werden.

Wir haben für diesen Teil unserer Botswanareise zehn bis zwölf Tage eingesetzt. Vorgängige Reservierungen sind angesichts unserer rollenden Reiseplanung nicht sinnvoll. So werden wir unsere Fahrt durch das Moremi Game Reserve und den Chobe National Park nach Kasane hier in Maun organisieren. Da dies einiges an Kenntnissen der lokalen Verhältnisse erfordert, holen wir uns der Einfachheit halber die Unterstützung einer jungen Frau, die solche Dienstleistungen anbietet. Anlässlich eines Treffens definieren wir unser Anliegen, worauf sie uns einen Vorschlag ausarbeitet. Diesen passen wir unseren Wünschen und den Möglichkeiten unseres Autos an und schon am nächsten Tag stehen unsere Übernachtungsplätze fest.

Wir kaufen Vorräte und tanken Diesel auf. Da es bis kurz vor Kasane keine Tankstellen mehr geben wird und der Treibstoffverbrauch aufgrund der zum Teil sandigen Pisten bedeutend höher sein wird als normal, füllen wir auch unsere Reservekanister. Dann kann unsere Fahrt nach Kasane beginnen und wir sind gespannt, was uns erwartet.

Die erste Etappe führt durch die Dörfer Shorobe, Sankuyo und Mababe Village an den Khwai River. Die Pisten unterwegs sind von unterschiedlichster Beschaffenheit. Von gut fahrbarem festem Untergrund, über Wellblech und mit Wasser gefüllten, matschigen Senken bis zu sandigen Passagen ist auf der breiten übersichtlichen Piste alles anzutreffen. Wir kommen gut voran und schaffen die Strecke bis zur Abzweigung zu unserem ersten Camp ohne Schwierigkeiten.

Da sich auf unserem reservierten Platz schon jemand eingerichtet hat, können wir auf Nachfrage beim Manager auf dem weiten Gebiet, das als Campsite ausgewiesen ist, einen anderen Stellplatz suchen. Bald finden wir einen perfekten Platz, der nur wenige Meter vom Ufer des Khwai Rivers entfernt liegt. Wir verzichten auf Pirschfahrten und bei perfektem Wetter freuen wir uns über die tierischen Besuche an unserer «Haustür».

Wir beobachten die Flusspferde, die den Fluss rauf und wieder runter wandern und sich prustend, knurrend und mit ihrem typischen weit herum hörbaren Ruf bemerkbar machen. Büffel und Antilopen, die unerwartet hinter uns aus dem Gebüsch auftauchen, bedienen sich kurze Zeit später am saftigen Grün entlang des Flusses.

Nachts macht sich das in der Umgebung ansässige Löwenrudel lautstark brüllend bemerkbar und wir realisieren, wie nahe wir diesen mächtigen Tieren sind…

Das Wetter ist prächtig und die Äste eines allerdings noch laublosen Baumes spende ein wenig Schatten. So erleben wir hier am Wasser herrlich erholsame Tage bis uns die Buchungen in den anderen Camps veranlassen, das Gebiet des Moremi Game Reserves zu verlassen.

Mit dem Mababe Gate erreichen wir als nächstes den Eingang zum südlichen Teil des Chobe National Parks. Der Chobe National Park erstreckt sich über eine Fläche von ca. 11’700 km2, womit er ca. einen Drittel der Fläche der Schweiz einnehmen würde.

Beim Mababe Gate erkundigen wir uns nach dem Zustand der anschliessenden Pisten. Dabei erfahren wir, dass die Strecke durch den Savuti Marsh (Savuti Sumpf) aufgrund des kürzlichen Regens unpassierbar ist. Somit bleibt die 115 Kilometer lange Fahrt über die Sand Ridge Road, auf der tiefer Sand einen Teil der Strecke ausmacht. Die Piste schlängelt sich ohne merklichen Höhenunterschied durch den schneeweissen Sand beeindruckender, fast unberührter Savannenlandschaften.

Streckenweise führt die Piste durch frischgrüne Büsche. Das neue Laub macht deutlich dass es in der Gegend strichweise geregnet hat. In den Büschen sind die hier lebenden Tiere gut getarnt und finden nun wieder genügend Nahrung. Für uns sind sie leider meist nicht sichtbar.

Einige Kilometer vor dem Savuti Camp bringen die sandige Silhouette der etwa 20 Meter hohen und 100 langen Magwikhwe Sandridge (Sandrücken) und die Gubatsa Hills etwas Abwechslung in die weiten Ebenen.

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir die Savuti Campsite, die sich am Savuti River befindet, der allerdings seit dreizehn Jahren trocken liegt. Im Schatten eines grossen Baumes richten wir uns auf einem äusserst grosszügig bemessenen Stellplatz ein und erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Während der Nacht und am frühen Morgen hören wir Löwen, die brüllend erst den Vollmond und am frühen Morgen die aufgehende Sonne begrüssen. Trotzdem treffen wir sie auf unserer Sonnenaufgangsfahrt nicht an. Generell halten sich hier zurzeit eher wenig Tiere auf, da aufgrund der anhaltenden Trockenheit fast keine Nahrung zur Verfügung steht.

Als wir auf unserer Weiterfahrt an einem einige Kilometer entfernten Wasserloch vorbeikommen, entdecken wir einen alten Löwen, der dort seinen morgendlichen Durst stillt. Sein Schwanz ist nur noch etwa halb so lang, wie er sein sollte. Vermutlich ist ihm die andere Hälfte bei einem Kampf mit einem Rivalen abhandengekommen. Der Löwe macht einen einsamen und irgendwie erschöpften Eindruck. Nach ein paar Minuten wünschen wir dem alten Knaben gedanklich alles Gute und fahren weiter Richtung Norden.

Beim Ghoha Gate, dem Eingang in den nördlichen Teil des Chobe National Parks, unterhalten wir uns mit dem dortigen Ranger. Dabei erfahren wir, dass der alte Löwe auch hier bekannt ist. Der kurze Schwanz erweist sich als eindeutiges Erkennungszeichen. Der Ranger informiert, dass sich dieser Löwe schon länger allein durchschlagen müsse. Er sei nicht mehr in der Lage, sich gegen einen Rivalen durchzusetzen oder Beute zu schlagen. Daher werde er wohl nie mehr Anschluss an ein Rudel finden. Wohl oder übel müsse er sich von Kadavern ernähren, die ihm erst noch von Hyänen und Geiern streitig gemacht würden. Sein Leben werde vermutlich bald zu Ende sein.

Gemäss Auskunft des Rangers werden die Pisten auf der folgenden Etappe ebenfalls sandig sein. Wir machen uns auf den Weg und nach ein paar Kilometern bemerken wir auf unserer Fahrspur eine Straussenfamilie mit elf Jungen. In aller Ruhe spaziert die lebhafte Gesellschaft vor uns her, wobei sich die Eltern nicht ganz einig zu sein scheinen, ob und auf welche Seite sie die Fahrbahn verlassen sollen. Etwa nach einer Viertelstunde entscheiden sie sich doch für die Sicherheit der Büsche und die ganze Schar verschwindet kurz darauf im Dickicht.

Wie vom Ranger angekündigt, wartet die Route im weiteren Verlauf mit viel tiefem, dieses Mal allerdings mehrheitlich rotem statt weissem Sand auf und führt in einem stetigen Auf und Ab durch die nun hügelige Landschaft. Die Fahrt ist anstrengend und fühlt sich teilweise eher wie Schwimmen an. Daher schätzen wir es, als wir nach gut 500 Kilometern Fahrt auf unbefestigten Pisten in Kachikau wieder auf eine asphaltierte Strasse treffen.

In Kachikau erhöhen wir den Druck in den Reifen wieder und kaufen zwei kalte Getränke im lokalen Souvenirladen (Curio Shop). Wir unterhalten uns mit der freundlichen Eigentümerin, die uns auf Nachfrage erzählt, dass sie hier aufgewachsen ist. Sie fühle sich sehr wohl in Kachikau. Hier habe sie zwei Söhne und zwei Töchter grossgezogen. Alle seien gut geraten, aber leider seien alle vier weggezogen. Eine der Töchter sei Managerin einer Lodge in Kasane, während die jüngere zurzeit noch an der Universität in Maun studiere. Ihr zweiter Sohn arbeite in der Hauptstadt Gaborone im IT-Bereich einer Telefongesellschaft. Der Älteste sei Major in der Armee. Er lebe aktuell in China, wo er zwei Jahre lang weiter ausgebildet werde. Leider sehe sie ihre Kinder nur selten. Trotzdem werde sie hierbleiben. Sie habe hier alles, was sie brauche. Nach einer ganzen Weile verabschieden wir uns von der aktiven und aufgeschlossenen Frau und beeindruckt von ihrer Akzeptanz und Genügsamkeit setzen wir unsere Reise fort.

Ritualgetreu weisen wir beim Ngoma Gate unseren Beleg vor, der bestätigt, dass wir die Eintrittsgebühr in den Chobe Nationalpark bezahlt haben. Auch hier erhalten wir wertvolle Tipps betreffend die Befahrbarkeit der Pisten auf unserem weiteren Weg.

Nach ein paar Kilometern auf der asphaltierten Transitstrasse nach Kasane zweigen wir wieder auf eine Piste ab. Diese führt uns durch ein kurzes, teils felsiges von blattlosen Wäldern gesäumtes Tal, das sich nach einigen Kilometern abwechslungsreicher Fahrt öffnet und einen grandiosen Blick auf die Weiten der Schwemmebenen des Chobe Rivers freigibt. Während wir zu unserem Übernachtungsplatz auf der Ihaha Campsite fahren, verändert sich die Szenerie durch ein aufziehendes Gewitter innert kürzester Zeit dramatisch. Starker Wind wirbelt den roten Sand auf und vor einem in der Weite noch strahlend blauen Himmel ballen sich schwarzgraue Wolken zusammen. Das Farbenspiel ist grandios. Der dringend benötigte Regen bleibt dann allerdings aus.

Der Chobe River entspringt in Angola und ist einer der Flüsse im Norden Botswanas und Namibias, die das ganze Jahr über Wasser führen. Der Fluss bildet hier die Grenze zwischen Botswana und Namibia. Auf der namibischen Seite werden die Schwemmebenen des Chobe Rivers als Weidegebiet für das Vieh der dort lebenden Bauern genutzt. Die botswanische Seite ist hingegen als Nationalpark geschützt und dadurch den wilden Tieren vorbehalten. Entsprechend ist die Schwemmebene auf dieser Seite des Chobe ein Paradies für Wildtiere, die hier fast immer in hoher Zahl anzutreffen sind.

Wie schon im Savuti Gebiet ist das Nahrungsangebot zurzeit auch hier aufgrund der anhaltenden Trockenheit stark eingeschränkt. So haben sich viele Tiere in die Wälder der weiteren Umgebung des riesigen Parks zurückgezogen und kommen meist nur kurz zum Trinken und Baden an den Fluss.

Beeindruckt sind wir von der Grösse der Viehherden auf der anderen Seite des Flusses. Zwischen den Rinderherden können wir einige Gruppen Zebras entdecken, während andere grosse Wildtiere gänzlich fehlen. Der Manager des Campinglatzes erläutert, dass wilde Tiere wie Elefanten, Büffel und Antilopen auf der anderen Seite des Flusses umgehend geschossen und zu Trockenfleisch (Biltong) verarbeitet würden. Da die Zebras eng mit den Eseln verwandt seien, die von der lokalen namibischen Bevölkerung nicht verzehrt würden, seien diese dort sicher. Zudem würden sich aufgrund der unzähligen Krokodile, die im Fluss leben, die meisten Tiere scheuen, den Fluss zu durchqueren.

Von unserem Stellplatz aus begeben wir uns während der nächsten Tage mehrere Male auf Entdeckungsreisen durch die verschiedenen Gebiete des Parks. Die Landschaft ist abwechslungsreich und je nach Lust und Laune können wir auf unseren Pirschfahrten die bewaldeten Gebiete südlich des Chobe Rivers oder die eher sandige Gegend direkt dem Fluss entlang erkunden.

Mit Ziel Kasane verabschieden wir uns vom Chobe National Park mit einer letzten Fahrt dem Fluss entlang. Kurz nachdem wir losgefahren sind, bemerken wir ganz in der Nähe der Piste zwei Löwinnen mit ihren Jungtieren. Den auffallend runden Bäuchen der Tiere nach zu urteilen, ruhen sie sich nach einem üppigen Frühstück im Schatten eines Baumes aus. Eine ganze Weile können wir die Tiere beobachten, die sich von uns in keiner Art und Weise stören lassen.

Kasane ist eines der wichtigsten touristischen Zentren Botswanas. Der Ort ist für viele Reisende der Ausgangspunkt für Safaris in den Chobe National Park und/oder für die Fahrt nach Maun. Die Kleinstadt ist mit ihren Supermärkten und Restaurants ein wichtiges Versorgungszentrum im Norden Botswanas und bietet alles Notwendige für den täglichen Bedarf wie auch für weiterführende Reisen. Ausserdem besuchen viele Reisende von Kasane aus die Viktoria Fälle als Tagesauflug. Die touristische Infrastruktur Kasanes ist äusserst gut ausgebaut und angesichts der vielen luxuriösen Unterkünfte in der Umgebung muss hier kein noch so ausgefallener Wunsch unerfüllt bleiben.

Um Kasane etwas kennen zu lernen, übernachten wir hier zweimal. Wir buchen eine jener berühmten Sonnenuntergangs-Fahrten auf dem Chobe River. Da die Hochsaison vorbei ist, können wir die Fahrt kurzfristig buchen und mit vier Personen ist das Flachboot bei weitem nicht voll besetzt. Unser Guide erweist sich als sehr versiert und vermittelt viel Wissen über den Fluss sowie die Verhaltensweisen der Tiere im und am Wasser. In einer humorvollen Art bezieht er seine Gäste mit ins Geschehen ein, wodurch er die Stunden auf dem Fluss zu einem sehr lohnenden Erlebnis macht. Besonders interessant ist es für uns, die Flusspferde und die nicht ganz so sympathischen Krokodile aus nächster Nähe beobachten zu können.

Auf der Fahrt treffen auf eine Gruppe Krokodile, die einen alten Büffel getötet hat. Gemäss den Ausführungen unseres Guides hat das tote Tier schon einige Tage im Wasser gelegen. Nun habe der Kadaver jenen Verwesungsstand erreicht, der es den Krokodilen ermögliche, diesen nun mit spezifischen Techniken aufzureissen. Eine unangenehme Angelegenheit, die bald ziemlich streng zu riechen beginnt, worauf der schaurige Schauplatz auf allgemeinen Wunsch zügig verlassen wird. Nach drei spannenden Stunden endet die Fahrt mit einem besonders eindrücklichen Sonnenuntergang über dem Chobe River.

In Kasane entdecken wir einige hübsche Lokale mit gutem Kaffee. Im Weiteren ist der Ort schnell erkundet. Wie in Maun und in Victoria Falls werden auch hier viele Souvenirs angeboten und wie schon dort ist es heiss, was die Lust auf Spaziergänge auf ein Minimum reduziert.

Angesichts der vielen Stunden, die wir in den zwei Wochen gefahren sind, beschliessen wir, auf dem Stellplatz einer kleinen Lodge etwas weiter südlich ein paar ruhige Tage und Nächte zu verbringen und die Seele baumeln zu lassen. Während dieser Zeit erhalten wir einen Einblick in das Leben und die Herausforderungen eines Paares, das seit langen Jahren eine Unterkunft/Guesthouse (Pension) betreibt und Reisenden einen angenehmen und sicheren Ort für eine Pause bietet.

Ein Gebiet, das wir in Botswana noch besuchen wollen, sind die Tsodilo Hills. Diese befinden sich im äussersten Nordwesten des Landes. Da wir uns nun in Kasane befinden, das im Nordosten Botswanas liegt, haben wir uns entschieden, die Tsodilo Hills vom Caprivistreifen aus anzufahren. Das bedeutet, dass wir für ein paar Tage nach Namibia einreisen werden. Der Grenzübertritt sollte keine Hürde sein und wir haben so die Möglichkeit die ganze Länge des Caprivistreifens zu sehen, ohne grössere Umwege zu fahren.

Ausgeruht machen wir uns auf den Weg zum Ngoma Bridge Grenzposten. Auf Höhe des Old House Hotels entscheiden wir uns dann spontan in dessen Restaurant noch einen Cappuccino zu trinken. Wir lassen uns Zeit und geniessen den schattigen, liebevoll gestalteten Garten und die wohltuende Atmosphäre dieses kleinen Paradieses mitten im geschäftigen Kasane. Als wir Kasane dann verlassen, ziehen dunkle Wolken auf und während wir über die Transitstrasse durch den Chobe National Park fahren, beginnt es kräftig zu regnen. Beim Grenzposten, den wir nach etwa zwei Stunden erreichen, scheint wieder die Sonne.

Auf den beiden Grenzposten füllen wir die erforderlichen Formulare aus, bezahlen die Strassengebühr und nach einer Stunde sind wir auf Namibias Strassen unterwegs. Das Thermometer zeigt schon um die Mittagszeit 35° C an. Entsprechend wird es wieder einen heissen Tag geben.

Die nächsten vier Tage verbringen wir in Namibia bevor wir nochmals nach Botswana einreisen, um den Tsodilo Hills den geplanten Besuch abzustatten.

Bevor wir zum Mohembo Grenzposten fahren, kaufen wir im Supermarkt von Divundu frisches Gemüse für die nächsten Tage ein. Wie erwartet ist die Ausreise aus Namibia eine Sache von einigen Minuten. Bei der Einreise nach Botswana erhalten wir umgehend wieder eine Aufenthaltsbewilligung für 30 Tage. Die Strassengebühr können wir allerdings nicht bezahlen, da das Internet nicht funktioniert und die benötigten Formulare nur elektronisch ausgefüllt werden können. Mit einem unterdrückten Zähneknirschen und ohne die üblichen guten Wünsche für die Weiterreise werden wir aufgefordert zu gehen. Gut für uns!

Beim letzten Kontrollposten vor der Einreise nach Botswana, erkundigt sich eine nette Frau, ob wir frisches Gemüse, Fleisch, Milch, Käse oder Eier mitführen. Ich überreiche ihr die Tasche mit den Sachen, die wir vor zwei Stunden gekauft haben. Sie nimmt die Tomaten, die Bohnen, die Peperoni und den Kürbis an sich. Die Orangen und Mandarinen überlässt sie uns, da diese dem Einfuhrverbot nicht unterliegen würden. Mit den noch ausstehenden guten Wünschen für einen angenehmen Aufenthalt in Botswana werden wir entlassen. Wir sind leicht verwirrt über die Kontrolle, da bei unserer ersten Einreise nach Botswana nichts Derartiges stattgefunden hat. So oder so fahren wir weiter nach Shakawe und ersetzen das abgelieferte Gemüse im dortigen Supermarkt.

Auf der Campsite der für den Besuch der Tsodilo Hills optimal gelegenen Shakawe River Lodge finden wir einen perfekten Übernachtungsplatz. Die Lodge befindet sich direkt am Okavango River und bietet auch Mokorofahrten an, die ebenfalls noch auf unserer Wunschliste für Botswana stehen.

Die Route zu den Tsodilo Hills führt erst über die asphaltierte Strasse Richtung Maun. Bei Nxamasere zweigt dann eine Piste zu den Tsodilo Hills ab. Diese weist viele harte Wellblech-Strecken auf. Entsprechend gründlich durchgerüttelt kommen wir nach einer guten Stunde bei den Tsodilo Hills an. Die dortigen Felszeichnungen sind seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe und können nur mit einem Guide besucht werden. Demzufolge buchen wir eine Führung zu den Felszeichnungen, die wir mit einer ebenfalls geführten Tour auf den «Male Mountain» den mit 420 Metern höchsten der Hügel der Tsodilo Hills und einer Übernachtung auf dem hiesigen Campingplatz ergänzen.

Als wir beim Museum den für die geführten Touren zuständigen Ranger treffen, betont dieser, dass die Wanderung auf den Male Mountain bei den aktuellen Temperaturen zu lang und zu steil und somit zu gefährlich sei. Wir würden die Strecke mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht schaffen. Er empfehle uns, am späteren Nachmittag zwei «normale» Touren zu kombinieren. Die für dieses Vorgehen vorgebrachten Argumente überzeugen uns nicht wirklich. Da die Temperatur mittlerweile jedoch knapp 42° C beträgt und wir die Gegend nicht kennen, lassen wir uns auf den Vorschlag ein.

Pünktlich zur vereinbarten Zeit erwartet uns unser Guide Benji beim Treffpunkt. Benji ist einer der Guides, die den BesucherInnen der Tsodilo Hills die Felszeichnungen erläutern. Allerdings können nicht alle der etwa 4’500 in den Hügeln entdeckten Felsmalereien besichtigt werden. Benji erklärt uns einige der bedeutendsten und wir erfahren dabei viel über das Volk der San, das schon vor mehr als 100’000 Jahren in und um die Tsodilo Hills lebte. Gegenwärtig werden die Tsodilo Hills von Angehörigen der HaMbukushu und der !Kung bewohnt.

Die Felsmalereien sind mehrere tausend Jahre alt und befinden sich an etwa 400 Stellen verteilt über die Tsodilo Hills. Manchmal sind sie unauffällig und an einigen sind wir vermutlich vorübergegangen, ohne sie wahrzunehmen…

Die frischgrüne Vegetation bildet einen herrlichen Kontrast zum wolkenlos blauen Himmel und den in der Sonne leuchtenden goldgelben Felsen, die mancherorts mit bunten Farben ausgewaschener Mineralien aufwarten. Auf den Ebenen innerhalb der vier Hügel wachsen zahlreiche Baumarten, Büsche und verschiedenste Gräser und Zwiebelpflanzen. Die Vegetation innerhalb der Tsodilo Hills bildet ein lokalspezifisches Biotop, in dem viele Tiere wie Elefanten, Kudus, Hyänen, Leoparden, Stachelschweine, Ameisenbären, Gürteltiere, etc. leben. Die Tiere sind in der üppigen Vegetation sehr gut getarnt und für uns ausschliesslich über ihre frischen Spuren im Sand wahrnehmbar, die uns unser Guide ausnahmslos erklären kann.

Ausserdem erkennt Benji die unterirdischen Kleinstbewohner des Ortes an ihren Kratern und sonstigen Höhleneingängen. Auf eine entsprechende Frage hin hebt er neben einem kleinen perfekt geformten Sandkrater eine Handvoll Sand hoch, in der sich der dort lebende nur etwa fünf Millimeter grosse Ameisenlöwe befindet. Dann wiederum gräbt er eine etwa erbsengrosse Zwiebel aus, schält diese, isst sie und erklärt, dass diese kleinen Zwiebeln für die San in früheren Zeiten ein wichtiges Nahrungsmittel darstellten. Die Führung durch die Rock Paintings der Tsodilo Hills erhält mit diesen und vielen weiteren Details zum Alltag der San, die uns Benji weitergibt, eine zusätzliche äusserst interessante Dimension.

Wir geniessen die Tour von Anfang bis zum Schluss. Als wir zurück zum Ausgangspunkt kommen, ist der Park schon geschlossen. Nachdem das Eingangtor für uns nochmals geöffnet wird, bringen wir unseren Guide nach Hause, da er den sieben Kilometer langen Arbeitsweg sonst bei einbrechender Dunkelheit hätte zu Fuss zurücklegen müssen. Anschliessend machen wir uns auf dem riesigen als Campingplatz ausgeschilderten Areal auf die Suche nach einem passenden Stellplatz und finden diesen genau zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs. Die Einsamkeit und Ruhe unseres Bushcamps in unmittelbarer Nähe der Tsodilo Hills ist ein stimmiger Abschluss für diesen erlebnisreichen Tag.

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht fahren wir zurück zur Shakawe River Lodge und buchen für den nächsten Tag eine Mokoro Fahrt.

Ein Mokoro ist ein ungefähr vier Meter langes Boot, das aus dem Stamm eines geeigneten Baumes (z. B. des Lebewurstbaumes) wird. Daher der Name «Einbaum». Heutzutage bestehen die meisten in der Tourismusindustrie verwendeten Mokoros allerdings aus mit Glasfasern verstärktem Kunststoff oder aus Leichtmetall. Mokoros werden hauptsächlich für den Fischfang in der Kavango Region und auf dem Okavango River und seinem Delta im Norden von Namibia und Botswana gebraucht.

Früh am nächsten Morgen geht es los. Unseren Churi lassen wir auf Anraten der jungen Frau am Empfang auf dem Campingplatz stehen und lassen uns von einem Fahrer der Lodge mit einem der überall im südlichen Afrika «herumhüpfenden» Toyota Hilux fahren. Die ca. zehn Kilometer lange Strecke zum Liegeplatz der Mokoro Boote sei sehr tiefsandig und teilweise so eng, dass unser Auto nicht durchkommen würde. Im nächsten Dorf holen wir Christoph, unseren Polar (Pontonier) ab. Dann beginnt die Fahrt über die unbefestigte Piste und schon sehr bald bewahrheiten sich die Angaben der Rezeptionistin. Mit unserem Auto hätten wir keine Chance gehabt, durchzukommen.

Die Mokoros liegen an einem Seitenarm des Okavango. Die Stille des frühen Morgens ist vollkommen. Ausser zeitweiligem Gesang und den Warnrufen der Vögel ist kein Laut zu hören. Geräuschlos lässt Christoph das Boot über das Wasser gleiten und das Gefühl, auf dem Wasser zu schweben, ist ein bezauberndes Erlebnis. Ab und zu macht Christoph eine Pause und erklärt die Natur um uns herum. Er weist uns auf Vögel hin und erläutert deren Wesen und Verhaltensweisen. Er kennt die Pflanzen, die im Okavangodelta wachsen und erwähnt auch die Schwierigkeiten, die sich aufgrund des sich verändernden Klimas schon jetzt im Delta bemerkbar machen.

Auf unsere Fragen hin erzählt er von sich und seiner Familie. Er sei ein ausgebildeter und vom Staat Botswana zertifiziert Ranger. Dieses Zertifikat sei erforderlich, damit er Mokorofahrten anbieten könne. Sein ältester Sohn habe diese Ausbildung vor Kurzem ebenfalls absolviert. Nun würden sie beide hier als Polars arbeiten und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Allerdings müssten sie die Fahrten einstellen, wenn es nicht bald ergiebig regne. In Maun würden schon seit Wochen keine Mokorofahrten mehr angeboten. Der tiefe Wasserstand sei auch der Grund, dass er mit uns leider nicht die übliche Strecke fahren könne.

Nach gut zwei Stunden bringt uns Christoph sicher zurück zur Anlegestelle. Für uns war die Fahrt ein pures Vergnügen und tiefenentspannt lassen wir uns zurück zur Lodge chauffieren.

Nach den Tagen im Nordosten von Botswana verlassen wir dieses für uns exotische und mit seiner reichen und vielfältigen Tierwelt hoch interessante Land. Botswana ist zu einem grossen Teil auf den Tourismus ausgerichtet. Die Bevölkerung ist Reisenden gegenüber aufgeschlossen, und sehr hilfsbereit. Der Lebensstandard ist verglichen mit Zimbabwe bedeutend höher. Wir haben Botswana als sicheres und unkompliziertes Reiseland erlebt, in dem wir uns frei und unbeschwert bewegen konnten. Die Weite des Landes mit seiner freundlichen Bevölkerung, der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt und den zum Teil weltweit einmaligen Landschaften haben die Wochen, die wir hier verbringen konnten, zu einem für uns sehr wertvollen Erlebnis gemacht.

Zimbabwe 2

Mlibizi bis Plumtree / 18. – 31. Oktober 2024

Als Schwerpunkte auf dem zweiten Abschnitt unserer Reise durch Zimbabwe wählen wir die Viktoria Falls, den Hwange National Park sowie die Stadt Bulawayo und den Matobo National Park aus. Im Anschluss wollen wir die Grenze zu Botswana überqueren.

Mit ihrer Lage am Ufer des Sees und just neben der Anlegestelle der Fähre ist die Mlibizi Lodge ein idealer Ort zum Verweilen, sei es vor oder nach der Fahrt über den See. Während wir hier sind, bewegen sich die Temperaturen zwischen 35° C und 40° C. Die zahlreichen Schilder, die dem Ufer entlang vor Krokodilen warnen, setzen jeglichem Liebäugeln mit einem erfrischenden Bad allerdings ein sofortiges Ende.

Vor unserer Weiterfahrt nach Victoria Falls bezahlen wir bei einem Angestellten der Nationalparks entlang des Karibasees eine «River Useage Fee» also eine Flussbenutzungsgebühr. Ich kann mir nicht auf Anhieb erklären, worum es sich bei dieser Gebühr genau handelt und frage nach. Der See sei vor dem Bau der Staumauer ein Fluss gewesen, erklärt der nette Beamte geduldig. Diesen Fluss hätten wir bei der Fahrt über den See benutzt. Daher sei die entsprechende Gebühr am Ende der Fahrt zu begleichen. Nach so viel kreativer Logik ist alles klar und das Bezahlen der Gebühr fällt bedeutend leichter.

Schon im Vorfeld unserer Fahrt über den See haben wir gehört, dass die asphaltierte Hauptverbindungsstrasse von Mlibizi nach Viktoria Falls in einem schlechten Zustand ist. Deshalb entscheiden wir uns, die um einiges längere Piste entlang der Dörfer zu benutzen.

Diese Route, die zeitweise direkt neben dem Zambezi River, dem viertlängsten Fluss Afrikas verläuft, erweist sich bald als gute Wahl. Wir fahren durch abwechslungsreiche Landschaften mit riesigen Wäldern und wunderschönen Einzelbäumen. Zudem treffen wir auf gut unterhaltene Dörfer mit teils aufwändig verzierten Rundhäusern und überqueren mehrere einspurige Brücken, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Unter diesen fliesst zurzeit allerdings kein Wasser, da die Flüsse bis auf einzelne Rinnsale und Tümpel ausgetrocknet sind.

Bei der Ortschaft Deka, ungefähr in der Mitte der Strecke, zweigen wir Richtung Hwange Angling Club ab. Die Schilder machen deutlich, dass dort «Members only» Zutritt haben. Wir lassen uns nicht beeindrucken und fahren weiter, da wir gehört haben, dass der Klub schön gelegen ist und im dortigen Restaurant kalte Getränke erhältlich sind.

Der Ort übertrifft unsere Erwartungen dann bei Weitem. In einem weiträumigen Park sind hübsche in traditionellem Stil gehaltene Bungalows und aus der Kolonialzeit stammende Klubgebäude direkt in die Uferböschung des Zambezi Rivers gebaut. Mit ihrer erhöhten Lage und Ausrichtung bieten sie eine wunderschöne Sicht auf den Fluss. Die Bungalows können gemietet werden und zusammen mit dem Restaurant und dem Swimming-Pool verspricht die gut unterhaltene Anlage Erholung in schönster Umgebung.

Gemäss Auskunft des Managers gehören die Zeiten von «Members only» schon länger der Vergangenheit an. Wir seien herzlich willkommen und könnten uns gerne umsehen. Es gebe auch einen Campingplatz. Der traumhaft schöne Ort verleitet uns fast dazu, ein paar Tage hier zu verbringen. Da die Zeit, die wir in Zimbabwe noch zur Verfügung haben, jedoch beschränkt ist, verzichten wir und fahren nach einer ausgiebigen Pause weiter.

Victoria Falls erreichen wir knapp vor Sonnenuntergang. Mit einem Stellplatz im Garten des N1 Hotels finden wir den perfekten Ort zum Übernachten. Der Platz befindet sich mitten in der Stadt. So können wir alles, was für uns von Bedeutung ist, bequem zu Fuss erreichen. Die Grenzstadt Victoria Falls liegt auf rund 1200 Metern über Meer im äussersten Nordwesten Zimbabwes direkt am Zambezi River, der die Grenze zu Sambia bildet. Victoria Falls liegt in der Provinz Matabeleland und beheimatet in der Stadt und ihrem Umland ca. 35’200 Menschen.

Mit gegen 40° C ist es auch hier ziemlich heiss. Dennoch spazieren wir zum Lookout Café, das am Rand der Zambezi-Schlucht liegt und mit einer grandiosen Sicht auf die Umgebung der Victoria Falls aufwartet. Wir trinken einen sehr guten Kaffee und geniessen die exotische Atmosphäre, die klare Architektur und die erlesene Einrichtung des Restaurants. Alles ist vom Feinsten und in tadellosem Zustand. Nach Auskunft eines Angestellten brannte das Restaurant vor zwei Jahren ab. Sichtlich stolz informiert er weiter, dass das neue Gebäude von einem südafrikanischen Designer gestaltet und die Materialien von Südafrika importiert worden seien.

Die Victoriafälle sind seit 1989 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Schlucht bildet die Grenze zwischen Zimbabwe und Sambia. Bis zu ihrer Entdeckung durch David Livingstone im Jahr 1855 wurden die Fälle «Mosi-Oa-Tunya» (donnernder Rauch) genannt. Von Einheimischen, die Livingstone seine Reisen durch Afrika ermöglicht haben, wurde er auf der Seite des heutigen Sambia zu einer Insel gerudert, die direkt an der Kante liegt, über die das Wasser des Zambezi in die Schlucht stürzt. Zu Ehren seiner Königin hat der patriotische Livingstone die mächtigen Fälle in Victoria Falls umgetauft.

Tosend fallen die Wassermassen des Zambezi River über eine Länge von 1688 Metern in vier Hauptfällen bis zu 108 Meter in die Tiefe. Es ist gut nachvollziehbar, wie beeindruckt die Entdecker gewesen sein müssen, als sie das erste Mal in die brodelnde unsichtbare Tiefe geblickt haben.

Die Wassermengen, die jetzt während der Trockenzeit über die Fallkanten in die Tiefe stürzen, sind verglichen mit jenen während des Höchstwasserstandes von März bis Mai, eher bescheiden. Dies hat den Vorteil, dass die Fälle und deren Umgebung deutlich zu sehen sind und nicht von einem Gischtnebel verhüllt werden.

Wir lassen uns für unseren Spaziergang entlang der Fälle ausgiebig Zeit und geniessen die imposante Szenerie im Licht des späten Nachmittags. Vom sorgfältig angelegten Rundweg führen kurze Abstecher zu Aussichtspunkten, von denen die Sicht auf den jeweiligen Fall besonders lohnend ist. Das Wetter ist perfekt und dadurch, dass der Rundweg über weite Strecken im Schatten des Waldes verläuft, ist es oft angenehm kühl.

Victoria Falls ist eine lebhafte Stadt, die vom Tourismus rund um die Victoria Wasserfälle lebt. Touristinnen und Touristen bietet sie alles, was das reisende Herz begehrt. Gute Restaurants, musikalische Unterhaltung, Einkaufszentren und Souvenirs sowie Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung, sofern dies dann gewünscht ist.

Souvenirs sind in unterschiedlichsten Läden und an unzähligen offenen Ständen erhältlich. Aufgrund der miserablen Wirtschaftslage Zimbabwes und der damit einhergehenden hohen Arbeitslosigkeit ziehen viele Menschen aus den Dörfern in die wenigen touristischen Zentren und bieten dort ihre zuhause hergestellten Produkte oder über Zwischenhändler eingekaufte Ware an. Entsprechend versuchen Unzählige immer gleiche Souvenirs zu verkaufen, womit sie sich selbst konkurrenzieren, was wiederum zu laufend niedrigeren Preisen führt. Es ist ein Teufelskreis, aus dem sich die wenigsten befreien können. Für viele ist das Ausharren in dieser trostlosen Situation die einzige Chance, um etwas Geld zu verdienen und damit den Unterhalt ihrer Familien zu sichern.

Während unserem Aufenthalt in Victoria Falls nehmen wir nochmals mit unserem Arzt in Chiredzi Kontakt auf. Aufgrund der unbefriedigenden Heilung des entzündeten Insektenbisses stellt dieser ein Rezept für eine weitere Runde Antibiotika aus. Wir holen bei der Rega wieder eine Zweitmeinung ein, welche die Einschätzung unseres Arztes umgehend bestätigt. Die erforderlichen Medikamente sind innert Kürze eingekauft. Unsere Zeit in Victoria Falls nutzen wir ausserdem, um unser fahrendes Heim auf Vordermann zu bringen.

Dann geht’s für uns weiter in den Hwange National Park. Im Gebiet zwischen Victoria Falls und Bulawayo wird in grossem Umfang Kohle abgebaut, die hauptsächlich nach Südafrika exportiert wird. Entsprechend sind auch hier viele der riesigen Lastwagen unterwegs. So verläuft die Fahrt nach Südosten in mittlerweile allzu bekannter Zimbabwe-Manier.

Nach rund 200 Kilometern erreichen wir den Eingang das Main Camp des Hwange National Park. Der Hwange National Park ist mit seiner Fläche von 14’651 Km2 etwa einen Drittel so gross wie die Schweiz. Im Süden grenzt der Park an Botswana. Ein Teil des Parks ist für touristische Zwecke erschlossen, der ganze Rest ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Zum Übernachten innerhalb des Parks stehen mehrere Camps zur Verfügung. Alle Übernachtungsplätze müssen im Voraus gebucht werden. Buchungsbestätigungen und Bewilligungen für Tagesbesuche müssen bei der Einfahrt und beim Verlassen des Parks vorgelegt werden. Ohne gebuchten Platz darf im Park nicht übernachtet werden.

Da wir ohne festen Reiseplan unterwegs sind, haben wir noch keine Plätze gebucht und müssen dies nun nachholen. Die beiden Camps, die wir für unsere Übernachtungen im Park ausgesucht haben, sind für heute Abend allerdings schon vergeben. Die junge Frau, die für die Buchungen verantwortlich ist, empfiehlt uns, am kommenden Morgen wieder vorbeizukommen. Dann würden ihr die Buchungsdaten vom Hauptbüro in Harare für die nächsten Tage zur Verfügung stehen. Und vielleicht gebe es morgen für uns eine Möglichkeit.

Wir beschliessen, auf dem riesigen Campingplatz beim Hauptcamp zu übernachten, womit uns genügend Zeit zur Verfügung steht, um das ein paar Kilometer ausserhalb des Parks liegende «Painted Dog Conservation Project» zu besuchen. Dieses Fachzentrum setzt sich für die Rettung der akut vom Aussterben bedrohten afrikanischen Wildhunde, der «Painted Dogs» ein. Im Besucherzentrum erfahren wir, dass von dieser Spezies lediglich noch etwa 3’000 Tiere leben, was zum Erhalt einer gesunden Population nicht ausreicht. Die grösste Gefahr für die Wildhunde stelle der Mensch dar, der sie töte, wenn immer sie sich in die Nähe von Siedlungen vorwagen. Zudem würden die Wildhunde oft in Schlingen geraten, die von Wilderern zum Fang grösserer Wildtiere ausgelegt werden. Dabei würden sie, wie alle anderen Tiere auch elend zu Grunde gehen. In der Auffangstation des Zentrums werden kranke und verletzte Hunde gesund gepflegt und wenn immer möglich wieder in ihren Lebensraum entlassen.

Die speziell ausgebildeten Fachleute des Zentrums versuchen die Bevölkerung und vor allem auch Schulkinder über die Bedeutung der Tierwelt im Allgemeinen und über die Wichtigkeit der einzelnen Tierarten im Speziellen zu sensibilisieren und so der in hohem Ausmass grassierenden Wilderei entgegenzuwirken. Die auf die Wildhunde ausgerichtete Ausstellung im Besucherzentrum ist spannend und leicht verständlich aufgebaut. Sie verläuft entlang der wahren Lebensgeschichte des Wildhundes «Eyespot», der von Wildhütern des Zentrums mittels eines Senders auf seinem Lebensweg begleitet wurde. Leider fiel auch dieser Hund den Wilderern zum Opfer.

Im Anschluss an diese eher deprimierende Erfahrung unternehmen wir eine erste Pirschfahrt in den Hwange National Park und schon nach wenigen Kilometern begegnen wir an einem Wasserloch überraschend vielen Tieren. Darunter befindet sich eine Löwin, die sich gelassen einem kürzlich von ihr und zwei anderen Löwinnen gerissenen Zebra widmet. Die Geier auf dem Baum nebenan warten ungeduldig auf ihren Anteil, den sie sich holen können, sobald die Löwin ihre Mahlzeit beendet hat. Das wird allerdings noch einige Zeit dauern und wir müssen den Schauplatz verlassen, da die Sonne untergeht und der Park schliesst.

Am kommenden Morgen können wir die beiden gewünschten Übernachtungen im Park tatsächlich buchen und innert Kürze befinden wir uns auf dem Weg zu unserem ersten Camp. Beide Camps sind sogenannte «exclusive Camps». Das heisst, diese Camps werden jeweils nur an eine Gruppe vergeben. Da wir eine Zweiergruppe sind, werden wir die Camps für uns alleine haben. Das Thermometer zeigt schon vor dem Mittag 36° C an. Dazu weht ein starker Wind. Wir sind froh, dass wir im Auto vor der Unbill des Wetters geschützt sind. Beim ersten Wasserloch, das wir passieren, treffen wir auf mehrere Gruppen Elefanten, Zebras, Affen, Giraffen und Antilopen. Es ist ein unablässiges Kommen und Gehen. Wir machen eine ausgiebige Kaffeepause und geniessen die sich laufend verändernde Szenerie.

In unserem Camp angekommen, bereiten wir das Nachtessen vor. Wir kochen für mindestes drei Personen und teilen unsere Mahlzeit mit dem Angestellten, der das Camp mit Unterhaltsarbeiten in Schwung hält und für die Sicherheit der Gäste sorgt. Diese Attendants arbeiten jeweils bis zu elf Monate ohne Unterbruch im gleichen Camp und werden einmal pro Monat mit Lebensmitteln versorgt. Entsprechend sind sie dankbar für etwas Abwechslung auf ihrem Speiseplan.

Das Camp, in dem wir unsere zweite Übernachtung im Hwange National Park verbringen werden, liegt weiter südlich am Rand des Gebietes, das für touristische Zwecke erschlossen ist. Das Camp bietet einen weiten Blick in die südlichen Ebenen des Parks und unmittelbar vor dem Camp befindet sich ein grosses Wasserloch.

Als wir beim Camp ankommen, bewegt sich eine Löwin gemächlich auf dessen offenes Eingangstor zu. Kurz vor dem Eingang kehrt sie um und begibt sich zurück zu ihrer Gruppe, die etwa 50 Meter weiter unter einem Baum Siesta hält. Solange wir Lust haben, können wir das Löwenrudel, das aus mehreren erwachsenen Löwinnen, Jungtieren und einigen Halbwüchsigen besteht, aus nächster Nähe beobachten.

Auch hier werden wir vom zuständigen Attendant freundlich begrüsst und geniessen nach dem Nachtessen einen wunderschönen Sonnenuntergang und lassen den Abend am Feuer unter einem strahlenden Sternenhimmel mit leuchtender Milchstrasse ausklingen. Wieder einmal werden wir uns bewusst, wie privilegiert wir sind, all dies erleben zu können.

Frühmorgens weckt uns ein mehrstimmiges Gebrüll, mit dem die Löwinnen von einem Termitenhügel aus die Morgensonne begrüssen. Das Konzert endet, sobald die Sonne am Himmel steht. Nachdem die Löwinnen am Wasserloch ihren Durst gestillt haben, verziehen sie sich mit ihren Jungtieren in den Schatten eines Gebüschs.

Kurze Zeit später ändert sich die Stimmung im Rudel merklich. Die Löwinnen entfernen sich von den Jungtieren, die im Gebüsch liegen bleiben. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Löwinnen für eine Jagd in Stellung bringen. Jede bezieht ihre vorbestimmte Position im Gelände, aus der sie in intuitiver Übereinstimmung mit dem Rest der Gruppe agiert. Die Jungtiere verharren ruhig in ihrem Versteck. Der von den Löwinnen ins Visier gefasste Elefant bewegt sich ruhigen Schrittes weiter auf das Wasserloch zu. Die Löwinnen scheinen ihn nicht zu beeindrucken. Ohne ersichtliche Mühe wehrt er einen ersten Angriff einer Löwin ab. Gebannt verfolgen wir das spannende Spektakel. Nach ein paar weiteren eher halbherzigen Angriffsversuchen wenden sich die Löwinnen ab, da ein ernsthafter Angriff vermutlich ein zu hohes Verletzungsrisiko mit sich gebracht hätte. Sie erfrischen sich am Wasserloch und kehren zu den Jungtieren im Unterholz zurück. Wir staunen über den Elefanten, der sich am Wasserloch ungerührt seinem morgendlichen Wellnessprogramm widmet.

Leider ist es schon bald Zeit diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Gemächlich fahren wir zurück ins Main Camp und halten unterwegs noch einige Male an, um weitere Tiere zu beobachten.

Dabei haben wir Zeit, das Verhalten der Elefanten etwas eingehender zu beobachten. Oft nehmen sie das Wasserloch richtiggehend in Beschlag. Sollten sich andere Tiere am Wasserloch befinden, verlassen diese ihren Platz meist von selbst, wenn sich Elefanten nähern. Andernfalls werden sie von den Elefanten vertrieben. Auch ist unter den verschiedenen Elefantengruppen eine Art Dichtestress feststellbar. Dies ist angesichts des aufgrund der andauernden Trockenheit herrschenden Wasser- und Nahrungsmangels nicht weiter verwunderlich. Die Wälder und das Unterholz in der Umgebung der Wasserlöcher leiden stark unter der hohen Anzahl dieser grossen Tiere, die sich aufgrund der Wasserknappheit in einem relativ kleinen Umkreis der Wasserlöcher aufhalten.

Im Main Camp angekommen bedanken wir uns bei der jungen Frau an der Rezeption, die uns die Übernachtungen in den beiden Camps ermöglicht hat. Während wir vor der Weiterfahrt im Restaurant noch etwas trinken, fährt ein Bus der Midlands State University Chegutu vor. 

Einige der Studierenden kommen an unseren Tisch und erkundigen sich, ob sie Fotos von uns machen dürfen. Wir sagen zu unter der Bedingung, dass sie mit uns über Themen diskutieren, die sie beschäftigen. Nach einem überraschten Zögern über diesen Wunsch kommt ein reger Austausch mit den jungen Leuten zustande, die Geografie studieren und die Folgen des Klimawechsels vor Ort begutachten wollen. Die Studierenden sprechen durchwegs ein sehr gutes Englisch. Sie erkundigen sich nach den Verhältnissen in der Schweiz und nach den Unterschieden zwischen den beiden Ländern. Als Beispiel diskutieren wir den Preis von Brot in Zimbabwe und in der Schweiz und welche Qualität für den jeweils verlangten Betrag geboten wird. Die unterschiedlichen Lebensrealitäten können dabei gut verglichen werden. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald müssen die jungen Leute weiter. Wir freuen uns über diese erfrischende Begegnung und machen uns ebenfalls auf den Weg.

Am Abend dieses Tages erfahren wir von einem Tourguide aus Harare, der neben uns übernachtet, dass die drei Löwinnen, die wir am ersten Abend im Nationalpark beobachten konnten, noch in der gleichen Nacht von Wilderern getötet wurden. Die Köpfe und die Pfoten der Tiere seien als Trophäen mitgenommen worden. Der Vorfall schockiere alle, die sich für das Wohlergehen und die Sicherheit der Tiere einsetzen. Wir sind bestürzt und haben Mühe, diese deprimierenden Neuigkeiten zu verdauen.

Nach den wunderschönen Tagen im Hwange National Park erwartet uns die knapp 300 Kilometer lange Fahrt nach Bulawayo. Ich habe allerdings Mühe, mich schon von diesem wunderschönen Park mit seiner faszinierenden Tierwelt zu lösen.

In Bulawayo, der nach der Hauptstadt Harare zweitgrössten Stadt Zimbabwes übernachten wir im städtischen Caravan Park. Die Stellplätze sind in einer weitläufigen Gartenanlage im Schatten eines alten Baumbestandes untergebracht. Die Infrastruktur der Anlage, die einst wunderschön gewesen sein muss, ist leider sehr heruntergekommen. Die Lage des Campingplatzes ist allerdings ideal, um die Stadt und deren nähere Umgebung zu erkunden.

Ausserhalb der Stadt interessiert uns besonders der Matobo National Park, der südlich von Bulawayo liegt. Dies einerseits, weil die Nashörner, welche die intensive Wilderei im Hwange National Park überlebt haben, in den 1990er Jahren hierhin umgesiedelt wurden. Andererseits sind hier auf engstem Raum tausende Höhlenmalereien zu bewundern und gemäss seinem Wunsch ist Cecil John Rhodes nach seinem Tod im Jahr 1902 auf einem der Hügel begraben worden.

Wir nehmen mit Ian Harmer Kontakt auf, der ein ausgewiesener und allseits bekannter Experte in Bezug auf die Verhaltensweisen, die Bedürfnisse, den Schutz und den Umgang mit Nashörnern ist. Er hat sein Leben der Wildnis gewidmet und bietet im Matobo National Park Safarifahrten und Wanderungen zur Beobachtung der dortigen Breitmaulnashörner an. Umgehend reagiert Ian auf unsere Anfrage für eine Tagestour im Park. So sind wir schon zwei Tage später mit ihm und fünf weiteren Interessierten auf Nashorn-Safari.

Die Stunden im Park sind gefüllt mit Informationen zur Entstehung des National Parks und zu den hier lebenden Nashörnern. Ian informiert, dass die Wilderei nach wie vor ein grosses Problem sei. Für ein Kilo Horn eines Nashorns würden bis zu $ 150’000 bezahlt. Kunden der Wilderer seien vor allem Chinesen, die dem Horn des Nashorns potenzsteigernde Qualitäten zuschreiben, obwohl dies wissenschaftlich schon lange widerlegt sei. Ein anderer Grund für den Tod dieser faszinierenden Tiere sei der jemenitische Brauch, einem jungen Mann zur Volljährigkeit einen Dolch mit einem Griff aus dem Horn eines Nashorns zu schenken. Männliche Eitelkeit und Prestigedenken sind also die Gründe, dass das Nashorn eine der am stärksten bedrohten Tierarten unseres Planeten ist.

Die Hörner der Tiere wachsen pro Jahr bis zu sieben Zentimeter. Als Massnahme gegen die Wilderei werden die Hörner regelmässig bis auf einen Rest von fünf Zentimetern entfernt. Es komme jedoch immer wieder vor, dass enthornte Nashörner für den fünf Zentimeter langen Rest, der stehen gelassen werden müsse, getötet werden. Alle Nashörner im Matobo National Park werden von bewaffneten Rangern begeleitet.

Auf zwei kurzen Wanderungen können wir uns diesen imposanten Tieren bis auf wenige Meter nähern. Beide Male sind es zwei Breitmaulnashörner, die wir aus nächster Nähe beobachten können. Diese ernähren sich vor allem von Gras. Die im Matobo ebenfalls beheimateten Spitzmaulnashörner leben in einem anderen Teil des Parks. Diese Art ernährt sich von Zweigen und Laub und hält sich hauptsächlich im halbhohen Busch auf. Zudem sind sie bedeutend angriffslustiger als ihre Artgenossen und auch aus diesem Grund nicht so einfach beobachtbar.

Nashörner sehen sehr schlecht und sind auf ihr gutes Gehör angewiesen, um allfällige Feinde wahrnehmen und sich zur Wehr setzen zu können. Als wir uns den Tieren nähern, meldet uns entweder der bewaffnete Ranger, der uns begleitet oder Ian bei den Nashörnern mit leisen Lauten an. Auf diese Weise wissen die Tiere, dass wir in der Nähe sind, obwohl der Wind gegen uns steht und sie uns, aufgrund ihres schlechten Sehvermögens kaum bemerken können.

Auf unserer Tour durch den Park treffen wir noch mehrere Male auf Nashörner. Es wird ein spannender Tag, an dem fast keine Frage unbeantwortet bleibt. Wir erfahren unter anderem, welche Pflanze anstelle von Seife verwendet werden kann. Die Wirkung können wir vor Ort selbst erproben. Eine auffällige Zwiebelpflanze, der wir ebenfalls unterwegs begegnen, könne als Verhütungsmittel angewendet werden. Ein Absud wirke für sechs Monate (Auf das Ausprobieren wird dieses Mal allgemein verzichtet…). Wirkung und Anwendung von Pflanzen zu medizinischen Zwecken sind von indigenen Völkern über viele Generationen weitergegeben worden. Da dies ausschliesslich mündlich erfolgte, ist ein grosser Teil dieses kostbaren Wissens leider verloren gegangen.

Der Tag im Matobo National Park ist bis zur letzten Minute mit Erlebnissen und dem Aufnehmen und Verarbeiten von spannenden Informationen ausgefüllt. Als wir uns von Ian Harmer verabschieden, ist die Sonne über den Hügeln des Matobo National Park schon längst untergegangen. 

In Bulawayo spazieren wir zur National Art Gallery, die sich in einem wunderschönen Gebäude aus der Kolonialzeit befindet und besuchen die aktuellen Ausstellungen.

Auf weiteren Spaziergängen essen wir in lokalen Restaurants und lassen die quirlige Atmosphäre der Stadt auf uns wirken. Auf einem dieser Spaziergänge besuchen wir das Restaurant «Déjà Vu». Bei unserem obligaten Kaffee lernen wir die Besitzerin des Restaurants kennen. Sie ist Staatsangehörige von Zimbabwe und gehört jener Gruppe der weissen Bevölkerung Zimbabwes an, die sich von den katastophalen Auswirkungen des Mugabe Regimes nicht haben unterkriegen lassen. Neben dem Restaurant betreibt sie zurzeit eine Auffangstation für Esel und Pferde und ist daran, ein privates Wildreservat aufzubauen, das an den River Gwaiy und den Hwange National Park grenzt. Lange unterhalten wir uns mit ihr über die heutige Situation ihres Heimatlandes und sind beeindruckt von ihrem bewundernswerten Engagement, dem erstaunlichen Durchhaltewillen und der scheinbar unendlichen Energie immer wieder neue Projekte anzupacken.

Mit den kurzweiligen Tagen in Bulawayo geht unsere Zeit in Zimbabwe leider schon zu Ende. Da der Zeckenbiss nun so gut verheilt ist, dass ärztliche Begleitung nicht mehr erforderlich ist, verabschieden wir uns von unserem Arzt in Chiredzi. Wir bedanken uns für seine WhatsApp-Begleitung auf unserer Reise und die kompetente und unbürokratische Unterstützung.

Auf der Fahrt zum Grenzübergang Plumtree / Ramokgwebane zweigen wir knapp 30 Kilometer ausserhalb Bulawayo nach links ab, um die Kapelle der Cyrene Mission zu besuchen. Dieses ausserordentliche Gotteshaus wurde auf Initiative von Edward Paterson gebaut und ausgestaltet. Edward Paterson wurde 1895 in Schottland geboren. In Südafrika studierte er Kunst und Theologie und ab 1928 arbeitete er dort als Diakon. Während seiner Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen aus Bulawayo ermutigte er diese, die christliche Lehre mit ihrem Alltag in Verbindung zu bringen. Er unterrichtete die Jugendlichen auch in künstlerischen Fertigkeiten und motivierte sie, persönliche Ideen und eigene gestalterische Elemente in ihren Werken umzusetzen. In der Folge liess er die Kapelle der Cyrene Mission innen und aussen von den Jugendlichen mit Begebenheiten aus der Bibel bemalen. Die ausgewählten biblischen Szenen spielen sich in afrikanischer Umgebung ab und alle dargestellten Personen haben schwarze Hautfarbe. Die in diesem Stil entstandene Kunst wurde in weiten Kreisen als Cyrene Art bekannt.

Die Grenzübertritte nach Botswana verlaufen effizient und unkompliziert. Das Carnet de Passage (CdP) ist bei beiden Grenzposten bekannt und auch diese Formalität ist schnell erledigt. Innerhalb einer Stunde sind wir unterwegs nach Francistown, der ersten Stadt in Botswana.

Zimbabwe präsentierte sich als wunderschönes, abwechslungsreiches und faszinierendes sowie generell einfach zu bereisendes Land. Wir haben uns durchwegs sicher und gut aufgehoben gefühlt. Obwohl die Lebensbedingungen für die Bevölkerung alles andere als einfach sind, haben wir die Personen, mit denen wir Kontakt hatten, als freundlich, aufgeschlossen, initiativ und äusserst hilfsbereit erlebt. In den vier Wochen, die wir in Zimbabwe verbracht haben, konnten wir nur einen Teil des Landes erkunden. Neben der ausserordentlichen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hat uns vor allem der Tierreichtum und die landschaftliche Vielfalt der National Parks Gonarezhou und Hwange und die Fahrt über den Karibasee beeindruckt. Eine zweite Reise im südlichen Afrika würde Zimbabwe auf jeden Fall wieder beinhalten.

Zimbabwe 1

Beitbridge bis Mlibizi am Lake Kariba / 2. – 17. Oktober 2024

Nach einer kurzen Nacht im Rainmakers Camp machen wir uns früh auf den Weg zum Grenzübergang nach Zimbabwe. Wir sind gespannt, was uns erwartet, da wir unterschiedlichste, hauptsächlich negative Informationen, über die am Grenzposten Beitbridge herrschenden Zustände und das Prozedere des Grenzübertritts erhalten haben. Trotzdem wollen wir diesen Grenzübergang nutzen. Dies hauptsächlich, weil wir unsere ersten Tage in Zimbabwe im Gonarezhou National Park verbringen wollen. Dieser Park liegt ganz im Süden des Landes und grenzt dort an Mozambique. Die Benutzung des nächstnäheren Grenzübergangs nach Zimbabwe hätte einen Umweg über Botswana zur Folge.

Etwa um 6.30 Uhr treffen wir an der Grenze von Südafrika ein. Zu unserer Überraschung sind fast keine Lastwagen unterwegs und wir können ohne Halt bis zum Grenzschlagbaum fahren. Die Ausreise aus Südafrika gestaltet sich dann eher chaotisch. Die Gebäude sind alt und vernachlässigt und einige Beamte machen einen nicht sehr motivierten Eindruck. Nach der Kontrolle der Pässe beim Ausreiseschalter geht es für die Formalitäten zur Ausführung unseres Autos zurück zum Zoll. Auf der Gegenseite warten schon unzählige Menschen darauf, von Zimbabwe nach Südafrika einreisen zu können. Nach einer guten dreiviertel Stunde sind wir im Besitz aller Bewilligungen, um Südafrika zu verlassen und nach der Fahrt über die Brücke, die den Grenzfluss Limpopo überspannt, befinden wir uns auf dem Grenzgelände von Zimbabwe.

Hier ist die Infrastruktur fast neu und in einem hervorragenden Zustand. Auf der Suche nach den verschiedenen Schaltern, an denen wir uns für die Einreise melden müssen, werden wir von einem Angestellten des Grenzpostens unterstützt. In der grossen Halle befinden sich gerade mal drei Personen, die nach Zimbabwe einreisen wollen. Die Grenzbeamten sind durchwegs freundlich und arbeiten sehr gründlich. Inklusive eines etwas fragwürdigen Intermezzos auf dem Parkplatz dauert es etwa zwei Stunden, bis wir die Grenze nach Zimbabwe überquert haben. Der Kauf einer Simkarte nimmt anschliessend etwa gleich viel Zeit in Anspruch.

Dann können wir die erste Etappe der knapp 370 Kilometer langen Strecke zum Gonarezhou National Park in Angriff nehmen. Unterwegs werden wir fünf Mal von der Polizei angehalten und mit guten Wünschen für eine sichere Weiterreise umgehend wieder entlassen. Die Strasse ist zu Beginn in hervorragendem Zustand. Unvermittelt wird sie jedoch zu einer kilometerlangen Ansammlung zahlloser riesiger Schlaglöcher. Die Hauptgeschwindigkeit beträgt nun max. 15 Km/h. Die Fahrt ist gefährlich und nervenaufreibend. Dies vor allem, weil sich die grossen Laster ihren Platz ohne Rücksicht auf Verluste nehmen. Zudem könnte jederzeit eine bislang unsichtbare Ziege aus einem der Schlaglöcher hopsen, um ihren Weg über die Strasse fortzusetzen…

Nach einer guten Stunde schwieriger Fahrt zweigen wir nach Süden ab, Richtung Chiredzi, dem Hauptort des gleichnamigen Bezirks. Die jetztige Strasse ist in einem sehr gutem Zustand und es ist ein Genuss durch die eindrücklich hügelige Landschaft mit riesigen von der Witterung glattpolierten Felsformationen weiter nach Süden zu fahren. Das Gebiet ist relativ dicht besiedelt und wir staunen, wie viele Kinder unterschiedlichen Alters sich nach Schulschluss auf dem Heimweg befinden.

Langsam ändert sich die Landschaft. Die bewaldeten Hügel mit roten sandigen Böden gehen über in tiefgrüne endlos scheinende Zuckerrohrpantagen.

Da wir mit dem Eiertanz um die Schlaglöcher viel Zeit verloren haben, geht auf dem letzten Abschnitt unserer Fahrt die Sonne unter und prompt verfahren wir uns in den riesigen Zuckerrohrfeldern. Ein junger Mann erkundigt sich nach unserem Ziel und fordert uns auf, ihm bzw. seinem Auto zu folgen und innert weniger Minuten führt er uns zu unserem Übernachtungsplatz. Dieser befindet sich unter hohen Bäumen auf der weitläufigen Anlage des Hippo Valley Country Clubs, einem Golf- und Sportresort, das sich im Besitz von Tongaat Hulett, dem Betreiber der riesigen Zuckerrohrplantagen befindet.

Der Country Club präsentiert sich als weiträumige Anlage, mit einem hübsch angelegten Golfplatz, einem Klubhaus mit Hotelzimmern, einem Restaurant und einem Swimmingpool. In früheren Zeiten wurde hier auf den je entsprechenden Plätzen Tennis, Rugby und Cricket gespielt, sogar ein Squashcourt stand zur Verfügung. Der Golfklub ist aktuell noch in Betrieb und auch das Haupthaus mit Schwimmbad scheint noch relativ gut besucht. Diese beiden Betriebe werden entsprechend den heutigen Standards in Zimbabwe unterhalten. Sämtliche anderen Anlagen sind in einem desolaten Zustand und erinnern nur entfernt an das Freizeitparadies, das hier vor Jahren existiert haben muss.

Die Menschen, denen wir während unserer ersten Tage in Zimbabwe begegnen, sind samt und sonders freundlich und korrekt. Mehrfach ergeben sich interessante Unterhaltungen. Offen wird über die schwierigen Verhältnisse im Land gesprochen und wir sind beeindruckt vom Durchhaltewillen, der Zuversicht, dem Humor und der ausserordentlichen Hilfsbereitschaft der Personen, mit denen wir sprechen. Am Ende eines Gesprächs, gibt uns eine Managerin des Country Clubs, die hauptberuflich als «Snake Remover» (Schlangen-Entfernerin) tätig ist, ihr Alltagsmotto mit auf den Weg. «Good things will come to those, who wait.» begleitet uns seither auf unserer Reise.

Am Maingate zum Gonarezhou National Park buchen wir ein paar Tage später bei strömendem Regen zwei Übernachtungen im Chiguli Camp. Der Ranger vor Ort informiert uns über die Gepflogenheiten im Park, das Wetter für die nächsten Tage und den Zustand der Piste zum Camp. Die Camps im Gonarezhou National Park sind nicht eingezäunt. Entsprechend können sich die Tiere überall frei bewegen.

Der Gonarezhou National Park ist mit 5053 Km2 nach dem Hwange National Park der zweitgrösste Nationalpark Zimbabwes. Der Park liegt weitab im Süden des Landes an der Grenze zu Mozabique. Er gehört zu den wildesten Regionen des Landes und wird verglichen mit anderen Parks noch relativ selten besucht. Der Park wird von einem sehr motivierten und gut ausgebildeten Team von Rangern betreut. Die Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) sind alle im Park vertreten. Um die Nashörner besser vor Wilderern schützen zu können, sind sie in einem Hochsicherheitsreservat untergebracht, das mit einem speziellen Zaun zusätzlich gesichert ist.

Unser Auto meistert die gut 40 Kilometer lange Strecke inklusive Flussdurchquerung ohne Probleme. Kurz nach der Flussdurchfahrt erreichen wir unser Camp, das nur wenige Meter vom Ufer des Flusses Runde entfernt liegt. Die Lage ist traumhaft und die Szenerie spektakulär.

Die nächtlichen Geräusche der Wildnis sind ein beeindruckendes Erlebnis. Nach einer erholsamen Nacht gehen wir noch vor Sonnenaufgang auf eine Pirschfahrt, auf der wir viele Tiere beobachten können. Als wir später im Camp einen Kaffee trinken, hören wir ganz in der Nähe das Gebrüll einer Raubkatze und bald entdecken wir auf der anderen Seite des Flusses einen Leoparden, der sich lautstark über Paviane ärgert, die ihn bei seiner Siesta stören.

Aufgrund eines mutmasslichen, nun entzündeten Insektenbisses, den sich Markus im Krüger National Park eingefangen hat, sehen wir uns gezwungen, den Park nach der zweiten Übernachtung schon am frühen Morgen zu verlassen und uns auf die Suche nach medizinischer Beratung zu machen. Das Wetter ist prächtig und trotz des Problems, das uns begleitet, ist die Fahrt zurück zum Haupteingang des Parks ein grossartiges Erlebnis.

Unvergesslich ist eine Verfolgungsjagd zwischen zwei Flusspferden, die wir bei einem Zwischenhalt am Fluss Runde beobachten können. Ein Flusspferdbulle jagt einen Rivalen vor sich her über eine Insel in den Fluss, von dort zurück auf die Insel und wieder ins Wasser. Am Ende flieht der Unterlegene ans Flussufer und macht sich etwa fünf Meter an unserem Auto vorbei in die Gegenrichtung aus dem Staub.   

Kurz nach diesem tierischen Spektakel erkundigen wir uns beim Haupteingang des Parks nach ärztlicher Beratung in der Nähe. Wir erhalten die Kontaktdaten eines Arztes, der im Valley Estate Medical Center in Chiredzi arbeitet und heute Dienst hat. Etwas traurig verlassen wir den in seiner Ursprünglichkeit, seiner nach wie vor intakten Wildheit, den einzigartigen Landschaften mit den Chilojo Cliffs und seinem Tierreichtum einmalig schönen Gohnarezhou National Park früher als geplant.

Ohne Schwierigkeiten finden wir das Medical Center in Chiredzi, bei dem es sich um eine Einrichtung handelt, über die der heutige Betreiber der Zuckerrohrfelder die medizinische Grundversorgung seiner Angestellten sicherstellen will. Obwohl es Sonntag ist, werden wir umgehend empfangen. Nach einigen Eintrittstests, die alle unauffällig sind, erhalten wir die Information, dass der diensthabende Arzt nach der Mittagspause wieder verfügbar sein werde. Entsprechend bleibt ausreichend Zeit für eine Unterhaltung mit dem Assistenzarzt sowie für eine eingehendere Begutachtung der medizinischen Geräte, der Einrichtung und der hygienischen Verhältnisse.

Bei mir als nicht direkt Betroffene stellt sich dabei ein eindeutiges Gefühl in der Magengegend ein. Bei einem kurzen Spaziergang an der frischen Luft unterhalte ich mich mit einem Ambulanzfahrer. Dieser erkundigt sich nach unserer Herkunft. Als er realisiert, woher wir kommen, sagt er (übersetzt): «Ah ja, Sie kommen aus der ersten Welt. Willkommen in der dritten Welt…» und drückt damit in wenigen Worten aus, was in meinem Kopf vor sich geht.

Als der diensthabende Arzt eintrifft, erkundigt er sich mit gezielten Fragen nach dem Zeitpunkt, dem Ort und der Art des Ereignisses sowie nach bisher verwendeten Medikamenten und Salben. Routiniert und kompetent kümmert er sich um die Veränderungen am betroffenen Bein. Nach kurzer Zeit stellt er ein Rezept für ein Schmerzmittel, eine Salbe und ein Antibiotikum aus. Er erkundigt sich nach unseren Reiseplänen und fordert uns auf, ihm alle paar Tage per WhatsApp ein Foto der Wunde zu schicken. So könne er den Heilungsprozess mitverfolgen und uns allenfalls einen Arzt auf unserer Reiseroute vermitteln oder neue Medikamente verschreiben. Beeindruckt von der Sorgfalt, Umsichtigkeit und ausserordentlichen Hilfsbereitschaft des jungen Arztes bedanken wir uns und versprechen am folgenden Tag wieder zu kommen, um die Behandlung zu bezahlen, da dies sonntags nicht möglich ist.

Erleichtert gehen wir auf die Suche nach den Medikamenten. Das Antibiotikum ist allerdings bei allen fünf Apotheken, die wir ausfindig machen können, ausverkauft. Angesichts der Situation richten wir uns wieder auf dem Campingplatz des Hippo Valley Country Clubs ein. Von hier kontaktieren wir die Rega, bei der wir innert kurzer Zeit fundierte Auskunft und eine Diagnose erhalten. Gemäss Auskunft des Arztes des Tropeninstituts, den die Beratungsärztin der Rega kontaktiert hat, handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um African-Tic-Fever, das von einer Antilopenzecke verursacht worden ist. Unter den Notfallmedikamenten, die wir mitführen, befindet sich ein Antibiotikum, das sich gemäss Einschätzung des Spezialisten als geeignet erweist. So ist es möglich, umgehend mit der Behandlung zu beginnen.

Als wir am nächsten Morgen beim Medical Center eintreffen, um die Behandlungskosten zu begleichen, warten dort schon unzählige Menschen auf medizinische Hilfe. Unser Vorhaben ist schnell erledigt und bald sind wir auf dem Weg durch die Zuckerrohrplantagen zurück auf unserer Reiseroute.  

Die Plantagen sind mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem ausgestattet und verfügen über ein eigenes kleines Eisenbahnnetz. Von Zeit zu Zeit begegnen wir hohen Feuerwänden, die plötzlich wieder in sich zusammenfallen. Wir erfahren, dass die Zuckerrohrfelder kurz vor der Ernte gezielt angezündet werden, um das Ernten des Zuckerrohrs zu vereinfachen. Dies erklärt die schwarzbraunbeige Farbe des Zuckerrohrs, das auf Bahnwagen oder auf riesigen Lastern in die Mühlen gefahren wird, in denen Zucker, Melasse und Ethanol produziert werden.

Mit dem Anlegen der riesigen Zuckerrohrplantagen auf seiner Farm Triangel hat der Schotte Murray MacDougall während der Kolonialzeit seine Vision, im trockenen und äusserst regenarmen Lowveld im Süden des damaligen Rhodesien Zuckerrohr anzubauen, verwirklicht. Nachdem ihm jegliche finanzielle Unterstützung durch Finanzinstitute verweigert wurde, erstellte er zusammen mit seinen Angestellten in jahrelanger mühsamster Handarbeit eine Stauwehr am Mutirikwi River, einen 500 Meter langen Tunnel und einen 13 Kilometer langen Bewässerungskanal. 1931 konnte er seine Bauwerke in Betrieb nehmen und seine Felder zum ersten Mal künstlich bewässern. Sein Unterfangen war erfolgreich und nachdem er die erforderliche staatliche Genehmigung erhalten hatte, konnte er 1934 mit dem Pflanzen von Zuckerrohr beginnen. Schon 1939 wies Murray MacDougall eine Ernte von 100 Tonnen Rohzucker aus. Triangel Ltd. entwickelte sich in der Folge zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsunternehmen der Kolonie.

Wir verlassen den Süden von Zimbabwe und fahren über Triangel nordwärts nach Masvingo und von dort weiter zu den Ruinen von Great Zimbabwe. Für die knapp 230 Kilometer wählen wir eine sekundäre Teerstrasse (secondary Tarroad) und vermeiden so die Schnellstrasse mit den vielen Lastwagen. Die abwechslungsreiche Strecke führt vorbei an kleinen traditionellen Dörfern und vermittelt einen Einblick in den harschen Alltag der Landbevölkerung.

Es ist Frühling und viele Felder sind schon für die kommende Regenzeit vorbereitet. Zwischendurch überqueren wir bewaldete Pässe. Mit ihren neuen farbigen Austrieben lassen die Bäume die Wälder in bunten Farben leuchten. Für unsere Kaffepausen suchen wir jeweils einen Schattenplatz, der nicht immer einfach zu finden ist, da das Thermometer schon vor dem Mittag gegen 35° C anzeigt.

Von der Provinzhauptstadt Masvingo mit aktuell etwa 90’000 Einwohnenden führt eine Teerstrasse direkt zu den Ruinen von Great Zimbabwe. Die Ruinen sind das bedeutendste Kulturgut des Landes und seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe.

Zur Erkundung der Ruinen haben wir eine Führung gebucht und sind gespannt, was uns erwartet. Helen, unser Tourguide, führt uns versiert durch die Bauwerke und erläutert geschichtliche Zusammenhänge, archäologische Details und gestalterische Besonderheiten.

Die Ruinen von Great Zimbabwe sind die grösste afrikanische Ruinenstätte südlich der Sahara. Die ältesten Bauten in der Ruinenstadt lassen sich auf das 6. Jh. n. Chr. datieren, wobei angenommen wird, dass die ältesten Wohnsiedlungen mit der Bezeichnung «Dzimba Dza Mabwe» (Häuser aus Stein) nicht vor dem 11. Jh errichtet worden sind.

Zuerst wurde der Hügelkomplex erstellt, der ab 1150 n. Chr. dauerhaft bewohnt wurde. Unterhalb dieses Komplexes starteten die Menschen im 14. Jh. mit dem Bau einer riesigen ringförmigen Anlage. Die Herrscher von Zimbabwe befanden sich in dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Ihr Reich umfasste ein Gebiet, das sich im Westen bis ins gegenwärtige Botswana und im Osten bis nach Mozambique ausdehnte. Sie beherrschten den Handel mit Gold und Elfenbein, wobei sie sich mit hohen Zöllen und Abgaben ihrer Untertanen Wohlstand und Reichtum sicherten. Es ist nach wie vor unklar, wie viele Leute in Great Zimbabwe gelebt haben. Die Schätzungen reichen von 2’000 bis 18’000 Personen. Die EinwohnerInnen von Great Zimbabwe ernährten sich hauptsächlich von Landwirtschaft und Rinderzucht. Sie waren geschickte Handelsleute und wussten Metall zu verarbeiten. Im 15. Jh. wurde Great Zimbabwe verlassen. Es wird angenommen, dass die zur Ernährung der Bevölkerung benötigten Ressourcen erschöpft waren. Great Zimbabwe geriet in Vergessenheit.

In Anlehnung an den Namen der Ruinenstadt wurde Rhodesien anlässlich seiner Unabhängigkeit im Jahr 1980 in Zimbabwe umbenannt. 

Nach dieser geschichtlichen und kulturellen Erweiterung unseres Horizontes verschieben wir uns auf vorwiegend guten Strassen weiter nordwärts. Nagelneue Strassen machen uns mittlerweile etwas misstrauisch, da diese dazu neigen, plötzlich in behelfsmässigen Umfahrungspisten zu enden, weil die alte Strasse umgegraben wurde, um einen neuen Belag einzubauen. Solche Provisorien bestehen meist mehrere Jahre, während derer sich die entsprechenden Pisten laufend verschlechtern. So ist auch auf längeren Fahrten für ausreichend Unterhaltung gesorgt…

Ausserhalb von Kwekwe, dem Stahl- und Eisenzentrum Zimbabwes und dem muslimischen Mittelpunkt des Landes machen wir Pause und bleiben für zwei Nächte auf dem Campingplatz, der auf dem Gelände des Wildlife Sanctuary «An Eye for The Wild» liegt. Dieses wird von einer Familie geführt, die verletzte Tiere aufnimmt, diese auf ihrer Farm pflegt, bis sie in die freie Wildbahn entlassen werden können. Sollte dies nicht möglich sein, können die Tiere für den Rest ihres Lebens auf der Farm bleiben.

Auf einer Tour durch die Auffangstation erfahren wir viele Details über die Tiere, die hier gepflegt werden. In den nächsten Tagen werden vier überzählige Zebras aus einem anderen Reservat eintreffen und hier wieder in die Freiheit entlassen. Ausserdem würden vier Giraffen, die seit einiger Zeit in einem Gehege an die neue Umgebung gewöhnt würden, ebenfalls frei gelassen.

Die Leiterin informiert uns über die Entstehung der Einrichtung und zeigt einige der Schwierigkeiten auf, mit denen Bewohnerinnen und Bewohner des heutigen Zimbabwes im Alltag konfrontiert sind. Sie betont, dass Zimbabwe glücklicherweise ein friedliches Land sei. Die Familie lebe nun in der fünften Generation auf dieser Farm, die heutzutage ein Wildreservat ist. Vor der Landreform sei die Farm bedeutend grösser gewesen. Das Leben in Zimbabwe erfordere viel Geduld und Durchhaltewillen. Sie gehe allerdings davon aus, dass der wirtschaftliche Tiefpunkt überschritten sei und hoffe, dass es wirklich langsam aufwärts gehe….

Wir geniessen unsere Zeit auf dem wunderschönen Campingplatz der offen an der Grenze zum Wildreservat liegt. Die unbegrenzte Sicht in die freie Natur und auf die typischen Wildtiere Afrikas übertrifft in Kombination mit den Abenden am Feuer die Werbespots eines jeglichen Reiseanbieters. 

Nach zwei erholsamen Nächten geht die Fahrt nach Norden für uns weiter. Zuerst ist Diesel tanken und Trinkwasser kaufen angesagt. Der Kauf von Nahrungsmitteln in Zimbabwe ist eine teure Angelegenheit. Vieles, das wir zum Kochen einkaufen, ist teurer als in der Schweiz und die Auswahl ist beschränkt. Am Strassenrand gibt es leider nicht viel zu kaufen. So ist eben der Speisezettel anzupassen…

Die Weiterreise führt über Chegutu, Kadoma, Chinhoyi, Karoi und Makuti weiter nordwärts. In Makuti zweigen wir nach Kariba ab und während der letzten 80 Kilometer führt unsere Route durch eine wunderschöne hügelige Waldlandschaft nach Kariba.

In Kariba richten wir uns auf dem Campingplatz der Logubandi Hotel Association unter hohen schattenspendenden Bäumen ein und erholen uns in der Bar bei einem Drink von der langen Fahrt. Wie so manches in Zimbabwe hat auch diese Anlage ihre besten Zeiten schon länger hinter sich. Ausgeprägtester Shabby Chic ist hier nicht Dekoration, sondern wirtschaftlich bedingter Standard.

Das Hotel liegt an einer kleinen Lagune, die direkt zum Karibasee führt. Allerdings ist der Wasserstand des Sees zurzeit so tief, dass in der Lagune nur ein kleiner Rest Wasser liegt und die Uferzone des Sees sich über eine weit grössere Fläche erstreckt als normal.

Der Karibastausee ist gemäss der Liste der grössten Stauseen der Erde der volumenmässig zweit- und flächenmässig siebtgrösste Stausee der Erde. Die Staumauer wurde 1959 nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. Der See ist 290 Kilometer lang und bis zu 42 Kilometer breit. Damit ist er etwa zehn Mal so gross wie der Bodensee. Seine Tiefe beträgt maximal 97 Meter. Die Grenze zwischen Zimbabwe und Sambia verläuft durch den See und beide Länder nutzen das Wasser des Sees in je eigenen Anlagen zur Erzeugung von Elektrizität.

In einem Gespräch mit dem Betreiber der Hotelanlage erfahren wir, dass es seit 2019 nicht mehr genügend Regen gegeben hat. Die Situation sei prekär und sollte es nicht bald ausgiebig regnen, werde die Stromproduktion eingestellt werden müssen, da der See nicht mehr genügend pumpbares Wasser liefern könne. Harare, die Hauptstadt Zimbabwes, die zu einem grossen Teil auf den hier produzierten Strom angewiesen sei, werde sich in einem solchen Fall mit einem massiven Problem konfrontiert sehen.

Aufgrund des entzündeten Insektenbisses sind wir auf der Fahrt in den Norden Zimbabwes schneller unterwegs als beabsichtigt, da wir auf einige Aktivitäten vorsichtshalber verzichtet haben. So erreichen wir Kariba gut eine Woche früher als geplant. Unser Arzt in Chiredzi, dem wir in der Zwischenzeit ein Foto zugestellt haben, hat für den Moment keine weiteren Massnahmen empfohlen.

Da wir in der Umgebung von Kariba nicht eine ganze Woche verbringen wollen, erkundigen wir uns beim Betreiber der Karibasee-Fähre, ob es möglich wäre, unsere Fahrt über den See um eine Woche zu verschieben. Zu unserer Überraschung ist dies möglich und so sind wir schon am nächsten Morgen unterwegs zum Anlegeplatz der Fähre, der aufgrund des tiefen Wasserstandes allerdings verlegt werden musste. Auf der Fahrt dorthin ergeben sich unerwartete Schwierigkeiten, da der Weg durch ein Dorf führt und unser Auto nicht unter dem wunderschönen Mangobaum in der Mitte des Dorfes hindurch passt. Zur Lösung des Problems wird der störende Ast spontan entfernt. Wir bedanken uns mit einigen der Fussbälle, die wir für solche Situationen aus der Schweiz mitgebracht haben. Umgehend werden diese von Gross und Klein mit strahlenden Augen in Beschlag genommen.

Die Verladung der insgesamt fünf Autos, von denen unser Churi mit Abstand das grösste ist, verläuft zügig und routiniert. Entsprechend legt die Fähre pünktlich nach Fahrplan in Kariba ab. Die Fahrt über die 220 Kilometer bis nach Mlibizi wird ca. 22 Stunden dauern. Insgesamt befinden sich 17 Passagiere, der Kapitän, vier Küchenangestellte und vier technische Crew sowie der operative Manager der Kariba Ferries an Bord.

Über dem See weht eine angenehme Brise, womit die Temperaturen bedeutend angenehmer sind als an Land. Es stehen Kaffee, Tee und kalte erfrischende Getränke zur Verfügung. Die Stimmung ist friedlich und entspannt und angeregt werden Erlebnisse und weitere Reisepläne ausgetauscht. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt und das Essen, das an Land zubereitet wurde, ist überraschend vielfältig und sehr schmackhaft.

Der Luxus auf der 51-jährigen Fähre hält sich in Grenzen. Die sanitären Anlagen sind zweckmässig, genügen – je nach Ansprüchen – jedoch vollständig. Shabby Chic lässt auch hier grüssen… Geschlafen wird entweder auf Matratzen auf dem Boden innerhalb der Fähre oder draussen auf Deck. Alternativ stehen Sessel zur Verfügung, die auf kreative Art und Weise zu Schlafmöglichkeiten umgebaut werden können. Wir verbringen die Nacht drinnen, da draussen schon alle Schlafplätze belegt sind.

Die Überfahrt ist durchgehend ruhig, obwohl der Wind auffrischt und Regenwolken aufziehen, wodurch der erhoffte Sonnenuntergang leider zum grössten Teil den Wolken zum Opfer fällt.

Morgens um 10.00 Uhr legen wir planmässig in Mlibizi an. Aufgrund des tiefen Wasserstandes wird das Abfahren von der Fähre etwas knifflig. Nachdem alle Autos sicher an Land sind, verabschieden wir uns von unseren Mitreisenden aus Dänemark, Estland, Südafrika und Malta bzw. England, die sich alle mit unterschiedlichen Zielen auf die Weiterreise begeben.

Wir bleiben für zwei Nächte im Mlibizi Resort, um anschliessend Richtung Viktoriafälle weiter zu reisen. Für den restlichen Aufenthalt in Zimbabwe stehen uns noch gut zwei Wochen zur Verfügung, bis unser Visum abläuft. In dieser Zeit wollen wir als Schwerpunkte die Viktoriafälle und den Hwange National Park besuchen. Nach ein paar Tagen in Bulawayo, der zweitgrössten Stadt Zimbabwes, werden wir voraussichtlich Ende Monat nach Botswana weiterreisen.

Südafrika 2

Drakensberge nach Musina / 12. September – 1. Oktober 2024

Wir verabschieden uns von Ma Hai, dem äusserst angenehmen, idyllisch am Fuss des Mont-aux-Sources gelegenen Campingplatz und von den imposanten Drakensbergen, in denen noch zahlreiche spannende Wanderungen locken würden. Zugunsten eines etwas weniger dichten Reisekalenders, entscheiden wir uns, den Abstecher an die Ostküste Südafrikas von unserer Wunschliste zu streichen. Daher steht als nächster Fixpunkt ein Kurzbesuch in Swasiland auf unserem Programm. Der erste Teil der Fahrt an die Grenze von Swasiland führt uns via Bergville, Ladysmith und Dundee nach Vryheid.

Die Fahrt nach Vryheid verläuft bis auf den letzten Abschnitt von ca. 60 Kilometern entspannt und problemlos. Dann ist die Strasse zuhauf mit Schlaglöchern verziert und auf der Strecke sind unzählige Trucks mit zwei Anhängern unterwegs, die Kohle transportieren. Ein Umstand, der das Fahren auf der linken Seite mit einem linksgesteuerten Auto nicht unbedingt einfacher macht.

Ausserhalb von Dundee besuchen wir das Talana Museum. Dieses beherbergt unter anderem ein geschichtliches Archiv, eine Ausstellung über Mahatma Gandhi, eine breit gefächerte Glassammlung, verschiedenste Transportmittel und Baumaschinen etc., etc. Einer der Schwerpunkte des Museums thematisiert die Kriege zwischen den europäischen Einwanderern und den Zulu sowie Kriege zwischen den europäischen Kolonialmächten. Hier begegnet uns ein Teil der Geschichte Südafrikas wieder, der unser Guide in Johannesburg ebenfalls erwähnt hat.

In Anbetracht dessen, dass wir am Morgen in den Drakensbergen bei knapp 10° C gefrühstückt haben, sind die hier herrschenden 40° C eher gewöhnungsbedürftig. Trotzdem beschliessen wir, dem etwa 20 Kilometer entfernten Blood River Monument einen Besuch abzustatten.

Das Monument steht am Schauplatz der sogenannten Entscheidungsschlacht vom 16. Dezember 1838 zwischen den Boeren (Voortrekker) und den Zulu. Das Blood River Monument besteht einerseits aus einem Museum, dessen Eingangsbereich von einem aus Granit gehauenen Planwagen beherrscht wird. Andererseits befinden sich 64 in Bronze gegossene Planwagen, einige offene Wagen und mehrere Kanonen als Wagenburg angeordnet am Originalschauplatz der Schlacht. Hier stand Andries Pretorius mit 472 Männern, ihren Familien und einigen hundert Helfern etwa 10’000 bis 20’000 Zulu gegenüber. Aufgrund meteorologischer Umstände und ihrer überlegenen Bewaffnung besiegten die Boeren die Zulu. Mehr als 3’000 Zulu verloren ihr Leben, während auf der Seite der Boeren vier Männer zu beklagen waren. Der Fluss, der während der verheerenden Schlacht mit dem Blut der Zulu rot gefärbt wurde, heisst bis heute Blood River. Im Museum schauen wir uns einen kurzen Film über die Schlacht am Blood River an. Mit der jungen weissen Frau, die das Museum betreut, kommt im Anschluss an den Film ein interessanter Austausch zustande. Dabei kommt klar zum Ausdruck, dass sie die damaligen Geschehnisse mehrheitlich positiv beurteilt. Der Ausgang der Schlacht sei nur damit erklärbar, dass Gott dies so entschieden habe. Ziemlich nachdenklich verlassen wir den Ort und haben einmal mehr Stoff für eine spannende Diskussion bei einem abendlichen Drink.

Unterwegs zur Grenze von Swasiland besuchen wir mit dem Ithala Game Reserve unseren ersten Wildpark in Südafrika. Bei diesem Park handelt es sich um ein 300 km2 grosses hügeliges bis gebirgiges Reservat, das abseits der grossen Touristenströme liegt und sich dadurch viel Ursprünglichkeit bewahrt hat. Wir melden uns bei der Reception des Ntshondwe Resorts, das auch das Buschcamp verwaltet. Die Zufahrt zum Camp ist gemäss Auskunft der Rezeptionistin gut unterhalten und sollte auch ohne 4×4 Antrieb gut machbar sein. Wir machen uns also auf den Weg und sind nach einigen hundert Metern mit Sandhaufen konfrontiert, die auf der Strasse auf die Verarbeitung warten. Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir dann unser Camp. Wir sind die einzigen hier und geniessen den Abend in freier Natur in vollen Zügen.

Mit seinen durchwegs bewaldeten Tälern und Hügelzügen ist Ithala ein abwechslungsreicher und sympathischer Park, der seinen Tieren viel Rückzugsmöglichkeiten bietet. Für die Rückfahrt zur Lodge wählen wir am Morgen eine andere Route. Unterwegs begegnen wir Zebras, mehreren Antilopenarten, Giraffen, Warzenschweinen und verschiedensten Vögeln. Nashorn, Leopard, Elefant und Co. zeigen sich allerdings nicht, obwohl eindeutige Spuren auf und neben der Piste deutlich auf die Anwesenheit dieser Tiere hindeuten.

Nach etwa einer Stunde fahren wir an eine Verzweigung. Genau in der Mitte steht ein Strassenschild, das besagt, dass die Strasse gesperrt ist. Wohl oder übel entscheiden wir uns für eine der Pisten und stellen nach wenigen Kilometern fest, dass wir vermutlich die falsche erwischt haben, da sich der Zustand unserer Piste kontinuierlich verschlechtert, bis ein Weiterkommen ohne 4×4 Antrieb unmöglich wird.

Als wir kurz vor der Lodge wieder die Zufahrtsstrasse erreichen, sehen wir ein Schild, das die Piste in der Gegenrichtung deutlich als geschlossen ausweist. Na also!?

In Swasiland, der zweiten Enklave innerhalb des Staatsgebietes von Südafrika, planen wir ein paar Tage zu verbringen. Im Jahr 2018, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit von Swasiland von Grossbritannien, gab König Mswati III die Namensänderung von Swasiland in Eswatini bekannt. Eswatini hat eine Fläche von 17.363 km2. Das Land ist eine absolute Monarchie, in der etwa 1.23 Millionen Menschen leben. Von diesen gehören ca. 90% dem Bantuvolk der Swasi an. Der grösste Teil der Bevölkerung ist arm. Viele Swasi verlassen daher ihr Land, um in Südafrika zu arbeiten und mit dem verdienten Geld ihre Familien zuhause zu unterstützen.

Für die Einreise nach Eswatini benutzen wir den Grenzübergang Golela und Lavumisa. Der Landeswechsel verläuft problemlos und schon bald sind wir unterwegs entlang den Lubombo Mountains, in denen die Ostgrenze Eswatinis zu Mozambique verläuft. Wir passieren kilometerlange Zuckerrohrfelder und entsprechende Verarbeitungsfabriken. Neben Zuckerrohr werden hier auch Bananen angebaut. Aus Zuckerrohr wird einerseits Zucker und Melasse hergestellt. Andererseits wird daraus neben Alkohol als Genussmittel auch medizinischer Alkohol und Ethanol produziert. Die breite Bevölkerung lebt jedoch hauptsächlich von der Landwirtschaft und produziert für den eigenen Gebrauch.

Eswatini ist ein hügeliges und verhältismässig grünes Land mit schönen Landschaften. Für einen ersten Halt zweigen wir ausserhalb der kleinen Stadt Siteki zur MABUDA Guest Farm ab. Auf der Farm werden neben Rindern auch Pferde gezüchtet. Ausserdem werden hier Macadamia Nüsse und Kaffee angebaut. Der Kaffee wird im eigenen Betrieb geröstet und für den Verkauf vorbereitet. Im an die Rösterei angrenzenden Gebäude befindet sich ein gut ausgestatteter Hofladen. Zur Abrundung eines ausgiebigen Spaziergangs auf dem riesigen Gelände der Farm gönnen wir uns einen fachkundig zubereiteten Kaffee, der im angenehm authentischen Ambiente des betriebseigenen Restaurants ein ganz besonderer Genuss ist.

Unsere Reise führt uns auch durch Manzini, das Wirtschaftszentrum des Landes und dessen Hauptstadt Mbabane. Mbabane erstreckt sich über mehrere Hügel und da die Bewohner und Bewohnerinnen wenn immer möglich einen eigenen kleinen Garten bewirtschaften, präsentiert sich die Hauptstadt aussergewöhnlich grün.

Unterwegs werden wir dann und wann von der Polizei angehalten. Bei einer solchen Begebenheit erkundigt sich eine Polizistin nach unserem Woher und Wohin, dem Warum und Wieso und was wir ausser Reisen sonst noch so bewerkstelligen. Nachdem wir alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet haben, ergibt sich ein kurzer spassiger Dialog, während dem sie sich erkundigt, ob wir sie nicht bitte adoptieren würden? Sie hätte sicher noch Platz bei uns im Auto…

Kurze Zeit später parkieren wir – weiterhin zu zweit – bei den attraktiven Gebäuden der Ngwenya Glass Factory. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um eine erstmals in den 1970er Jahren mit schwedischer Unterstützung aufgebaute Glasbläserei. Das Projekt sollte helfen, den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Schliessung einer Mine zu kompensieren. Die Arbeitskräfte wurden vor Ort rekrutiert und einige der talentiertesten wurden in Schweden zu professionellen Glasbläsern ausgebildet. Technisches und unternehmerisches Know How wurde von der schwedischen Glasfabrik BERGDALA GLASBRUK AB zur Verfügung gestellt. Nach einer Laufzeit von nur vier Jahren wurde die Glasbläserei 1985 von der Regierung Eswatinis geschlossen. Eine Unternehmerfamilie kaufte den stillgelegten Betrieb, investierte in die Wiederherstellung der Produktionsanlagen, machte die Glasbläser ausfindig und stellte die entlassenen Fachleute wieder an. 1987 wurde die Fabrik wieder eröffnet. Unter neuem Management hat sich der Betrieb seither zu einem florierenden, mehrfach international ausgezeichneten Unternehmen entwickelt. Verarbeitet wird hier fast ausschliesslich Altglas, aus dem in ausschliesslicher Handarbeit Tierfiguren in verschiedensten Grössen und Formen, Gläser in aussergewöhnlichen Designs und hochwertige Dekorationsgegenstände erfolgreich hergestellt und in verschiedenste Länder exportiert werden.

Der direkteste Weg von Ngwenya nach Mbombela (Nelsbruit), unserem nächsten Ziel zurück in Südafrika, führt über den Grenzübergang Bulembu. Dieser Grenzübergang liegt in den westlichen Hügeln Eswatinis. Die Fahrt durch das hügelige Gelände beeindruckt immer wieder mit fantastischen Ausblicken. Je höher wir kommen, desto dichter sind die Hügelzüge mit Kiefern und Eukalyptus bewachsen.

In Teilen des Landes wird auf riesigen wieder aufgeforsteten Flächen Waldwirschaft betrieben. Angebaut werden hauptsächlich Kiefern und Eukalyptus. Beides sind schnellwachsende nicht einheimische Bäume. In riesigen Monokulturen stehen Millionen von Bäumen in Reih und Glied. Waldwirtschaft nimmt hier eine neue Dimension an.

In Pigg’s Peak, das aufgrund von teils sehr ergiebigen Goldfunden ab 1881 entstanden ist, verlassen wir die asphaltierte Strasse. Von hier führt die Route zur Grenze auf einer auf beiden Seiten von Bäumen gesäumten leuchtend orangefarbenen Lehmpiste weiter.

Kurz vor Bulembu werden wir wieder von der Polizei aufgehalten. Nach dem üblichen freundlichen Austausch wünscht uns der Chef des Trupps eine gute Weiterreise und empfiehlt uns den Kaffee in der Bulembu Country Lodge. Da wir für gute Empfehlungen der Polizei empfänglich sind, fahren wir also zur Lodge, die sich als sympathisches Hotel mit einem wunderschönen Garten präsentiert. Der Cappuccino ist tatsächlich sehr gut und im Garten genossen ist er ein erfreulicher Abschluss unserer Kurztour durch Eswatini.

In Bulembu, das früher Havelock hiess, befindet sich die Havelock Mine. Hier wurden bis 2001 Asbest und Gold abgebaut. Der abgebaute Asbest wurde mit 200 Gondeln einer Lastenseilban zur Bahnstation im mehr als 60 Kilometer entfernten Barberton gebracht. Auf dem Rückweg transportierten die Gondeln Kohle für die in der Mine gebrauchten Maschinen. Aufgrund der schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden, welche die Förderung und Verarbeitung von Asbest bei den Mitarbeitenden verursachten und den entsprechenden finanziellen Folgen für die Betreiber der Mine, wurde diese geschlossen. Die Seilbahn wurde stillgelegt. Die meisten Einwohnerinnen von Bulembu verliessen die Stadt, die sich als Folge in eine Geisterstadt mit gerade noch etwa 50 Einwohnenden verwandelte. Seither ist hier auf private Initiative ein Heim für Waisenkinder entstanden. Heute leben in Bulembu wieder etwa 2000 Menschen.

Die Masten der Seilbahn stehen noch und begleiten uns auf der Fahrt von Bulembu nach Barberton. Über Barberton, einer ehemals bedeutenden Goldgräberstadt mit bis zu 8’000 Einwohnenden zu Zeiten des Goldrausches Mitte der 1880er Jahre, erreichen wir Mbombela, die Hauptstadt der Provinz Mpumalanga.

In dieser Provinz liegt das Blyde River Canyon Nature Reserve, das über 290 km2 umfasst. Zur Erkundung dieser einmaligen Landschaft nehmen wir uns ausführlich Zeit. Das freundliche, kleine Städtchen Graskop nördlich von Mbombela ist ganz auf den Tourismus ausgerichtet und stellt mit dem hiesigen Beginn der Panoramaroute sozusagen das Tor ins Blyde River Canyon Gebiet dar. Unterwegs zum eigentlichen Canyon besuchen wir einige der Attraktionen entlang dieser touristischen Route.

Unter den Attraktionen der Panoramaroute erweist sich für uns der Besuch der Echo Caves als besonders lohnend. Aufgrund ihrer tönenden Stalaktiten, die während der Zeit als die Höhlen bewohnt waren, als Warninstrumente benutzt wurden, erhielten diese ihre Bezeichnung als Echo Höhlen. Die Höhlen erstrecken sich über viele Kilometer und überraschen mit ihrer Grösse und Vielseitigkeit. Sie gelten als weltweit älteste Höhlen dieser Art und beherbergen zahllose Stalakmiten und Stalaktiten. Die Durchgänge sind zum Teil sehr eng und weiten sich unerwartet zu riesigen Hallen mit eindrücklichen Tropfsteinformationen. Ein äusserst kompetenter und vielseitig belesener Guide führt uns während gut zwei Stunden mit viel Einsatz und Humor durch eine beeindruckende unterirdische Wunderwelt.

Als Höhepunkt der Panoramaroute wartet dann die imposante Szenerie des berühmten Canyons selbst. Der Blyde River Canyon gilt nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fishriver Canyon in Namibia als drittgrösster Canyon der Welt. Die Sicht in die imposante Schlucht ist einzigartig.

Der Wettergott hat uns allerdings einen von starken Winden begleiteten Temperatursturz von 30° innerhalb von 24 Stunden (39°C auf 9°C) beschert. So wird der Besuch des Aussichtspunktes bei den Three Rondavels zu einem unerwartet erfrischenden Erlebnis. Das für dieses Wetter verantwortliche, vom Kap in den Norden ziehende Tief, führt im Grossraum Johannesburg zur selben Zeit zu seit Menschengedenken noch nie dagewesenen Schneefällen.

Die Tage um den Blyde River Canyon runden wir mit einer Bootsfahrt auf dem Blyde Dam ab. Der Fahrt auf dem Wasser gibt uns die Gelegenheit den Canyon aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die Temperatur ist mit knapp 10°C auch hier herbstlich und ein kalter Wind bläst uns die Gischt ins Gesicht. Trotzdem ist die Fahrt ein besonderes Erlebnis. Nicht zuletzt wegen der fröhlichen Stimmung an Board, die hauptsächlich dem Guide zuzuschreiben ist, der sein Publikum mit seiner gewinnenden, humorvollen Art und mit seinem breitgefächerten Wissen zu Fauna, Flora und Geologie des Canyons und zu begeistern vermag.

Über Hoedspruit, einer sympathischen kleinen Stadt am Rand des Krüger National Parks, fahren wir anschliessend an die Tage in den nördlichen Drakensbergen weiter zum Phalaborwa Gate, einem der Haupteingänge in den grössten Nationalpark Südafrikas.

In diesem fast 20’000 km2 umfassenden Schutzgebiet verbringen wir sechs Tage. Die Infrastruktur im Park ist gut ausgebaut und den Bedürfnissen der Reisenden angepasst. Die Hauptverbindungsstrassen sind asphaltiert und durchwegs in einem sehr guten Zustand. Auch die Pisten, werden gut unterhalten und sind problemlos zu befahren. Alle Übernachtungsplätze im Park müssen zwingend im Voraus gebucht werden – ohne Buchung wird eine Einfahrt in den Park nicht erlaubt.

Die Tiere im Park sind sich Autos gewohnt und lassen sich von diesen nicht stören. So ist es möglich Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Auf der Suche nach Wasser, das in dieser Jahreszeit knapp ist, ziehen Elefantenfamilien, Gnus und riesige Büffelherden durch den Park. Zebras und grössere und kleinere Herden von Impala Antilopen sind fast überall und während des ganzen Tages anzutreffen. Die Regeln im Park sind strikt. So darf nach Sonnenuntergang nicht mehr gefahren werden und alle Fahrzeuge müssen bei Sonnenuntergang in einem der Camps sein oder den Park verlassen haben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h, Strassen und Pisten dürfen nicht verlassen werden und es ist verboten, auszusteigen.

Wir sehen schon am ersten Tag viele Tiere. Dabei treffen wir auf ein Rudel Löwen, das im Schutz eines Gebüschs quasi am Strassenrand die heisseste Zeit des Tages verschläft.

Der Park ist riesig, landschaftlich sehr abwechslungsreich und viele Gebiete sind nicht durch Strassen erschlossen. Allerdings wirkt sich die hohe Dichte an Tieren zum Teil negativ auf die Umwelt aus und eine Erweiterung auf das Staatsgebiet von Mozambique im Sinne eines grenzübergreifenden Parks wird angestrebt. Als wir im Letaba Camp eine Pause einlegen, entdecke ich einen Aushang, der informiert, dass im etwas weiter im Norden liegenden Shingwedzi Camp aufgrund des Anlasses «Baroque in the Bush» keine Übernachtungen gebucht werden können. Neugierig geworden erkundigen wir uns an der Rezeption, ob für diesen Anlass noch Billette erhältlich seien. «Leider nein» lautet die Antwort, da schon alle Konzerte ausverkauft seien.

Auf unserem weiteren Weg in den Norden des Parks beschliessen wir, Shingwedzi so oder so für eine Kaffeepause aufzusuchen. Am Gate erhalten wir von den Sicherheitsleuten die Erlaubnis, im Restaurant essen zu gehen, wir müssten das Camp danach jedoch umgehend wieder verlassen. Auf der Terrasse bei der Rezeption erkundigen wir uns dann bei einer Dame, die Namensschilder verteilt, ob allenfalls noch Eintrittskarten für den Anlass zu haben wären. Wir erfahren, dass es sich um fünf Konzerte verteilt über drei Tage, mehrere Begleitanlässe und jeweils ein Dinner handelt. Nach einer Rückfrage bei der Managerin der Veranstaltung teilt uns die nette Dame zu unserer freudigen Überraschung mit, dass noch zwei Plätze erhältlich seien. Die Konzerte von «Baroque in the Bush 2024», die vom Johannesburg Festival Orchestra unter der Leitung von Richard Cock umgeben von der Wildnis des Krüger National Parks aufgeführt werden, erweisen sich als puren Genuss. Die musikalischen Veranstaltungen ergänzen wir mit morgendlichen Pirschfahrten. Die auserlesene Musik, die faszinierende Stimmung, die Gastfreundschaft und die natürliche Offenheit der Menschen werden uns noch lange begleiten.

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Krüger National Park übernachten wir im Punda Maria Rest Camp, ganz im Norden des Parks. Direkt vor dem Zaun des Camps befindet sich ein Wasserloch, das während unserer Anwesenheit von mehreren Elefantenfamilien besucht wird. Andere Tiere wagen sich in der Trockenzeit oft nicht an ein Wasserloch, wenn Elefanten dort sind. Ein etwa 15 Meter vom Wasserloch entfernter Hochsitz erlaubt es, die Tiere stundenlang zu beobachten. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, das Verhalten und die Facetten der Kommunikation dieser imposanten Tiere aus nächster Nähe miterleben zu können. Das Trompeten, Schnauben und das grollende Rumpeln dauert bis spät in die Nacht und hört sich an, wie ein nächtliches Palaver unter den Angehörigen der anwesenden Elefantenfamilie.

Während unseres ganzen Aufenthaltes im Krüger Nationalpark begleitet uns schönes und heisses Wetter. Am Morgen unseres letzten Tages im Park ist der Himmel bedeckt und ein starker Wind bringt erste Regentropfen. Etwas später begegnen wir im äussersten Norden des Parks am Fluss Luwuvhu wie zum Abschied noch einmal einer Reihe von Tieren.

Unsere Route nach Thohoyandou, wo wir eine Teeplantage besuchen wollen, führt durch hügeliges, zunehmend tiefgrünes Gebiet das aufgrund seiner Lage an den Südhängen des Soutpansberges von regelmässigen Niederschlägen profitiert.

Entlang einer langen Reihe von sorgfältig gepflanzten Palmen erreichen wir bei leichtem Nebel die in den Hügeln angelegten Teeplantagen des «Tshivhase Tea Estate». Dieser ähnelt allerdings nur sehr entfernt dem in unserem Reiseführer beschriebenen Unternehmen. Wir können einen Termin mit der Managerin vor Ort vereinbaren und werden informiert, dass die hiesige Produktionsanlage vor einiger Zeit stillgelegt worden sei. Im Schwesterbetrieb werde noch Tee produziert. Allerdings habe die Pflücksaison noch nicht begonnen. Daher werde dort zurzeit ebenfalls nicht gearbeitet. Im hiesigen Betrieb befinde sich das administrative Zentrum der beiden Betriebe. Die Managerin führt aus, dass mit der Herstellung von Schwarztee kein Gewinn mehr erziehlt werden könne, da die Produktionskosten zu hoch und der für lokal produzierten Tee auf dem Markt erhältliche Preis viel zu tief sei. Ausserdem sei die Konkurrenz aus Übersee übermächtig und das Unternehmen müsse allen Angestellten einen Mindestlohn von ca. 5’200 Rand (ca. 260 CHF) pro Monat bezahlen, ob der Betrieb profitabl sei oder nicht. Eine Angestellte erklärt uns im Anschluss, wie der Tee fachgerecht gepflückt wird und welche Ansprüche Camelia sinensis, die Teepflanze, an Pflege und Umwelt stellt.

Durch das quirlig lebhafte Thohoyandou geht unsere Reise weiter nach Louis Trichardt bzw. Makhado, das am Fuss des Soutpansgebirges liegt. Hier kaufen wir Vorräte für den Beginn unserer Reise durch Zimbabwe ein und füllen Diesel und Trinkwasser auf. Über die Soutpansberge geht es anschliessend zur Grenzstadt Musina und von dort zum Rainmaker’s Rock Camp, das etwa dreissig Kilometer westlich der Stadt liegt.

Die Strasse nach Musina ist in einem ausgezeichneten Zustand und wir kommen sehr gut voran. Trotzdem geht während der letzten halben Stunde der Fahrt die Sonne unter und als wir das Camp erreichen, ist es dunkel. Hier verbringen wir unsere vorerst letzte Nacht in Südafrika, bevor wir am Morgen über den Grenzübergang Beitbridge nach Zimbabwe einreisen werden.

Die kommenden Wochen planen wir durch Zimbabwe zu reisen. Wir sind gespannt, wie wir dieses Land, von dem wir so viel Unterschiedliches gehört haben, erleben werden. Entgegen einigen Empfehlungen, den Grenzübergang Beitbrige zu meiden, entscheiden wir uns den kürzesten Weg über die Grenze auszuprobieren. Dies hauptsächlich, weil wir für unseren ersten Aufenthalt in Zimbabwe den Gonarezhou National Park ausgesucht haben. Als Fixpunkt wartet dann in drei Wochen in Kariba ein Platz auf der Fähre über den Karibasee nach Mlibizi auf uns.

Südafrika 1

Johannesburg bis Drakensberge / 26. August 2024 – 12. September 2024

Gegen Ende August ist es dann auch für uns so weit. Unser Flug mit Qatar Airways von Zürich über Doha nach Johannesburg hebt planmässig ab. In Johannesburg verbringen wir zwei Tage und lassen uns die Stadt von Johan van Biljon, einem lokalen Tourguide, etwas näherbringen.

Johan holt uns am Flughafen ab und chauffiert uns ins Boutique Hotel Northcliff. Das Hotel liegt fantastisch und bietet gutes Essen und eine wunderschöne Sicht über einen Teil von Johannesburg.

Am Nachmittag führt uns Johan ins Lesedi Cultural Village ausserhalb von Johannesburg. Hier wurden in den 1990er Jahren traditionelle Wohnhäuser von mehreren südafrikanischen Völkern im Original nachgebaut. Die Bauten sind in einem sehr guten Zustand und beinhalten je ein Dorf der Zulu, der Xhosa, der Pedi, der Basotho und der Ndebele. Bis vor einigen Jahren lebten Familien des jeweiligen Volkes in den Dörfern und verliehen diesen zusätzliche Authentizität. Heute werden die Dörfer von den Angestellten bewohnt, welche die Besuchenden durch die Anlage führen. In einzelnen Häusern der verschiedenen Dörfer wurden Hotelzimmer eingerichtet. Somit kann man hier übernachten und das Erlebnis so vertiefen. Im Anschluss an den interessanten und lebendig gestalteten Rundgang und die wahrnehmbar energiegeladenen Tanzvorführungen werden wir im Restaurant des Dorfes mit lokalen Speisen verwöhnt.

Johan erweist sich als äusserst kompetenter und vielseitiger Guide, der uns während der Zeit, die uns in Johannesburg zur Verfügung steht, immer wieder mit seinem umfassenden und detaillierten Wissen überrascht. Er erläutert uns die komplexen geschichtlichen Zusammenhänge, die gegenwärtige ebenso komplexe Situation der Bevölkerung sowie die politische Lage und vermittelt uns so ein aktuelles Bild der Stadt und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Dabei führt uns Johan durch verschiedene Stadtteile von Johannesburg. Vom mondänen aufstrebenden Stadtteil Sandton über Rosebank bis zu Johannesburg selbst, dem aktuellen sozialen Brennpunkt und ursprünglichen Kern der Stadt, der entstand als hier Gold gefunden wurde.

Wir erhalten Informationen zu Kunstprojekten, die Bewohnerinnen und Bewohner auf ihre Stadt und deren Möglichkeiten aufmerksam machen sollen und Detailinformationen über das laufende Projekt, den Stadtteil Johannesburg sichererer zu machen und wieder für alle lebenswert zu gestalten. Architektonisch bedeutende Gebäude werden erklärt und wir erfahren, dass die Fassadenaufnahmen der Spiderman Filme im Kern von Johannesburg gedreht wurden; wieso in der ganzen Stadt keine Jacarandabäume mehr gepflanzt werden dürfen und in welchem Restaurant ein Geist umgeht etc., etc., etc. Das Wissen von Johan scheint unerschöpflich und die Eindrücke sind schlicht überwältigend.

Mittagspause machen wir in einem Gartenrestaurant des hippen kleinen Einkaufsquartiers Stanley 44. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Die freundliche und offene Atmosphäre lädt zum Verweilen und die sympathischen kleinen Geschäfte zum Einkaufen ein. Für beides bleibt keine Zeit, da noch die Fahrt nach Soveto und dort der Besuch des Hauses, in dem Nelson Mandela viele Jahre gelebt hat, auf dem Tagesplan stehen.

Mit viel zusätzlichem Wissen und reichlich Diskussionsmaterial geniessen wir nach einem spannenden und vielseitigen Tag in der grossen widersprüchlichen Stadt einen erholsamen Abend in unserem Hotel.

…und schon ist es Zeit für unseren Flug nach Port Elisabeth, wo unser Auto auf uns wartet.

In Port Elisabeth treffen wir unsere Kontaktperson von Seabridge, die unser Auto durch den Zoll gebracht und in einer Halle ausserhalb des Hafens eingestellt hat. Schon kurz nach der Ankunft unseres Autos in Port Elisabeth hatte sie uns mitgeteilt, dass vermutlich im Hafengelände in unser Auto eingebrochen worden sei. Hier vor Ort informiert sie uns nun über die ihr bekannten Details und empfiehlt uns, den Einbruch bei der lokalen Polizei zu melden. Wir stellen fest, dass die Einbrecher sehr selektiv vorgegangen sind und jene Sachen mitgenommen haben, die sie gut verkaufen können. Das sind hauptsächlich auch für uns wichtige Dinge wie die Akku-Bohrmaschine, das Reifenflickset, die UV-Lampe, der Feldstecher, die Kaffeemaschine, etc.

Die nächsten drei Tage verbringen wir nun vor Ort. Ausser den Schäden an der Durchgangstür zwischen Fahrerkabine und Wohnbox und an den Schlössern ist unser Auto glücklicherweise unbeschädigt geblieben. Während wir unser Auto aufräumen, kümmert sich ein Locksmith aus Port Elisabeth versiert um die geknackten Schlösser. Die Meldung bei der Polizei nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Den resultierenden dreiseitigen Rapport erhalten wir innert Tagesfrist mit der Zusicherung, dass die Sache weiterverfolgt werde. Zudem wird in dieser Zeit unsere Windschutzscheibe ersetzt. Die Angestellten der Firma PE Windscreens, Port Elisabeth, sind zuvorkommend, machen einen exzellenten Job und nach einem halben Tag können wir wieder über unser Auto verfügen.

Am 1. September kaufen wir für die nächste Zeit erforderliche Lebensmittel ein und ersetzen einige der uns nun fehlenden Gebrauchsartikel. Und genau zum hiesigen Frühlingsanfang können wir dann losfahren.

Die nächsten Wochen werden wir durch den Osten von Südafrika nach Norden reisen. Ein erstes Etappenziel ist die Kleinstadt Graaff-Reinet, ca. 260 Kilometer nordwestlich von Port Elisabeth. Auf dem Weg dorthin übernachten wir an der Grenze des Addo National Parks auf dem Gebiet der Charihandra Private Game Lodge. Der Empfang ist herzlich und wir können uns unseren ersten Schlafplatz in Südafrika aussuchen. Dieser liegt ausserhalb des Lodgegeländes und ist nicht eingezäunt. Als wir unser Nachtessen vorbereiten, besuchen uns fünf Giraffen, von denen eine unser Auto aus nächster Nähe inspiziert. Sie scheint sich überzeugen zu wollen, ob die neue Windschutzscheibe auch wirklich gut sitzt… Ein eindrückliches Erlebnis an einem wunderschönen Ort.

Da wir davon ausgehen, dass wir auf unserer Reise noch einige Tierreservate antreffen werden, verzichten wir auf den Besuch des Addo National Parks. Um von unserem Standort nach Graaff-Reinet zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nach Rücksprache mit einem Angestellten der Lodge entscheiden wir uns, über den Zuurbergpass durchs Gebirge zu fahren. Die Fahrt führt uns über mehrere Gebirgsketten und entpuppt sich zunehmend als echte Herausforderung. Die bis zum Zuurberg Village gut unterhaltene Piste wird laufend enger und verschlechtert sich mit jedem gefahrenen Kilometer, bis sie schliesslich mehr einem Bachbett ähnelt als einer Strasse. Für die Strecke von Addo bis Bracefield benötigen wir mehrere Stunden und wir sind erleichtert, als wir ohne Schaden am Auto wieder eine befestigte Strasse erreichen.

Entlang der weiteren Strecke über East Somerset und Pearston nach Graaff- Reinet begleiten uns ganze Felder leuchtend orange blühender Sukkulenten. Dann wieder erstrecken sich beidseits der Strasse weite, ausgetrocknet wirkende Felder, auf denen meist Schafe oder Ziegen ihre Nahrung suchen. Je weiter wir Richtung Graaff-Reinet kommen, desto grüner wird die Landschaft.

Auf einem Spaziergang durch das schon 1786 Jahr gegründete Graaff-Reinet (aktuell ca. 50’000 Einwohnende) bewundern wir zahlreiche der über 200 geschützten Häuser dieses Ortes, die aus verschiedenen Epochen stammen. Die hohe Anzahl an denkmalgeschützten Gebäuden ist einmalig in ganz Südafrika. Der sympathische Ort verfügt über einen eigenen Charme mit guten Restaurants und ansprechenden, qualitativ hochstehenden Geschäften.

Anderntags machen wir einen Abstecher ins Valley of Desolation, das im Camdeboo National Park liegt, von dem die Stadt Graaff-Reinet gänzlich umschlossen wird. Die Strasse zum Park führt am Nqweba Staudamm vorbei und ein Stück weit dem Stausee entlang. Am Gate zum Nationalpark werden wir freundlich begrüsst, bezahlen unsere Eintrittsgebühr und erhalten Informationen zu unserem Ziel.

Auf der Fahrt in die Höhe sichten wir mehrere Strausse und Antilopen. Der Blick auf Graaff-Reinet und dessen Umgebung ist fantastisch und der Spandau Kopp steht gleichsam als Wächter gegenüber dem Eingang des Valley of Desolation. Plattformen bieten einen eindrücklichen Tiefblick ins Tal der Verlassenheit, dessen rote durch Erosion stark zerklüftete Felsen säulenähnlich nebeneinander stehen. Auf einem Spaziergang entlang der Kante des Tales geniessen wir die Kühle der Höhe und machen uns kurz vor Sonnenuntergang auf den Rückweg.

Während der nächsten Tage fahren wir via Gariep Dam, der den Oranje River staut und den grössten Stausee Südafrikas und das Gariep National Reserve bildet, nach Bloemfontein und weiter nach Ladybrand. Stundenlang durchqueren wir unendlich scheinende Ebenen, die dann und wann von einer Hügelkette oder von Felsformationen unterbrochen werden. Die schiere Weite des Landes ist beeindruckend und langsam realisieren wir, wie riesig das Land Südafrika ist. Das Wetter ist gut, die Strassen sind in einem ausgezeichneten Zustand und der Verkehr hält sich meist in Grenzen, wodurch sich die langen Fahrten recht angenehm gestalten.

Die Stadt Ladybrand, die etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Lesotho entfernt liegt, ist unser Ausgangspunkt für einen Kurzbesuch in diesem eigenständigen Kleinstaat, der als Enklave vom Staatsgebiet Südafrikas umgeben ist. Am 4. Oktober 1966 wurde Lesotho von Grossbritannien unabhängig und ist heute eine parlamentarische Monarchie. In Lesotho wohnen gut zwei Millionen Menschen, die zu 99% dem Volk der Basotho angehören. Der Kleinstaat Lesotho ist der Rest, der vom ehemals riesigen Stammesgebiet der Basotho geblieben ist.

Die Einreise über den Grenzübergang Maseru-Bridge verläuft problemlos und sehr speditiv. Die Beamten sind freundlich und nach einer halben Stunde sind wir aus Südafrika aus- und nach Lesotho eingereist.

Es ist Samstagmorgen und in den Vororten von Maseru, der Hauptstadt Lesothos, herrscht emsiges Treiben. Der Verkehr ist kontrolliert chaotisch. Jeder schaut auf jeden. Die Verkehrsregeln sind allerdings nicht immer leicht zu interpretieren und das Fahren erfordert einiges an Konzentration. Nachdem wir die Hauptstadt und ihre Vororte hinter uns gelassen haben, können wir die Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft des Königreiches, das etwa die Grösse von Belgien hat, uneingeschränkt geniessen. Der Frühling macht sich überall bemerkbar und die vielen in sattrosa Blüten gehüllten Pfirsichbäume und das frische leuchtend hellgrüne Laub der Trauerweiden bilden intensive Kontraste zur roten und teilweise schwarz verbrannten Erde. Viele Felder sind frisch gepflügt und einige zeigen zaghaftes erstes Grün.

Das Land ist sehr gebirgig und das Klima ist vor allem in den höheren Lagen im Winter sehr kalt und im Sommer heiss. Der grösste Teil der Bevölkerung ist arm und lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Diese kann aus klimatischen Gründen jedoch nur sehr extensiv betrieben werden und deckt daher meist nur den Eigenbedarf der Bauern. Zurzeit wartet das Land auf Regen, der frisches Gras bringt. So treffen wir auf unserer Fahrt durch die blauen Berge immer wieder auf Hirten, die kleinere oder grössere Schaf-, Ziegen- oder Rinderherden der Strasse entlang in ein Gebiet treiben, das noch etwas Futter für die Tiere hergibt. Nach ein paar Stunden kurzweiliger Fahrt überqueren wir den auf 2633 Meter über Meer liegenden Blue Mountain Pass. Wir fahren noch in die Nähe des Mohale Dams, wo wir in beeindruckender Umgebung einen ruhigen Abend verbringen und über Nacht bleiben. Die Hochebenen (Highlands) liegen teilweise über 2000 Meter und sind durch tiefe Flusstäler und Bergketten geprägt. Fast sichelförmig wird das Land vom Südosten bis in den Norden von den Drakensbergen, die in Lesotho Maloti Mountains genannt werden, durchzogen. Hier liegt auch der Thabana Ntlenyana, der mit 3482 Metern höchste Berg Lesothos und des gesamten südlichen Afrikas.

Im Laufe des nächsten Tages verlassen wir Lesotho wieder. Kurz vor der Grenze werden wir von einer eindrücklich bewaffneten Polizeipatrouille angehalten. Es ergibt sich ein freundlicher Austausch über Berge, Land und Leute und mit den besten Wünschen für unsere Weiterreise setzen wir unsere Fahrt nach ein paar Minuten fort. Am Grenzübergang nach Südafrika hat sich mittlerweile eine lange Schlange gebildet. Wir stellen uns in die Reihe und werden nach ein paar Minuten von einer jungen Beamtin aufgefordert, direkt zum Schalter zu gehen. Es macht den Anschein, dass wir soeben ein erstes Mal von einem «Grauen Panther-Bonus» profitieren.

Zurück in Südafrika folgen wir der Grenze von Lesotho bis nach Clarens. Wie schon öfters sehen wir auf der Fahrt Rauchwolken, die von Buschfeuern stammen. Unversehens geraten wir zwischen zwei solche Feuer. Hinter uns hat sich ein Feuer, an dem wir aus einiger Entfernung vorbeigefahren sind, in unsere Richtung ausgeweitet und ein paar hundert Meter vor uns hat ein anderes Feuer die Strasse ebenfalls erreicht. Nach einer ungemütlichen halben Stunde hat sich die Situation so weit beruhigt, dass wir weiterfahren können. Die Sicht ist gleich null und wir sind froh, dass wir einem anderen Auto folgen können. Nach etwa zweihundert Metern lichtet sich der Rauch plötzlich und wir können in strahlendem Sonnenschein weiterfahren. Der Geruch des Rauches ist allerdings überall und sticht uns noch einige Zeit in der Nase…

In einem der gemütlichen Restaurants von Clarens erholen wir uns bei einem Glas Wein von diesem für uns doch eher ungewöhnlichen Erlebnis. Clarens wurde 1912 gegründet und nach dem Ort in der Schweiz benannt, an dem Paul Krüger, der ehemalige Präsident von Transvaal, sein Exil verbrachte und 1904 verstarb.

Nach einer Wanderung durch das an Clarens angrenzende Nature Reserve fahren wir anderntags der Grenze Lesothos entlang weiter nach Westen. Dabei durchqueren wir den Golden Gate Highlands National Park, ein im Jahr 1904 aufgrund seiner einzigartigen Geologie gegründeter Park in den Drakensbergen. Die Bergketten, die mit braunen, roten, bis orangegelben bänderähnlichen Querstreifen aufwarten, bilden eine bemerkenswerte Szenerie. Zur Vervollständigung weiden neben der Strasse Zebras und verschiedene Antilopenarten.

Zur Erweiterung unseres kulturellen Horizontes besuchen wir das «Basotho Cultural Village», das innerhalb des Parks liegt. Ein junger Mann führt uns durch die schön gestaltete Anlage und bringt uns die Kultur und die sich während der letzten Jahrhunderte verändernden Lebensformen der Basotho in lebendiger Art und Weise und mit profundem Wissen etwas näher.

Im Royal Natal National Park erwartet uns einige Stunden später der wunderschön am Fuss des Mont-aux-Sources (3282 m) gelegene Ma Hai Campingplatz. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und so wandern wir am nächsten Tag zur Thukela Schlucht. Unterwegs haben wir fast durchgehend das eindrückliche «Amphitheater» vor uns. Dieser halbmondförmige Gebirgsbogen liegt zwischen den Gipfeln des Sentinel (3165 m) und dem Eastern Buttress (3047 m). Am Mont-aux-Sources entspringt der Thukela, der in einem 983 Meter hohen Wasserfall über die mächtige Felswand des Amphitheaters in die Tiefe fällt. Die Wanderung entlang des Thukela Tales bietet imposante Landschaften, etwas «Bolder-Hopping» im Flussbett als der Wanderweg endet und verspricht nach erfolgreichem Erklimmen einer Leiter eine noch eindrücklichere Sicht auf das Amphitheater. Da der Fluss aktuell fast kein Wasser führt, bleiben zwar unsere Füsse trocken, was allerdings bedeutet, dass wir uns den Wasserfall dann vorstellen müssen. Dafür lockt zum Schluss ein wunderschöner höhlenähnlicher Durchgang durch goldgelbe Felsen.

Auf dem Rückweg setzt das Nachmittagslicht die Landschaft und die Flora und vor allem das frische Gras, das aus der verbrannten Erde spriesst, optimal in Szene.

Obwohl sich in den Drakensbergen ein Naturreservat ans andere reiht und es hier noch Vieles zu sehen und zu unternehmen gäbe, verlassen wir diese Ecke Südafrikas, um weiter Richtung Norden zu fahren. Nächstes grösseres Ziel ist Eswatini bzw. Swasiland, die andere Enklave in Südafrika. Dann steht die Erkundung des Blyde River Canyon Naturreservats auf dem Plan, von wo wir für einige Tage in den Krüger National Park wechseln werden.

Kontaktdaten: Sam Wenger, Registered Tourist Guide, Johannesburg,
e-mail samwenger@hotmail.com, Tel. +27 11 768 1981

Kontaktdaten: Johan van Biljon, Registered Tour Guide, Johannesburg,
e-mail johan@africantimeout.com, Tel. +27 83 655 1997, African Timeout, (www.africantimeout.com ),

Reise nach Afrika

Einleitung

Zuoberst auf unserer Reisewunschliste stehen per Herbst 2023 Südamerika, Australien, die südlichen Länder Afrikas, Nordamerika und Mexiko. Unsere Recherchen betreffend Verschiffung unseres Autos haben ergeben, dass die Routen nach Mittel- und Südamerika mit viel Risiko für das Auto behaftet sind. Die Verschiffung nach Australien leidet, gemäss Auskunft der von uns angefragten Agenturen, noch immer unter den Folgen von Covid. Zurzeit könnten innert nützlicher Frist keine Plätze für eine Verschiffung eines Autos nach Australien zugesichert werden. Die Verschiffung von Campern und Wohnmobilen nach Nordamerika und nach Südafrika seien zurzeit jedoch gut möglich und sicher.

Mit einer Reise ins südliche Afrika liebäugeln wir seit Längerem und die gegenwärtige Situation spricht für eine solche Reise. So nehmen wir die Planung im Laufe des Winters in Angriff.

Unsere Reise soll in Port Elisabeth bzw. Gqeberha beginnen, wo unser Auto nach der Überfahrt von Antwerpen eingeführt wird. In den folgenden sieben Monaten wird uns die Reise im Gegenuhrzeigersinn von Port Elisabeth in den Norden von Südafrika führen. Dort wollen wir nach Zimbabwe einreisen und das Land von Süden nach Norden durchqueren. Von Kariba nahe der Grenze zu Sambia planen wir den Karibasee mit der Fähre nach Mlibizi Richtung Westen zu überqueren und so in die Nähe der Grenze von Botswana und zu den Viktoriafällen zu gelangen. Anschliessend soll es mit einer Rundreise durch Botswana und der Weiterreise nach Namibia weitergehen. Die letzten zwei Monate der Reise möchten wir im westlichen und südlichen Südafrika verbringen und in Port Elisabeth abschliessen.

15. Juli 2024 – 25. August 2024

Mitte Juli 2024 steht als erste handfeste Aktion der Reise die Fahrt nach Antwerpen an, wo unser Auto am nächsten Nachmittag bis um 14.00 Uhr für die Verschiffung nach Port Elisabeth angeliefert werden muss. Unser Churi wird gute vier Wochen lang unterwegs sein und sofern alles planmässig verläuft, am 19. August in Port Elisabeth ankommen.

Der Verkehr am frühen Abend des 15. Juli ist nicht mehr allzu dicht. Entsprechend kommen wir gut voran. Auf Höhe Luxemburg legen wir für einige Stunden Schlaf eine Pause ein. Als wir am Morgen weiterfahren, stellen wir fest, dass unsere Windschutzscheibe einen Riss hat. Über unsere Garage in der Schweiz erhalten wir die Adresse von Carglass Antwerpen. Ein hilfsbereiter Angestellte teilt uns mit, dass die Scheibe frühestens nächste Woche ersetzt werden könnte. Da dies für uns nicht in Frage kommt, sucht er im Internet nach Firmen in Port Elisabeth, welche die Windschutzscheibe ersetzen könnten. Innert Kürze informiert er uns, dass eine Reparatur in Port Elisabeth möglich sei. Unsere Garage in der Schweiz setzt sich in der Folge mit Mercedes Port Elisabeth in Verbindung und übermittelt uns die Kontaktdaten der Firma, mit der Mercedes zusammenarbeitet. Mit diesen Informationen beschliessen wir, die Windschutzscheibe vor Ort in Südafrika ersetzen zu lassen.

Die Übergabe des Autos am Hafen von Antwerpen verläuft speditiv. Die Angestellten der Firma ICO sind kompetent, freundlich und hilfsbereit. So können wir Mitte Nachmittag die Reise zurück in die Schweiz antreten. Mit Taxi und Zug fahren wir nach Antwerpen und von dort mittels einer direkten Flixbus-Verbindung weiter nach Zürich. Die Fahrt von Antwerpen zum Busbahnhof Zürich dauert ziemlich genau 12 Stunden. Leicht zerknittert und um ein Flixbus-Erlebnis reicher, trinken wir morgens um 8.00 Uhr in Zürich einen Kaffee.

Fünf Wochen später werden wir von Port Elisabeth informiert, dass unser Auto planmässig angekommen sei.