Island – Woche 6 (blau)

Trotz der aktuellen Wettersituation freuen wir uns auf die seit Beginn der Reise auf unserem Programm stehende Fahrt über den östlichen Teil des Arctic Coast Way. Zielstrebig legen wir die Strecke bis nach Egilsstaðir und weiter nach Bakkagerði am Borgarfjörður Eystri zurück. Obwohl Bakkagerði nicht am Arctic Coast Way liegt, haben wir uns für einen Aufenthalt in diesem kleinen Küstenort entschieden. Einerseits soll hier – und ausschliesslich hier – am nächsten Tag sieben Stunden lang die Sonne scheinen. Andererseits ist der Ort für seine Vogelfelsen bekannt.

Der Borgarfjarðarvegur (Route 94) führt erst über die Hjaltastaðaþinghá, die weiträumige Schwemmebene der Flüsse Lagarfljót und Selfljót die ein paar Kilometer weiter nördlich in die Grönlandsee münden. Danach windet sich die Strasse auf zum Teil ausgesetzten Passagen über den zurzeit in dichten Nebel gehüllten Pass Vatnsskarð eystra und dann der Küste entlang nach Bakkagerði. Der für den kleinen Ort unerwartet grosse Campingplatz befindet sich bei der Kirche am Dorfrand und direkt am Fuss des Elfenhügels Álfaborg, die gemäss isländischen Überlieferungen der Sitz der Elfenkönigin ist. Genaueres dazu ist unter dem folgenden Link zu finden.

Tatsächlich begrüsst uns der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein. Erst jetzt realisieren wir, wie malerisch Bakkagerði in einer Bucht des Fjords gelegen ist. Die Gipfel der bis zu 1200 Meter hohen Berge des Dyrfjöll im Hintergrund der kleinen Ortschaft sind frisch angeschneit, was aufzeigt, dass der Winter nicht mehr weit sein kann. Umso mehr freuen wir uns über die warmen Sonnenstrahlen, während wir den etwa zehn Kilometer entfernten Hafen erkunden. Dieser ist für die Grösse des Ortes unerwartet gut ausgebaut. Die Erklärung dafür liegt bei den Felsen Hafnarhólmi, an dessen Hängen während des Sommers tausende von Seevögeln ihre Jungen grossziehen. Darunter auch eine Vielzahl von Papageientauchern. Diese attraktiven Vögel haben die Insel jedoch schon gegen Ende August verlassen, um den Winter auf hoher See zu verbringen.

Auf dem Rückweg zur Ringstrasse liegt der Pass immer noch im Nebel und es regnet. Auf der anderen Seite der Bergkette scheint die Sonne milchig durch die Wolkendecke. Dank der durchwegs asphaltierten Strasse sind wir bald zurück in Egilstadir und befinden uns somit nicht allzu weit von der Schlucht Stuðlagil. In der Hoffnung, dass die Basaltsäulen jetzt in ihrer ganzen Länge zu sehen sind, beschliessen wir, die Schlucht nochmals aufzusuchen. Nach ca. einer Stunde zügiger Fahrt und einem Spaziergang von etwa drei Kilometern entlang der Jökla erreichen wir die ca. 500 Meter lange Schlucht. Und wirklich zeigen sich die spektakulären Säulen in ihrer ganzen Pracht. Ein beeindruckendes Schauspiel, das uns die Natur hier bietet – allerdings kräftig unterstützt vom Energiebedarf Islands…

Den Tag schliessen wir am frühen Abend in Reykjahlíð am Ufer des Mývatn ab. Die Fahrt auf der Ringstrasse über die Hochebenen ist bei den wechselhaften und zuweilen fast wintrigen Verhältnissen ein Erlebnis für sich und im Gegensatz zu unserem ersten Aufenthalt in Reykjahlíð präsentiert sich die Natur nun in leuchtenden Herbstfarben.

Unsere Fahrt über den östlichen Teil des Arctic Coast Way beginnt am nächsten Tag in Húsavík. Wie schon im August fühlen wir uns in dieser kleinen, betriebsamen Hafenstadt sehr wohl. Den Luxus eines Bades in einem «gehobenen» Thermalbad haben wir bis dato aufgeschoben. Das Thermalbad GeoSea in Húsavík scheint uns nun der richtige Ort zum richtigen Zeitpunkt, um dieses Versäumnis nachzuholen. Das GeoSea stellt sich als gute Wahl heraus. Die Architektur ist erstklassig, der Empfang herzlich, die Einrichtung top modern und alles ist blitzsauber. Darüber hinaus ist die Sicht vom Infinity Pool aufs Meer unschlagbar. Tiefenentspannt verlassen wir diese Wohlfühlinsel nach ein paar Stunden und runden den Tag beim Campingplatz 66.12° North mit einem Glas Wein ab.

Der Nordosten Islands ist touristisch noch kaum erschlossen und wird entsprechend selten von Reisenden besucht. Jetzt gegen Ende September ist die touristische Saison in diesem Teil Islands abgeschlossen und meist sind wir die einzigen Touristen, die hier unterwegs sind. Die faszinierenden Landschaften und die Fülle von Eindrücken, die uns der Nordosten bietet, nehmen wir jetzt nach fünf Wochen auf Island schon fast als selbstverständlich zur Kenntnis.

In Kópasker teffen wir auf Werke der Künstlerin Sigurlína J. Jóhannesdóttir. Jede ihrer aus Treibgut geschaffenen lebensgrossen Puppen hat eine Geschichte und teils stellen sie Begebenheiten aus der Sagenwelt Islands dar. Solche Puppen sind auch an anderen Orten auf der Melrakkaslétta Halbinsel anzutreffen. Ursprünglich waren die Figuren als Vogelscheuchen gedacht. Im Laufe der Zeit haben sie jedoch eine gewisse Berühmtheit erlangt und mittlerweile haben sie sich zu einer Attraktion der Halbinsel entwickelt.

Wie Siglufjörður weiter im Westen war Raufarhöfn ab Anfang des 20. Jahrhunderts eine geschäftige und florierende Kleinstadt, die von der Heringfischerei lebte, bis diese gegen Ende der 1960er Jahre kollabierte. Seither muss sich auch Raufarhöfn neu definieren und richtet sich ebenfalls vornehmlich auf den Tourismus aus. Ein Indiz dafür ist die während der letzten paar Jahre von einer Privatperson errichtete Steinformation Arctic Henge.

Das Städtchen Vopnafjörður erleben wir nach den bisherigen eher winterschlafähnlich ruhigen Orten als lebhaften und sympathischen Ort. Auch ist der kleine, gut ausgestattete und sehr schön gelegene Campingplatz noch geöffnet.

Anderntags zeigt sich die Sonne leider nicht und die mit Neuschnee bedeckten Berggipfel hüllen sich in dichten Nebel. Unsere heutige Fahrt wird uns auf der 917 über den Pass Hellisheiði Eystri auf die andere Seite des Gebirgszuges, dann der Jökla entlang zur Ringstrasse und weiter nach Egilstadir bringen.

Vorerst gehört unsere Aufmerksamkeit jedoch dem Torfhof Bustarfell. Die Torfhäuser sind seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz. Die Siedlung ist als Museum öffentlich zugänglich. Die Torfhäuser und auch das dazugehörige hübsche Restaurant sind schon für den Winter geschlossen. So ist es nicht verwunderlich, dass wir allein hier sind. Umso mehr strahlt der Ort Ruhe, Harmonie und viel positive Energie aus.

Nach diesem angenehmen Auftakt in den neuen Tag geht es zurück auf die 917. Die asphaltierte Strasse geht nach ein paar Kilometern in eine befestigte Piste über. Diese führt in engen Kurven und mit Steigungen von bis zu 15% auf den schneebedeckten Pass. Genauso steil und eng geht es auf der anderen Seite zurück auf Meereshöhe. Unterhalb der Nebelgrenze überrascht uns eine grossartige Sicht auf die Bucht Héraðsflói, den ca. 25 Kilometer langen tiefschwarzen Strand Héraðssandar und das weiträumige Delta, das von den Flüssen Jökla, Lagarfljót und Selfljót geschaffen wurde, die hier in die Grönlandsee münden.

Auf der gut präparierten knapp 50 Kilometer langen Piste entlang der Jökla begegnen uns knapp eine Handvoll Autos. Die tiefhängenden Wolken verleihen dem Fluss und seinen Schwemmebenen mit ihren herbstlich leuchtenden Gräsern und Kleinsträuchern eine mystische Qualität. Nach einer entspannten Fahrt durch just dasselbe Delta wie vor einer Woche, allerdings auf der anderen Seite der Flüsse, erreichen wir die Ringstrasse. Hier endet der zweite Teil unserer Fahrt über den Arctic Coast Way. Wir haben den Nordosten Islands als sehr attraktiven und vor allem auch für Wanderungen lohnenswerten Teil Islands erlebt.

Da das Wetter für den Rest unserer Zeit auf Island bescheiden ausfallen wird, werden wir bis zum Auslaufen unserer Fähre in der Umgebung von Seyðisfjörður bleiben. Das bedeutet, dass wir unsere letzten Nächte auf Island auf dem sympathischen Campingplatz beim Guesthouse Hengifoss verbringen werden, also genau dort, wo wir das erste Mal übernachtet haben.

Das Wetter motiviert weder zum Wandern noch zu sonstigen Entdeckungsreisen. Da sich auf unserer Reise Fragen ergeben haben, auf die wir noch keine Antworten gefunden haben, schauen wir nochmals im Snæfellsstofa Visitor Center vorbei. Mit der jungen Frau, die hier bis Ende Saison die Stellung hält, ergibt sich eine spannende Unterhaltung. Wir erhalten interessante und aufschlussreiche Informationen zur aktuellen Situation der isländischen Bevölkerung, zur wirtschaftlichen Lage und der Wechselwirkung zwischen den sich konkurrenzierenden Interessen von Wirtschaft und Natur.

Unter anderem erfahren wir, dass der See Lögurinn früher eine leuchtend grüne Farbe hatte. Seit der Fertigstellung des Staudamms und des Kraftwerkes Kárahnjúkar werde das Wasser aus dem Hálslón Stausee nach seiner Nutzung zur Energiegewinnung durch einen Kanal in den See geleitet. Durch die mitgeführten Sedimente habe sich die Farbe des Sees zum Leidwesen der Bevölkerung in ein dumpfes silbriges Grau verändert. Überhaupt sei der Bau des Hálslón Stausees ein umstrittenes Projekt gewesen, da dieser in einem Schutzgebiet erstellt worden sei. Der Bau habe in der Bevölkerung viel Widerstand hervorgerufen und werde kontrovers diskutiert.

Beeindruckt von so viel Motivation und dem Engagement der jungen Frau verabschieden wir uns nach einer guten Stunde und gehen im Restaurant nebenan essen. Das Restaurant befindet sich im ehemaligen Wohnhaus des berühmten isländischen Schriftstellers Gunnar Gunnarsson (1889–1975). Dieser liess das Haus bauen, als er 1939 von Dänemark nach Island zurückkehrte. Heutzutage wird das Haus als Museum und Ausstellungsort genutzt.

Im Restaurant werden hauptsächlich lokale und wie wir erfreut feststellen können, ausnahmslos äusserst schmackhafte Gerichte serviert. Das köstliche Essen in der behaglichen Atmosphäre des kleinen Restaurants ist ein stimmiger kulinarischer Abschluss dieser Reise.

Auf der Wohlfühlebene schliessen wir unseren Aufenthalt auf Island mit einem Bad im Hotpot bei der Laugarfell Highland Hostel im nahen Hochland ab. In aller Ruhe können wir im warmen Thermalwasser bei saisongerechtem Schneeregen noch einmal die Stille, die Einsamkeit und die Weite Islands geniessen.

Und schon ist unser letzter Tag auf Island gekommen. Um 20.00 Uhr läuft in Seyðisfjörður unsere Fähre aus. Das Wetter bessert sich. Allerdings ist der Pass von Egilsstaðir nach Seyðisfjörður gemäss Strassenzustandsbericht schneebedeckt und wir sind gespannt, wie sich die Fahrt zum Hafen anfühlen wird.

Aufgrund dichten Nebels und starkem Schneefall erweist sie sich als ziemlich anspruchsvoll. Entgegenkommende Autos schleudern und schlingern und am Strassenrand stehen im Schnee steckengebliebene Autos. Entsprechend langsam und konzentriert sind wir unterwegs. Ohne Zwischenfall erreichen wir den unerwarteterweise im Sonnenschein liegenden Hafen und damit die letzte Station unseres sechswöchigen Aufenthaltes auf Island.

Mit einem Spaziergang durch das Städtchen verabschieden wir uns von einem faszinierenden Land, das auf kleiner Fläche grandiose Landschaften, unzählige Naturphänomene und ausserordentliche Erlebnisse bietet.

Island ist ein ideales und sicheres Reiseland. Das Wetter spielt eine zentrale Rolle. Sobald sich Regen und Wind einstellen, sinken die Temperaturen rapide, was das Unterwegssein sofort anspruchsvoller macht. Wir hatten Glück und gutes und weniger gutes Wetter hielten sich in etwa die Waage, obwohl der Herbst während unserer Reise Einzug hielt. Die Infrastruktur, die wir benötigten, war meist in einem hervorragenden Zustand.

Die Bevölkerung Islands ist freundlich, aufgeschlossen und sehr hilfsbereit und wir freuten uns über die offenen und erfrischenden Kontakte, die immer wieder möglich waren. Wir fühlten uns der Erde, der Natur und ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen sehr nahe.

Fazit: Island ist mindestens eine zweite Reise wert!

Island – Woche 5 (grün)

Für die Besichtigung des berühmten Svartifoss können wir noch mit gutem Wetter rechnen. Vorerst machen wir jedoch einen Abstecher zum nahen Gletschersee Fjallsárlón. Im Licht der Morgensonne begegnen wir einer grandiosen Kulisse aus Eis, Fels und Wasser und wähnen uns fast ein wenig in der Arktis.

Unser Spaziergang zum Svartifoss beginnt beim Besucherzentrum des Nationalparks Skaftafell. Dieses bereitet sich schon auf den Winter vor und ist daher zum grössten Teil geschlossen. Auch an der kleinen Zahl von Reisenden lässt sich erkennen, dass die Hauptsaison vorüber ist. Entsprechend können wir den schwarzen Wasserfall in seiner ganzen Schönheit uneingeschränkt bestaunen.

Auf der Weiterfahrt nach Osten zweigen wir auf die Piste zum Breiðárlón ab und kurze Zeit später stehen wir fast mitten in der eindrücklichen Szenerie dieses Gletschersees und seiner Eisberge. Im Anschluss geht’s für uns weiter zur Gletscherlagune Jökulsárlón. Diese macht ihrem Ruf als Touristenhotspot dann alle Ehre und der Parkplatz ist gestossen voll. Wir haben keine Lust auf das Gedränge und mit wunderschönen Erinnerungen an die zwei Gletscherseen setzen wir unsere Reise fort.

Erfreut, dass das gute Wetter so lange gehalten hat, gönnen wir uns in einem Hafenrestaurant des Städtchens Höfn ein feines Nachtessen. Während der Nacht beginnt es dann doch zu regnen und das Wetter hält sich mit Sturmwinden, Dauerregen und knappen 5° C minutiös an den Wetterbericht.

Wieder bei Sonne und milderen Temperaturen geht unsere Reise nach zwei Tagen Pause weiter. Einige Kilometer auf der Ringstrasse später zweigen wir auf die 981 nach Vestrahorn ab und treffen kurz darauf auf einen wunderschönen, tiefschwarzen Sandstrand. Die Luft ist klar und frisch und weissgekrönte Wellen rollen in rascher Folge in die weite Bucht.

Mittlerweile ist es wieder einmal Zeit für etwas Kultur. Diese ermöglicht uns das Freiluft-Kunstwerk «Eggin í Gleðivík», das seit August 2009 im Hafenstädtchen Djúpivogur in der Bucht Gleðivík steht. Das Werk wurde vom isländischen Künstler Sigurður Guðmundsson geschaffen und besteht aus 34 steinernen Nachbildungen von Eiern von Vögeln, die in der Umgebung des Ortes brüten.

Auf unserer Fahrt entlang der Ostfjorde herrscht mehrheitlich garstiges Wetter und wir sind entsprechend zügig unterwegs. Die Kulisse aus Bergen, deren Gipfel in den letzten Tagen mit Neuschnee verziert wurden und die herbstliche Farbenpracht der Berghänge hellen die eher triste Stimmung etwas auf.

Island – Woche 4 (braun)

Für uns wird es Zeit den Nationalpark zu verlassen und nach Reykjavík aufzubrechen. So installieren wir uns nach einem Zwischenhalt in Akranes auf der etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Reykjavík gelegenen Eco Campsite.

Die Eco Campsite liegt verkehrstechnisch so, dass die Innenstadt von Reykjavík innert nützlicher Frist zu Fuss erreichbar ist. Allerdings grenzt der Platz an mehrere Sportanlagen, was zu einer ungewohnten Geräuschkulisse führen könnte. Quasi als Entschädigung gibt es gleich nebenan ein Open Air Thermalbad.

Nach einer unerwartet ruhigen Nacht machen wir uns anderntags zeitig auf den Weg in die Innenstadt. Unterwegs treffen wir auf Höfði, ein hübsches eher unscheinbar wirkendes Gebäude, das 1909 im Auftrag Frankreichs für den französischen Konsul erbaut wurde. In den Räumen dieses Hauses fand vom 10. bis 12. Oktober 1986 «The Reykjavik Summit» statt. Jenes geschichtsträchtige Treffen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, in dessen Rahmen sich die beiden die Hände reichten, was zusammen mit weiteren bedeutenden politischen Ereignissen zu einem vorübergehenden Ende des Kalten Krieges geführt hat.

Weil in der berühmten Hallgrímskirkja gerade der Sonntagsgottesdienst stattfindet, spazieren wir durch die Gassen der Altstadt zum Hafen, in dem die Harpa, das neue Kultur- und Kongresszentrum Reykjavíks liegt. Am frühen Nachmittag kommt unerwartet ein kalter Wind auf, der innert kürzester Zeit Regen bringt. Bei einem Kaffee in einem gemütlichen Altstadtrestaurant wärmen wir uns auf und kehren anschliessend zum Campingplatz zurück. Kaum sind wir dort angekommen, scheint wider Erwarten wieder die Sonne.

Nach einigem Hin und Her beschliessen wir, unseren Aufenthalt im zurzeit eher ungemütlichen Reykjavík abzukürzen und Richtung Süden zu fahren. Nach einer wettermässig und landschaftlich äusserst kurzweiligen Fahrt erreichen wir den im Vulkansystem Krýsuvík liegenden Kleifarvatn. Der Kleifarvatn ist der drittgrösste See Südislands und mit 97 Metern einer der tiefsten Seen der Insel überhaupt. Die pechschwarzen Strände des Sees bilden einen attraktiven Kontrast zum strahlenden Blau des Wassers und den mit grünem Moos überzogenen Bergflanken.

Wenige Kilometer südwestlich des Kleifarvatn macht das Solfatarengebiet Seltún mit Schwefel- und Dampfschwaden und auf sich aufmerksam. In leuchtend orangenen Hängen brodeln heisse Wasserquellen und vulkanische Gase und Wasserdampf entweichen zischend aus Solfataren und blubbernden dunkelgrauen Schlammtöpfen. Einmal mehr sind wir tief beeindruckt von der gewaltigen Kraft der Natur.

Einige Kilometer weiter erreichen wir den Strand von Selvogur und sind damit an der Südküste Islands angekommen. Bevor wir uns am nächsten Morgen auf den Weg ins Vulkangebiet Fagradalsfjall machen, besuchen wir die ganz in der Nähe stehende Strandarkirkja. Diese kleine Kirche ist eine der bekanntesten Islands. Der Legende nach wurde die erste Kirche an dieser Stelle im 12. Jh. von Seeleuten erbaut aus Dankbarkeit für ihre wundersame Rettung aus einem vor der Küste tobenden Sturm. Die heutige aus dem Jahr 1888 stammende Kirche steht, wahrnehmbar Frieden, Harmonie und Ruhe ausstrahlend, nur wenige Meter von der Küste entfernt.

Nach diesem meditativen Zwischenhalt fahren wir ins Gebiet Fagradalsfjall in der Nähe von Grindavík. In dieser Gegend sind in den Jahren 2021, 2022 und letztmals im Frühjahr 2023 Vulkane ausgebrochen. Dabei ergoss sich die Lava in mehrere der umliegenden Täler und füllte diese teilweise auf. Das Gebiet ist heute über Wanderrouten gut erschlossen und frei zugänglich. Die auf dem Parkplatz anwesenden Ranger erklären die verschiedenen Routen und beantworten geduldig und kompetent Fragen zu Entstehung und aktueller Aktivität der verschiedenen Vulkane. Wir entscheiden uns für die Tour zum Aussichtspunkt Stóri Hrútur. Der Hinweg führt über mehrere Hügelkämme und bietet einen guten Überblick über das vulkanisch aktive, immer noch rauchende Gebiet sowie einen fantastischen Weitblick Richtung Meer und ins Landesinnere. Das Wetter ist strahlend schön und die Sicht hervorragend. Den Rückweg zum Parkplatz wählen wir durch die Talsohle entlang der teilweise noch rauchenden Lava des Ausbruchs von 2021. Es ist eine eindrückliche Tour, die hautnah vermittelt, wie schnell sich Landschaften hier verändern können. Seit Dezember 2023 ereignen sich am Sundhnúkur, der etwas westlich des Gebietes Fagradalsfjall liegt, wieder Vulkanausbrüche. Betroffen ist vor allem das Städtchen Grindavík.

Dieses Städtchen durchqueren wir im Anschluss an unsere Wanderung zwischen den Vulkanen, um den Kontinentalgraben, der auch hier im Süden sichtbar ist, noch einmal wahrzunehmen. Beim Graben angekommen, überqueren wir die Brücke, welche die beiden Kontinente an dieser Stelle gleichsam miteinander verbindet. Wir pendeln also zwischen zwei Kontinenten hin und her. Was für ein Gefühl…

Mittlerweile ist es höchste Zeit, dass wir uns auf den Weg nach Osten machen. Bei prächtigem Wetter fahren wir via Eyrarbakki (Route 34) nach Selfoss und auf der Ringstrasse nach Hella. Bei Regenwetter geht es dann weiter bis nach Vík í Mýrdal. Unterwegs sind die bekannten Wasserfälle Seljalandsfoss und Skógafoss zu finden, die auch bei Nieselregen einen ganz akzeptablen Eindruck hinterlassen.

Für die nächsten paar Tage werden wieder Sonne und warme Temperaturen vorausgesagt. Wir nutzen die guten Verhältnisse für Touren ins südliche Hochland und gespannt machen wir uns am nächsten Morgen beizeiten auf den Weg zum Langisjór. Die Fahrt beginnt mit einigen Kilometern auf der Ringstrasse, die hier riesige mit Jahrhunderte alten Moospolstern überwachsene Lavafelder durchquert. Die Felder strahlen silbern im Licht der aufgehenden Sonne und wie Diamanten glitzern tausendende am Moos hängen gebliebene Regentropfen durch den Dunst eines feinen Morgennebels. Ein zauberhafter Willkommensgruss des herbstlichen Morgens.

Die Route zum Langisjór führt von der Ringstrasse auf die F 208. Dieser folgen wir für ca. 45 Kilometer und zweigen dann für weitere knapp 25 Kilometer auf die F 235 ab. Erst führt unser Weg durch Weideland, das abgelöst wird durch faszinierende, zum Teil märchenhaft anmutende Gegenden, in der mit dicken Schichten von Moos überwachsenes Lavagestein vielgestaltige Skulpturen geschaffen hat. Die Vorstellung, dass Trolle und Feen hier zu Hause sind, scheint irgenwie immer glaubhafter. Je höher wir kommen, desto spärlicher wird die Vegetation, bis sie fast nur noch aus Moos besteht, das die Hänge der Berge und die Gebiete um die Flüsse mit grünen Polstern überzieht. Ansonsten herrscht auf dieser Höhe die farbliche Gleichförmigkeit der aus Sand und Lavakies bestehenden Ebenen des Hochlandes, die dann und wann von einem Flusslauf oder dem Blau eines fernen Sees durchbrochen wird.

Nach einigen Stunden abwechslungsreicher und oft anspruchsvoller Fahrt auf unbefestigten Pisten kommen wir am Langisjór an. Wir können uns kaum sattsehen an der grandiosen Aussicht über die einzigartige Seenlandschaft, die bis an den Vatnajökull reicht. Allerdings bläst uns über den See ein starker und empfindlich kalter Wind entgegen, der uns veranlasst, diesen bemerkenswerten Ort nach einer ausgiebigen Rast wieder zu verlassen.

Während der Rückfahrt sind die Verhältnisse wieder perfekt und am späten Nachmittag sind wir zurück auf der Ringstrasse. Diese verlassen wir kurz vor der Ortschaft Kirkjubæjarklaustur, um die Schlucht Fjaðrárgljúfur zu besichtigen. Der ca. zwei Kilometer lange Canyon entpuppt sich als veritables Kleinod. Am Fuss der bis zu 100 Meter hohen senkrechten aus Palagonitgestein bestehenden Felswände fliesst die tiefblaue Fjaðrá gemächlich Richtung Meer, während die Strahlen der untergehenden Sonne die Vegetation und die einmaligen Felsformationen mit einem feinen goldenen Schimmer überziehen. Ein strahlender Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.

Die Tour am nächsten Tag führt uns zu den Laki-Kratern. Diese befinden sich ebenfalls im südlichen Hochland, quasi parallel zum Langisjór. Die Laki-Krater werden dem Vulkansystem des Grímsvötn zugerechnet, da dieser 1783 gleichzeitig mit den Laki-Kratern ausbrach. Der Vulkan Grímsvötn liegt verborgen im Gletscherschild des Vatnajökull. Er ist einer der aktivsten Vulkane Islands und bricht ca. alle zehn Jahre einmal aus.

Unsere Route führt anfangs entlang der gestern Abend besuchten Schlucht Fjaðrárgljúfur. Da die Pisten F 206 (Lakavegur) und F 207 (Lakagígavegur) zum Teil sehr eng sind und oft durch scharfes Lavagestein führen, sind sie fahrtechnisch anspruchsvoller als jene zum Langisjór. Wir lassen uns Zeit, was jener Person, die heute nicht fährt, Gelegenheit gibt, sich der Schönheit der Natur etwas eingehender zu widmen. Als wir die Gegend der Laki-Krater erreichen, übertrifft die Szenerie in ihrer Einmaligkeit alles, was wir bisher auf Island gesehen haben.

Wie von Riesenhand aufgestellt, reihen sich die Vulkankrater kilometerlang aneinander. Die bis zu 140 erloschenen Krater sind von silbrig grünem Moss überzogen, das einen starken Kontrast zum schwarzen sandigen Boden, dem Vulkangestein und dem tiefblauen Himmel bildet. Dazu scheint die Sonne und es ist fast windstill und angenehm mild. Ein grossartiges Erlebnis in einer auf einer gewaltigen Naturkatastrophe beruhenden faszinierenden Umgebung.

Wir könnten hier gut und gerne einige Tage und Nächte verbringen. Dagegen spricht, dass für den kommenden Tag ein Wetterumschwung vorhergesagt ist. So geniessen wir jede Minute unserer Zeit in dieser einzigartigen Landschaft. Tief beeindruckt machen wir uns am späteren Nachmittag auf den Weg zurück an die Küste. An der Ringstrasse angekommen, fahren wir noch bis zum Campingplatz Svinafell in der Nähe des Skaftafell-Nationalparks.

Island – Woche 3 (rot)

In Hvammstangi endet unsere Fahrt über den Arctic Coast Way. Bei Regen und Temperaturen um die 4° C machen wir uns auf den Weg nach Hólmavík, unserer ersten Destination in den Westfjorden. Das Wetter hält sich strikt an die Prognosen. Das bedeutet mehrere Tage Regen, was uns Gelegenheit gibt, ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen. Bald entdecken wir, dass sich in der Sportanlage neben dem Campingplatz, ausser einem 30-Meter-Pool auch eine kleine Wellnessanlage befindet. Ohne zu zögern, nehmen wir dieses Angebot an und lassen Regen und Wind Wetter sein…

Beim Besuch des Hexerei-Museums von Hólmavík erhalten wir anderntags einen anschaulichen und informativen Einblick in den isländischen Umgang mit Hexerei und in die Art und Weise, wie die Hexenverfolgung auf Island gehandhabt wurde.

Trotz Regen und Wind fahren wir nach zwei Tagen über die weiten und einsamen Hochebenen der Steingrímsfjarðarheiði Richtung Ísafjörður. Vor in Wolken gehüllten Bergen präsentieren sich die Hochmoore schon in leuchtenden Herbstfarben. Die Stimmung ist mystisch und in der Frühe des Morgens herrscht absolute Ruhe. Etwas weiter des Wegs treffen wir auf den ersten, der für Islands Westfjorde typischen fast parallel zueinander verlaufenden Meeresarme. Auf der Höhe von Reykjanes machen wir Pause und besuchen das SALTVERK. Hier – irgendwie im Nirgendwo – produzieren knapp ein Dutzend Personen Salzspezialitäten, die in unterschiedlichste Länder exportiert werden und dort in Feinschmeckerläden und Profiküchen anzutreffen sind. Die zur Herstellung des Salzes erforderliche Energie stammt ausnahmslos von heissen Quellen, die in unmittelbarer Nähe der Produktion gefasst werden. Spontan erhalten wir eine Führung durch den Betrieb und erstehen im Anschluss einige Töpfchen des kostbaren Gutes.

Da das Wetter stündlich besser wird, nutzen wir unseren nächsten Halt für einen Spaziergang zum Valagil Wasserfall und erreichen kurz darauf die Hafenstadt Ísafjörður, in der zurzeit etwa 2750 Personen wohnen. Die Fischerei, die früher den wichtigsten Wirtschaftszweig von Ísafjörður darstellte, wird zunehmend durch die boomende Tourismusindustrie ersetzt. Dies umso mehr, als seit einiger Zeit während der Sommermonate zahlreiche Kreuzfahrtschiffe im gut geschützten und entsprechend ausgebauten Hafen anlegen. Die Bedeutung des Tourismus lässt sich auch am Campingplatz erkennen. Dieser befindet sich in einem hervorragenden Zustand und ist sehr gut ausgestattet. Zudem liegt er äusserst attraktiv just unterhalb des Wasserfalls Bunárfoss.

Wir verlassen Ísafjörður und besuchen die weiter westlich liegenden Ortschaften Flateyri und Þingeyri. Beide liegen an einem Fjord und leben ebenfalls hauptsächlich von der Fischerei und vom Tourismus. Die beiden Ortschaften machen zurzeit allerdings einen verschlafenen Eindruck, was wir nach einigem Überlegen dem Sonntagmorgen zuschreiben…

Das kleine Flateyri erreichte traurige Berühmtheit, als sich am 26. Oktober 1995 aus dem Eyrarfjall oberhalb des Ortes eine Lawine löste. Diese begrub 45 Menschen unter sich, von denen 20 ihr Leben verloren. In der Folge wurde über dem Ort eine riesige Lawinenverbauung errichtet.

Das Wetter zeigt sich mittlerweile von seiner besten Seite. Die Luft ist klar und frisch und das fast schon kitschige Blau der Fjorde wetteifert mit dem leuchtenden Grün der Wiesen.

Zu den berühmten Dynjandi Wasserfällen am Arnarfjörður nehmen wir von Þingeyri aus die 626 über den Pass, statt den 2020 eröffneten Tunnel Dýrafjarðargöng zu benutzen. Der Umweg belohnt uns mit spektakulären Ausblicken auf die Fjorde beidseitig des Passes. Bei den Wasserfällen herrscht reger Betrieb. Das verwundert nicht, da sie zu den attraktivsten Fällen Islands zählen und auf dem Programm vieler Islandreisenden stehen. Vor allem jedoch, weil sie seit der Eröffnung des Tunnels ein Tagesausflugsziel von Islandkreuzfahrten sind, deren Schiffe in Ísafjörður anlegen.

Ein Grossteil der Isländer und Isländerinnen sind begeisterte Fans von Museen und Kunst. Die Bandbreite entsprechender Einrichtungen reicht dabei von modernsten Institutionen bis hin zu schrullig kuriosen Kleinstsammlungen und Ausstellungen in einfachen privaten Räumen oder unter freiem Himmel.

Wir haben uns unter anderem für den Besuch des ca. 25 Kilometer nordöstlich von Bíldudalur liegende Freiluftmuseum mit den Gebäuden und dem Skulpturengarten des Künstlers Samúels Jónssonar entschieden. In fast totaler Abgeschiedenheit liegt das Museum am Anarfjörður in Selárdalur ganz in der Nähe eines weissen Sandstrandes und entschädigt in seiner Einmaligkeit mehrfach für die relativ lange Anfahrt auf der unbefestigten Strasse. Als einzige Anwesende können wir uns frei zwischen den ungesicherten Bauten und Kunstwerken bewegen und informieren uns in der von Samúels Jónssonar errichteten Kirche eingehend über dessen Leben und Werk. Zum Abschluss des Tages geniessen wir am Strand den Sonnenuntergang und während der mit knapp 3° C recht frischen Nacht erhaschen wir unsere ersten Nordlichter.

Allenfalls als Folge der Kälte zieht es uns am Morgen zu den heissen Quellen in der Nähe von Tálknafjörður. Und schon kurze Zeit später räkeln wir uns mit einer spektakulären Sicht auf den Patreksfjörður und die gegenüberliegenden Berge im herrlich warmen Wasser.

Erfrischt und entspannt fahren wir nach einem Zwischenhalt in Patreksfjordur weiter zum roten Strand Rauðasandur und der Bucht von Melanes. Die Route 614 führt in beeindruckenden Steigungen und ein paar engen Kehren über den Pass auf die Südseite der Westfjorde. Nach der letzten Kurve öffnet sich unvermittelt eine grandiose Aussicht auf das hellblaue Meer und den kilometerlangen goldorangenen Sandstrand. Am Strand geniessen wir auf der dank Ebbe riesigen Sandebene den warmen Sand unter den Füssen und die Nachmittagssonne im Gesicht. Der idyllisch am Strand von Melanes gelegene Campingplatz ist auch jetzt in der Nachsaison gut besetzt. Wir folgen dem Beispiel der Campierenden und erkundigen uns nach einem Platz für die Nacht.

Die Weiterreise führt uns erst zurück an den Patreksfjörður, dann über die Kleifaheiði an die Südküste der Westfjorde. Die Südküste wird landwirtschaftlich genutzt und die leuchtend grünen Wiesen der weitläufigen Höfe reichen oft fast bis ans Meer. Weidende Schafe sind auch hier allgegenwärtig und nun, da wir uns wieder in klimatisch gemässigteren Gegenden befinden, treffen wir auch wieder auf die berühmten Pferde. Nach einer Übernachtung auf dem Stellplatz des Hofes Miðjanes einige Kilometer östlich der Gemeinde Reykhólar verlassen wir nach einer guten Woche die faszinierend schönen Westfjorde.

Unterwegs an die Nordküste der Halbinsel Snæfellsnes besuchen wir das Museum Eiríksstaðir das einige Kilometer westlich der Route 60 kurz hinter dem Haukadalsvatn liegt. Hier wurde das Wohnhaus des Vikingers Eiríkur rauði Þorvaldsson bzw. Erik des Roten nachgebaut. Es wird angenommen, dass er zwischen dem 9. und 10. Jh. zeitweise mit seiner Familie hier gewohnt hat. Das Haus ist heute ein Museum, in dem wir gebannt den Schilderungen einer Studentin lauschen, die uns unterhaltsam und mit viel Humor die harschen Lebensbedingungen der Bevölkerung Islands zur Zeit von Erik dem Roten näherbringt. Durch die lebendige Beschreibung der prekären Lebensbedingungen und des Alltags von Erwachsenen und Kindern während der langen Winter in der stickigen Enge eines fensterlosen Erdhauses werden die Verhältnisse der damaligen Zeit für uns fast körperlich spürbar. Begeistert vom umfassenden Wissen und der natürlichen Art der Erzählerin verbringen wir gut und gern zwei Stunden am Feuer dieser kleinen Behausung.

Auf unserer Fahrt entlang der Nordküste von Snæfellsnes machen wir in der kleinen Hafenstadt Stykkishólmur Pause und besichtigen den kleinen Hafen, von dem die Fähre nach Brjánslækur an der Südküste der Westfjorde ausläuft. Der an unserer Route liegende 463 Meter hohe Kirkjufell, hat sich Dank der sozialen Medien in den letzten Jahren zu einem der meistfotografierten Berge Islands entwickelt. Auch wir können dem Reiz, hier ein Foto zu machen nicht widerstehen, obwohl die hohe Parkplatzgebühr ein guter Grund wäre, darauf zu verzichten… Kurze Zeit später richten wir uns mit Sicht auf den Vulkan Snæfellsjökull auf dem komfortabel ausgestatteten Campingplatz bei Hellissandur ein.

Die weitere Erkundung der Halbinsel Snæfellsnes beginnen wir mit dem Besuch des Svöðufoss, in dessen Hintergrund sich der den Osten der Halbinsel dominierende Snæfellsjökull zurzeit bescheiden in Wolken hüllt. Anschliessend spazieren wir über weisse und schwarze Sandstrände, bewundern zerklüftete Küsten mit eindrücklichen Felsformationen und die dazugehörigen Leuchttürme, wie den leuchtend orangenen Skálasnagaviti oder den imposanten Malarrífsviti. Eine kurzer äusserst lohnender Spaziergang führt uns von Útsýni über den schwarzen Kieselstrand Djúpalónssandur und über malerische Klippen zu den wenigen Überresten der ehemaligen Siedlung Dritvík. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert existierte hier jeweils im Frühjahr eine florierende saisonale Fischereibasis von nationaler Bedeutung, die mehrere hundert Personen beschäftigte.

Als Abwechslung zu den Küsten steigen wir im Landesinnern auf den Saxhóll Krater. Dabei handelt es sich um einen erloschenen Vulkan, der anhand einer Metalltreppe erschlossen und somit problemlos erreichbar ist. Die Erschliessung ist modern und attraktiv und steht als Beispiel für ähnliche Bauten, die aufgrund der stetig wachsenden Zahl von Reisenden erforderlich werden, um die Natur zu schützen.

Die Strecke nach Bogarnes, das südlich der Halbinsel Snæfellsnes am Borgarfjörður liegt, fahren wir an einem strahlend schönen Tag, an dessen Ende wir uns wieder in der Nähe des Golden Circle befinden. Fährt man von Bogarnes auf der Ringstrasse nach Reykjavík weiter, überquert man die Borgarfjarðarbrú, die mit 520 Metern längste Brücke Islands.

Vorerst geht die Reise für uns Richtung Langjökull, dem mit ca. 932 km2 zweitgrössten Gletscher Islands. Auf dem Weg dorthin bestaunen wir die heisse Quelle von Deildartunguhver. Pro Sekunde liefert diese Quelle ca. 180 Liter etwa 100° C heisses Wasser. Damit ist sie die potenteste Heisswasserquelle Europas. Das heisse Wasser wird in den umliegenden Ortschaften und Thermalbädern genutzt. Aber auch die Bevölkerung etwas grösserer Städte wie Bogarnes oder Akranes heizt und wäscht mit der hier aus dem Boden sprudelnden thermischen Energie. In der 64 Kilometer weiter südlich liegenden Stadt Akranes ist das per Pipeline ankommende Wasser immer noch 78 bis 80° heiss.

Der Wasserfall Hraunfossar ist ein weiteres eindrucksvolles Phänomen der Natur. Obwohl nirgends ein Zufluss in die Lavafelsen auszumachen ist, strömt hier über eine Länge von ca. 700 Metern Wasser, das vom Langjökull stammt, in unzähligen kleinen Wasserfällen aus dem Lavafeld Hallmundarhraun in den weiter unten dahinfliessenden eisblauen Fluss Hvítá.

Bald nach dem Spaziergang bei den Wasserfällen erreichen wir Húsafell. Hier in der Nähe des Langjökulls herrscht reichlich Betrieb, da unterschiedlichste Erlebnisse und Attraktionen angeboten werden. Zum Beispiel besteht die Möglichkeit, sich per Offroad-Shuttle an den Fuss des Gletschers bringen zu lassen, um von dort an Aktivitäten auf und im Gletscher teilzunehmen.

Wir entscheiden uns, die Nähe der Gletscher auf der 550 bzw. der Kaldidalur oder Kaldadalsvegur zu suchen. Die Kaldidalur ist eine Schotterpiste, die durch das steinige und zurzeit fast vegetationslose gleichnamige Hochtal zwischen dem Borgarfjörður im Westen und dem Gebiet Þingvellir weiter im Süden führt. Im Gegensatz zu anderen Routen durch das zentrale Hochland ist sie mit einem geeigneten Fahrzeug auch ohne Allrad befahrbar, da keine Furten zu durchqueren sind. Nach ca. 20 Kilometern legen wir einen Halt ein und wandern auf den 1198 Meter hohen Ok. Bis im Jahr 2014 war der obere Teil dieses Vulkans noch von einem Gletscher bedeckt. Heute ist ausschliesslich im Krater noch Eis zu finden. Es wird eine gemächliche Wanderung auf einen unspektakulären Berg. Das Wetter hingegen ist perfekt und die Aussicht auf die Gletscher des Þórisjökull auf der anderen Seite des Tales ist einzigartig.

Während der letzten Kilometer unserer Fahrt zum Campingplatz in Þingvellir geht langsam die Sonne unter. Es ist ein herrlicher Abend, der zusammen mit den einige Stunden später am Himmel erscheinenden Polarlichtern unvergessen bleibt.

Ausgiebig erkunden wir in den folgenden Tagen den Nationalpark Þingvellir und die Gegend um den Þingvallavatn, den grössten natürlichen See Islands. Wir staunen über die Vielfalt der sich immer wieder anders präsentierenden Natur um den See und schlendern durch den berühmten Almannagjá Graben vorbei am Öxarárfoss, der sich ziemlich fotogen über die Basaltfesen in den Graben stürzt.

Island liegt direkt auf dem westlichsten Teil des mittelatlantischen Rückens, der die Grenze zwischen der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatte markiert. Die Insel ist der einzige Ort der Erde, an dem der mittelatlantische Rücken über dem Meeresspiegel liegt und daher an vielen Stellen gut sichtbar ist. Die einmalige Landschaft des Nationalparks mit ihren Rissen, Gräben und Schluchten ist aufgrund des kontinuierlichen Auseinanderdriftens der beiden Kontinentalplatten entstanden. Pro Jahr driften die Platten ca. 2 cm auseinander. Die dadurch entstandenen unzähligen, Spalten und Gräben sind zum Teil mit kristallklarem Wasser gefüllt, das von den Gletschern des 50 Kilometer entfernten Langjökulls stammt. Es kann bis zu hundert Jahre dauern, bis das Gletscherwasser gefiltert durch das poröse Lavagestein, Spalten Gräben und Schluchten mit Grundwasser füllt und den Þingvallavatn mit reinstem Quellwasser speist.

Die Auswirkungen der Plattenbewegungen sind an mehreren Orten deutlich sicht- und wahrnehmbar. So zum Beispiel im Almannagjá Graben, der ebenfalls aufgrund der Plattenbewegungen entstanden ist. Die Schlucht verändert sich laufend und die breiter werdenden Spalten müssen zum Beispiel mit Brücken gesichert werden. Äusserst eindrücklich sind die Veränderungen auch in der Silfra-Spalte erlebbar, wo es möglich ist, im glasklaren Wasser zwischen den tektonischen Platten zu tauchen oder zu schnorcheln. Wir können mehrere Gruppen beobachten, die sich im 2° bis 4° C kalten Wasser zwischen den Kontinenten tummeln.

Þingvellir mit der Almannagjá Schlucht (Allmännerschlucht) ist ferner einer der historisch bedeutendsten, wenn nicht der historisch wichtigste Ort Islands. Mit Alþingi wurde hier im Jahr 930 das erste isländische Parlament gegründet, das damit das älteste und am längsten fortbestehende demokratische Parlament der Welt ist. Viele bedeutsame historische Ereignisse haben hier stattgefunden. Alþingi tagte bis 1798 in Þingvellir. Im Jahr 1800 wurde Alþingi nach Reykjavík verlegt. Die moderne isländische Republik jedoch wurde 1944 in Þingvellir gegründet. Für die Isländerinnen und Isländer ist Þingvellir der Ort der Entstehung ihrer Nation.

Island – Woche 2 (gelb)

Der Goðafoss liegt nahe der Ringstrasse und ist daher einer der meistbesuchten Wasserfälle Islands. Auch wir statten ihm einen Besuch ab, bevor wir auf die 842 abbiegen und kurz vor Sonnenuntergang unseren Stellplatz beim Kiðagil Guesthouse erreichen.

Die F 26 bzw. die Sprengisandsleið ist die längste der drei isländischen Hochlandpisten. Als Nord-Süd-Verbindung verläuft sie quasi durch die Mitte Islands. Dabei führt sie zwischen den beiden Gletschergebieten Hofsjökull und Vatnajökull hindurch. Bei der Farm Myri geht die 842 in die F-26 über, die bis zum Aldeyjarfoss auch für Busse und normale Personenwagen ausgebaut ist. Kurz nach dem Wasserfall ist sie dann unbefestigt und nur noch mit 4 x 4 Fahrzeugen zu befahren.

Der Aldeyjarfoss belegt einen der vordersten Plätze auf unserer Rangliste der Wasserfälle Islands. Flankiert von unzähligen kunstvoll arrangierten Basaltsäulen, die den tosenden Wassermassen Spalier stehen, stürzt sich der vom Vatnajökull kommende Skjálfandafljót 20 Meter in die Tiefe.

Dann beginnt die Fahrt über die aus Geröll, Lavakies, Sand und Asche bestehenden endlos scheinenden Ebenen des zentralen Hochlandes, das sich auf 600 bis 800 Metern über Meer befindet. Ein stetiges auf und runter durch Täler und über Hügelzüge. Nur wenige Polsterpflanzen und um diese Jahreszeit goldgelb leuchtende, sich eng auf die sandig kieselige Oberfläche schmiegende Kleinstgehölze halten den hier herrschenden harschen Bedingungen stand. Unterbrochen wird die grauschwarzbraune Einsamkeit von Flussläufen, die als blausilbern glitzernde Bänder durch grüngelbe Moosebenen mäandern oder sich ihren Weg oft unsichtbar durch tiefe Schluchten suchen. Dann und wann glitzert in der Ferne das Wasser eines Sees.

Bei Laugafell, einer der kleinen grünen Oasen, die ab und zu anzutreffen sind, befindet sich ein Campingplatz. Als optimale Ergänzung ist in einem natürlichen Becken eine Thermalquelle gefasst, die Aussicht auf ein anregendes Bad verspricht. Vorerst unterhalten wir uns ausführlich mit der jungen Studentin, welche die kleine Anlage während ihrer Semesterferien für einige Wochen beaufsichtigt und auf unsere Fragen viel Interessantes über die Geschichte der kleinen Siedlung zu berichten weiss. Nach einem ausgiebigen Bad im warmen Wasser und einer erfrischenden Pause setzen wir unsere Reise in den Süden fort.

Wenig später sind in der Ferne die Berge und Gletscher des Vatnajökull und des Hofsjökull rechts der F 26 zu erkennen. Nach der Durchquerung von zwei letzten Furten erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang die Gebäude von Nýidalur, die am Fuss des Tungnafellsjökull stehen. Dieser ist mit seinen Nebengipfeln dem Vulkan Bárðarbunga vorgelagert, dem mit 2009 Metern zweithöchsten Berg Islands und dem höchsten Gletschergipfel des Vatnajökull Nationalparks.

Aus der Vogelperspektive betrachtet, liegt Nýidalur ziemlich genau zwischen den beiden Gletschergebieten. Diese Lage wirkt sich fühlbar auf die Temperatur aus und mittlerweile ist es empfindlich kalt. So kuscheln wir uns nach einem Sandwich und einer Suppe in der gemütlichen Hütte umgehend in unsere Schlafsäcke im Churi.

Ziel unserer Fahrt ist das nun noch rund 130 Kilometer entfernte Gebiet Landmannalaugar. Landmannalaugar liegt im südlichen Hochland auf einer Höhe von ca. 600 Metern und ist Teil des Naturschutzgebietes Fjallabak. Der Besuch dieser Gegend ist ein Muss einer jeden Islandreise.

In gemächlichem Tempo setzen wir unsere Fahrt in den Süden fort. Aus der Ferne begleiten uns die Gletscher des Vatnajökull noch für einige Zeit und nach ca. 60 Kilometern erreichen wir den grössten Stausee Islands, den Þórisvatn. Ab hier ist die Piste befestigt und gut ausgebaut und wir kommen zügig voran. Vom Abzweiger auf die 208 sind es dann noch ca. 30 Kilometer bis ins Camp bei Landmannalaugar.

Der Verkehr ist nun bedeutend lebhafter, was gewöhnungsbedürftig ist, da wir auf der F 26 fast immer allein unterwegs waren. Überrascht weichen wir zum Beispiel einem grossen Reisebus aus, der ziemlich selbstbewusst die ganze Strasse für sich beansprucht. Je länger wir Richtung Süden unterwegs sind, desto spektakulärer wird die Landschaft und schon bald wird uns klar, wieso Landmannalaugar als eine der schönsten Gegenden Islands gilt.

Das weitläufige Camp von Landmannalaugar ist von Bergen umgeben und um zu den Stellplätzen zu gelangen, müssen wir noch zwei Furten durchqueren. Im Camp herrscht nun am späteren Nachmittag reger Betrieb. Wir erfahren, dass Landmannalaugar während des Sommers von Reykjavik aus auch mit dem ÖV zu erreichen ist. Damit erklärt sich unsere Begegnung mit dem Reisebus und die Anwesenheit mehrerer solcher Busse vor Ort. Im Camp befindet sich ausserdem ein Sanitätsstützpunkt, der mit beeindruckenden Spezialfahrzeugen ausgerüstet ist.

Landmannalaugar ist sensationell schön. Aus mehreren Bergflanken steigen Dampfwolken und die Ebene ist zum Teil von einem riesigen erstarrten Lavafluss überzogen. So erstaunt es uns nicht, dass auch hier eine heisse Quelle zum Baden einlädt. Allerdings ist diese anlässlich unseres nachmittäglichen Rundgangs durch das Camp schon dicht besetzt. Da wir ein paar Tage hier verbringen und die Gegend wandernd erleben wollen, verschieben wir dieses Vergnügen auf den nächsten Tag.

Beim Check-In informiert uns ein freundlicher junger Herr, dass eine landesweite Wetterwarnung ausgegeben worden sei. Es würden Sturmwinde von über 100 km/h erwartet. Für uns heisst das, dass wir unseren geplanten Aufenthalt abkürzen müssen. Allenfalls würde die Möglichkeit bestehen, den Sturm hier auszusitzen. Sollten wir das Camp verlassen wollen, müssten wir morgen gegen 12.00 Uhr mittags aufbrechen, um ausserhalb des Camps noch rechtzeitig einen sicheren Platz zu finden. Wir beschliessen, morgen Vormittag so oder so eine der geplanten Wanderungen zu machen und dann weiter zu entscheiden.

Zeitig brechen wir am andern Morgen auf, wandern über den Bláhnjúkur zum Brennisteinsalda und von dort zurück ins Camp. Der Himmel ist bedeckt und Nebelschwaden hängen zwischen den Bergen. Dann und wann schaffen es einige Sonnenstrahlen durch die Wolken. Das resultierende Farbenspiel ist atemberaubend schön. Berge und Hügel strahlen in Gelb- und Orangetönen und neongrünes Moos an Bergflanken und entlang von Flussläufen setzt zusammen mit dem Schwarz der Lavafelsen eindrückliche Farbakzente. Aufgrund geothermischer Aktivitäten raucht, zischt und faucht es aus kleineren Kratern, Spalten und Löchern. Als einziger nichtfarbiger Berg in Sichtweite steht majestätisch und fast etwas drohend mittendrin der grauschwarze Bláhnjúkur. Die Wanderung ist ein faszinierendes Erlebnis in einer einmalig schönen Umgebung.

Zurück im Camp erfahren wir, dass sich die Wetterlage weiter zugespitzt hat und das ganze Camp im Laufe des Nachmittags geräumt werden muss. Damit lösen sich unsere Wandertage in Landmannalaugar in Luft auf. Froh, dass wir diese einzigartige Gegend trotz allem kurz erleben konnten, verlassen wir am frühen Nachmittag das mittlerweile schon fast leere Camp. Das Bad in der heissen Quelle muss leider noch etwas warten…  

Auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz zweigen wir nach ein paar Kilometern von der F 225 Richtung Campingplatz Landmannahellir ab. In den sattgrünen Weideflächen begegnet uns eine Reitergruppe, die das noch freundliche Wetter sichtlich geniesst. Beim Campingplatz werden wir freundlich empfangen und umgehend wird uns ein geschützter Platz für die kommende Nacht angeboten. Ein Angebot, das wir gerne annehmen.  

Gleich neben unserem Camper stehen in einem Paddock gut und gern 80 Islandpferde. Wir folgen dem Beispiel der Pferde und stellen uns bzw. unser Auto mit dem richtigen Ende in den auffrischenden Wind. Noch auf dem Areal umherstehende Autos und Anhänger werden weggefahren und was nicht weggeräumt werden kann, wird festgebunden. Aktionen, die uns nun doch etwas beunruhigen. Wie zu erwarten, ist die Nacht sehr stürmisch. Zwar schützt uns unser Platz vor den heftigsten Winden. Trotzdem fühlen wir uns wie in einem Boot auf stürmischer See. In den frühen Morgenstunden lässt der Sturm nach und erleichtert stellen wir fest, dass rundum alles heil geblieben ist. Gut geschaukelt und nicht ganz ausgeschlafen verlassen wir diesen sympathischen Ort und seine hilfsbereiten Menschen ein paar Stunden später, um weiter Richtung Westen zu fahren.

Etwa 35 Kilometer von Landmannlaugar entfernt ragt der aktive Vulkan Hekla in den Himmel. Die immer noch starken Winde und die dicken Wolken, die den Gipfel einhüllen, sind überzeugende Argumente, auf die Wanderung zum Krater auf 1491 Meter zu verzichten.

Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch hellgrüne Hügel und Weideflächen, schwarzrotgraue Vulkangegenden und entlang von Flusslandschaften befinden wir uns wieder in stärker besiedelten Gegenden und damit auch in der Region des Golden Circle. In dieser Region befinden sich auf relativ kleiner Fläche zahlreiche touristische Sehenswürdigkeiten. Zudem ist der Golden Circle von Reykjavík aus einfach und schnell erreichbar. Das hat zur Folge, dass hier ganzjährig viel los ist.

Nach wie vor befinden wir uns im Bereich des Sturmtiefs. Entsprechend windig, kühl und regnerisch präsentiert sich das Wetter. Wir besuchen einige der Attraktionen vor Ort, wie das 1891 gegründete Naturbad Gamla Laugin in Flúðir, das Geothermalgebiet Haukadalur mit dem berühmten Geysir Strokkur und natürlich den Gulfoss, den Goldenen Wasserfall.

Hier stürzt sich der am Langjökull beginnende Gletscherfluss Hvítá über zwei elf bzw. 20 Meter hohe fast im rechten Winkel zueinanderstehende Kaskaden in eine mehr als zwei Kilometer lange und rund 70 Meter tiefe Schlucht. Je nach Wetter und Jahreszeit donnern hier pro Sekunde bis zu 1200 Kubikmeter Wasser in die Tiefe.

Die Gegend um Reykholt mutet an wie ein riesiger Dampfkochtopf unter Hochdruck. Allerorts steigen Dampfwolken aus der Erde. Ein Zeichen dafür, dass hier vielerorts knapp unter dem Boden bis zu 100° C heisses Wasser fliesst. Die im Überfluss vorhandene thermische Energie wird zunehmend auch für die Produktion von eigenem Gemüse genutzt, um Islands Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Entsprechende Produktionsbetriebe werden vom Staat mit Förderprogrammen unterstützt.

Laut Wetterbericht sind die Verhältnisse im Norden deutlich besser als hier im Süden. So entscheiden wir uns, über die Kjölur Hochebene zurück in den Norden zu fahren. Die F 35 bzw. die Kjalvegur ist die zweitelängste Nord-Süd-Verbindung durch das isländische Hochland. Die Route beginnt wenige Kilometer nördlich des Gullfoss und führt zwischen den beiden Gletschermassiven Langjökull und Hofsjökull hindurch nach Norden. Dort endet sie nach wenigen Kilometern Fahrt auf der 731 an der Ringstrasse.

Unterwegs wollen wir im Gebiet des Kerlingarfjölls ein paar Wanderungen machen und dabei auch das geothermische Gebiet Hveradalir besuchen. Bei garstigem Wetter nehmen wir die Fahrt in den Norden in Angriff. Die F 35 ist bedeutend einfacher zu fahren als die F 26. Allerdings ist die Piste gespickt mit unzähligen kleinen und grösseren, zurzeit mit Wasser gefüllten Schlaglöchern. Zudem sind im Vergleich zur F 26 fast schon massenhaft andere Autos unterwegs.

Als wir am in Nebel gehüllten 1204 Meter hohen Bláfell vorbeikommen, stellen wir fest, dass es in höheren Lagen geschneit hat. Auf der Strecke zur Abzweigung auf die F 347, die zum Kelingarfjöll führt, lässt der Regen nach. Der stürmische Wind hingegen bleibt uns erhalten. Für einen Wanderaufenthalt im bis zu 1500 Meter hohen Gebiet sind das ungünstige Voraussetzungen. So beschliessen wir, auch dieses Vorhaben in die Zukunft zu verschieben und steuern stattdessen das Hochtemperaturgebiet Hveravellir an. Dieses liegt etwas westlich der F 35 und ist über die F 735 einfach erreichbar.

Direkt am Parkplatz bei Hveravellir steht ein Denkmal von Magnús Tómasson, das an den wegen Diebstahls verurteilten Isländer Fjalla-Eyvindur bzw. Eyvindur Jónsson, (1714 bis 1783) erinnern soll. Überlieferungen zufolge ist dieser nach seiner Verurteilung mit seiner Frau Halla Jónsdóttir ins isländische Hochland geflohen. Dort sollen die beiden trotz der äusserst lebensfeindlichen Bedingungen mehr als 20 Jahre überlebt haben.

Mittlerweile schaffen es die ersten Sonnenstrahlen durch die tiefhängenden Wolken. Bei einem Wettermix aus stürmischen Winden, Regenschauern und sonnigen Zwischenspielen schlendern wir über attraktiv angelegte Holzstege, welche an Fumarolen, rauchenden Pyramiden und kleinen vor sich hin kochenden Geysiren vorbeiführen. Der schwarzgraue Himmel bildet einen starken Kontrast zu den leuchtenden durch Wind und Regen nochmals verstärkten Farben.

Wie angekündigt wird das Wetter besser, je weiter wir nach Norden kommen. Die Piste ist nun gut ausgebaut, da Hveravellir von der Ringstrasse aus auch mit kleineren Reisebussen erreichbar ist. Schon am späten Nachmittag richten wir uns in der Nähe von Varmahlíð auf dem Campingplatz Bakkaflöt ein. Der Platz liegt direkt am Fluss Húseyjarkvísl und bei angenehmen Temperaturen freuen wir uns über einen strahlenden Sonnenuntergang.

Einige Fahrten ins Hochland waren einer unserer Wünsche an unsere Islandreise. Dank des meist erfreulichen Wetters konnten wir uns diesen Wunsch gleich zu Beginn erfüllen. Unsere nächsten Ziele sind nun Akureyri und dessen Umgebung, um anschliessend auf dem Arctic Coast Way den westlichen Teil der Nordküste Islands zu erkunden.

In Akureyri, der zweitgrössten Stadt Islands, erhält unser Auto eine mehr als verdiente Dusche und anschliessend genehmigen wir uns in einem der vielen Restaurants der Innenstadt ein ebenfalls verdientes Mittagessen. Gut verpflegt spazieren wir dann durch die Strassen der beschaulichen Hauptstadt des isländischen Nordens und statten der im Jahr 1940 eingeweihten Kirche, die vom Staatsarchitekten Guðjón Samuelsson entworfen wurde, der auch die Hallgrímskirkja von Reykjavík gestaltet hat, einen Besuch ab.

Nachdem wir unsere Vorräte nachgefüllt haben, starten wir bei bestem Wetter Richtung Westen. Einen ausgedehnten Halt legen wir in Siglufjörður ein. Auf drei Seiten von Bergen umgeben liegt die kleine Stadt fast am äussersten Ende der Halbinsel Tröllaskagi. Bis zum Bau von zwei Tunnels, die Ólafsfjörður und Siglufjörður miteinander verbinden, war die Stadt über den Landweg nur schwer erreichbar.

Das Hering-Museum schliesst leider gerade, als wir dort eintreffen. Trotzdem erhalten wir von den zuständigen Personen die Gelegenheit, für einen schnellen Rundgang durch die anschaulichen und informativ gestalteten Ausstellungen. The Herring Era Museum thematisiert die Heringfischerei, die in Siglufjörður anfangs des 20. Jahrhunderts mit der Ankunft von norwegischen Heringsfischerboten startete. In der Folge entwickelte sich Siglufjörður innerhalb von vier Jahrzehnten zu einem Zentrum der Heringfischerei und zu einem der wichtigsten Häfen Islands. Aufgrund des intensiven Fischfangs reduzierte sich Mitte des 20. Jahrhunderts die Fangmenge stark. Nach einer vorübergehenden Erholung blieben die Heringe im Jahr 1969 wieder aus. Der folgende Zusammenbruch der Heringfischerei stürzte die von ihr abhängigen Städte in eine wirtschaftliche Krise. Siglufjörður musste sich neu erfinden.

Nach unserem Kurzbesuch im Museum schlendern wir gemütlich durch die attraktive Kleinstadt mit ihren vielen bunten Häusern, in der aktuell ca. 1300 Menschen leben. Die Heringfischerei hat heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Seit Siglufjörður ganzjährig gut erschlossen ist, gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung.

Die Fortsetzung unserer Fahrt führt uns weiter entlang wunderschöner Küstenlandschaften bis nach Hofsós, einer unauffälligen kleinen Ortschaft an der Ostküste der Halbinsel. Hier zieht es uns nach einer windigen und kühlen Nacht schon früh ins lokale Schwimmbad – sprich Thermalbad mit Hotpot. Die Anlage wurde direkt in die Steilküste gebaut und besteht aus einer Art Infinity-Pool, welcher vom selben Architektenteam gestaltet worden sein soll, wie die Blue Lagoon in der Nähe von Reykjavík.

Die Aussicht vom Hotpot auf den Fjord Skagafjörður, die Insel Drangey und die Bergkette der gegenüberliegenden Halbinsel Skagi ist atemberaubend. Das durch den Wind aufgewühlte Meer hebt sich in dramatischen Blautönen vom weissen mit schweren Wolken bedeckten Himmel ab. Bei knapp 10° C Aussentemperatur lassen wir uns vom 38° C warmen Wasser verwöhnen und kühlen uns zwischendurch im spektakulären Pool etwas ab. Während einer der Hotpot-Episoden ergibt sich ein interessanter Austausch mit Schülerinnen und Schülern einer 6. Klasse, die in dieser beeindruckenden Umgebung unaufgeregt ihren Sportunterricht absolvieren.

Anschliessend an diese erfrischende Begegnung bestaunen wir die Basaltsäulenformationen von Staðarbjargavík, just an der Küste unterhalb des Schwimmbades. Dieser Ort gilt als Hauptstadt der Elfen von Skagafjörður …

Unterwegs nach Hvammstangi an der Westküste der Halbinsel Vatnsness wartet in der Bucht Húnaflói Hvítserkur auf uns. Dieser als Troll von Nordwestisland bekannte 15 Meter hohe Basaltfelsen ist ausser als Fotosujet von Islandreisenden auch bei verschiedenen Vogelarten als Nistplatz sehr begehrt, was in der farblichen Erscheinung der Steinskulptur klar zum Ausdruck kommt.

Nach dem Rendezvous mit dem Troll wandern wir noch ein paar Kilometer der Küste entlang. Der Himmel ist bedeckt, doch von Zeit zu Zeit schickt die späte Nachmittagssonne ein paar Strahlen zwischen den dicken Wolkenbänken hindurch und sorgt zusammen mit den Wolken und dem für Island typischen Wind für eindrückliche Stimmungsbilder.

Island – Woche 1 (orange)

Die erste Etappe zu unserem heutigen Übernachtungsplatz führt nach Egilsstaðir, wo wir uns mit dem nötigen Proviant eindecken. Die Kosten für Lebensmittel sind in Island in etwa gleich hoch wie in der Schweiz. Dann geht die Fahrt weiter dem gut 25 km langen und 53 km2 grossen See Lögurinn bzw. Lagarfljót entlang bis zum Campingplatz beim Gästehaus Hengifoss. Grausilbern liegt der See unter dem wolkenverhangenen Himmel und hinterlässt einen fast etwas traurigen Eindruck.

Unterwegs zum Campingplatz kommen wir am Startpatz der Wanderung zum Hengifoss, dem hängenden Wasserfall, vorbei und nach einem kurzen Informationshalt steht unsere Aktivität für den morgigen Tag fest. Beim Gästehaus Hengifoss werden wir herzlich willkommen geheissen und geduldig in die isländischen Camping-Gepflogenheiten eingeführt. Wir scheinen für unsere erste Nacht auf Island einen schönen Ort bei guten Menschen gefunden zu haben.

Auf dem weitläufigen Platz sind wir fast allein und die Nacht ist entsprechend ruhig. Erfreulicherweise erwachen wir zu prächtigem T-Shirt-Wetter. Einer Wanderung zum Hengifoss steht also nichts im Weg. Der überschaubar und sicher angelegte Wanderweg zum Litlanesfoss und weiter zum Hengifoss ist mit Informationstafeln zur Entstehung der Wasserfälle und zur lokalen Geologie ausgestattet. Die imposante Höhe von 118 Metern macht den Hengifoss zum vierthöchsten Wasserfall Islands. Seinen einmaligen Charakter verleihen ihm jedoch die markanten roten Querstreifen, die aus eisenhaltigen Tonschichten bestehen. Wir freuen uns über die Sonne, die Wärme und die klare Fernsicht und natürlich über unsere ersten beiden Wasserfälle auf Island.

Einschub – Campingplatzpflicht

Auf Island besteht für jede Grösse von Campingfahrzeugen eine Campingplatzpflicht. Auf unserer Reise finden wir immer gut bis sehr gut eingerichtete, oft fantastisch gelegene Plätze zu angemessenen Preisen. Nachvollziehbarerweise sind Plätze in viel besuchten Orten oder in der Nähe von Sehenswürdigkeiten teurer und oft auch in der Nachsaisaon noch sehr gut belegt. Ausserhalb der touristischen Hauptattraktionen sind in der Nachsaison auf den Plätzen meist nur wenige Fahrzeuge anzutreffen. Plätze in abgelegeneren Gegenden sind je nach Wetter nach Mitte September schon geschlossen.

Das gute Wetter soll gemäss Wetterbericht noch ein paar Tage halten. So beschliessen wir, einen ersten Ausflug ins Hochland zu machen. Ziel ist der erloschene, im Untergrund jedoch aktive Vulkan Askja mit seinen beiden Kraterseen. Die Gegend um die Askia ist einer der touristischen Hotspots Islands. Die für die Fahrt notwendigen Informationen beschaffen wir uns im Snæfellsstofa Visitor Center, einem modernen erst kürzlich erstellten Informationszentrum in der Nähe des Hengifoss Gästehauses. Wir erhalten freundliche und umfassende Auskunft und starten umgehend auf unsere erste Fahrt ins legendäre Hochland Islands.

Auf dem ersten Abschnitt (Routen 910, F 910, 907, 923) lockt nach der Fahrt über die Staumauer des Hálslón Stausees die Schlucht Stuðlagil mit ihren bis zu 30 Meter hohen Basaltsäulen. Die Schlucht ist ihrer ganzen Tiefe erst sichtbar, seit der Fluss Jökla im Hálslón Stausee gestaut wird. Zuvor war sie und ihre spektakulären Säulen im Wasser der Jökla verborgen.

Leider stellt sich heraus, dass die Basaltsäulen zurzeit zu einem grossen Teil vom Wasser umspült werden, da jeweils im Spätsommer und Herbst der Pegel des Stausees künstlich abgesenkt wird. Unter diesen Umständen verzichten wir auf den geplanten Spaziergang dem Ufer der Jökla entlang und geniessen stattdessen die Aussicht von der dafür vorgesehenen Plattform. Denn auch mit nur teilweise sichtbaren Basaltsäulen ist die Schlucht definitiv einen Besuch wert.

Für die Nachmittagspause machen wir einen Abstecher nach Sænautasel – einem von 1843 bis 1943 bewirtschafteten Torfhof. Unerwartet treffen wir auf einen mystischen Ort am tiefblauen, in der Nachmittagssonne schillernden See Sænautavatn. Die Luft ist klar und mild und kaum angekommen, werden wir eingehüllt in den Duft tausender unsichtbar blühender Blumen und Kräuter. Eine bezaubernd schöne Erfahrung an einem mystischen Ort.

Von 1875 bis 1880 war der Hof Sænautasel verlassen, weil die Gebäude von den Aschemassen des im Jahr 1875 ausgebrochenen Vulkans Askja zu einem grossen Teil bedeckt worden waren. Ein Teil der Gebäude wurde später wieder aufgebaut und aktuell wird der Hof als Restaurant, Gästehaus und Museum genutzt. Wir lassen uns vom Besitzer mit delikaten Pfannkuchen, frisch geschlagenem Rahm, Erdbeerkonfitüre und heissem Cacao verwöhnen.

Nur widerstrebend verlassen wir Sænautasel und über die 907 und die 901 gelangen wir zur Möðrudalur á Fjöllum, der höchstgelegenen bewohnten Farm Islands. Von hier wollen wir am nächsten Morgen zeitig zur Askja aufbrechen. Auch dieser Ort präsentiert sich wie aus einer Werbebroschüre. Mit Gras bedeckte ehemalige Farmgebäude, die nun Gäste beherbergen, eine kleine Kirche, ein Restaurant, ein kleines Hotel, eine Autowerkstatt und ein paar wenige Wohnhäuser – alles gehalten in traditionellem Stil und eingebettet ins helle Grün einer Weidelandschaft, die umgeben ist von den düster dunklen Lavawüsten des Hochlandes. Auf dem weitläufigen Campingplatz finden wir schnell einen geeigneten Platz und bald schon sitzen wir bei bestem Wetter und angenehmen Temperaturen in den Strahlen der untergehenden Sonne.

Einschub – Strassenkategorien

Die Bezeichnung der isländischen Strassen besteht aus ein bis vier Ziffern. Die Ziffer 1 bezeichnet die Ringstrasse, die rund um die Insel führt. Sie ist durchgehend zweispurig mit Gegenverkehr und in einem ausgezeichneten Zustand. Autobahnen gibt es in Island nicht. Einzig in der Umgebung von Reykjavík existieren einige mehrspurige Strassen. Mit zwei Ziffern werden Hauptverbindungsstrassen bezeichnet und Nebenstrassen mit drei. Hauptverbindungsstrassen ebenso wie Nebenstrassen kommen in unterschiedlichen Ausbaustandards daher. Sie können asphaltiert oder mit Schotter befestigt und mit Kies abgezogen sein oder aus unbefestigten Pisten bestehen. Vier Ziffern stehen für Nebenstrassen, die wenig befahren werden und allenfalls sehr schmal sind. Auch diese sind unterschiedlich ausgebaut. Steht vor den Ziffern ein F (F 26, F 88, F 208) ist die entsprechende Strasse nur mit Off-Road Fahrzeugen zu befahren. Zum Teil stellen F-Strassen sehr hohe Anforderungen an die Fahrzeuge und oft sind auf solchen Strassen Furten zu durchqueren. Diverse F-Strassen sind nur mit speziell ausgerüstenten Jeeps passierbar.

Unsere Fahrt zur Askja beginnt bei Sonnenaufgang und wohlig warmen Temperaturen. Zuerst über die F 905 und später die F 910 durchqueren wir imposante von Vulkanen geschaffene Landschaften. Durchwegs ist sorgfältiges und konzentriertes Fahren angesagt, da das scharfkantige Lavagestein jederzeit einen Reifen aufschlitzen könnte. Unwirtlich, lebensfeindlich und trotzdem faszinierend schön ist die Natur, in der sich Gegenden aus erstarrten Lavaströmen mit Feldern voller dunkelgrauer Lavaskulpturen abwechseln. Dann wieder durchqueren wir schwarze und weisse Sandebenen. Diese gleichsam in sich ruhenden Landstriche werden durchbrochen von reissenden Flüssen wie der Jökulsá á Fjöllum oder der Kreppa, deren beunruhigend dunkle Schmelzwassermassen vom Vatnajökull kommend Richtung Meer toben.

Nach gut 100 Kilometern Fahrt kommen wir bei der kleinen Siedlung Drekaskáli an, die aus einem Gästehaus, einer Rangerstation und einem Campingplatz besteht. Die Dächer der wenigen Holzhäuser glänzen in der flimmernden Mittagssonne. Ansonsten beschränkt sich das Farbenspektrum unter dem tiefblauen Himmel fast gänzlich auf Beige-, Grau-, Braun- und Schwarztöne. Rein farblich gesehen, könnten wir uns auch auf dem Mond befinden…

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir den Parkplatz, von dem unser Spaziergang zur Askja und den Kraterseen startet. Mit einer Tiefe von 220 Metern ist der Öskjuvatn der tiefste Kratersee Islands. Gleich nebenan liegt Viti (Hölle). In diesem um vieles kleineren See beträgt die durchschnittliche Wassertemperatur 20° bis 30° C je nachdem, wo gemessen wird. Baden im milchig weissblauen Wasser der Hölle ist möglich für all jene, die sich vom steilen und rutschigen Abstieg sowie dem schwefligen Geruch nicht beeindrucken lassen. Wir verzichten auf das Bad und geniessen die leuchtenden Farben der Vulkanlandschaft, die spektakuläre Szenerie und das prächtige Wetter.

Für den nächsten Tag ist Regen vorausgesagt und auf der Fahrt zur Ringstrasse werden wir mehrere Furten antreffen. So fahren wir noch am Nachmittag weiter zum Campingplatz Þorsteinsskáli. Dieser liegt knapp 40 Kilometer Richtung Norden am Fuss des imposanten 1682 Meter hohen Berges Herðubreið. Wie ein Juwel liegt die grüne Oase Herðubreiðarlindir mitten in Steinwüsten, gerölligen Lavabergen und Sandebenen. Während die Sonne untergeht, lassen wir an einem der kleinen Bachläufe, in denen reinstes Quellwasser durch die üppige Flora gurgelt, die vielen Eindrücke und Erlebnisse des Tages Revue passieren.

Noch während wir uns am Morgen mit der Rangerin unterhalten, die Herðubreiðarlindir betreut, beginnt es zu regnen. Bis zur Ringstrasse sind es noch ca. 60 Kilometer Fahrt auf der F 88. Die Furten lassen sich gut durchqueren und der Regen hält sich netterweise in Grenzen. Da das Gebiet der Askja mit speziell ausgebauten Hochland-Reisebussen von Reykjahlíð aus ebenfalls besucht wird, ist die Piste zur Askja entsprechend ausgebaut. Folglich kommen wir zügig voran und nach ca. zwei Stunden abwechslungsreicher Fahrt erreichen wir die Ringstrasse. Von dort geht es weiter zum Mývatn, wo wir unsere erste Tour ins Hochland auf einem der Campingplätze von Reykjahlíð mit einer feinen Pizza feiern.

Am nächsten Tag steht die Besichtigung des Hochtemperaturgebiets Hverarönd (Námaskarð), das nur wenige Kilometer ausserhalb von Reykjahlíð liegt, auf dem Programm. Das ganze Areal ist in Schwefeldämpfe gehüllt und rundum blubbert, dampft und brodelt es ununterbrochen. In schwarzgrauen Teichen kocht Schlamm. Aus blauen Löchern sprudelt kochend heisses Wasser, das kleine Flussläufe in die leuchtend orangefarbene Erde zeichnet. Die herbstliche Kühle und der Nieselregen können der Faszination und der Farbenpracht dieses Ortes keinen Abbruch tun. Der heisse Boden wärmt unsere Füsse. Körper und Hände können wir aus sicherer Entfernung an Steinpyramiden aufwärmen, aus denen zischend Dampfwolken entweichen. Wir sind fasziniert von der unbändigen Kraft der Natur, die hier hautnah erlebbar ist. Der olfaktorische Aspekt des Erlebnisses begleitet uns auf der Weiterfahrt dann noch für eine ganze Weile…

Schon unterwegs zum Dettifoss bessert sich das Wetter. Den Besuch der drei in kurzer Distanz aufeinander folgenden Wasserfälle Sellfoss, Dettifoss und Hafragilsfoss verbinden wir mit einer Wanderung. Diese beginnt am Parkplatz beim Dettifoss. Von dort führt der Wanderweg für ein paar Kilometer gegen Norden, dann nach einer Richtungsänderung um 180° flussaufwärts nacheinander an den drei Fällen vorbei und wieder zurück zum Parkplatz. Entspannt wandern wir den Wasserfällen der uns von der Fahrt zur Askja schon bekannten Jökulsá á Fjöllum entgegen und können so aus ungewohnter Perspektive am jeweiligen Naturspektakel teilhaben.

Auf dem Campingplatz Ásbyrgi kochen wir uns ein paar Stunden später ein feines Nachtessen und genehmigen uns in der imposanten hufeisenförmigen Schlucht mit ihren bis zu 100 Meter hohen senkrechten Felswände einen Sundowner. Im Schutz dieser Felswände gedeiht ein Mischwald mit bis zu acht Meter hohen Bäumen. Bäume mit einer solchen Höhe sind in Island eine Seltenheit und mit viel Einsatz versucht Island ehemalige Waldgebiete wieder aufzuforsten.

Gemäss geologischen Forschungen hat die Schlucht Ásbyrgi ihre aussergewöhnliche Form durch drei besonders mächtige Gletscherläufe erhalten. Diese ereigneten sich vor mehreren Jahrtausenden nach Ausbrüchen der Vulkane Kverkfjöll oder Bárðarbunga, die zum Vatnajökull gehören.

Aus mythologischer Sicht hingegen entstand die Schlucht, als sich ein Huf Sleipnirs, des achtbeinigem Pferdes Odins, dort in die Erde bohrte. Entsprechend wird Ásbyrgi auch Odins Fussabdruck genannt. Die Schlucht wird von vielen Einheimischen bis heute als eine der Hauptstädte der Elfen betrachtet, in der sich ein grosses kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des unsichtbaren Volkes befindet. Interessierte Reisende können sich vor Ort anhand einer Tafel über diese Besonderheiten informieren.

Bei leicht bedecktem Himmel fahren wir am nächsten Morgen über das Delta der Jökulsá á Fjöllum und der Nordküste entlang nach Húsavík. Das überschaubare Fischerstädtchen hat eine lange touristische Tradition und nimmt für sich in Anspruch, vor Jahren als erste Ortschaft organisierte Walbeobachtungsfahrten angeboten zu haben. Spontan entscheiden wir uns für eine Tour und erhalten dank der Nachsaison tatsächlich noch Plätze für den späteren Nachmittag. Gut eingepackt in einige Lagen warme Kleider starten wir kurze Zeit später auf die mehrere Stunden dauernde Entdeckungsfahrt in der Bucht von Húsavík. Bald zeigt sich, dass wir den Zeitpunkt gut gewählt haben. Aus nächster Nähe können wir Zwerg- und Buckelwale beobachten. Begeistert und leicht angefroren kehren wir am frühen Abend in den Hafen zurück und freuen uns über dieses Erlebnis, das uns noch lange begleiten wird.

Anderntags befassen wir uns mit dem weiteren Verlauf unserer Reise, welcher sich generell an den Wetterprognosen ausrichtet. Diese sagen für die nächsten zwei Tage wieder weiträumig gutes Wetter voraus. Damit steht einer Fahrt über die F 26 durch das Hochland in den Süden Islands nichts im Weg.

Also kaufen wir Lebensmittel für die nächsten Tage ein und steuern die Ringstrasse an. Von dieser zweigt in der Nähe des Goðafoss die 842 nach Süden ab. Vorher wollen wir jedoch noch das Gebiet des Krafla besuchen.

Beim Krafla handelt es sich um ein Vulkansystem von ca. 100 Kilometern Länge. Der gleichnamige Zentralvulkan mit einer Höhe von 818 Metern beherrscht mit zahlreichen Kratern die Mývatn-Region. Die bisher letzte Ausbruchsserie auf dem Gebiet der Krafla, die sogenannten Krafla-Feuer, fand von 1975 bis 1984 statt und dort besonders am Vulkan Leirhnjúkur. Wir wandern auf den 592 Meter hohen Leirhnjúkur, vorbei an seinen Fumarolen, Solfataren, kochenden Schlammtöpfen und kleinen dampfenden Seen. Zum Bereich des Krafla gehört auch das Hochtemperaturgebiet Hverarönd bzw. Námaskarð, das wir vor ein paar Tagen bewundert haben. Seit 1977 wird die geothermische Energie mittels zweier Geothermalkraftwerke genutzt, dem Bjarnaflagsstöð bei Reykjahlíð und dem Kröfluvirkjun direkt am Zentralvulkan Krafla.