Windhoek bis Kgalagadi Twee Rivieren / 2. – 29. Januar 2025
Der erste Teil unserer Reise durch Namibia vergeht wie im Flug. Wir durften vier spannende und erlebnisreiche Wochen erleben mit aussergewöhnlichen Weihnachtstagen in imposanter Umgebung und einem entspannten Jahreswechsel.
… und schon zu Beginn des zweiten Teils unserer Namibiareise erwarten uns die nächsten Höhepunkte. Dazu gehören einige touristische Hauptattraktionen wie Walvis Bay, Sesriem und Sossusvlei. Auch freuen wir uns auf die Fahrten durch die Wüstengebiete des Namib Naukluft National Parks und die Gebirge um Ai-Ais und den Fish River Canyon.
Sofern alles plangemäss verläuft, werden wir Namibia gegen Ende Januar über den Mata Mata Grenzposten verlassen und anschliessend ein paar Tage im Kgalagadi Transfrontier National Park verbringen. Dieser liegt im Grenzgebiet der drei Länder Namibia, Südafrika und Botswana und lockt mit einzigartigen Gegenden und einer vielfältigen Tierwelt.

Nach den erholsamen Tagen in Windhoek fahren wir wieder Richtung Westen, um die Flamingo Kolonien von Walvis Bay zu bewundern. Da es während unserer Zeit in Windhoek einige Male geregnet hat, konsultieren wir vor unserem Start den Wetterbericht. Dieser sagt für das Gebirge zwischen Windhoek und der Atlantikküste starken Regen voraus. Daher entscheiden wir uns gegen die Route über die Pässe und für die eher eintönige Hauptstrasse. Auch auf dieser Route regnet es streckenweise heftig. Der Verkehr ist zudem ungewohnt lebhaft und irgendwann wird uns klar, dass der Rückreiseverkehr von Swakopmund nach Windhoek der Grund dafür sein muss.


Im wie meistens unter bedecktem Himmel liegenden Swakopmund trinken wir einen Kaffee und erleben eine merklich gelöstere Stadt als während unseres Aufenthaltes vor Weihnachten. Entsprechend verlängern wir unsere Pause und geniessen die entspannte Atmosphäre. Bis Walvis Bay sind es dann noch 30 Kilometer. Dort scheint die Sonne und die Temperatur ist mit etwas über 20°C herrlich und auch der Wind ist für einmal ganz angenehm.
In Walvis Bay, der drittgrössten Stadt des Landes, befindet sich der einzige Tiefseehafen Namibias. Zurzeit leben in Walvis Bay knapp 103’000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte beträgt damit 92 Personen auf einen Quadratkilometer. In Zürich lebten 2023 vergleichsweise 4’936 Personen pro Quadratkilometer.
Der Hafen wird von einer Landzunge geschützt, die am Pelican Point endet. Am Übergang der Landzunge zum Festland und in den Lagunen um Walvis Bay, die das grösste geschützte Flachwassergebiet an der Westküste des südlichen Afrikas darstellen, existiert nach wie vor eine vielfältige und artenreiche Vogelwelt.

Die berühmten Flamingos treffen wir schon im seichten Wasser entlang der Strandpromenade von Walvis Bay an. Sie lassen sich von den sie beobachtenden Menschen nicht stören und kümmern sich, gelassen im seichten Wasser am Ufer auf und ablaufend, ausschliesslich um ihre Ernährung. Sobald wir uns auf unserem Übernachtungsplatz eingerichtet haben, tun wir es ihnen gleich und nach einem schmackhaften Nachtessen gehen wir noch einmal zu den Flamingos am Strand spazieren.
In der Umgebung von Walvis Bay gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, die Wüste zu erleben. Von Fahrten nach Sandwich Harbour mit dem eigenen Fahrzeug wird jedoch eindringlich abgeraten, da die Verhältnisse in den bis ins Meer reichenden Dünen unberechenbar und für Geländeunkundige sehr schwierig einzuschätzen seien. Auf eine geführte Tour haben wir keine grosse Lust, da unter anderem die in Aussicht gestellten Austern zum Lunch nicht unser Ding sind… Wir entscheiden uns daher für die einfachere Fahrt zum Pelican Point und einen Besuch der dortigen Seelöwenkolonien.
Als wir losfahren, liegt Walvis Bay und das ganze Umland unter einer dicken Hochnebeldecke. Nachdem wir am Ende der befestigten Strasse den Luftdruck in den Rädern reduziert haben, kann die Fahrt in die Wüste beginnen. Dank des Hochnebels ist der Sand zurzeit noch feucht, was das Fahren im über weite Strecken sehr tiefen Sand erleichtert. Entlang einzelner Fahrspuren finden wir den Weg zum Leuchtturm, der unterwegs als Wegweiser dient, ohne Schwierigkeiten.

Hier befinden sich auch die ersten Seelöwenkolonien. Etwas abseits der Seelöwen stellen wir unser Auto auf festen Grund und versuchen uns den Seelöwen zu nähern, um sie besser beobachten zu können. Dies erweist sich als eher schwierig, da sich die Tiere in Richtung Meer zurückziehen, sobald sie sich gestört fühlen. Langsam und in kleinen Schritten gelingt unser Vorhaben dann doch.

Genüsslich widmen sich die einen ihrer Körperpflege während andere gruppenweise im Wasser verschwinden. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, währenddessen viele der tiefschwarzen Jungtiere verloren nach ihren Müttern rufen, die sich im Meer auf der Jagd befinden. Von Zeit zu Zeit nähert sich in weitem Bogen der eine oder andere hungrige Schakal, um allenfalls etwas Essbares aufzustöbern.

Als wir nach ein paar Stunden auf dem Rückweg sind, beginnt sich die Nebeldecke zu lichten. Auf der einen Seite der weissgelben Wüste der Halbinsel präsentiert sich der Atlantik mit rauschenden Wellen, während auf der anderen Seite das ruhige Wasser der Lagune in unterschiedlichsten Blautönen im Sonnenschein zu funkeln beginnt. Dazwischen setzen Gebiete mit niedrigen den Boden bedeckenden Pflanzen, die im salzigen Sumpf zwischen Meer und Wüste existieren können, rotgrüne Farbakzente. Ein grandioses Farbenspiel.



Wieder zurück auf der befestigten Strasse bestaunen wir auf dem Weg nach Walvis Bay die von Salzmauern eingerahmten Salzwasserseen, in denen das Wasser in Rot-, Pink- und Blautönen leuchtet und dann und wann funkeln und glitzern weisse Salzbänke in der späten Nachmittagssonne.

Verursacht wird die Färbung des Wassers durch die Alge Dunaliella salina. Diese Alge produziert hohe Mengen an Betacarotin, wenn starke Sonneneinstrahlung und eine hohe Salzkonzentration aufeinandertreffen. Durch das im Wasser vorhandene Betacarotin verfärbt sich das Wasser rötlich bis bläulichpink.


In den frühen Abendstunden sind wir zurück in Walvis Bay und einer unserer bisher eindrücklichsten Tage dieser Reise geht langsam zu Ende.
Nach den faszinierenden Tagen in Walvis Bay starten wir unsere Reise in den südlichen Teil des Landes. Zu Beginn durchqueren wir den Namib Naukluft National Park. Nach einiger Zeit verändert sich die bis anhin gut fahrbare Kiesstrasse in eine der anspruchsvollsten Wellblechpisten, die wir bis anhin angetroffen haben.

Nach etwa zwei Stunden ist der holprige Spuk vorbei und wir können unsere Route, die uns durch die Gebirge des Kuiseb und des Gaub Canyons durch die an die Namib grenzenden halbwüstenähnlichen Landschaften führt, wieder unter komfortableren Bedingungen fortsetzen.


In Ababis ganz in der Nähe von Solitaire übernachten wir auf der Campsite eines ausnehmend gastfreundlichen Besitzers einer Guestfarm. Trotz sehr kurzfristiger Anmeldung werden wir an den Familientisch eingeladen, an dem sich im Laufe eines köstlichen Nachtessens interessante und aufschlussreiche Gespräche ergeben. Wir erfahren, wie sich die Farm, die der Besitzer vor knapp 25 Jahren mit seiner Partnerin übernommen hat, zum heutigen Betrieb entwickelt hat und wie mit den täglichen Herausforderungen umgegangen wird, die der Alltag als Farmer, Arbeitgeber und Gastgeber in diesem Teil Namibias mit sich bringt. Auch über zukünftige Klimaszenarien und deren Auswirkungen auf die Natur und die Bevölkerung wird eingehend diskutiert.


Nach einem rundum erfreulichen Abend verbringen wir auf unserem Stellplatz eine erholsame Nacht, bevor wir am kommenden Morgen nach Sesriem weiterfahren.

Sesriem ist der Ausgangspunkt für die Fahrt zu den berühmten roten Dünen von Sossusvlei und dem nicht weniger bekannten Deadvlei. Obwohl in Sesriem fast immer Hochsaison ist, finden wir auf dem Campingplatz des NWR (Namibia Wildlife Resorts) einen Platz mit ausreichend Schatten. Da die Campsite innerhalb des Nationalparks liegt, können wir von verlängerten Aufenthaltszeiten im Park profitieren. Wir richten uns ein und erkunden die Gegend entlang der 60 Kilometer langen Strecke zum Parkplatz, wo die kurze 4 x 4-Strecke zu den grossen Dünen und zum Deadvlei beginnt.

Auf dem Rückweg zum Camp halten wir bei der «Düne 45» an, deren Name einzig bedeutet, dass sie 45 Kilometer von Sesriem entfernt liegt. Wir erklimmen die Düne und erleben einen strahlenden, allerdings sehr windigen Sonnenuntergang in einer grandiosen Umgebung.

Um von den angenehmen Temperaturen profitieren zu können, starten wir am nächsten Morgen noch bei Dunkelheit in Richtung Sossusvlei. Auf dem grossen Parkplatz stellen wir unser Auto in den Schatten eines Baumes und lassen uns vom ersten Shuttle über die letzten Kilometer nach Sossusvlei chauffieren.
Dort machen wir uns umgehend auf den Weg auf «Big Daddy», die mit 325 Metern über Meer höchste der hiesigen Dünen. Das Wetter ist perfekt und ohne Wind und bei angenehmen Temperaturen ist die Tour auf den höchsten Punkt der Düne ein anregendes und mehrfach bewegendes Erlebnis. Belohnt werden wir mit einem 360° Panorama auf die zahllosen leuchtend orangeroten Dünen der Namib und ins direkt unterhalb von Big Daddy liegende Deadvlei mit seinen weltweit berühmten mehrere hundert Jahre alten (toten) Bäumen .


Nach eindrücklichen Tagen in Sesriem setzen wir unsere Reise in den Süden Namibias fort. Dabei durchqueren wir einen Teil des Namib Rand Nature Reserves und fahren dann längs der Namib Wüste nach Betta. Dort wechseln wir von der C 27 auf die D 707.


Diese Strasse führt über knapp 200 Kilometer der Grenze des Namib Naukluft National Parks entlang. Die Landschaften, die wir nun durchfahren, gehören mit zu den schönsten, die wir bis anhin auf unserer Reise erleben durften. Wir können uns kaum sattsehen an den unterschiedlichen Farben der Wüste, die von weiss über gelb bis leuchtend orange und rosa variieren und von dunklen Gebirgszügen durchsetzt über passähnliche Übergänge in weite wieder von Bergketten begrenzte Ebenen übergehen. Der Verkehr stellt keine grösseren Anforderungen, da wir meist allein unterwegs und vereinzelt entgegenkommende Autos von weitem sichtbar sind.

Als Übernachtungsort haben wir die Campsite einer Ranch bestimmt, die gut 20 Kilometer von der Hauptpiste entfernt am Fuss der Tirasberge liegt. Einsamkeit und Ruhe sind das Rahmenprogramm, obwohl in der Nähe eine kleine Lodge liegt. Diese und die Campsite fügen sich optimal in die sich hier überraschend grün präsentierende Gegend ein, in der viele weit ausladende Bäumen gedeihen. Die Vegetation profitiert hier vom Regenwasser, das in den Bergen versickert und nach langen Jahren am Fuss der Abhänge verfügbar ist.



Nach einer angenehmen Auszeit mit Wandern, Planen und Diskutieren setzen wir unsere Fahrt fort durch sich immer wieder anders präsentierende Wüstenlandschaften entlang des Namib Naukluft National Parks. Unendliche Weiten, faszinierende Szenerien und wunderschöne Farbenspiele begleiten uns über viele Stunden und fügen sich zu einem unvergesslichen Erlebnis zusammen.

Einige Kilometer vor dem Städtchen Aus mündet die R 707 in die asphaltierte Strasse nach Lüderitz. Damit hat das leicht schwebende Gefühl, das uns das Fahren über die perfekt unterhaltene und meist mit ein paar Zentimetern Sand bedeckte Piste beschert hat, leider ein Ende.
Über Aus geht’s zügig weiter nach Lüderitz, das weiter östlich am Atlantik liegt. Die Strasse dorthin führt durch weisse Wüstenlandschaften in denen vereinzelt niedrige Büsche und etwas Gras wachsen. Von dieser spärlichen Vegetation ernähren sich hier lebende Wildpferde, Oryx Antilopen und diverse kleinere Wildtiere, die mit den extremen Bedingungen zurechtkommen. Durchzogen wird die Wüste neben dunkelgrauen Hügeln auch vom Gleis einer Schmalspurbahn, auf der ab und zu ein Güterzug unterwegs ist.

Etwa auf halber Strecke kommt böiger Wind auf, der schnell an Stärke zulegt und bald befinden wir uns in einem ausgewachsenen Sandsturm, der den Sand vor sich her auch auf die Strasse treibt. In unermüdlicher Sisyphusarbeit versuchen schwere Maschinen die Strasse für den Verkehr freizuhalten. Kurz vor Lüderitz fahren wir unerwartet in strahlenden Sonnenschein, der uns überrascht zur Sonnenbrille greifen lässt. Der Wind hat nach wie vor Sturmstärke, der Sand scheint sich allerdings nicht in die Stadt zu wagen…

Lüderitz wurde im Jahr von 1883 gegründet, als Heinrich Vogelsang im Auftrag von Adolf Lüderitz dem Nama Chief Josef Frederiks II in Bethanie Land abkaufte, mit dem Ziel die in dieser Gegend vermuteten Bodenschätze zu fördern. Der Kauf erfolgte allerdings mit betrügerischen Methoden und obwohl sich die Nama nach dem arglistigen Handel beschwerten und ihr Recht einforderten, wurde ihnen dieses verweigert und die deutschen Eroberer setzten sich mit Gewalt gegen die Einheimischen durch.
Am 10. April 1908, also etwa 25 Jahre später, fand Zacharias Lewala, ein dem deutschen Bahnangestellten August Stauch als Hilfe zur Seite gestellter Einheimischer, der früher in Kimberley in der Diamantenmine gearbeitet hatte, einen Diamanten, den er pflichtbewusst seinem Vorgesetzten überreichte. August Stauch liess sich von seinem Freund Sönke Nissen seines Zeichens Bergwerksingenieur und Geologe bestätigen, dass es sich bei dem Stein wirklich um einen Diamanten handelte. Daraufhin sicherten sich Stauch und Nissen bei der Kolmannskuppe ausserhalb von Lüderitz ein 75 km² grosses Grundstück, um heimlich weiter nach Diamanten suchen zu können. Die beiden hatten schon bald Erfolg und wurden zu vermögenden Männern. Kolmannskuppe entwickelte sich vorübergehend zur reichsten Stadt Afrikas. Nachdem die Diamantenvorkommen in der Gegend der Kohlmannskuppe erschöpft waren, verlor die Stadt ihre Bedeutung und wurde langsam, aber sicher zur Geisterstadt.



Auch die Stadt Lüderitz profitierte vom Diamantenboom und entwickelte sich zu einer äusserst wohlhabenden Hafen- und Handelsstadt. Die Rolle als wichtigster Hafen der Kolonie musste Lüderitz aber bald ans günstiger gelegene Swakopmund abtreten, wo ein künstlicher Hafen gebaut wurde. Da die Diamantenförderung ab 1920 laufend weiter nach Süden verschoben wurde, verlor die Stadt zunehmend an Bedeutung. Heute lebt die Stadt vorwiegend von Fischfang und dem Tourismus.
Von Lüderitz führt unsere Reise zurück durch die eindrücklichen Landschaften des Namib Naukluft National Park nach Aus und dem Tsau Khaeb (Sperrgebiet) National Park entlang weiter nach Süden.
Bevor wir uns auf den Weg machen, statten wir der Geisterstadt Kolmannskuppe einen Besuch ab. Die zum Teil noch sehr gut erhaltenen Wohnhäuser aus der Zeit des Diamantenbooms wurden in ein Museum umfunktioniert und sind öffentlich zugänglich. Die Führungen sind sehr informativ und anschaulich gestaltet und vermitteln einen wirklichkeitsnahen Einblick in die nur schwer fassbaren Verhältnisse, in denen die ausgebeuteten Diamantenschürfer als Angestellte einerseits und die schwerreiche Herrschaft andererseits lebten.



Das kleine freundliche (private) Städtchen Rosh Pinah überrascht uns mit vielen Grünanlagen und gepflegten Gärten mit einer Vielzahl bunt blühender Blumen, Sträucher und hohen Bäumen. Das Wasser, das diese Anlagen gedeihen lässt, stammt aus dem Orange River (Oranje), der etwa 20 Kilometer weiter südlich Richtung Osten fliesst, um bei Oranjemund in den Atlantik zu münden.



Bald erreichen wir den Orange River, der als breites blaugrünes Band durch das Gebirge mäandert, durch das er sich über Jahrtausende ein Bett gegraben hat.

Nach vielen Kilometern Fahrt durch in strahlenden Sonnenschein getauchte Wüsten, trockene und fast vegetationslose und lebensfeindliche Gegenden ist die lebendig grüne Landschaft entlang des Orange Rivers ein veritables Wellnessprogramm für Augen und Gemüt.

Nach einer gebirgigen Verengung öffnet sich das Tal fast unerwartet und die das Flusstal flankierenden Berge machen riesigen Ebenen mit sattgrünen Feldern Platz. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass hier hauptsächlich Trauben wachsen. Wir erfahren, dass es sich dabei nicht um Wein- sondern um Tafeltrauben handelt, die fast zu hundert Prozent für den Export nach Übersee bestimmt sind. Beim Anbau wird darauf geachtet, dass die Trauben rechtzeitig zur europäischen Weihnachtszeit erntereif sind, damit sie die festlichen Tafeln Europas bereichern können.


Der Anbau von Trauben ist hier ausschliesslich dem Orange River zu verdanken, ohne dessen Wasser jegliche Produktion von Früchten und/oder Getreide in dieser Gegend unmöglich wäre.
Der Orange River bildet hier die knapp 600 Kilometer lange Grenze zwischen Namibia und Südafrika. Statt schon bei Sendelingsdrif oder weiter östlich bei Vioolsdrif nach Südafrika einzureisen, wenden wir uns noch einmal nach Norden, um Ai-Ais und den Fish River Canyon zu besuchen.

Ai-Ais mit seinen heissen Quellen wie auch der imposante Fish River Canyon befinden sind auf dem Programm vieler Anbietenden von Namibia-Reisen. Entsprechend häufig werden die beiden Orte besucht. Im jetzigen Hochsommer sind allerdings nur wenig Reisende unterwegs und wir sind überall sehr willkommen.

Der Fish River Canyon, unser nächstes Ziel, ist insgesamt 161 Kilometer lang, bis zu 27 Kilometer breit und 549 Meter tief. Er gilt nach dem Grand Canyon in Arizona als zweitgrösster Canyon der Welt. Farblich wie auch grössenmässig steht er allerdings etwas im Schatten seines grossen Bruders in den USA. Das Wasser des 650 Kilometer langen Fish Rivers mündet weiter südlich in den Orange River. Allerdings führt der Fish River heutzutage nur noch selten Wasser, da er oberhalb des Canyons zwei Mal in einem Stausee (Dam) gefasst wird und nur überschüssiges Wasser seinen Weg durch den Canyon und weiter in den Orange River findet. Der Canyon des Fish Rivers endet bei Ai-Ais. Dort befindet sich auch das Ziel der vier bis fünf Tage dauernden Wanderung durch den Canyon.

Die Temperaturen befinden sich nun täglich im Bereich von 40°C und mehr. Daher sind jegliche Wanderungen im Fish River Canyon von Oktober bis März verboten. Also nutzen wir die frühen Stunden des strahlend schönen Morgens für ein gemütliches Frühstück am Rand des Canyons. Nach einem Spaziergang zum Start des 86 Kilometer langen Trails durch den Fish River Canyon, verlassen wir die grandiose Szenerie und setzen unseren Weg gegen Norden fort.

Für unseren nächsten Zwischenhalt haben wir die Campsite bei der Lodge «Alte Kalköfen» vorgesehen. Der Name der Lodge stammt aus der Zeit, als auf dem Gelände Kalk gebrannt wurde. Heutzutage befindet sich auf dem Gelände eine umfassende Lithops-Sammlung, die Fans von Sukkulenten aus aller Welt anzieht. Die Campsite präsentiert sich dann jedoch ohne jeglichen Schatten. Statt umgehend nach einem anderen Platz zu suchen, lassen wir uns eines der Chalets zeigen und können dann der Verlockung nicht widerstehen, wieder einmal in räumlich etwas grosszügigeren Verhältnissen zu nächtigen. So parkieren wir unseren Churi vor unserem Chalet im Schatten eines grossen Baumes. Die ausgezeichnete Küche, die Freundlichkeit, Offenheit und professionelle Aufmerksamkeit des Personals, die einamlige Umgebung und die Originalität der Anlage bescheren uns ein paar ungeplante Tage mit Verwöhnservice.





Ausgeschlafen und gut verpflegt machen wir uns auf den Weg zu unserem vorletzten Ziel in Namibia. In der Nähe von Keetmanshoop, der viertgrössten Stadt Namibias, besuchen wir eine Ansammlung von Köcherbäumen.

Diese faszinierenden, bestens an die hiesigen klimatischen Gegebenheiten angepassten Bäume sind charakteristisch für die heissen, trockenen Halbwüsten im südwestlichen Namibia und im nordwestlichen Südafrika. Die Bäume werden bis zu sieben Meter hoch und gedeihen im steinigen Untergrund in höheren oftmals auch gebirgigen Lagen. In den flachen und sandigen Küstengebieten ist der Köcherbaum jedoch nur selten zu finden.

Nach gut 260 Kilometern abwechslungsreicher Fahrt auf der wir mehrere Dutzend leuchtend orangerote Dünen überqueren, erreichen wir einige Tage später den Grenzposten Mata Mata, der zugleich der Eingang zum Kgalagadi Transfrontier National Park ist.


Damit haben wir die letzte Station unserer Reise durch Namibia erreicht. Die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt und etwas wehmütig schauen wir zurück, um uns gedanklich von diesem beeindruckend freundlichen Reiseland mit seinen zauberhaften Landschaften und schier unendlichen Weiten (vorläufig) zu verabschieden.

Der Kgalagadi National Park ist ein grenzübergreifender Nationalpark, der sich einerseits auf dem Staatsgebiet von Südafrika und andererseits auf dem Gebiet von Botswana befindet. Im ganzen Park wurden die Zäune entfernt, damit sich die Wildtiere auf ihren angestammten Migrationsrouten zwischen den beiden Ländern wieder frei bewegen können.

Der äusserst tierreiche Park ist Teil der riesigen Kalahari. Er ist geprägt von Landschaften, die aus roten oder weissen Dünen gebildet werden, die oft mit grünen Büschen durchsetzt sind. Auf unseren Entdeckungsfahrten bewegen wir uns entlang der beiden Trockenflüsse Auob und Nossob, die von Namibia aus in den Park fliessen. Der Nossob River bildet im Kgalagadi National Park die natürliche Grenze zwischen Botswana und Südafrika.

Die Trockenflüsse werden durch felsige Erhebungen in der Wüste voneinander getrennt. Wasser fliesst in den beiden Flüssen nur nach sehr ergiebigen Niederschlägen, was selten der Fall ist. Aufgrund kürzlich gefallenen Regens wächst in den Flussebenen zurzeit saftiges, leuchtend frischgrünes Gras, das viele Tiere anlockt. Jetzt ist auch die Zeit, während der hier heimische Tierarten ihre Jungen zur Welt bringen, da der Regen um diese Jahreszeit normalerweise für ausreichend Nahrung sorgt.






Um viele eindrückliche Erlebnisse reicher verlassen wir den Kgalagadi Nationalpark nach einer intensiven und faszinierend schönen Woche.
Mit unserem Aufenthalt im Kgalagadi Nationalpark geht unsere Reise durch Namibia zu Ende. Entsprechend steht nun unsere Einreise nach Südafrika an, womit dann schon der letzte Abschnitt unserer Afrikareise beginnt.

Wir sind gespannt, welche Überraschungen das riesige Südafrika dieses Mal für uns bereithält.





































































































