Südafrika 4 (der Süden)

Kimberley via Stellenbosch bis Port Elisabeth / 27. Februar – 5. April 2025

Der letzte Teil unserer Reise wird uns während knapp sechs Wochen von Kimberley zurück in die Weinregion Südafrikas und von dort mittels Südküste und Garden Route sowie zwei weiteren National Parks nach Port Elisabeth führen. Dort werden wir unser Auto zur Verschiffung auf Vordermann bringen und im Hafen abliefern. Sofern unsere Planung aufgeht, bleiben uns bis zu unserem Rückflug in die Schweiz noch ein paar Tage, um uns von Afrika zu verabschieden.

Als ersten Stopp auf unserem letzten Reiseabschnitt wählen wir die kleine Stadt Orania, die ca. 160 Kilometer südlich von Kimberley am Orange River liegt. Zufällig haben wir von diesem Ort erfahren, als wir auf unserer ersten Fahrt nach Kimberley am Vaal River übernachteten. Die Besitzerin des Stellplatzes erzählte uns von einer eigenartigen kleinen Stadt, in der ausschliesslich Weisse nach eigenen sehr strikten Normen und Regeln leben würden. Im Ort werde ausschliesslich Afrikaans gesprochen und die Stadt habe eine eigene Währung. Menschen anderer Hautfarbe seien nicht erwünscht.  

Begleitet von einem Gewitter mit starkem Regen fahren wir also nach Orania. Als wir den Ort erreichen, hat der Regen aufgehört und ein Regenbogen heisst uns in einer auffallend ordentlichen Ortschaft mit gut unterhaltener Infrastruktur und gepflegten privaten Liegenschaften willkommen. Die Campsite des Ortes liegt am Ufer des Orange Rivers am Rand einer Hotel- und Chaletanlage.

Die Informationen, die wir vor ein paar Wochen in Douglas erhalten haben, erweisen sich, bis auf den Umstand, dass mit Besuchenden auch Englisch gesprochen wird, als korrekt.

Der stark vernachlässigte Ort Orania wurde 1990 knapp vor Ende der Apartheid von 40 weissen Familien vom Staat gekauft. Zu diesem Zeitpunkt lebten etwa 500 schwarze und farbige Personen in Orania. Damit der Ort und dessen Umgebung von den Käufern übernommen werden konnte, wurden 64 Familien umgesiedelt. Bei dieser Aktion handelte es sich um die letzte grosse Zwangsumsiedlung der Apartheid. Den Familien wurden im mehr als 100 Kilometer entfernten Warrenton neu erstellte Häuser zugewiesen. Im April 1991 zogen die ersten weissen Personen nach Orania. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Orania)

Orania umfasst heute ein Gebiet von ca. 8,95 Km2 und zählt an die 3’000 BewohnerInnen. Die Stadt und ihre Umgebung präsentieren sich dank modernen und gut ausgebauten Bewässerungsanlagen als fruchtbarer, grüner Landstrich mit Feldern, auf denen Getreide, Früchte, Pecannüsse etc. angebaut werden. Von den BewohnerInnen Oranias wird eine umfassende Selbstversorgung angestrebt inklusive der Unabhängigkeit vom staatlichen Stromkonzern. Alle anfallenden Arbeiten werden von den Gemeindemitgliedern selbst erledigt. Dies gilt auch für jene alltäglichen Arbeiten, die in Südafrika meist von Schwarzen oder Farbigen für Weisse ausgeführt werden. Aufgrund der Tatsache, dass in Orania keine unterbezahlten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, sind die Lebenshaltungskosten bedeutend höher als in Südafrika generell.

Wer sich in Orania niederlassen will, muss NachfahrIn von Buren (Niederländer, Deutsche, Franzosen) sein, Afrikaans sprechen, traditionelle Ansichten vertreten und christlichen Glaubens sein. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, wird nicht in die Gemeinschaft aufgenommen bzw. erhält keine Niederlassungserlaubnis. Gemäss Auskunft der Angestellten der Touristeninformation hat der Ort regen Zulauf, vor allem auch von jungen Leuten. In den letzten fünf Jahren habe sich die Bevölkerung von Orania verdoppelt.

Wir erleben die Stimmung im Städtchen als offen und hilfsbereit. Es ist jedoch klar spürbar, dass die Bevölkerung unter sich bleiben will. Gesprochen wird Afrikaans und alles ist auf Afrikaans angeschrieben. Reisenden wird auf Englisch Auskunft gegeben, das als eine von den elf Amtssprachen Südafrikas in den Schulen unterrichtet wird.

Auf einer abendlichen vom Besitzer des Hotels durchgeführten Fahrt auf dem Orange River stossen wir auf unsere neuen Visa an. Dabei können wir uns mit Leuten unterhalten, die sich von dieser eigenwilligen Stadt ebenfalls ein eigenes Bild machen wollen.

Nach zum Teil etwas befremdlich anmutenden Begegnungen mit der Bevölkerung von Orania und einigem an neuem Diskussionsstoff fahren wir abseits jeglicher Touristenrouten über die Ortschaften Petrusville, Philipstown, Hanover und Richmond Richtung Süden. Die kleinen Städte scheinen teilweise in desolatem Zustand und laden nicht dazu ein, länger zu verweilen. So fahren wir zügig weiter zu den Three Sisters und von dort nach Beaufort West.

Beaufort West ist mit ca. 35’000 Einwohnenden die grösste Stadt der Region Central Karoo. Der berühmteste Bürger der Stadt ist Christian Barnard (1922 bis 2001), der im Jahr 1967 in Cape Town die erste erfolgreiche Mensch-zu-Mensch Herztransplantation durchführte. Im lokalen Museum werden sein Leben und seine Erfolge als Chirurg dargestellt.

Kurz nach Beaufort West zweigen wir von der Hauptstrasse ab und befinden uns unmittelbar am Haupteingang des Karoo National Parks. Erst im Jahr 1979 wurde dieser 831 Km2 grosse Park gegründet, um einen Teil der Karoo im ursprünglichen Zustand zu erhalten. Diverse Tierarten, unter anderen das Spitzmaulnashorn und der vom Aussterben bedrohte Buschmannhase, wurden im Park erfolgreich wieder angesiedelt. Im Park leben viele Springböcke, die an die Zeiten erinnern, als in der Karoo abertausende dieser Antilopen in riesigen Herden umherzogen. Leider wurden diese Tiere auch hier zu Tausenden niedergeschossen, da sie von den weissen Farmern als Nahrungskonkurrenz für ihre Rinder angesehen wurden oder sie fielen exzessiver Jägerei zum Opfer.

In der Zwischenzeit haben wir realisiert, dass uns noch gut vier Wochen bleiben, bis unser Auto in Port Elisabeth zur Verschiffung erwartet wird. Unsere Erkundungswunschliste ist allerdings noch ziemlich umfangreich. Entsprechend heisst es Prioritäten setzen. Daher reduzieren wir unseren Besuch im Karoo National Park auf einen Kurzbesuch, obwohl die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt, wie auch die Landschaft mit ihren Tafelbergen und den zurzeit mit zartem Grün überzogenen Halbwüsten, es lohnen würden, eine Woche zu investieren.

Vom Karoo National Park ist es eine kurze abwechslungsreiche Fahrt nach Prince Albert. In dieser beschaulichen Kleinstadt am Fuss der Swartberg Gebirgskette beginnt der Swartberg Pass, der die Grosse mit der Kleinen Karoo verbindet. Die Passstrasse wurde in den 1880 Jahren erbaut und ist bis dato nicht asphaltiert. Die Stützmauern wurden als Trockenmauern erstellt und erfüllen ihren Zweck bis heute in ihrer ursprünglichen Form und Bauweise. Die Strasse führt in vielen Kehren durch die eindrücklichen Landschaften des Gebirges und weiter in die Straussenmetropole Oudtshoorn.

Die Landschaft der Kleinen Karoo ist geprägt von Hügelzügen und dem bis zu 2’325 Meter hohen Swartberggebirge. Im Süden wird sie begrenzt vom Gebirgszug Langeberg, dessen höchster Gipfel 2’072 Meter erreicht. Im Winter sind die höheren Gipfel dieser Gebirgsketten oft mit Schnee bedeckt.

In der Kleinen Karoo dominieren halbwüstenartige Landstriche mit spärlicher Vegetation, in denen das ganze Jahr über nur sehr wenig Regen fällt und kein Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zur Verfügung steht. Diese trockenen Gegenden wechseln sich ab mit äusserst fruchtbaren Gebieten entlang von Flussläufen, in denen riesige Trauben- und Olivenplantagen sowie Obst- und Gemüsekulturen das Landschaftsbild prägen.

Ab Oudtshoorn, der Hauptstadt der Strausse, folgen wir der Route 62, die von Osten kommend durch die malerischen Ortschaften der Kleinen Karoo nach Westen führt. Einen besonderen Charme hat für uns das kleine, unauffällige Städtchen Calitzdorp. Das Gebiet ist dank dem Wasser des Gamka Rivers und seinen Zuflüssen sehr fruchtbar und eignet sich für den Anbau von Weinreben. Neben den in der Gegend üblichen Rot- und Weissweinen wird hier auch ein qualitativ hochstehender Süsswein (Portwein) produziert.

Bei unserer Ankunft herrscht im Städtchen lebhafter Betrieb. Am Strassenrand und auf Plätzen sitzen und stehen Einwohnende lachend und plaudernd in Gruppen zusammen und scheinen den warmen Sommerabend zu feiern. Bei den hübschen und gut erhaltenen Gebäuden des Bahnhofs wurde am Fuss von imposanten goldgelben Felsen ein kleiner Stellplatz mit liebevoll gestalteten sanitären Anlagen eingerichtet. Einige Kilometer vom Bahnhof entfernt wurden die Geleise vor einiger Zeit vom Starkregen eines Gewitters weggespült. Seither ist der Bahnhof stillgelegt. So verbringen wir direkt am Bahnhof von Calditzdorp eine ausgesprochen ruhige Zeit.

Da auf den verschiedenen Weingütern die Traubenlese in vollem Gang ist, ergreifen wir die Gelegenheit, in einer für die Bevölkerung geöffneten Traubenplantage ein paar Kilo der köstlich süssen Trauben für uns zu schneiden.

Im weiteren Verlauf unserer Reise auf der Route 62 durchqueren wir altehrwürdige Orte wie Ladysmith, Barrydale, Montague, Ashton und Robertson, die touristisch gut erschlossen sind und entsprechend oft und mehrheitlich von südafrikanischen TouristInnen besucht werden.

Mit Ziel Tulbagh zweigen wir in Worcester nach Norden ab. Tulbagh liegt etwas abseits der gängigen Routen in einer landschaftlich reizvollen Gegend und allein in der Church Street reihen sich 32 im kapholländischen Stil erbaute Häuser aneinander. Als wir den Ort besuchen, beginnt zudem das Wochenende, was in einer fühlbar aufgeräumten Stimmung und lebhafter Betriebsamkeit im Städtchen zum Ausdruck kommt.

Die kleine historische Stadt Tulbagh wurde 1743 als eine der ersten europäischen Siedlungen Südafrikas gegründet. Der Ort liegt im Einzugsgebiet des Klein Berg Rivers und seiner Zuflüsse und ist auf drei Seiten von Bergen umgeben. Aufgrund seines mediterranen Klimas mit Niederschlagsmengen von bis zu 1’000 Milimetern und einem im Sommer kühlenden Wind aus Süden eignet sich das Gebiet ideal für den Weinbau. Entsprechend haben sich in der Gegend eine Reihe von Weingütern etabliert, die heute eine breite Palette verschiedener qualitativ hochstehender Weine produzieren.

Von Tulbagh fahren wir nach Süden und bald schon befinden wir uns wieder in Stellenbosch und damit im Zentrum des Kap-Weinlandes, das wir vor etwa zwei Wochen in Richtung Kimberley verlassen haben. Allerdings hat uns der nicht ganz freiwillige Ausflug in die Mitte des Landes unser Reiseprogramm ordentlich durcheinandergeschüttelt.

Unsere Erkundung der Weinregion starten wir mit einem spontanen Besuch der Stellenbosch Vineyards. Der am Empfang anwesende Herr überrascht uns mit hohem Engagement und ausgeprägter Motivation. Er erklärt uns, wie die Firma Stellenbosch einerseits als Genossenschaft und andererseits als Eigenmarke funktioniert. Wie die verschiedenen Weine zustande kommen, für wen sie bestimmt sind und anhand welcher Überlegungen neue Produkte auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet werden. Auf jede Frage gibt er ausführliche und nachvollziehbare Auskunft. Gute zwei Stunden lang folgen wir den Ausführungen des offensichtlich weitgereisten Fachmannes. Versehen mit viel neuem Wissen, guten Tipps für den Besuch weiterer Weingüter und im Besitz von einigen Flaschen Wein, der mit Trauben von alten Reben aus Stellenbosch eigenen Weinbergen gekeltert wurde. Diese erlesenen Weine sind in Europa nicht erhältlich, was sich als bedeutender Nachteil herausstellen sollte…

Auch den berühmten und entsprechend touristischen Städten Stellenbosch und Franschhoek statten wir einen Besuch ab. Genüsslich schlendern wir durch die Strassen der eleganten Orte mit prächtigen Häusern und viel Flair für touristische Bedürfnisse, was sich in vielen Restaurants und in Geschäften niederschlägt, in denen Reiseandenken jeder Preisklasse auf kaufkräftige Kundschaft warten. 

Einen anregenden Tag verbringen wir auf dem Weingut «Babylon Storen». Umgeben vom Simonsberg und den Franschhoek Mountains liegt Babylon Storen im Drakenstein Valley im Zentrum des Kap-Weinlandes. Das Gut wurde bereits im Jahre 1690 gegründet und zählt zu den ältesten Weingütern Südafrikas. Auf dem Gelände befinden sich ein Hotel, drei Restaurants mit ausgezeichneter Küche, ein Museum sowie mehrere äusserst attraktive Verkaufslokale. Neben Gemüse, Kräutern und Früchten werden auf der Farm verschiedene Weine und erstklassiges Olivenöl produziert.

Besonders angesprochen haben uns die aufwändig angelegten Gärten, welche die Pflanzenwelt der unterschiedlichen Klimazonen Südafrikas mit ihren spezifischen klimatischen Bedingungen repräsentieren.

Nach der touristisch hochentwickelten Umgebung des Kap-Weinlandes zieht es uns wieder in diesbezüglich weniger aktive Gegenden. Wir entscheiden uns, die Weinregion über den Franschhoek Pass zu verlassen. Auf der anderen Seite der Franschhoek Berge überqueren wir den Theewaterskloof Stausee bei Villiersdorp und fahren auf direktem Weg an die Südküste.

Auf der Fahrt dorthin durchqueren wir von rollenden Hügeln geprägte fruchtbare Landschaften mit weitläufigen Feldern auf denen grossmehrheitlich Getreide angebaut wird. Zurzeit präsentiert sich die Gegend in den sommerlichen Farben abgeernteter Äcker. Die sich weit über den Horizont erstreckenden strohtrockenen Gebiete machen deutlich, dass seit Langem kein Regen mehr gefallen ist.

Unser Ziel ist der Agulhas National Park, in dem sich mit Cape Agulhas der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents befindet. Dementsprechend wechseln wir in Hawston die Richtung und fahren der Küste entlang Richtung Osten. Bald schon erreichen wir Hermanus, das von Juni bis November fantastische Walbeobachtungen verspricht. Seine weitläufigen Sandstrände sind hauptsächlich bei Touristen aus dem nahen Cape Town beliebt. Die Hauptattraktion des gut 50 Kilometer weiter östlich liegenden Gans Bay ist indessen das «Haikäfigtauchen». Da für Walbeobachtungen aktuell der falsche Zeitpunkt ist und wir dem Tauchen in Käfigen keine Sympathien abgewinnen können, fahren wir weiter zum weithin unbekannten Quoin Point Nature Reserve, wo wir die Ruhe und Abgeschiedenheit der weitläufigen Campsite einzig mit zwei südafrikanischen Fischern teilen.

Die Weiterfahrt zum Kap Agulhas führt dann durch weite Ebenen von Agrarland. Auch hier ist das eine oder andere Weingut zu finden.

Kap Agulhas ist geografisch der südlichste Punkt Afrikas und offiziell der Ort, an dem der Atlantische und der Indische Ozean aufeinandertreffen. Kap Agulhas wird auch als Kap der Stürme bezeichnet. Hier sind über die Jahre mehr als 100 Schiffe gesunken, ein Umstand, der auch durch den im Jahr 1848 erstellten Leuchtturm nicht verhindert werden konnte.

Vom südlichsten Punkt unserer Reise wenden wir uns wieder nach Norden und machen im Bontebok National Park Halt. Der Park vor den Toren Swellendams, der im Jahr 1960 zum Schutz der letzten freilebenden Buntböcke gegründet wurde, ist ein Kleinod am Ufer des Breede River.

Mit einer Fläche von knapp 28 Km2 ist er der kleinste der südafrikanischen Nationalparks. Die Zahl der Buntböcke wird auf 200 beschränkt, da eine höhere Anzahl Tiere auf dieser Fläche ökologisch nicht vertretbar wäre. Im Park leben mittlerweile auch andere Arten meist kleiner Antilopen und vor ein paar Jahren wurde das Kap-Bergzebra hier wieder angesiedelt.

Da sich unsere Reise in Afrika nun zügig ihrem Ende nähert, nutzen wir die gute Infrastruktur des Parks, um unseren Mini-Haushalt für die letzten Wochen etwas aufzufrischen und die Seele baumeln zu lassen.

Swellendam wurde 1747 zur gleichen Zeit wie Tulbagh gegründet. Die kleine äusserst sympathische Stadt liegt am Fuss des Langeberg Gebirgszugs und weist trotz eines Grossbrandes im Jahr 1865 eine erstaunlich hohe Zahl gut erhaltener historischer Gebäude auf. Mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den Ort und dem Besuch des in der Gründerzeit Swellendams erbauten Drostdy Hauses, das heute den Kern eines aus verschiedenen Gebäuden bestehenden Museums bildet, starten wir unsere Tour über die Garden Route.

Auf unserem Weg von Swellendam nach Mossel Bay und weiter nach George durchqueren wir fruchtbare sattgrüne Gegenden. Die hügeligen, oft wasserreichen Gebiete am Fuss der weit im Hintergrund liegenden Langeberg- und Swartbergebirge sowie den Outeniqua Bergen präsentieren sich neben dem üblichen landwirtschaftlichen Kulturen mit weitflächigem Weideland und riesigen Vieherden sowie ausgedehnten Wäldern. Eine Landschaft, die uns immer wieder an die Schweiz erinnert, obwohl ein direkter Vergleich angesichts der hiesigen Dimensionen nicht wirklich sinnvoll ist.

Die Küstenstadt Mossel Bay mit etwas mehr als 40’000 Einwohnenden (2022) lebt heute hauptsächlich von den im Jahr 1969 vor der Küste entdeckten Gasvorkommen und vom Tourismus. Fischerei und Landwirtschaft, die bis in die frühen 1990er Jahre wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt, sind für Mossel Bay heute kaum noch von Bedeutung.

Mossel Bay ist eine hochentwickelte Tourismusdestination, die abenteuerlustigen Feriengästen unzählige Attraktionen bietet. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12°C – 26°C im Sommer und ca. 8°C bis 19°C im Winter sowie einer jährlichen Niederschlagsmenge von ca. 500 mm sind die klimatischen Bedingungen ideal. Und da der Regen meistens nachts fällt, kann Mossel Bay seinen Gästen für die Dauer ihres Aufenthaltes eine fast 100-prozentige Sonnenschein-Garantie geben.

Nachdem er, ohne es wahrzunehmen, das Kap der guten Hoffnung umschifft hatte, ankerten Bartolomeu Dias und seine Männer am 3. Februar 1488 in der Bucht des heutigen Mossel Bay. In der Nähe des Ufers entdeckten sie eine Quelle, die es ihnen ermöglichte, die Wasservorräte ihrer Schiffe zu erneuern. Bartolomeu Dias hatte von seinem König, den Auftrag erhalten, eine Handelsroute nach Indien auszukundschaften. Seine Exkursionen an Land brach er allerdings unverzüglich ab, nachdem er von der lokalen Bevölkerung mit einem Steinhagel empfangen wurde. (Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Mossel_Bay)

Ganz in der Nähe, der von Dias entdeckten Quelle steht heute das Bartolomeu Dias Museum. Das Museum ist den frühen Seefahrer-Nationen gewidmet und vermittelt einen eindrücklichen Überblick über die Unternehmungen der grossen europäischen Seefahrer der Entdeckungszeit und veranschaulicht die oft tödlichen Herausforderungen, mit denen Schiffsmannschaften und Passagiere auf ihren Fahrten konfrontiert wurden.

Von Mossel Bay geht unsere Reise weiter ins Herzstück der Garten Route. Mit Zwischenhalten in Wilderness, der geschäftigen Stadt Knysna und an der Küste bei Storms River Mouth am Fuss der Tsitsikamma Berge erleben wir die faszinierend abwechslungsreiche Gegend mit quirlig lebendigen Ortschaften, wunderschönen Sandstränden und zerklüfteten Küsten mit gebirgigen Schluchten, die vom Meer tief ins Landesinnere reichen.

Storms River Mouth im Tsitsikamma National Park erweist sich dabei klar als der Ort, den wir auf einer zweiten Afrikareise auf jeden Fall wieder besuchen würden.

Zu Beginn unserer Reise haben wir auf dem Weg nach Norden einen Aufenthalt im Mountain Zebra National Park auf später vertagt. Nun fast am Ende unserer Reise ist es höchste Zeit diese Pendenz entweder zu erledigen oder dann von unserer To-do-Liste zu streichen.

Da es uns noch einmal in die Nähe der Tiere Afrikas zieht und uns Gregory, der Parkranger, der uns durch den Karoo National Park geführt hat, diesen Park besonders ans Herz gelegt hat, entscheiden wir uns für einen Besuch.

Für die Fahrt in den Norden wählen wir die landschaftlich attraktive Strecke, welche die Überquerung der Outeniquaberge mittels Outeniqua- und Potjesbergpass nach Uniondale beinhaltet. Dann führt uns die Route zwischen den Ausläufern des Swartberggebirges zur Linken und dem Antoniesberg zur Rechten nach Willowmore, Aberdeen und über Graaff Reinet. So erreichen wir den Haupteingang des Mountain Zebra National Parks von Norden.

Auf der Fahrt durchqueren wir mehrere Klimazonen, mit ihren je spezifischen Anbaugebieten. Zum Beispiel wird in den Outeniquabergen nördlich von George in der Gegend um Herold Hopfen angepflanzt. Die milden Temperaturen des hier mehrheitlich mediterranen Klimas mit genügend Niederschlägen und wenig Frost bietet ideale Bedingungen für einen erfolgreichen Anbau dieser bis zu acht Meter hoch- und  schnellwachsenden Kletterpflanze. 

In flacheren Gegenden treffen wir riesige Straussenherden an, während wir in weiter nördlich und höher gelegenen, deutlich kühleren Gebieten Apfel- und Birnenplantagen durchqueren, da hier die für den Anbau dieser Früchte erforderlichen klimatischen Voraussetzungen mit ausreichend Frost gegeben sind.

Etwa 30 Kilometer nach Willowmore passieren wir den Beervlei Staudamm. Der 31 Meter hohe und 348 Meter lange Damm wurde 1957 gebaut, um Überflutungen durch den Groot River und dessen Zuflüsse zu verhindern. Bei starken Regenfällen füllt sich die 23’145 Km2 grosse Stauebene mit Wasser, das in der Folge durch gezieltes Öffnen der Schleusen zur Bewässerung der Felder zur Verfügung gestellt wird.

Je weiter wir uns unserem Ziel nähern, umso halbwüstenartiger wird die Landschaft, bis wir nördlich von Willowmore wieder in der Grossen Karoo unterwegs sind.

Der Mountain Zebra National Park wurde im Jahr 1937 zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Cape Mountain Zebras (Kap-Bergzebras) gegründet. Zur Gründungszeit stand dem Park eine Fläche von nur gerade 17.12 Km2 zur Verfügung. Bis heute konnte er auf 284 Km2 erweitert werden und es wird aktiv versucht, den Park durch Zukäufe von angrenzendem Land weiter zu vergrössern. Die Zahl der im Park lebenden Kap-Bergzebras ist dank unermüdlicher Anstrengungen von Fachleuten und eines hochmotivierten Teams von Wildhütern und Helfenden von anfänglich etwa 25 Tieren auf aktuell über tausend angestiegen. Aus dem hiesigen Bestand werden von Zeit zu Zeit Gruppen in andere für das Kap-Bergzebra geeignete Parks umgesiedelt.

Der Mountain Zebra National Park ist ein zauberhafter, relativ kleiner, landschaftlich ausserordentlich attraktiver und abwechslungsreicher Park. Da es geregnet hat, präsentiert sich der Park in frischem Grün, mit viel saftigem Gras und blühenden Blumen. Bei prächtigem Wetter beschert uns der Park zahlreiche und unerwartete Tierbeobachtungen. Mit tiefliegenden Nebelfeldern und frühmorgendlichen Temperature um 12°C macht sich zwischendurch zudem der nahende Herbst bemerkbar.

Neben dem Kap-Bergzebra beherbergt der Park eine Vielzahl anderer Wildtiere. Darunter befinden sich der Caracal, das Weissschwanzgnu, das ausschliesslich in Südafrika vorkommt, Oryx Antilopen, Geparden, und Spitzmaulnashörner, um nur einige zu nennen. Die vielen Jungtiere, die aufgrund des reichlichen Nahrungsangebotes um diese Zeit geboren werden sind ein zusätzlicher Bonus.

Unter all den Parks, die wir auf unserer Reise besucht haben, gehört der Mountain Zebra National Park definitiv mit zu unseren Favoriten.

Zum Abschluss buchen wir eine geführte Tour zu den Geparden, von denen mehrere Familien im Park leben. Ein junger Wildhüter führt uns zielsicher zu einer Mutter mit ihren drei Jungtieren. Mit der erforderlichen Behutsamkeit und Vorsicht können wir uns den Tieren zu Fuss bis auf wenige Meter nähern. Die Tour ist ein eindrückliches Erlebnis, das uns wieder einmal bewusst macht, wie fragil und heikel das Zusammentreffen von Mensch und Tier sein kann und wir hier ausschliesslich geduldete Eindringlinge sind.

Mit Ziel Port Elisabeth fahren wir vom Mountain Zebra National Park nach Süden. Dabei besuchen wir das malerische Städtchen Graaff Reinet, das wir zu Beginn unserer Reise schon besichtigt haben, noch einmal. Im Gegensatz zu unserem Besuch im Frühling präsentiert sich die damals strohtrockene Gegend um Graaff Reinett nach ausgiebigem Regen in sattem Grün.

Quasi an unserer Route liegt einige Zeit später der Addo Elephant National Park. Natürlich schaffen wir es nicht, am Park vorbeizufahren und damit die Gelegenheit zu verpassen, noch einmal Elefanten aus nächster Nähe beobachten zu können.

Gegründet wurde der Addo Elephant National Park im Jahr 1931 zum Schutz der letzten in dieser Gegend lebenden Elefanten. Bis zur Gründung des Parks wurden die hier ehemals zahlreiche Tiere umfassenden Herden von eigennützigen Elfenbeinjägern und Farmern bis auf einen kümmerlichen Restbestand von elf Tieren getötet. In der Zwischenzeit hat sich die Elefantenpopulation wieder auf über 600 Tiere (2022) erholt.

Die nun faktisch zu hohe Zahl im Park lebender Dickhäuter wird für die Natur des 1’790 Km2 grossen Parks zunehmend zur Belastung. Anhand diverser Massnahmen wird versucht, die Elefanten in von ihnen weniger bevorzugte Gebiete zu lenken. Zudem wird auch hier aktiv an der Erweiterung des Parkgebietes gearbeitet. Angestrebt wird eine Grösse von rund 3’600 Km2.

Etwas wehmütig verabschieden wir uns von unserem letzten Wildpark im südlichen Afrika und nehmen die letzte Etappe unserer Reise in Angriff.

In Gqeberha, wie Port Elisabeth seit dem 23. Februar 2021 offizell heisst, gönnen wir unserem Auto eine gründliche Wäsche und einen Service. Danach ist Packen und Putzen angesagt, da unser Auto nächstens im Hafen erwartet wird.

Um sicher zu gehen, dass unser Auto auf dem Hafengelände von Port Elisabeth keine unterwünschten Besuche mehr erhält, engagieren wir über unsere für die Verschiffung zuständige Agentur einen Sicherheitsbeamten, der unser Auto bis zur Verladung auf das Schiff im Auge behält.

Unseren Rückflug in die Schweiz haben wir vor Reisebeginn so geplant, dass wir zuhause noch Gelegenheit haben, den Osterhasen anzutreffen. Unsere Planung geht recht gut auf und nachdem wir unser Auto am Hafen übergeben haben, bleiben uns noch drei Tage in Port Elisabeth, bevor auch wir die Rückreise in die Heimat antreten.

Diese Zeit verbringen wir mit Spaziergängen durch Port Elisabeth und entlang der mehreren Kilometer langen, gut unterhaltenen Strandpromenade und versuchen uns, allerdings mit mässigem Erfolg, auf die Rückkehr in die Schweiz einzustimmen.

Kurz nachdem wir am Tag unserer Abreise das Flugzeug in Port Elisabeth bestiegen haben, beginnt es zu regnen.

Erfreulicherweise empfängt uns in Zürich ein strahlend schöner Frühlingstag mit herrlich warmen Temperaturen. Bedeutend mehr als das freundliche Wetter freut uns allerdings der herzliche Empfang unserer Familie, die uns vollzählig am Flughafen erwartet.

Mittlerweile haben wir unser Auto in Bremerhaven abgeholt. Die präventive Bewachung im Hafen von Port Elisabeth scheint ihr Ziel erreicht zu haben. Entsprechend konnten wir unser Auto in Bremerhaven so in Empfang nehmen, wie wir es im Hafen von Gqeberha vor vier Wochen abgeliefert haben.

Gedanken zum Schluss

Mit einiger Wehmut verlassen wir Afrika und hoffen, dass es ein Abschied auf Zeit sein wird. Die sechs Staaten im südlichen Afrika, die wir in den gut sieben Monaten bereisen durften, haben uns in ihrer Unterschiedlichkeit, sei dies bezogen auf die Landschaften oder die Tier- und Pflanzenwelt immer wieder von neuem fasziniert. Vor allem anderen hat uns jedoch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, beeindruckt.

Bis auf den Einbruch in unser Auto zu Beginn der Reise, haben wir keine negativen Erlebnisse mehr verbuchen müssen. Die Sicherheitslage in den von uns bereisten Staaten ist sehr unterschiedlich. Wir haben uns an den meisten Orten sicher gefühlt und sind der Meinung, dass ein dem Aufenthaltsort angepasstes Mass an gesundem Menschenverstand sehr viel zu einer sicheren Reise beiträgt. Während der Reise haben wir mehrheitlich die bestehenden Campsites genutzt. Dies weil die lokalen Gemeinden dadurch ihre Aufwendungen mindestens teilweise decken können und ein paar Arbeitsplätze erhalten bleiben. Selbstredend bedingt wildes Campen erhöhte Kenntnisse der lokalen Voraussetzungen und Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung.

Wir sind uns bewusst, dass die politische, wie auch die wirtschaftliche Situation in den von uns besuchten Ländern sehr unterschiedlich ist und massive soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten bestehen. Das Erbe der Kolonialzeit ist in den davon betroffenen Ländern noch deutlich sicht- und spürbar und die Folgen der Apartheid sind allgegenwärtig und noch lange nicht überwunden. Simbabwe leidet zusätzlich noch immer massiv unter der misslungenen Landesreform.

Alles in allem können wir individuelles Reisen durch die südlichen Länder Afrikas nur empfehlen. Mit etwas zusätzlichem Aufwand an weiterreichenden Überlegungen ist dieser Teil Afrikas unserer Meinung nach ein sicheres Reisegebiet. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei die Bereitschaft, eigene Denkmuster zu hinterfragen, allenfalls zu verändern und den eigenen Horizont entsprechend zu erweitern.

Vermissen werden wir die Begegnungen, bei denen uns so oft das fröhliche, herzliche Lachen und die Fähigkeit der Menschen, den Augenblick zu feiern, begegnet sind und uns immer wieder aufrichtige Bewunderung abgerungen hat.

Südafrika 3 (der Westen)

Kgalagadi via Cape Town bis Kimberley / 29. Januar – 27. Februar 2025

Während knapp zwei Monaten durften wir die grandiosen Landschaften, die vielfältige Tierwelt sowie interessante Städte und Ortschaften in Namibia entdecken und erleben. Nach vier Monaten, die wir in drei der angrenzenden Länder verbracht haben, ist es nun Zeit wieder nach Südafrika einzureisen.

Für den dritten Teil Südafrikas steht uns gut ein Monat zur Verfügung. Nach der Einreise planen wir dem Oranje River, der über lange Strecken die Nordgrenze zwischen Namibia und Südafrika bildet, entlang zur Westküste Südafrikas zu fahren und dann der Küste folgend nach Kapstadt zu reisen. Dort werden wir die Stadt und anschliessend die Kap-Halbinsel erkunden.

Nach unseren herrlichen Tagen im Kgalagadi National Park gehen wir am Abend unseres letzten Tages im Park zum Grenzposten bei Twee Rivieren, um uns nach den Formalitäten für unsere morgige Einreise zu erkundigen.

Die nette Dame am entsprechenden Schalter inspiziert unsere Pässe und runzelt langsam die Stirn. Das Runzeln verstärkt sich zusehends, was bei uns schlagartig Verunsicherung auslöst, die sich nochmals steigert, als die Beamtin mit unseren Pässen für einige Zeit in ihr Büro verschwindet. Als sie zurückkommt, teilt sie uns mit, dass unser Visum abgelaufen sei und wir fünf Tage Zeit hätten, Südafrika zu verlassen. Überrascht schauen wir uns an und umgehend wird uns die Tragweite der Situation klar. Wir fragen nach dem Grund, da wir unserer Ansicht nach bei weitem nicht 90 Tage in Südafrika verbracht hätten. Die nette jedoch zunehmend bestimmte Dame am Schalter erklärt uns, dass nicht die Anzahl Tage ausschlaggebend sei, die wir in Südafrika verbracht hätten, sondern einzig und allein das Datum des Einreisestempels. Wir müssten in unser Herkunftsland zurückreisen, um bei der nächsten Einreise nach Südafrika (und zwar ausschliesslich aus unserem Herkunftsland) ein neues Visum zu erhalten.

Etwas betreten erkundigen wir uns bei der Beamtin, was sie uns empfehlen würde, da fünf Tage kaum reichen würden, um uns entsprechend zu organisieren. Sie informiert uns, dass es die Möglichkeit gebe, einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Die Verlängerung könne bei dafür vorgesehenen Organisationen in den Hauptorten der verschiedenen Provinzen des Landes beantragt werden. Sie würde uns empfehlen, einen allfälligen Antrag in Kimberley einzureichen, da dies der nächstgelegene Ort sei, an dem sich ein solches Büro befinde. Wir bedanken uns für die Information und verlassen noch immer ziemlich fassungslos den Grenzposten. Bei einem kräftigen Drink spielen wir wenig später die möglichen Varianten durch. Dabei kommen wir zum Schluss, dass ein Antrag auf Verlängerung unserer Visa im Moment die beste Lösung ist und beschliessen, diesen Antrag in Kimberley einzureichen.

Glücklicherweise ist die gleiche Beamtin am kommenden Morgen wieder am Schalter. Wir informieren sie, dass wir entschieden haben, in Kimberley einen Antrag auf Verlängerung unserer Visa zu stellen. Wieder verschwindet sie mit unseren Pässen in ihrem Büro. Nach ein paar Minuten ist sie zurück und überreicht uns die gestempelten Pässe. Sie erklärt, dass sie eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung für insgesamt sieben Tage ausstellen konnte. Damit sollten wir genügend Zeit haben, um die Verlängerung in Kimberley zu beantragen. Wir bedanken uns für ihre Unterstützung und machen uns, statt wie geplant nach Westen zum Augrabies National Park, umgehend auf den Weg nach Kimberley, das gut 650 Kilometer in der entgegengesetzten Richtung liegt.

Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnisse. Dies trifft umso mehr auf unsere bedingt freiwillige Fahrt nach Kimberley zu, als wir nun die Möglichkeit haben, unterwegs einige Reiseziele zu berücksichtigen, die auf unserem Reiseplan bisher nicht vorgesehen waren.

Zu Beginn führt unsere Route durch die letzten leuchtend orangeroten Dünen und die riesigen Gebiete der nach Süden hin auslaufenden Kalahari, die sich über den Horizont hinaus ins Unendliche zu erstrecken scheint.

In Upington, der ersten grösseren Stadt im nordwestlichen Südafrika legen wir einen ersten Halt ein. Die Stadt liegt am Orange River, dessen Wasser hier den weitflächigen Anbau von Getreide, Gemüse, Trauben und Zitrusfrüchten ermöglicht. In Upington befindet sich die grösste Wein-Kooperative Südafrikas. Ein grosser Teil der in der Weinregion, die sich entlang dem Orange River weiter nach Westen ausdehnt, angebauten Trauben ist allerdings nicht zur Produktion von Wein, sondern für den Export als Tafeltrauben oder zur Trocknung bestimmt.

Von Upington fahren wir über Grootdrink, Groblershoop, Griekwastaad und Campbell nach Douglas. Die kleine Ortschaft liegt am Ufer des Vaal River, der zehn Kilometer südwestlich in den Orange River mündet. Die Gegend um die beiden Flüsse ist äusserst fruchtbar und die weiten Ebenen eignen sich hervorragend zum Anbau von Getreide, Mais und Gemüse. In Douglas befindet sich direkt am Vaal River ein sympathischer kleiner Stellplatz, der von einem jungen Ehepaar betrieben wird. Nach einer freundlichen und informativen Unterhaltung mit der Besitzerin verbringen wir hier eine ruhige und erholsame Nacht und fahren am nächsten Morgen zeitig weiter.

In Kimberley benötigen wir anderthalb Tage, bis wir alle für den Antrag erforderlichen Dokumente zusammengetragen und ausgefüllt haben. Dann müssen diese offiziell beglaubigt und von den hilfsbereiten und dabei hochkorrekten Angestellten des VFC (Visa Facilitation Center) als vollständig akzeptiert werden. Als dies geschafft ist, erhalten eine Bestätigung, dass wir den Antrag eingereicht haben und die Auskunft, dass es zwischen zwei Wochen und zwei Monaten dauern könne, bis die neuen Visa abholbereit seien. Über den zeitlichen Verlauf des Verfahrens und den Abholtermin würden wir per SMS und per E-Mail informiert. Während der Dauer des Verfahrens könnten wir uns frei im Land bewegen. Mit der Bestätigung, dass wir einen Verlängerungsantrag eingereicht hätten, könnten wir das Land allenfalls auch verlassen. Die Visa müssten zu gegebenem Zeitpunkt wieder in Kimberley abgeholt werden. Und nein, es gebe leider keine andere Möglichkeit.

Da wir nun schon mal in Kimberley sind, besuchen wir The Big Hole (Das Grosse Loch), eine ehemalige Diamantenmine, die sich im Laufe der Zeit mit Wasser gefüllt hat. In unmittelbarer Nähe befinden sich die noch erhaltenen Gebäude der Stadt, die während des Diamantenbooms am Rand der Mine entstanden ist.

In der Nähe des Orange Rivers wurden im Jahr 1866 auf freiem Feld die ersten Diamanten entdeckt. Im Juli 1871 wurden auch auf der Colesberg Kopje, die sich auf dem Gebiet der Farm der Brüder Johannes Nicolaas und Diederik Arnoldus de Beer befand, eine Handvoll Diamanten gefunden. Im folgenden Diamantenrausch und unter dem steigenden Druck der sich rasant entwickelnden Diamantenindustrie mussten die Brüder ihr Land dann jedoch verkaufen.

Während des Diamantenrauschs entstand auf dem Gelände der Colesberg Kopje ein riesiges Loch, das von tausenden von Diamantenschürfern von Hand ausgehoben wurde. Gegraben wurde hauptsächlich mit Pickel und Schaufel und die Suche nach den begehrten Steinen wurde schon bald zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit. Viele Menschen kamen durch Unfälle in der immer tiefer werdenden Mine ums Leben.

Schon 1872, ein Jahr nachdem das Schürfen nach Diamanten bei der Colesberg Kopje startete, lebten im dortigen Camp bis zu 50’000 Menschen. Die Lebensbedingungen im Camp waren aufgrund dauernden Wassermangels, katastrophalen hygienischen Verhältnissen, fehlenden gesunden Nahrungsmitteln und der unerträglichen Sommerhitze äusserst prekär. Krankheiten verbreiteten sich in Windeseile und endeten oft tödlich.

Als die Diamantenmine weniger Ertrag generierte, kaufte Cecil Rhodes die Schürfrechte der Diamantensucher auf. Im Jahr 1888 wurde dann die Organisation «De Beers Consolidated Diamond Mines» von Cecil John Rhodes und Charles Rudd ins Leben gerufen. Der Abbau der Diamanten wurde im Untertagebau bis auf eine Tiefe von 1’097 Metern erfolgreich fortgesetzt. Im Jahr 1914 wurde die Mine geschlossen, weil sie die erforderliche Rendite nicht mehr erzielte.

Vom Start der Förderung von Diamanten im Jahr 1871 bis zur Einstellung des Abbaus wurden 22,5 Millionen Tonnen Gestein an die Oberfläche befördert und bis zu 2’722 Kilogramm Diamanten von insgesamt 14’504’566 Millionen Karat gefunden. Als der Abbau eingestellt wurde, war das im Tagebau entstandene Loch 240 Meter tief. Das Grosse Loch hat heute eine Grösse von 17 Hektaren und einen Durchmesser von 463 Metern.

Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich ein modernes, höchsten Standards entsprechendes Bergbaumuseum. In anschaulicher Art vermittelt dieses Zahlen und Fakten von der Entstehung der Diamanten bis zu deren Verarbeitung zu wertvollem Schmuck oder deren Verwendung in Hochpräzisionsinstrumenten. Wir erfahren, wie die Grösse Karat berechnet wird, wieviel Karat die grössten Diamanten wiegen, die in Kimberley gefunden wurden und wo diese sich heute befinden. In hoch gesicherten Schaukästen können echte Diamanten unterschiedlichster Farbe und Grösse betrachtet werden.

Die kleine, gut erhaltene Stadt aus der Hochblüte des Diamantenrauschs ist heute ein Freilichtmuseum, das einen lebensnahen Eindruck der damaligen Zeit vermittelt. Zusammen mit dem modernen Bergbaumuseum ergeben die beiden Freilichtmuseen einen spannenden und umfassenden Einblick in die faszinierende Welt der Diamanten.

Alles in Allem ist der Besuch der alten Mine und der angrenzenden Anlagen, die sich nota bene mitten in Kimberley befinden, ein lohnendes Erlebnis.

Nach den kurzweiligen Tagen in und um Kimberley zieht es uns wieder nach Westen. Unsere Route führt zurück nach Upington und von dort weiter in den Augrabies Falls National Park, in dem sich mit dem 56 Meter hohen Wasserfall des Orange Rivers der mächtigste Wasserfall Südafrikas befindet.

Dank dem Wasser des Orange Rivers können wir auf der Weiterfahrt riesige Anbauflächen bestaunen, auf denen hauptsächlich Trauben und Zitrusfrüchte angebaut werden. Die Ernte der zur Produktion von Weinbeeren bestimmten kernlosen Trauben ist in vollem Gang. Auf riesigen mit Vlies belegten Flächen werden die Trauben an der Sonne zum Trocknen ausgelegt und je nach Sorte während 7 bis 10 Tagen regelmässig von Hand gewendet. Bei Temperaturen um 40°C reicht dieser Zeitraum, damit sich die Trauben in trockene Weinbeeren verwandeln. Erst jetzt realisieren wir, wieviel Handarbeit bei der Produktion von Weinbeeren involviert ist.

Über Pofadder fahren wir weiter bis nach Springbock, der grössten Stadt und Versorgungszentrum der Region Namaqualand. Sobald kein Wasser zur Bewässerung von Anbauflächen mehr zur Verfügung steht, präsentiert sich die Landschaft vor allem während des Sommers heiss, trocken und lebensfeindlich.

Die Stadt Springbock verdankt ihre Gründung im Jahr 1862 den reichen Kupfervorkommen in ihrer Umgebung. Sie ist das Versorgungszentrum der Region und nach wie vor ein wichtiger Knotenpunkt für die Kupferförderung. Ihren Namen erhielt die Stadt von den riesigen Springbockherden, die bis im 19. Jahrhundert in dieser Gegend lebten. Leider wurden die Tiere von den Siedlern dann fast vollständig ausgerottet.

Nur wenige Kilometer südlich von Springbock liegt das Goegap Naturreservat. Ein charmanter kleiner Park, dessen Schwerpunkt auf dem Erhalt der vielfältigen Pflanzenwelt der umliegenden Gebiete liegt. Hier gedeiht eine Vielzahl unterschiedlichster Sukkulenten, von denen ein Teil in einer Sammlung besichtigt werden kann. Darunter ist auch ein eindrücklicher Bestand von Köcherbäumen.

Die Hauptattraktion des Parks präsentiert sich allerdings während der Monate August und September. Sofern es genügend Regen gegeben hat, verwandelt sich die Halbwüste während des hiesigen Frühlings sozusagen über Nacht in ein riesiges Blütenmeer, das Besuchende aus aller Welt anlockt. Auch ohne dieses spektakuläre Ereignis ist der Park ein zauberhafter Ort. Das Wetter ist prächtig und die Sicht in die den Park umgebenden Berge ist strahlend klar. Zudem sind wir die einzigen Gäste und das ganze Gebiet steht uns quasi zur freien Verfügung.

Das Reservat und Springbock verlassen wir in nördliche Richtung. Über die Ortschaft Steinbock und einen Richtungswechsel nach Westen erreichen wir den Atlantik und damit die angenehm kühle Westküste.

Dort treffen wir auf Port Nolloth, eine kleine Hafenstadt, die noch bis vor einigen Jahrzehnten vom Bergbau oder dem Abbau von im Meeresboden lagernden Diamanten leben konnte. Nachdem der Kupferabbau in der Gegend um Springbock nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher und die Förderung von Diamanten unrentabel wurde, lebt der Ort heute hauptsächlich von der Langustenfischerei und vom Tourismus. Einige Diamantensuchboote besitzen allerdings noch eine Lizenz, um im Meeresgrund nach Diamanten zu suchen.

Von Port Nolloth aus fahren wir der Westküste entlang Richtung Süden. In Kleinzee, einer ehemaligen Minenstadt, die sich bis vor kurzem im Besitz eines Minenbetreibers befand, treffen wir in der Touristeninformation einen sehr motivierten jungen Mann, der auch das angegliederte Museum im Schuss hält. Wir erfahren, dass die Förderung von Diamanten vor einigen Jahren eingestellt worden ist. Daraufhin sei die Stadt vom Minenbesitzer aufgegeben worden. Die bisherigen Arbeitsplätze seien verlorengegangen und die Zahl der Einwohnenden habe sich von ca. 2’000 auf einen kleinen Bruchteil dessen reduziert. Viele Liegenschaften seien verkauft worden, was auch zu Neuzuzügen geführt habe. In den letzten Jahren habe sich die Kleinstadt neu ausgerichtet und vermehrt in touristische Infrastruktur investiert. Mittlerweile sei die Bevölkerung wieder auf knapp 800 Personen angewachsen.

Auf die Empfehlung des jungen Mannes beschliessen wir, in der kleinen Ortschaft eine Kaffeepause einzulegen. Dabei lernen wir eine junge Frau kennen, die ein kleines charmantes Kaffee betreibt und ein paar Zimmer an Reisende vermietet. Aus der geplanten Kaffeepause wird ein sehr angenehmer und informativer Nachmittag. Im Kaffee findet gerade ein Meeting von drei jungen Frauen statt, die sich intensiv mit Zukunftsplänen auseinandersetzen. Wir sind tief beeindruckt von den jungen Leuten, die mit viel Einsatz und Energie versuchen, den Ort als funktionierende Gemeinschaft aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Nach diesem erfrischenden Nachmittag fahren wir zurück nach Springbock. Die Strasse, die Kleinzee mit Springbock verbindet, führt zu Beginn durch halbwüstenähnliche Landstriche, in denen sich das hässliche Gesicht des Diamantenabbaus offen manifestiert. Wiederholt fahren wir durch Gebiete, die bei der Suche nach den wertvollen Edelsteinen mit riesigen Maschinen regelrecht umgegraben und verwüstet wurden. Eine Pflicht für einen die Natur schonenden Abbau oder zur Wiederherstellung der zerstörten Gebiete durch die Verursacher scheint nicht zu bestehen.

Nach vielen deprimierenden Kilometern erreichen wir hügeliges, teilweise grünes Gelände, in dem in bescheidenem Mass Viehhaltung möglich ist. Dann führt die Strecke über den Spektakel Pass, der uns getreu seinem Namen eindrucksvolle Szenerien beschert. Zudem hat sich die Fahrbahn von einer streckenweise ziemlich ruppigen Piste in eine tadellos asphaltierte Strasse verwandelt.

Das prächtige Wetter der nächsten Tage nutzen wir, um weiter Richtung Süden zu fahren. Aufgrund des Abstechers nach Kimberley geben wir uns mit der effizienteren Variante über die Schnellstrasse zufrieden, statt auf den sandigen und entsprechend zeitintensiven Pisten der Küste entlang die prächtigen Strände zu entdecken. Nach der langen Fahrt durch die hügelige, meist trockene Landschaft von Springbock nach Vanrhynsdorp geniessen wir in Vredendal die grüne und fruchtbare Gegend um den Olifants River.

Wie im Norden Südafrikas der Orange River ermöglicht der Olifants River hier den Anbau von Trauben, Zitrusfrüchten, Gemüse und Getreide. Das Wasser des Olifants Rivers und seiner Zuflüsse, die in den weiter im Hinterland liegenden Gebirgen entspringen, wird in ausgeklügelten Bewässerungssystemen zu den Feldern und Plantagen der Anbaugebiete geleitet. Bei Papendorp mündet der Olifants River dann in den Atlantik.

Der Stellplatz, auf dem wir eine Reisepause einlegen, liegt auf dem Gelände einer Farm, auf der hauptsächlich Saatgut für den europäischen Markt, Weintrauben, Korinthen und Süsskartoffeln produziert werden. Auf einer Fahrt durch seine Kulturen erläutert uns der weltoffene Besitzer der Farm die heutigen Herausforderungen im Alltag eines Farmers. Diese drehen sich hauptsächlich um die Wasserrechte und zunehmend um die von europäischen Abnehmern verlangte nachhaltige Produktion.

Die Westküste erweist sich als ursprüngliches und vom allgemeinen Tourismus noch wenig berücksichtigtes Reisegebiet. Zauberhafte kleine Küstenorte mit herrlichen, schneeweissen Stränden, angenehmen Temperaturen und überraschenden Entdeckungen, verführen uns, hier mehr Zeit zu verbringen als ursprünglich eingeplant.

Der oft bis in den späten Abend sehr starke Wind am Meer unterstützt uns dann und wann dabei, die Weiterreise in Angriff zu nehmen und zwischendurch etwas windgeschütztere Orte anzusteuern.

Auf unserer weiteren Reise in den Süden stellt sich die Cape Gannet– bzw. Kaptölpelkolonie im Bird Island Nature Reserve in Lambert’s Bay als wahres Juwel heraus. Dabei handelt es sich um einen von weltweit nur sechs Orten, an dem Kaptölpel brüten und es ist der einzige Ort, an dem diese eleganten Tiere mit ihren blauen Augen und auffällig hellgrün gezeichneten Füssen aus der Nähe zu beobachten sind. Nur etwa 100 Meter von der Hafenmauer entfernt, beginnt das knapp drei Hektar grosse Gelände, auf dem tausende Brutpaare auf engstem Raum ihre Jungen grossziehen.

Paternoster, das seinen Namen von Schiffbrüchigen eines vor der Küste in Seenot geratenen portugiesischen Schiffes erhalten haben soll, ist eine der ältesten Siedlungen Südafrikas. Neben dem Tourismus ist die Hummerfischerei bis heute eine wichtige Einkommensquelle der hiesigen Bevölkerung. Trotz regem Tourismus konnte sich das Fischerstädtchen seinen ursprünglichen Charme erhalten. So ist es in Paternoster immer noch möglich, den frischen Fang morgens vor Ort am Strand direkt von den Fischern zu kaufen.

Wir nehmen uns Zeit für einen ausführlichen Bummel durch den malerischen Ort mit seinen farbigen Booten, weissen Häusern und einer ansehnlichen Zahl sehr guter Restaurants. Leider muss man im Restaurant Wolfgat drei Monate im Voraus reservieren und im Voraus bezahlen, um einen der zwanzig Plätze zu erhalten. Da uns so viel Zeit leider nicht zur Verfügung steht, geben wir uns mit einer etwas weniger prominenten Adresse zufrieden, wo wir bestens verköstigt werden.

Nur ungern lösen wir uns von der offenen und freundlichen Atmosphäre Paternosters, was dazu führt, dass wir den Ort erst am späteren Nachmittag verlassen. Als wir dann kurz vor Sonnenuntergang bei der Campsite in Yzerfontein eintreffen, stehen wir vor verschlossenen Toren. Leider können wir die angegebene Kontaktnummer nicht anrufen, da unser lokales Gesprächsguthaben wieder einmal ungenutzt abgelaufen ist. Für einen Moment überlegen wir uns eine Alternative und schon fährt ein Jeep vor und ein netter älterer Herr erkundigt sich nach allfälligen Problemen. Spontan bietet er uns an, in der Einfahrt seines Hauses zu übernachten. Da es in Kürze dunkel sein wird, nehmen wir das Angebot gerne an. Kurze Zeit später sitzen wir mit unserem Gastgeber und seiner Frau in deren Wohnzimmer und verbringen mit dem aufgeschlossenen Ehepaar einen sehr persönlichen und anregenden Abend voll mit spannenden Tipps für unsere nächste Reise ins südliche Afrika…

Bevor wir nach Kapstadt aufbrechen, geniessen wir im West Coast National Park die wunderschöne Landschaft und die intensiven Farben der Lagune von Langebaan. Es scheint, als ob die ganze Palette an möglichen Blautönen mit dem strahlend weissen Strand und dem Blau des Himmels um die Wette leuchten will.

Auf der Weiterfahrt nach Kapstadt begleitet uns dann ab Melkbosstrand und Bloubergstrand eine spektakuläre Sicht auf den Tafelberg nach der anderen.

Im Schutz des Tafelberges geniesst die mondäne Touristendestination Kapstadt ein ganzjährig angenehm mildes, windgeschütztes Klima und mit einer hochentwickelten und höchsten Standards gerecht werdenden Infrastruktur ist die Hafenstadt ein allseits beliebtes Reiseziel.

Hauptsächlich während den Monaten Dezember bis März wird der über das warme Wasser der False Bay kommende südöstliche «South Easter» genannte Wind, an den Hängen des Tafelberges zum Aufstieg gezwungen. Dabei kühlt er sich ab und auf einer Höhe von ca. 800 Metern kondensiert die mitgeführte Feuchtigkeit zu Nebel. Die entstehende Wolkendecke erzeugt auf der dem Atlantik hingwandten Seite einen Fallwind. Dieser auch als «Cape Doctor» (Kapdoktor) bezeichnete Wind zieht den Nebel über das Plateau des Tafelberges und den Hang hinunter Richtung Kapstadt. Auf seiner Reise in die Tiefe löst sich der Nebel auf und der Talwind befreit die Stadt von Smog und sorgt so für klare, frische Luft und je nach Windstärke sogar für saubere Strassen.

Mit seiner Decke aus fliessendem Nebel ist der Tafelberg ein beliebtes Fotosujet. Für Reisende, die sich in diesen Monaten in Kapstadt aufhalten und sich auf einen Besuch des Tafelberges freuen, ist die Tischdecke, wie der Nebel hier genannt wird, allerdings nur bedingt attraktiv, da dieser auf starke Winde auf dem Tafelberg hinweist und einen Besuch oft verunmöglicht.

Noch bevor wir in Kapstadt eintreffen, buchen wir Plätze für das aktuelle «Summer Sunset Concert» im Kirstenbosch National Botanical Garden, der im Stadtteil Newlands am Fuss des Osthangs des Tafelberges liegt. Das Konzert ist auf den späten Nachmittag angesagt. Nach einem Rundgang durch einen Teil des Gartens stellen wir uns in eine der Wartschlangen, die hauptsächlich aus mit Picknickkörben, niedrigen Lehnstühlen und Decken ausgerüsteten Einheimischen bestehen. Die Atmosphäre auf der Wiese am Hang des Tafelberges ist fröhlich, offen und erfrischend persönlich.

Nach dem Konzert fahren wir zurück zu unserem Hotel am Stadtrand. Auf dem hoteleigenen Parkplatz ist unser Auto für die Dauer unserer Aufenthaltes in Cape Town bestens aufgehoben und uns steht während dieser Zeit die ungewohnte Weite einer geräumigen Hotelunterkunft zur Verfügung.

Am nächsten Tag treffen wir uns mit einem in Kapstadt wohnhaften Paar, das wir am Anfang unserer Reise kennen gelernt haben. Wir plaudern über Reiseerfahrungen und künftige Pläne und erfahren viel Interessantes über ihren Alltag in Kapstadt. Darüber hinaus erhalten wir nützliche Informationen für unseren Aufenthalt in Kapstadt und auf der Kap-Halbinsel sowie eine Führung durch die Attraktionen des Hafenquartiers.

Die folgenden Tage nutzen wir zur Erkundung der Stadt und für eine Wanderung auf den Tafelberg. Statt auf der längeren Route von Kirstenbosch her auf den Berg zu steigen, entscheiden wir uns für den direkten, etwas steileren Weg von Norden. Bei guten Verhältnissen beginnen wir den Aufstieg. Leider beisst uns schon bald der Rauch eines unsichtbaren Feuers in der Nase. Trotzdem erreichen wir bei prächtigstem Wetter das Plateau des Tafelberges und freuen uns an der uneingeschränkten Sicht auf Kapstadt und dessen Umgebung. Am frühen Nachmittag schweben wir mit der Luftseilbahn bequem zurück an den Stadtrand.

Abends erfahren wir, dass während des Tages der Wald auf der Ostseite des Tafelberges in Flammen stand. Eine Nacht später brannte die Westseite des Berges.

Besonders beeindruckt uns der Sonnenuntergang vom Signal Hill. Zusammen mit vielen anderen – TouristInnen und Einheimischen – sitzen wir am Hang über der Stadt, bis die Sonne im Meer verschwunden ist. Wir sind überrascht, wie viele Menschen sich einige Stunden Zeit nehmen, um auf dem Boden sitzend und mit einem Sundowner in der Hand gemeinsam den Sonnenuntergang und die Aussicht auf das Lichtermeer von Kapstadt zu bewundern. Die empfindliche Kälte, die sofort nach Sonnenuntergang einsetzt und der Stau, der sich bei der Rückfahrt bildet, scheinen niemanden zu stören und tun der guten Stimmung keinen Abbruch.

Wir geniessen unsere Tage in Cape Town in vollen Zügen und statt selber zu kochen, haben wir die Qual der Wahl und lassen uns zwischen unseren Entdeckungstouren in einigen der vielen guten Restaurants mit köstlichen Mahlzeiten verwöhnen.

Weite Strecken der Küsten der Kap-Halbinsel werden von hübschen Stränden mit schneeweissem Sand gebildet. An der teils stark zerklüfteten Westküste sind die Strände oft wilden Wellen und dem kalten Wasser des Benguela Stroms ausgesetzt. Wassersport, geschweige denn gemütlich baden, macht hier nur Wenigen Spass und auch kilometerlange Strände werden hauptsächlich für Spaziergänge oder dann zum Kitesurfen genutzt. Auf der Ostseite hingegen lockt die False Bay, die vom bedeutend wärmeren Wasser des indischen Ozeans profitiert, Gross und Klein ins angenehm warme Wasser.

Die Kap-Halbinsel ist ein Paradies für Pflanzenfans und BotanikerInnen. Dies insbesondere, weil Südafrika die Heimat des Fynbos ist. Mit diesem Begriff wird die feinstrauchartige auf der Welt einzigartige Flora bezeichnet, die einen grossen Teil der Kap-Halbinsel und weitere Gebiete Südafrikas bedeckt. Zusätzlich zu den geschützten Landstrichen auf der Kap-Halbinsel gibt es sieben weitere ebenfalls geschützte Gebiete, die zusammen Cape Floral bilden. Seit 2004 ist Cape Floral UNESCO-Weltnaturerbe.

Ein Grossteil der Pflanzen, die unter Fynbos subsumiert werden, sind endemisch, das heisst sie kommen ausschliesslich in diesen Gebieten vor. In Fynbosgebieten finden sich mehrere hundert Arten von Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Besonders häufig kommen auch Silberbaumgewächse (Proteaceae) vor, die das Landschaftsbild prägen. Allerdings sind viele Fynbos Pflanzenarten aktuell vom Aussterben bedroht.

Leider blüht der Fynbos nicht, während wir auf der Kap-Halbisel sind. Nur vereinzelt lassen sich blühende Proteen entdecken. Wie herrlich es sein muss, wenn diese exotische Pflanzenwelt in voller Blüte steht, können wir nur erahnen.

Obwohl die gesamte Fläche der Kap-Halbinsel nur gerade 470 Km2 beträgt, ist die Landschaft sehr vielfältig. Aufgrund des wärmeren Wassers des indischen Oceans und des damit einhergehenden milderen Klimas ist die Ostküste bedeutend stärker auf den Tourismus ausgerichtet als die kühle, teils spröde anmutende Westküste.

Unsere vorrangigen Ziele auf der Kap-Halbinsel sind die touristischen Hauptattraktionen Cape Point, das Kap der Guten Hoffnung sowie die Brillenpinguine bei Simon’s Town. Daneben finden wir einige von den breiten Touristenströmen nicht beachtete landschaftliche Perlen wie Witsands Bay bei Misty Cliff oder Smitswinkel Bay an der Ostküste.

An der West- wie an der Ostküste gibt es attraktive Ortschaften zu entdecken. Die Westküste schmückt sich mit Hout Bay, Noordhoek, Kommetjie, Misty Cliffs und dem bedeutend grösseren Scarborough…

…während die wärmere und stärker bewohnte Ostküste mit Simon’s Town, Fish Hoek, Kalk Bay und Muizenberg aufwartet. Von allen ist der kleine Ort Misty Cliff wegen seiner wunderschönen Lage am steilen Hang einer einsamen Bucht klar unser Favorit geblieben.

Nach einer guten Woche verlassen wir die Kap-Halbinsel. Hauptgrund dafür ist die Ungewissheit in Bezug auf den Zeitraum, der uns aufgrund der abgelaufenen Visa in Südafrika noch verbleibt. Sollte der Bescheid, dass die in Kimberley zur Verlängerung beantragten Visa zum Abholen bereit sind, in den nächsten Tagen eintreffen, befinden wir uns hier im Süden der Kap-Halbinsel an dem Ort, der in Südafrika am weitesten von Kimberley entfernt ist. So beschliessen wir, in die Kap Weinregion zu fahren und von dort entlang der Südküste Richtung Osten zu reisen. Als erstes planen wir einen Halt in Stellenbosch.

Stellenbosch wurde 1679 gegründet und ist somit die zweitälteste Stadt Südafrikas. Aufgrund seiner hochstehenden Gastronomie, zahlreichen Galerien und einer guten Auswahl an gemütlichen Kaffees und auch dank seiner vielen prächtigen historischen Bauten ist Stellenbosch ein vielseitiger Zwischenstopp für Reisende. Ausserdem ist Stellenbosch Universitätsstadt und viele bedeutende Weingüter in der malerischen Umgebung der Stadt bieten alles, was Weinbegeisterte suchen.

Etwas ausserhalb der Stadt finden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz und besuchen von hier den quirlig lebendigen Ort, der auch bei jungen Leuten populär zu sein scheint. Abends ist viel Betrieb und Strassenmusik und künstlerische Darbietungen tragen das ihrige zu der sommerlich fröhlichen Stimmung bei. Spontan einen Tisch in einem guten Restaurant zu finden, ist daher mit einem gewissen Mass an Durchhaltewillen verbunden.  

Am nächsten Morgen (Wie könnte es anders sein?) werden wir per E-Mail informiert, dass unsere neuen Visa in Kimberley abgeholt werden können. Da die Möglichkeit besteht, dass uns nur gerade ausreichend Zeit zugestanden wird, um das Land zu verlassen, beissen wir in den sauren Apfel und machen uns umgehend auf den Weg. Trotz der Ungewissheit in Bezug auf die Aufenthaltsdauer sind wir entspannt unterwegs und halten uns an die Maximalgeschwindigkeit von ca. 80 Kmh, die wir uns für die gesamte Reise vorgenommen haben. Das bedeutet, dass wir sicher einmal übernachten werden.

Mit einer Fläche von 500’000 Km2 nimmt die Karoo etwa einen Drittel der Fläche Südafrikas ein und ist damit das grösste zusammenhängende Ökosystem des Landes. Die Karoo setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Sukkulentenkaroo, Nama-Karoo, Grosse und Kleine Karoo. In diesen einmaligen Halbwüsten existieren zahlreiche endemische Pflanzen und Tiere, die sich an die harten Bedingungen anpassen mussten, um zu überleben. Auf unserem Weg von Stellenbosch nach Kimberley durchqueren wir einen Teil der Karoo von Südwesten bis in den Nordosten fast in ihrer ganzen entsprechenden Ausdehnung.

Kurz nach dem Mittag erreichen wir am nächsten Tag das VFC (Visa Facilitation Center) in Kimberley. Wie alte Bekannte werden wir begrüsst und eine gute Viertelstunde später sind wir im Besitz unserer neuen Visa. Erleichtert stellen wir fest, dass diese uns erlauben, bis Ende Mai 2025 in Südafrika zu bleiben und wir unsere Afrikareise (fast) wie gewünscht bis zum Schluss geniessen können. Der Planung unserer Rückfahrt in die Weinregion steht somit nichts im Weg.

Südafrika 2

Drakensberge nach Musina / 12. September – 1. Oktober 2024

Wir verabschieden uns von Ma Hai, dem äusserst angenehmen, idyllisch am Fuss des Mont-aux-Sources gelegenen Campingplatz und von den imposanten Drakensbergen, in denen noch zahlreiche spannende Wanderungen locken würden. Zugunsten eines etwas weniger dichten Reisekalenders, entscheiden wir uns, den Abstecher an die Ostküste Südafrikas von unserer Wunschliste zu streichen. Daher steht als nächster Fixpunkt ein Kurzbesuch in Swasiland auf unserem Programm. Der erste Teil der Fahrt an die Grenze von Swasiland führt uns via Bergville, Ladysmith und Dundee nach Vryheid.

Die Fahrt nach Vryheid verläuft bis auf den letzten Abschnitt von ca. 60 Kilometern entspannt und problemlos. Dann ist die Strasse zuhauf mit Schlaglöchern verziert und auf der Strecke sind unzählige Trucks mit zwei Anhängern unterwegs, die Kohle transportieren. Ein Umstand, der das Fahren auf der linken Seite mit einem linksgesteuerten Auto nicht unbedingt einfacher macht.

Ausserhalb von Dundee besuchen wir das Talana Museum. Dieses beherbergt unter anderem ein geschichtliches Archiv, eine Ausstellung über Mahatma Gandhi, eine breit gefächerte Glassammlung, verschiedenste Transportmittel und Baumaschinen etc., etc. Einer der Schwerpunkte des Museums thematisiert die Kriege zwischen den europäischen Einwanderern und den Zulu sowie Kriege zwischen den europäischen Kolonialmächten. Hier begegnet uns ein Teil der Geschichte Südafrikas wieder, der unser Guide in Johannesburg ebenfalls erwähnt hat.

In Anbetracht dessen, dass wir am Morgen in den Drakensbergen bei knapp 10° C gefrühstückt haben, sind die hier herrschenden 40° C eher gewöhnungsbedürftig. Trotzdem beschliessen wir, dem etwa 20 Kilometer entfernten Blood River Monument einen Besuch abzustatten.

Das Monument steht am Schauplatz der sogenannten Entscheidungsschlacht vom 16. Dezember 1838 zwischen den Boeren (Voortrekker) und den Zulu. Das Blood River Monument besteht einerseits aus einem Museum, dessen Eingangsbereich von einem aus Granit gehauenen Planwagen beherrscht wird. Andererseits befinden sich 64 in Bronze gegossene Planwagen, einige offene Wagen und mehrere Kanonen als Wagenburg angeordnet am Originalschauplatz der Schlacht. Hier stand Andries Pretorius mit 472 Männern, ihren Familien und einigen hundert Helfern etwa 10’000 bis 20’000 Zulu gegenüber. Aufgrund meteorologischer Umstände und ihrer überlegenen Bewaffnung besiegten die Boeren die Zulu. Mehr als 3’000 Zulu verloren ihr Leben, während auf der Seite der Boeren vier Männer zu beklagen waren. Der Fluss, der während der verheerenden Schlacht mit dem Blut der Zulu rot gefärbt wurde, heisst bis heute Blood River. Im Museum schauen wir uns einen kurzen Film über die Schlacht am Blood River an. Mit der jungen weissen Frau, die das Museum betreut, kommt im Anschluss an den Film ein interessanter Austausch zustande. Dabei kommt klar zum Ausdruck, dass sie die damaligen Geschehnisse mehrheitlich positiv beurteilt. Der Ausgang der Schlacht sei nur damit erklärbar, dass Gott dies so entschieden habe. Ziemlich nachdenklich verlassen wir den Ort und haben einmal mehr Stoff für eine spannende Diskussion bei einem abendlichen Drink.

Unterwegs zur Grenze von Swasiland besuchen wir mit dem Ithala Game Reserve unseren ersten Wildpark in Südafrika. Bei diesem Park handelt es sich um ein 300 km2 grosses hügeliges bis gebirgiges Reservat, das abseits der grossen Touristenströme liegt und sich dadurch viel Ursprünglichkeit bewahrt hat. Wir melden uns bei der Reception des Ntshondwe Resorts, das auch das Buschcamp verwaltet. Die Zufahrt zum Camp ist gemäss Auskunft der Rezeptionistin gut unterhalten und sollte auch ohne 4×4 Antrieb gut machbar sein. Wir machen uns also auf den Weg und sind nach einigen hundert Metern mit Sandhaufen konfrontiert, die auf der Strasse auf die Verarbeitung warten. Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir dann unser Camp. Wir sind die einzigen hier und geniessen den Abend in freier Natur in vollen Zügen.

Mit seinen durchwegs bewaldeten Tälern und Hügelzügen ist Ithala ein abwechslungsreicher und sympathischer Park, der seinen Tieren viel Rückzugsmöglichkeiten bietet. Für die Rückfahrt zur Lodge wählen wir am Morgen eine andere Route. Unterwegs begegnen wir Zebras, mehreren Antilopenarten, Giraffen, Warzenschweinen und verschiedensten Vögeln. Nashorn, Leopard, Elefant und Co. zeigen sich allerdings nicht, obwohl eindeutige Spuren auf und neben der Piste deutlich auf die Anwesenheit dieser Tiere hindeuten.

Nach etwa einer Stunde fahren wir an eine Verzweigung. Genau in der Mitte steht ein Strassenschild, das besagt, dass die Strasse gesperrt ist. Wohl oder übel entscheiden wir uns für eine der Pisten und stellen nach wenigen Kilometern fest, dass wir vermutlich die falsche erwischt haben, da sich der Zustand unserer Piste kontinuierlich verschlechtert, bis ein Weiterkommen ohne 4×4 Antrieb unmöglich wird.

Als wir kurz vor der Lodge wieder die Zufahrtsstrasse erreichen, sehen wir ein Schild, das die Piste in der Gegenrichtung deutlich als geschlossen ausweist. Na also!?

In Swasiland, der zweiten Enklave innerhalb des Staatsgebietes von Südafrika, planen wir ein paar Tage zu verbringen. Im Jahr 2018, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit von Swasiland von Grossbritannien, gab König Mswati III die Namensänderung von Swasiland in Eswatini bekannt. Eswatini hat eine Fläche von 17.363 km2. Das Land ist eine absolute Monarchie, in der etwa 1.23 Millionen Menschen leben. Von diesen gehören ca. 90% dem Bantuvolk der Swasi an. Der grösste Teil der Bevölkerung ist arm. Viele Swasi verlassen daher ihr Land, um in Südafrika zu arbeiten und mit dem verdienten Geld ihre Familien zuhause zu unterstützen.

Für die Einreise nach Eswatini benutzen wir den Grenzübergang Golela und Lavumisa. Der Landeswechsel verläuft problemlos und schon bald sind wir unterwegs entlang den Lubombo Mountains, in denen die Ostgrenze Eswatinis zu Mozambique verläuft. Wir passieren kilometerlange Zuckerrohrfelder und entsprechende Verarbeitungsfabriken. Neben Zuckerrohr werden hier auch Bananen angebaut. Aus Zuckerrohr wird einerseits Zucker und Melasse hergestellt. Andererseits wird daraus neben Alkohol als Genussmittel auch medizinischer Alkohol und Ethanol produziert. Die breite Bevölkerung lebt jedoch hauptsächlich von der Landwirtschaft und produziert für den eigenen Gebrauch.

Eswatini ist ein hügeliges und verhältismässig grünes Land mit schönen Landschaften. Für einen ersten Halt zweigen wir ausserhalb der kleinen Stadt Siteki zur MABUDA Guest Farm ab. Auf der Farm werden neben Rindern auch Pferde gezüchtet. Ausserdem werden hier Macadamia Nüsse und Kaffee angebaut. Der Kaffee wird im eigenen Betrieb geröstet und für den Verkauf vorbereitet. Im an die Rösterei angrenzenden Gebäude befindet sich ein gut ausgestatteter Hofladen. Zur Abrundung eines ausgiebigen Spaziergangs auf dem riesigen Gelände der Farm gönnen wir uns einen fachkundig zubereiteten Kaffee, der im angenehm authentischen Ambiente des betriebseigenen Restaurants ein ganz besonderer Genuss ist.

Unsere Reise führt uns auch durch Manzini, das Wirtschaftszentrum des Landes und dessen Hauptstadt Mbabane. Mbabane erstreckt sich über mehrere Hügel und da die Bewohner und Bewohnerinnen wenn immer möglich einen eigenen kleinen Garten bewirtschaften, präsentiert sich die Hauptstadt aussergewöhnlich grün.

Unterwegs werden wir dann und wann von der Polizei angehalten. Bei einer solchen Begebenheit erkundigt sich eine Polizistin nach unserem Woher und Wohin, dem Warum und Wieso und was wir ausser Reisen sonst noch so bewerkstelligen. Nachdem wir alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet haben, ergibt sich ein kurzer spassiger Dialog, während dem sie sich erkundigt, ob wir sie nicht bitte adoptieren würden? Sie hätte sicher noch Platz bei uns im Auto…

Kurze Zeit später parkieren wir – weiterhin zu zweit – bei den attraktiven Gebäuden der Ngwenya Glass Factory. Bei diesem Unternehmen handelt es sich um eine erstmals in den 1970er Jahren mit schwedischer Unterstützung aufgebaute Glasbläserei. Das Projekt sollte helfen, den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Schliessung einer Mine zu kompensieren. Die Arbeitskräfte wurden vor Ort rekrutiert und einige der talentiertesten wurden in Schweden zu professionellen Glasbläsern ausgebildet. Technisches und unternehmerisches Know How wurde von der schwedischen Glasfabrik BERGDALA GLASBRUK AB zur Verfügung gestellt. Nach einer Laufzeit von nur vier Jahren wurde die Glasbläserei 1985 von der Regierung Eswatinis geschlossen. Eine Unternehmerfamilie kaufte den stillgelegten Betrieb, investierte in die Wiederherstellung der Produktionsanlagen, machte die Glasbläser ausfindig und stellte die entlassenen Fachleute wieder an. 1987 wurde die Fabrik wieder eröffnet. Unter neuem Management hat sich der Betrieb seither zu einem florierenden, mehrfach international ausgezeichneten Unternehmen entwickelt. Verarbeitet wird hier fast ausschliesslich Altglas, aus dem in ausschliesslicher Handarbeit Tierfiguren in verschiedensten Grössen und Formen, Gläser in aussergewöhnlichen Designs und hochwertige Dekorationsgegenstände erfolgreich hergestellt und in verschiedenste Länder exportiert werden.

Der direkteste Weg von Ngwenya nach Mbombela (Nelsbruit), unserem nächsten Ziel zurück in Südafrika, führt über den Grenzübergang Bulembu. Dieser Grenzübergang liegt in den westlichen Hügeln Eswatinis. Die Fahrt durch das hügelige Gelände beeindruckt immer wieder mit fantastischen Ausblicken. Je höher wir kommen, desto dichter sind die Hügelzüge mit Kiefern und Eukalyptus bewachsen.

In Teilen des Landes wird auf riesigen wieder aufgeforsteten Flächen Waldwirschaft betrieben. Angebaut werden hauptsächlich Kiefern und Eukalyptus. Beides sind schnellwachsende nicht einheimische Bäume. In riesigen Monokulturen stehen Millionen von Bäumen in Reih und Glied. Waldwirtschaft nimmt hier eine neue Dimension an.

In Pigg’s Peak, das aufgrund von teils sehr ergiebigen Goldfunden ab 1881 entstanden ist, verlassen wir die asphaltierte Strasse. Von hier führt die Route zur Grenze auf einer auf beiden Seiten von Bäumen gesäumten leuchtend orangefarbenen Lehmpiste weiter.

Kurz vor Bulembu werden wir wieder von der Polizei aufgehalten. Nach dem üblichen freundlichen Austausch wünscht uns der Chef des Trupps eine gute Weiterreise und empfiehlt uns den Kaffee in der Bulembu Country Lodge. Da wir für gute Empfehlungen der Polizei empfänglich sind, fahren wir also zur Lodge, die sich als sympathisches Hotel mit einem wunderschönen Garten präsentiert. Der Cappuccino ist tatsächlich sehr gut und im Garten genossen ist er ein erfreulicher Abschluss unserer Kurztour durch Eswatini.

In Bulembu, das früher Havelock hiess, befindet sich die Havelock Mine. Hier wurden bis 2001 Asbest und Gold abgebaut. Der abgebaute Asbest wurde mit 200 Gondeln einer Lastenseilban zur Bahnstation im mehr als 60 Kilometer entfernten Barberton gebracht. Auf dem Rückweg transportierten die Gondeln Kohle für die in der Mine gebrauchten Maschinen. Aufgrund der schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden, welche die Förderung und Verarbeitung von Asbest bei den Mitarbeitenden verursachten und den entsprechenden finanziellen Folgen für die Betreiber der Mine, wurde diese geschlossen. Die Seilbahn wurde stillgelegt. Die meisten Einwohnerinnen von Bulembu verliessen die Stadt, die sich als Folge in eine Geisterstadt mit gerade noch etwa 50 Einwohnenden verwandelte. Seither ist hier auf private Initiative ein Heim für Waisenkinder entstanden. Heute leben in Bulembu wieder etwa 2000 Menschen.

Die Masten der Seilbahn stehen noch und begleiten uns auf der Fahrt von Bulembu nach Barberton. Über Barberton, einer ehemals bedeutenden Goldgräberstadt mit bis zu 8’000 Einwohnenden zu Zeiten des Goldrausches Mitte der 1880er Jahre, erreichen wir Mbombela, die Hauptstadt der Provinz Mpumalanga.

In dieser Provinz liegt das Blyde River Canyon Nature Reserve, das über 290 km2 umfasst. Zur Erkundung dieser einmaligen Landschaft nehmen wir uns ausführlich Zeit. Das freundliche, kleine Städtchen Graskop nördlich von Mbombela ist ganz auf den Tourismus ausgerichtet und stellt mit dem hiesigen Beginn der Panoramaroute sozusagen das Tor ins Blyde River Canyon Gebiet dar. Unterwegs zum eigentlichen Canyon besuchen wir einige der Attraktionen entlang dieser touristischen Route.

Unter den Attraktionen der Panoramaroute erweist sich für uns der Besuch der Echo Caves als besonders lohnend. Aufgrund ihrer tönenden Stalaktiten, die während der Zeit als die Höhlen bewohnt waren, als Warninstrumente benutzt wurden, erhielten diese ihre Bezeichnung als Echo Höhlen. Die Höhlen erstrecken sich über viele Kilometer und überraschen mit ihrer Grösse und Vielseitigkeit. Sie gelten als weltweit älteste Höhlen dieser Art und beherbergen zahllose Stalakmiten und Stalaktiten. Die Durchgänge sind zum Teil sehr eng und weiten sich unerwartet zu riesigen Hallen mit eindrücklichen Tropfsteinformationen. Ein äusserst kompetenter und vielseitig belesener Guide führt uns während gut zwei Stunden mit viel Einsatz und Humor durch eine beeindruckende unterirdische Wunderwelt.

Als Höhepunkt der Panoramaroute wartet dann die imposante Szenerie des berühmten Canyons selbst. Der Blyde River Canyon gilt nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fishriver Canyon in Namibia als drittgrösster Canyon der Welt. Die Sicht in die imposante Schlucht ist einzigartig.

Der Wettergott hat uns allerdings einen von starken Winden begleiteten Temperatursturz von 30° innerhalb von 24 Stunden (39°C auf 9°C) beschert. So wird der Besuch des Aussichtspunktes bei den Three Rondavels zu einem unerwartet erfrischenden Erlebnis. Das für dieses Wetter verantwortliche, vom Kap in den Norden ziehende Tief, führt im Grossraum Johannesburg zur selben Zeit zu seit Menschengedenken noch nie dagewesenen Schneefällen.

Die Tage um den Blyde River Canyon runden wir mit einer Bootsfahrt auf dem Blyde Dam ab. Der Fahrt auf dem Wasser gibt uns die Gelegenheit den Canyon aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die Temperatur ist mit knapp 10°C auch hier herbstlich und ein kalter Wind bläst uns die Gischt ins Gesicht. Trotzdem ist die Fahrt ein besonderes Erlebnis. Nicht zuletzt wegen der fröhlichen Stimmung an Board, die hauptsächlich dem Guide zuzuschreiben ist, der sein Publikum mit seiner gewinnenden, humorvollen Art und mit seinem breitgefächerten Wissen zu Fauna, Flora und Geologie des Canyons und zu begeistern vermag.

Über Hoedspruit, einer sympathischen kleinen Stadt am Rand des Krüger National Parks, fahren wir anschliessend an die Tage in den nördlichen Drakensbergen weiter zum Phalaborwa Gate, einem der Haupteingänge in den grössten Nationalpark Südafrikas.

In diesem fast 20’000 km2 umfassenden Schutzgebiet verbringen wir sechs Tage. Die Infrastruktur im Park ist gut ausgebaut und den Bedürfnissen der Reisenden angepasst. Die Hauptverbindungsstrassen sind asphaltiert und durchwegs in einem sehr guten Zustand. Auch die Pisten, werden gut unterhalten und sind problemlos zu befahren. Alle Übernachtungsplätze im Park müssen zwingend im Voraus gebucht werden – ohne Buchung wird eine Einfahrt in den Park nicht erlaubt.

Die Tiere im Park sind sich Autos gewohnt und lassen sich von diesen nicht stören. So ist es möglich Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Auf der Suche nach Wasser, das in dieser Jahreszeit knapp ist, ziehen Elefantenfamilien, Gnus und riesige Büffelherden durch den Park. Zebras und grössere und kleinere Herden von Impala Antilopen sind fast überall und während des ganzen Tages anzutreffen. Die Regeln im Park sind strikt. So darf nach Sonnenuntergang nicht mehr gefahren werden und alle Fahrzeuge müssen bei Sonnenuntergang in einem der Camps sein oder den Park verlassen haben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h, Strassen und Pisten dürfen nicht verlassen werden und es ist verboten, auszusteigen.

Wir sehen schon am ersten Tag viele Tiere. Dabei treffen wir auf ein Rudel Löwen, das im Schutz eines Gebüschs quasi am Strassenrand die heisseste Zeit des Tages verschläft.

Der Park ist riesig, landschaftlich sehr abwechslungsreich und viele Gebiete sind nicht durch Strassen erschlossen. Allerdings wirkt sich die hohe Dichte an Tieren zum Teil negativ auf die Umwelt aus und eine Erweiterung auf das Staatsgebiet von Mozambique im Sinne eines grenzübergreifenden Parks wird angestrebt. Als wir im Letaba Camp eine Pause einlegen, entdecke ich einen Aushang, der informiert, dass im etwas weiter im Norden liegenden Shingwedzi Camp aufgrund des Anlasses «Baroque in the Bush» keine Übernachtungen gebucht werden können. Neugierig geworden erkundigen wir uns an der Rezeption, ob für diesen Anlass noch Billette erhältlich seien. «Leider nein» lautet die Antwort, da schon alle Konzerte ausverkauft seien.

Auf unserem weiteren Weg in den Norden des Parks beschliessen wir, Shingwedzi so oder so für eine Kaffeepause aufzusuchen. Am Gate erhalten wir von den Sicherheitsleuten die Erlaubnis, im Restaurant essen zu gehen, wir müssten das Camp danach jedoch umgehend wieder verlassen. Auf der Terrasse bei der Rezeption erkundigen wir uns dann bei einer Dame, die Namensschilder verteilt, ob allenfalls noch Eintrittskarten für den Anlass zu haben wären. Wir erfahren, dass es sich um fünf Konzerte verteilt über drei Tage, mehrere Begleitanlässe und jeweils ein Dinner handelt. Nach einer Rückfrage bei der Managerin der Veranstaltung teilt uns die nette Dame zu unserer freudigen Überraschung mit, dass noch zwei Plätze erhältlich seien. Die Konzerte von «Baroque in the Bush 2024», die vom Johannesburg Festival Orchestra unter der Leitung von Richard Cock umgeben von der Wildnis des Krüger National Parks aufgeführt werden, erweisen sich als puren Genuss. Die musikalischen Veranstaltungen ergänzen wir mit morgendlichen Pirschfahrten. Die auserlesene Musik, die faszinierende Stimmung, die Gastfreundschaft und die natürliche Offenheit der Menschen werden uns noch lange begleiten.

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Krüger National Park übernachten wir im Punda Maria Rest Camp, ganz im Norden des Parks. Direkt vor dem Zaun des Camps befindet sich ein Wasserloch, das während unserer Anwesenheit von mehreren Elefantenfamilien besucht wird. Andere Tiere wagen sich in der Trockenzeit oft nicht an ein Wasserloch, wenn Elefanten dort sind. Ein etwa 15 Meter vom Wasserloch entfernter Hochsitz erlaubt es, die Tiere stundenlang zu beobachten. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, das Verhalten und die Facetten der Kommunikation dieser imposanten Tiere aus nächster Nähe miterleben zu können. Das Trompeten, Schnauben und das grollende Rumpeln dauert bis spät in die Nacht und hört sich an, wie ein nächtliches Palaver unter den Angehörigen der anwesenden Elefantenfamilie.

Während unseres ganzen Aufenthaltes im Krüger Nationalpark begleitet uns schönes und heisses Wetter. Am Morgen unseres letzten Tages im Park ist der Himmel bedeckt und ein starker Wind bringt erste Regentropfen. Etwas später begegnen wir im äussersten Norden des Parks am Fluss Luwuvhu wie zum Abschied noch einmal einer Reihe von Tieren.

Unsere Route nach Thohoyandou, wo wir eine Teeplantage besuchen wollen, führt durch hügeliges, zunehmend tiefgrünes Gebiet das aufgrund seiner Lage an den Südhängen des Soutpansberges von regelmässigen Niederschlägen profitiert.

Entlang einer langen Reihe von sorgfältig gepflanzten Palmen erreichen wir bei leichtem Nebel die in den Hügeln angelegten Teeplantagen des «Tshivhase Tea Estate». Dieser ähnelt allerdings nur sehr entfernt dem in unserem Reiseführer beschriebenen Unternehmen. Wir können einen Termin mit der Managerin vor Ort vereinbaren und werden informiert, dass die hiesige Produktionsanlage vor einiger Zeit stillgelegt worden sei. Im Schwesterbetrieb werde noch Tee produziert. Allerdings habe die Pflücksaison noch nicht begonnen. Daher werde dort zurzeit ebenfalls nicht gearbeitet. Im hiesigen Betrieb befinde sich das administrative Zentrum der beiden Betriebe. Die Managerin führt aus, dass mit der Herstellung von Schwarztee kein Gewinn mehr erziehlt werden könne, da die Produktionskosten zu hoch und der für lokal produzierten Tee auf dem Markt erhältliche Preis viel zu tief sei. Ausserdem sei die Konkurrenz aus Übersee übermächtig und das Unternehmen müsse allen Angestellten einen Mindestlohn von ca. 5’200 Rand (ca. 260 CHF) pro Monat bezahlen, ob der Betrieb profitabl sei oder nicht. Eine Angestellte erklärt uns im Anschluss, wie der Tee fachgerecht gepflückt wird und welche Ansprüche Camelia sinensis, die Teepflanze, an Pflege und Umwelt stellt.

Durch das quirlig lebhafte Thohoyandou geht unsere Reise weiter nach Louis Trichardt bzw. Makhado, das am Fuss des Soutpansgebirges liegt. Hier kaufen wir Vorräte für den Beginn unserer Reise durch Zimbabwe ein und füllen Diesel und Trinkwasser auf. Über die Soutpansberge geht es anschliessend zur Grenzstadt Musina und von dort zum Rainmaker’s Rock Camp, das etwa dreissig Kilometer westlich der Stadt liegt.

Die Strasse nach Musina ist in einem ausgezeichneten Zustand und wir kommen sehr gut voran. Trotzdem geht während der letzten halben Stunde der Fahrt die Sonne unter und als wir das Camp erreichen, ist es dunkel. Hier verbringen wir unsere vorerst letzte Nacht in Südafrika, bevor wir am Morgen über den Grenzübergang Beitbridge nach Zimbabwe einreisen werden.

Die kommenden Wochen planen wir durch Zimbabwe zu reisen. Wir sind gespannt, wie wir dieses Land, von dem wir so viel Unterschiedliches gehört haben, erleben werden. Entgegen einigen Empfehlungen, den Grenzübergang Beitbrige zu meiden, entscheiden wir uns den kürzesten Weg über die Grenze auszuprobieren. Dies hauptsächlich, weil wir für unseren ersten Aufenthalt in Zimbabwe den Gonarezhou National Park ausgesucht haben. Als Fixpunkt wartet dann in drei Wochen in Kariba ein Platz auf der Fähre über den Karibasee nach Mlibizi auf uns.

Südafrika 1

Johannesburg bis Drakensberge / 26. August 2024 – 12. September 2024

Gegen Ende August ist es dann auch für uns so weit. Unser Flug mit Qatar Airways von Zürich über Doha nach Johannesburg hebt planmässig ab. In Johannesburg verbringen wir zwei Tage und lassen uns die Stadt von Johan van Biljon, einem lokalen Tourguide, etwas näherbringen.

Johan holt uns am Flughafen ab und chauffiert uns ins Boutique Hotel Northcliff. Das Hotel liegt fantastisch und bietet gutes Essen und eine wunderschöne Sicht über einen Teil von Johannesburg.

Am Nachmittag führt uns Johan ins Lesedi Cultural Village ausserhalb von Johannesburg. Hier wurden in den 1990er Jahren traditionelle Wohnhäuser von mehreren südafrikanischen Völkern im Original nachgebaut. Die Bauten sind in einem sehr guten Zustand und beinhalten je ein Dorf der Zulu, der Xhosa, der Pedi, der Basotho und der Ndebele. Bis vor einigen Jahren lebten Familien des jeweiligen Volkes in den Dörfern und verliehen diesen zusätzliche Authentizität. Heute werden die Dörfer von den Angestellten bewohnt, welche die Besuchenden durch die Anlage führen. In einzelnen Häusern der verschiedenen Dörfer wurden Hotelzimmer eingerichtet. Somit kann man hier übernachten und das Erlebnis so vertiefen. Im Anschluss an den interessanten und lebendig gestalteten Rundgang und die wahrnehmbar energiegeladenen Tanzvorführungen werden wir im Restaurant des Dorfes mit lokalen Speisen verwöhnt.

Johan erweist sich als äusserst kompetenter und vielseitiger Guide, der uns während der Zeit, die uns in Johannesburg zur Verfügung steht, immer wieder mit seinem umfassenden und detaillierten Wissen überrascht. Er erläutert uns die komplexen geschichtlichen Zusammenhänge, die gegenwärtige ebenso komplexe Situation der Bevölkerung sowie die politische Lage und vermittelt uns so ein aktuelles Bild der Stadt und seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Dabei führt uns Johan durch verschiedene Stadtteile von Johannesburg. Vom mondänen aufstrebenden Stadtteil Sandton über Rosebank bis zu Johannesburg selbst, dem aktuellen sozialen Brennpunkt und ursprünglichen Kern der Stadt, der entstand als hier Gold gefunden wurde.

Wir erhalten Informationen zu Kunstprojekten, die Bewohnerinnen und Bewohner auf ihre Stadt und deren Möglichkeiten aufmerksam machen sollen und Detailinformationen über das laufende Projekt, den Stadtteil Johannesburg sichererer zu machen und wieder für alle lebenswert zu gestalten. Architektonisch bedeutende Gebäude werden erklärt und wir erfahren, dass die Fassadenaufnahmen der Spiderman Filme im Kern von Johannesburg gedreht wurden; wieso in der ganzen Stadt keine Jacarandabäume mehr gepflanzt werden dürfen und in welchem Restaurant ein Geist umgeht etc., etc., etc. Das Wissen von Johan scheint unerschöpflich und die Eindrücke sind schlicht überwältigend.

Mittagspause machen wir in einem Gartenrestaurant des hippen kleinen Einkaufsquartiers Stanley 44. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Die freundliche und offene Atmosphäre lädt zum Verweilen und die sympathischen kleinen Geschäfte zum Einkaufen ein. Für beides bleibt keine Zeit, da noch die Fahrt nach Soveto und dort der Besuch des Hauses, in dem Nelson Mandela viele Jahre gelebt hat, auf dem Tagesplan stehen.

Mit viel zusätzlichem Wissen und reichlich Diskussionsmaterial geniessen wir nach einem spannenden und vielseitigen Tag in der grossen widersprüchlichen Stadt einen erholsamen Abend in unserem Hotel.

…und schon ist es Zeit für unseren Flug nach Port Elisabeth, wo unser Auto auf uns wartet.

In Port Elisabeth treffen wir unsere Kontaktperson von Seabridge, die unser Auto durch den Zoll gebracht und in einer Halle ausserhalb des Hafens eingestellt hat. Schon kurz nach der Ankunft unseres Autos in Port Elisabeth hatte sie uns mitgeteilt, dass vermutlich im Hafengelände in unser Auto eingebrochen worden sei. Hier vor Ort informiert sie uns nun über die ihr bekannten Details und empfiehlt uns, den Einbruch bei der lokalen Polizei zu melden. Wir stellen fest, dass die Einbrecher sehr selektiv vorgegangen sind und jene Sachen mitgenommen haben, die sie gut verkaufen können. Das sind hauptsächlich auch für uns wichtige Dinge wie die Akku-Bohrmaschine, das Reifenflickset, die UV-Lampe, der Feldstecher, die Kaffeemaschine, etc.

Die nächsten drei Tage verbringen wir nun vor Ort. Ausser den Schäden an der Durchgangstür zwischen Fahrerkabine und Wohnbox und an den Schlössern ist unser Auto glücklicherweise unbeschädigt geblieben. Während wir unser Auto aufräumen, kümmert sich ein Locksmith aus Port Elisabeth versiert um die geknackten Schlösser. Die Meldung bei der Polizei nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Den resultierenden dreiseitigen Rapport erhalten wir innert Tagesfrist mit der Zusicherung, dass die Sache weiterverfolgt werde. Zudem wird in dieser Zeit unsere Windschutzscheibe ersetzt. Die Angestellten der Firma PE Windscreens, Port Elisabeth, sind zuvorkommend, machen einen exzellenten Job und nach einem halben Tag können wir wieder über unser Auto verfügen.

Am 1. September kaufen wir für die nächste Zeit erforderliche Lebensmittel ein und ersetzen einige der uns nun fehlenden Gebrauchsartikel. Und genau zum hiesigen Frühlingsanfang können wir dann losfahren.

Die nächsten Wochen werden wir durch den Osten von Südafrika nach Norden reisen. Ein erstes Etappenziel ist die Kleinstadt Graaff-Reinet, ca. 260 Kilometer nordwestlich von Port Elisabeth. Auf dem Weg dorthin übernachten wir an der Grenze des Addo National Parks auf dem Gebiet der Charihandra Private Game Lodge. Der Empfang ist herzlich und wir können uns unseren ersten Schlafplatz in Südafrika aussuchen. Dieser liegt ausserhalb des Lodgegeländes und ist nicht eingezäunt. Als wir unser Nachtessen vorbereiten, besuchen uns fünf Giraffen, von denen eine unser Auto aus nächster Nähe inspiziert. Sie scheint sich überzeugen zu wollen, ob die neue Windschutzscheibe auch wirklich gut sitzt… Ein eindrückliches Erlebnis an einem wunderschönen Ort.

Da wir davon ausgehen, dass wir auf unserer Reise noch einige Tierreservate antreffen werden, verzichten wir auf den Besuch des Addo National Parks. Um von unserem Standort nach Graaff-Reinet zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nach Rücksprache mit einem Angestellten der Lodge entscheiden wir uns, über den Zuurbergpass durchs Gebirge zu fahren. Die Fahrt führt uns über mehrere Gebirgsketten und entpuppt sich zunehmend als echte Herausforderung. Die bis zum Zuurberg Village gut unterhaltene Piste wird laufend enger und verschlechtert sich mit jedem gefahrenen Kilometer, bis sie schliesslich mehr einem Bachbett ähnelt als einer Strasse. Für die Strecke von Addo bis Bracefield benötigen wir mehrere Stunden und wir sind erleichtert, als wir ohne Schaden am Auto wieder eine befestigte Strasse erreichen.

Entlang der weiteren Strecke über East Somerset und Pearston nach Graaff- Reinet begleiten uns ganze Felder leuchtend orange blühender Sukkulenten. Dann wieder erstrecken sich beidseits der Strasse weite, ausgetrocknet wirkende Felder, auf denen meist Schafe oder Ziegen ihre Nahrung suchen. Je weiter wir Richtung Graaff-Reinet kommen, desto grüner wird die Landschaft.

Auf einem Spaziergang durch das schon 1786 Jahr gegründete Graaff-Reinet (aktuell ca. 50’000 Einwohnende) bewundern wir zahlreiche der über 200 geschützten Häuser dieses Ortes, die aus verschiedenen Epochen stammen. Die hohe Anzahl an denkmalgeschützten Gebäuden ist einmalig in ganz Südafrika. Der sympathische Ort verfügt über einen eigenen Charme mit guten Restaurants und ansprechenden, qualitativ hochstehenden Geschäften.

Anderntags machen wir einen Abstecher ins Valley of Desolation, das im Camdeboo National Park liegt, von dem die Stadt Graaff-Reinet gänzlich umschlossen wird. Die Strasse zum Park führt am Nqweba Staudamm vorbei und ein Stück weit dem Stausee entlang. Am Gate zum Nationalpark werden wir freundlich begrüsst, bezahlen unsere Eintrittsgebühr und erhalten Informationen zu unserem Ziel.

Auf der Fahrt in die Höhe sichten wir mehrere Strausse und Antilopen. Der Blick auf Graaff-Reinet und dessen Umgebung ist fantastisch und der Spandau Kopp steht gleichsam als Wächter gegenüber dem Eingang des Valley of Desolation. Plattformen bieten einen eindrücklichen Tiefblick ins Tal der Verlassenheit, dessen rote durch Erosion stark zerklüftete Felsen säulenähnlich nebeneinander stehen. Auf einem Spaziergang entlang der Kante des Tales geniessen wir die Kühle der Höhe und machen uns kurz vor Sonnenuntergang auf den Rückweg.

Während der nächsten Tage fahren wir via Gariep Dam, der den Oranje River staut und den grössten Stausee Südafrikas und das Gariep National Reserve bildet, nach Bloemfontein und weiter nach Ladybrand. Stundenlang durchqueren wir unendlich scheinende Ebenen, die dann und wann von einer Hügelkette oder von Felsformationen unterbrochen werden. Die schiere Weite des Landes ist beeindruckend und langsam realisieren wir, wie riesig das Land Südafrika ist. Das Wetter ist gut, die Strassen sind in einem ausgezeichneten Zustand und der Verkehr hält sich meist in Grenzen, wodurch sich die langen Fahrten recht angenehm gestalten.

Die Stadt Ladybrand, die etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Lesotho entfernt liegt, ist unser Ausgangspunkt für einen Kurzbesuch in diesem eigenständigen Kleinstaat, der als Enklave vom Staatsgebiet Südafrikas umgeben ist. Am 4. Oktober 1966 wurde Lesotho von Grossbritannien unabhängig und ist heute eine parlamentarische Monarchie. In Lesotho wohnen gut zwei Millionen Menschen, die zu 99% dem Volk der Basotho angehören. Der Kleinstaat Lesotho ist der Rest, der vom ehemals riesigen Stammesgebiet der Basotho geblieben ist.

Die Einreise über den Grenzübergang Maseru-Bridge verläuft problemlos und sehr speditiv. Die Beamten sind freundlich und nach einer halben Stunde sind wir aus Südafrika aus- und nach Lesotho eingereist.

Es ist Samstagmorgen und in den Vororten von Maseru, der Hauptstadt Lesothos, herrscht emsiges Treiben. Der Verkehr ist kontrolliert chaotisch. Jeder schaut auf jeden. Die Verkehrsregeln sind allerdings nicht immer leicht zu interpretieren und das Fahren erfordert einiges an Konzentration. Nachdem wir die Hauptstadt und ihre Vororte hinter uns gelassen haben, können wir die Fahrt durch die abwechslungsreiche Landschaft des Königreiches, das etwa die Grösse von Belgien hat, uneingeschränkt geniessen. Der Frühling macht sich überall bemerkbar und die vielen in sattrosa Blüten gehüllten Pfirsichbäume und das frische leuchtend hellgrüne Laub der Trauerweiden bilden intensive Kontraste zur roten und teilweise schwarz verbrannten Erde. Viele Felder sind frisch gepflügt und einige zeigen zaghaftes erstes Grün.

Das Land ist sehr gebirgig und das Klima ist vor allem in den höheren Lagen im Winter sehr kalt und im Sommer heiss. Der grösste Teil der Bevölkerung ist arm und lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Diese kann aus klimatischen Gründen jedoch nur sehr extensiv betrieben werden und deckt daher meist nur den Eigenbedarf der Bauern. Zurzeit wartet das Land auf Regen, der frisches Gras bringt. So treffen wir auf unserer Fahrt durch die blauen Berge immer wieder auf Hirten, die kleinere oder grössere Schaf-, Ziegen- oder Rinderherden der Strasse entlang in ein Gebiet treiben, das noch etwas Futter für die Tiere hergibt. Nach ein paar Stunden kurzweiliger Fahrt überqueren wir den auf 2633 Meter über Meer liegenden Blue Mountain Pass. Wir fahren noch in die Nähe des Mohale Dams, wo wir in beeindruckender Umgebung einen ruhigen Abend verbringen und über Nacht bleiben. Die Hochebenen (Highlands) liegen teilweise über 2000 Meter und sind durch tiefe Flusstäler und Bergketten geprägt. Fast sichelförmig wird das Land vom Südosten bis in den Norden von den Drakensbergen, die in Lesotho Maloti Mountains genannt werden, durchzogen. Hier liegt auch der Thabana Ntlenyana, der mit 3482 Metern höchste Berg Lesothos und des gesamten südlichen Afrikas.

Im Laufe des nächsten Tages verlassen wir Lesotho wieder. Kurz vor der Grenze werden wir von einer eindrücklich bewaffneten Polizeipatrouille angehalten. Es ergibt sich ein freundlicher Austausch über Berge, Land und Leute und mit den besten Wünschen für unsere Weiterreise setzen wir unsere Fahrt nach ein paar Minuten fort. Am Grenzübergang nach Südafrika hat sich mittlerweile eine lange Schlange gebildet. Wir stellen uns in die Reihe und werden nach ein paar Minuten von einer jungen Beamtin aufgefordert, direkt zum Schalter zu gehen. Es macht den Anschein, dass wir soeben ein erstes Mal von einem «Grauen Panther-Bonus» profitieren.

Zurück in Südafrika folgen wir der Grenze von Lesotho bis nach Clarens. Wie schon öfters sehen wir auf der Fahrt Rauchwolken, die von Buschfeuern stammen. Unversehens geraten wir zwischen zwei solche Feuer. Hinter uns hat sich ein Feuer, an dem wir aus einiger Entfernung vorbeigefahren sind, in unsere Richtung ausgeweitet und ein paar hundert Meter vor uns hat ein anderes Feuer die Strasse ebenfalls erreicht. Nach einer ungemütlichen halben Stunde hat sich die Situation so weit beruhigt, dass wir weiterfahren können. Die Sicht ist gleich null und wir sind froh, dass wir einem anderen Auto folgen können. Nach etwa zweihundert Metern lichtet sich der Rauch plötzlich und wir können in strahlendem Sonnenschein weiterfahren. Der Geruch des Rauches ist allerdings überall und sticht uns noch einige Zeit in der Nase…

In einem der gemütlichen Restaurants von Clarens erholen wir uns bei einem Glas Wein von diesem für uns doch eher ungewöhnlichen Erlebnis. Clarens wurde 1912 gegründet und nach dem Ort in der Schweiz benannt, an dem Paul Krüger, der ehemalige Präsident von Transvaal, sein Exil verbrachte und 1904 verstarb.

Nach einer Wanderung durch das an Clarens angrenzende Nature Reserve fahren wir anderntags der Grenze Lesothos entlang weiter nach Westen. Dabei durchqueren wir den Golden Gate Highlands National Park, ein im Jahr 1904 aufgrund seiner einzigartigen Geologie gegründeter Park in den Drakensbergen. Die Bergketten, die mit braunen, roten, bis orangegelben bänderähnlichen Querstreifen aufwarten, bilden eine bemerkenswerte Szenerie. Zur Vervollständigung weiden neben der Strasse Zebras und verschiedene Antilopenarten.

Zur Erweiterung unseres kulturellen Horizontes besuchen wir das «Basotho Cultural Village», das innerhalb des Parks liegt. Ein junger Mann führt uns durch die schön gestaltete Anlage und bringt uns die Kultur und die sich während der letzten Jahrhunderte verändernden Lebensformen der Basotho in lebendiger Art und Weise und mit profundem Wissen etwas näher.

Im Royal Natal National Park erwartet uns einige Stunden später der wunderschön am Fuss des Mont-aux-Sources (3282 m) gelegene Ma Hai Campingplatz. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und so wandern wir am nächsten Tag zur Thukela Schlucht. Unterwegs haben wir fast durchgehend das eindrückliche «Amphitheater» vor uns. Dieser halbmondförmige Gebirgsbogen liegt zwischen den Gipfeln des Sentinel (3165 m) und dem Eastern Buttress (3047 m). Am Mont-aux-Sources entspringt der Thukela, der in einem 983 Meter hohen Wasserfall über die mächtige Felswand des Amphitheaters in die Tiefe fällt. Die Wanderung entlang des Thukela Tales bietet imposante Landschaften, etwas «Bolder-Hopping» im Flussbett als der Wanderweg endet und verspricht nach erfolgreichem Erklimmen einer Leiter eine noch eindrücklichere Sicht auf das Amphitheater. Da der Fluss aktuell fast kein Wasser führt, bleiben zwar unsere Füsse trocken, was allerdings bedeutet, dass wir uns den Wasserfall dann vorstellen müssen. Dafür lockt zum Schluss ein wunderschöner höhlenähnlicher Durchgang durch goldgelbe Felsen.

Auf dem Rückweg setzt das Nachmittagslicht die Landschaft und die Flora und vor allem das frische Gras, das aus der verbrannten Erde spriesst, optimal in Szene.

Obwohl sich in den Drakensbergen ein Naturreservat ans andere reiht und es hier noch Vieles zu sehen und zu unternehmen gäbe, verlassen wir diese Ecke Südafrikas, um weiter Richtung Norden zu fahren. Nächstes grösseres Ziel ist Eswatini bzw. Swasiland, die andere Enklave in Südafrika. Dann steht die Erkundung des Blyde River Canyon Naturreservats auf dem Plan, von wo wir für einige Tage in den Krüger National Park wechseln werden.

Kontaktdaten: Sam Wenger, Registered Tourist Guide, Johannesburg,
e-mail samwenger@hotmail.com, Tel. +27 11 768 1981

Kontaktdaten: Johan van Biljon, Registered Tour Guide, Johannesburg,
e-mail johan@africantimeout.com, Tel. +27 83 655 1997, African Timeout, (www.africantimeout.com ),