Mlibizi bis Plumtree / 18. – 31. Oktober 2024
Als Schwerpunkte auf dem zweiten Abschnitt unserer Reise durch Zimbabwe wählen wir die Viktoria Falls, den Hwange National Park sowie die Stadt Bulawayo und den Matobo National Park aus. Im Anschluss wollen wir die Grenze zu Botswana überqueren.
Mit ihrer Lage am Ufer des Sees und just neben der Anlegestelle der Fähre ist die Mlibizi Lodge ein idealer Ort zum Verweilen, sei es vor oder nach der Fahrt über den See. Während wir hier sind, bewegen sich die Temperaturen zwischen 35° C und 40° C. Die zahlreichen Schilder, die dem Ufer entlang vor Krokodilen warnen, setzen jeglichem Liebäugeln mit einem erfrischenden Bad allerdings ein sofortiges Ende.


Vor unserer Weiterfahrt nach Victoria Falls bezahlen wir bei einem Angestellten der Nationalparks entlang des Karibasees eine «River Useage Fee» also eine Flussbenutzungsgebühr. Ich kann mir nicht auf Anhieb erklären, worum es sich bei dieser Gebühr genau handelt und frage nach. Der See sei vor dem Bau der Staumauer ein Fluss gewesen, erklärt der nette Beamte geduldig. Diesen Fluss hätten wir bei der Fahrt über den See benutzt. Daher sei die entsprechende Gebühr am Ende der Fahrt zu begleichen. Nach so viel kreativer Logik ist alles klar und das Bezahlen der Gebühr fällt bedeutend leichter.
Schon im Vorfeld unserer Fahrt über den See haben wir gehört, dass die asphaltierte Hauptverbindungsstrasse von Mlibizi nach Viktoria Falls in einem schlechten Zustand ist. Deshalb entscheiden wir uns, die um einiges längere Piste entlang der Dörfer zu benutzen.

Diese Route, die zeitweise direkt neben dem Zambezi River, dem viertlängsten Fluss Afrikas verläuft, erweist sich bald als gute Wahl. Wir fahren durch abwechslungsreiche Landschaften mit riesigen Wäldern und wunderschönen Einzelbäumen. Zudem treffen wir auf gut unterhaltene Dörfer mit teils aufwändig verzierten Rundhäusern und überqueren mehrere einspurige Brücken, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Unter diesen fliesst zurzeit allerdings kein Wasser, da die Flüsse bis auf einzelne Rinnsale und Tümpel ausgetrocknet sind.



Bei der Ortschaft Deka, ungefähr in der Mitte der Strecke, zweigen wir Richtung Hwange Angling Club ab. Die Schilder machen deutlich, dass dort «Members only» Zutritt haben. Wir lassen uns nicht beeindrucken und fahren weiter, da wir gehört haben, dass der Klub schön gelegen ist und im dortigen Restaurant kalte Getränke erhältlich sind.
Der Ort übertrifft unsere Erwartungen dann bei Weitem. In einem weiträumigen Park sind hübsche in traditionellem Stil gehaltene Bungalows und aus der Kolonialzeit stammende Klubgebäude direkt in die Uferböschung des Zambezi Rivers gebaut. Mit ihrer erhöhten Lage und Ausrichtung bieten sie eine wunderschöne Sicht auf den Fluss. Die Bungalows können gemietet werden und zusammen mit dem Restaurant und dem Swimming-Pool verspricht die gut unterhaltene Anlage Erholung in schönster Umgebung.


Gemäss Auskunft des Managers gehören die Zeiten von «Members only» schon länger der Vergangenheit an. Wir seien herzlich willkommen und könnten uns gerne umsehen. Es gebe auch einen Campingplatz. Der traumhaft schöne Ort verleitet uns fast dazu, ein paar Tage hier zu verbringen. Da die Zeit, die wir in Zimbabwe noch zur Verfügung haben, jedoch beschränkt ist, verzichten wir und fahren nach einer ausgiebigen Pause weiter.



Victoria Falls erreichen wir knapp vor Sonnenuntergang. Mit einem Stellplatz im Garten des N1 Hotels finden wir den perfekten Ort zum Übernachten. Der Platz befindet sich mitten in der Stadt. So können wir alles, was für uns von Bedeutung ist, bequem zu Fuss erreichen. Die Grenzstadt Victoria Falls liegt auf rund 1200 Metern über Meer im äussersten Nordwesten Zimbabwes direkt am Zambezi River, der die Grenze zu Sambia bildet. Victoria Falls liegt in der Provinz Matabeleland und beheimatet in der Stadt und ihrem Umland ca. 35’200 Menschen.
Mit gegen 40° C ist es auch hier ziemlich heiss. Dennoch spazieren wir zum Lookout Café, das am Rand der Zambezi-Schlucht liegt und mit einer grandiosen Sicht auf die Umgebung der Victoria Falls aufwartet. Wir trinken einen sehr guten Kaffee und geniessen die exotische Atmosphäre, die klare Architektur und die erlesene Einrichtung des Restaurants. Alles ist vom Feinsten und in tadellosem Zustand. Nach Auskunft eines Angestellten brannte das Restaurant vor zwei Jahren ab. Sichtlich stolz informiert er weiter, dass das neue Gebäude von einem südafrikanischen Designer gestaltet und die Materialien von Südafrika importiert worden seien.



Sicht auf den Zambezi River unterhalb der Fälle
Die Victoriafälle sind seit 1989 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Schlucht bildet die Grenze zwischen Zimbabwe und Sambia. Bis zu ihrer Entdeckung durch David Livingstone im Jahr 1855 wurden die Fälle «Mosi-Oa-Tunya» (donnernder Rauch) genannt. Von Einheimischen, die Livingstone seine Reisen durch Afrika ermöglicht haben, wurde er auf der Seite des heutigen Sambia zu einer Insel gerudert, die direkt an der Kante liegt, über die das Wasser des Zambezi in die Schlucht stürzt. Zu Ehren seiner Königin hat der patriotische Livingstone die mächtigen Fälle in Victoria Falls umgetauft.

Tosend fallen die Wassermassen des Zambezi River über eine Länge von 1688 Metern in vier Hauptfällen bis zu 108 Meter in die Tiefe. Es ist gut nachvollziehbar, wie beeindruckt die Entdecker gewesen sein müssen, als sie das erste Mal in die brodelnde unsichtbare Tiefe geblickt haben.
Die Wassermengen, die jetzt während der Trockenzeit über die Fallkanten in die Tiefe stürzen, sind verglichen mit jenen während des Höchstwasserstandes von März bis Mai, eher bescheiden. Dies hat den Vorteil, dass die Fälle und deren Umgebung deutlich zu sehen sind und nicht von einem Gischtnebel verhüllt werden.


Wir lassen uns für unseren Spaziergang entlang der Fälle ausgiebig Zeit und geniessen die imposante Szenerie im Licht des späten Nachmittags. Vom sorgfältig angelegten Rundweg führen kurze Abstecher zu Aussichtspunkten, von denen die Sicht auf den jeweiligen Fall besonders lohnend ist. Das Wetter ist perfekt und dadurch, dass der Rundweg über weite Strecken im Schatten des Waldes verläuft, ist es oft angenehm kühl.
Victoria Falls ist eine lebhafte Stadt, die vom Tourismus rund um die Victoria Wasserfälle lebt. Touristinnen und Touristen bietet sie alles, was das reisende Herz begehrt. Gute Restaurants, musikalische Unterhaltung, Einkaufszentren und Souvenirs sowie Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung, sofern dies dann gewünscht ist.
Souvenirs sind in unterschiedlichsten Läden und an unzähligen offenen Ständen erhältlich. Aufgrund der miserablen Wirtschaftslage Zimbabwes und der damit einhergehenden hohen Arbeitslosigkeit ziehen viele Menschen aus den Dörfern in die wenigen touristischen Zentren und bieten dort ihre zuhause hergestellten Produkte oder über Zwischenhändler eingekaufte Ware an. Entsprechend versuchen Unzählige immer gleiche Souvenirs zu verkaufen, womit sie sich selbst konkurrenzieren, was wiederum zu laufend niedrigeren Preisen führt. Es ist ein Teufelskreis, aus dem sich die wenigsten befreien können. Für viele ist das Ausharren in dieser trostlosen Situation die einzige Chance, um etwas Geld zu verdienen und damit den Unterhalt ihrer Familien zu sichern.

Während unserem Aufenthalt in Victoria Falls nehmen wir nochmals mit unserem Arzt in Chiredzi Kontakt auf. Aufgrund der unbefriedigenden Heilung des entzündeten Insektenbisses stellt dieser ein Rezept für eine weitere Runde Antibiotika aus. Wir holen bei der Rega wieder eine Zweitmeinung ein, welche die Einschätzung unseres Arztes umgehend bestätigt. Die erforderlichen Medikamente sind innert Kürze eingekauft. Unsere Zeit in Victoria Falls nutzen wir ausserdem, um unser fahrendes Heim auf Vordermann zu bringen.
Dann geht’s für uns weiter in den Hwange National Park. Im Gebiet zwischen Victoria Falls und Bulawayo wird in grossem Umfang Kohle abgebaut, die hauptsächlich nach Südafrika exportiert wird. Entsprechend sind auch hier viele der riesigen Lastwagen unterwegs. So verläuft die Fahrt nach Südosten in mittlerweile allzu bekannter Zimbabwe-Manier.



Nach rund 200 Kilometern erreichen wir den Eingang das Main Camp des Hwange National Park. Der Hwange National Park ist mit seiner Fläche von 14’651 Km2 etwa einen Drittel so gross wie die Schweiz. Im Süden grenzt der Park an Botswana. Ein Teil des Parks ist für touristische Zwecke erschlossen, der ganze Rest ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.


Zum Übernachten innerhalb des Parks stehen mehrere Camps zur Verfügung. Alle Übernachtungsplätze müssen im Voraus gebucht werden. Buchungsbestätigungen und Bewilligungen für Tagesbesuche müssen bei der Einfahrt und beim Verlassen des Parks vorgelegt werden. Ohne gebuchten Platz darf im Park nicht übernachtet werden.
Da wir ohne festen Reiseplan unterwegs sind, haben wir noch keine Plätze gebucht und müssen dies nun nachholen. Die beiden Camps, die wir für unsere Übernachtungen im Park ausgesucht haben, sind für heute Abend allerdings schon vergeben. Die junge Frau, die für die Buchungen verantwortlich ist, empfiehlt uns, am kommenden Morgen wieder vorbeizukommen. Dann würden ihr die Buchungsdaten vom Hauptbüro in Harare für die nächsten Tage zur Verfügung stehen. Und vielleicht gebe es morgen für uns eine Möglichkeit.


Wir beschliessen, auf dem riesigen Campingplatz beim Hauptcamp zu übernachten, womit uns genügend Zeit zur Verfügung steht, um das ein paar Kilometer ausserhalb des Parks liegende «Painted Dog Conservation Project» zu besuchen. Dieses Fachzentrum setzt sich für die Rettung der akut vom Aussterben bedrohten afrikanischen Wildhunde, der «Painted Dogs» ein. Im Besucherzentrum erfahren wir, dass von dieser Spezies lediglich noch etwa 3’000 Tiere leben, was zum Erhalt einer gesunden Population nicht ausreicht. Die grösste Gefahr für die Wildhunde stelle der Mensch dar, der sie töte, wenn immer sie sich in die Nähe von Siedlungen vorwagen. Zudem würden die Wildhunde oft in Schlingen geraten, die von Wilderern zum Fang grösserer Wildtiere ausgelegt werden. Dabei würden sie, wie alle anderen Tiere auch elend zu Grunde gehen. In der Auffangstation des Zentrums werden kranke und verletzte Hunde gesund gepflegt und wenn immer möglich wieder in ihren Lebensraum entlassen.

Die speziell ausgebildeten Fachleute des Zentrums versuchen die Bevölkerung und vor allem auch Schulkinder über die Bedeutung der Tierwelt im Allgemeinen und über die Wichtigkeit der einzelnen Tierarten im Speziellen zu sensibilisieren und so der in hohem Ausmass grassierenden Wilderei entgegenzuwirken. Die auf die Wildhunde ausgerichtete Ausstellung im Besucherzentrum ist spannend und leicht verständlich aufgebaut. Sie verläuft entlang der wahren Lebensgeschichte des Wildhundes «Eyespot», der von Wildhütern des Zentrums mittels eines Senders auf seinem Lebensweg begleitet wurde. Leider fiel auch dieser Hund den Wilderern zum Opfer.

Im Anschluss an diese eher deprimierende Erfahrung unternehmen wir eine erste Pirschfahrt in den Hwange National Park und schon nach wenigen Kilometern begegnen wir an einem Wasserloch überraschend vielen Tieren. Darunter befindet sich eine Löwin, die sich gelassen einem kürzlich von ihr und zwei anderen Löwinnen gerissenen Zebra widmet. Die Geier auf dem Baum nebenan warten ungeduldig auf ihren Anteil, den sie sich holen können, sobald die Löwin ihre Mahlzeit beendet hat. Das wird allerdings noch einige Zeit dauern und wir müssen den Schauplatz verlassen, da die Sonne untergeht und der Park schliesst.




Am kommenden Morgen können wir die beiden gewünschten Übernachtungen im Park tatsächlich buchen und innert Kürze befinden wir uns auf dem Weg zu unserem ersten Camp. Beide Camps sind sogenannte «exclusive Camps». Das heisst, diese Camps werden jeweils nur an eine Gruppe vergeben. Da wir eine Zweiergruppe sind, werden wir die Camps für uns alleine haben. Das Thermometer zeigt schon vor dem Mittag 36° C an. Dazu weht ein starker Wind. Wir sind froh, dass wir im Auto vor der Unbill des Wetters geschützt sind. Beim ersten Wasserloch, das wir passieren, treffen wir auf mehrere Gruppen Elefanten, Zebras, Affen, Giraffen und Antilopen. Es ist ein unablässiges Kommen und Gehen. Wir machen eine ausgiebige Kaffeepause und geniessen die sich laufend verändernde Szenerie.



In unserem Camp angekommen, bereiten wir das Nachtessen vor. Wir kochen für mindestes drei Personen und teilen unsere Mahlzeit mit dem Angestellten, der das Camp mit Unterhaltsarbeiten in Schwung hält und für die Sicherheit der Gäste sorgt. Diese Attendants arbeiten jeweils bis zu elf Monate ohne Unterbruch im gleichen Camp und werden einmal pro Monat mit Lebensmitteln versorgt. Entsprechend sind sie dankbar für etwas Abwechslung auf ihrem Speiseplan.

Das Camp, in dem wir unsere zweite Übernachtung im Hwange National Park verbringen werden, liegt weiter südlich am Rand des Gebietes, das für touristische Zwecke erschlossen ist. Das Camp bietet einen weiten Blick in die südlichen Ebenen des Parks und unmittelbar vor dem Camp befindet sich ein grosses Wasserloch.

Als wir beim Camp ankommen, bewegt sich eine Löwin gemächlich auf dessen offenes Eingangstor zu. Kurz vor dem Eingang kehrt sie um und begibt sich zurück zu ihrer Gruppe, die etwa 50 Meter weiter unter einem Baum Siesta hält. Solange wir Lust haben, können wir das Löwenrudel, das aus mehreren erwachsenen Löwinnen, Jungtieren und einigen Halbwüchsigen besteht, aus nächster Nähe beobachten.





Auch hier werden wir vom zuständigen Attendant freundlich begrüsst und geniessen nach dem Nachtessen einen wunderschönen Sonnenuntergang und lassen den Abend am Feuer unter einem strahlenden Sternenhimmel mit leuchtender Milchstrasse ausklingen. Wieder einmal werden wir uns bewusst, wie privilegiert wir sind, all dies erleben zu können.
Frühmorgens weckt uns ein mehrstimmiges Gebrüll, mit dem die Löwinnen von einem Termitenhügel aus die Morgensonne begrüssen. Das Konzert endet, sobald die Sonne am Himmel steht. Nachdem die Löwinnen am Wasserloch ihren Durst gestillt haben, verziehen sie sich mit ihren Jungtieren in den Schatten eines Gebüschs.

Kurze Zeit später ändert sich die Stimmung im Rudel merklich. Die Löwinnen entfernen sich von den Jungtieren, die im Gebüsch liegen bleiben. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Löwinnen für eine Jagd in Stellung bringen. Jede bezieht ihre vorbestimmte Position im Gelände, aus der sie in intuitiver Übereinstimmung mit dem Rest der Gruppe agiert. Die Jungtiere verharren ruhig in ihrem Versteck. Der von den Löwinnen ins Visier gefasste Elefant bewegt sich ruhigen Schrittes weiter auf das Wasserloch zu. Die Löwinnen scheinen ihn nicht zu beeindrucken. Ohne ersichtliche Mühe wehrt er einen ersten Angriff einer Löwin ab. Gebannt verfolgen wir das spannende Spektakel. Nach ein paar weiteren eher halbherzigen Angriffsversuchen wenden sich die Löwinnen ab, da ein ernsthafter Angriff vermutlich ein zu hohes Verletzungsrisiko mit sich gebracht hätte. Sie erfrischen sich am Wasserloch und kehren zu den Jungtieren im Unterholz zurück. Wir staunen über den Elefanten, der sich am Wasserloch ungerührt seinem morgendlichen Wellnessprogramm widmet.

Leider ist es schon bald Zeit diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Gemächlich fahren wir zurück ins Main Camp und halten unterwegs noch einige Male an, um weitere Tiere zu beobachten.

Dabei haben wir Zeit, das Verhalten der Elefanten etwas eingehender zu beobachten. Oft nehmen sie das Wasserloch richtiggehend in Beschlag. Sollten sich andere Tiere am Wasserloch befinden, verlassen diese ihren Platz meist von selbst, wenn sich Elefanten nähern. Andernfalls werden sie von den Elefanten vertrieben. Auch ist unter den verschiedenen Elefantengruppen eine Art Dichtestress feststellbar. Dies ist angesichts des aufgrund der andauernden Trockenheit herrschenden Wasser- und Nahrungsmangels nicht weiter verwunderlich. Die Wälder und das Unterholz in der Umgebung der Wasserlöcher leiden stark unter der hohen Anzahl dieser grossen Tiere, die sich aufgrund der Wasserknappheit in einem relativ kleinen Umkreis der Wasserlöcher aufhalten.


Im Main Camp angekommen bedanken wir uns bei der jungen Frau an der Rezeption, die uns die Übernachtungen in den beiden Camps ermöglicht hat. Während wir vor der Weiterfahrt im Restaurant noch etwas trinken, fährt ein Bus der Midlands State University Chegutu vor.
Einige der Studierenden kommen an unseren Tisch und erkundigen sich, ob sie Fotos von uns machen dürfen. Wir sagen zu unter der Bedingung, dass sie mit uns über Themen diskutieren, die sie beschäftigen. Nach einem überraschten Zögern über diesen Wunsch kommt ein reger Austausch mit den jungen Leuten zustande, die Geografie studieren und die Folgen des Klimawechsels vor Ort begutachten wollen. Die Studierenden sprechen durchwegs ein sehr gutes Englisch. Sie erkundigen sich nach den Verhältnissen in der Schweiz und nach den Unterschieden zwischen den beiden Ländern. Als Beispiel diskutieren wir den Preis von Brot in Zimbabwe und in der Schweiz und welche Qualität für den jeweils verlangten Betrag geboten wird. Die unterschiedlichen Lebensrealitäten können dabei gut verglichen werden. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald müssen die jungen Leute weiter. Wir freuen uns über diese erfrischende Begegnung und machen uns ebenfalls auf den Weg.
Am Abend dieses Tages erfahren wir von einem Tourguide aus Harare, der neben uns übernachtet, dass die drei Löwinnen, die wir am ersten Abend im Nationalpark beobachten konnten, noch in der gleichen Nacht von Wilderern getötet wurden. Die Köpfe und die Pfoten der Tiere seien als Trophäen mitgenommen worden. Der Vorfall schockiere alle, die sich für das Wohlergehen und die Sicherheit der Tiere einsetzen. Wir sind bestürzt und haben Mühe, diese deprimierenden Neuigkeiten zu verdauen.
Nach den wunderschönen Tagen im Hwange National Park erwartet uns die knapp 300 Kilometer lange Fahrt nach Bulawayo. Ich habe allerdings Mühe, mich schon von diesem wunderschönen Park mit seiner faszinierenden Tierwelt zu lösen.

In Bulawayo, der nach der Hauptstadt Harare zweitgrössten Stadt Zimbabwes übernachten wir im städtischen Caravan Park. Die Stellplätze sind in einer weitläufigen Gartenanlage im Schatten eines alten Baumbestandes untergebracht. Die Infrastruktur der Anlage, die einst wunderschön gewesen sein muss, ist leider sehr heruntergekommen. Die Lage des Campingplatzes ist allerdings ideal, um die Stadt und deren nähere Umgebung zu erkunden.


Ausserhalb der Stadt interessiert uns besonders der Matobo National Park, der südlich von Bulawayo liegt. Dies einerseits, weil die Nashörner, welche die intensive Wilderei im Hwange National Park überlebt haben, in den 1990er Jahren hierhin umgesiedelt wurden. Andererseits sind hier auf engstem Raum tausende Höhlenmalereien zu bewundern und gemäss seinem Wunsch ist Cecil John Rhodes nach seinem Tod im Jahr 1902 auf einem der Hügel begraben worden.

Wir nehmen mit Ian Harmer Kontakt auf, der ein ausgewiesener und allseits bekannter Experte in Bezug auf die Verhaltensweisen, die Bedürfnisse, den Schutz und den Umgang mit Nashörnern ist. Er hat sein Leben der Wildnis gewidmet und bietet im Matobo National Park Safarifahrten und Wanderungen zur Beobachtung der dortigen Breitmaulnashörner an. Umgehend reagiert Ian auf unsere Anfrage für eine Tagestour im Park. So sind wir schon zwei Tage später mit ihm und fünf weiteren Interessierten auf Nashorn-Safari.

Die Stunden im Park sind gefüllt mit Informationen zur Entstehung des National Parks und zu den hier lebenden Nashörnern. Ian informiert, dass die Wilderei nach wie vor ein grosses Problem sei. Für ein Kilo Horn eines Nashorns würden bis zu $ 150’000 bezahlt. Kunden der Wilderer seien vor allem Chinesen, die dem Horn des Nashorns potenzsteigernde Qualitäten zuschreiben, obwohl dies wissenschaftlich schon lange widerlegt sei. Ein anderer Grund für den Tod dieser faszinierenden Tiere sei der jemenitische Brauch, einem jungen Mann zur Volljährigkeit einen Dolch mit einem Griff aus dem Horn eines Nashorns zu schenken. Männliche Eitelkeit und Prestigedenken sind also die Gründe, dass das Nashorn eine der am stärksten bedrohten Tierarten unseres Planeten ist.
Die Hörner der Tiere wachsen pro Jahr bis zu sieben Zentimeter. Als Massnahme gegen die Wilderei werden die Hörner regelmässig bis auf einen Rest von fünf Zentimetern entfernt. Es komme jedoch immer wieder vor, dass enthornte Nashörner für den fünf Zentimeter langen Rest, der stehen gelassen werden müsse, getötet werden. Alle Nashörner im Matobo National Park werden von bewaffneten Rangern begeleitet.

Auf zwei kurzen Wanderungen können wir uns diesen imposanten Tieren bis auf wenige Meter nähern. Beide Male sind es zwei Breitmaulnashörner, die wir aus nächster Nähe beobachten können. Diese ernähren sich vor allem von Gras. Die im Matobo ebenfalls beheimateten Spitzmaulnashörner leben in einem anderen Teil des Parks. Diese Art ernährt sich von Zweigen und Laub und hält sich hauptsächlich im halbhohen Busch auf. Zudem sind sie bedeutend angriffslustiger als ihre Artgenossen und auch aus diesem Grund nicht so einfach beobachtbar.

Nashörner sehen sehr schlecht und sind auf ihr gutes Gehör angewiesen, um allfällige Feinde wahrnehmen und sich zur Wehr setzen zu können. Als wir uns den Tieren nähern, meldet uns entweder der bewaffnete Ranger, der uns begleitet oder Ian bei den Nashörnern mit leisen Lauten an. Auf diese Weise wissen die Tiere, dass wir in der Nähe sind, obwohl der Wind gegen uns steht und sie uns, aufgrund ihres schlechten Sehvermögens kaum bemerken können.


Auf unserer Tour durch den Park treffen wir noch mehrere Male auf Nashörner. Es wird ein spannender Tag, an dem fast keine Frage unbeantwortet bleibt. Wir erfahren unter anderem, welche Pflanze anstelle von Seife verwendet werden kann. Die Wirkung können wir vor Ort selbst erproben. Eine auffällige Zwiebelpflanze, der wir ebenfalls unterwegs begegnen, könne als Verhütungsmittel angewendet werden. Ein Absud wirke für sechs Monate (Auf das Ausprobieren wird dieses Mal allgemein verzichtet…). Wirkung und Anwendung von Pflanzen zu medizinischen Zwecken sind von indigenen Völkern über viele Generationen weitergegeben worden. Da dies ausschliesslich mündlich erfolgte, ist ein grosser Teil dieses kostbaren Wissens leider verloren gegangen.


Der Tag im Matobo National Park ist bis zur letzten Minute mit Erlebnissen und dem Aufnehmen und Verarbeiten von spannenden Informationen ausgefüllt. Als wir uns von Ian Harmer verabschieden, ist die Sonne über den Hügeln des Matobo National Park schon längst untergegangen.

In Bulawayo spazieren wir zur National Art Gallery, die sich in einem wunderschönen Gebäude aus der Kolonialzeit befindet und besuchen die aktuellen Ausstellungen.




Auf weiteren Spaziergängen essen wir in lokalen Restaurants und lassen die quirlige Atmosphäre der Stadt auf uns wirken. Auf einem dieser Spaziergänge besuchen wir das Restaurant «Déjà Vu». Bei unserem obligaten Kaffee lernen wir die Besitzerin des Restaurants kennen. Sie ist Staatsangehörige von Zimbabwe und gehört jener Gruppe der weissen Bevölkerung Zimbabwes an, die sich von den katastophalen Auswirkungen des Mugabe Regimes nicht haben unterkriegen lassen. Neben dem Restaurant betreibt sie zurzeit eine Auffangstation für Esel und Pferde und ist daran, ein privates Wildreservat aufzubauen, das an den River Gwaiy und den Hwange National Park grenzt. Lange unterhalten wir uns mit ihr über die heutige Situation ihres Heimatlandes und sind beeindruckt von ihrem bewundernswerten Engagement, dem erstaunlichen Durchhaltewillen und der scheinbar unendlichen Energie immer wieder neue Projekte anzupacken.




Mit den kurzweiligen Tagen in Bulawayo geht unsere Zeit in Zimbabwe leider schon zu Ende. Da der Zeckenbiss nun so gut verheilt ist, dass ärztliche Begleitung nicht mehr erforderlich ist, verabschieden wir uns von unserem Arzt in Chiredzi. Wir bedanken uns für seine WhatsApp-Begleitung auf unserer Reise und die kompetente und unbürokratische Unterstützung.

Auf der Fahrt zum Grenzübergang Plumtree / Ramokgwebane zweigen wir knapp 30 Kilometer ausserhalb Bulawayo nach links ab, um die Kapelle der Cyrene Mission zu besuchen. Dieses ausserordentliche Gotteshaus wurde auf Initiative von Edward Paterson gebaut und ausgestaltet. Edward Paterson wurde 1895 in Schottland geboren. In Südafrika studierte er Kunst und Theologie und ab 1928 arbeitete er dort als Diakon. Während seiner Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen aus Bulawayo ermutigte er diese, die christliche Lehre mit ihrem Alltag in Verbindung zu bringen. Er unterrichtete die Jugendlichen auch in künstlerischen Fertigkeiten und motivierte sie, persönliche Ideen und eigene gestalterische Elemente in ihren Werken umzusetzen. In der Folge liess er die Kapelle der Cyrene Mission innen und aussen von den Jugendlichen mit Begebenheiten aus der Bibel bemalen. Die ausgewählten biblischen Szenen spielen sich in afrikanischer Umgebung ab und alle dargestellten Personen haben schwarze Hautfarbe. Die in diesem Stil entstandene Kunst wurde in weiten Kreisen als Cyrene Art bekannt.


Die Grenzübertritte nach Botswana verlaufen effizient und unkompliziert. Das Carnet de Passage (CdP) ist bei beiden Grenzposten bekannt und auch diese Formalität ist schnell erledigt. Innerhalb einer Stunde sind wir unterwegs nach Francistown, der ersten Stadt in Botswana.

Zimbabwe präsentierte sich als wunderschönes, abwechslungsreiches und faszinierendes sowie generell einfach zu bereisendes Land. Wir haben uns durchwegs sicher und gut aufgehoben gefühlt. Obwohl die Lebensbedingungen für die Bevölkerung alles andere als einfach sind, haben wir die Personen, mit denen wir Kontakt hatten, als freundlich, aufgeschlossen, initiativ und äusserst hilfsbereit erlebt. In den vier Wochen, die wir in Zimbabwe verbracht haben, konnten wir nur einen Teil des Landes erkunden. Neben der ausserordentlichen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hat uns vor allem der Tierreichtum und die landschaftliche Vielfalt der National Parks Gonarezhou und Hwange und die Fahrt über den Karibasee beeindruckt. Eine zweite Reise im südlichen Afrika würde Zimbabwe auf jeden Fall wieder beinhalten.



























































